Titel: Neue Anfänge und alte Wunden
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Pairung: Murdock, B.A., Face, Hannbal, Frankie
Rating: PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Häusliche Szenen in Langley.

 

Die Story spielt auf die Ereignisse in der „Trial-by-Fire“-Trilogie in der fünften Staffel an, als das Team vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt wurde. Nach der – mit Hilfe von Murdock und Frankie Santana – nur gefakten Hinrichtung treten sie in General Stockwells Dienste, der ihnen dafür eine offizielle Begnadigung verspricht.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

Etwas weckte ihn... von einem Moment auf den anderen war B.A. wach und lauschte in die Dunkelheit. Obwohl das Haus in Langley vermutlich die bestbewachte Unterkunft war, in der er schlief, seit er die Wohnung seiner Mutter verlassen hatte um zur Army zu gehen, siegte die Gewohnheit und er stand auf. Ein Blick auf die Uhr sagte ihm, dass es halb vier Uhr morgens war. Er zog leise die Tür hinter sich zu und lauschte. Der Flur war dunkel. Er war fast bereit, zuzugeben, dass er sich geirrt hatte, als er es wieder hörte. Und es kam aus der Küche. Gut, er würde ohnehin besser einschlafen, wenn er sich ein Glas Milch holte.

 

B.A. stieß leise die nur angelehnte Tür auf, es brannte Licht. „Was machst du hier?“

 

Murdock sprang auf und presste mit übertrieben erschrockener Miene beide Hände auf die Herzgegend. „Gee, Großer! Willst du mich zu Tode erschrecken?“

 

„Was machst du hier, du Spinner?“, wiederholte B.A. „Warum bist du nicht in deiner Wohnung?“ Sie waren erst spät am Nachmittag von einem Job aus Südamerika zurückgekehrt, hatten sich erschöpft Stockwells Bemerkungen über ihre Verspätung angehört und waren nach dem Abendessen in ihre Zimmer verschwunden, um erledigt ins Bett zur kriechen. Einer der Abels hatte Murdock nach Hause gebracht.

 

Der Pilot zuckte mit den Schultern und setzte sich wieder an den Küchentisch. Er zog seine Mütze tiefer ins Gesicht, wippte mit dem Stuhl und schaltete um.

 

„Wieso ist der Fernseher in der Küche?“ B.A. stemmte die Fäuste in die Hüften.

 

Murdock sah ihn über die Schulter hinweg an. „Ich konnte unmöglich den Kühlschrank ins Wohnzimmer schaffen.“ Er grinste. „Aber jetzt bist du ja da, zu zweit schaffen wir es sicher.“

 

Kopfschüttelnd holte sich B.A. seine Milch. „Was machst du hier?“, wiederholte er und sah sich das Chaos an, dass der Pilot hinterlassen hatte. Tüten und Kartons, ein Glas, ein Teller, Papiertücher... und überall Krümel. So hatte es hier nicht ausgesehen, als er die Küche zuletzt gesehen hatte.

 

„Ich hatte Hunger.“ Murdock zappte sich durch die Sender und packte ein Twinkie aus. Den Verpackungen links und rechts auf dem Boden neben seinem Stuhl nach zu urteilen, hatte er sich schon durch einen ganzen Karton voll gearbeitet.

 

B.A. verzog angewidert das Gesicht. „Hast du keinen eigenen Kühlschrank?“ Wo stopfte der Spinner nur den ganzen Süßkram hin? Er warf den leeren Milchkarton in den Müll. Um diese Uhrzeit hatte er nun wirklich keine Lust, sich mit Murdock zu streiten. „Ich hoffe, du räumst auf, bevor du gehst. Nicht, dass wir hier Kakerlaken kriegen.“

 

Der Pilot sah ihn mit seinen großen Kinderaugen an. „Du meinst, außer Wanzen würde sich hier noch anderes Ungeziefer wohlfühlen?“, fragte er mit unschuldiger Stimme.

 

B.A. grinste. Nur für einen Augenblick natürlich, dann zeigte sein Gesicht wieder die übliche grimmige Miene. Er hoffte, dass wer immer auch in Stockwells Auftrag die Wanzen überall im Haus abhörte, sich über die Bemerkung des Piloten ärgerte. Er trat neben Murdock und sah auf ihn hinunter. „Was treibst du dich hier mitten in der Nacht herum, Spinner? Du hast jetzt einen Job. Dafür muss man ausgeschlafen sein.“

 

„Ich konnte nicht schlafen.“ Der Pilot spielte mit der Fernbedienung – und schaltete auf einen leeren Kanal, dann drehte er die Lautstärke hoch. Ein Rauschen und Knistern erfüllte die Küche und schaltete wohl ganz nebenbei auch die meisten von Stockwells Wanzen aus.

 

B.A. zog einen zweiten Stuhl neben Murdocks und setzte sich. „Stockwell wird das nicht gefallen.“

 

Murdock zuckte mit den Schultern. Er nahm ein Messer und begann damit gegen sein Glas zu trommeln, bis B.A. es ihm aus der Hand schlug. „Hey. Es ist mir egal, was der General denkt. Er hat mir gar nichts zu sagen.“

 

„Du weißt, dass das nicht richtig ist.“ B.A. musterte ihn. Der Pilot spielte keins seiner üblichen Spielchen, das schien klar. Er war blass und unter seinen Augen lagen dunkle Ringe. Überhaupt, wenn er darüber nachdachte, hatte sich Murdock die letzten Tage über ziemlich normal benommen – normal nach Murdockschen Standart.

 

„B.A., was zum Kuckuck treibst du um diese Uhrzeit...? Murdock, was machst du denn hier?“

 

Die beiden drehten sich gleichzeitig um, als Face in der Küche erschien, das Haar zerzaust, den Gürtel seines Morgenmantels zuschnürend. Das Rauschen des Fernsehers hatte seine Schritte übertönt.

 

Murdock sah ihn an, stand auf und lief zu ihm, um ihn zu umarmen. Face legte die Arme um ihn, hielt ihn fest und sah über die Schulter des Piloten hinweg B.A. fragend an. Der zuckte mit den Achseln. „Hey, hey, ist ja gut.“ Er sprach leise mit ihm, schlug einen Tonfall an, wie um ein verschrecktes Tier zu beruhigen. „Was ist es? Sag’ schon. Na komm, Murdock. Sag’ uns schon, was los ist.“ Face runzelte die Stirn, als er den Piloten zittern spürte. Er drehte den Kopf, als er sah, dass B.A. auf die Tür starrte.

 

Der Colonel stand mit fragendem Gesichtsausdruck in der Tür. Er sah Murdock, öffnete den Mund... schloss ihn dann wieder und nickte Face zu, als der leicht den Kopf schüttelte.

 

„Also hör’ mal, das ist ja kein Wunder, wenn du nicht schlafen kannst, wenn du diesen Kram in dich reinstopfst. Da ist genug Zucker drin, um einen Bären vom Winterschlaf abzuhalten.“ Face schob den Piloten ein Stück von sich, um ihn ansehen zu können, ließ aber beide Hände auf seinen Schultern liegen. „Oder bist du nur vorbeigekommen, weil wir hier mehr Kabelprogramme zur Verfügung haben?“

 

Murdock stopfte die Hände in die Taschen seiner Jacke und starrte auf seine Schuhe. „Es tut mir leid, dass ich euch geweckt habe“, meinte er leise.

 

„Das ist schon in Ordnung, Captain. Wenn du uns sagst, warum du hier bist.“

 

Der Pilot sah hastig auf, als er Hannibals Stimme hörte und sah ihn an. „Ich habe wieder davon geträumt.“

 

„Geträumt? Wovon?“, wiederholte Hannibal.

 

Face mischte sich ein, bevor Murdock antworten konnte. „Warum gehen wir nicht wieder alle schlafen, Jungs? Es ist ja nicht mehr lang bis zum Morgen. Murdock, du kannst mit in mein Zimmer kommen.“ Er legte den Arm um die Schultern des Piloten.

 

„Nicht, bevor ich weiß, um was es hier geht.“ Der Colonel verschränkte die Arme vor der Brust und wünschte sich sicherlich, er hätte eine Zigarre greifbar. „Murdock – um was geht es hier?“ Er blickte seinen Lieutenant an. „Oder soll ich Face fragen? Er weiß offenbar mehr als wir alle.“

 

„Er träumt von unserer Hinrichtung, Hannibal.“ Zur Überraschung aller war es B.A., der antwortete. „Den Spinner haben sie nicht vor ein Erschießungskommando gestellt, aber er träumt davon.“

 

„Glaubst du vielleicht, mir hat das ganze Spaß gemacht?“, fauchte der Pilot aufgebracht. Er wirbelte herum und wollte aus der Küche, lief aber direkt Hannibal in die Arme, der ihn zurückhielt.

 

„Niemand von uns denkt das, Captain.“ Der Colonel musterte ihn, wartete geduldig, bis der Pilot ihn ansah. „Aber du hast nicht mit uns darüber gesprochen. Wir können dir nicht helfen, wenn du uns nicht wissen lässt, was in dir vorgeht.“

 

„Er hat es mir gesagt“, meinte Face. Er zuckte mit den Schultern und stopfte die Hände in die Taschen seines Morgenmantels. „Aber... na ja. Ich spreche auch nicht gerne darüber.“

 

„Keiner von uns tut das.“ Hannibal blickte die beiden anderen an, dann wieder den Piloten. „Und ich denke, das ist ein Fehler. Wir werden darüber sprechen. Nicht hier. Nicht jetzt. In Ruhe.“ Sein Blick erinnerte sie daran, dass sie nie wirklich alleine im Haus waren. „Sieh’ zu, dass du noch ein paar Stunden Schlaf bekommst. Wir sind alle hier und es geht uns gut.“

 

Murdock sah ihn an und für einen Moment glitt ein schwaches Lächeln über sein Gesicht. „Bist du dir da ganz sicher, Colonel?“, fragte er, seine Stimme ernst. „Vielleicht ist das alles nur eine Illusion. Eine Halluzination. Vielleicht sitze ich in einer Gummizelle im VA und bilde mir das alles nur ein. Und wenn ich brav bin und immer schön mein Gemüse aufesse, dann lässt mich Doktor Richter vielleicht sogar mal raus, damit ich ein paar Blumen auf eure Gräber legen kann.“

 

B.A. stand auf. Das war eindeutig zu viel. „Ich werde dir Spinner zeigen, was eine Illusion ist“, knurrte er. „Und der einzige, auf dessen Grab gleich Blumen liegen, ist deines!“

 

Hannibal schob den Piloten zu Face und trat B.A. in den Weg. „Ganz ruhig, Sergeant. Ich glaube, wir können alle noch ein wenig Schlaf gebrauchen. Aber es ist gut, dass Murdock diese Sache zur Sprache gebracht hat. Das wäre eigentlich meine Aufgabe gewesen. Und jetzt will ich, dass dieses Team schlafen geht. Okay?“ Er sah B.A. so lange an, bis der nickte und sich grummelnd an ihm vorbei schob, nicht ohne dem Piloten noch einen bösen Blick zuzuwerfen.

 

„Captain? Lieutenant?“ Hannibal wandte sich den beiden anderen Männern zu.

 

Face nickte ebenfalls und legte den Arm um Murdock. „Na komm’ schon, du schläfst bei mir.“ Er führte den Piloten, der ihm widerspruchslos folgte, Richtung Treppe.

 

Hannibal sah sich in der Küche um. Dann trat er zum Tisch, schaltete den Fernseher ab und bevor er den Raum verließ, auch das Licht. Er beschloss, Murdock in nächster Zeit mehr im Auge zu behalten. Über all die Veränderungen in ihrem Leben vergaßen sie manchmal, dass sich auch für den Piloten alles geändert hatte. Er dachte daran, wie Murdock Doktor Richter einmal als seinen „emotionalen Schockabsorber“ bezeichnet hatte. Nun, der Psychiater befand sich an einer anderen Küste, also fiel ihnen nun diese Rolle gänzlich zu. Und doch... der Pilot hatte recht. Sie konnten nicht so tun, als wäre nichts passiert – auch wenn sie das in den letzten Wochen versucht hatten.

 

Mit einem Seufzen schloss er die Tür hinter sich und ging zurück ins Bett. Er hatte so eine ungute Ahnung, als würde ihr „neues“ Leben hier in Langley noch eine Menge unschöner Gedanken und Gefühle ans Licht bringen...

 

* * *

 

Frankie Santana schlurfte in die Küche, um Kaffee aufzusetzen. Er gähnte und sah sich verblüfft das Chaos an. Machten die das eigentlich mit Absicht? Gerade er hatte heute Küchendienst.

 

Aufgebracht eilte Frankie zurück nach oben und öffnete die Tür zu Face Zimmer. „Hey, ich finde das absolut nicht witzig wie es in der Küche aussieht!“, begann er sauer.

 

Face fuhr aus dem Schlaf hoch und starrte einen Augenblick verständnislos den Eindringling an. Dann blinzelte er. „Santana, was soll der Quatsch? Mach’, dass du hier rauskommst!“

 

Frankie verschränkte die Arme vor der Brust. „Erst will ich wissen, wer die Küche verwüstet hat, oder ich...“ Er verstummte verblüfft, als neben Face der zerzauste Haarschopf des  Piloten auftauchte. „Äh... ich wusste nicht... das du.. ähem... Besuch hast“, stammelte er.

 

„Was?“ Face starrte ihn verständnislos an, dann sah er Murdock an, der damit kämpfte, wach zu werden. Er nahm sein Kissen. „Frankie, du denkst besser nicht, was ich denke, was du denkst“, drohte er. „Und jetzt raus hier!“ Er warf Santana das Kissen an den Kopf. Der grinste verlegen und machte, dass er raus kam.

 

Face drückte Murdock, der aufstehen wollte, zurück. „Du schläfst weiter.“ Er schüttelte den Kopf und sah zu, wie der Pilot sich von ihm abwandte und sich wieder auf der Seite zusammenrollte, dann streckte er sich selbst aus. Verdammt, ohne Kissen, das war unbequem. Verdammter Frankie. Aber er hatte auch keine Lust, aufzustehen und sich sein Kissen zurück zu holen, das bei der Tür lag. Er lächelte, als Murdock – ohne sich zu ihm umzudrehen – sein Kissen so zu ihm hinschob, dass sie beide den Kopf darauf legen konnten. Er rückte näher an den warmen Körper des Piloten und schlief ein.

 

Auf dem Flur lief Frankie inzwischen fast in die massige Gestalt B.As. Ein wenig nervös wich Santana zurück. So recht hatte er sich an den miesmutigen Sergeant noch nicht gewöhnt. Er hatte immer das Gefühl, dass B.A. ihn wie ein Streichholz in der Mitte auseinanderbrechen konnte, wenn er wollte.

 

„Was ist das für ein Geschrei?“, wollte B.A. mit grimmigen Gesichtsausdruck wissen. „Kann man denn hier nie schlafen?“

 

Frankies Neugier siegte für einen Moment über seine Nervosität. „Warum übernachtet Murdock in Face Bett?“, fragte er.

 

B.A. starrte ihn böse an und Frankie machte unsicher einen Schritt rückwärts. „Lass’ Face und Murdock in Ruhe“, sagte er.

 

„Man wird ja noch mal fragen dürfen“, verteidigte sich Frankie.

 

Beide drehten sich um, als sie das Öffnen einer Tür hörten. Hannibal sah aus seinem Zimmer. „Es bedeutet, dass wir uns umeinander kümmern, Frankie“, sagte er ruhig. „Und wenn du jetzt noch ein paar Stunden eine leise Beschäftigung finden würdest, das wäre toll. Wir haben alle eine etwas unruhige Nacht hinter uns.“ Damit trat er zurück in den Raum und schloss die Tür.

 

B.A. machte es ihm nach.

 

„Okay. Null problemo, Johnny“, sagte Frankie zu dem leeren Raum und verschwand kopfschüttelnd in sein eigenes Zimmer. Sie könnten ruhig etwas netter zu ihm sein. Er hasste es schließlich genau so wie sie, hier zu sein. Aber Stockwell hatte ihm keine Wahl gelassen.

 

Wie sollte er nur jemals mit dem Team klarkommen? Frankie warf sich aufs Bett und verschränkte die Arme hinter dem Kopf. Da schimpfte und zankte B.A. sich die ganze Zeit mit Murdock, aber da war eben etwas so drohendes in seinem Blick gewesen, dass es Frankie noch nachträglich eine Gänsehaut verpasste. Und Face hatte auch nicht gerade freundlich geklungen. Was hatten sie nur alle mit dem verrückten Piloten? Sie benahmen sich ja wie eine Familie.

 

Frankie zögerte. Ja, genau das war es. Sie benahmen sich wie eine Familie. Und er war davon ausgeschlossen, nur geduldet weil die Umstände sie dazu zwangen. Frankie seufzte. Er fragte sich, wohin sie das alles noch führen würde.

 

 

Ende