"Der Obelisk" ist eigentlich der erste Teil von "In den Katakomben".


 Bis bald, T'Sihek




Titel: Der Obelisk
Teil: 1/3
Prequel zu: In den Katakomben, steht aber auch für sich allein
Autor: T'Sihek
Serie: TOS
Paarung: S/f
Rating: AU, PG-13, h/c
Zusammenfassung: Spock untersucht ein seltsames Objekt auf einem Planeten. Dann geschieht etwas unerwartetes.
Feedback: Gerne! MCKuppler@t-online.de
Archiv: Für private Zwecke jederzeit.
Disclaimer: Spock und Kirk gehören Paramount/Viacom. Der Rest gehört mir und ich beabsichtige nicht, einen Gewinn  daraus zu erzielen - außer Spaß zu haben. Wer unter 18 ist oder homoerotische Erzählungen nicht mag, sollte bitte nicht weiterlesen.




Der Obelisk
Teil 1/3


"Sir, ich empfange einen Notruf."

"Auf den Schirm." Endlich gab es etwas zu tun. Seit Wochen schon flogen sie von einem Planeten zum nächsten und kartographierten sie. Der einzige, der noch unermüdlich bei der Arbeit war, war Spock. Als Wissenschaftlicher Leiter an Bord fiel es in seinen
Zuständigkeitsbereich, die Landetrupps auf den Planeten anzuführen. Kirk beneidete ihn fast schon um die Abwechslung.

Ein Notruf! Er beugte sich erwartungsvoll vor, als Uhura die Übertragung freischaltete.

"Hier spricht Seveno, der Pilot der Raumyacht T'Pera. Unser Schiff wurde in einem Meteoritenschauer schwer beschädigt, unser
Navigationssystem ist ausgefallen. Wir bitten um Hilfe."

Der Schirm wurde wieder schwarz.

Kirk drehte sich zu Uhura um. "Das ist alles?"

Sie zuckte mit den Schultern. "Das ist alles, Sir. Keine Koordinaten oder sonstige Daten. Es handelt sich um eine Aufzeichnung, die in
regelmäßigen Abständen wiederholt wird."
Kirk rieb sich das Kinn.

"Spock, was halten Sie davon?"

"Der Notruf ist echt." Er richtete sich an seiner Konsole auf. "Ich kann ein entsprechendes Schiff orten. Fünf Lebensformen an Bord.
Koordinaten... 3 - 7 - 5. Ich gebe die genaueren Daten an die Navigation weiter."

Er betätigte einige Schalter und Kirk sah, wie Sulu den Empfang der Daten bestätigte.

Es war nicht weit entfernt, der Flug würde nur einige Minuten dauern.
"Nehmen Sie Kurs, Sulu."

"Aye Sir, Warp zwei."

+++++

Nach wenigen Minuten drosselte Sulu die Geschwindigkeit und die Enterprise kehrte in den Normalraum zurück.  Vor ihnen hing eine
kleine Raumyacht im All. Die Außenhaut war an mehreren Stellen beschädigt, schwarze Streifen zogen sich über den schlanken Leib des Schiffes.

"Daten, Spock."

"Die Lebenserhaltungssysteme funktionieren noch, wenn auch schwach.
Navigation und Antrieb sind inzwischen völlig ausgefallen. In zwei Bereichen sind schwere Strukturrisse entstanden. Das Schiff wird in Kürze auseinanderbrechen, Captain."

"Uhura, Sprechverbindung zum Schiff."

Sie nahm die Schaltungen vor und wieder erschien das Bild des Vulkaniers auf dem Schirm. Kirk musterte den Mann. Er schien recht
groß zu sein. Schwarzes Haar, dass er deutlich länger trug, als Spock, umrahmte ein attraktives Gesicht: dunkle Augen, die typischen
schrägen Augenbrauen, volle Lippen und ein kantiges Kinn. Er sprach mit einer tiefen Stimme.

"Captain." Er senkte den Kopf in einer Geste der Begrüßung. Hinter ihm wallte Rauch durch den kleinen Kommandoraum. Kirk konnte die Umrisse von vier weiteren Vulkaniern sehen.

"Ich bin Captain Kirk vom Föderationsraumschiff Enterprise. Ihr Schiff wird auseinanderbrechen. Wenn Sie bereit sind, lasse ich Sie
an Bord beamen."

Seveno nickte. "Einverstanden, Captain Kirk."

Kirk zögerte einen Moment und warf einen Blick auf Spock, der sich geflissentlich außerhalb der Aufnahmesensoren hielt. Die Vulkanier auf dem Schiff konnten ihn nicht sehen.

Spock nickte leicht und formte mit den Lippen stumm ein Wort: Ziel.

Kirk war ein ähnlicher Gedanke durch den Kopf gegangen. Es handelte sich um ein kleines Schiff, wie es eigentlich nur für den Verkehr im interplanetaren Raum verwendet wurde. Es war durchaus raumtüchtig.
Dennoch war es etwas außergewöhnlich ein solches Schiff im freien Raum anzutreffen.

Kirk entschloss sich, direkt vorzugehen.
"Ihre Anwesenheit mit diesem Schiff im intergalaktischen Raum ist etwas ungewöhnlich. Meines Wissens gibt es in den nähergelegenen Sonnensystemen keine bewohnten Planeten."

Seveno schüttelte den Kopf. "Sie irren sich, Captain. Wie gesagt, unser Navigationssystem ist ausgefallen. Wir wissen daher nicht, wo
wir sind. Ursprünglich waren wir im Sonnensystem von Devan unterwegs."

Der Name sagte Kirk nichts und er warf Spock einen fragenden Blick zu. Der Vulkanier schien genau zu wissen, wovon Seveno sprach. Seine Augenbrauen waren bis an sein Stirnpony geklettert und eine steile Falte bildete sich dazwischen. Doch er nickte Kirk bestätigend zu.

"In Ordnung, halten Sie sich bereit an Bord zu kommen. Kirk Ende."

Er gab Uhura einen Wink und sie beendete die Verbindung.

"Kirk an Transporterraum: Chief O'Brian, beamen Sie sie an Bord."

"Aye, Sir."
Kirk konnte durch das aktivierte Interkom das vertraute Sirren des Transporters hören.

"Sir, unsere Gäste sind angekommen."

"Danke, Chief."

Kirk deaktivierte das Interkom und stand auf. "Spock, Pille, begleiten Sie mich bitte. Wir wollen unsere Gäste begrüßen."

Die beiden folgten ihm schweigend. Als sie den Turbolift verließen, blieb Kirk stehen.

"Also Spock. Was hat es mit Devan auf sich."

Der Vulkanier schwieg einen Moment und legte die Hände auf den Rücken.
"Devan ist eine Sonne vom Sol-Typ. Ihr System beinhaltet acht Planeten, von denen zwei eine für Vulkanier bewohnbare Oberfläche
aufweisen: die durchschnittliche Temperatur läge für Menschen zu hoch. Es handelt sich dabei um Devan IV und Devan V. Es ist gut
möglich, dass das Schiff zwischen diesen beiden Planeten unterwegs gewesen ist."

Kirk nickte. "Und was ist mit den Vulkaniern. Kenne Sie sie? Ich hatte den Eindruck, dass Sie irgendetwas beunruhigt."

Spock zögerte kurz. "Seveno ist mir unbekannt. Aber ich weiß, welche Gruppe von Vulkaniern Devan besiedelt hat."

"Welche Gruppe? Was wollen Sie andeuten? Sie reden doch sonst nicht um den heißen Brei herum."
McCoy sah ihn neugierig an.

Der Vulkanier seufzte lautlos. "Wie Sie beide wissen lebt mein Volk nach den Lehren Suraks. Es gibt jedoch immer wieder Einzelne, die die strengen Verhaltensregeln missachten. Der Rat der Zwölf - Vulkans Regierung, wenn Sie so wollen - hat dieser Splittergruppe vor einigen Jahrzehnten nahegelegt, den Planeten zu verlassen. Sie taten es und besiedelten Devan."

Kirk nickte langsam. Sie hatten es also mit Vulkaniern zu tun, die vermutlich eher den Romulanern ähnelten.

Spock schien seinem Gedankengang gefolgt zu sein. "Es handelt sich nicht um gemäßigte Romulaner, Captain. Sie lehnen lediglich eine zu strenge Kontrolle der Emotionen ab."

Kirk zuckte mit den Schultern. "Nun, jetzt sind wir gewarnt. Sehen wir Sie uns an."

Zielstrebig marschiert er davon. McCoy folgte ihm und Spock bildetet das Schlusslicht, so dass er als letzter der drei den Transporterraum betrat. Er wäre fast in Kirk hineingerannt, der verblüfft stehen geblieben war.

Spock musterte ihn. Die emphatischen Fähigkeiten des Captains und des Bordarztes entsprachen dem menschlichen Durchschnitt. Und beide waren durch den engen Kontakt mit ihm an das psionische Grundsummen gewöhnt, das manchmal von Telepathen ausgehen konnte. Doch Spock achtete stets darauf, sich zu kontrollieren. Nichts bereitete die beiden auf das vor, was sie jetzt erlebten. Nun, es würde zu mindest für den Doktor lehrreich sein. Vielleicht würde er jetzt einsehen, dass es durchaus einen Sinn hatte, dass Spock seine Emotionen unter strengem Verschluss hielt.

Er verstärkte instinktiv seine Schilde, dennoch konnte er das laute mentale Summen wahrnehmen, dass von den fünf Vulkaniern ausging. Sie waren nervös, gereizt und verwirrt. Seveno hatte sie offenbar nicht darüber aufgeklärt, dass sie an Bord gebeamt werden würden.

Kirk schluckte. Er fühlte, wie eine Flutwelle von Emotionen und Gedanken durch sein Bewusstsein schwappte, sobald er den Raum betrat. Er hatte bereits bei mehreren Gelegenheiten seinen Geist mit dem Spocks verschmolzen, wusste daher, was seine Empfindungen zu bedeuten hatten. Das änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass es ihn daran hinderte, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.

Er spürte, wie Spock ihn wie beiläufig am Arm berührte, als er an ihm vorbeiging. Sofort legte sich eine Art Filter vor seine
Wahrnehmungen: Spock hatte seine mentalen Schilde auf ihn ausgedehnt. Kirk warf einen Seitenblick auf McCoy. Dessen Mine zeigte deutlich an, dass er nach wie vor den intensiven mentalen Botschaften ausgesetzt war. Spock schien die Gelegenheit, McCoy eine Lehre erteilen zu können, zu genießen.

Kirk musterte die kleine Gruppe. Es handelte sich um zwei hinreißend schöne Vulkanierinnen und drei männliche Vulkanier, die den Frauen nicht an Attraktivität nachstanden. Ein inneres Glühen schien von ihnen allen auszugehen. Er fragte sich, ob dies eine Folge der
unzureichenden mentalen Kontrolle war. Er würde Spock bei Gelegenheit einmal danach fragen.

Seveno trat vor. "Captain Kirk. Ich danke Ihnen im Namen meiner Gefährten für Ihr schnelles Handeln. Darf ich fragen, was jetzt mit
uns geschieht?"

Kirk grüßte ihn mit einem Nicken. Keiner der anwesenden sechs Vulkanier hob die Hand zum vulkanischen Gruß. Also tat er es auch
nicht.

"Wir werden sie zu ihrem ursprünglichen Heimathafen oder ihrem Zielort bringen. Je nachdem, was Sie vorziehen."

Ein knappes Nicken war die Antwort. "Dann möchte ich Sie bitten, uns nach Devan V zu bringen, Sir."

Eine der beiden Frauen trat vor Spock und blieb dicht vor ihm stehen.

Sie sprach ihn mit einem kehligen Laut an, der durchaus ein Name sein konnte. Es war Kirk unmöglich, den Begriff zu wiederholen.

Spock hob eine Braue. "Ich würde es vorziehen, wenn du meinen offiziellen Namen verwendest, T'Lera."

Sie legte den Kopf zurück und lachte leise. Kirk bemerkte, dass sie vulkanisch sprach, doch der automatische Translator übersetzte ihre Worte sofort.

"Spock. Auf einmal politisch korrekt?" Die Ironie in ihrer Stimme wurde selbst in der Übersetzung hörbar.

"Das tut nichts zur Sache."

Sie öffnete ihr Bewusstsein und ließ ihm ihre Empfindungen entgegenfluten. Er wich einen Schritt zurück. Dann spürte er, dass
Seveno ihn mit offener Feindseligkeit musterte. Er sah ihn an und zuckte vor dem offenen Hass des anderen zurück.

T'Lera hatte die stumme Kommunikation beobachtet. "Seveno ist mein Verlobter Spock. Doch noch ist die Bindung nicht vollzogen."

Ihre offene Anspielung ließ einen diffusen Unmut in ihm entstehen.
Sie hatten sich einmal gut gekannt. Doch das schien eine Ewigkeit her zu sein. Er war ihr auf Vulkan begegnet, wenige Tage bevor er den Planeten verließ um sein Studium an der Starfleet-Akademie zu beginnen. Und er hatte kein Interesse daran, jene kurze, aber nicht
weniger heftige Beziehung wieder aufzunehmen.

Mit einem Seitenblick auf Kirk trat Spock an die Komtafel an der Wand heran und deaktivierte den Translator. Was er zu sagen hatte, war nicht für die Ohren der Menschen bestimmt.

Kirk beobachtete ihn fasziniert. Das Verhalten des Vulkaniers hatte sich auf sehr subtile Weise verändert. Entweder ließen ihn die so
direkt zur Schau getragenen Emotionen der anderen nicht kalt, oder er schlug sie mit ihren eigenen Waffen. So genau konnte Kirk es nicht unterscheiden.

Spock wendete sich der Gruppe zu und begann in einem gutturalen Dialekt seiner Heimatwelt zu sprechen. Seine Stimme klang ungewohnt scharf und schneidend. Er ließ, vermutlich bewusst, eine deutliche Gereiztheit mitschwingen.

Der Captain konnte sehen, dass die Worte nicht ohne Wirkung auf die Vulkanier blieben. Einige runzelten unwillig die Stirn, die andere
Frau fiel ihm ins Wort und redete wild gestikulierend auf ihn ein.

Spocks unerschütterliche Gelassenheit bildete eine scharfen Kontrast dazu. Er hörte sich ihren Wortschwall einen Moment lang an, dann hob er die Hand.

"Kroykah." Der knappe Befehl verfehlte seine Wirkung nicht: sie schwieg sofort.

Seveno trat vor. Er schien der einzige der fünf zu sein, der Federation sprach.

"Spock. Nur weil du ein Mitglied des Clans Telek-san-Deen bist, hast du noch lange nicht das Recht, uns zurechtzuweisen."

Spock funkelte ihn mit einem eisigen Blick an und Kirk zog unwillkürlich den Kopf ein. Plötzlich war er froh, dass Spock auf
seiner Seite stand und für gewöhnlich ein freundliches Verhalten an den Tag legte.

"Doch, Seveno. Ich habe dieses Recht und du weißt das."
Der Umstand, dass Spock eine vertrauliche Anredeform benutzte, störte den anderen sichtlich. Er trat an Spock heran und zischte ihm etwas ins Gesicht.

Kirk konnte dem Tonfall entnehmen, dass es sich um eine Beleidigung handeln musste.

Spock zog die Augenbrauen zusammen und bedachte den anderen mit einem eisigen Blick. Sie waren gleich groß, doch Seveno war deutlich muskulöser. Spannung knisterte zwischen den beiden Männern, als sich ihre Blicke ineinander bohrten.

T'Lera schob sich zwischen die beiden Männer und drückte sie auseinander. Es kümmerte sie nicht, dass sich dabei ihr Körper an
beiden rieb.

Spock zog scharf die Luft ein und wich zurück, als er den Kontakt spürte.

Sie sprach beide auf vulkanisch an, wandte sich dann an die anderen Vulkanier.

Plötzlich spürte Kirk, wie das mentale Knistern und Rauschen leiser wurde. Der wilde Ansturm der fremdartigen Emotionen ebbte ab. Er begriff, dass die Vulkanier ihre mentalen Schilde verstärkt hatten, und ihre Empfindungen kontrollierten. Erleichtert atmete er auf.
Spock aktivierte mit einem letzten warnenden Blick auf Seveno den Translator.

Dann nickte er, wieder äußerlich ruhig und gefasst, seinem Captain zu, gab ihm damit das Wort zurück.

Kirk konnte in den dunklen Augen sehen, dass es noch immer in Spock tobte.

"Meine Damen, meine Herren. Die Vorschriften der Sternenflotte sehen vor, dass jeder, der an Bord kommt, sich einer genauen medizinischen Untersuchung unterziehen muss. Ich möchte Sie daher bitten zu kooperieren, und Dr. McCoy ins Bordlazarett zu folgen." Er suchte nacheinander den Blick der fünf Vulkanier. Sie zögerten kurz, nickten dann aber.

McCoy warf ihm einen finsteren Blick zu.
"Willst du mir das wirklich antun, Jim?" raunte er leise. Kirk grinste und zuckte mit den Schultern.

"Sie werden sich ... benehmen, Dr. McCoy." Spock sah ihn nicht an, hielt den Blick auf Seveno gerichtet.

Der Blick des Arztes wechselte zwischen den beiden hin und her. Dann drehte er sich um.
"Folgen Sie mir bitte."

Kirk wartete, bis er mit Spock allein war.
"Was ging da vor sich, Spock?"

"Ich habe sie aufgefordert, sich an Bord des Schiffes entsprechend den Lehren Suraks zu verhalten."

"Und wenn sie es nicht tun?"

Spock hob eine Braue und legte die Hände auf den Rücken. "Als Mitglied eines der drei obersten Clane des Rates der Zwölf stehen mir
im vulkanischen Recht gewisse... Befugnisse zu."

Kirk musterte das ausdruckslose Gesicht, dann nickte er. Er wollte gar nicht so genau wissen, wovon sein Erster Offizier sprach.
Schweigend machten sie sich auf den Rückweg zur Brücke.

+++++

Als Spock sich wieder seiner Konsole zuwandte, bemerkte er einige ungewöhnliche Daten. Aus reiner Routine hatte er die Sensoren auf einen Sternennebel gerichtet, in dessen Nähe sie auf dem Weg nach Devan vorbeflogen.
Es handelte sich um die gewöhnlichen Überreste einer Nova. Und dennoch lieferten ihm die Sensoren merkwürdige Daten, die nicht zur üblichen Norm passten.

Eine Signallampe seiner Konsole blinkte und er rief die Nachricht auf, die einer seiner Wissenschaftler ihm geschickt hatte.
 Laura McAllister war ebenfalls auf die Daten aufmerksam geworden.
Interessiert überflog er einige Vermutungen, die sie über die Natur der Werte anstellte, die offensichtlich nicht zum Nebel gehörten.
Zwar konnte er ihren Gedankengängen nicht unbedingt folgen - sie schienen auf reiner Intuition zu beruhen - doch machten sie dennoch deutlich, dass sie eine brillante Wissenschaftlerin zu werden versprach. Sie hatte sich während ihres Studiums bewusst nicht für eine einzige Studienrichtung entschieden, sondern so wie er, einen allgemeinen Abschluss der Wissenschaften angestrebt. Gerade dies machte sie zu einem seiner wertvollsten Mitarbeiter.

+++++

Spock hatte im Kommandosessel Platz genommen. Kirk hatte ihn aufgefordert, ihn zu vertreten. Scott hatte eine neue Justierung der
Triebwerke vorgenommen und den Captain gebeten, im Maschinenraum an einer kleinen Vorführung teilzunehmen.

Die Türhälften des Turbolifts glitten auseinander. Spock drehte sich nicht um, da er Kirk oder McCoy vermutete. Doch die Schritte klangen anders.

"Spock!? Ich wusste nicht, dass du der Kommandant des Schiffes bist!"

T'Lera trat zielsicher auf die Brücke. Die beiden Sicherheitswächter beobachteten sie scharf, griffen jedoch nicht ein, als Spock knapp
den Kopf schüttelte.

Er stand auf.
"Ich muss dich bitten, die Brücke zu verlassen. Du hast als Zivilist keinen Zutritt."

Sie achtete nicht auf seine Worte, trat dicht an ihn heran. Sie murmelte etwas auf vulkanisch, doch es war so leise, dass der
automatische Translator nicht reagierte.

Spock hob eine Braue.
"Ich wiederhole es noch einmal: Bitte verlas die Brücke."

"Du willst mein Angebot nicht annehmen?"

"Nein."

Uhura musterte unauffällig die beiden Vulkanier. T'Leras unmittelbare Nähe schien Spock nicht zu behagen. Sie konnte sehen, wie sich sein Nacken versteifte, als er kaum merklich den Kopf hob.
Er atmete tief ein und trat einen Schritt zurück.

Das Verhalten der Vulkanier erschien ihr seltsam. Sie war so an Spocks Selbstbeherrschung gewöhnt, dass sie sich nie Gedanken darüber gemacht hatte, weshalb es sein Volk vorzog, sich selbst einer so strengen Disziplin zu unterziehen. Sie beobachtete T'Lera. Ihre Körpersprache ließ eindeutig erkennen, dass sie versuchte Spock zu verführen. Abscheu regte sich in ihr. Es hatte sich herumgesprochen, dass T'Lera und Seveno ein Paar waren. Und es war bekannt geworden, dass die beiden anderen Vulkanier  intimen Kontakten mit zwei von Scotts Mitarbeiterinnen keineswegs abgeneigt waren. Was die zweite Vulkanierin anging: sie war etwas zurückhaltender, flirtete jedoch inzwischen mit einem Mitarbeiter aus Sulus Abteilung.

Wenn alle Vulkanier früher, bevor Surak seine Lehren verbreiten konnte, so emotional und heißblütig gewesen waren, konnte sie nur
froh sein, dass sie inzwischen ein anderes Verhalten an den Tag legten. Sie konnte sich kaum vorstellen, was geschehen wäre, wenn
beim ersten Kontakt zwischen Menschen und Vulkaniern Suraks Lehren nicht bereits so tief in Spocks Volk verankert gewesen wären.

Spock wandte sich von T'Lera ab. Er sprach die beiden Sicherheitskräfte an, die Routinemäßig auf der Brücke Dienst taten.
"Bitte begleiten Sie unseren Gast zu ihrer Kabine, Lieutenant Andros."

Der stämmige Sicherheitsmann nickte und trat neben T'Lera.

"Du lässt mich abführen?!"

Spock nickte unbeeindruckt von ihrer Wut. Uhura und Sulu, die mit ihm Dienst taten, zuckten zusammen und drehten sich beide zu ihnen um.

"Beherrsche dich, T'Lera" zischte er gefährlich leise.

Sie warf den Kopf zurück. "Und wenn nicht?"

"Ich bin zwar nicht der Captain des Schiffes, wie du vorhin fälschlicherweise angenommen hast, sondern sein Stellvertreter. Aber
ich habe dennoch das Recht dich und deine Begleiter in den Kabinen festzuhalten, bis wir Devan erreichen. Und ich werde nicht zögern, von diesem Recht Gebrauch zu machen, wenn ihr nicht kooperiert." Er funkelte sie an, hielt jedoch seine Wut unter Kontrolle.

Sie starrte zurück, maß ihn mit den Blicken.
"Du wärest tatsächlich dazu imstande, nicht wahr?"

Spock nickte ruhig. Dann gab er Andros ein Zeichen.
Der Sicherheitsmann griff nach ihrem Arm und führte sie zum Turbolift.
Bevor sich die Tür hinter ihnen schloss, hörte sie Spocks Stimme.

"Wenn ihr euch frei im Schiff bewegen wollte, rate ich dir, deine Begleiter zu warnen."

+++++

T'Lera schob ihren Teller zurück. Sie genoss es sich im Freizeitraum des Schiffes aufzuhalten. Dort bot sich eine glänzende Gelegenheit mehr über die Menschen zu erfahren. Insbesondere die Männer dieser Spezies interessierten sie. Sie wusste, das Sev und Silen bereits umfassende Erfahrungen mit einigen der Frauen gesammelt hatten. 

Spocks eisige Ablehnung ärgerte sie und sie freute sich, dass auf diese Weise das Interesse der weiblichen Besatzung an ihm noch mehr stieg. Seine Selbstbeherrschung stand in krassem Gegensatz zu dem Verhalten der anderen drei männlichen Vulkanier. Es war ihm unangenehm, so in den Mittelpunkt der Gespräche und Tuscheleien der Frauen an Bord zu geraten. Besonders eine blonde Krankenschwester wich ihm nicht von den Fersen. Sie himmelten ihn auf eine Weise an, die sogar T'Lera als peinlich empfand.

Ihr Blick fiel auf eine junge Wissenschaftlerin, die zu Spocks Team gehörte. Sie schien beinahe die einzige Frau an Bord zu sein, die
sich keine Gedanken über Spocks Fähigkeiten als Liebhaber zu machen schien. Zudem hatte sie einen deutlichen Antrag Sevs ziemlich brüsk abgelehnt.

T'Lera senkte ihre Schilde und versuchte etwas von den Gedanken der Frau zu erfühlen. Zu ihrer Überraschung stellte sie fest, dass sie anders als vermutet, sogar ein sehr großes Interesse an Spock hegte.

Nachdenklich wanderte ihr Blick zu ihren Gefährten. Sie alle hielten sich hier auf.
Da keiner von ihnen auf die  Annehmlichkeiten, die sie auf dem Schiff genießen konnten, verzichten wollte, hatten sie sich schließlich
Spocks Forderungen gefügt. Sie achteten in Gegenwart der Menschen darauf, ihre psionischen Fähigkeiten, wie von Spock verlangt, unter Kontrolle zu halten.

Sie beobachtete den reservierten Vulkanier unter halb gesenkten Augenlidern.
Er war in ein Gespräch mit seinem Captain vertieft. Sie versuchte, den Worten zu folgen, doch sie ergaben nur wenig Sinn für sie.
Offenbar ging es um ein schiffinternes Problem. Sie entschloss sich, ihn noch ein wenig mehr zu reizen.

"Dürfen wir uns zu Ihnen setzen?"

Spock sah auf, als Seveno ihn ansprach. Er musterte den kräftigen Vulkanier. Dann nickte er und deutete auf einen der freien Stühle.

Kirk nahm einen Schluck von seinem Drink. Sein Blick wanderte über das Paar. T'Lera schien die Anwesenheit ihres Partners überhaupt nicht wahrzunehmen. Ihre Aufmerksamkeit war allein auf Spock gerichtet. Einmal mehr fragte sich Kirk, welcher Art die Beziehung zwischen den beiden war. Dass sie sich kannten - sehr gut kannten - war offensichtlich. Doch Spock schien ihr aus irgendeinem Grund aus dem Weg zu gehen.

Seveno beugte sich vor und berührte sie am Arm. Sie zuckte zusammen und schien einen Moment lang desorientiert zu sein.
"T'Lera?"

Sie nickte und griff schnell nach ihrem Glas. "Ich war nur in Gedanken versunken, Seveno."

"Das habe ich gemerkt." Er zog unwillig die Brauen zusammen und warf Spock einen giftigen Blick zu. Der Erste Offizier der Enterprise hob nur gelassen eine Braue.

Kirk beobachtete fasziniert die stumme Kommunikation zwischen den Vulkaniern. Er fragte sich, ob sie auch telepathisch Kontakt
aufgenommen hatten. Aus seiner langen Erfahrung mit Spock war er so an das psionische ,Untergrundsummen', wie er es für sich nannte, gewöhnt, dass er inzwischen nicht mehr sagen konnte, ob er es bewusst wahrnahm oder nicht.

T'Lera sprach Spock an: "Ich sehe, dass du deine Harfe mitgebracht hast, Spock. Würdest du für mich spielen?"

Der Vulkanier zögerte einen Moment, dann nickte er. Kirk sah, dass er Sevenos Blick mied. Was ging hier vor?

Spock drehte sich um und stellte die Harfe, die er hinter sich an die Wand gelehnt hatte, auf den Tisch. Dann begann er damit sie zu
stimmen. Leise Töne hallten durch den Raum und die Gespräche der Besatzungsmitglieder, die sich zu dieser späten Stunden noch im
Freizeitraum aufhielten, wurden merklich leiser. Es kam nicht sehr oft vor, dass Spock auf der Harfe spielte, doch alle mochten die
seltsam wehmütigen Melodien, die er den Saiten entlockte. Kirk wusste, dass es sich nicht um ein elektronisches Instrument handelte.
Die Saiten bestanden aus den Därmen eines auf Vulkan lebenden Raubtieres. Und nur, wenn ein solches Tier getötet werden musste,
weil es einen Vulkanier, der allein in der Wüste unterwegs war angriff, wurde eine neue Harfe hergestellt. Vulkanier vermieden es zu
töten wenn es nicht um ihr Leben ging. Entsprechend selten und wertvoll waren diese Harfen.

Spock hatte das Instrument gestimmt und sah fragend zu T'Lera. Sie legte den Kopf ein wenig schief und hielt seinen Blick fest, dann
nannte sie ihm einen Titel. Spocks Augenbrauen wanderten nach oben, seine Hände bewegten sich nicht.

"Bitte, Spock, spiele es für mich. Du hast es schon einmal für mich gespielt."

Ihre Stimme war völlig ruhig. Dennoch konnte Kirk spüren, dass sich hinter den Worten mehr verbarg. Spock schien sich in seiner Haut nicht recht wohl zu fühlen. Doch dann gab er sich einen Ruck und begann zart über die Saiten zu streichen. Sanfte Töne entstanden. Es klang, als würden sie vom Wind herbeigetragen. Kirk schloss die Augen. Er fühlte sich in die vulkanische Wüste versetzt, konnte fast den heißen trockenen Wind und die Hitze spüren.

Er hörte, wie ein Stuhl zurückgeschoben wurde und öffnete die Augen.
T'Lera war aufgestanden. Sie trat einige Schritte vom Tisch weg. Dann hob sie die Hände zu ihrer kunstvoll aufgesteckten Frisur und zog die Spangen heraus. Mit einem energischen Kopfschütteln löste sie die Zöpfe auf. Langes, pechschwarzes Haar fiel in weichen Wellen bis auf ihre Hüften hinunter.

Kirk schluckte. Sie wirkte plötzlich alles andere als beherrscht und reserviert. Dann streckte sie die Arme in einer eleganten Bewegung
nach oben und begann im kaum wahrnehmbaren Rhythmus der Melodie zu tanzen. Ihr Körper schwang kaum merklich hin und her, wiegte sich im Wind, der von den sanfte Tönen zum Leben erweckt wurde.

Kirk warf einen Blick auf Spock. Der Vulkanier spielte, ohne den Blick von ihr zu wenden. Seine Finger strichen blind über die
zahlreichen Saiten. Er hatte die Lippen zusammengepresst und in seiner Wange zuckte ein Muskel.

T'Lera bewegte sich jetzt schneller. Tanzte mit einer Anmut, die den Menschen im Raum den Atem nahm. Und noch etwas haftete ihrem Tanz an: Eine Sinnlichkeit, die jede Orionerin in den Schatten stellte. Kirk schluckte. Er konnte kaum die Augen von ihr lassen. Bemerkte erst jetzt, wie aufreizend weiblich ihr Körper war.

Er hörte, wie Spock neben ihm schneller zu atmen begann. Offenbar ließ selbst ihn der erotische Tanz nicht kalt.

"Das reicht jetzt."
Seveno war aufgesprungen und stieß die Harfe vom Tisch. Die Musik erstarb und nur das rasche Atmen der Männer war in der plötzlichen Stille zu hören.

Er trat auf T'Lera zu und sprach sie auf vulkanisch an. Seiner Stimme war deutlich anzuhören, dass er mit ihrer Darbietung nicht
einverstanden war. Sie legte den Kopf zurück und sah ihn herausfordernd an.

"Noch ist die Bindung nicht vollzogen, Seveno" erwiderte sie in Federation-Standard, so dass alle im Raum sie verstehen konnten.
"Es ist allein meine Sache, wenn ich tanzen will."

"Mag sein, aber nicht hier!"
Er wollte sie am Arm packen, doch sie entwand sich ihm und verließ den Raum.

Langsam setzten die Gespräche wieder ein und Kirk wusste, was das Hauptthema auf dem Schiff in den nächsten Tagen sein würde. Er warf einen Blick auf Spock und war plötzlich froh, dass dieser stets eine eiserne Selbstbeherrschung an den Tag legte. Sevenos Begleiter  legten noch immer keinen solchen Wert darauf und die Folge davon war, dass das heißblütige Temperament der Vulkanier, das Spock stets unter einer Patina aus Ruhe und Gelassenheit zu verbergen verstand, offen sichtbar wurde. Die Menschen an Bord, die an Spocks Selbstbeherrschung gewöhnt waren, reagierten entsprechend verwirrt.

Die Vulkanier waren nicht so offen emotional und grausam wie es die Crew von den Romulanern kannte, aber es wurde deutlich, dass die emotionale Selbstkontrolle der Vulkanier durchaus einen Sinn hatte. Spock hob die Harfe wieder auf und überprüfte sie kurz. Sie schien keinen Schaden genommen zu haben. Doch er wollte auch nicht mehr darauf spielen.

Bevor das Schweigen zwischen ihnen peinlich werden konnte, lud ihn Kirk zu einer Partie Schach ein. Spock willigte ein.

+++++

Der nächste Dienst verlief weitgehend ereignislos. Kirk verbrachte die meiste Zeit damit, in seinem Sessel zu sitzen und in die Sterne
zu starren. Er fragte sich, was T'Lera damit bezweckte, wenn sie Seveno immer wieder mit Spock provozierte. Die beiden waren praktisch verheiratet. Spock hatte ihm auf seine beharrlichen Fragen hin schließlich ziemlich unwillig erklärt, dass nur noch die körperliche Vereinigung zur Besiegelung der mentalen Bindung fehlte. Doch anscheinend weigerte sich T'Lera auf Sevenos Forderung einzugehen. Und da keiner von beiden im Bann des Pon farr stand, hatte sie das Recht dazu.
McCoy hatte nur den Kopf geschüttelt und etwas über die komplizierten privaten Verflechtungen der Vulkanier gemurmelt.

Kirk musterte nachdenklich Spocks gebeugten Rücken. Der Vulkanier verharrte nun schon seit fast zwei Stunden in dieser
unbequemen Position und traktierte seinen Computer mit ungewohnter Heftigkeit. Schließlich stand Kirk auf und trat neben die
wissenschaftliche Konsole.

"Setzen Sie sich Spock. Ich möchte nicht dafür verantwortlich sein, dass Sie Rückenschmerzen bekommen."
Spock sah irritiert von seinem Bildschirm auf. Er hatte überhaupt nicht bemerkt, dass Kirk aufgestanden war. Und das war nicht üblich für ihn.

"Alles in Ordnung, Spock?"
Der Vulkanier richtete sich auf und legte die Hände auf den Rücken.

"Einige der Messwerte, die unsere Sensoren von dem Nebel vor uns aufgezeichnet haben, scheinen mir außerhalb der Norm zu liegen.
Deshalb..."

Kirk musste unwillkürlich lächeln. Das war typisch für Spock. Er wusste, dass der Vulkanier genau verstanden hatte, was er meinte. Er gab nur vor, nicht verstanden zu haben.

"Ist mit Ihnen alles in Ordnung, Spock?"
Der Vulkanier hielt inne und blickte in die braunen Augen. Augen, die ihn viel zu gut kannten.

"Natürlich, Captain."
Dann wandte er sich wieder seiner Konsole zu. Er hoffte so, Kirk dazu zu bringen, von ihm abzulassen.

Der Captain blieb noch einen Moment lang stehen und durchbohrte seinen Rücken mit Blicken. Dann seufzte er und ließ sich wieder im Sessel des Kommandanten nieder.

Wenn Spock nicht reden wollte, tat er es auch nicht.

+++++

Spock gab vor, sich mit den Daten zu beschäftigen. Doch in Wirklichkeit waren seine Gedanken ganz wo anders. T'Leras Auftritt am
vergangenen Abend hatte ihn mehr verwirrt, als er sich selbst eingestand. Ihr Tanz hatte etwas in ihm aufgeweckt, dass er bisher
stets unter Kontrolle gehalten hatte. Er atmete tief durch, um die in ihm entstehende Scham zu unterdrücken. T'Lera hatte ihn offen vor der gesamten Crew herausgefordert. Er konnte nur darauf vertrauen, dass keiner der Menschen mit der erotischen Symbolsprache ihres Tanzes vertraut war. Doch am schlimmsten war, dass sie keine Scheu gehabt hatte, es vor ihrem Verlobten zu tun. Spock hatte deutlich den Hass in Seveno spüren können, der in ihm brannte. Der andere Vulkanier war deutlich kräftiger als er. Wenn T'Lera dieses Spiel noch weitertrieb, konnte es gut sein, dass er sich fortan nur noch bewaffnet im Schiff bewegen konnte. Seveno würde keine Hemmungen haben ihn anzugreifen.

Laura McAllister trat leise neben ihn und reichte ihm stumm einen Datenblock. Einen Moment lang starrte er fast verständnislos darauf, bevor er ihn annahm. Dabei berührte er kurz mit der Fingerkuppe ihre Hand. Ein jähes Pulsieren tief in seinem Innersten ließ ihn zurückzucken. Verblüfft sah er direkt in die Augen des jungen Lieutenant. Sie erwiderte seinen Blick ebenso verblüfft und für einen
Moment lang glaubte Spock in den grünen Augen der Frau zu versinken. Ärgerlich auf sich selbst wandte er den Blick ab und richtete seine Aufmerksamkeit auf die Daten. Doch er stellte fest, dass er sich nicht konzentrieren konnte. Ein feiner frischer Kräuterduft stieg ihm in die Nase und er drehte den Kopf. McAllister stand noch immer neben ihm, wartete darauf, dass er die Daten abzeichnete.

Abermals suchte er instinktiv ihren Blick. Sie sah ihn schweigend an.
Er konnte keinerlei Emotion in ihren Zügen erkennen. Dann riss er sich los und unterzeichnete die Daten. Sie nahm den
Block wieder an sich und wieder berührten sich ihre Hände für den Bruchteil einer Sekunde. Sie schien ebenfalls das jähe Pulsieren zu
spüren, denn sie hielt den Atem an und suchte seinen Blick. Spock schwieg, gab vor, nichts bemerkt zu haben. Dann nickte er förmlich und wandte sich ab.

Seufzend beugte er sich wieder über seine Forschungen. Was war nur los mit ihm? Hatte T'Leras eindeutiges Angebot eine so
unwiderstehliche Wirkung auf ihn? Sie kontrollierte ihre Emotionen nicht in dem Ausmaß, wie er es tat, und so wusste er, dass sie ihn
begehrte. Stärker begehrte als Seveno. Normalerweise würde ihr Angebot an ihm abprallen, doch die Einsamkeit im All hatte auch ihre
Nachteile. Spock war nicht so freizügig wie Kirk, der jede Gelegenheit nutzte, um seinen sexuellen Appetit zu stillen. Im Gegenteil. Spock zog es vor, innerhalb der Gemeinschaft der Crew für sich zu bleiben. Die amourösen Verstickungen, die die Besatzungsmitglieder immer wieder beschäftigten waren nichts für ihn.

Und so war es schon Jahre her, dass er eine Frau berührt hatte.
Seine Gedanken schweiften zu McAllister. Die junge Frau arbeitete seit mehreren Wochen an Bord der Enterprise. Sie hatte erst vor
kurzem ihr Examen als Wissenschaftlerin an der Akademie hinter sich gebracht und es war ihr erster längerer Einsatz im All. Sie stammte von der Erde, war durch und durch Mensch. Doch etwas an ihr hatte seine Aufmerksamkeit erregt, als er Kirks Einladung gefolgt war, die neuen Kommandoanwärter beim Kobayashi-Maru-Test zu beobachten. Die Kadetten waren allesamt eine Enttäuschung gewesen. Allein McAllister hatte eine bewundernswerte Gelassenheit und Reaktionsschnelligkeit an den Tag gelegt. Sie war zwar als Wissenschaftlerin nur als Nebenprüfling an dem Test beteiligt, der ja die angehenden Kommandanten prüfen sollte. Doch ihre ruhige und sachliche Art hatten genügt, um ihn neugierig zu machen. Er hatte Nachforschungen angestellt. Und als er ihre hervorragenden Noten und die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten, die sie während des Studiums abgeschlossen hatte, vorliegen hatte, hatte er sie sofort für seine Abteilung angefordert.

Sie hatte seine Erwartungen mehr als erfüllt und Kirk hatte seinem Vorschlag, sie zum Lieutenant zu befördern, nach dem sie bei ihrem
ersten Landekommando außergewöhnliche Leistungen gezeigt hatte, sofort zugestimmt. Spock plante, sie als seine Assistentin
heranzubilden. Da er den größten Teil seines Dienstes auf der Brücke verbrachte, opferte er oftmals einen Teil seiner Freizeit um seinen Aufgaben in den Wissenschaftlichen Labors nachzukommen. Kirk billigte es, wenn auch ungern. Er hatte ihn schon vor Monaten aufgefordert, endlich einen Adjudanten zu ernennen, der ihn entsprechend vertreten konnte.

In McAllister schien er die passende Person gefunden zu haben. Spock schloss die Augen und sofort erschien das Gesicht der jungen
Frau vor ihm. Er sah sie in allen Einzelheiten vor sich: das sanft gerundete schmale Gesicht, die fein geschwungenen Wangenknochen, eine schmale gerade Nase, volle Lippen, die manchmal zu einem kaum wahrnehmbaren Lächeln verzogen waren, große grüne Augen unter elegant gebogenen Brauen. Und alles eingerahmt von einer Flut goldbrauner Locken in denen hin und wieder ein rötlicher Schimmer blitzte. Sein imaginärer Blick wanderte tiefer und erstaunt bemerkte er, dass er sogar jede Einzelheit ihres schlanken durchtrainierten Körpers sehen konnte.

Irritiert öffnete Spock die Augen. Was war nur los mit ihm? So deutlich betrachtete er seine Kollegen an Bord normalerweise nicht.

Sein Blick wanderte zum Chronometer und er stellte erleichtert fest, dass sein Dienst bald beendet sein würde. Vielleicht sollte er Sulu
fragen, ob er mit ihm in den Sporträumen trainieren würde. Der Waffenoffizier hatte vor einiger Zeit damit begonnen, den Umgang
mit der Lirpa zu erlernen und Spock hin und wieder gebeten, mit ihm zu üben. Der wendige Asiate war kleiner und schwächer als er selbst, doch er hielt Spock dennoch in Atem. Die körperliche Anstrengung würde ihn vielleicht ablenken.

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Wird in Teil 2 fortgesetzt.