Ohnmacht

T’Len

2008

 

 

 

Fandom: Inspektor Jury

Charaktere: Richard Jury, Melrose Plant, Alfred Wiggins

Kategorie: PG, Humor

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Summe: Man sollte nicht immer gleich die schmutzigsten Gedanken hegen. Oder liegt Wiggins mit seiner Vermutung etwa gar nicht so falsch?

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

 

„Ahhhh, ohhhhh, ahhhhhhhhh, uhhhhhh!“

 

„Himmel, Melrose, sei nicht so laut. Wiggins schläft nebenan und die Wände hier scheinen ziemlich dünn zu sein. Ich will nicht, dass er uns hört.“

 

„Nun hab dich nicht so, Richard“, murrte Melrose Plant. „Ein bisschen Gestöhne gehört doch dazu.“

 

„Muss das überhaupt ausgerechnet hier und jetzt sein?“, erwiderte Richard Jury. „Kannst du nicht abwarten, bis der Fall gelöst ist?“

 

„Nein, kann ich nicht“, erwiderte Melrose. „Dann verschwindest du wieder nach London und ich sitze alleine da.“ Er bemühte sich, seiner Stimme einen einschmeichelnden Klang zu geben. „Komm schon, mir zu Liebe. Lass es uns nur noch einmal machen.“

 

Richard seufzte. „Also schön. Einmal noch. Aber sei gefälligst nicht wieder so laut.“

 

„Okay.“ Melrose brachte sich auf dem Bett in Position. „Fang an und zeig mir, wie gut du bist. Gib mir alles!“

 

Richard schloss die Augen und seufzte. „Jaaaaa. Ich werde dich fertig machen. Jaaaa, ohhhhhh!“

 

„Gut so, Baby, das ist perfekt.“

 

///

 

Sergeant Alfred Wiggins saß aufrecht im Bett der kleinen Pension, in der er mit seinem Vorgesetzten und Mr. Plant abgestiegen war, um in einem Mordfall im Dartmoor zu ermitteln, da die dortige Polizei um Hilfe gebeten hatte. Wiggins lauschte. Die Geräusche aus Mr. Jurys Zimmer nebenan wurden immer seltsamer. Erst hatte er sie für lautes Schnarchen gehalten, doch jetzt klangen sie eindeutig mehr wie ein langgezogenes Stöhnen oder Heulen. Ob Jury sich nicht wohl fühlte?

 

Wiggins kämpfte einen Augenblick mit sich, ob er seinen Chef um diese späte Stunde noch belästigen sollte, doch dann siegte seine Besorgnis. Besser, er ging nachsehen, vielleicht brauchte Mr. Jury ja dringend Hilfe.

 

Er griff seine Reiseapotheke, ohne die er nie einen Schritt vor die Tür setzet, und schlüpfte in seine Pantoffeln.

 

///

 

„Was machst du denn jetzt?“ Richard blickte Melrose skeptisch an, als der sich auf allen Vieren aufs Bett kniete und mit den Händen auf die Matratze schlug.

 

„Nur ein paar neue Sachen ausprobieren“, erwiderte der.

 

Richard stellte sich hinter ihm. „Du bist wirklich verrückt.“

„Mist“, fluchte Melrose da plötzlich. „So funktioniert es nicht. Irgendwas machen wir falsch.“

 

„Warte mal“, Richard beugte sich über Plants Schulter. „Ich glaube, so geht es. Da muss es reingesteckt werden. Kuck, das ist das richtige Loch. „

 

Ein dumpfer Knall, ließ sie herumfahren. In der Tür stand, nein besser lag, Wiggins. Offensichtlich ohnmächtig.

 

Jury eilte sofort zu seinem Sergeant.

 

„Soll ich einen Eimer mit kaltem Wasser holen?“, fragte Melrose vom Bett.

 

„Willst du ihn umbringen?“, erwiderte Richard. „Hilf mir lieber, ihn hochzuheben. Aufs Bett. Und dann sorg für was Ordentliches zu trinken.“

Gemeinsam trugen sie Wiggins zum Bett.

 

„Wiggins, aufwachen.“  Richard schlug Wiggins mehrmals auf die Wange, während Melrose zur kleinen Bar in der Ecke ging und sich und Wiggins erst mal einen Whisky einschenkte.

 

„Hier, trinken Sie, das hilft.“ Er hielt dem Sergeant ein Glas hin, als dieser die Augen aufschlug, trank dann sein eigenes.

 

„Und ich krieg keines?“, erwiderte Richard.

 

Melrose seufzte und ging zur Bar zurück.

 

„Alles okay, Wiggins?“, fragte Jury. „Was war denn los?“

 

Wiggings gab Melrose das volle Glas zurück, als dieser mir Jurys ankam. „Könnte ich vielleicht ein Glas Wasser haben? Danke.“ Er blickte sich nach seiner Reiseapotheke um. Jury hob sie vom Boden auf und schloss die Tür.


„Sie werden mir doch nicht krank werden wollen“, sagte er und klang ehrlich besorgt. Wiggins hatte schon den ganzen Weg von London her gejammert, wie schlecht ihm die Moorluft bekäme. Aber er hatte das als dessen übliche Hypochondrie abgetan. Vielleicht war das ja ein Fehler gewesen und ihm fehlte tatsächlich etwas?

 

Wiggins schraubte ein Fläschchen auf und kippte eine grünlich-schimmernde Flüssigkeit in das Wasser, das Melrose ihm mittlerweile gebracht hatte. Nicht ohne zu bemerken, Jury wolle ihn hoffentlich nicht als Butler bei einer verdächtigen Familie einschleusen, wenn er hier schon nur noch rumkommandiert werde.

 

Richard bedachte ihm mit einem bösen Blick, nahm ihm sein Whisky-Glas aus der Hand und trank es in einem Schluck leer. Dann wandte er sich wieder Wiggins zu. „Soll ich einen Arzt rufen lassen?“

 

Wiggins schüttelte den Kopf. „Es war nur der Schock, Sir. Nichts weiter. Aber Sie und Mr. Plant so.... so...“ Er räusperte sich und trank einen großen Schluck seiner Flüssigkeit. „Es tut mir ehrlich Leid, Sir. Ich hörte Sie stöhnen und dachte, Sie bräuchten vielleicht medizinische Hilfe. Als Sie auf mein Klopfen nicht antworteten, bin ich einfach hereingekommen. Ich hatte ja keine Ahnung, dass Sie und Mr. Plant...“ Ein weiterer Räusperer, ein weiterer großer Schluck. „Ähem, Sie schützen sich doch hoffentlich!“

 

„Schützen? Vor wem?“ Melrose blickte Wiggins überrascht an. Wovon redete der eigentlich die ganze Zeit? Sie waren doch nicht etwa in Gefahr?

 

„Nicht wem, was“, sagte Wiggins und leerte sein Glas. „Ich meine ja nur, Ihnen ist doch hoffentlich klar, wie viele Krankheitserreger bei so einem... ähem Kontakt übertragen werden können. Da ist natürlich das HI-Virus, Hepatitis und...“

 

„Moment mal“, unterbrach Jury Wiggins Redeschwall. „Wollen Sie damit andeuten, Mr. Plant und ich, wir hätten Sex miteinander gehabt?“

 

„Ich wollte wirklich nicht stören, Sir“, versicherte Wiggins rasch. „Und es geht mich ja auch gar nichts an. Was Sie zwei tun, meine ich. Ich habe da auch wirklich kein Problem damit. Es war nur die plötzliche Überraschung, Sie so zu sehen, wissen Sie.“ Er betonte das so.

 

„Es war dein blöder Plan“, sagte Richard zu Melrose. „Nun zeig ihm auch die Details.“

 

„Aber Sir, ich will wirklich nicht...“ Wiggins schien plötzlich nervös zu sein und wollte sich erheben.

 

„Hören Sie ihm zu!“, befahl Jury.

 

Gehorsam sank der Sergeant in die Kissen zurück. Er wirkte immer noch sehr blass.

 

Melrose hob ein kleines, zylindrisches Gerät vom Nachttisch und gab es Wiggins, der es mit spitzen Fingern entgegen nahm. „Das ist eines dieser modernen, superkleinen Diktier- und Abspielgeräte“, erklärte er. „Ich habe es vor kurzem in London gekauft. Sie kennen doch meine Tante?“

 

Wiggins nickte.

 

„Und Sie erinnern sich vielleicht auch, wie sie dauernd in meinem Haus rumhängt und mich nervt. Nun, ich habe ihr erzählt, in Ardry End würde es neuerdings spuken und der Geist hätte es offensichtlich auf sie abgesehen. Natürlich glaubt sie mir nicht. Ich dachte, wenn ich das Gerät verstecke und entsprechende Geräusche abspiele, ergreift sie vielleicht die Flucht und ich habe zumindest für einige Zeit meine Ruhe vor ihr. Und damit sie meine Stimme nicht doch irgendwie erkennt, sollte Richard das Band besprechen. Das war das Stöhnen, dass Sie offensichtlich gehört haben.“ Nach dieser langen Erklärung brauchte er erst einmal etwas Feuchtes. Da sein Glas schon leer war, griff er zu dem von Wiggins verschmähten.

 

„Es tut mir leid, wenn wir Ihre Nachtruhe damit gestört haben“, setzte er anschließend noch hinzu.

 

„Außerdem, wir waren doch angezogen“, ergänzte Richard. „Wie kamen Sie bloß auf die Idee, wir könnten so Sex miteinander haben?“

 

„Wie dumm von mir. Darauf habe ich, ehrlich gesagt, gar nicht geachtet“ Wiggins lachte auf. „Ihr Plan ist äußerst interessant, Sir. Ich hoffe, ich kann einmal erfahren, wie er ausgegangen ist.“ Er wandte sich Jury zu. „Verzeihen Sie mir, Sir, meine unerhörten Unterstellungen. Als ich Sie vorhin so über Mr. Plant gebeugt sah... und Ihre Reden von... von reinstecken... aber Sie haben natürlich Recht, es war absolut unsinnig von mir anzunehmen, Sie und Mr. Plant könnten ein Paar sein.“

 

„Also um ehrlich zu sein...“ Richard warf Melrose einen fragenden Blick zu und der nickte. „Um ehrlich zu sein, Wiggins, Melrose und ich, wir sind schon seit drei Jahren und knapp fünf Monaten ein Paar.“

 

Ende