Titel: DMV – The new assignment 
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Pairung: Face, Hannibal

Rating: pre-series, PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Colonel John Smith hat einen neuen Offizier für sein A-Team ausgewählt. Aber hat er wirklich die richtige Wahl getroffen?

 

Hinweis: Der „DMV Tennis and Racket Club“ ist canon und war ein illegaler Freizeit- und Sport-Club für Offiziere und Soldaten, den Face in Vietnam nach dem Vorbild des Beverly Bay Country Clubs aufzog.

Alle mit DMV gekennzeichneten Storys gehören irgendwie zusammen und ich werde mich bemühen, sie zu sortieren und auch in der richtigen, chronologischen Reihenfolge zu posten.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

 

„Ich habe Sie nicht hierher gebeten, um über meinen Zigarrennachschub zu sprechen, Lieutenant Peck, obwohl ich Ihre Bemühungen zu schätzen weiß.“

 

Colonel John ‚Hannibal’ Smith musterte den jungen Soldaten, der sichtlich angespannt vor ihm Haltung angenommen hatte. Und wie jung er noch war, dachte Hannibal, als er langsam eine Zigarre auswickelte. Er hatte schon viele von seiner Sorte vorher gesehen – ehrgeizige, intelligente Offiziere, die darauf aus waren, diesen Krieg als Möglichkeit Karriere zu machen, zu nutzen. Betrunken und verführt von der Macht, die sie zu kosten bekommen hatten. Wann immer er einem von ihnen gegenüber stand, fühlte er sich alt und verbraucht. Er war einmal selbst so gewesen, als junger Soldat in Korea und er wusste, welche Desillusion ihnen allen bevor stand, wenn sie nur lange genug lebten. Und doch war etwas an Peck anders. Er war sich noch nicht sicher, ob es ihn störte, doch es hatte sein Interesse geweckt.

 

„Wie alt sind Sie?“, fragte er.

 

„Sir, dreiundzwanzig, Sir!“ Die Antwort kam ohne das geringste Zögern, genau wie man es ihm im Bootcamp eingetrichtert hatte.

 

Unmöglich, schoss es dem Colonel durch den Kopf. Vor ihm stand ein Kind, kaum dem Teenageralter entwachsen. Peck war niemals älter als zwanzig. Er beschloss noch ein paar intensivere Nachforschungen anzustellen, ging jedoch nun nicht näher darauf ein. „Lieutenant - Sie sind nicht im Dienst. Ich bin nicht im Dienst. Wir sind in der Offiziersmesse. Also lassen wir die Förmlichkeiten, okay?“

 

Er lächelte, als ihn blaue Augen ungläubig musterten, nachdem Peck vorher starr auf die Wand hinter ihm geblickt hatte. So jung!

 

„Ja... Sir“, kam es unsicher.

 

„Nehmen Sie Platz, Soldat“, sagte er mit einer Handbewegung und sah zu, wie der Lieutenant sich steif auf den Stuhl gegenüber setzte. Er bemerkte die kaum im Zaum gehaltene Neugier des jungen Mannes. Er konnte fast die Gedanken hören, die wie ein aufgeregter Bienenschwarm in Pecks Kopf herumschwirrten. Peck musste die Gerüchte vernommen haben, die seine Anfrage verursacht hatte, und er schien intelligent genug zu sein, um sich zu denken, was diese Einladung bedeuten konnte. Und er war offenbar auch klug genug, den Mund zu halten.

 

Smith bemerkte das erwartungsvolle Glitzern in seinen Augen; die Nervosität, die sich in den unruhigen Händen des jungen Mannes zeigte. Doch dann entspannte sich Peck sichtlich. Die blauen Augen schienen nun wie von einem Schleier überzogen, der es schwer machte, in ihnen zu lesen. Hannibal grinste. Der Knabe war sicherlich ein exzellenter Pokerspieler.

 

„Wie geht es Ihrer Schulter?“, fragte er und rollte die Zigarre zwischen den Fingern.

 

Peck räusperte sich. „Besser“, erwiderte er zurückhaltend.

 

„Dann werden Sie bald wieder im Kampf eingesetzt werden?“

 

Der Colonel bemerkte, wie die Hände des jungen Mannes zu der makellos gebundenen Krawatte glitten, um sie unnötigerweise glatt zu streichen. Vielleicht war Peck doch kein so guter Pokerspieler, wenn er seine Nervosität durch so offensichtliche Gesten verriet.

 

„Das ist die Entscheidung des Arztes, Sir.“

 

„Ja.“ Hannibal steckte die Zigarre in den Mund und griff in seine Jacke, um sein Feuerzeug hervor zu holen. Bevor er es auch nur berührte, tauchte ein Zippo vor seinem Gesicht auf, die Flamme schnellte heraus wie das begleitende Lächeln auf dem Gesicht des Lieutenants, der ihm Feuer gab. Der Colonel nickte anerkennend, wenn auch nicht beeindruckt. Peck war schnell und aufmerksam, aber das hatte er bereits gehört.

 

Er ließ sich Feuer geben und als die Zigarre angesteckt war, lehnte er sich zurück und musterte Peck erneut. Es amüsierte ihn, dass der junge Mann immer mehr Schwierigkeiten hatte, seine Neugier und Ungeduld zu verbergen. Sie offenbarte sich in seinen Händen, die immer in Bewegung schienen. Von seinem Haar, zur Krawatte, zurück zum Tisch.

 

Schließlich lächelte Smith. „Wie wäre es mit einem Drink, Lieutenant?“

 

Wieder räusperte sich Peck nervös. „Ich hätte nichts gegen ein Bier, Sir“, erwiderte er fast schüchtern.

 

Ah, Schüchternheit war sicherlich nichts, dass er in dem jungen Mann vermutete. Es schien ihm eher wie eine Taktik. Nun, zwei konnten dieses Spiel spielen. „Dann holen Sie sich eins und bringen Sie mir noch einen Jack Daniels.“ Er schob sein leeres Glas über den Tisch. „Lassen Sie es auf meine Rechnung schreiben.“

 

„Ja, Sir.“

 

Hannibal beobachtete, wie Peck diensteifrig aufsprang und zur Bar trat. Da war sicherlich eine Selbstsicherheit in seinen Bewegungen, die dem jungendlichen Äußeren entgegenstand. Der makellose Schnitt der Uniform, der perfekte Glanz seiner polierten Schuhe – oh ja, Peck schien wie ein Modellsoldat von einem Werbeplakat. Offensichtlich verwandte er viel Zeit auf seine Erscheinung, man würde ihn selbst bei einer Überraschungsinspektion nicht mit einem losen Knopf oder schmutzigen Schuhen erwischen. Abgesehen von seinem blonden Haar, das einen Hauch zu lang war, um den Vorschriften zu entsprechen. Er beobachtete das lässige Lächeln, das Peck dem Mann hinter der Bar schenkte, als er seine Bestellung aufgab. Und wie seine Augen dann zu einem Tisch in einer Ecke glitten, wie sein Lächeln seinen ganzen Charme verströmte und wie die zwei Krankenschwestern, die dort saßen, ihm zu winkten und kicherten und dann miteinander zu tuscheln begannen. Er bemerkte auch das Murren, dass unter den anderen Männern aufkam, die Peck ihrerseits ebenfalls beobachteten.

 

Nichts davon entging Smith, als er den jungen Mann einzuschätzen begann, den er in sein Team integrieren wollte. Es gab eine Menge Gerüchte um Peck und die meisten davon waren wenig schmeichelhaft. Es hieß, dass er zwar alles besorgen konnte, aber keine Skrupel hatte, seine Kunden dafür über den Tisch zu ziehen. Er war gut, wusste das und ließ sich seine Mühe teuer bezahlen. Sein gutes Aussehen war mit Ehrgeiz und mehr als nur ein wenig Arroganz gepaart. Er war der geborene Frauenheld und das kam nicht besonders an, in einer Base, in der nur sehr wenige Frauen und sehr viele Männer dienten.

 

Hinter der so unschuldig-engelhaften Fassade steckte sehr viel mehr Berechnung, als man beim ersten Blick auf Peck vermuten mochte.

 

Und trotzdem war etwas an diesem jungen Mann, dass ihn faszinierte.

 

Peck kam mit ihren Drinks zurück und als sich die leuchtend blauen Augen direkt auf ihn richteten, wurde sich Hannibal erneut bewusst, dass dieser Mann einfach zu gut aussah. Wie eine Schlange glitt für einen Moment Lust durch sein Innerstes, hob... Begehren... sein hässliches Haupt. Er unterdrückte dieses Empfinden gnadenlos. Das war weder seine Art, noch der Grund seines Interesses für den jungen Mann, der ihm gegenüber Platz genommen hatte.

 

Er war sich nicht sicher, was an Peck zuerst seine Aufmerksamkeit erregt hatte. Sicher war er intelligent und ehrgeizig und zweifellos war er gut in dem, was er tat. Und das ganze war in eine ansprechende Hülle gepackt. Aber es gab Hunderte anderer junger Männer, ebenso gutaussehend, ebenso willfährig... also warum saß er ausgerechnet mit Peck hier, was war es, dass ihn anzog wie Feuer eine Motte?

 

„Sir.“ Peck schob den Whiskey über den Tisch und rutschte unruhig auf seinem Stuhl hin und her. Er legte die Finger locker um seine Bierflasche, machte jedoch keine Anstalten, davon zu trinken.

 

Die blauen Augen musterten ihn und Hannibal schüttelte fast bedauernd den Kopf, als er seine Gedanken in Zaum nahm. „Sie sind niemals dreiundzwanzig Jahre alt“, sagte er schließlich – und er machte eine Herausforderung daraus, keine Frage.

 

Peck hob die Schultern und um seinen Mund spielte sekundenlang ein Lächeln. „So steht es in meinen Unterlagen, Sir“, erwiderte er selbstsicher, obwohl er den Blick auf den Tisch richtete.

 

„Das weiß ich“, erwiderte Smith ruhig. „Ich habe die Akte gelesen.“

 

Die Augenbrauen des jungen Lieutenant hoben sich ein wenig. „Darf ich nach dem Grund dafür fragen, Sir?“

 

Der Colonel lächelte ironisch. „Ich bin auf der Suche nach einem neuen Supply Officer.“

 

Peck nickte. „Davon habe ich gehört, Sir. Vom Tod Ihres First Lieutenants, meine ich.“ Seine Stimme blieb gleichmäßig, verriet nichts. „Wie kann ich Ihnen helfen, Sir?“ Seine Finger begannen mit der Bierflasche zu spielen.

 

Smith Augen verengten sich und für einen Moment hatte er den irritierenden Eindruck, dass er jemanden gegenüber saß, der auch sehr gefährlich werden konnte. Er wusste nicht, was dieses Gefühl verursacht hatte und unterdrückte es ärgerlich.

 

Peck musterte ihn erwartungsvoll, doch der Colonel war schon zu lange in diesem Spiel, um es nicht nach seinen Regeln zu spielen. Also lächelte er lediglich und rauchte. „Trinken Sie Ihr Bier, Lieutenant“, sagte er beiläufig. „Ich habe Sie nur für eine unverbindliche Unterhaltung hergebeten.“

 

„Eine Unterhaltung, Sir?“ Peck konnte die Enttäuschung nicht völlig aus seiner Stimme heraushalten. „Ich dachte...“

 

„Sie dachten was?“, unterbrach ihn Hannibal und beugte sich ein wenig vor. Der junge Mann vor ihm mochte sich seiner selbst sehr sicher sein, doch er war längst nicht so gut darin, seine Gefühle zu verbergen, wie er sich einbildete. Er hatte durchaus Potential, aber würde noch viel daran arbeiten müssen, um zu erreichen, was es versprach.

 

„Ich dachte, ich könnte Ihnen bei etwas behilflich sein“, entgegnete Peck steif. Sein Blick streifte den Colonel und richtete sich dann auf die Tür. „Ich möchte nicht unhöflich erscheinen, Sir, und Ihr Interesse ist sicherlich eine große Ehre für mich, aber wenn das alles ist, Sir, dann würde ich jetzt wirklich lieber gehen. Wie Sie bestimmt gehört haben, bin ich ein vielbeschäftigter Mann.“ Sarkasmus zeigte sich in seiner Stimme. „Sir.“

 

„Ja, ich habe sehr viel über Ihre Geschäfte gehört.“ Hannibals Lächeln war offen, seine Augen schienen vor Vergnügen zu funkeln.

 

„Wenn das alles war, Sir?“ Der junge Mann stand auf, ohne auf eine Erlaubnis zu warten.

 

„Hinsetzen, Lieutenant.“ Hannibals Stimme war leise, ließ aber keinen Zweifel an seiner Autorität und Peck fiel förmlich zurück auf seinen Stuhl. Smith sah ihn an. „Ich habe von Ihrer silbernen Zunge gehört, Ihrer Geschäftstüchtigkeit und Ihrer Kreativität. Aber all das wird Ihnen nichts nutzen, wenn Sie nicht lernen, Ihre Gefühle zu beherrschen. Ich will, dass Sie mir zuhören.“

 

„Aber ich...“

 

„Das war ein Befehl, Lieutenant.“

 

Peck zuckte zusammen und fuhr sich durch das Haar, was Hannibals Aufmerksamkeit wieder darauf lenkte, dass es etwas zu lang war, das einzig Normabweichende an seiner Erscheinung. Er nickte anerkennend, als sich der junge Mann sichtlich auf die Zunge biss und eine Antwort zurückhielt. Doch die hellen, blauen Augen verrieten sein Unbehagen.

 

Smith drückte langsam und gründlich seine Zigarre aus. Erst dann sah er den jungen Mann wieder an. „Haben Sie über Ihre Zukunft nachgedacht, Lieutenant Peck?“

 

Peck schluckte, dann schüttelte er den Kopf, als ob er seiner Stimme nicht traute. Sein zuvor gezeigtes Selbstvertrauen schien geschwunden zu sein und er erweckte nun eher den Eindruck eines Schuljungens, der vor den Rektor zitiert worden war.

 

Der Colonel bemerkte es und dachte beiläufig, dass Peck diese Pose bestens ankam. Sie erweckte sicherlich sehr viel Sympathie – aber er war zu erfahren, um sich von einem geknickten Blick und einem gesenkten Kopf beeinflussen zu lassen. „Das habe ich auch nicht anders erwartet. Sie sind jung und ehrgeizig, geradezu begierig auf das Leben – wozu sich also um das Morgen, um die nächste Woche, um das nächste Jahr kümmern? Ich habe das in Ihrem Alter auch nicht getan, aber es kommt der Zeitpunkt, an dem es wichtig wird. Nämlich dann, wenn Sie plötzlich erkennen, wer und was Sie eigentlich sind und wo Sie sich befinden. Was Sie hinterlassen werden. Ihr Ruf ist ein wertvolles Gut, mein Junge.“ Er sah sich um. „Es gibt eine Menge unschöner Gerüchte, seit Sie vor zwei Monaten in diese Base versetzt wurden. Und es gibt eine Menge Soldaten hier, die sich den Mund über Sie zerreißen. Kaum jemand hat Respekt vor Ihnen. Ihr Ruf ist der eines skrupellosen Geschäftemachers und Weiberheldens. Aber Sie sind hier, um Soldat und Offizier zu sein, nicht der Mittelpunkt der Gerüchteküche.“

 

„Ich kümmere mich nicht darum, was andere von mir denken“, erwiderte Peck beißend. „Sir“, setzte er hinzu. Seine Hände zitterten ganz leicht und er verbarg sie unter dem Tisch.

 

„Ich bin sicher, dass Sie das nicht tun. Aber ganz offensichtlich ist es an der Zeit, dass Sie damit anfangen, Templeton.“

 

Peck reagierte nicht darauf, dass der Colonel ihn mit seinem Vornamen ansprach. „Denken Sie etwa, ich habe mir das so ausgesucht? Sie profitieren alle von mir, aber zerreißen sich ihre Mäuler über mich. Ich kenne alle ihre kleinen, schmutzigen Geheimnisse und sie wagen es, mich in den Dreck zu ziehen!“

 

„Man hat immer eine Wahl, Lieutenant“, erwiderte Smith fast gleichgültig.

 

„Verzeihung, Sir – aber ich denke, das ist aus Ihrer Position sehr viel leichter zu sagen, als aus meiner.“ Wieder kroch Sarkasmus in die Stimme des jungen Mannes.

 

Hannibal lachte leise. „Ich war nicht immer ein Colonel, mein Junge.“

 

Peck zögerte und fuhr sich wieder durch die Haare. „Ich wollte nicht...“ Er brach unsicher ab, ganz offensichtlich von der Reaktion des älteren Mannes überrascht. Er hatte wohl eher einen wütenden Ausbruch und ein Abkanzeln wegen seiner respektlosen Art erwartet.

 

„Wie ich bereits erwähnte, habe ich mir Ihre Akte besorgt. Sie begann sehr vielversprechend, bis zu Ihrer Verwundung und der Versetzung in diese Base. Eine beeindruckende Anzahl von Belobigungen haben Sie da in so kurzer Zeit gesammelt. Sie erscheinen mir ein guter Soldat zu sein. Ich kann sehen, dass Sie Potential haben.“ Smith lächelte ironisch, doch Peck entging dies. „Ich bin schon eine ganze Weile hier in Vietnam und noch niemand konnte mir so gute Zigarren besorgen. Das ist wahres Talent, mein Junge.“

 

„Und das ist alles, was Sie in mir sehen?“, platzte es ungläubig aus Peck heraus. „Mein sogenanntes Talent, eine... eine Art Tabakhändler zu sein?“

 

Smith wartete eine Weile, bevor er antwortete. „Ich bin sicher, dass Sie es weit bringen können – auf Ihre Weise. Ich biete Ihnen die Möglichkeit, es weiter zu bringen, als Sie es für möglich halten – auf meine Weise.“

 

„Mir? Wieso?” Peck klang atemlos, als er die beiden Worte hervorstieß.

 

„Weil mir gefällt, was ich vor mir sehe.“ Fast so etwas wie Abscheu flog über die attraktiven Gesichtszüge des anderen Mannes, doch Hannibal korrigierte ihn nicht. „Ich mag Potential.“

 

„Was für ein Unsinn!“

 

„Denken Sie darüber nach“, fuhr Smith fort, als hätte er nie einen Einwand gehört. Sein Blick ließ den jungen Mann nicht eine Sekunde los.

 

„Worüber? Über Ihre Zigarren?“

 

„Darüber, wieder als der Soldat eingesetzt zu werden, zu dem man Sie ausgebildet hat und nicht auf dieser Basis Ihr Talent und Ihre Fähigkeiten darauf zu verschwenden, Alkohol, Zigaretten und Pornos für die zu besorgen, die bereit sind, Ihre Preise zu bezahlen.“ Die Stimme des Colonels klang völlig ruhig und sein Gesicht verriet keinerlei Emotion. „Ich will Sie in meinem Team.“

 

Völlig die Fassung verloren hatte dagegen der junge Mann vor ihm. „Teil Ihres A-Teams? Ich?“ Dem Aufblitzen in seinen Augen nach war es Ärger, der seine Wangen tiefrot färbte. „Ich glaube Ihnen nicht, Colonel. Warum sollten Sie jemand wie mich in Ihrem Team haben wollen. Warum sollte mich ein Mitglied des berüchtigten A-Teams akzeptieren? Sie haben meinen Ruf erwähnt.“

 

„Mein Team wird jeden akzeptieren, von dem ich ihnen sage, dass sie ihn akzeptieren sollen, Lieutenant. Aber wenn Sie ein paar Gerüchte als eine Entschuldigung vorgeben wollen – meinetwegen.“

 

Hannibal behielt den gleichgültigen Tonfall bei, als er den jungen Mann bewusst provozierte.

 

„Kehren Sie zu Ihren Geschäften zurück; riskieren Sie, im Gefängnis oder vor einem Militärgericht zu landen. Finden Sie eine Möglichkeit, mit Ihrem Ehrgeiz, dem Hunger nach mehr zu leben – aber Sie werden keine finden, nicht auf Ihre Art und Weise. Dazu hätten Sie nicht hierher kommen müssen. Erinnern Sie sich an das, was Sie dazu getrieben hat, sich viel zu jung einzuschreiben, das Bootcamp zu absolvieren und Sie dazu gebracht hat, sich bei den Special Forces zu bewerben. Es war sicher nicht Ihre zweifellos vorhandene Geschäftstüchtigkeit. Sie sind mehr wert als das und ich kann Ihnen helfen, zu entdecken, welches Potential wirklich in Ihnen steckt und wie Sie es nutzen können. Ich kann Ihnen einen Grund geben, stolz auf sich zu sein; einen Grund, all die Mühen, Gefahren und Risiken auf sich zu nehmen. Ich kann Ihnen zeigen, wie Sie sich den Respekt der anderen verdienen, nach dem Sie sich so sehr sehnen.“

 

Er sagte die letzten Worte sehr leise und sah doch, wie Peck zusammenzuckte und den Kopf senkte.

 

„Bekomme ich keine Antwort, Lieutenant?“

 

Da war wieder dieses verräterische Empfinden, als Peck den Kopf hob und ihn mit einem Lächeln bedachte, an dem man sich schneiden konnte, wenn man sich nicht vorsah. Es war eine völlige Umkehrung von wenigen Augenblicken zuvor und Smith fragte sich plötzlich, ob er die schauspielerischen Fähigkeiten des jungen Mannes nicht vielleicht doch unterschätzt hatte. Die Augen des Colonel verengten sich misstrauisch, doch sein Gesicht blieb ausdruckslos.

 

„Ich muss darüber nachdenken“, erwiderte Peck.

 

„Worüber?“

 

„Darüber, dass ich meinen neuen, relativ sicheren Job im Hauptquartier dieser Base dafür aufgeben soll, um Charley durch einen stinkenden Dschungel zu jagen, wo ich vermutlich irgendwann an einer Kugel krepiere, die einen wichtigeren Körperteil als meine Schulter trifft.“

 

„Sie sind Soldat, Peck, egal ob Sie das im Moment glauben wollen oder nicht. Sie sind dazu geboren, Charley durch einen stinkenden Dschungel zu jagen. Und nicht, um hinter einem Schreibtisch Ihre Geschäfte vor Morrisons Augen zu verbergen. Ich biete Ihnen die Möglichkeit dazu.“

 

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese Möglichkeit geboten haben will.“ Wieder diese Pause. „Sir.“ Dann stand Peck auf, dieses Mal wartete er, bis der Colonel nickte. „Ich melde mich bei Ihnen, Colonel Smith.“

 

Hannibal sah ihn an und sein Blick verriet nichts von der widerwilligen Bewunderung, die er für diesen sturköpfigen jungen Mann empfand. „Aber nehmen Sie sich nicht zu viel Zeit zum Nachdenken, Lieutenant. Mein Angebot gilt nicht unbegrenzt.“

 

„Ich weiß das zu schätzen.“ Wieder strich sich Peck durch die Haare und Hannibal erkannte, dass er sich dieser Geste kaum mehr bewusst war. „Ich komme auf Sie zurück. Und vielen Dank für das Bier.“ Nur die Anspannung in seinem Körper verriet, dass er keineswegs so ruhig war, wie er erscheinen mochte – und wieder empfand der Colonel widerwillige Bewunderung. „Ihre Zigarren sollten Ende der Woche eintreffen.“

 

„Ich will Ihre Antwort vorher.“

 

Peck nickte.

 

„Und arbeiten Sie an Ihrer Selbstbeherrschung, mein Junge. Es fällt mir schwer zu glauben, dass Sie so erfolgreich sein sollen, wenn Sie Ihre Fassung so leicht wie eben verlieren.“

 

Der junge Mann zögerte und schluckte offenbar eine Erwiderung hinunter, die ihm auf der Zunge lag. Statt dessen salutierte er vorschriftsmäßig, drehte sich auf dem Absatz um und verschwand so schnell aus der Messe, dass es schien, als wäre er nie dort gewesen. Die neugierigen Blicke ignorierend, die ihm wie stets folgten.

 

Colonel Smith lehnte sich in seinen Stuhl zurück und zündete sich eine frische Zigarre an. Er würde warten. Doch irgendetwas sagte ihm, dass die Wahl bereits entschieden war. Er hatte seinen neuen First Lieutenant und Supply Officer gefunden. Und John ‚Hannibal’ Smith bekam immer, was er wollte.

 

 

Ende