Titel: Nobody knows

Autor: Lady Charena

Fandom: House, MD

Charaktere: Wilson

Thema: # 079. Wann?

Word Count:

Rating: PG, POV

Anmerkung des Autoren:  Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

 

Summe/Hintergrund: Das Gegenstück zu # 074. Dunkel – The middle of nowhere. Dieses Mal aus Wilsons Sicht. Massive Spoiler für: 3.10 “Merry Little Christmas”

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: Pink

 

 

 

Nobody knows the rythm of my heart
the way I do when I'm lying in the dark
And the world is asleep

 

Wilson legte das Handy weg und rieb sich den Nacken. Als es geklingelt hatte, nahm er das Gespräch mit gemischten Gefühlen an. Es konnte das Krankenhaus sein, einige seiner Patienten befanden sich in einem kritischen Zustand und wenn der sich abrupt verschlechterte... Aber er hoffte darauf, dass es House sein würde. Die Szene in House’ Büro... die verächtliche Geste, mit der Greg seine zögernde Anfrage beantwortet hatte... hatte sich in den vergangenen Stunden immer und immer wieder in seinem Kopf abgespielt. War das wirklich das Ende ihrer Freundschaft?

 

An Schlaf war natürlich nicht zu denken gewesen. Er hatte darauf verzichtet, im Hotelrestaurant zu essen, wo eine Weihnachtsfeier abgehalten wurde. Statt dessen setzte er sich vor den Fernseher, aß lustlos eine angebrochene Packung weich gewordener Pretzels und zappte von Kanal zu Kanal, bis er einen fand, der weder Weihnachtsspecials irgendwelcher Serien brachte, noch sonstigen Feiertagsmüll. Irgendwann landete er bei einer Tiersendung. Doch auch hier griff er letztlich zur Fernbedienung und schaltete ab, als zuerst ein Bericht über Ratten ihn an Steve McQueen erinnerte und dann ein Beitrag über Gorillas ihm House’ Spottreden beim letztjährigen Wohltätigkeitspokerspiel ins Gedächtnis riefen. Er gab es auf, nicht an House denken zu wollen, was ohnehin nicht klappte und streckte sich auf dem Bett aus, die Arme hinter dem Kopf verschränkt.

 

Und genau in dieser Haltung befand er sich noch immer, als sein Handy klingelte. Er angelte danach und sah aufs Display: Anrufer unbekannt. Seine Stirn legte sich in Falten, dann drückte er den Annahmeknopf.

 

„James?“, fragte eine Frauenstimme, die ihm sofort bekannt vorkam, ohne dass er sofort ein Gesicht und einen Namen zuordnen konnte.

 

„Ja?“, entgegnete er zögernd und setzte sich auf. Sein Nacken und sein Rücken schmerzten. „Wer ist da?“

 

„Blythe House“, erwiderte die Frau. „Gregs Mutter“, setzte sie hinzu, vielleicht als Reaktion auf sein Zögern.

 

„Ja, ja, natürlich.“ Wilson rieb sich mit der freien Hand übers Gesicht. „Es tut mir leid, ich habe Ihre Stimme nicht sofort erkannt. Ist alles in Ordnung?“

 

„James, es tut mir sehr leid, Sie um diese Uhrzeit zu stören... Ich hoffe, ich habe Sie nicht geweckt?“

 

„Nein, ich habe noch nicht geschlafen“, erwiderte er wahrheitsgemäß. Er lächelte fast. Vermutlich war es für eine Frau in Blythes Alter bereits schon spät. „Was kann ich für Sie tun?“

 

Blythe zögerte. „Es geht um... Greg. Sie verbringen wohl nicht den Abend mit ihm?”

 

Wilson seufzte. „Nein, wir... wir hatten einen kleinen Streit.” Er biss sich auf die Lippen. Wieso erzählte er das Blythe? Wie er House kannte, hatten seine Eltern absolut keinen Schimmer, was zur Zeit im Leben ihres Sohnes vor sich ging. Oder ob Tritter auch sie belästigt hatte? „Nichts ernstes, nur eine Meinungsverschiedenheit. Sie kennen Greg. Er schmollt und lässt sich morgen von mir zum Essen einladen - und alles ist wieder okay.“ Er hoffte, dass die Worte in Blythes Ohren nicht ebenso falsch klangen, wie in seinen eigenen. Er hatte das Gefühl, dass nie wieder alles zwischen ihnen okay sein würde.

 

„Oh.“ Blythe House war nun an der Reihe, zu zögern. „Es ist nur so... wir sind zu meiner Schwester gefahren, wie jedes Jahr. Ich hatte gehofft, Greg würde anrufen – obwohl er nie anruft - und... habe aus einem Gefühl heraus... unseren Anrufbeantworter abgehört. Aber er hat tatsächlich eine Nachricht hinterlassen und er klang so...“ Sie holte hörbar Luft, offensichtlich besorgt und offenbar darum bemüht, sich ihre Gefühle nicht allzu sehr anmerken zu lassen. „Ich kann es nicht beschreiben, er klang so seltsam. Ich weiß, dass Ihnen das vielleicht übertrieben vorkommt, aber ich mache mir wirklich Sorgen um ihn.“

 

Wilson stand auf und trat ans Fenster, um in die Dunkelheit hinaus zu starren. „Wann hat er Sie angerufen?“, fragte er schließlich.

 

„Vor etwa einer Stunde.“ Blythe schwieg einen Moment. „Ich habe versucht, ihn zurück zu rufen, aber er nimmt nicht ab. Vielleicht... James, ich weiß, dass es spät ist und viel verlangt... aber Sie sind der einzige Mensch, der... ihm wichtig ist.“

 

Wilson sah sein eigenes Spiegelbild in der Fensterscheibe und den ungläubigen Ausdruck in seinem Gesicht. Er hätte fast überrascht gelacht, und dann Blythes Worte als Wunschdenken abgetan. Niemand und nichts auf dieser Welt war Gregory House wichtig – abgesehen von Gregory House. „Ich werde ihn anrufen. Aber vielleicht hat er sein Telefon auch einfach nur abgeschaltet. Er hat im Moment keinen Fall und wenn man ihn im Krankenhaus braucht, würde man ihn pagen. Machen Sie sich bitte keine Sorgen. Die letzten Tage war es im Krankenhaus sehr stressig. Vermutlich will er einfach nur niemand hören und niemand sehen. Wenn ich ihn erreiche, sage ich ihm, dass er Sie morgen anrufen soll. Machen Sie sich bitte keine Sorgen.“

 

„Danke, James.“ Blythe klang nur ein wenig erleichtert. „Er klang wirklich, als ob er... einen Freund braucht. Vielen Dank, und Frohe Weihnachten.“

 

„Frohe Weihnachten“, echote er automatisch und hörte das leise Klicken, als die Verbindung unterbrochen wurde. „Ich weiß nur nicht, ob ich noch sein Freund bin“, sagte er zu dem leeren Raum. Er warf das Handy aufs Bett und fuhr sich mit beiden Händen durchs Haar.

 

Blythes Anruf bot ihm den perfekten Vorwand, um bei House aufzutauchen und etwas gegen das flaue Gefühl der Unruhe in seinem Magen zu unternehmen, dass er seit Stunden leugnete. Er wusste, dass es nichts mit dem ausgefallenen Abendessen zu tun hatte. Aber eine innere Stimme protestierte dagegen. Er hatte für einen Tag wirklich genug Gift abbekommen, er brauchte nicht noch mehr davon. Andererseits hatte er Blythe House nicht als eine Frau kennen gelernt, die dazu neigte, bei ihrem Sohn über zu reagieren. Etwas musste sie wirklich beunruhigt haben, dass sie bei ihm anrief. House’ Eltern hatten seine Nummer seit dem Infarkt. Er hatte es übernommen, sie zu informieren, während Stacy an Gregs Bett saß.

 

Nach einer Weile setzte er sich auf die Bettkante und griff nach dem Handy, um House anzurufen. Es nahm niemand ab.

 

Er wartete eine Viertelstunde, dann versuchte er es erneut, obwohl er bereits wusste, dass es sinnlos sein würde. Nicht einmal der Anrufbeantworter ging dran.

 

Nachdem er es ein drittes Mal vergeblich versucht hatte, stand er auf, zog sich an und verließ das Hotel. Bevor sich die Türen hinter ihm schlossen und ihn in die kalte Nacht entließen, hörte er irgendwo Menschen lachen. Er schüttelte den Kopf und schlug den Kragen seines Mantels hoch. Zum Glück hatte Tritter seinen Wagen wieder freigegeben.

 

 

 

It's win or lose not how you play the game
And the road to darkness has a way
There's nowhere else in the world that I could ever be
Who's gonna be there after the last angel has flown

 

Er öffnete die Tür mit seinem Schlüssel, ohne sich erst die Mühe zu machen und zu klopfen. Das erste, was ihm entgegenschlug, war ein leider nur zu vertrauter, unangenehmer Geruch nach Erbrochenem, vermengt mit Alkohol. Er verzog angewidert das Gesicht.

 

„House? Bist du okay? Ich habe drei Mal angerufen!“

 

Dann sah er House auf dem Boden liegen und stolperte in seiner Hast, zu ihm zu kommen, fast über den Couchtisch. Er war sich nicht sicher, ob House sich seiner Anwesenheit bewusst war, bis er sich neben ihn kniete und ihn auf den Rücken rollte. Während er nach seinem Puls tastete, sah er die weiße Spur an House’ Mund und die erbrochenen Pillen auf dem Fußboden. Für einen Moment war er sicher, dass House tot war, dann bewegten sich seine Lider und durch die schmalen Schlitze hindurch sahen ihn seltsam leere, mehr graue als blaue Augen orientierungslos an. House’ Mund bewegte sich, als versuche er etwas zu sagen. Seine Haut hatte jede Farbe verloren, abgesehen von den Schatten unter den Augen.

 

Er hatte mehr als einen Patienten gesehen, der überdosiert hatte, aber das war etwas völlig anderes. Es war House.

 

Wilson musste wegsehen, sein Blick fiel auf die Medikamentenpackung auf dem Boden neben House. Er hob sie auf und starrte einen Moment verständnislos auf die Aufschrift. Oxychodone. Verschrieben von ihm. Er hatte ihm die gleichen Pillen früher an diesem Tag abgenommen, wann... woher hatte House sie bekommen?

 

Sein Blick glitt zurück zu House. Langsam, fast wie ein Schlafwandler stand er auf und sah auf seinen Freund nieder. Irgendwo in ihm wurde es sehr kalt, sehr leer. Er ließ die leere Pillendose aus tauben Fingern fallen und wandte sich ab. Er hörte das Plastik auf den Boden prallen, sah aber nicht zurück. Die Betäubung hielt noch lange an, nachdem er die Wohnung verlassen hatte und in seinem Wagen saß, ohne weg zu fahren.

 

Es schien eine Ewigkeit vergangen zu sein, als ihn eine Bewegung draußen hoch schreckte. Er sah Greg aus dem Gebäude treten und in ein Taxi klettern, dass eben an den Straßenrand fuhr. Automatisch warf er einen Blick auf seine Armbanduhr. Zehn Minuten nach zwei Uhr morgens. Als das Taxi verschwunden war, startete er seinen Wagen und fuhr zurück ins Hotel.

 

 

Ende

 

Tomorrow I'll be there my friend
I'll wake up and start all over again
When everybody else is gone