Titel: Notlügen
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Charaktere: Wilson, House
Thema: # 008. Wochen
Word Count: 1070
Rating: gen
Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

Summe/Hintergrund: House und Wilson haben noch etwas zu klären

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



Er schloss die Tür zu seinem Apartment hinter sich und lehnte sich dagegen, tief Atem holend.

„Hattet ihr einen schönen Abend?“

House schlug mit der flachen Hand auf den Lichtschalter. „Hast du kein Zuhause?“, fragte er ätzend, als er Wilson auf seiner Couch liegen sah.

Der jüngere Arzt stützte den Kopf in die Handfläche und sah ihn an. „Okay“, erwiderte er gedehnt. „Du bist sauer auf mich. Zu recht, vermutlich. Soll ich mich jetzt entschuldigen?“

House stieß sich von der Tür ab, durchquerte den Raum und ließ sich in den Sessel gegenüber der Couch fallen. „Bitte, mach’ meinen Abend mit deinen kleinen Lügen perfekt“, bemerkte er ironisch.

Wilson setzte sich auf und fuhr sich seufzend durch die Haare. „Okay“, sagte er und stand auf. „Ich wusste, es war eine schwachsinnige Idee, hierher zu kommen. Entschuldige, dass ich dich mit meiner Anwesenheit belästigt habe“, erwiderte er beißend und nahm sein Jackett. „Ich überlasse dich deiner Schmollerei. Viel Vergnügen.“ Er ging an House vorbei zur Tür.

„Bleib.“

Wilson zögerte, die Hand auf der Klinke. Dann wandte er sich mit einem Seufzen um. „Wie war das?“

House schnitt eine Grimasse. „Hol’ mir ein Bier, bevor du gehst.“

„Es ist deine Küche. Du kennst den Weg.“ Wilson kam wieder näher. Er musterte das Gesicht des älteren Mannes, bemerkte die Linien um Augen und Mund, die tiefer als sonst schienen, House’ Klammergriff um den Stock. Offensichtlich hatte ihn sein Ausflug stärker angestrengt, als er zugeben wollte. Er legte sein Jackett ordentlich über die Rückenlehne der Couch und ging in die Küche, um das Bier zu holen. Als er zurückkam, hörte er das Klappern der Pillenbox. House schob das Vicodin zurück in die Tasche seiner Jacke, als er zu ihm trat und ihm die Flasche reichte. Wilson setzte sich wieder auf die Couch. „So, hattest du einen schönen Abend?“, fragte er nach einer Weile so beiläufig wie möglich. „Wie war dein Ausflug mit Cameron?“

„Sie hat mir von ihrer Zuckerwatte abgegeben.“ House drehte die Flasche in seinen Händen. Seine Haltung, sein Gesicht, nichts zeigte Anzeichen von Entspannung.

„Verstehe“, entgegnete Wilson trocken. „Damit erobert man also dein Herz.“

„Ich dachte, du weißt, dass ich eine Schwäche für Süßes habe.“

„Gut. Was wird es mich kosten, dass du mir verzeihst?“ Wilson lockerte seine Krawatte und drückte die kühle Flasche gegen die Stirn. Er hatte so ein Gefühl, dass ihm Kopfschmerzen bevorstanden.

„Du kannst Chase zurückzahlen, was ich mir von ihm geliehen habe, um die Tickets zu kaufen.“ House stellte seine Flasche neben dem Sessel auf den Boden.

„So viel hatte ich eigentlich nicht vor, auszugeben.“

„Tja, ich bin nicht billig zu haben.“ House sah auf. „Apropos billig. Wie war dein Abendessen mit Stacy?“

Wilson massierte seinen Nasenrücken. Oh ja, definitiv Kopfschmerzen. „Gut. Wir hatten uns einiges zu erzählen.“

„Hat sie nach...“ House brach ab. Er verstummte und beschäftigte sich statt dessen damit, seinen Stock in der Hand zu drehen, den Blick darauf gerichtet.

„Sie hat nach dir gefragt. Natürlich hat sie das“, erwiderte Wilson leise. Er musterte den älteren Mann. Warum tat er sich das an? Oder House? Er hätte einfach nach Hause gehen sollen, anstatt hierher zu kommen. Im Grunde wollte er nicht über das Abendessen mit Stacy sprechen. Schon gar nicht darüber, was er von ihr erfahren hatte. Und noch weniger wollte er derjenige sein, der House die Neuigkeit von Stacys Heirat mitteilte. Trotzdem war er quer durch die Stadt gefahren, um auf House Rückkehr zu warten. Nur um sicher zu sein, dass ihre Freundschaft noch intakt war. So intakt, wie es ihre Beziehung nun mal sein konnte. Er ließ die Hand sinken, als er sah, wie sich House müde aus dem Sessel hochstemmte und an ihm vorbei zum Kamin ging, sich ein Glas füllte. „Greg...“, begann er mit belegter Stimme.

House ignorierte ihn. Allerdings schraubte er die Flasche wieder zu und stellte sie sorgfältig zurück. Dann nahm er das Glas und den Stock, den er an den Kaminsims gehängt hatte und kehrte zu seinem Sessel zurück. Er stellte das Glas auf das Tischchen neben dem Sessel und setzte sich wieder hin.

„Könntest du bitte mit mir sprechen?“ Wilson grub die Finger in seine Kopfhaut. „Es macht mich nervös.“

„Hast du noch ein paar Lügen auf Lager?“, entgegnete House ätzend.

„Okay, okay.“ Wilson stand aufgebracht auf. „Ich sehe es ein, ja? Es war ein Fehler, dir nicht sofort von meinem Abendessen mit Stacy zu erzählen. Es war ein Fehler, den Vortrag als Ausrede zu benutzen, obwohl ich mir hätte denken können, dass du früher oder später dahinter kommst. Bist du jetzt zufrieden?“

House sah ihn nur an.

„Ich wollte nicht...“ Wilson seufzte und kehrte dazu zurück, seinen Nasenrücken zu massieren. „Du weißt, warum ich dir nichts von dem Abendessen mit Stacy erzählen wollte.“

Wieder kam keine Antwort.

„Greg, du bist... du bist alles andere als über eure Trennung hinweg... über Stacy. In den letzten fünf Jahren hast du es kaum über dich gebracht, auch nur ihren Namen auszusprechen. Ich dachte, es würde dir nur unnötig wehtun.“

House lehnte seinen Stock an die Armlehne des Sessels, stand auf und hinkte zum Piano. Er ließ sich auf die Bank davor fallen und wandte Wilson den Rücken zu. „Also hast du dir gedacht, es wäre wesentlich netter, mich anzulügen“, sagte er ironisch. Seine Finger glitten ziellos über die Tasten, er schlug müßig hier und da einen Ton an. „Du hättest es mir einfach sagen sollen. Ich...“ Er zuckte mit den Schultern.

„Die Tickets für die Monstertruck-Show...“, begann Wilson nach einer Weile, als das Schweigen unbehaglich wurde. „Hatte diese überraschende Einladung einen besonderen Grund?“ Eigentlich erwartete er nicht wirklich eine Antwort darauf.

„Ich wollte mich... bedanken. Oder entschuldigen. Was immer dir besser gefällt.“ House Finger irrten weiter über die Tastatur, schlugen eine Melodie an, die dem jüngeren Mann unbekannt war. „Gott, wie jämmerlich das klingt“, setzte er verächtlich hinzu.

„Wieso?“, fragte Wilson, den Zusatz ignorierend.

Die Musik brach ab. „Als ich... auf Entzug war... Ich hätte diese Woche vermutlich nicht durchgehalten, wenn du nicht da gewesen wärst.“

Verblüfft schwieg der jüngere Mann. Das hatte er nicht erwartet – zumindest hatte er nicht erwartet, es jemals zu hören. Er trat zu House und legte ihm die Hand auf die Schulter.

House sagte nichts, aber er begann wieder zu spielen.

Nach einem Moment kehrte Wilson zur Couch zurück und setzte sich wieder. Er lehnte sich zurück, legte den Kopf in den Nacken und schloss die Augen, ließ die Musik über sich hinwegwaschen.


Ende