Noch eine Nacht in Korea

T’Len

2007

 

 

 

Fandom: M*A*S*H

Charaktere: Hawkeye Pierce/Sidney Freedman

Kategorie: NC-17, m/m-slash, POV

Hinweise: Fortsetzung zu. „Eine Nacht in Korea

Feedback: tlen11@freenet.de

Summe: Sidney ist ins Camp zurückgekehrt.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

„Ich geh mir ein bisschen die Beine vertreten. Ihr habt mich ausgenommen wie eine Weihnachtsgans.“ Mein Blick folgt dir, als du aufstehst und unsere Pokerrunde verlässt. Am liebsten würde ich dir auf der Stelle nachgehen. Aber ich weiß, das würde womöglich mehr Aufsehen erregen als uns lieb ist. Obwohl unsere Freundschaft allgemein im Camp bekannt ist und niemand ahnt, dass uns weit mehr verbindet als das, werden wir kein unnötiges Risiko eingehen.

 

„Noch eine Runde?“, wende ich mich deshalb fragend an die anderen.

 

Pater Mulcahy schüttelt den Kopf und erhebt sich. „Ich gehe besser auch. Muss noch den Gottesdienst für morgen Vormittag vorbereiten.“

 

Viele werden wohl nicht kommen. Wenn es einmal keine Verletzten gibt, ist hier jeder froh, zur Abwechslung ein paar Stunden länger schlafen zu können. Die nächste 48-Stunden-Schicht im OP kommt noch früh genug. Mulcahy weiß und versteht das. Trotzdem wird er vorbereitet sein – für alle Fälle.

 

Einen pokernden Priester, das gibt es auch nur in Korea. Was wohl der Vatikan dazu sagen würde? Mulcahy streicht seinen Gewinn ein. „Für Schwester Theresas Waisenhaus“, erklärt er, als hätte er meine Gedanken erraten und wäre uns Rechenschaft über sein Tun und Lassen schuldig. Ich nicke verstehend.

 

Bleiben noch B.J. Hunnicut, Colonel Potter und Corporal Klinger in unserer Pokerrunde. „Also ich bin dabei“, sagt Klinger und greift nach den Karten. Wenigstens trägt er keine Kleider mehr, um mit Paragraph 8 nach Hause zu kommen. Fast scheint es, als habe er sich endlich damit arrangiert hier in Korea, im Krieg zu sein. So wie wir alle. Notgedrungen.

 

Meine Gedanken sind nicht mehr richtig bei der Sache, sondern bei dir und so passe ich früh, obwohl mein Blatt mit einem Straßenausgang recht vielversprechend scheint. B.J. streicht den Pott ein, sein Schnurrbart scheint dabei zu grinsen. Noch eine Runde, dann werde ich auch gehen, entscheide ich. Ich kann es kaum abwarten.

 

Diesmal habe ich ein Paar auf der Hand und versuche, mich etwas länger auf das Spiel zu konzentrieren. Klinger blufft mich mit einem Ass und einer Dame aus.

 

Ich lege meine Karten auf den Tisch und stehe auf. „Ich verabschiede mich, meine Herren“, sage ich. „Es war mir wie immer ein Vergnügen:“

 

Colonel Potter erhebt sich ebenfalls. „Es ist spät, wir sollten alle Schluss machen“, sagt er.

 

Seine Einladung noch auf einen „Absacker“ mit in den Offiziersclub zu kommen, lehne ich dankend ab. Die anderen nehmen an und verlassen mit ihm gemeinsam das Messezelt, wo unsere Pokerrunde stattfand.

 

Ich aber schlendere langsam - ich muss mich regelrecht dazu zwingen, nicht vor Vorfreude in ein ungebührliches Rennen auszubrechen, auch wenn mich um diese späte Stunde wohl niemand beobachten wird - zum VIP-Zelt. Gott sei Dank ist zur Zeit kein wirklicher VIP im Lager und ich kann das Privileg des Einzelzeltes nutzen.

 

Ich weiß, was mich dort erwarten wird. Du bist es. Wie immer wenn ich im Camp bin, seit jener Nacht, als wir fortsetzten, was vor Jahren, die eine Ewigkeit, ja ein anderes Leben her zu sein scheinen, in einem Zeltlager unserer Universität begannen.

 

Wieso wir taten, was unter anderen - normalen - Umständen wohl keiner von uns gewollt hätte, ich weiß es nicht. Ich will es ehrlich gesagt auch nicht wissen. Ich weiß nur, dass ich mich immer mehr auf unsere – mittlerweile fast wöchentliche - Pokerrunde freue und es ist nicht wegen des Spiels.

 

Auch diesmal werde ich nicht enttäuscht, als ich ins dunkle Zelt schlüpfe. Du hast Decken auf dem Boden ausgebreitet - ein Feldbett ist einfach zu klein für zwei erwachsene Männer - und dich unter eine gekuschelt.

 

Hastig ziehe ich im Dunkeln meine Sachen aus, schlüpfe unter die Decke und schmiege mich von hinten an dich. Du liegst auf der Seite, mir den Rücken zugewandt. Für einen Moment verharre ich ganz still, lausche auf deinen Atmen. Er kommt ruhig, gleichmäßig, doch ich weiß, dass du nicht schläfst. Dann tastet meine Hand deinen Rücken herab. Meine Finger finden ihren Weg zwischen deine Pobacken. Du bist feucht, bereit für mich. Auch das ist wie immer. Du verschwendest keine Zeit auf ein Vorspiel. Immer wartest du bereits, bereit für mich. Nur keine Zeit unnötig vergeuden. Man könnte sie hier in diesem Höllenloch nicht haben.

 

Meine Hand wandert um deinen Körper, tastet nach deinem Glied. Es ist nur leicht erregt. Ich weiß, dass sich das erst ändern wird, wenn ich in dir bin. Du hast mir einmal gesagt, dass du erst wenn du mein Fleisch hart und pulsierend in dir spürst, merkst, dass du überhaupt noch ein lebendiges Wesen bist und nicht nur eine funktionierende Maschine.

 

Ist es das, was uns immer wieder zueinander treibt? Dieses kleine Stückchen heile Welt unserer intimen Zweisamkeit, diese Momente des Vergessens, wo und was wir sind.

 

Auch ich vergeude keine weitere Zeit. Ich taste nach der Tube, von der ich weiß, dass du sie neben unserem provisorischen Lager deponiert hast, und schmiere mich selbst hastig ein.

 

Im Gegensatz zu dir bin ich längst erregt. Schon den ganzen Tag pulsiert mein Fleisch vor lauter Erwartung und Vorfreude auf dich, so dass es mir schwer fiel, mich auf die ganz alltäglichen Dinge zu konzentrieren. Und ich habe mit Sicherheit schon besser gepokert.

 

Ich presse mich in dich. Dein warmes Fleisch empfängt mich und ich weiß wieder, warum es mich mittlerweile fast wöchentlich ins Camp zieht, um mit euch Poker zu spielen, warum ich es neuerdings kaum erwarten kann, bei dir zu sein und jedes Mal hoffe, dass mir keine Verwundeten deine Zeit und Aufmerksamkeit stehlen. In diesem Moment fühle ich mich so lebendig wie seit Ausbruch dieses verdammten Krieges nicht mehr.

 

Gott sei Dank ist Seoul nicht allzu weit entfernt vom 4077. und einen Patienten, der eines psychologischen Rates bedarf, gibt es bei euch fast immer. Außerdem wissen glücklicherweise auch die anderen hier meine Gesellschaft zu schätzen - und sei es nur meines Geldes wegen beim Pokern - und wundern sich nicht über meine häufige Anwesenheit.

 

Unter meiner Hand, die sich wieder auf dein Glied gelegt hat, spüre ich, wie du hart zu werden beginnst. Langsam bewege ich mich in dir. Du drückst dich mir entgegen, willst mehr.

 

Ich weiß, du willst es, du brauchst es schnell und hart. Wie gern würde ich dich ganz langsam, zärtlich lieben. Doch dir kann es nie rasch genug gehen. Nicht, weil du Angst hast, es könnte etwas dazwischen kommen, uns könnte jemand erwischen - in diesem Lager scheren sich die Leute erstaunlich wenig darüber, wer mit wem die Nacht verbringt, der Krieg setzt viele Moralvorstellungen außer Kraft, auch wenn eine Beziehung wie die unsere natürlich in einem Skandal enden würde, würde sie je bekannt - sondern wohl weil du erst an der Schmerzgrenze überhaupt noch etwas spürst. Du hast zuviel Leid gesehen, zu viele zerfetzte Körper junger Menschen, so dass es fast an ein Wunder grenzt, dass du nicht schon total abgestumpft bist. Denn dies scheint der einzige Weg zu sein, hier zu überleben, vor allem emotional: Sich abschotten, nichts und niemanden an sich heran lassen.

 

Also pumpe ich hart in dich. Wie so oft frage ich mich während unserer Vereinigung, was für eine Art Beziehung wir eigentlich führen und wie es weiter gehen wird, wenn dieser Albtraum endlich endet? Meine Frau wartet in den Staaten auf mich, meine Kinder ebenso. Und doch kann ich nicht leugnen, dass der Krieg mich ihnen entfremdet hat. Sie werden nie verstehen können, was wir hier erlebten. Niemand kann das, der nicht selbst dabei gewesen ist. Ich fühle mich dir umso vieles näher als ihnen. Längst nicht nur weil sie Tausende von Meilen weg sind, während du in meinen Armen liegst.

 

Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dann fühle ich mehr für dich, als gut für mich ist. Liebe, ich mag das Wort nicht einmal denken und doch drängt es sich mir in letzter Zeit immer mehr in Bewusstsein. Ob ich will oder nicht. Aber ich weiß dein Herz gehört einem anderen. Trapper John McIntyre. Wenn auch vergeblich.

 

Du hast nie darüber gesprochen, doch für mich ist es so sicher wie das Amen in Mulcahys Gottesdienst, dass du ihn geliebt hast, wohl noch immer liebst. Doch Trapper ist weg. B.J., sein Nachfolger, hat mir erzählt, wie schwer es dich getroffen hat, als du von einem Urlaub zurück kamst und er nicht mehr da war. Nicht, dass da je etwas zwischen euch gewesen wäre, aber solange ihr hier zusammen wart, lebte zumindest die – sicher nie eingestandene - Hoffnung in dir, war Trapper dein Freund, deine Stütze in diesen schweren Zeiten.

 

B.J. ist auch ein netter Kerl, ihr versteht euch gut, doch es ist nicht das gleiche. Es fehlt diese tiefe Vertrautheit, die dich und Trapper verband. Dass er ging, ohne ein Wort des Abschieds, hat dich tief verletzt. Doch was hätte er tun sollen? Du warst im Urlaub, als er den Marschbefehl bekam. Niemand bleibt freiwillig eine Sekunde länger in diesem Höllenloch. Er hinterließ dir über Radar einen Abschiedskuss – nicht ahnend, was dies für dich bedeutete.

 

B.J. hat mir erzählt, dass du seinen Brief, der einige Wochen später aus der Heimat kam, ungelesen verbrannt hast. Er hat dich gern und macht sich große Sorgen um dich. Vielleicht ahnt er etwas von dem, was zwischen uns ist. Aber ich mache mir seinetwegen keine Sorgen. Unser Geheimnis wäre bei ihm sicher.

 

Wie so oft, wenn wir zusammen sind, beginne ich dich und mich und unsere Beziehung zu analysieren. Doch wenn es zu meiner eigenen Person kommt, bin ich ein verdammt schlechter Psychologe – und herzlich wenig objektiv. Zudem lenkt die wachsende Erregung meines Körpers mich vom Denken ab.

 

Also konzentriere ich mich nur noch auf das, was ich spüre, während ich dich in immer schnellerem Tempo nehme. Meine Hand schließt sich fest um dein Glied, beginnt es zu pumpen. Du hast den Kopf  in die Decke unter dir gepresst, um dein Stöhnen zu ersticken. Ich weiß, es wird nicht mehr lang dauern, spüre schon die ersten Tropfen auf meiner Hand. Ich vergrabe meinen Kopf in deinen dunklen Haaren, küsse dich zärtlich, als es auch mir zu kommen beginnt.

 

Ich schlinge meinen Arm um deine Brust, halte dich fest, als es vorbei ist. Manchmal stehst du gleich auf, ziehst dich an und gehst. Ein leises „Danke, Sid“ ist oft das einzige, was ich von dir höre. Du redest nie viel, wenn wir zusammen sind. Worte scheinen so unangebracht, nur störend. Sie könnten sowieso nicht adäquat ausdrücken, was in uns vorgeht. Wenn du gegangen bist, scheint es mir manchmal als wärest du nie da gewesen und ich frage mich, ob ich das alles nur geträumt habe. Wäre nicht dein Geruch im Zelt und an mir und die Reste deines Spermas, ich würde es wohl wahrlich glauben.

 

Auch heute haben wir noch kein Wort gewechselt, seit ich das Zelt betrat. Ich weiß auch nicht, was ich sagen soll. Und so schweige ich ebenso wie du.

 

Manchmal bleibst du auch liegen, krampfst deine inneren Muskeln so zusammen, dass ich in dir bleiben muss, was mich schon nach kurzer Zeit wieder hart macht. Und dann tun wir es noch einmal, langsamer, sanfter dann.

 

Heute, so hoffe, ich, als du keine Anstalten machst, dich von mir zu lösen, wird so ein Tag sein. Ich möchte dich noch einmal lieben, zärtlich, ganz sanft. Ich stelle mir vor, wie ich dich auf deine Knie ziehe und dich von hinten nehme. Ich will, dass du mich ganz in dir spürst, tiefer, als es in dieser Seitenlage möglich ist, dass du spürst, wie sehr ich dich liebe.

 

Und dann werde ich dich umdrehen, damit ich endlich dein Gesicht sehen kann, wenn ich dich liebe. Natürlich wagen wir es nicht, auch nur eine Kerze anzuzünden, wenn wir zusammen sind, um ja keine verräterischen Schatten zu werfen. Aber trotzdem bin ich sicher, ich werde zumindest erahnen können, wie du aussiehst. Und ich werde dich küssen können, lang und innig, wenn es uns kommt.

 

Allein der Gedanke daran macht mich schon wieder hart. Es ist erstaunlich. Meine Frau schaffte das nie so schnell, keine Frau schaffte es.

 

Ich teste mit ein paar sanften Stößen deine Reaktion. Sofort presst du dich mir ungeduldig entgegen. Doch diesmal werden wir nach meinen Regeln spielen. Sanft streichle ich über deine Brust, während ich meinen Kopf in deinen Nacken vergrabe, deinen Hals entlang küsse.

 

Als ich den Kopf wieder hebe, spreche ich die Worte, die ich so lange zurück hielt. Ich weiß nicht warum gerade jetzt, aber sie sprudeln einfach aus mir heraus. „Ich liebe dich, Ben“, flüstere ich zärtlich in dein Ohr. Deinen Spitzname zu verwenden scheint mir in dieser Situation unangebracht. „Ich liebe dich so sehr.“

 

Ich bekomme keine Antwort.

 

Ich habe auch keine erwartet.


Ende