Titel: Lost Boys: The Pain Inside

Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Episode: 23. Garbers letzter Kampf (There’s Always A Catch)

Pairung: POV Hannibal, Murdock, Face, B.A.

Rating: A/R, PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Missing Scene: Hannibal wundert sich über den Ausraster des Piloten.

 

Hintergrund: Murdock hat in dieser Episode einen neuen, nervtötenden Spleen – einen als Wandschmuck präparierten Hummer, den er im Kahn ihrer Klienten, einer Familie, die vom Hummerfang lebt, gefunden hat. Er nennt ihn Thermador und unterhält sich mit ihm. Bei einem Zusammenstoß mit Schutzgelderpressern geht Therm allerdings zu Bruch und für einen Moment verliert Murdock völlig die Kontrolle über sich.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

 

“Face!” Doch es bedarf meiner Aufforderung gar nicht mehr – Face entledigt sich seines Angreifers und taucht einen Moment später neben Murdock auf, um ihn von dem reglos auf dem Boden liegenden Mann weg zu zerren, auf den der Pilot immer noch einschlägt. Ich bin nicht sicher, was passiert ist, denn ich hatte selbst genug mit Garber zu tun, der wie ein wütender Stier auf mich losging.

 

B.A. tritt neben mich, als Garber seine Schlägertruppe aufsammelt und sich mit ihnen davon macht. Zwei von ihnen schleppen den Kerl zwischen sich weg, auf den Murdock eingetreten hat. „Was ist nur mit dem Spinner los?“, fragt er atemlos.

 

Ich zucke mit den Schultern und zünde meine Zigarre frisch an. Also hat B.A. es auch bemerkt... aber natürlich hat er selbst im schlimmsten Kampfgetümmel immer ein Auge auf Face und Murdock, um ihnen zu Hilfe zu kommen, falls sie in zu heftige Bedrängnis geraten. Teufel, er schafft es sogar, noch auf mich aufzupassen. Er ist – und ich sage das mit der größten Dankbarkeit – unser selbsternannter Schutzengel, auch wenn man ihm das besser nicht ins Gesicht sagt. Knurrend humpelt B.A. ein paar Schritte weg, um sich einen Sitzplatz zu suchen, sein verletzter Fuß macht ihm offenbar mehr zu schaffen, als er zugeben will.

 

Ich beobachte die beiden jungen Männer. Face hat einen Arm um Murdocks Schulter gelegt und spricht leise auf ihn ein. Nach einem Moment macht sich der Pilot brüsk von ihm los und läuft ein paar Schritte weg. Er scheint etwas auf dem Boden zu suchen.

 

Face fängt meinen Blick auf und zuckt mit den Schultern, sein Gesicht zeigt einen ratlosen Ausdruck. Nach einem raschen Blick auf die Szenerie – wir sind noch alleine am Kai, doch das wird kaum lange so bleiben, da Decker bereits in der Stadt herumschnüffelt – trete ich neben den Piloten.

 

Murdock kauert auf dem Boden und betrachtet mit bekümmerter Miene ein Häufchen zertretener Hummerschalen, die einmal als stolze Trophäe an der Kabinenwand auf dem Hummerkahn unseres Klienten hingen. Er steht langsam auf und hält mir anklagend eine Hummerschere entgegen. „Sieh’ dir an, was sie Thermy angetan haben, Hannibal.“ In seiner Stimme ist noch immer kalte Wut. „Vielleicht, wenn ich etwas Wasser über ihn schütte und...“

 

Ich drücke seine Schulter. „Nein. Aber sein Geist lebt weiter, Captain. Thermy wird eine weitere Chance bekommen.“

 

Er sieht mich an und bevor er den Kopf senkt, überrascht mich das Aufblitzen von Wut und Qual in seinen Augen. Er stopft die Hummerschere in die Tasche und gesellt sich zu den anderen. Ich weiß, ich muss mit ihm reden. Aber jetzt fehlt uns die Zeit, wir müssen die Ersatzteile und das Baumaterial in den Van packen und von hier verschwinden, bevor Garber mit Verstärkung zurückkommt, der örtliche Sheriff sich blicken lässt oder gar Decker mit den unvermeidlichen Captain Crane an der Seite auftaucht. Ich gebe zu, dies ist wieder einmal einer dieser Pläne, die damit enden – um Murdock zu zitieren – dass mehr und mehr Leute auf uns wütend werden.

 

Face verstaut einen Karton mit Farbdosen unter seinem Sitz und wendet sich mir zu, nachdem er sich versichert hat, dass Murdock und B.A. mit dem Einladen der Ersatzteile für den Motor beschäftigt sind. „Ich mache mir Sorgen um ihn“, sagt er leise. „Hast du gesehen, wie er diesen Typen zugerichtet hat? Der war bewusstlos und Murdock hat ihn noch immer getreten. Und alles wegen dieses blöden Hummers!“

 

„Du hast gesehen, was passiert ist?“, frage ich ebenso leise.

 

„Dieser Typ... er hat nach Murdock geschlagen, aber statt dessen die Hummertrophäe getroffen, die Murdock noch immer mit sich herumschleppte. Das Ding ging zu Bruch und er tickte völlig aus.“ Face fuhr sich nervös durch die Haare. „Findest du nicht, er ist ein bisschen.... zu.... verrückt im Moment? Ich meine... dieses ganze Fischvibes-Gefasel, dass ist sogar für ihn schräg. Und es geht nicht nur B.A. sondern auch mir langsam gewaltig auf die Nerven.“

 

„Wir sind alle etwas müde von Deckers Verfolgungsjagd“, beruhige ich ihn - obwohl ich weiß, dass er vermutlich recht hat. „Sonst wäre B.A. doch niemals auf einen rostigen Nagel getreten und du hättest nicht so lange gebraucht, um die Krankenschwester zu bezirzen.“ Diese Behauptung hat den gewünschten Effekt – Face plustert sich auf und erklärt beleidigt, dass er schließlich Künstler sei und Kunst Zeit brauche. Dann macht er sich mürrisch wieder ans Einladen der restlichen Sachen. Das ist schon in Ordnung, in fünf Minuten hat er bereits wieder vergessen, dass er beleidigt war und ich habe seine Gedanken auf etwas anderes gelenkt. Es genügt völlig, wenn ich mir Gedanken über Murdock mache.

 

Auf der Fahrt zurück zum Haus unserer Klienten ist es sehr still im Van. Ich werfe einen Blick nach hinten. Face ist etwas zu angestrengt mit ein paar Schmutzflecken auf seiner Kleidung beschäftigt. Murdock hat sich auf dem Sitz zusammengekauert, seine langen Beine auf den Rücken des Fahrersitzes gestemmt, obwohl er weiß, wie empfindlich B.A. mit Schuhabdrücken ist. Er spielt noch immer mit der Hummerschere. Der Schirm seiner Mütze wirft einen Schatten über sein Gesicht, macht seine Züge unlesbar.

 

Wenn man ihn sich so ansieht und ihn nicht kennt, kann man sich nicht vorstellen, dass er derart in Rage geraten kann, dass er die Kontrolle über sich verliert. Aber Murdock hat einen erschreckenden Drang zur Selbstzerstörung und er braucht dazu nicht - wie ich es bei anderen gesehen habe – Alkohol oder Drogen. Diese Beobachtung ist nicht neu. Ich konnte es schon in ihm sehen, lange bevor man ihn für geisteskrank erklärte und einsperrte.

 

Als er in Vietnam immer häufiger als unser Pilot eingesetzt und mir klar wurde, dass ich ihn als ständigen Piloten für mein Team wollte – er war einfach der beste der ganzen Base – akzeptierte ich auch, dass es neben dem ewig grinsenden, comiclesenden Murdock mit seiner unfehlbaren Begabung, die Stimmung aufzuhellen, auch eine andere Seite gab.

 

Diese unbändige innere Wut und der Drang zur Selbstzerstörung.

 

Wenn Murdock wirklich wütend wurde, war es am besten, sich nicht in einem Raum mit ihm aufzuhalten. Sein Ruf war schlimmer als der von B.A. wenn es um Prügeleien ging, denn wenn er die Kontrolle über sich verlor, dann verlor er sie völlig.

 

Wenn seine Augen diesen dunklen, eiskalten Ausdruck annahmen, bekam man selbst dann das Gefühl, dass es besser wäre, zu gehen, wenn man sich auf seiner Seite befand. Obwohl er trotz all der Zankerei mit B.A. oder Face nie die Hand gegen ein Mitglied des Teams erhoben hat.

 

Natürlich ließen wir ihn nicht allein und so waren wir ein paar Mal Zeuge von recht hässlich ausartenden Barfights. Als sein CO musste ich ihn hinterher zur Rede stellen, doch ich kam nie richtig dahinter, was ihn zu diesem Verhalten trieb. Häufiger jedoch geriet er in Schlägereien, wenn er auf eigene Faust loszog und mit Prellungen und Platzwunden zurückkam.

 

Es war nicht unbedingt etwas ungewöhnliches, viele Soldaten reagierten ihre Ängste und Aggressionen auf diese Weise ab.

 

Aber Murdock hatte die unglückliche Angewohnheit, sich zu übernehmen, indem er sich nicht mit Einzelpersonen, sondern immer gleich mit einer ganzen Gruppe anlegte. Je betrunkener und streitsüchtiger, desto besser. Je geringer seine Chancen gegen sie standen, desto heftiger wurden seine Beleidigungen und Provokationen.

 

Es war eigentlich ein Wunder, dass er das ganze jedes Mal überlebte. Vielleicht lag es daran, dass der Alkohol zwar viele leichter reizbar, aber auch langsamer und reaktionsschwächer machte.

 

Und eines muss man Murdock lassen – ob betrunken, verletzt oder erschöpft – er ist selbst dann noch mit den Fäusten so schnell wie mit Worten.

 

Aber alle Prügeleien, alle Prellungen und Platzwunden und gebrochenen Finger konnten diesen unbekannten, inneren Schmerz nicht lindern, der in ihm zu brennen schien. Vielleicht begann damals bereits seine Abwärtsspirale in Richtung Wahnsinn, aber wer hätte das bei all der ohnehin herrschenden Verrücktheit schon bemerken sollen?

 

Als er länger bei uns war und sah, dass das Team ihn akzeptierte, geriet er seltener in Schwierigkeiten. Ray und Face nahmen ihn unter ihre Fittiche und trotz B.As Klagen über seine verrückten Ideen, war es mehr der immer grinsende und manchmal kindliche Murdock, der die Oberhand hatte.

 

Später... nach den Camps... war ohnehin nichts mehr wie zuvor. Genau wie seine Unbekümmertheit schien auch diese unbändige Wut erloschen zu sein. Die Narben und Wunden, die er innerlich wie äußerlich in Dan Hoi davongetragen hatten, reichten für zwei Leben...

 

Ich denke, er spürt meinen Blick, denn er sieht auf und als er die Hummerschere in die Tasche seiner Lederjacke stopft, liegt für einen Moment das vertraute, unbekümmerte, leicht verrückte Grinsen auf seinem Gesicht. Ich kann zu meiner Schande nicht einmal sagen, ob es echt oder nur aufgesetzt ist.

 

Ich nicke ihm zu und drehe meinen Sitz wieder nach vorne, als B.A. den Van in die Garage steuert, die man uns zur Verfügung gestellt hat. Er ist zu auffällig, als dass selbst Decker und seine Gurkentruppen ihn auf der Straße nicht wiedererkennen würden.

 

Manchmal frage ich mich, ob wir Murdock damit einen Gefallen tun, ihn mit auf all diese Jobs zu schleppen. Er beklagt sich nie darüber, doch ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich mit dem ganzen Stress umgehen kann. Dieser Ausraster heute war bedenklicher als Billy oder alle sprechenden Socken der Welt. Er war gefährlich. Und wenn diese alte Wut in Murdock wieder aufflackern kann, dann frage ich mich, was noch alles an Dunklem zurück ins Licht kriechen wird. Nicht nur in Murdock, sondern in uns allen.

 

Ich denke, wir müssen sehr behutsam mit ihm sein und ihn im Auge behalten. Er ist unsere Verantwortung. Wir sind schließlich die einzige Familie, die er hat.

 

 

Ende