Nachspiel

 

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Titel: Nachspiel

Autor: Myra Fandom: ST TOS

Paarung: K/S, Adventure

Altersangabe: PG-13

Disclaimer: Es sollten keine Urheberrechte verletzt werden. Und natürlich wird damit auch nichts verdient. Star Trek gehört Viacom/Paramount.

Beta: Michaela, REV

 

 

Nachspiel

 

Teil 1

Das Ritual

 

Der Captain saß am Tisch in seinem Quartier und fühlte sich gar nicht nach Captain.

Trübsinnig und den Kopf auf seinen Armen abgestützt, sah er blicklos auf das goldfarbene Gitter in der Mitte des Raumes, verlor sich in dem Muster.

 

Nachdem sie sich wieder auf der Enterprise re-materialisiert hatten, war Kirk der besorgte Blick von Pille und auch der Ernst in Spocks Augen nicht entgangen. Fast fluchtartig hatte er den Transporterraum verlassen und seine Freunde sich selbst überlassen. Das war nun wirklich das Letzte, was er brauchte: gut gemeinte Ratschläge.

 

Scottys deutlich irritiertes Gesicht darüber, was die großen Drei jetzt wieder umtrieb - nachdem doch angeblich alles so erfolgreich verlaufen war - heiterte ihn nur kurz auf. Aber auch dieser Gedanke half natürlich nicht, seine Trauer zu vertreiben.

 

Jetzt sollte ich mich eigentlich sofort unter die Dusche stellen, sagte er sich, aber erst einmal ist das Logbuch dran. Ich muss mich zusammenreißen, du bist schließlich der Captain, vergiss das nicht, beschwor sich Kirk selbst und kämpfte gegen das Gefühl, das eine schwere Last auf seinen Schultern lag.

 

"Computer? Eintrag ins Logbuch: Sternzeit 5843.7. Das Missionsziel war die Beschaffung von Ryetalin, um das rigellianische Fieber zu bekämpfen, das auf der Enterprise ausgebrochen war. Trotz der anfänglichen Bereitschaft von Flint, dem angeblich einzigen Bewohner vom Planeten Holberg, das Mittel bereitzustellen, kam es zu erheblichen Schwierigkeiten. Mein Wissenschaftsoffizier fand Belege für die unglaubliche Lebenslänge von Flint, der sich zunehmend unkooperativer uns gegenüber verhielt. Dann erschien plötzlich noch eine wunderschöne junge Frau mit dem Namen Rayna ... - Oh, verdammt ... Computer Ende."

 

Kirk traf die Erinnerung wieder wie ein Faustschlag: Warum nur so ein eigentlich sinnloser Tod; so schön und so unschuldig. Er ließ den Kopf auf den Schreibtisch fallen und es gingen ihm tausend Gedanken durch den Kopf: Was hat mich nur so zu ihr hingezogen? Ich habe mich wieder so jung gefühlt, voller Energie, und wie vertrauensvoll sie mich angesehen hat.

 

Oder sind es doch nur die Hormone gewesen? Vermutete Kirk zuerst, aber es war wohl doch mehr zwischen ihnen gewesen. Sie hat von dem "legendären Captain" nichts gewusst. Sie hat nur mich, James T. gesehen, ohne Hintergedanken, nicht wie Janice oder all die Anderen. Sie hat mich wirklich geliebt! Kirk sackte noch etwas tiefer in seinen Stuhl und ergab sich seinen schweren Gedanken.

 

*

 

"Verdammt Spock, bleiben Sie stehen!" McCoy versuchte, mit dem Wissenschaftsoffizier Schritt zu halten, der wie von einem Magneten angezogen hinter Kirk hereilte: "Das hat doch keinen Zweck."

 

Spock blieb nur zögernd stehen und musterte den Arzt. Steif fragte er: "Was schlagen Sie vor, Doktor?"

 

"Mein Gott Spock, sehen Sie denn nicht, dass der Captain in Ruhe gelassen werden will?"

 

Spocks rechte Augenbraue hob sich.

 

"Sie sind doch ein halber Mensch, wenn man es genau nimmt. Ja - ja, ich weiß, aber Jim hat Liebeskummer, falls Sie das noch nicht gemerkt haben."

 

Spocks Augenbraue rutschte bis fast unter die tiefschwarzen Haare. "Ich bin mir bewusst, dass der Captain einen Verlust erlitten hat, aber wieso sollte ich ihm nicht sagen, wie unlogisch diese Gefühle sind? - Was also schlagen Sie vor, Doktor?"

 

"Sie spitzohriger Schlauberger, als wenn Sie nicht wüssten, dass er jetzt Hilfe von Ihnen braucht. Sie waren doch schon auf dem Weg, aber so einfach geht das nicht, er will nicht darüber reden - noch nicht. Und überhaupt unlogisch, Sie sind doch nicht etwa eifersüchtig auf diese - zugegeben bezaubernde - Androidin gewesen?"

 

Kopfschüttelnd macht sich McCoy wieder auf den Weg zu seiner Krankenstation, wo ihn bestimmt schon Schwester Chapel auf der Suche nach Neuigkeiten zur letzten Mission erwartete. Er brummelte im Gang noch von Captains, Frauen und Vulkaniern vor sich hin und hatte nicht mehr bemerkt, wie der Wissenschaftsoffizier bei seinen letzten Worten zusammengezuckt war.

 

Verwirrt von dieser bei ihm selbst ungewohnten physiologischen Reaktion versuchte Spock, sich mit mentaler Disziplin Klarheit zu schaffen: Eifersucht? Eindeutig unlogisch! Brauchte Kirk seine Hilfe? Das war nicht auszuschließen, aber Jim wollte nicht reden. Da half vielleicht eine bestimmte vulkanische Methode.

 

Wäre das in diesem Fall ein logischer Weg? Der Captain musste so schnell wie möglich wieder dienstfähig sein, um die Mission der Enterprise nicht zu gefährden, also war es mit hoher Wahrscheinlichkeit die richtige Methode! Derartig geklärt machte sich Spock auf den Weg, vergaß jedoch nicht im Gang bei der Sprechanlage der überrascht wirkenden Uhura Anweisungen für die Brücke zu geben.   

 

*

 

"Captain?"

 

Leise näherte sich Spock der auf dem Stuhl zusammengesunkenen Figur.

 

Dieser Geruch in einer insgesamt stickigen Atmosphäre ließ Spock zögern, da er das Gefühl hatte, jetzt zu sehr in Kirks Privatsphäre zu treten. War es der Anblick der zerwühlten hellbraunen Haare, die Jim so verletzlich und so nah erscheinen ließen, oder doch die Pflicht, jetzt aktiv werden zu müssen? Einen Moment verfing sich Spocks Blick in einen scheinbar nicht zu bändigen Haarbüschel am Hinterkopf. Dann - mit einem unterdrückten Seufzer - straffte sich Spock.

 

Und mit einer schnellen Bewegung griff er von hinten von beiden Seiten mit seinen langen, schmalen Fingern in das menschliche Gesicht.

 

"Was ist? Oh, das tut so gut."

 

Kirk spürte sich plötzlich eingehüllt, ruhig und entspannt, wie in einem blauen Kokon und ließ sich hineingleiten wie in ein warmes Bad. Dieses Blau, das war doch dieselbe Farbe, die sein Wissenschaftsoffizier ...

 

"Spock! Was machen Sie hier?!"

 

"Entspannen Sie sich, Captain. Ich wende eine vulkanische Technik an, mit der bei uns Kinder, welche die Mentaltechniken selbst noch nicht vollständig beherrschen, beruhigt werden. Es erschien mir angemessen, das auch bei Ihnen anzuwenden."

 

"Für Kinder?"

 

"Ja, und Sie brauchen nicht zu befürchten, dass ich in Ihre Gedanken eindringe. Es ist keine vollständige Geistesverschmelzung, auch wenn wir jetzt auf mentaler Ebene kommunizieren könnten - wenn Sie es möchten. Wie fühlen Sie sich jetzt, Captain?"

 

"Besser, viel besser." Entspannt seufzte Kirk tief auf, lächelte und sagte nach einer Pause: "Ich fühle mich erstaunlich wohl. Die vulkanischen Kinder haben es doch ganz gut."

 

"Natürlich, Captain."

 

"Sagen Sie, Spock, haben wir das denn überhaupt schon einmal gemacht? Ich meine, mental zu kommunizieren? Ich bin neugierig, ob das mit mir auch ginge."

 

"Unsere Gehirne sind ausreichend kompatibel. Versuchen Sie, eindeutige Gedanken zu formulieren. Es ist aber nicht notwendig, sie laut auszusprechen."

 

Spocks Stimme klang neutral, aber Kirk fühlte sich doch etwas unheimlich bei dem Gedanken, dass sie sich jetzt so nahe kommen würden. Andererseits vertraute Kirk seinem Wissenschaftsoffizier. Eigentlich mehr, als irgendjemand sonst, musste er sich eingestehen. Und er wollte schon immer hinter diese scheinbar kühle Fassade blicken. "Also gut, wenn Sie es sagen", erwiderte er und konzentrierte sich:

 

Können Sie mich hören, Spock?

 

Klar und deutlich, Captain, antwortete Spock sofort und war positiv überrascht, wie schnell er auf das Angebot eingegangen war. Es war wie ein bestandener Test.

 

Oh, das geht ja erstaunlich gut, aber bitte nenn mich ab sofort Jim. Nach allem, was wir schon gemeinsam durchlebt haben. Dennoch frage ich dich: Warum eigentlich das Ganze?

 

Der letzte Landeurlaub ist emotional nicht ohne Probleme an Ihnen - an dir vorbeigegangen. Ich als Ihr erster Offizier fühlte mich verpflichtet meine Fähigkeiten einzusetzen, um die nächste Mission nicht zu gefährden. Hinzu kommt, dass der Schiffsarzt meinte, dass ...

 

Ja- ja, schon gut, ich kann mir schon denken, was der alte Brummelkopf - meinte. Ja, und dir muss ich natürlich für deine erfrischende Offenheit danken.

 

Spock meinte, ein Schmunzeln zu spüren, aber wiederholte seine Frage nach Kirks Befinden.

 

Viel kann ich dir jetzt sicher nicht mehr vormachen, antwortete Kirk jetzt wieder ernst. Dieser unsinnige Tod, er hat mich meine Einsamkeit wieder spüren lassen, vielleicht auch mein Alter. Sie war so neugierig auf das Leben, war selbst so lebendig und ich hätte ihr so viel zeigen können. Ach - ich glaube, mir fehlt ein wirklicher Partner.

 

Für Kirk fühlte es sich zu seiner Irritation kurz so an, als runzelte Spock die Stirn, was natürlich gar nicht sein konnte.

 

Ich sollte jetzt die Verbindung abbrechen, Jim.

 

Oh nein Spock, bitte nicht! Da ist ein riesiges schwarzes Loch und ich habe furchtbar Angst vor dem Aufwachen, bitte Spock, bleib' bei mir!

 

Was ist bloß los mit mir, fragte sich Kirk im selben Moment überrascht und war über seinen emotionalen Ausbruch sehr verwirrt. Er fühlte eine Woge der Aufregung in sich, wollte, oder konnte aber der Ursache nicht weiter nachgehen.

 

Aber auch Spock empfand eine irrationale Abneigung, den Kontakt jetzt schon abzubrechen. Ja ... Jim, was kann ich denn noch für dich tun?, antwortete er zögernd.

 

Zeig mir doch noch was von dir, äh - Vulkan. Es interessiert mich wirklich, fügte der Captain schnell hinzu, als er glaubte, ein Zögern in der anderen Sphäre zu spüren. Wir sind uns doch jetzt so nah gekommen.

 

Kirk war wie in einem Rausch bemüht, Spock möglichst lange bei sich zu halten.

 

Spock zögerte mit der Antwort: Jim, ich kann jetzt deine tieferen Gedanken erahnen, aber um einem wirklichen Austausch herzustellen, ist es notwendig, die mentale Verbindung weiter zu vertiefen. Dann ist es für mich möglich, deine Gefühle und Gedanken vollständig zu erfassen. Das ist natürlich auch umgekehrt so, und ist auf Vulkan in der Regel nur im gegenseitigen Einverständnis erlaubt. Möchtest du das wirklich?

 

Kirk hörte dies und dachte gleichzeitig wieder an die vielen Jahre, die sie gemeinsam verbracht hatten. Was könnte Spock in seinen Gedanken schon lesen, doch nur Dankbarkeit, Neugier auf seinen Schiffskameraden, auch Zuneigung. Vielleicht ein bisschen zuviel Zuneigung? Aber Spock muss doch wissen, wie emotional Menschen sind, beruhigte sich Kirk.

 

Ja Spock, lass uns das tun. Ich vertraue dir voll und ganz, schickte Kirk hinterher.

 

Auch Spock spürte in sich eine ungewohnte Aufregung. Sein Captain wollte es auch. Darauf war er nicht vorbereitet gewesen, aber eigentlich hatte er sich seit Jahren gewünscht, diese letzte Barriere zu durchbrechen.

 

Vorsichtig begann er, den Kontakt zu verstärken, und sondierte Kirks Geist. Was er da fand, war eine für Spock überwältigende Zuneigung und Offenheit, aber auch ein wirres Durcheinander der Gedanken und Erinnerungen, die seine menschliche Seite rührte.

 

Nachdem ich dein tieferes Selbst gesehen habe, ist es nur logisch, auch mich zu öffnen.

 

Kirk, der sich bereits wie in einem leichten Drogennebel fühlte, empfand Schwindel, als plötzlich vor seinen geistigen Augen eine dunkle Halle entstand, mit vielen kleinen Türen, hinter denen bunte Bilder schwirrten.

 

Langsamer Spock, ich verliere die Orientierung, was ist das?

 

Das sind Erinnerungen von mir, Jim, nach logischen Kriterien geordnet.

 

Spocks Stimme kam Kirk nun tiefer und gleichzeitig näher vor und er spürte eine leichte Aufregung wie vor einem Abenteuer.

 

Logische Kriterien, spuckte es durch Kirks Kopf und er lächelte innerlich.

 

Die Bilder verlangsamten sich nun und Kirk konnte hinter den Türen Genaueres erkennen: Neben beeindruckenden Panorama, die wohl von den roten Wüsten von Vulkan stammten, auch einen Rosengarten, vermutlich der von Amanda.

 

Es gab Bilder von einem großen, klauenbewehrten zotteligen Tier und einem nüchtern eingerichteten Zimmer, in dem ein großes Bild vom Sternenhimmel hing und ein übergroßer Sarek, der sich mit strengem Gesicht hinabbeugte.

 

Aus einer anderen Tür kam die Stimme von Amanda, die zu dem halb verdeckten Sarek sprach. Kirk konzentrierte sich und hörte: "Auch du bist einen Weg gegangen, der von Vulkan weg ..."

 

Fragend wandte sich Kirk an Spock, aber der war wie abwesend. In den nächsten Fenstern sah er Unterrichtsräume und freie Plätze mit jungen männlichen Vulkaniern, die diszipliniert in kleinen Runden standen. Dann ein Bild der Golden Gate Brücke mit der Sternenflotten -Akademie davor und weitere für Kirk bedeutend vertrautere Bilder von der Erde. Aber halt - da war eine Tür, die sich schon rein farblich von den anderen Türen unterschied. Er sah Kerzenlicht in einer riesigen, verschachtelten Halle flackern und halb nackte Gestalten sich würdig hin- und herbewegen. Kirk hörte leise Trommelschläge, und Rufe aus den Tiefen der Halle ergaben ein hallendes Geräusch. Magisch angezogen, erwachte in ihm eine Art Beutetrieb: Was ist das? - Spock?"

 

Spock hatte es kommen sehen und konnte doch nichts dagegen tun. Wenn er ehrlich mit sich ins Gericht ging, wusste er, diese Tür hätte er auch verschließen können. Und schlimmer noch, es gab offensichtlich etwas in ihm, das gewünscht hatte, dass Kirk gerade diese Tür öffnen wollte. Aber jetzt war es passiert und es durfte doch nicht sein.

 

Nein Jim, hier kann ich Dir keinen Zutritt erlauben.

 

Aber warum denn nicht, hast Du kein Vertrauen zu mir? Ich möchte doch so gerne alles über dich wissen. Und das würde mir sehr helfen, über meine Traurigkeit hinwegzukommen, Spock? Bitte!

 

Spock sah ganz klar, dass der Captain wieder alle seine Register zog, von Charme bis Erpressung und das Jagdfieber auf der Suche nach neuen Abenteuern im Spiel war. Aber Spock konnte ihm nicht widerstehen. Auch wenn er jetzt das Gefühl hatte, sich auf sehr dünnem Eis zu bewegen, wünschte er sich sehnlichst alles mit ihm zu teilen.

 

Jim, ich muss dich eindringlich warnen. Es handelt sich um ein vulkanisches Ritual, zu dem sich junge Männer im verborgenen treffen.

 

Im Verborgenen? Aha, und warum? Kirk knisterte förmlich vor Aufregung: Und wo sind wir hier überhaupt?.

 

In den Höhlen unter dem Mount Seleya.

 

Ach ja? Dann muss es ja etwas Besonderes sein. Bitte zeig es mir, Spock, ich will auch alles tun, was Du mir sagst. Was muss ich machen?

 

Es ist für Dich möglich meine frühere Erfahrung mit mir nach zu erleben. Es wird Dir jedoch immer bewusst bleiben, wer du bist, und du kannst nach mir rufen, sodass die Verschmelzung jederzeit von mir unterbrochen werden kann. Willst du das?

 

Nervös kichernd sagte Kirk: Na, du kennst doch unseren Auftrag: Fremde Lebensformen usw. Dann warf Kirk noch einen Blick durch die geheimnisvolle Tür und sagte mit fester Stimme: Ja, ich will, und es klang fast wie ein Hochzeitsversprechen.

 

*

 

Kirk spürte einen Ruck, der durch sein ganzes Fühlen ging und hatte das Gefühl, als wäre sein ganzes Gesicht jetzt mit Spocks Händen bedeckt: mein Geist zu deinem Geist. Du bist jetzt wie ich, hallte durch seinen Kopf. Dann befand er sich plötzlich in einem höhlenartigen Felsengang und sah vor sich den hell erleuchteten Eingang zu einer großen Halle. An den Rändern seiner visuellen Wahrnehmung nahm er eine bläuliche Aura wahr.

Das muss Spock sein, beruhigte er sich.

 

Neugierig schritt er weiter voran. Als er zufällig an sich herunterblickte, sah er seinen Körper nur schemenhaft und es sah fremd aus. So leicht kann man schlank werden, dachte der Captain amüsiert, aber die Wahrnehmung war nur äußerlich verändert und irritierte ihn deshalb nicht weiter.

 

Du erlebst jetzt eine meiner Erinnerungen und ich möchte dich ein letztes Mal daran erinnern, dass es jederzeit möglich ist, den Kontakt abzubrechen.

 

Ich weiß und bin immer offen für alles Neue, versicherte Kirk und ging auf das Licht zu. Im Eingangsbereich stellte er sich auf eine der in komplizierten Mustern angelegten Balustraden und schaute auf einen großen, mit Steinplatten ausgelegten Platz unter sich. In der Mitte fiel ihm zuerst ein rundes wasserbassein auf, das tief unten im Dämmerlicht intensiv grün schimmerte. Gestalten, teils mit langen Umhängen bekleidet, teils mit knappen Tüchern und viel Schmuck, gingen umher oder standen in Gruppen zusammen. Flackernde Feuerkessel auf hohen, schmalen Säulen rund um den Platz erzeugten wechselnde Lichteffekte. Mit Gittern verzierte Eingänge und Treppen führten in dahinter und darüber liegende Räume. Kirk konnte durch die mit milchigem Glas versehenen und oben spitz zulaufenden Fenster sich bewegende Schatten erkennen und vermutete, dass auch hier sich überall Gruppen von Vulkaniern aufhielten.

 

Dies alles erfasste er, während er die lange Treppe herunter auf das Bassein zuging. Das Glühen des Wassers wurde immer intensiver und er entdeckte, dass es große, grüne Smaragde sein mussten, die da im Wasser beleuchtet wurden.

 

"Wir grüßen dich Spock, Sohn des Sarek und sind erfreut, dass du den Weg zu uns gefunden hast."

 

Kirk drehte sich zu der Stimme um und sah mehrere etwas ältere Vulkanier, die ihn musterten.

 

"Lass die mentale Disziplin fallen und gib dich ganz Deinen Bedürfnissen hin", sagte ein anderer zu ihm und Kirk sah trotz unbewegter Gesichtzüge ein freundliches Glitzern in ihren schwarzen Augen. Er verneigte sich ganz automatisch, wie er es im wirklichen Leben wohl nie gekonnt hätte und schritt auf einen der größeren, beleuchteten Eingänge zu.

 

Er beobachtete einige halb bekleidete Vulkanier, die vor ihm gingen und folgte ihnen in einen etwas kleineren, gut erleuchteten Raum. Auf vielen Sitzgelegenheiten saßen Paare eng zusammen. Und wie es ihm Spock bereits angekündigt hatte, gab es nirgends ein weibliches Wesen.

 

Die Männer sprachen leise miteinander, aber Kirk konnte auch sehen, wie sie sich streichelten oder die Handflächen gegeneinander hielten. Kirk versuchte sich ohne inneren Wiederstand einzufühlen. Zu seinem eigenen Erstaunen empfand er jedoch hauptsächlich Neugier auf die Geheimnisse von Vulkan und besonders auf die von Spock. Er setzte sich auf eine mit vulkanischer Schrift verzierte Bank und beobachtete die Paare genauer. Gleich in der Nähe sah er zwei Vulkanier, die halb aufeinanderlagen. Insgesamt wirkten die Bewegungen der beiden voller unterdrückter Spannungen und kaum gezügelter Kraft.

 

Kirk war wie hypnotisiert von dieser Szene. Bin ich das, der darauf reagiert oder Spock? Egal, ich möchte wissen, wie es weitergeht, dachte Kirk.

 

Hörst du mich, Spock? Was läuft hier eigentlich?, fragte Kirk und lauschte auf die Stimme, die aus ihm selbst zu kommen schien.

 

In diesem Teil des Tempels treffen sich männliche Vulkanier, um zu lernen, ihre aggressiven und sexuellen Impulse zu kontrollieren. Die Vulkanier sollen während des Pon Farr, bei ihren Bindungspartnern keinen Schaden anrichten. Es kann sehr gefährlich werden, wenn dieser Zustand die ständig unter starker Mentaldisziplin stehenden Vulkanier, erfasst. Insbesondere, wenn zwei männliche Vulkanier eine Bindung eingehen wollen. Du kannst diese Erinnerung zu einem späteren Zeitpunkt mit mir teilen.

 

Warum nicht jetzt? Du kannst mich jetzt nicht sozusagen rauswerfen! Vertrau mir, ich möchte dich und deine Kultur ganz und gar verstehen.

 

Die innere Stimme in ihm schwieg einen Moment, aber dann durchfuhr es ihn wie ein elektrischer Blitz. Davon noch ganz benommen, ging er wie von selbst durch einen niedrigen Ausgang in einen kleineren, separat gelegenen Raum.

 

An den Wänden nahm er wand hohe Tafeln mit vulkanische Schriftzeichen wahr und neben einer üppigen Lagerstadt standen auf einem goldschimmernden Tischchen kleine Gefäße, in denen grünliches Öl glitzerte.

 

Ist das ein Freund von dir?, fragte sich Kirk besorgt, als ein etwas älter wirkender, aber ansonsten verblüffend ähnlich aussehender Vulkanier zu ihm trat. Aber er konnte nicht mehr zurück, wollte es auch nicht wirklich.

 

Der Vulkanier fing an, Kirks Oberkörper zu streicheln.

 

"Lass es geschehen", raunte er und Kirk entspannte sich zunehmend, da er eine deutliche und äußerst angenehme Körpererfahrung durchlebte.

 

Kirk stöhnte, als er ein sehnsüchtiges Ziehen in der Leistengegend spürte.

 

Immer tiefer rutschten die langen schmalen Hände des Vulkaniers. Und umfassten ihn dann mit einem festen Griff, zogen ihn an sich.

 

Kirk schnappte nach Luft. Es wurde ihm schwindlig und ganz unerwartet überkam ihn plötzlich ein verwirrend tiefes, unbändig intensives Gefühl, dass er so noch nie vorher erlebt hatte.

 

Und er konnte sich nicht mehr kontrollieren. Immer wieder rief er Worte in einer ihm unverständlichen Sprache.

 

Dann versuchte er, sich loszureißen und gleichzeitig wie rasend auf den Vulkanier zu stürzen, ohne zu wissen, was er wirklich wollte.

 

"Ich weiß, ich weiß", hörte er seine ruhige Stimme.

 

"Das ist unser uraltes, vulkanisches Erbe. Auch du musst deine archaischen Gefühle akzeptieren und lernen, sie angemessen umzusetzen."

 

Kirk war wie in einem Rausch, aus dem es nur schwer ein Erwachen gab. Er roch den intensiven, kupfrigen Schweiß des anderen und stöhnte immer wieder laut auf. Aber er kämpfte nicht mehr gegen seine Gefühle an. Dafür genoss er die Empfindungen zu sehr.

 

"Jetzt hast du begonnen, deine körperlichen Bedürfnisse kennenzulernen und sie zu akzeptieren. Aber du solltest noch viele Erfahrungen sammeln, ehe du eine endgültige Bindung eingehst."

 

Kirk schien die tiefe Stimme inzwischen schon meilenweit entfernt zu sein.

 

Und wie nach einem schweren Unwetter klärten sich langsam seine Empfindungen und er bemerkte erschrocken, dass er allein auf dem Lager lag.

 

Spock!! Wo bist du? Was ist jetzt?

 

Ich bin hier Jim, ich war die ganze Zeit bei dir.

Die Erinnerung ist jetzt zu Ende.

 

Kirk sah sich noch einmal um und sah, wie die Farben schon blasser wurden und die blaue Aura wieder näherrückte:

 

Mein Gott wirklich? Natürlich! Es war ja deine Erinnerung, aber es war alles so real ... Und ich ... ich meine, du warst die ganze Zeit dabei?

 

Jim, wie geht es dir? Spocks Stimme klang besorgt.

 

Ich hatte so etwas wirklich nicht erwartet. Ihr Vulkanier wirkt immer so - na ja - kühl, aber eigentlich hätte ich es besser wissen müssen. Und Spock,... also, ich meine ...

 

Und er verstand plötzlich, dass auch Spock in sein Innerstes gesehen haben musste. Und da gab es nur das Gefühl durch eine Tür getreten zu sein, die schon immer da gewesen war. Nichts war passiert, was ihn abgestoßen oder abgeschreckt hätte. Spock musste es schon vorher gewusst haben.

 

Spock, was wäre, wenn wir, ich meine ... Wenn wir beide mehr gemeinsam haben, als nur ...

Kirk versuchte es, in Worte zu fassen. Und der andere war?

 

Das ist nicht von Belang. Jim, es war eine Erfahrung, meine Erfahrung, die du mit mir geteilt hast, vielleicht sollte ich jetzt die Verbindung lösen und die Erinnerung an alles löschen.

 

Oh nein, das kannst du nicht tun! Kirk schrie innerlich auf. Es war mehr als das. Und du weißt das!

 

Wir müssen an unsere Mission denken und an das Schiff!

 

Nein! Ich will darüber nichts wissen!

 

Captain - Spock sprach leise, wie zu einem bockigen Kind - es muss sein. Aber, wenn da mehr war, als nur eine Erinnerung, dann wird das bleiben.

 

Kirk resignierte innerlich, es war Spocks Entscheidung: Ich danke dir für dein Vertrauen.

 

Spock schluckte schwer, als er von Kirk hörte: Auch ich danke dir, mein T`hy`la.

 

Einen letzten Augenblick nahmen beide Abschied voneinander und gaben sich einem tiefen Gleichklang hin. Kirk fühlte sich wie in einer blauen Wolke schweben. Dann wurde ihm schwindlig und er schlug die Augen auf.

 

*

 

"Was ist denn nur mit mir los? Ich bin ja ganz durcheinander." Der Captain schnappte sich ein Glas mit dem restlichen, saurianischen Brandy vom Sideboard und kippte es in einem Zug herunter. Dabei sah er sich in dem jetzt leeren Quartier um.

 

"Ah! Schon besser! So dermaßen weggetreten kann ich doch eigentlich gar nicht gewesen sein", murmelte er halblaut, immer noch verwundert über seinen ungewohnten Zustand. Er stand noch etwas wackelig auf den Beinen, aber rief als erstes, die Brücke.

 

Lt. Uhura meldete, dass alles in Ordnung sei und der Kurs zur nächsten Starbase bereits anliegen würde.

 

"Ich mache mich nur noch frisch und komme dann auf die Brücke."

 

"Aye, Sir."

 

*

 

"Captain, schön Sie wieder auf der Brücke zu sehen." Uhura strahlte Kirk an.

 

Der nickte etwas gönnerhaft, aber gut gelaunt in ihre Richtung und ließ sich schwer in seinen Sessel plumpsen.

 

McCoy trat durch den Lift. "Ah Jim, auch schon da? Geht es dir wieder besser?"

 

"Na, Pille, willst du mir jetzt auch noch erzählen, wann ich Dienst habe?", antworte der Captain ihm leichthin und ließ gleichzeitig seine Augen stolz über seine Crew gleiten. Aber dann blieb sein Blick nachdenklich auf dem Rücken seines Wissenschaftsoffiziers kleben, rutschte gedankenverloren über dessen Körper, verlor sich in den Falten der schwarzen Uniformhose ...

 

"Captain?"

 

Spock hatte sich unerwartet schnell umgedreht und Kirk fühlte sich plötzlich wie ertappt. Er musste sich jedenfalls sofort etwas einfallen lassen. "Spock, wären Sie so freundlich und kommen nach Dienstschluss in meine Kabine, äh - ich meine - zu einer Besprechung zu mir?"

 

Spock nickte formvollendet. "Natürlich, Captain."

 

Kirk war froh, die Situation erst einmal gerettet zu haben, aber war da so etwas wie Amüsement in Spocks Gesichtsausdruck gewesen? Oder wie war dieser Augenausdruck anders zu erklären, fragt er sich verwirrt.

 

Aber da war noch Einer der merkte, dass etwas anders war, als sonst. "Oh - lala", dachte sich McCoy. "Was läuft denn da zwischen den beiden? Kirk hat keinen Liebeskummer mehr? Das ging ja selbst für seine Verhältnisse verdammt schnell. Hatte da etwa Spock doch noch seine Finger im Spiel gehabt?"

 

Mit dem festen Vorsatz, darauf ein Auge zu haben, verließ McCoy wieder die Brücke.

 

 

 

Teil 2

Erkenntnis

 

 

Langgliedrige Finger streichelten sacht über seinen haarlosen Oberkörper, betasteten erst die harten Muskeln, wanderten danach gefühlvoll über seinen verschwitzten Bauch, bis sie dann endlich tief in seinen Schritt glitten.

 

Die Fingerspitzen hinterließen heiße Spuren, die noch lange auf seinem Körper nach glühten. Kirk glaubte schon, seinen nahenden Orgasmus zu spüren, als plötzlich die Hand wieder weggenommen wurde. Enttäuscht keuchte er laut auf.

 

Noch ganz atemlos wollte er wissen, wer für seine so intensiven Lustgefühle verantwortlich war. Er sah in dem diffusen Licht nur tiefschwarze, glatte Haare. Aber dann schoben sich spitz auslaufende Augenbrauen in sein Gesichtsfeld. Umgeben von einem seltsam vertrauten, bläuliches Leuchten.

 

Wer bist du? Bist du das? Spock? Aber das kann doch nicht sein, oder?

 

Ohne eine Antwort zu erhalten, wurde er fest an den Schultern gepackt und mit einer Bewegung auf den Bauch gedreht. Immer noch aufs Höchste erregt und scheinbar völlig willenlos öffnete er sich dem, was nun - wie während fast jeder Nacht in den letzten Wochen - unausweichlich kommen würde ...

 

 

"Brücke an Captain Kirk, bitte melden".

 

"Jaaa ... hier Kirk."

 

Der Angesprochene stemmte sich in seinem Quartier nur mit Mühe von seiner Matratze hoch.

 

"Was gibt es Dringendes? Oh, verdammt.“

 

Verzweifelt versuchte er seine Beine aus der glitzernden, orangefarbenen Bettdecke zu befreien.

 

 

Durch das Bordmikrofon war Kirks intensives Schnaufen zu hören. Lieutenant

Uhura blickte sich sichtlich verwirrt auf der Brücke um.

 

Chekov und Sulu zuckten verdächtig mit ihren Schultern.

 

Noch ganz benommen riss Kirk sich das widerspenstige Laken mit einem deutlich vernehmbaren Ratsch von seinem Körper. "Verdammt, das Zeug ist so ... fest!"

 

Auch Uhura lächelte jetzt, und mit einem verschmitzten Grinsen fragte sie scheinheilig: "Captain? Ist alles in Ordnung mit Ihnen? Soll ich Dr. McCoy einen Notfall melden?"

 

"Unterstehen Sie sich, soweit kommt es noch. Mit mir ist alles in bester Ordnung", brummte Kirk. "Also, was ist so dringend?"

 

"Es ist eine Transmission vom Hauptquartier für Sie eingetroffen. Soll ich die Botschaft auf Ihr Terminal legen?"

 

"Machen Sie das, aber lassen Sie mir noch einen Moment Zeit - wenn Sie so freundlich wären - Lieutenant."

 

Kirk hatte versucht, in seiner Stimme den Ärger über Uhuras verständlichen Scherz zu unterdrücken, aber er fühlte sich unendlich müde und zerschlagen.

 

Seit Wochen träumte er in Variationen immer wieder diesen schweißtreibenden Traum. Er musste vor sich selbst zugeben, dass er diese Szenarien sehr stimulierend fand. Aber nach jeder Episode quälte er sich bei dem Versuch herauszufinden, warum er eigentlich so intensiv von Spock träumte.

 

Oder war es doch nicht Spock? Es war alles so anders. Die ganze Atmosphäre in dem Traum war fremd. Und wieso überhaupt Spock? Irgendetwas beschäftigte intensiv sein Unterbewusstsein. Da war etwas passiert, aber was…

 

Immer wieder hatte er das Gefühl, es gleich herausgefunden zu haben, dicht dran zu sein, aber dann war dieser Moment wieder vorbei. Und er wartete auf die nächste Nacht. Das Ganze wurde zu einer Obsession, aber was sollte er machen, sich etwa Pille anvertrauen? So in etwa: Hör mal, jede Nacht träume ich von diesem fremden Vulkanier der mich - Tja, was - verführt? Er sieht aus wie Spock, oder doch nicht?

 

Also, das kommt nicht in Frage! Ich habe mich in letzter Zeit schon genug lächerlich gemacht, dachte Kirk bitter.

 

Abgesehen davon konnte er sich ja schon denken, was Pille sagen würde: "Ich bin zwar ein einfacher Landarzt, aber meiner Meinung nach solltest du dir mal überlegen, wie es mit deinen Gefühlen zu deinem Wissenschaftsoffizier steht."

 

Das Ganze dann noch garniert mit einem gut gemeinten Lächeln.

 

Nein danke, das wollte er sich nicht auch noch antun. Vielleicht war ja sogar auch noch etwas Wahres daran.

 

Mein Gott, in letzter Zeit bin ich eigentlich jeden Abend nach Dienstschluss mit Spock zusammen gewesen und das sehr gern, gestand sich Kirk ein.

 

Heute Abend waren sie wieder verabredet und er freute sich schon darauf.

 

Also gut, ich suche Spocks Nähe, aber ist das die Ursache für diese verwirrenden Träume? Vielleicht sollte ich doch mit Pille reden, ganz vorsichtig, redete Kirk sich gut zu, während er schnell in die letzten Teile seiner Uniform schlüpfte.

 

"Uhura? Es kann losgehen."

 

"Aye Sir, Transmission kommt. Jetzt."

 

"Hier Sternenflotten - Hauptquartier, Commodore Barstow. Wir haben wieder einen neuen Auftrag für die Enterprise. Fliegen Sie so schnell wie möglich zum Planeten Omega. Sie kennen ja bereits das System. Es ist es zu einem bewaffneten Konflikt gekommen, der jetzt aber durch den dortigen Sonderbotschafter Sulwarek befriedet werden konnte.

 

Ihre Aufgabe ist es, noch eventuell bestehende Probleme im Sinne der Föderation zu klären und danach den Botschafter wieder nach Vulkan zu bringen. Wir erbitten eine Bestätigung. Die genauen technischen Daten folgen im Anschluss.

Ach ja, Captain, das mit der Lazarus-Geschichte haben Sie damals exzellent gelöst. Wir hatten ja seit dem nicht mehr miteinander zu tun, aber ich wollte nicht versäumen, Ihnen bei dieser Gelegenheit noch persönlich zu gratulieren. War aber auch verdammt verwirrend - das Ganze. Nachricht Ende."

 

Also ein Kurierdienst, dachte Kirk. Na wunderbar, aber immerhin ein neuer Auftrag, wenn auch nicht die erhoffte Abwechslung.

 

Kirk freute sich zwar über die Anerkennung des Commodore, war aber wenig begeistert über die Aufgabe.

 

Dann straffte er sich innerlich, wischte alle störenden Überlegungen beiseite und eilte auf die Brücke um den neuen Kurs anzuordnen.

 

*

 

"Kommen Sie herein Spock. Schön, dass Sie so pünktlich sind."

 

Kirk erhob sich von seinem Computerterminal und ging seinem Gast gut gelaunt entgegen.

 

Schon seit mehreren Wochen trafen sie sich nach Dienstschluss zu einem Schachspiel in seinem Quartier, denn Kirk hatte sich fest vorgenommen, endlich seinen Wissenschaftsoffizier auch persönlich besser kennenzulernen.

 

"Natürlich bin ich pünktlich, Captain."

 

Forschend sah Kirk dem Vulkanier in die Augen und suchte in diesen nach verborgenen Gefühlen zu lesen. Spock hielt zwar den Kontakt, abererwartungsgemäß ohne jede Regung. Leise aufseufzend, führte Kirk ihn an den bei ihrem letzten Treffen üblicherweise benutzten Platz.

 

Vielleicht sehe ich in ihm auch nur meinen älteren Bruder Sam, sodass ich jetzt jede Gelegenheit nutze, um mich mit ihm zu messen? Denn Spock ist eine perfekte Herausforderung für mich, hinterfragte Kirk nachdenklich seine Motive, während er die Schachfiguren auf dem dreidimensionalen Brett aufstellte.

 

Spock beobachtete ihn eine Weile dabei und sagte dann langsam: "Es fehlt eine Spielfigur."

 

"Tatsächlich? Ach ja, Sie haben natürlich recht, Ihr König fehlt."

 

Kirk überlegte fieberhaft. Er hatte die Figur nach Spocks letztem Sieg an sich genommen und dann - wohin getan? Auf seine Nachtkonsole!

 

Spock folgte ihm mit seinen Blicken, als er in seinen Schlafbereich eilte und dabei versuchte, sein Gesicht zu verbergen.

 

Wie peinlich, dachte Jim. Ich wollte etwas von ihm in meiner Nähe haben, und habe es dann vergessen. Was ist bloß los mit mir?

 

"Möchten Sie lieber die anderen Figuren benutzen, Captain?"

 

"Oh nein, nein. Es sind Ihre. Wie immer."

 

Kirk hatte wieder das unheimliche Gefühl, dass Spock ihn irgendwie seltsam anlächelte. Was denkt er jetzt wohl von mir?

 

Das Spiel nahm seinen Lauf, aber Kirk konnte keinen endgültigen Durchbruch erreichen. Spock verschloss ihm immer sofort alle offenen Möglichkeiten, so als wäre er vor allem daran interessiert.

 

Kirk wurde zunehmend ärgerlicher, vor allem auf sich selbst, wollte endlich einen Sieg. Vielleicht half es, Spock abzulenken, indem er ihn in ein kleines Gespräch verwickelte.

"Was halten Sie denn von unserer nächsten Mission ?", fragte Kirk ihn scheinbar gleichgültig.

 

"Soweit mir bekannt ist, haben wir Order nach Omega zu fliegen und einen Botschafter von dort abzuholen. Allerdings fehlen mir weitere Informationen, um Ihnen eine ausreichende Einschätzung der Lage geben zu können."

 

Spock hob erst eine Augenbraue, verschob dann gelassen eine Figur und blickte dann Kirk neugierig an. Dieser Zug würde seinen Captain wieder für eine Weile beschäftigen.

 

"Tja, auf Omega war allerhand los, aber der Botschafter hat wohl ganze Arbeit geleistet und will jetzt nach Hause."

 

Kirk war jetzt am Zug. Hoffnungslos, seufzte er still in sich hinein, als er auf das Brett schaute.

 

"Nach Hause?", fragte Spock.

 

"Ja, nach Vulkan, er ist sozusagen ein Landsmann von Ihnen." Jetzt hatte Kirk endlich Spocks volle Aufmerksamkeit, aber ob das reichte?

 

Kirk versuchte trotzdem einen riskanten Zug. "Er heißt Sulwarek", erklärte er dabei wie beiläufig.

 

Spock erstarrte in seiner Bewegung, als er den Namen hörte und sein Gesicht wurde zu einer aschfahlen Maske.

 

"Was ist los Spock? Kennen Sie den Mann? Sie sind übrigens am Zug", fügte Kirk noch ungeduldig hinzu.

 

Geistesabwesend verschob Spock eine seiner Figuren und Kirk konnte sein Glück kaum fassen. Spock hatte verloren, aber er schien es noch nicht bemerkt zu haben.

 

Der Captain war sehr verblüfft, dass seine kleine List derartig erfolgreich war, und hatte deshalb beinahe ein schlechtes Gewissen. So leicht hatte er es sich eigentlich gar nicht machen wollen. Forschend blickte er in das Gesicht seines Spielpartners und war erschrocken über die verschlossene Miene. Alles Freundliche war daraus verschwunden und er wirkte auf Kirk plötzlich sehr fremd.

 

"Was ist los, mein Freund? Das verlorene Spiel kann es doch wohl nicht sein?"

 

"Nein, Captain." Spock blickte noch mal flüchtig auf das Brett. "Ich gratuliere Ihnen und möchte mich für heute Abend verabschieden."

 

"Moment, eine Erklärung zu Ihrem Verhalten möchte ich schon noch haben. Und sonst sind wir nach dem Spiel doch auch immer noch etwas länger zusammen geblieben."

 

Kirk war über die abrupte Reaktion erschrocken und wollte nicht, dass Spock schon ging.

 

"Kennen Sie denn diesen Sulwarek? Ist etwas mit ihm, dass ich wissen sollte?"

 

"Nein, Captain, dass heißt ja. Er ist ein sehr entfernter Verwandter von mir. Aber das wird die Mission nicht beeinträchtigen."

 

Spock war eindeutig durcheinander, befand Kirk, aber er wusste auch, dass er nicht unter Zwang reden würde. "Ist das alles, was Sie mir dazu sagen können, Spock?"

 

"Ja, Captain und ich bitte darum, gehen zu dürfen."

 

"Sie brauchen nicht so förmlich zu sein." Das sagte Kirk zwar immer zu ihm, wenn er gut Wetter machen wollte. Es klang ihm aber im Moment etwas schal.

 

Weich fügte er noch hinzu: "Natürlich, wenn Sie möchten. Es war aber ein schöner Abend, auch wenn er etwas zu schnell zu Ende gegangen ist."

 

*

 

Spock eilte so schnell wie möglich in sein Quartier, gleich neben der vom Captain. So nah beieinander, aber jetzt hatte sich eine neue Wand aufgetan, die ihm unüberwindbar erschien.

 

Er kniete sich im Dämmerlicht in seiner vulkanische Meditationsecke und wies die Ambientenkontrolle an, die Zimmertemperatur noch höher als üblich einzustellen.

 

Statt der erhofften Ruhe wurde Spock jedoch von Verzweiflung überrollt. War das ein grausamer Zufall oder eine Fügung des Schicksals, die er selbst verursacht hatte?

 

Sulwarek war wirklich ein entfernter Verwandter von ihm, aber er hatte Kirk nicht die ganze Wahrheit gesagt, konnte es nicht – noch nicht. Mit Sulwarek war er damals in den Ritualhallen zusammengekommen und Sulwarek war natürlich auch derjenige, der Kirk in seiner Mentalverschmelzung mit ihm erschienen war.

 

Es war ein ganz und gar erfüllendes Erlebnis mit Jim gewesen und Spock hatte sich seinem heimlichen Geliebten noch nie so nahe gefühlt.

Die Erinnerung daran verschönte ihm jeden Tag, und manchmal keimte sogar die Hoffnung auf, auch in der Realität ein Stück davon wiederzufinden.

 

So oft das möglich war, beobachtete er Kirk heimlich. Er fürchtete Verachtung und Ablehnung, sollte Jim sich doch noch wider Erwarten an ihr Erlebnis erinnern. Denn Menschen waren nicht wie die Vulkanier. Sie konnten nicht ihre Gefühle von ihren Ambitionen trennen.

 

Aber Spocks Gefühle für Jim waren seit diesem Erlebnis sehr viel stärker geworden. Er hatte seine grundsätzliche Toleranz, ja die Bereitwilligkeit sich auf Derartiges einzulassen, erlebt. Aber galt das auch für die Realität mit ihren ganz anderen Zwängen?

 

Natürlich hatte er auch wahrgenommen, wie der Mensch immer wieder seine Nähe gesucht hatte, und war glücklich darüber gewesen. Eines Tages würde er sicherlich Jim die ganze Wahrheit erzählen.

 

Aber die Unvorhersehbarkeit von Jims Reaktion darauf, hatte ihn bisher immer wieder davon abgehalten, sich Jim zu öffnen. Ja, sogar bewirkt, dass er sich mehr als üblich zurückhielt.

 

Er freute sich über jede Einladung, wusste, wie gern der Captain ihn um sich hatte. Aber waren das auch wirklich Jims wahre Gefühle?

 

Und was würde passieren, wenn der Captain Sulwarek von Angesicht zu Angesicht gegenüber trat?

 

Würde er ihn vielleicht sogar wiedererkennen? Was würde Jim dazu sagen?

Und wenn dann in einer Untersuchung der Umstände öffentlich bekannt wurde, dass er aus ganz persönlichen Motiven bei Jim eine Mentalverschmelzung erst durchgeführt und dann wieder gelöscht hatte?

 

War dann alles zu Ende? Seine Karriere? Vernachlässigbar

 

Womöglich sein Ansehen auf Vulkan, wenn sein Verhalten öffentlich wurde? Irrelevant.

 

Aber was wurde dann aus seiner Freundschaft zu Jim?

 

Eine Träne der Verzweiflung rollte über sein Gesicht.

 

*

 

Kirk fühlte sich leer, als Spock sein Quartier verließ. Schrecklich leer. So sollte der Abend eigentlich nicht enden. Die letzten Wochen hatte er versucht, den Anschein von Normalität zu wahren, auch gerade gegenüber Spock. Das war ihm zunehmend schwerer gefallen. Die Träume schienen ihn emotional aufzuweichen und er fühlte eine Sehnsucht nach körperlicher Nähe, die schmerzhaft wurde. Insbesondere, wenn er seinem Wissenschaftsoffizier persönlich begegnete.

 

Dann war der Drang, Spock zu berühren, zu umarmen, zu küssen in letzter Zeit immer intensiver geworden.

 

Viele Abende hatte er sich derartig in seine Fantasien fallen lassen, dass er sich danach immer selbst befriedigen musste, um einschlafen zu können. Das half für eine Weile - bis zu den nächsten Träumen, der nächsten Begegnung.

 

Aber heute Abend gab es nicht einmal diesen Ausweg. Irgendetwas war los gewesen, etwas Gravierendes. Kirk kannte diesen Gesichtsausdruck von Spock, als er das Pon Farr bei ihm erlebt hatte. War es etwas ähnlich Geheimnisvolles, um das es hier ging?

 

In welcher Beziehung stand Spock zu diesem Vulkanier? Was war los, zum Teufel! Immer diese Geheimniskrämerei.

 

Aber er war ja auch nicht offen, musste Kirk sich eingestehen. Es war alles so verwirrend. Sollte er sich Spock offenbaren? Sollte er ihm sagen, dass er sich nichts Sehnlicheres wünschte, als ihn bei sich im Bett zu wissen?

 

Das klang absurd - aber vielleicht war er ja auch einfach zu feige. Und er wollte Spock nicht durch eine unbedachte Äußerung vertreiben, lieber auf Distanz zu ihm stehen, als ihn leichtfertig ganz zu verlieren.

 

Aber diesen Sulwarek würde er sich genau ansehen. Ja, und vielleicht sollte er doch bald mal mit Pille reden. Das war eigentlich schon längst überfällig.

 

Kirk schlüpfte in seinen Schlafdress, nahm noch einen kräftigen Schluck und hoffte auf eine ruhige Nacht.

 

*

 

Die nächsten Tage bestanden aus einer Art Waffenstillstand. Kirk und Spock behandelten einander so freundlich wie immer, aber es lag eine gewisse Anspannung zwischen ihnen, die auch den Crew-Mitgliedern nicht verborgen blieb. Die Stimmung auf der Brücke war allgemein gedrückt.

 

"Was ist denn hier los?", fragte McCoy munter bei einer seiner Stippvisiten auf der Brücke.

 

"Macht euch die nächste Mission schon jetzt so fertig?", fügte er hinzu, aber keiner wollte so recht über seinen Scherz lachen.

 

Dem Bordarzt fiel gleich auf, dass Kirk heute besonders grimmig wirkte, und er gab sich einen Ruck. "Jim, ich muss dich bitten, zu einer Untersuchung zu kommen. Und wie ich das sehe, könntest du auch gleich mitkommen. Es sind ja noch 24 Stunden bis Omega, oder?"

 

"Muss das sein?" Kirk zierte sich etwas, aber insgeheim war er froh, dass Pille ihm die Entscheidung, ob er den Arzt aufsuchen sollte, abgenommen hatte.

 

Er fühlte sich reichlich unwohl beim dauernden Anblick seines jetzt besonders verschlossenen Ersten Offiziers und war froh, von der Brücke zu kommen. "Na gut Pille, du gibst ja doch keine Ruhe. Spock, Sie haben das Kommando!"

 

*

 

Auf der Krankenstation ging McCoy erst mal an seinen Medizinschrank und schenkte sich und seinem Patienten reichlich von seiner Spezial-Medizin ein. Kirk ließ sich Zeit, denn seine Gedanken rasten. Was sollte er Pille auch sagen? Eigentlich war doch gar nichts Konkretes passiert.

 

McCoy betrachtete seinen in sich gekehrten Captain und stöhnte unterdrückt. "Na gut, wenn du so gar nichts zu unserem Gespräch beitragen willst, fange ich mal an. Irgendetwas ist los mit dir und wenn ich mich nicht irre, seit der Holberg-Mission. Seitdem scheinst du einen besonderen Narren an unserem Ober-Logiker gefressen zu haben. Er wohl auch an dir. Jedenfalls habt ihr euch wie ein altes Ehepaar aufgeführt, bis vorgestern. Jetzt scheint es aber mit der großen Liebe vorbei zu sein. Und das geht auch eindeutig auf Kosten der allgemeinen Stimmung auf der Brücke. Man sieht ja förmlich die Rauchwölkchen. Also, mal im ernst, was ist passiert?"

 

Kirk krümmte sich bei diesen Worten innerlich, aber er fühlte sich total hilflos.

 

"Wenn ich das bloß selber wüsste. Ich habe keine Ahnung, was los ist. Nachts habe ich so verrückte Träume. Manchmal denke ich, dass die was mit Spock zu tun haben. Dann wieder nicht. Ich weiß nicht. Dann reagiert Spock total abweisend, seit ich den Botschafter Sulwarek erwähnt habe. Er will mir nichts dazu sagen. Na ja, du kennst ihn ja. Sag ihm also bitte nichts. Er wird schon selber mit der Sprache rausrücken. Aber das ist eigentlich auch alles, was ich dir im Moment dazu sagen kann."

 

Kirk lächelte schief.

 

"Also gut, ich werde Spock gegenüber nichts erwähnen, obwohl mir das nicht so recht gefällt. Aber für das Spitzohr gelten ja sowieso andere Maßstäbe. Wenn ihr aber nach dieser Mission immer noch nicht eure Differenzen geklärt habt, muss ich sozusagen als medizinische Autorität zum Wohle des Schiffes offiziell werden ... Na, du weißt schon."

 

McCoy nahm einen Schluck und fuhr grinsend fort. "Für deine Schlafprobleme gebe ich dir ein Mittel, speziell für verwirrte Sternflotten-Captains. Wollen hoffen, dass es wirkt. Einverstanden, Jim?"

 

"Danke, Pille. Vielleicht klärt sich alles auf Omega auf. Ich hoffe es jedenfalls. So geht es jedenfalls nicht weiter. Hoffentlich helfen deine Pillen auch gegen verstärkten Sexualtrieb."

Im selben Moment hätte Kirk sich am liebsten auf die Zunge gebissen: Immer dieser saurianische Brandy, ein Teufelszeug!

 

McCoy lachte hell auf. "Das ist ja interessant. Erzähl mir doch bitte mehr davon. Mit diesem Problem hatte ich schon länger nichts zu tun, jedenfalls hat sich bei mir keiner beklagt." Der Arzt beugte sich sehr interessiert vor.

 

Aber Kirk wollte jetzt nur so schnell wie möglich wieder weg von diesem Thema.

"Ach, hör' auf Pille. Lass uns von etwas anderem reden. Ich bin jetzt nicht in der Stimmung dafür, okay?"

 

"Schade - schade. Versprich mir aber, dass du mir später noch mal davon erzählst."

 

McCoy zeigte sich zwar immer noch amüsiert, aber er machte sich seine eigenen Gedanken und beobachtete seinen Freund genau.

 

Aber bald waren beide in andere Themen vertieft und Kirk fühlte sich so wohl, wie schon länger nicht mehr.

 

*

 

"Die Landegruppe ist vollzählig angetreten? Sehr schön, dann kann es ja losgehen. Scotty? Auf mein Zeichen kannst du uns runterbeamen."

 

Kirk schaute sich zufrieden um. Alle hatten Galauniformen angelegt und waren auf ihre Aufgaben konzentriert. Spock gefiel ihm heute wieder besonders gut. Hör sofort auf mit diesem Unsinn, musste Jim sich selbst zur Ordnung zu rufen.

 

Uhura sollte die Kommunikation protokollieren, Chekov war eingesetzt für eventuelle Schwierigkeiten und Spock sollte natürlich den vulkanischen Botschafter begrüßen. Und darauf war Kirk besonders neugierig.

 

Alle nahmen ihre Plätze auf der Plattform ein, dann lösten sich ihre Körper auf, um Sekunden später auf einem freien Platz wieder zu erscheinen.

 

Der Treffpunkt lag in einer Gebirgsstadt, die sich über mehrere Ebenen den Hang herunterzog. Sie selbst standen in der höchsten Region und hatten nach links einen weiten Blick in das Tal und auf weitere Berge.

 

Rechts vom großen Vorplatz waren massive, tragende Säulen in den Stein getrieben, hinter denen es durch weitere Säulen in die inneren Bereiche der Anlage ging.

 

Ein sehr helles Sonnenlicht hatte allen sichtbaren Stein weiß gebleicht und die Crew brauchte einige Minuten, um sich an das grelle Licht zu gewöhnen.

 

Fünf Personen in langen Roben bewegten sich auf sie zu. Kirk erkannte in der Mitte sofort den Botschafter an seiner charakteristischen Ohrenform und an der, im Vergleich zu den Einheimischen, helleren Haut.

 

Beim Näherkommen wurden die unterschiedlichen Abzeichen auf der Kleidung des Begrüßungskomitees sichtbar. Der Leiter der Gruppe wandte sich gleich an Kirk, um ihn zu begrüßen.

 

"Im Namen des Planeten Omega - wie Sie ihn zu nennen pflegen - bedanken wir uns für die großzügige Unterstützung durch die Föderation. Durch die Vermittlung von Botschafter Sulwarek sind wir endlich zu einer für alle Beteiligten befriedigenden Einigung gekommen. Aber ab jetzt sollten wir unsere zukünftigen Differenzen alleine bewältigen können. Wir würden Sie gerne noch zu einem längeren Aufenthalt einladen, aber der Botschafter hat uns mitgeteilt, dass er leider wegen dringender Angelegenheiten sofort nach Vulkan zurückkehren muss."

 

Kirk nickte äußerst erfreut, denn das bedeutete, dass hier erst mal mit keinen weiteren Schwierigkeiten zu rechnen war und die Enterprise das System sofort wieder verlassen konnte.

 

Als der vulkanische Botschafter aber näher zu ihnen trat, fiel ihm eine bemerkenswerte Ähnlichkeit zu seinem Wissenschaftsoffizier auf. Der Mann erschien ihm seltsam vertraut und er konnte er es kaum unterdrücken, den Mann offen anzustarren.

 

Aber es war doch eine andere Person. Die längeren Haare und besonders seine Augen waren anders als bei Spock, und er war älter.

 

Also, ich kenne ihn nicht persönlich, aber wieso bin ich bei seinem Anblick so gebannt? Kirk schauderte, trotz der Hitze. Er kommt mir so bekannt vor, aber woher?

 

Vorsichtig schaute er sich zu Spock um, der neben ihm stand.

 

Dessen Gesicht war bleich und abweisend.

 

Was soll das, wunderte sich Kirk. Freute er sich nicht, einen Verwandten zu sehen?

 

Plötzlich bekam Kirk einen deutlichen Schubs von hinten und konnte gerade noch realisieren, dass jetzt etwas von ihm erwartet wurde.

 

"Wir bedanken uns für den freundlichen Empfang und bedauern genauso wie Sie, dass wir leider nicht länger bleiben können. Wenn Sie es denn wünschen, werden unsere Abgesandten Sie sicherlich gerne wieder kontaktieren."

 

Alle Beteiligten verneigten sich, und die Crew mit dem Botschafter stellte sich bereit, um sich hochbeamen zu lassen.

 

 

*

 

"Lt. Uhura, wenn Sie mich noch einmal so hart in den Rücken stupsen, gibt es einen Verweis, verstanden?", sagte Kirk mit einem erhobenen Zeigefinger, aber auch einem Lächeln im Auge, nachdem sie wieder im Transporterraum materialisiert waren. "Und übrigens, danke."

 

"Aye, Captain", antwortete sie lächelnd und stieg mit Chekov von der Plattform. In Gedanken war sie schon dabei, den Bericht für das Missionslogbuch zu erstellen.

 

Der vulkanische Botschafter hatte die beinahe familiäre Szene im Transporterraum neugierig betrachtet und wandte sich dann an Kirk.

 

"Captain, ich danke Ihnen, dass Sie mich nach Vulkan bringen. Sicher haben Sie in der Regel wichtigere Aufgaben zu bewältigen. Ich bitte, mich zurückziehen zu dürfen."

 

Kirk war angenehm überrascht über das unerwartete Verständnis des Botschafters und antwortete mit einem strahlenden Lächeln sofort: "Nein, nein, es ist uns eine Ehre. Sie werden auch sicher einiges mit meinem Ersten Offizier zu besprechen haben. Spock, wären Sie so freundlich und bringen unseren Gast auf sein Quartier? Ihre Kultur liegt mir nämlich sehr am Herzen."

 

Die Augenbrauen beider Vulkanier gingen gleichzeitig in die Höhe. Das sah komisch aus, befand Kirk und musste innerlich lächeln,

 

Aber ich rede heute ja auch ziemlich seltsam. Er beobachtete, wie sich Sulwarek verneigte und mit einem sehr förmlichen Spock den Transporterraum verließ. Für ihn ganz ungewohnt, zitterten seine Knie und er fühlte sich ganz benommen, als er nach ihnen den Raum verließ. Er verfolgte dabei mit seinen Blicken, die sich entfernenden Vulkanier.

 

Uhura schaute besorgt in das bleiche Gesicht von Kirk: "Kann ich etwas für Sie tun, Captain?

 

 

"Nein, nein, gehen wir auf die Brücke, wo wir hingehören." Abgesehen davon gibt es da meinen Lieblingsstuhl, fügte Kirk noch in Gedanken hinzu.

 

Und der ganze Tross marschierte wie eine Entenschar hinter ihm her, Richtung Brücke.

 

*

 

"Wie ist es dir bei der Sternenflotte ergangen? Wir haben uns sehr viele Jahre nicht gesehen, aber ich habe deine Karriere mit Interesse verfolgt und fand es immer schade, dass dein Vater keine Logik in deinen Entscheidungen erkennen konnte."

 

Sulwarek hatte sich mit Spocks Hilfe in seiner Kabine eingerichtet und danach gewünscht, dass Spock noch zu einem Gespräch blieb.

 

"Ich bin sicher, dass ich die richtige Wahl getroffen habe. Aber bitte erzähle mir zuerst von dir und unseren Verwandten, denn ich sehe sie selten. Wie ist es dir seit deiner Jugend ergangen?", entgegnete Spock steif.

 

Sulwarek erzählte seinen Lebensweg, der ihn bis zu diesem Planeten geführt hatte. Hinzu kamen Berichte von Vulkan, und Spock schien sich zunehmend zu entspannen.

 

Sulwarek beobachtete Spock und sprach ihn dann erneut an: "Wie ist es dir unter all diesen Menschen ergangen? Ich weiß natürlich, dass du ihnen durch deine Herkunft näher stehst als ich. Aber es ist doch sicher nicht leicht, mit Menschen, die derart offen ihre Emotionen zur Schau stellen, zusammen zu arbeiten?"

 

Sulwarek dachte an die Szene zwischen dem Captain und Lieutenant Uhura.

 

"Du hast recht, aber ich betrachte mich als Botschafter unserer vulkanischen Werte. Sicher ist es aber auch ein gegenseitiger Austausch, der für beide Völker von Nutzen sein kann."

 

"Deinen Vater würde sicher freuen, dies von dir zu hören. Ich habe auch von eurer produktiven Zusammenarbeit gehört. Du und dein Captain - ihr sollt ein legendäres Team sein, erzählt man sich. Stimmt das? Was ist er für ein Mensch, dieser James T. Kirk?"

 

Spock wurde blass, als Sulwarek ihn so direkt auf Jim ansprach. Zuviel war in letzter Zeit durcheinandergeraten. Hinzu kam der Anblick seines entfernt verwandten Jugendfreundes und auch Jims Reaktion bei dessen Anblick, die ihn sich schuldig fühlen ließ.

 

Trotz der Hitze in dem Raum schüttelte es ihn und er konnte nicht antworten. Seine Selbstbeherrschung begann zu bröckeln, und er wusste nicht, wie lange er sich noch aufrecht halten konnte.

 

"Was ist mit dir? Soll ich diesen menschlichen Schiffsarzt rufen?"

 

"Nein, bitte nicht ", kam es gequält aus Spocks Mund.

 

"Was wäre dir eine Hilfe? Ich werde versuchen, dich mental zu stützen, um zu sehen, was dir fehlt. Wir haben noch eine dünne Verbindung, wie du weißt."

 

Trotz des Ernstes der Lage huschte kurz ein verträumter Ausdruck über Sulwareks Gesicht. Er half Spock auf die Liege.

 

"Ich war einmal für ganz kurze Zeit dein T`hy`la. Es ist nur logisch, dass ich dir jetzt als einziger anwesender Vulkanier helfe", flüsterte er.

 

Spock krümmte sich, aber er war so überwältigt von seinen widersprüchlichen Empfindungen, dass er keine Kraft mehr zu einer Gegenwehr hatte.

 

Langsam senkten sich die Fingerkuppen in Spocks Gesicht.

 

"Was hast du getan, Spock!"

 

Spock erhob sich und schaute mit einer Mischung aus Verzweiflung und Ergebenheit in Sulwareks Gesicht.

 

"Du hast jetzt alles gesehen und das Recht mich zu verurteilen. Ich gebe mein Schicksal in deine Hände.“

 

 

Sulwarek war wieder Willen amüsiert: "Dieser Hang zum Melodramatischen – es gibt dafür zu Recht kein Wort im Vulkanischen - musst du von den Menschen übernommen haben. Wir sind Vulkanier und lösen unsere Probleme mit kühlem Verstand."

 

"Du hast natürlich recht, aber ich sehe keine akzeptable Lösung." Spock fühlte sich gestärkt durch den Hinweis auf sein vulkanisches Erbe und straffte seine Schultern.

 

"Du liebst deinen Captain und wünscht ihn dir als Bindungspartner! Du wolltest ihm aus einer Verstimmung helfen und bist aus eigennützigen Motiven zu weit gegangen. Dass du unsere gemeinsame Erinnerung benutzt hast, um seine Gefühle zu prüfen, finde ich - verwirrend.

 

Da du auch eine menschliche Seite hast, kann ich aber dein Verhalten nicht wirklich beurteilen. Du solltest vulkanischen Priestern deinen Fall vortragen, um Klarheit in diesem Punkt zu gewinnen. Aber das Wichtigste ist es, deinem Captain die Wahrheit zu sagen. Mir scheint, dass er bereits bewusste Erinnerungen an dieses Erlebnis zurückgewinnt und deine Gedächtnislöschung nicht wirklich vollständig war. Ich gewinne diesen Eindruck, weil er mich ansah, als würde er mich kennen.

 

Ich habe gesehen, dass du dir diese Aussprache wünschst, aber deine Bedenken bisher stärker waren. Besinne dich auf dein vulkanisches Erbe und verbinde es mit deinem Menschlichen. Das wird dir den Weg zeigen."

 

Sulwarek hielt einen Moment inne, reichte Spock ein vulkanisches Getränk, das dieser dankbar annahm und fügte hinzu: "Nun, es ist mir eine Ehre, dich einmal so gut gekannt zu haben. In gewisser Weise ehrt es mich auch, dass gerade unsere Begegnung dich in dieser Art beeinflusst hat. Derartige Bindungen zwischen erwachsenen Männern sind auch auf Vulkan selten, aber nicht ganz unbekannt, wie du weißt. Aber du bist, bis jetzt, immer erfolgreich deinen eigenen Weg gegangen. So wünsche ich dir eine förderliche Zukunft.“

 

 

Spock erhob sich und verneigte sich: "Ich danke dir für deine klaren Worte."

 

"Das ist nicht nötig."

 

"Ich weiß."

 

*

 

"Wir haben den Orbit von Vulkan erreicht, Sir", meldete Sulu in Kirks Richtung.

 

"Sehr gut. Schwenken Sie ein. Ltn. Uhura, fragen Sie nach, wann wir uns runter beamen lassen können.

 

 

Hektische Aktivität auf allen Stationen setzte ein, die vom Captain aufmerksam beobachtet wurde. Das ist nun mal meine Aufgabe, sagte sich Kirk und sein Blick blieb zum wiederholten Male auf dem Rücken von Spock hängen.

 

Er wirkte wieder etwas zugänglicher, aber was nun eigentlich los war, wusste Kirk, immer noch nicht zu sagen. Dass er diese speziellen Träume jetzt jede Nacht träumte, machte die Sache nicht besser.

 

War es Spock, oder hatte sich inzwischen sogar dieser Sulwarek sich in seine Träume eingeschlichen?

 

Aber so konnte das alles nicht mehr weitergehen. Es wurde langsam aber sicher zum Albtraum. Es musste eine Lösung her. Dringend.

 

McCoy hatte ihm zu einem klärenden Gespräch mit Spock geraten. Und jetzt kam diese mysteriöse Einladung von Spock: Er wolle ihm bei der Gelegenheit ein ganz besonderes, vulkanisches Heiligtum zeigen.

 

Kirk hatte nicht das Gefühl in der richtigen Stimmung für eine archäologische Exkursion zu sein. Aber vielleicht würde ja dieser Besuch in seine so verwirrende Beziehung zu seinem Ersten Offizier, die erhoffte Klarheit bringen.

 

Vielleicht wird es ja ein schöner Tag. Mal mit ihm ganz allein, auf seinem Heimatplaneten, redete er sich gut zu. Ganz sicher war er sich aber nicht.

 

*

 

Nachdem die Landung, die Begrüßung durch die vulkanischen Würdenträger und die Verabschiedung des Sonderbotschafters erfolgreich abgeschlossen waren, bereiteten sich der Captain und sein Erster Offizier auf ihren Ausflug vor.

 

Auch die Mannschaft hatte 24 solare Stunden Zeit für einen Landurlaub. So waren alle in guter Stimmung.

 

Nur sie beide waren jeder auf seine Art angespannt. Heimlich versuchte Kirk, immer wieder einen Blick auf seinen Schiffskameraden zu werfen.

 

Normalerweise kannte er Unsicherheit nicht.

 

Normalerweise hatte er das Sagen, wusste, wo es lang ging, war der Captain.

 

Normalerweise.

 

Aber mit diesem Spock war nie etwas normal. Bei jedem anderen hätte er Spocks Verhalten als Abweisung verstanden, hätte sich sofort abgewendet. Aber bei seinem Ersten Offizier steckte hinter der unbewegten Fassade oft auch etwas anderes. Das war Kirk klar. Aber was?

 

Spock belud mit ihrem Gepäck einen für den Ausflug gemieteten kleinen vulkanischen Flieger und Kirk beobachtete ihn heimlich dabei. Doch er wollte nicht dabei ertappt werden, und zwang sich deshalb, den Blick wieder zu senken.

 

"Möchten Sie nicht mitkommen, Captain?"

 

"Doch, natürlich Spock, sofort, ich komme." Von Spocks Frage aufgeschreckt, beeilte sich Kirk, schnell auf seiner Seite einzusteigen.

 

"Wie kann man es nur auf einem so heißen Planeten aushalten?" Es war ein halbherziger Versuch eine leichte Konversation anzufangen.

 

"Das ist meine Heimat, Captain", antwortete Spock ruhig und mit einem angedeuteten Lächeln.

 

"Natürlich, verzeihen Sie, Spock."

 

Kirk fühlte leichte Verzweiflung in sich aufsteigen und er biss sich verärgert über seine taktlose Bemerkung auf die Lippe.

 

"Ich freue mich schon auf das, was Sie mir zeigen werden."

 

Spock warf einen besorgten Blick auf den Captain und brauchte seine ganze Kraft, um seine innere Unruhe zu verbergen. Der irrationale Gedanke, jetzt zurückzukehren, schoss ihm durch den Kopf. Er war sich nicht sicher, ob er noch lange den Mut haben würde, sein Vorhaben durchzuführen.

 

Nach einer Weile, die Kirk endlos vorkam, zeigte Spock auf ein Gebirge: "Das ist der Mount Seleya. Da fliegen wir hin."

 

"Gut Spock, ich könnte langsam eine Pause gebrauchen", antwortete der Captain, dem inzwischen in dem kleinen Flieger - vor allem die Nähe zu Spock - zu heiß wurde.

 

Sie näherten sich den Felsen, landeten und stiegen aus. Dann folgte Kirk seinem Kameraden zu einem kurvigen und leicht abfallenden Pfad, der direkt in den Berg hineinführte.

 

Am Ende des Weges angekommen, blickte er von oben auf eine riesige Halle hinab. Ein grünlich leuchtendes Bassin in der Mitte verbreitete ein sanftes Dämmerlicht.

 

"Oh, was ist das? Das kenne ich! Aber ich war doch noch nie hier.“

 

Kirk war für einen Moment total irritiert.

 

"Bitte komm, Jim. Ich werde dir alles erklären."

 

Kirk verblüffte die vertraute, aber eher selten benutzte persönliche Anrede. Er folgte langsam Spock, der ihm voraus in die menschenleere Halle schritt und sich dann in einen Seitenraum begab und verdrehte sich fast den Hals, um alle Einzelheiten in der dunklen Halle wahrzunehme., Das Gefühl eines Déjà-vu-Erlebnisses wurde immer intensiver. Dann betraten sie eine kleine Kammer.

 

Spock ließ durch einen verborgenen Mechanismen kleine Leuchten ein diffuses Licht auf eine Lagerstatt werfen.

 

Kirk wurde es zunehmend unheimlicher.

 

"Spock, irgendwie erkenne ich das alles wieder. Es ist wie in einem Traum, den ich in letzter Zeit öfter hatte."

 

Er blickte weg, weil er über seinen Traum eigentlich nicht reden wollte.

 

"Captain! Jim! Es ist auch sozusagen ein Traum. Ein Traum, den wir bereits gemeinsam geträumt haben."

 

Kirk Schaute verblüfft in Spocks Gesicht, welches ihm in dem schummrigen Licht noch dunkler erschien.

 

"Jim, ist dir in letzter Zeit etwas Ungewöhnliches an dir aufgefallen?"

 

Kirk wollte eigentlich nicht über etwas so Intimes, wie seine sexuellen Träume, mit seinem Wissenschaftsoffizier reden, andererseits hatte er das Gefühl, dass Spock vielleicht mehr wusste, als er bisher zugab.

 

Nach einem forschenden Blick in die dunklen Augen, die ihn zu durchdringen schienen, lächelte Kirk schief und erzählte mit sehr kurzen, knappen Worten seine nächtlichen Erlebnisse. Er hatte das Gefühl, ein hochrotes Gesicht dabei zu haben.

 

"Und der Vulkanier erinnerte dich entfernt an ... mich?"

 

"Es könnte sogar ein jüngerer Sulwarek gewesen sein, aber das kann nicht sein, weil ich ihn ja jetzt zum ersten Mal gesehen habe. Ich weiß einfach nicht, was das alles zu bedeuten hat."

 

Kirk registrierte plötzlich besonders intensiv die körperliche Nähe zu Spock und fühlte sich plötzlich sehr unbehaglich.

 

„Ich bin mir auf einmal nicht mehr sicher, ob es wirklich eine gute Idee war, hierher zu kommen und dir das alles zu erzählen. Schließlich war es nur ein Traum und hat vielleicht Garnichts zu bedeuten. Wenn es sich auch nicht wie typischer Traum angefühlt hat. Ich sollte besser mit Pille darüber reden.“ Kirk straffte sich.

 

"Jim, warte. Lass es mich erst erklären. Aber bevor ich weiterrede ...", Spock holte tief Luft. "...sag mir bitte, wie du den Gedanken empfunden hast, in dieser Form mit mir ... intim zu sein?"

 

Kirk fühlte Ärger aufsteigen, aber Spock schien das zu spüren, versuchte Jims Augen, mit den seinigen festzuhalten.

 

"Spock, ich weiß nicht ... was für eine Frage ... Ja, also ... Ich habe es, naja, es war okay. Wenn du es wirklich wissen willst ... egal, was du jetzt sagst ... Trotzdem, es war natürlich nur ein Traum.", versuchte er, zu relativieren.

 

"Dann war da schon vorher etwas in dir", sagte Spock leise, wie zu sich selbst.

 

"Was? Was sollte denn in mir gewesen sein? Jetzt aber raus mit der Sprache! Hast du etwa etwas damit zu tun?" Kirk starrte ungeduldig auf Spock.

 

"Jim, ich muss dir etwas sagen."

 

"Ich glaube auch", erwiderte Kirk und setzte sich auf die reich bestickte Bettdecke.

 

Aber Spock blieb vor ihm stehen, sichtbar nervös. "Jim, ich habe mit dir eine Mentalverschmelzung durchgeführt."

 

"Mentalverschmelzung? Das weiß ich doch." Auf dem Gesicht des Captains entstand Verwirrung.

 

"Ja, Jim. Aber da ist etwas, was du nicht weißt. Ich bin während einer dieser Verschmelzungen mit dir hier gewesen. Und du hast eine Erinnerung von mir nacherlebt. Danach habe ich deine Erinnerung gelöscht. Aber unvollständig", sagte Spock mit unbewegter Miene, die Hände auf dem Rücken verschränkt.

 

"Du hast was gemacht? Warum? Was sollte das?", rief ein aufgebrachter Kirk und sprang von seinem Sitz hoch.

 

"Was für eine Erinnerung? Wovon redest du überhaupt, zum Teufel?"

 

Kirk funkelte Spock wütend an und stand bebend vor ihm. Er fühlte sich hintergangen und missbraucht.

 

Spock war innerlich tief erschüttert von der heftigen Reaktion. Sein bisheriger Mut hatte ihn verlassen und seine Schultern sackten zusammen. Er senkte den Kopf, konnte auf einmal nicht mehr ertragen, dem anderen in die Augen zu schauen.

 

"Das war ein unverzeihlicher Fehler von mir. Das hätte mir als Vulkanier auch nicht passieren dürfen. Ich werde mich verantworten müssen", sagte er leise.

 

Als Kirk den zerknirschten Spock vor sich sah, atmete er tief durch und versuchte, seine Hand beruhigend auszustrecken, aber Spock wich instinktiv zurück.

 

"Bitte nicht! Du weißt nicht, was das für Folgen für dich haben könnte. Ich weiß es ja selber nicht."

 

"Was soll denn das nun schon wieder? Wovon sprichst du, verdammt noch mal! Bin ich nicht immer auf deiner Seite gewesen? Bitte Spock, sag mir endlich die ganze Wahrheit." Kirk ließ sich wieder auf das seltsam vertraute Bett niedersinken.

 

"Wenn du einverstanden bist, könnte ich noch einmal einen mentalen Kontakt durchführen und deine Erinnerung wieder vollständig herstellen. Aber falls die letzte Mentalverschmelzung vielleicht unbeabsichtigte Folgen hatte, wäre es besser, wir würden danach zu einem vulkanischen Heiler gehen. Ich würde dann natürlich sofort meinen Abschied von der Sternenflotte nehmen.“

 

Spocks Stimme wurde immer leiser.

 

"Spock, bitte! Lass uns diese Verschmelzung erneut durchführen, damit ich endlich weiß, vor was du dich so fürchtest. Über die Folgen reden wir später." Kirk blickte sanft auf die gekrümmte Gestalt vor sich.

 

Der Vulkanier fühlte sich schwach und zerrissen. Eigentlich hatte er geplant gehabt, Jim seine Erinnerung sofort zurück zugeben und dann die Folgen für sein unerlaubtes Tun stoisch zu ertragen.

 

Aber da waren noch seine eigenen triebhaften, und für ihn selbst kaum zu kontrollierenden Bedürfnisse. Er wollte Jim. Das war ihm in den letzten Tagen und Nächten endgültig klar geworden. Er würde das aber ab jetzt vor Jim nicht mehr verbergen können. Ein erneuter mentaler Kontakt könnte sogar zwischen Ihnen ...

 

Er ist ein Mensch und ich ein Halbvulkanier. Wenn ich doch nur besser in diesen Dingen Bescheid wüsste. Zwischen reinrassigen Vulkaniern wäre das alles viel einfacher ...

 

"Spock!! Jetzt sofort!", unterbrach Kirk in seinem besten Kommandoton, und dem konnte Spock sich nicht mehr entziehen. Er nickte ergeben und setzte sich neben ihn auf die Lagerstatt, beugte sich zu ihm und stellte dann mit zittrigen Fingern den Kontakt her.

 

Wie aus einem Nebel tauchten plötzlich Bilder in Kirk auf.

 

Das war Sulwarek!

 

Ja, Jim, und du warst an meiner Stelle.

 

Jetzt weiß ich wieder alles. Es war - sehr - ungewöhnlich - sehr aufregend.

 

Ja, das ist es sicher für dich gewesen.

 

In meiner Erinnerung war es mir, als wenn du und ich ...

 

Wenn da nichts in deinem Geist gewesen wäre, an das dieses Erlebnis sich in deinem gesamten Gedanken und Gefühlen hätte knüpfen können, dann wäre meine Löschung erfolgreich gewesen. Aber es muss bereits eine Entsprechung für Derartiges in dir gewesen sein. Ein früherer Wunschgedanke - über mich. So ist alles in deinen Träumen wieder aufgetaucht.

 

In einer plötzlichen Eingebung legte Kirk ganz leicht seine Hand auf Spocks Oberschenkel und spürte, verstärkt durch den mentalen Kontakt, bei dieser Berührung ein Erbeben unter seinen Fingern.

 

Jim!

 

Das hast du dir gewünscht, Spock! Kirk war tief erstaunt. Und du hast mich hierher geführt, um ...

 

 

 

Spock löste so schnell seine Finger von Kirks Schläfen, als hätte er sich auf der menschlichen Haut verbrannt. "Es geht nicht. Es darf nicht sein.“

 

Durch den plötzlichen Abbruch der mentalen Verbindung verwirrt, verlor Kirk kurz die Orientierung. Er schüttelte seinen Kopf und schaute dann vorsichtig zu seinem Nachbarn.

 

Spock hielt sein Gesicht mit seinen Händen bedeckt und schien wie erstarrt.

 

Oh, Spock, dachte Jim, er will mich wirklich, aber er hat offensichtlich ein riesiges Problem damit.

 

Der Vulkanier zitterte, aber es kam nur ein Stöhnen aus seinem Mund.

 

"Spock, warum hast du mir nie etwas davon gesagt?“

 

"Ich konnte nicht. Und ich weiß nicht, ob wir das wirklich tun sollten und ich wollte keine Zurückweisung. Ich muss ganz sicher sein. Bei Vulkaniern ist das anders. Wir können einander sehen. Aber du bist ein Mensch.", flüsterte er gequält und fast unverständlich.

 

In dem dämmrigen Licht versuchte Kirk, Spocks Gesichtsaudruck zu deuten und sah in tiefschwarze, brennende Augen, die ihn gleichzeitig traurig und sehnsüchtig musterten. Er wollte es jetzt aber endlich wissen und berührte mit einer entschlossenen Bewegung zärtlich Spocks angespanntes Gesicht.

 

Der Vulkanier schrie unterdrückt auf und musste sich auf dem Bett festkrallen, um nicht umzusinken.

 

Der Captain beugte sich mit einem wissenden Lächeln näher zu ihm hin.

 

"Ich verstehe zwar nichts von diesen vulkanischen Dingen, aber das hier, das verstehe ich", raunte er.

 

Spock konnte seinen Blick nicht mehr von Kirk lösen.

 

Jim nahm vorsichtig seine Hand wieder zurück.

 

Spock öffnete schwer atmend den Mund.

"Jim ... nein. Ich ...“

 

"Diese ganzen Träume ... Wir können meinetwegen zu einem Heiler gehen, oder was immer das Problem ist. Aber lass` mich nicht länger warten. Ich muss wissen, woran ich bin. Bitte Spock ...“

 

Jims Appell hallte immer wieder in Spock nach. Er spürte wie sein logischer Verstand und seine letzten Barrieren weggespült wurden.

 

"Wir haben schon viel zu viel Zeit vergeudet, meinst du nicht auch?“, stellte Kirk mit rauem Ton leise fest.

 

Spock nickte nur stumm, denn er traute seiner eigenen Stimme nicht mehr.

 

Kirk drehte sich ganz zu ihm hin und mit tiefen, glücklichen Seufzern umarmten sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben richtig. Er genoss das Gefühl, endlich Spocks Körper so nah spüren zu können.

 

Er streichelte die festen Schultern entlang und wollte schon tiefer wandern, als Spock sich merklich versteifte und sich dann endgültig löste.

 

"Jim, was tust du ... das geht nicht. Wir dürfen das nicht tun. Die Folgen sind nicht absehbar", flüsterte Spock.

 

"Spock, alles okay?", fragte Kirk ihn ängstlich.

 

Spocks Gesicht zeigte eine Intensität, die er vorher noch nie an ihm gesehen hatte, aber er antwortete nicht.

 

"Liebster", flüsterte Kirk zärtlich und drehte sich ganz zu ihm hin. „Du bist nicht mehr allein.“

 

Ein angedeutetes Lächeln erschien kurz auf den schmalen Lippen.

 

"Aber wie kann es weitergehen, Jim?"

 

Kirk blickte erstaunt hoch, überlegte erst und sagte dann ernst. "Mach dir keine Sorgen, Spock. Ich bin bei dir. Wir sind außergewöhnliche Leute. Und außergewöhnliche Leute finden immer einen Weg."

 

Ein weicher Ausdruck stahl sich auf dessen Gesicht. "Ja, Jim. Ich fühle mich gerade etwas ... seltsam."

 

"Vielleicht glücklich?"

 

 

Teil 3
Prüfung
 
 
Das Flüstern fremdartiger Stimmen, vermischt mit metallischen Klängen, hallte als Echo durch die hohen Räume brach sich zwischen den weitläufigen Steinsäulen und Deckenstützen. 
 
Die Halle war unmöbliert und ganz aus Stein gehauen, beeindruckte durch ihre verschachtelte Architektur und Größe. 
 
Seit einer Stunde wartete Kirk nun schon. Eine Stunde, die ihm wie die längste Stunde in seinem Leben erschien.
 
Zuerst hatte er versucht, mit seinem Aufpasser ein Gespräch anzufangen, aber das starre vulkanische Gesicht hatte auf keine seiner Fragen reagiert. Kirk hatte heimlich seine Fäuste geballt, tief durchgeatmet und erneut seine Wanderung aufgenommen. Immer beobachtet von einem Bewacher, dem es nichts auszumachen schien, stundenlang bewegungslos zu verharren. 
 
Dennoch war Kirk klar, dass er keine Chance hatte, den Raum unbemerkt zu verlassen. Langsam wurden ihm die Beine schwer und er setzte sich auf den harten Stein. 
 
Nichts tun zu können, abwarten zu müssen was andere für ihn entschieden, war ihm schon immer von allen Dingen am schwersten gefallen. 
 
 
Wie glücklich und verliebt er noch gestern gewesen war! Als hätte er sein ganzes Leben nur auf diesen Moment gewartet, sich endlich sein Schicksal erfüllt. Er hätte es gleichzeitig mit dem ganzen Universum aufnehmen können - mit Spock an seiner Seite. Dieser wunderbar fremde, aber ihm doch so vertraute Mann. 
 
Gestern hatte sich gezeigt, dass es ihre Bestimmung war, wirklich alles miteinander zu teilen. Bereit, immer für einander da zu sein. Auf immer und ewig.
 
Bin ich zu naiv gewesen? Habe ich wirklich geglaubt, dass ich alle Hindernisse nur durch meinen Willen aus dem Weg räumen kann? Aber Spock hat es besser gewusst! Sie werden es nicht zulassen, dass wir zusammen bleiben! Sie wollen uns trennen!
 
Kirk ballte wütend seine Fäuste. Aber dann sah er wieder den kühlen Blick des Aufpassers.
 
Ich muss ruhig bleiben! Spock zuliebe. Sie würden es nicht verstehen, mich verachten, wenn ich ihnen meine wahren Gefühle zeige.
 
Sie Beide hatten beide noch viele gemeinsame Stunden in dem kleinen Raum verbracht und ihre Gedanken und Erinnerungen geteilt. 
 
Spock hatte ihm in seiner unnachahmlich trockenen Art gestanden, dass er in seinem Captain schon lange seinen Wunschpartner gesehen hatte. 
 
Kirk war tief berührt gewesen und seine eigenen Gefühle für seinen Ersten Offizier hatten sich wie ein Feuerwerk entzündet. 
 
Spock fand sein Bekenntnis, dass sie schon immer ein Paar gewesen sein mussten, natürlich unlogisch. Aber beide fühlten sich wohl in ihrer Gegensätzlichkeit. 
 
"Es sind deine menschlichen Schwächen, die mich zu dir hingezogen haben", hatte ihm Spock gestanden.
 
Und Kirk hatte ihm zugeflüstert:"Und ich liebe deine vulkanischen Stärken."
 
Bei dieser Erinnerung erschauderte Kirk und er schaute wieder misstrauisch auf seinen Wächter.
 
Kann er vielleicht meine Gedanken lesen? Mein Gott, ich werde noch paranoid. Aber diese Erinnerung kann mir keiner mehr nehmen! Niemand! Solange ich lebe!
 
Der Wächter verzog keine Miene und Kirk versank bald wieder in seinen Erinnerungen.
 
Zögernd hatten sie sich endlich von ihrem Lager erhoben. Kirk hatte immer noch das Bild dieses faszinierend schönen Männerkörpers vor Augen. Sie waren füreinander geschaffen, gefangen in der gegenseitigen Anziehung. Mit der für Kirk typischen Radikalität war alles, was vorher war, wie ausgelöscht. 
 
Diesen Flug durch die dunkle Nacht von Vulkan würde er nie wieder vergessen. Dann hatten sie sich hoch auf die Enterprise beamen lassen. Der Großteil der Crew war noch auf Landurlaub gewesen und das stille Schiff gehörte scheinbar ihnen ganz allein. Sie waren in Spocks private Kabine gegangen und Spock erzählte von Vulkans Kultur und seinen Bräuchen. Im Nachhinein kam es Kirk so vor, als hätte Spock versucht, ihm etwas Bestimmtes zu sagen. Etwas offensichtlich Wichtiges. Aber er hatte zu dem Zeitpunkt einfach nicht verstanden, worüber Spock sich so viele Gedanken machte.
 
Ich habe ihm einfach nicht richtig zugehört, immer nur in dieses Gesicht gesehen. Alles Andere beiseitegeschoben. Das war vielleicht mein schlimmster Fehler. Vielleicht hätte ich alles verhindern können. Ich hätte Order geben müssen, Vulkan sofort zu verlassen!
 
Dann war in den frühen Morgenstunden eine Botschaft gekommen. Von T`Pau! Spock wurde gebeten, sofort zu ihr zu kommen. Kirk hatte intuitiv ein ungutes Gefühl gehabt und wollte verhindern, dass Spock ihn verließ, wollte wissen, was das sollte. 
 
Aber Spock hatte ihm gesagt, dass er gehen müsse, allein, aber dass er wiederkommen würde. Kirk berief sich auf seine Autorität als Captain, aber ein Blick von Spock ließ ihn wieder schweigen.
 
Aber ich hätte das trotzdem verhindern müssen. Ich habe mich wie ein Schaf verhalten, verdammt!, haderte er mit sich selbst.
 
Stundenlang und mit den schlimmsten Befürchtungen im Hinterkopf war er dann in seinem Schiff die Gänge entlang gewandert.
 
Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein und sie wollen Spock einfach nur wieder sehen. Es ist doch sein Heimatvolk. Und wenn schon, was sollten sie denn gegen eine Verbindung zwischen uns haben? Es kann doch nur ihr Vorteil sein. Aber was, wenn sie uns doch trennen wollen? 
 
Eigentlich weiß ich so wenig von ihnen. Und was hat Spock nur gemeint, als er dauernd von diesen Heilern sprach, zu denen er wolle. Unsere Beziehung ist doch unsere verdammte Privatangelegenheit! Vulkan, hin oder her.
 
Dann hatte er auf dem Schiff plötzlich eine menschliche Stimme hinter sich gehört.
 
"Jim? Was ist denn mit dir los? Wieso läufst du hier am frühen Morgen einsam durch die Gänge und ziehst ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter?
 
 
Kirk war erschrocken zusammen gezuckt, aber froh über das vertraute Gesicht. "Pille! Wo kommst du denn her?“
 
 
"Ich wollte mich mal wieder ein bisschen abkühlen und na ja, auf meiner Station fühle ich mich einfach am wohlsten. Aber was ist mit dir? Du warst doch mit unserem Vulkanier unterwegs. Haben die ihn etwa einkassiert?"
 
Er war so entsetzt über McCoys Scharfsinn gewesen, dass der Schiffsarzt sich beeilt hatte, hinzuzufügen: "Ich mache doch nur Witze. Was ist denn nun wirklich los mit dir?"
 
"Verdammt Pille, du bist nah dran. Ich weiß nur, dass sie ihn hier vom Schiff geholt haben. Aber ich weiß nicht, was sie mit ihm vorhaben. Ich durfte nicht mit ihm gehen und T`Pau wollte ihn unverzüglich sehen. Aber ich hätte das verhindern müssen. Er ist schließlich Sternenflotten-Angehöriger. Er gehört hier auf das Schiff. Aber mein Gott, vielleicht ist ja alles auch ganz harmlos."
 
"Meine Güte, wenn ich mal nicht da bin, gerät hier gleich alles aus den Fugen."
 
"Pille! Bitte keine Witze. Ich halte das nicht aus, hier nur untätig warten zu müssen."
 
McCoy hatte versucht, seinen Captain zu beruhigen. "Bist du schon mit T`Pau in Kontakt getreten? Vielleicht ist ja wirklich alles ganz harmlos und wir regen uns hier ganz umsonst auf?"
 
"Sie reagiert nicht auf meine Com-Botschaften, Pille." 
 
Er konnte vor McCoy seinen Ärger kaum zurückhalten. "Und ich habe ein so ungutes Gefühl. Was wäre damals mit Spock passiert, als T´Pring ihn austricksen wollte? Was wäre passiert, wenn wir ihm nicht zur Seite gestanden hätten? Pille, ich glaube er braucht mich jetzt und ich sitze hier untätig auf meinem Schiff!"
 
"Jim, beruhige dich erst einmal. Vielleicht hast du ja recht. Ihr wart doch unterwegs zu einem vulkanischen Heiligtum. Ist da etwas Besonderes passiert, was vielleicht T`Pau zu Ohren gekommen ist? Das könnte doch eventuell eine Erklärung sein?"
 
Kirk blickte seinem besten Freund fest in die Augen und erwiderte dann langsam: "Das könnte schon sein, aber es ist eigentlich sehr privat. Nur zwischen Spock und mir und sollte niemanden etwas angehen."
 
"Du bist aber auf Vulkan und da ticken die Uhren etwas anders. Wenn ich dich richtig verstanden habe, läuft da etwas zwischen euch. Und heute war vermutlich die Nacht der Nächte, richtig?“
 
 
Es hatte wohl in seinem Gesicht alles gestanden, was McCoy wissen musste und Pille hatte zufrieden über seine analytischen Fähigkeiten nur noch bestätigend genickt. "Ja, und könnte es nicht sein, dass hier der Hund begraben liegt?"
 
"Genau das befürchte ich auch. Und ich habe das Gefühl, dass ich selber mit Ihnen sprechen muss. Ich habe Angst, dass ich ihn sonst verliere."
 
"Jim, ich weiß nicht, was das alles für unseren Vulkanier zu bedeuten hat, aber ich habe immer deiner Intuition vertraut. Das solltest du jetzt auch tun".
 
Kirk hatte sich auf einmal ganz ruhig gefühlt und wusste plötzlich ganz genau, was er nun tun musste. Ich muss sofort nach Vulkan. Direkt zu T´Pau. Sie steckt dahinter, ganz klar. Und ich lasse mich nicht einfach abweisen. Es geht um Spock. Es geht um das Wichtigste in meinem Leben!
 
 
 
Kirk zwang sich die Ruhe zu bewahren, und sich wieder auf die Gegenwart zu konzentrieren. Wenn es ihm auch sehr schwerfiel. Zu groß waren die Sorgen um seinen geliebten Ersten Offizier. 
 
Als er sich umschaute, stellte er erstaunt fest, dass der Wächter sich inzwischen abgewandt hatte und in einen der Eingänge der Halle schaute. 
 
Und dann hörte er es auch. Erschaudernd erkannte er das Geräusch kleiner Glöckchen, die an Stäben baumelten.
 
Sie kamen.
 
Um ihn zu holen.
 
 
*
 
 
"Spock, Sohn von Sarek, du hast dein Erbe entehrt."
 
"Warum hast du nicht deinen Clan um Rat gefragt? Wir hätten dir eine passendere Partnerin gesucht."
 
"Warum ein Außerirdischer, Spock? Warum?"
 
"Du hast dein Erbe vergessen. Du hast deine Familie vergessen."
 
"Du hättest das nicht tun dürfen, ohne seine Bindungsfähigkeit zu prüfen. Er ist ein Nicht-Vulkanier. Das war unverantwortlich."
 
Erstarrt blieb Spock stehen. Rührte sich keinen Millimeter. Blicklos starrte er hoch, in die Gesichter der versammelten Vulkanier. Aber in seinem Geist tobte ein unsichtbarer Kampf um emotionale Kontrolle. Vor ihm standen einige der wichtigsten vulkanischen Würdenträger in ihren weiten, farbigen Gewändern auf unterschiedlichen Stufen der treppenartig angelegten Empore. In der Mitte stand schweigend T`Pau, mit undeutbarem Gesichtsausdruck.
 
Dann hob die Matriarchin die Hand und es entstand Grabesstille. Alle schauten auf die alte, zerbrechlich wirkende Frau. 
 
"Spock, du hast unsere heiligen Stätten mit einem Nicht-Vulkanier betreten. Du hast die Bindungszeremonie mit einer Vulkanierin nicht vollzogen, denn du hast offensichtlich einen Außenweltler vorgezogen. Hast du vor, ihn in unsere - bisher vor Fremden geheim gehaltene - Bindungszeremonie einzuweihen? Ist es das, was du vorhast? Sprich Spock, Sohn von Sarek. Denn ohne unsere Erlaubnis hätte auch dein Vater das nicht gewagt. Oder sind dir unsere Bräuche inzwischen so wertlos geworden? Ist diesem Menschen bewusst, was eine Bindung mit einem Vulkanier und besonders mit einem in deiner gesellschaftlichen Stellung bedeutet? Du wirst einmal ein Führer in unserem Clan werden. Oder bist du noch ein Kind, ohne Verantwortung für Konsequenzen?"
 
T`Paus Stimme war scharf wie Glas und Spock hatte Mühe, unter diesen inquisitorischen Fragen seine Haltung zu wahren. Alle Augen richteten sich jetzt auf ihn und Spock spürte die Spannung der Anwesenden, nahm seine ganze Kraft zusammen. 
 
"Ehrwürdige T`Pau, es ist mir ernst.“
 
"Dann komm zu mir. Ich muss dich prüfen."
 
Mit schweren Schritten stieg Spock die Treppe zu der Matriarchin hinauf und beugte sich vor ihr nieder. Lange, krumme Finger legten sich auf sein Gesicht. Dann winkte T`Pau einen weiteren Vulkanier zu sich und Spock spürte wie zwei mentale Sphären in sein Bewusstsein eindrangen. Kühle umfasste ihn und instinktiv versuchte er, seine Erinnerungen an seinen Captain vor dieser unbarmherzigen Zurschaustellung zu schützen. Aber es war aussichtslos und er unterwarf sich der Sondierung ohne weiteren Widerstand.
 
Endlich lösten sich wieder die Finger und Spock fühlte sich zutiefst erschöpft und entblößt.
 
T`Pau entließ den anderen Vulkanier und beugte sich dann wieder über Spock. Schweigend und ernst blickte sie ihn an und wandte sich dann mit lauter, ernster Stimme an die anderen Anwesenden. 
 
"Es hat sich bereits ein Band gebildet. Aber der Mensch weiß es nicht. Spocks Motive sind eindeutig, aber der Mensch ist nicht darauf vorbereitet. Das Band ist noch schwach. Es ist das Beste, wenn wir Spock davon befreien. Dann ist Spock wieder frei und kann sich einen passenderen Partner suchen".
 
Spock verlor alle Farbe aus seinem Gesicht und es entrang sich seiner Brust ein leises "Nein".
 
T´Pau blickte kurz zu ihm. 
 
"Es ist das Beste für dich. Glaube mir. Er ist nur ein Mensch und wird es schnell vergessen haben. Aber du würdest dein ganzes Leben lang ein Sklave eines unvollständigen Bandes sein."
 
Während sie noch sprach, kam ein Wächter in den Raum und näherte sich T´Pau. Sie drehte sich zu ihm um und runzelte die Stirn. 
 
Spock konnte nicht hören, was der Wächter ihr zuflüsterte. Aber ein Wort glaubte er doch zu verstehen. Konnte es der Name seines Captains gewesen sein? In Spock entstand urplötzlich eine unbändige, bis dahin nicht gekannte Aufregung, die seinen ganzen Körper erfasste. Bebend musste er schwer atmen und zitterte am ganzen Körper. Jim ist hier! Er ist wegen mir gekommen!
 
Langsam drehte T`Pau sich von dem Wächter wieder zu Spock und blickte ihn nachdenklich an. Sie hat es gespürt, dachte Spock erschrocken, aber erwiderte scheinbar ungerührt den Blick.
 
Dann wandte sich die Matriarchin an die Versammlung. 
 
"Ich habe gerade gehört, dass der Captain der Enterprise gekommen ist und sich nicht abweisen lässt. Ich werde ihn fragen müssen, ob er einverstanden ist, sich einer Prüfung zu unterziehen. Wir dürfen ihm unter diesen Umständen diese Möglichkeit nicht verschließen. Es wird somit in seiner Hand liegen.“
 
Fragend blickte sich T`Pau um und hatte auch registriert, dass einige Clanmitglieder ihr Erstauen über ihre Entscheidung auf subtile Art signalisiert hatten. 
 
"Wir sollten uns vor neuen Dingen nicht fürchten. Aber, wie ich schon sagte, es wird in seiner Hand liegen. Und er ist auf vulkanischem Boden und wird sich vollständig unseren Sitten unterwerfen müssen. Wenn es das ist, was er wirklich will.“
 
Sie drehte sich wieder in Spocks Richtung und fixierte ihn mit strengem Blick. 
 
„Wärest du damit einverstanden und würdest das endgültige Urteil wirklich und vollständig akzeptieren?"
 
Spock wollte erst Einspruch erheben. Jim war doch nur ein Mensch und Spock hatte ihn ohne sein Wissen in diese Situation gebracht. Er bräuchte jetzt nur zu sagen, dass sein eigenes Band gelöscht werden sollte. Und vielleicht würde Jim ihn ganz schnell wieder vergessen. Menschen waren meistens so.
 
Aber was war mit Jims Gefühlen zu ihm? Und wollte er wirklich alles aufgeben, diese wunderbare Nacht mit Jim wieder vergessen? 
 
Nein, er wollte Jim nicht aufgeben. Lieber sterben. Und das musste er, wenn er danach nicht noch einen anderen Partner finden würde. Und es würde keinen anderen Partner mehr für ihn geben. Aber konnte er Jim eine vulkanische Prüfung zumuten? Was wäre, wenn Jim das nicht überstehen würde?
 
Verzweiflung schnürte Spock die Kehle zu und er blickte erstarrt in die dunklen, wartenden Augen von T`Pau.
 
Nach einem kurzen Moment fasste sie kurz auf Spocks Verschmelzungspunkte und erhob sich dann zu dem Rest der Versammlung. 
 
"Es ist die Sorge um seinen Captain, die ihn zögern lässt. Aber es gibt nur diese Lösung, wenn der Mensch auf einer Bindung besteht. Wir werden ihn prüfen müssen. Die Zeit wird zeigen, was wird." 
 
Mit diesen Worten verabschiedete sich T`Pau und Spock wurde in einen anderen Raum gebracht.
 
*
 
"Wo ist mein Erster Offizier? Er ist Sternenflotten-Angehöriger und ich verlange ..." 
Bebend stand Kirk vor der kleinen, hageren Frau, aber eine kleine Geste genügte, ihn verstummen zu lassen.
 
"Sie sind hier auf Vulkan, Captain. Und es geht hier um eine rein vulkanische Angelegenheit. Wenn Sie weiter mit Spock zusammen arbeiten wollen, müssen Sie das respektieren. Wenn nicht, steht es Ihnen frei, sofort und unbehelligt zu gehen".
 
Für einen Moment verschlug es Kirk die Sprache, aber dann sah er den lauernden Blick in den alten Augen und holte tief Atem. 
 
"Was wissen Sie über Spock und mich?"
 
"Alles!"
 
"Alles?" Kirk spürte Röte in seinem Gesicht aufsteigen. Natürlich. Diese verdammte Mental-Verschmelzung. Sicher haben sie es direkt aus Spocks Geist erfahren. 
 
"Nun, dann wissen Sie auch, dass wir - äh, ein Paar sind. Wahrscheinlich wäre es den Vulkaniern lieber, wenn das nicht passiert wäre, oder?"
 
"Das würde es uns allen leichter machen. Aber Sie irren sich, wenn Sie glauben, dass Sie bereits ein Paar sind. Nach vulkanischem Verständnis sind Sie erst ein Paar, wie Sie es nennen, wenn Sie eine vollständige Bindungszeremonie vollzogen haben."
 
"Ich weiß. Ich war damals dabei, wie Sie wissen."
 
"Das war keine vollständige Bindungszeremonie. Und vermutlich waren Sie damals bereits mehr, als nur ein zufälliger Zeuge."
 
"Sie meinen, dass damals Spock schon wegen mir unbewusst T`Pring abgelehnt hat?" 
 
Kirk wurde nachdenklich. "Ich weiß es nicht, aber ich weiß, dass ich ... also ... Ich will es jetzt." Trotzig schob Kirk sein Kinn vor.
 
"Sie haben sich damals durch einen Trick von jeder Verantwortung befreit. Und Sie sind dafür berüchtigt, sich aus jeder Lage mit Schlauheit und ohne Rücksicht auf Konsequenzen zu befreien.
 
"Das stimmt nicht! Das ist ein verdammtes Vorurteil!" 
 
Kirk spürte Wut in sich hochsteigen, aber ein Blick in das unbewegte Gesicht der Vulkanierin ließ ihn innehalten. 
 
"Mir ist es sehr ernst. Ich will meinen Ersten Offizier behalten und ich will Spock als meinen Partner, also eine Bindung mit ihm eingehen. Und ich weiß auch, dass das dann für unser ganzes Leben gilt."
 
"Das wissen Sie also?"
 
Aus T`Paus Stimme hörte Kirk Sarkasmus heraus und straffte sich innerlich dagegen.
 
"Und Sie wissen auch, was das für Sie als Mensch bedeutet?"
 
"Nun, Amanda ist auch ein Mensch. Und Spock ist Halbvulkanier. Und wie ist es überhaupt mit Spock? Er will es doch auch.“
 
 
"Sie haben recht. Aber Amanda ist den offiziellen Weg gegangen, bevor es zu der ersten mentalen Verbindung mit Sarek kam. So konnten wir sie prüfen und so sicherstellen, dass für niemanden ein Schaden entstand. Sein Sohn ist diesen Weg leider nicht gegangen. Er hätte es besser wissen müssen. Trotz seines menschlichen Erbes hätte er nicht die alten Bräuche brechen dürfen. Sie, Captain, trifft daran keine Schuld. Aber er besteht dennoch auf einer Bindung mit Ihnen. Aber es wäre besser, er würde Sie freigeben und Ihnen damit wieder den Weg zu Ihrer Freiheit geben."
 
Bei diesen Worten keimte in Kirk wieder Hoffnung auf und Freude durchflutete ihn. Er will es auch! Und ich will nicht frei von ihm sein. Ich fühle mich doch jetzt erst wirklich frei, seit wir zusammen sind. Nur mit ihm hat alles einen Sinn. Spock, bitte halte durch.
 
"Nein. Wir gehören zusammen. Spock weiß das und ich auch. Und ich bin bereit alles auf mich zu nehmen, um Ihnen zu beweisen, dass es mir ernst ist." Kirk hielt dem starren Blick stand.
 
"Es geht nicht darum, mir etwas zu beweisen. Eine Bindung mit Spock wird den Rest Ihres Lebens verändern. Sie würden ein Teil der vulkanischen Gesellschaft werden. Sie hätten sich den Sitten und Gebräuchen an der Seite von Spock zu unterwerfen. Auf der Erde wird so etwas nicht so ernst genommen wie hier. Sie wären auch ein Teil der Macht, die Spock einmal hier ausüben wird. Deshalb werden Sie als Außenweltler viele Widerstände zu überwinden haben. Nach vollzogener Bindung wären Sie beide an den biologischen Rhythmus von Spock gebunden. Sie hätten nicht mehr die Freiheit, sich andere Partner zu suchen. Sie, als Mensch, könnten sich sehr einsam fühlen. Ist Ihnen Spock das alles wirklich wert?"
 
Kirk fühle leichtes Erschrecken und seine Gedanken rasten. Sie hat recht. Es gibt viele Dinge, über die ich noch nicht habe nachdenken können. Es ging alles so schnell. Aber was ist, wenn ich jetzt die Beziehung mit Spock ablehne? Es gibt doch nur diesen einen Versuch. 
 
Nachdenklich schaute Kirk auf seine Stiefelspitzen. Dann hörte er plötzlich T´Pau leise flüstern: "Ich könnte es Ihnen erleichtern und Ihnen jetzt die emotionale Bindung zu Spock und die Erinnerung daran durch eine selektive Sondierung nehmen. Es geht ganz leicht und ist schmerzlos. Danach wären Sie wieder frei von Ihren Gefühlen und könnten ihr altes Leben wie bisher weiter führen."
 
Als Kirk die schlangengleiche Stimme hörte, spürte er plötzlich wie Wut, aber auch gleichzeitig Traurigkeit in ihm hochstieg und er mit Tränen kämpfen musste. Nein, Nein! Spock, ich will nicht von dir lassen. Ich will es einfach nicht. Dazu habe ich dich zu lange gesucht. Hastig ging er einen Schritt zurück und rief: "Ich will Spock sehen! Jetzt sofort!"
 
T`Pau griff unerwartet fest auf Kirks Schulter, fixierte ihn mit ihrem uralten Blick. "James T. Kirk, ist es Ihnen wirklich ernst mit Spock? Sind Sie bereit, sich von uns prüfen zu lassen?
 
"Was ist, wenn ich Eure Prüfung bestehe?"
 
"Dann wissen wir, ob Ihr ein geeigneter Partner seid. Und dann ist eine Bindung mit Spock erlaubt und hat meine Zustimmung. Wenn Spock dann wieder in das Pon Farr kommt, kann die endgültige Bindungszeremonie hier auf Vulkan durchgeführt werden. Und es wird keinen weiteren Widerspruch mehr geben."
 
Kirk atmete tief durch, straffte seine Schultern und blickte T`Pau gerade an. 
 
"Dann also los."
 
*
 
Auf ihren Wink hin erschienen aus dem Gang bisher verborgen gebliebene Vulkanier und nahmen ihn in ihrer Mitte mit sich. Kirk fühlte sich plötzlich schutzlos. Unbewusst fühlte er nach, ob er noch seinen Communicator bei sich hatte. Als er merkte, was er tat, legte er aber schnell seine Hand wieder zurück. 
 
Das ist doch verrückt. Sie werden mir schon nichts tun. Ich muss alles dafür tun, dass Spock wieder zu mir zurückkommt. Aber es blieb ein leiser Zweifel und er wünschte, dass wenigsten Pille bei ihm wäre.
 
In einem kleinen Raum wurde ihm schweigend signalisiert, sich zu entkleiden und eine Robe anzulegen. Ergeben legte er seinen Communicator und auch seine Kleidung ab und legte sich dann ein langes dunkles Kleidungsstück um. Dann folgte er den wartenden Vulkaniern in den nächsten Raum. Sie deuteten auf eine Plattform und Kirk wollte sich gerade darauf legen, als er sah, dass es eine weitere Steinplatte gab, auf der noch eine Person lag.
 
"Spock!", rief Kirk in heller Aufregung und versuchte, in dem nur von Feuerkesseln erhellten Raum die schemenhafte Gestalt genauer zu erkennen.
 
Aber seine Begleiter drückten ihn wieder zurück.
 
Ich habe etwas gesehen, ein Leuchten in seinen Augen. Er weiß, dass ich hier bin, um ihn kämpfe. 
 
Ruhiger geworden ließ sich Kirk willig fallen und wartete auf das, was sie seine Prüfung nannten. Er würde alles durchstehen. Spock war in seiner Nähe.
 
Dann betraten T`Pau und neben sich zwei weitere Vulkanier, in zeremoniellen Roben den Raum.
 
"Bist du - James T. Kirk - bereit, deinen Geist für uns zu öffnen, damit wir wissen, ob du ein geeigneter Bindungspartner für Spock bist?" 
 
Die getragene Stimme der Matriarchin hallte laut durch den Raum.
 
Kirk schluckte und konnte nur nicken.
 
Hände senkten sich in sein Gesicht und er vergaß schlagartig seine Umgebung.
 
-
-
-
 
Hitze! Diese verdammte Hitze! Wie lange waren sie jetzt schon geritten und ihr Ziel war immer noch nicht in Sicht. Der Durst dörrte seine Kehle aus und die Tiere zogen und zerrten an ihrem Geschirr. Wie weit war es noch, bis sie endlich das Schloss von diesem verdammten Lord Sulwarek erreicht hatten. Sulwarek! Bei diesem Namen kribbelten seine Eingeweide. Bei den Göttern, wie er diesen Namen verfluchte. Er hatte es gewagt, seinen Herrn gefangen zu nehmen. In der letzten Schlacht. Ja, es war nicht gut gelaufen.
Sie waren einfach zu stark gewesen. Und zu gut bewaffnet. Das würde ihm nicht noch einmal passieren! Aber jetzt mussten sie erst ihren Herrn befreien. Aus den Händen dieses gemeinen Schlächters. Beim Vulkan, was hatten sie Lord Spock schon angetan? Seinem geliebten Herrn! Wütend und voller Zorn gab er seinem Reittier die Sporen, nicht darauf achtend, dass das geschundene Tier bereits am Rand der Erschöpfung war. Da, endlich war die Burg in Sicht und seine Begleiter schrien begeistert auf. Sie verlangsamten ihren wahnsinnigen Ritt und er holte schwer Atem. "Jetzt müssen wir vorsichtig sein", rief er seinen Gefolgsleute zu. Mit seiner Faust deutete er auf einen kleinen Unterstand in der Nähe der Burg. "Da müsst ihr lagern. Ich werde mich mit Zweien von euch hinein schleichen und die Lage sondieren." Sie murrten, aber wagten nicht dem Ersten unter ihrem Lord zu widersprechen. Als die Dunkelheit sich schlagartig über die Wüste gelegt hatte, bereitete Kirk sich für die Rettungsaktion vor. Zu dritt schlichen sie sich verkleidet in die schwer bewachte Burg. Im Dunkeln drückten sie sich um dunkle Gemäuer und bald hatten sie den Hintereingang von Lord Sulwareks eigentlichem Wohnsitz erreicht. In diesen Kellern musste Spock gefangen sein! Beim Anblick der massiven Steine durchfuhr ihn Panik. Aber ich trotze für meinen Herrn jeder Gefahr! Den ersten Wächter schalteten sie durch ein Ablenkungsmanöver aus und bald stiegen sie tiefer und tiefer hinab. Sie erreichten schließlich die nach Verwesung stinkenden Verließe." Warum ist hier niemand?"', fragte Kirk verzweifelt und sah sich suchend um. Überall nur modrige, leere Zellen. "Sie machen hier kurzen Prozess mit ihren Gefangenen", sagte leise einer seiner Gefolgsleute und Kirk blickte erschrocken auf den Sprecher. "Nicht mit Spock, der ist zu wertvoll für sie", raunte er in die bedrückende Stille. Plötzlich hörte er ein gemeines Lachen hinter sich und er drehte sich rasend schnell nach diesem hässlichen Geräusch um. Aber als er sah, wer hinter ihm stand, blieb sein Schwert erstarrt in seiner Hand. "Du meinst also Spock ist zu wertvoll für mich? Ich wusste, dass du kommen würdest, Kirk, um ihn zu retten. Und jetzt habe ich euch beide! Und du kannst deinem Herrn jetzt beim Sterben zusehen. Danach gehört alles mir!" Wieder lachte Lord Sulwarek gehässig und Kirk ging es durch Mark und Bein. Noch bevor Kirk eine Bewegung machen konnte, töteten mit einer kurzen Handbewegung finstere Krieger seine beiden Begleiter und Verzweiflung schnürte Kirk die Kehle zu. Mit groben
Griffen wurde er in die Haupthalle gebracht. Und dann sah er ihn, seinen Herrn und Geliebten. Sie hatten ihn gefesselt und er sah Blut auf seinem hellen Körper. "Sulwarek, du Ungeheuer!", schrie Kirk verzweifelt auf. Da hob Spock schwer seinen Kopf und ihre Blicke trafen sich. "Es tut mir so leid, dass es uns nicht gelungen ist, dich, unseren Herrn zu befreien", flüsterte Kirk ihm leise zu. Es kostete Spock sichtlich viel Kraft, aber er hielt seinen ersten Krieger mit seinen Augen fest. "Ich danke dir, auch wenn es vergeblich war." Dann fiel sein Kopf wieder schwer auf die Brust. Kirk fühlte den Schmerz wie ein Messer durch seinen Körper fahren. Lord Sulwarek beobachtete höhnisch grinsend das Zusammentreffen. "Wie rührend die beiden doch sind", sagte er in gemeinem Ton zu seinen Gefolgsleute und alle stimmten in sein kaltes Lachen ein. "Wir können noch viel Spaß zusammen haben." Dann schlenderte der Lord wie beiläufig zu dem gefangenen Spock, berührte ihn, immer darauf achtend, dass Kirk alles sah. Er packte die langen, schwarzen Haare von Spock und riss dessen Kopf hoch, zwang dem Gefesselten einen gewalttätigen Kuss auf. Kirk schrie verzweifelt auf, aber Sulwarek spornte das nur weiter an. Langsam ließ Sulwarek seine Hand über den Brustkorb seines Gefangenen gleiten und riss dann mit einem plötzlichen Griff Haare aus dessen Brust. In hilfloser Wut zerrte Kirk an seinen Fesseln und beschimpfte Sulwarek. Doch der lachte nur und ließ seine Hand an dem bewegungslosen Körper Spocks mit groben Bewegungen immer tiefer gleiten. Kirk musste beobachten, wie der dunkle Lord mal grob, mal zärtlich an den Geschlechtsteilen des Gefangenen rieb. "Gefällt dir das?", lachte höhnisch Sulwarek in seine Richtung. Rasend vor Hass rieb sich Kirk seine Arme und Beine an den Fesseln blutig. "Du Untier! Hör sofort auf oder ich werde dich umbringen." "Ach ja, und wie willst du das machen? In deinem Zustand?" Langsam löste sich Lord Sulwarek von Spock und drehte sich zu ihm um. Kirk registrierte das mit heimlicher Freude. "Du bist sein Bettgefährte", stellte Sulwarek fest. "Es stimmt also, was ich gehört habe. Und bist du jetzt eifersüchtig? Du bist natürlich deinem Herren sehr ergeben. Aber würdest du auch für ihn sterben?" Kirk starrte ihn an, rasend vor Wut. "Wenn das meinen Herren rettet, sofort.“ Lord Sulwarek grinste ihn hinterhältig an. "Vielleicht überlege ich es mir und schicke deinen Herrn doch zu seinem Schloss zurück. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Es wäre eine kleine Chance für deinen Herrn. Willst du es darauf ankommen lassen?" Kirk blickte zu Spock und sah ihn aufstöhnend den Kopf schütteln. Sulwarek lachte. "Dein Herr traut mir nicht. Traust du mir und opferst dich? Für eine kleine Chance? Vielleicht gefällt mir dein Opfer ja." Ich habe nichts mehr zu verlieren, dachte Kirk und blickte finster auf den verbrecherischen Lord und dann auf Spock. Er suchte mit seiner ganzen
mentalen Kraft, seinen Herrn zu erreichen. Um sich zu verabschieden. Der geschundene Körper von Spock hing bewegungslos in den Fesseln. Aber plötzlich fühlte Kirk ein Glimmen in seinen Eingeweiden. Es erwärmte ihn von innen heraus, begann, immer intensiver werdend, seinen ganzen Körper zu überfluten. Kirk konzentrierte sich mit jeder Faser auf dieses neue Gefühl. Blitze schienen unkontrolliert durch seinen Körper zu schießen. Traurigkeit überwältigte Kirk und leise flüsterte er Spocks Namen. Dann trafen sich ihre Augen und Kirk betrachtete intensiv das leichenblasse Gesicht seines Geliebten, die schräg geschnittenen, dunklen Augen, wollte das Bild mit in die Ewigkeit nehmen. Ein heller Blitz durchfuhr plötzlich sein ganzes Denken. Vor Schmerz musste Kirk die Augen schließen. Als sich sein Bewusstsein wieder klärte, wurde ihm bewusst, dass er seinen Geliebten immer noch ganz real sah, obwohl seine Augen noch geschlossen waren. Er war in ihm! Wärmte ihn mit seiner ganzen Präsens. Das war sein Geschenk. Nie mehr allein sein. In alle Ewigkeit. Und dieser Anblick von Spock war auch das Letzte, was er noch bewusst wahrnahm, bevor ein dunkler Schatten seinen Geist endgültig verdunkelte ...
 
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Kirk schlug die Augen auf, schweißgebadet und vor Anstrengung am ganzen Körper zitternd. 
 
"Was, Was ... ", stammelte er und sah, dass zwei ernste, vulkanische Gesichter ihn besorgt musterten.
 
"Es ist alles vorbei, Captain Kirk. Es war eine Illusion und sie ist jetzt vorbei."
 
"Was ist mit Spock?", stotterte Kirk, noch kaum fähig zu sprechen.
 
"Es geht ihm gut", antwortete T`Pau, die gleichzeitig jemandem hinter sich ein Zeichen gab.
 
"Wirklich?" Kirk schüttelte sich, aber das Entsetzen über das eben so real Erlebte wollte noch nicht weichen.
 
"Ja, Jim. Es geht mir gut. Es war alles nur eine Projektion, hervorgerufen durch den vulkanischen Priester und T`Pau."
 
Kirk fuhr hoch, als er die vertraute Stimme hörte und strahlte erleichtert über sein ganzes Gesicht. 
 
"Bin ich froh, dass dir wirklich nichts passiert ist." 
 
Noch immer geschwächt, versuchte sich Kirk, aufrecht zu halten. Aber es fehlte ihm noch die Kraft. Sofort eilte Spock an seine Seite und Kirk ließ sich von den starken vulkanischen Armen halten. Erleichtert seufzte er auf. 
 
"Mein Gott, Spock, es war nur ein Traum."
 
"Es war mehr als das", antwortete T`Pau für Spock. "Wir haben deine Willensstärke geprüft, aber auch, ob deine mentalen Fähigkeiten ausreichen, um eine dauerhafte Bindung mit Spock aufrecht erhalten zu können. Ob du ein Band zu bilden vermagst. Das ist nicht allen Menschen gegeben."
 
Fragend suchte Kirk die alten Augen von T`Pau. Diese blickte zu den beistehenden Priestern im Hintergrund und dann nickte die alte Dame ihm bestätigend zu. Kirk fühlte eine Woge der Erleichterung in sich hochsteigen.
 
"Eurer Bindung steht jetzt nichts mehr im Wege. Es ist dir möglich, einen mentalen Kontakt zu Spock zu entwickeln. Dennoch, es wird ein schwerer Weg werden. Für euch beide." Die Vulkanierin blieb ernst.
 
Aber Kirk hörte nur das Gute und war glücklich und plötzlich hatte er das Gefühl, auf eine seltsame Art ganz direkt dasselbe auch von Spock zu spüren. Irritiert blickte er in Spocks dunkle Augen.
 
"Deine Vision hat dir die erste Möglichkeit eröffnet, Botschaften von Spock zu empfangen, James Kirk. Aber Spock wird dich weiter unterweisen müssen. Wir werden jetzt gehen. Wenn Spock wieder das Pon Farr erreicht, werden wir uns wiedersehen."
 
 
Sich verneigend zogen sich alle anwesenden Vulkanier zurück und Kirk blieb nur noch mit Spock in der Halle zurück.
 
"Wir haben es geschafft. Wir beide zusammen." Erschöpft, aber glücklich, schmiegte er sich in die kraftvollen Arme von Spock.
 
Mit seinem Handrücken strich der Vulkanier zart über das schweißnasse Gesicht. "Es war deine Willensstärke. Du hast es wirklich gewollt." Die Stimme klang tief und bewegt.
 
"Ich war so entsetzt über das, was Sulwarek dir antun wollte." Kirk schauderte immer noch bei der Erinnerung.
 
"Sulwarek hast du gesehen?" Spock hob erstaunt seine Augenbraue.
 
"War das nicht beabsichtigt? Ich meine, war das nicht alles von T`Pau gemacht?" Jetzt war auch Kirk irritiert.
 
"Sie werden dir die Vision eines Kriegers eingegeben haben. Du bist ein Mann und ein Krieger nach dem alten Verständnis. Aber der genaue Ablauf deiner Fantasie ist nicht vorgeben. Bist du eifersüchtig auf Sulwarek?"
 
Kirk wurde rot, insbesondere, als er das amüsierte Glitzern in den schwarzen Augen sah. 
 
"Scheint so", murmelte Kirk in sich hinein, etwas unangenehm von dieser Erkenntnis berührt.
 
"Dieses starke Gefühl hat dir den Weg zu einem mentalen Kontakt zu mir gezeigt. Das haben Sie geprüft - ob du potenziell dazu in der Lage bist."
 
Durch diese Erklärung wieder beruhigt, lächelte Kirk seinen Ersten Offizier an. 
 
"Das wird jetzt der erste Tag in unserem neuen Leben sein, Spock. Liebevoll betrachtete er seinen zukünftigen Lebenspartner. 
 
"Sag mal, wann kommst du denn wieder in das Pon Farr?", fragte er noch in Erinnerung an das, was T´Pau ihm gerade gesagt hatte.
 
"Jim, das ist ein ernstes Thema und ich möchte darüber jetzt noch nicht sprechen. Aber wir haben noch genug Zeit, uns darauf vorzubereiten." 
 
Spock zeigte seine Emotionen nicht offen, aber insgeheim war er erleichtert, dass sich Kirk, trotz seiner bisherigen Erfahrungen offensichtlich nicht davor fürchtete.
 
Kirk spürte das und beschloss, es in Zukunft Spock zu überlassen, von diesem Thema wieder anzufangen. Er würde ihm vertrauen. Voller Sehnsucht und noch ganz unter dem Einfluss des eben Erlebten drängte er sich eng an den Körper seines Ersten Offiziers. 
 
"Ich hoffe, wir bleiben jetzt unbeobachtet, oder? Was hast du nur mit mir gemacht? Ich bin dir endgültig verfallen", flüsterte er atemlos.
 
Spock lächelte ihn geheimnisvoll an und spürte die menschlichen Finger an seinen Armen und dann auf seiner Brust entlang wandern. "Es ist das Band. Es beginnt, sich bereits zu formen."
 
"Wirklich? Dann soll es so sein. In alle Ewigkeit", raunte Kirk und fühlte sich fast schwerelos. Liebevoll versuchte er Spock, ganz zu umarmen. 
 
"Jim, nein, nicht, es ist noch zu früh, das Band beginnt sich bereits zu formen, aber du könntest…“, wehrte Spock ab und versuchte, ihn von sich zu schieben.
 
Kirk ignorierte alle Warnungen und legte seine Hände auf Spocks Schläfen, um seinen Kopf zu einen Kuss zu sich zu ziehen. Aber dazu kam es nicht mehr.
 
Mit einem erschrockenen Ausruf verlor Kirk von einem Moment zum anderen das Bewusstsein.
 
*
 
"Jim? Kannst du mich hören?"
 
Wie aus weiter Ferne hörte Kirk eine vertraute Stimme und versuchte wieder klar zu denken. "Ich muss wohl ganz weggetreten sein, oder?" 
 
Der Captain fühlte sich etwas verlegen und schaute verwirrt in das besorgte Gesicht über sich.
 
"Du bist ohnmächtig geworden. Ich habe das leider nicht vorhergesehen. Deshalb habe ich dich sofort auf die Enterprise gebracht."
 
"Und das ist auch gut so! Da gehört ein Sternenflotten-Captain schließlich auch hin."
 
Hinter einem ernst drein blickenden Spock tauchte lächelnd ein weiteres vertrautes Gesicht auf. 
 
"Und du sorgst noch ganz nebenbei dafür, dass mir auch nicht langweilig wird."
 
"Pille! Schön dich zu sehen", Kirk strahlte seinen Schiffsarzt mit einem schiefen Lächeln an.
 
"Tja, mit dir scheint wirklich ansonsten alles in Ordnung zu sein, außer einer leichten Schwäche natürlich. Und da du offensichtlich schon eine Krankenschwester hast, kann ich mich ja jetzt wieder meinen anderen Patienten widmen. Aber morgen will ich dich noch mal zu einer allgemeinen Rundum-Untersuchung sehen. Und ohne Ausreden diesmal!" 
 
McCoy drohte mit seinem Zeigefinger, aber sein Lächeln sah sehr erleichtert aus. 
 
"Und um es nicht zu vergessen: Das Sternenflotten-Hauptkommando hat sich inzwischen gemeldet, soll ich dir ausrichten", fuhr er fort.
 
"Es geht wohl um Camus II. Es ist alles schon auf deinem Terminal. Und falls ich es noch nicht gesagt habe, für mindestens 24 Stunden keine körperlich anstrengenden Aktivitäten. Ärztliche Anordnung!"
 
Mit anzüglichem Grinsen verließ McCoy die beiden und Kirk blickte irritiert auf Spock.
 
"Ich habe ihm nur das Allernötigste gesagt", beteuerte Spock und fühlte sich sichtlich unbehaglich.
 
"Das hat dem alten Landarzt wohl schon gereicht", lachte Kirk und seufzte glücklich. 
 
"Jim, es tut mir leid, Aber ich habe gefühlt, dass mit dir ansonsten alles in Ordnung ist. Trotzdem hätte das eigentlich nicht passieren dürfen.“ 
 
„War ich selber schuld daran? Ich kann mich überhaupt nicht mehr erinnern, warum ich so plötzlich umgekippt bin. Was war da los?“
 
„Jim, nein, nein, du hast keine Schuld daran. Ich hätte besser auf dich aufpassen müssen.“ Spock schien sich selbst heftige Vorwürfe zu mache. 
 
Kirk musterte ihn sorgenvoll.
 
"Ach Spock, vergiss das Ganze. Du hast sicher alles getan, um mich von einer Dummheit abzuhalten. Wie immer. Ich bin nur froh, wieder auf dem Schiff zu sein. Und das Schönste ist, dass du bei mir bist. Und dass es immer so bleiben wird. Aber an seltsame Zustände sollte ich mich wohl in Zukunft besser gewöhnen, wenn ich mit dir zusammen bin." 
 
Charmant lächelnd, breitete Kirk seine Arme einladend aus.
 
 
 
Teil 4
Träume
 
 
Die Messe an Bord der Enterprise war ein Ort, an dem sich üblicherweise die Crew zum gemeinsamen Essen traf. Aber die Mannschaft nutzte auch gern die Gelegenheit, sich dort vom anstrengenden Dienst oder nach gefährlichen Missionen zu entspannen. Die neuesten Informationen wurden ausgetauscht oder einfach nur versucht, die Langeweile zwischen den Einsätzen zu bekämpfen. 
 
Auf vielen Schiffen der Sternenflotte gab es für die Führung eine separate Offiziersmesse. Aber nicht auf der Enterprise. Hier achtete der Captain immer darauf, den Kontakt zu seiner Crew zu halten. Das hatte für ihn den Vorteil, immer ein Gefühl dafür zu haben, wie es um die Mannschaft stand. 
 
Aber James T. Kirk verkörperte sowieso nicht den Typ, der sich bevorzugt mit Akten in seinen Raum zurückzog. Er war der Meinung, dass die Bürokraten der Sternenflotte, von denen keiner nie länger als ein paar Wochen in einem Raumschiff gewesen war, sowieso keine Ahnung hatten, was es hieß, jahrelang auf engstem Raum und oft unter Lebensgefahr gemeinsam Dienst zu tun. 
 
Dem Captain war bewusst, dass er für seinen Führungsstil in bestimmten Kreisen scharf kritisiert wurde. Aber ihm war die Loyalität seiner Crew wichtiger als die Beurteilung durch die weit entfernten Schreibtisch-Strategen. Sein Erfolg hatte ihm bisher ja auch immer recht gegeben.
 
Früher oder später wurde jeder auf einer so langen Mission mit seinen ganz persönlichen Schwächen und Stärken konfrontiert und auch mit seinen geheimsten Bedürfnissen. Auf diese Herausforderung konnte die beste Ausbildung die Rekruten nicht vorbereiten. 
 
Und auch ein Captain war nicht davor geschützt, irgendwann sich selbst in einem neuen Licht sehen zu müssen.
 
Kirk lag entspannt auf seinem Bett und hatte seine Arme hinter seinem Kopf verschränkt. Unbewusst seufzte er leise, aber auf seinem Gesicht war ein Lächeln, das sich scheinbar nicht mehr entfernen ließ. 
 
Fast fünf lange Jahre war die Crew der Enterprise jetzt gemeinsam unterwegs gewesen. Und beinahe genauso lange hatte es gedauert, bis er Wahrheiten über sich gewonnen hatte, die er früher nie für möglich gehalten hatte. 
 
Es hatte schon immer Geschichten gegeben von Beziehungen zwischen männlichen Crewmitgliedern auf Raumschiffen, die weit über das Berufliche hinausgingen. Kirk hatte daran allerdings nie einen Gedanken verschwendet.
Warum sollte er auch? 
 
Kirk lächelte schief bei dem Gedanken, dass er schließlich selbst oft genug mit seinen Frauengeschichten im Mittelpunkt von Klatsch und Tratsch gewesen war. Das ließ sich ab einer gewissen Berühmtheit leider einfach nicht vermeiden. 
 
Aber wenn erst einmal bekannt würde, dass er eine ernsthafte Beziehung mit seinem Ersten Offizier, der dazu auch noch Vulkanier ist, angefangen hatte ... 
 
Bei diesem Gedanken lächelte er breit in sich hinein, denn er versuchte sich die verblüfften Gesichter bei dieser Nachricht vorzustellen.
 
Aber ein bekanntes Knurren aus seinem leeren Magen weckte ihn wieder aus seinen Fantasien, und er wollte sich gerade aus seinem Bett schwingen, als schon die Türglocke summte. Seine Verabredung für das Abendessen war eingetroffen.
 
"Kommt rein, ich habe schon einen Bärenhunger", rief Kirk zur Tür.
 
"Den hast du doch immer, Jim." Lachend trat McCoy in den Raum. 
 
"Meine Güte, was für ein Chaos. Wie kannst du es hier nur aushalten?", fügte er noch hinzu und ließ seinen Blick über eine beeindruckende Sammlung von Daten-Pads, Geschirr und Wäsche wandern.
 
Kirk lachte: "Na, Pille, bei dir sieht es aber auch nicht besser aus. Es wird wohl Zeit, dass wir wieder in die Zivilisation heimkehren." 
 
Kirk hatte diese Worte zwar an McCoy gerichtet, aber seine Blicke klebten auf der Gestalt, die hinter dem Schiffsarzt in den Raum trat. Seine Augen wanderten begierig über den sehnigen Männerkörper, der unter der dünnen Uniform kaum Geheimnisse verbarg. Dann trafen sich ihre Augen und Kirk fühlte sich entlarvt, denn Spock hatte seinen vereinnahmenden Blick bemerkt.
 
Das ernste Gesicht des Vulkaniers blieb aber unbewegt, nur eine Augenbraue hatte sich bei dem letzten Satz leicht gehoben. 
 
"Jim?", wandte er sich fragend an den Captain und schien, noch etwas hinzufügen zu wollen, aber McCoy unterbrach ihn abrupt. "Jetzt lasst uns endlich losgehen, sonst fällt mir der Captain vor Hunger noch vom Stuhl." 
 
Als einziger über seinen Witz lachend, bugsierte er alle hinaus, und sie machten sich auf den Weg zur Messe.
 
Kirk ging lächelnd in der Mitte, wie meistens, und er empfand es insgeheim als beglückend, mit seinem besten Freund und auch noch seinem heimlichen Geliebten neben sich in Eintracht, gemeinsam zum Essen zu gehen. Später würde er sich wieder mit Spock treffen und darauf freute er sich jetzt schon. 
 
So müsste es immer bleiben, dachte er still bei sich. Solange diese beiden bei ihm waren, wäre er unbesiegbar.
 
Plötzlich hörten sie auf dem Gang sehr lautes Gelächter, das aus der Messe zu kommen schien. 
 
"Da scheint es ja heute besonders hoch herzugehen", äußerte Kirk sich verwundert.
 
"Na ja, die Crew will sich sicher noch von dem Chaos erholen, das die Lester hier verursacht hat", vermutete McCoy.
 
"Na, dazu hätte ich aber mehr Grund", brummte der Captain. "Wenn Spock nicht gewesen wäre, hätte das noch böse ins Auge gehen können."
 
"Stimmt", nickte der Arzt und beide blickten dankbar zu Spock.
 
Der hielt den Blicken gelassen stand. "Es war meine Pflicht."
 
Kirk lächelte breit und fügte leise hinzu: "Und ein bisschen mehr."
 
Spock hatte den Captain gehört und seine Augen schienen zu leuchten.
 
In diesem Moment hörten alle drei wieder ein besonders lautes Lachen und sie strebten, neugierig geworden zu der Ursache dieser ausgelassenen Geräusche.
 
*
 
"Sulu, hör' sofort auf! Ich habe schon Bauchschmerzen vom Lachen." 
 
Chekov konnte nur noch hilflos nach Luft japsen und hielt sich nur mit Mühe auf seinem Stuhl.
 
Scotty stand grinsend hinter ihm und hatte auch schon ein ganz rotes Gesicht. Begeistert klatschte er in seine kräftigen Hände, schnappte sich dann schwankend sein Glas und schrie aufgeregt: "An dir ist ein Naturtalent verloren gegangen, Sulu. Du solltest die Branche wechseln.“
 
 
Der angesprochene Navigator stolzierte, animiert durch die Begeisterung seiner Zuschauer und etliche Gläsern Brandy immer über die Tischplatte und gab laute Kommandos an die realen und an imaginäre Anwesende. 
 
"Chekov, sofort Kurs anlegen, aber zackig! Und lieg` nicht auf der Konsole, als wolltest du gleich in die Tasten beißen."
 
"Aye, Captain. In Zukunft lasse ich die Tasten ... leben." 
 
Chekov wurde gerade noch von Scotty davon abgehalten, allzu unsanft auf den Boden zu plumpsen und saß am Schluss, salutierend mit einem Glas, auf seinem Hosenboden.
 
Sulu grüßte gönnerhaft in seine Richtung und wandte sich dann breit grinsend an Uhura. 
 
"Also, ab heute bitte etwas mehr Aufmerksamkeit, wenn ich die Brücke betrete. Das gehört sich schließlich so. Am besten fängst du sofort damit an." 
 
Sulu versuchte, seine Haltung zu bewahren, und sich gleichzeitig zu Uhura hinab zu beugen, um sie zu küssen.
 
"Das ist nicht dein Ernst, Sulu." 
 
Uhura hatte auch schon Mühe, sich auf den Beinen zu halten und lachte laut auf. 
 
"Du siehst einfach zu lächerlich in diesem Kleid aus." 
 
In letzter Sekunde konnte sie Sulu noch auffangen, der durch sein Manöver in eine gefährliche Schieflage geraten war und sich dann in dem langen Stoff um seine Beine verfangen hatte.
 
Trotzdem versuchte Sulu immer noch, sie zu küssen.
 
Aber sie wandte ihr Gesicht deutlich angewidert ab und beide rutschten lachend, sich aneinander festhaltend, auf den nächsten Stuhl.
 
"Hau ab, Sulu. Jetzt reicht`s aber. Du bist einfach schrecklich. Verzweifelt ruderte Uhura mit den Armen und versuchte sich von ihm zu befreien.
 
Scotty war schon auf dem Weg, ihr zu Hilfe zu kommen.
 
"Das schaffe ich schon allein, Scotty", rief sie und Sulu kämpfte sich auch schon wieder hoch, visierte aber jetzt diabolisch den Schiffsingenieur an.
 
"Also Scotty, wenn ich es mir recht überlege, brauche ich eigentlich mal wieder einen richtigen Kerl." 
 
Sulu zog sein Kleid an bestimmten Stellen zurecht und bewegte sich mit wiegenden Schritten in Richtung des erstarrten Ingenieurs.
 
"Also, jetzt ist es wirklich nicht mehr lustig, Sulu. Bleib mir bloß vom Leib." 
 
Scotty ging erschrocken ein paar Schritte zurück und hielt seine Hände hoch, als wäre der Teufel hinter ihm her.
 
"Hey Scotty, hast du etwa ein Problem mit Männern?" 
 
Sulu bekam erneut einen derartigen Lachkrampf, dass er nicht mehr weiter konnte und sich einfach auf den Boden plumpsen ließ.
 
"Also Jungs, jetzt ist aber Schluss mit dem Theater. Schließlich kann der Captain nichts dafür, dass die Lester ... Oh Gott ... Es tut mir leid ...
 
Uhura stand plötzlich mit schreckgeweiteten Augen erstarrt da und konnte den Satz nicht mehr beenden.
 
"Sie haben recht, Uhura. Hier ist wohl etwas aus dem Ruder gelaufen." 
 
McCoy trat durch die Tür, den Captain mit irritierten und Spock mit versteinerten Gesicht im Schlepptau.
 
"Wie lange sind Sie schon hier?", fragte Scotty unsicher und versuchte, sich in sichere Entfernung zu bringen.
 
Sulu raffte sein Kleid und versuchte mit hochrotem Kopf, sich zu erheben und auch Chekov schien langsam die veränderte Stimmung im Raum wahrzunehmen.
 
"Was ist denn los, Sulu? Warum machst du nicht weiter? Oh, Captain! Sie sind das?"
 
"Ihr begebt euch jetzt geschlossen in die Krankenstation und lasst euch medizinisch versorgen", ordnete McCoy mit lauter Stimme an.
 
"Wir sind doch gar nicht krank, oder Doktor?" 
 
Chekov war noch etwas desorientiert.
 
"Schwester Chapel wird sich schon etwas Nettes einfallen lassen, um euch wieder fit zu bekommen." 
 
Auch wenn die Stimme des Schiffsarztes ernst klang, waren doch kleine Lachfältchen an seinen Augen zu erkennen. 
 
"Uhura, Sie sorgen mir dafür, dass alle heil auf der Krankenstation ankommen."
 
"Natürlich, Doktor McCoy. Sofort.“
 
 
Etwas betreten verließen die Vier den Raum und Kirk, McCoy und Spock gingen ihrerseits zum Nahrungsreplikator.
 
"Haben die wirklich mich gemeint?" Kopfschüttelnd holte Kirk sich seinen Teller aus dem Fach und blickte nachdenklich auf Fleisch und Gemüse.
 
"Lass dir deswegen keine grauen Haare wachsen. Wir sind schon verdammt lange im Raum und der Rollentausch mit der Lester war wohl für die Crew etwas schwer zu verkraften. Die haben einfach Dampf abgelassen. Immerhin haben sie dich noch nicht oft in Frauenkleider gesehen, oder?" 
 
McCoy lachte leise, war sich aber nicht sicher, ob er den richtigen Ton gefunden hatte. Ich muss ihn unbedingt dazu bringen, darüber mit mir zu reden. Wer weiß, wie er selbst das verkraftet hat. Andererseits geht er mir auffällig oft aus dem Weg. Er ist mit seinen Gedanken dauernd bei unserem Vulkanier und denkt wahrscheinlich noch, dass ich das nicht merke. 
 
Und wenn das alles so stimmt, was ich vermute, steckt der Captain vermutlich in größeren Schwierigkeiten, als ihm klar ist. Wie sind so langsam aber sicher in Richtung Heimat unterwegs und keiner weiß, was uns da erwartet. Und wie geht es überhaupt unserem Vulkanier bei dieser neuen Entwicklung? Er sieht so unbeteiligt aus, aber ich weiß es besser. Will doch mal sehen, ob ich ihnen nicht doch noch auf den Zahn fühlen kann.
 
Über McCoys Gesicht huschte kurz ein verräterisches Zucken und als sich alle mit ihren Tellern an den Tisch gesetzt hatten, wandte er sich an Spock. 
 
"Was haben Sie eigentlich dabei empfunden, Jim in einem Frauenkörper zu sehen? Wenn Vulkanier da überhaupt etwas empfinden können." 
 
Neugierig lehnte der Schiffsarzt sich zurück und wartete auf eine Reaktion. 
 
Eine Sekunde waren Spock, aber auch Kirk sprachlos.
 
Aber Kirk fand als erster seine Sprache wieder und blaffte McCoy mit blitzenden Augen wütend an. 
 
"Jetzt fängst du auch noch damit an. Erst macht die Crew sich lustig über mich und jetzt redest du genauso! Lass du dich mal in eine fremde Hülle stecken und du kannst nichts dagegen tun! Es war die Hölle und wenn Spock nicht gewesen wäre, ich wäre krepiert, verdammt noch mal!" 
 
Aufgebracht holte Kirk wieder Luft und wollte sich gerade an seinen Armen am Tisch hochstemmen, als er plötzlich eine leichte Berührung auf seiner Hand spürte. Sofort hielt er inne und blickte überrascht in die ernsten Augen von seinem Ersten Offizier.
 
"Ich glaube, er will uns auf seine Art etwas sagen. Ist das richtig, Doktor?", wandte sich Spock schließlich an McCoy, nachdem er einen langen, beruhigenden Blick mit Kirk getauscht hatte.
 
"In gewisser Weise stimmt das. Ich habe festgestellt, dass viele Crewmitglieder sich schon mit dem Gedanken vertraut machen, dass sie bald wieder auf der Erde sind. Und das ist nicht immer unproblematisch. Aber eigentlich wollte ich auch etwas von euch hören. Zum Beispiel, wie es denn jetzt wirklich um euch steht und wie ihr euch eure Zukunft vorstellt. Dass heißt natürlich nur, wenn ihr mich ins Vertrauen ziehen wollt. Ich bin zwar der Schiffsarzt und sollte daher über alles Bescheid wissen. Aber ich bin auch ein Freund und vielleicht braucht ihr auch mal meine Hilfe und ...“
 
McCoy war selbst überrascht, dass ihm plötzlich die Worte fehlten und er breitete hilflos seine Arme aus.
 
"Pille, mein Freund! Du hast natürlich recht. Wir hätten schon längst mit dir sprechen müssen. Aber ich wusste nicht, wie ich es dir sagen sollte, wie ich dir das alles erklären sollte", lenkte Kirk sofort ein und hatte einen warmen Ton in seiner Stimme. 
 
Sein erster Ärger war bereits verschwunden. "Es tut mir leid, aber ich weiß ja selbst noch nicht, wie es weitergehen soll mit Spock und mir." 
 
Kirks hellbraune Augen hatten sich dabei fragend an Spock gewandt und der Vulkanier hatte stumm ein Einverständnis für das Eingeständnis gegeben. 
 
"Aber eins ist klar. Wir wollen zusammenbleiben."
 
"Es ist also doch wahr. Also, das wird natürlich bei der Sternenflotte einschlagen, wie eine Bombe. Das ist euch doch hoffentlich klar, oder? Das berühmte Enterprise-Team ... ein Liebespaar." 
 
McCoy schüttelte ungläubig den Kopf.
 
"Also, soweit wollten wir eigentlich noch nicht gehen. Ich habe gedacht, dass wir nach unserer Rückkehr eine neue Fünf-Jahres-Mission bekommen und dann gemeinsam wieder das machen, was wir am Besten können", erklärte Kirk.
 
"Das ist vielleicht das, was wir uns alle wünschen. Obwohl ich mir für meinen Teil auch gut vorstellen kann, wieder auf der Erde eine ganz normale Praxis zu führen. Und es zur Abwechslung mal mit ganz normalen Fällen zu tun zu haben. Keine durchgeknallten Roboter zum Beispiel oder Aliens, bei denen man nicht weiß, wo vorne oder hinten ist. Das ist jetzt nicht gegen Sie gerichtet, Spock."
 
Kirk lachte kurz auf, überließ es aber Spock, zu antworten.
 
"Natürlich Doktor, ich bin aber sicher, dass Sie nie die anatomische Orientierung verloren haben", entgegnete Spock trocken.
 
"Ja ... gut, gut. Aber was macht dir solche Sorgen, Pille?", hakte Kirk ungeduldig nach. 
 
"Ich dachte eigentlich nicht daran, es an die große Glocke zu hängen. Es sollte ganz unter uns bleiben, oder? Also, zumindest bis wir uns wirklich darüber im Klaren sind, wie es weiter geht."
 
Der Arzt stocherte daraufhin erst nachdenklich in seinem Teller mit scharfen Bohnen herum und beobachtete dann den Ersten Offizier, der gerade seinen Salat systematisch zerkleinerte. 
 
"Also, ihr habt mich zwar nicht gefragt, aber es ist wohl klar, dass ich auf eurer Seite stehe. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das auch für die Sternenflotte gilt. Ihr könnt es unter der Decke halten, sozusagen. Aber was ist, wenn es keine neue Mission gibt, oder ihr getrennt werdet? Was wird dann passieren? Also, ich fürchte, dass verdammt viele Probleme auf euch zukommen. Es wäre natürlich schön, wenn es anders kommt und ich mir ganz unnötig Sorgen mache", antwortete McCoy bedächtig.
 
"Nun mal` nicht gleich den Teufel an die Wand. Du siehst immer gleich schwarz. Die Vulkanier sind einverstanden. Und was soll die Sternenflotte dagegen haben? Es ist ja schließlich nicht verboten, was wir tun." 
 
Kirk lächelte Pille beruhigend an und legte seine Hand auf den Unterarm des Arztes.
 
"Ich bin schließlich dafür da, dich auf Probleme hinzuweisen. Auch wenn sie so privater Natur sind. Wenn es so etwas auf diesem Schiff überhaupt gibt. Ich glaube auch nicht, dass ihr Schwierigkeiten habt, weil ihr beide Männer seid. Obwohl das einer Menge Damen sicher ziemlich nahe gehen wird.“
 
McCoy lachte, und es wurde klar, dass seine eher flapsig gemeinte Bemerkung in beide Richtungen zielte.
 
Spock zeigte sich aber nicht angesprochen.
 
Nur Kirk ließ ein leises: na na, nun übertreib mal nicht, hören.
 
"Also, so wie ich das sehe, gibt es verdammt viele Leute, die bei der Sternenflotte ihr eigenes Süppchen kochen. Und denen so bekannten Weltraumhelden, wie ihr es seid, eher ein Dorn im Auge sind. Und wenn es doch noch Probleme auf Vulkan gibt? T`Pau ist nicht übermächtig."
 
"Jetzt hast du mir aber endgültig die Laune verdorben, Pille. Was sollen wir denn machen, verdammt noch mal. Wir gehören zusammen. Und das wird uns keiner wegnehmen. Jahrelang habe ich für die Sternenflotte den Arsch hingehalten, und jetzt sollen die verdammt noch mal auch was für mich tun." 
 
Kirk fehlten die Worte und er versuchte mühsam seinen aufsteigenden Ärger wieder unter Kontrolle zu bekommen.
 
"Jim." Der bisher schweigsame Spock versuchte, zu seinem emotional aufgewühlten Captain durchzudringen. 
 
"Jim, beruhige dich. Wir wissen in der Tat nicht, wie es weitergeht. Vielleicht hat der Doktor auf einige wichtige Aspekte hingewiesen und wir sollten seine Worte ernst nehmen.“
 
 
"Da haben Sie ausnahmsweise mal recht, Spock. Und es liegt auch in eurer Hand. Ich bin nicht euer Feind. Im Gegenteil. Keiner wünscht sich so wie ich, dass ihr euer Glück findet. Und vielleicht werden wir drei auch in Zukunft noch viele gemeinsame Abenteuer erleben. Obwohl ich wirklich nicht weiß, ob ich nicht langsam zu alt werde für diesen Unsinn."
 
"Jetzt hör` auf, immer mit deinem Alter zu kokettieren, Pille. Alt werden wir schon von ganz allein. Aber bis dahin lasst uns das Leben nehmen, wie es kommt."
 
"Ist das jetzt eine Kirk-Weisheit?" McCoy lachte laut auf.
 
"Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen", verkündete Spock plötzlich feierlich.
 
"Wow, woher ist das?", fragte Kirk nach einer erstaunten Pause.
 
"Ich weiß es nicht", antwortete der Vulkanier gelassen.
 
Kirk und McCoy tauschten einen ungläubigen Blick und dann platzte der Arzt unter Gelächter heraus: "Er weiß es nicht. Ich fasse es nicht. Das wandelnde Lexikon weiß es nicht. Es geschehen noch Zeichen und Wunder."
 
Kirk schaute erst auf den lachenden Arzt, dann auf seinen Geliebten mit dem unbewegten Gesicht. Und er spürte, wie sich in seinem Bauch langsam die Anspannung löste und auch er lächeln musste. Und dann konnte er sehen, dass auch Spock die gelöste Stimmung teilte und ihm diskret zublinzelte.
 
*
 
"Captain, es ist gerade eine Transmission von der Sternenflotte eingetroffen. Soll ich sie auf Ihr Quartier legen?" Fragend drehte sich Uhura mithilfe ihrer schönen, schlanken Beine in Richtung Zentrum der Brücke.
 
"Nein, nein, schon gut. Legen Sie es auf den Hauptbildschirm."
 
Alle Anwesenden blickten neugierig von ihren Konsolen hoch und beobachteten wie das Bild vom Weltraum verschwand und durch das Logo vom Hauptquartier ersetzt wurde. Gleich danach erschien das Gesicht von einem älteren, asiatisch aussehenden Herrn in Admiralsuniform.
 
“An das interstellare Raumschiff Enterprise. Hier spricht Admiral Nogura. Wir haben ihren Bericht über die Ereignisse auf Camus II erhalten. Die weitere Auswertung wird hier auf der Erde stattfinden. Bis dahin bleibt Dr. Lester in Ihrem Gewahrsam. Ihre Fünf-Jahres-Mission ist hiermit offiziell beendet und das Hauptquartier erwartet Ihre direkte Rückkehr zur Erde. Veranlassen Sie alles Notwendige. Und Captain Kirk, wir sind alle schon sehr gespannt auf Ihre persönlichen Berichte. Natürlich wird für Sie und Ihre Crew ein Ihrer Leistung entsprechender Empfang vorbereitet. Nachricht Ende."
 
Bei den letzten Worten war ein verstecktes Lächeln in dem ansonsten unbewegten Gesicht zu erkennen gewesen. Dann war auf dem Bildschirm wieder der Sternenhimmel zu sehen, aber es blieb ungewöhnlich still auf der Brücke.
 
"Das war es dann wohl", brach Kirk das Schweigen mit schwerer Stimme und alle drehten sich zu ihm um.
 
McCoy trat zu ihm und legte seine Hand auf seine breite Schulter. "Na, da bin ich aber gespannt, was für einen Empfang die Lametta-Träger für uns planen. Ich für meinen Teil würde lieber gleich diskret verschwinden. Ich kenne da ein nettes Lokal gleich bei der Golden Gate Brücke. Bin gespannt, ob die mich noch wiedererkennen." 
 
McCoy spürte die Anspannung, die alle erfasst hatte und versuchte, Kirk zu signalisieren, dass er jetzt etwas Aufmunterndes zu der Mannschaft sagen musste. Aber er sah auch die versteckte Traurigkeit in Kirks Augen.
 
Spock hatte sich auch in den Raum gedreht und besorgt seinen Captain beobachtet. Laut sagte er zu McCoy: "Ich habe keine Zweifel, dass man Sie in jeder Bar wiedererkennen wird, Doktor McCoy."
 
Alle lachten und McCoy brummte nur, aber er hatte sein Ziel erreicht.
 
Überall an den Konsolen begann die Crew sich über ihre Zukunftspläne und Wünsche zu unterhalten. 
 
"Du solltest es der ganzen Mannschaft sagen. Sie müssen es wissen", flüsterte McCoy seinem erstarrten Captain leise zu.
 
Kirk hatte die Worte gehört, aber seine Blicke waren auf seinen Ersten Offizier gerichtet. Als würde dieser stille Austausch ihm die nötige Kraft geben, straffte er sich und schlug ein bisschen zu heftig auf die Tasten an seinem Stuhl.
 
"An die Schiffsbesatzung. Hier spricht der Captain. Wir haben soeben die Nachricht erhalten, dass unsere Mission auch von offizieller Seite her beendet ist. Wir werden also sofort den Rückweg antreten und die Allermeisten werden sich freuen, wenn wir wieder heimatlichen Boden betreten. Hiermit möchte ich mich schon jetzt bei allen Crewmitgliedern für ihren Einsatz und ihre Loyalität bedanken, die Sie der Mission, dem Schiff und auch mir gezeigt haben. Kirk - Ende."
 
Mit einem leisen Seufzer ließ der Captain sich wieder in seinen Sessel zurückfallen. 
 
"Sulu, Sie werden ja den Weg noch kennen. Nüchtern sind Sie hoffentlich auch wieder. Also legen Sie den direkten Kurs für den endgültig letzten Teil unserer Reise an."
 
"Aye Sir." Mit einem verlegenen Blick zu Chekov, der ein Grinsen nicht verbergen konnte, beugte Sulu sich über seine Armaturen.
 
"Na, dann fange ich schon mal an, meine Geräte zu zählen. Man weiß ja nie, was den Bürokraten auf der Erde noch alles einfällt." McCoy ging zum Turbolift. Auf dem Weg hörte er noch ein leises "Danke" vom Captain.
 
Auch Spock wandte sich widerstrebend wieder seiner Station zu. Es waren jetzt in den nächsten Wochen nur noch Routinearbeiten zu erwarten. Nur unterbrochen von leisen Gesprächen schienen die Stunden bis zum Schichtende sich unendlich hinzudehnen.
 
*
 
"Ich habe auf dich gewartet", kam die Stimme aus dem hinteren Teil von Kirks Quartier.
 
"Ich weiß, Jim. Ich habe es gespürt." Vorsichtig setzte sich der Vulkanier neben ihn auf das Bett. Kirk hatte wieder schlecht geschlafen und sich die halbe Nacht nur unruhig hin-und her gewälzt. Das ging schon während der ganzen letzten Wochen so und Spock begann sich ernste Sorgen, um ihn zu machen.
 
Endlich brach Kirk das traurige Schweigen und legte seine Hand leicht auf Spocks Oberschenkel. "Wie soll es danach weitergehen Spock? Bald sind wir wieder auf der Erde und ich denke dauernd über unsere Zukunft nach. Natürlich werde ich versuchen, sofort ein neues Kommando zu bekommen. Mit dir zusammen. Was sollen wir denn sonst auch machen? Es ist doch das, was wir am besten können." Gedankenverloren malte er imaginäre Kreise auf den schwarzen Uniformstoff neben sich. Auch sein Leben schien sich zur Zeit im Kreis zu drehen, dachte er mit plötzlicher Erkenntnis.
 
"Jim." Spock umfasste das Gesicht des Menschen, drehte es ganz zu sich hin und blickte ernst in die hellbraunen Augen. "Jim, wir werden warten müssen, bis sie uns ihre Pläne mitteilen. Aber was ist mit uns beiden? Sollen wir- wenn die Zeit gekommen ist - uns endgültig verbinden? Ist es wirklich das, was du willst?"
 
"Ich will mit dir zusammenleben, den Rest meines Lebens. Das ist doch klar. Und ich will wieder das Kommando über eine neue Mission haben, am liebsten mit der Enterprise." 
 
Kirks Stimme wurde hart. "Und ich werde darum kämpfen, dass sich beides erfüllt! Aber dieses Warten auf die endgültige Entscheidung macht mich verrückt. Normalerweise erfährt man doch schon vorher so ungefähr, woher der Wind weht. Ich war mir so sicher gewesen. Aber alle, bei denen ich schon mal angeklopft habe, halten sich seltsam bedeckt. Ich habe inzwischen ein verdammt ungutes Gefühl. Pille hatte vielleicht doch nicht so unrecht mit seinen Befürchtungen."
 
Zwei Finger von Spocks Hand strichen sanft über die helle Wange und das kräftige Kinn. 
 
"Ich weiß nicht was wird, aber ich werde immer mit dir zusammen sein, wenn uns erst ein vollständiges Band verbindet. Das ist das, was ich dir anbieten kann."
 
"Oh Spock. Fast verdammte fünf Jahre habe ich gebraucht, um meine wahren Gefühle für dich zu erkennen. Und jetzt haben wir kaum noch Zeit für uns. Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorne anfangen - Aber du wirst sehen, alles wird gut." Kirk versuchte, überzeugt zu klingen, aber es gelang ihm nicht gut.
 
Schmale Finger strichen zart über sein helles Haar. Spock wurde klar, dass er im Moment einfach nicht zu Jim vordringen konnte. Zu sehr war er mit seinen beruflichen Ängsten und Wünschen beschäftigt. Aber er kannte Jim gut genug, um zu wissen, dass dies auch den wesentlichen Teil seiner Persönlichkeit ausmachte. 
 
Nicht umsonst war er der jüngste Captain der Sternenflotte geworden. Erst wenn Jim wieder das Gefühl hatte, selbst über sein Schicksal bestimmen zu können, würde er sich auch wieder ganz für ihn öffnen können.
 
Diese Charaktereigenschaft war ihm als Vulkanier fremd. Er selbst war bereit, sich den Launen des Schicksals, zu unterwerfen. Aber Jim konnte das nicht. Und auch das war etwas, das ihn für Spock so anziehend machte.
 
Vielleicht gab es aber noch eine andere Möglichkeit, sich verständlich zu machen. "Jim. Lass uns eine Reise machen ...", schlug er vor.
 
Kirk blickte ihn fragend an. Nur Spock konnte ihn, immer wieder, so schnell aus seinen Sorgen holen. 
 
"An was hast du denn gedacht? Ich möchte dir so nah wie möglich sein, aber ich würde die Enterprise jetzt um keinen Preis verlassen wollen. Wohin auch immer.“
 
„Jim, ich möchte dich erneut auf eine mentale Reise mitnehmen. So, wie wir es bereits versucht haben.“
 
„Bist du sicher? Du weiß, ich bin beim letzten Mal ohnmächtig geworden. Vielleicht bin ich doch nicht geeignet für so etwas.“
 
Kirk konnte sich zwar nicht an den Auslöser seiner damaligen Ohnmacht erinnern, hatte aber auch keine unguten Erinnerungen an das Erlebnis behalten. Allerdings wollte Spock ihm auch nie seine bohrenden Fragen dazu beantworten. Am Ende beschloss er, die Sache einfach auf sich beruhen zu lassen. Verbuchte es als sein persönliches Missgeschick.
 
Vulkanische Augen brannten sich in das menschliche Gesicht, registrierten jede Nuance. 
 
"Aber diesmal werde ich dich leiten. Sei unbesorgt, es wird dir dieses Mal nichts passieren. Aber du musst es wirklich wollen.“
 
Kirk nickte ernst. "Du weißt, ich vertraue dir, ohne zu zögern, mein Leben an."
 
„Ich weiß.“
 
Spock ließ seine Hände auf eine besitzergreifende Art über die Seiten von Kirks Gesicht gleiten. Dabei flüsterte er alte vulkanische Worte. 
 
„Dann bist du bereit, Jim?“
 
Kirk nickte und ließ sich vertrauensvoll fallen.
 
Gemeinsam ließen sie sich zurück auf das Bett sinken.
 
 
Tiefdunkles Blau. Überall. Und Sterne. Viele Sterne. Wie ein mit vielen glitzernden Diamanten besetzter Samt. In der Ferne waberten rote, orangefarbene und leicht grünliche Schleier, die sich über den Diamantteppich legten. Licht-Erscheinungen, die kurz aufleuchteten wie Blitze. Plötzliche Farberuptionen verbreiteten sich kreisförmig, schillerten in allen Farben, um wieder zu verblassen. Und alles war in beständiger Bewegung.
 
Wie wunderschön ist das alles. Das ist unglaublich.
 
Kirk versuchte, sich zu bewegen, alles mit seinen Sinnen aufzunehmen.
 
Mein Gott, ich schwebe im Weltraum. Wie ist das nur möglich. Spock? Bist du auch hier?
 
Er breitete seine Arme aus und ließ sich begeistert in diese Vision fallen.
 
Natürlich Jim.
 
Und du bist an meiner Seite. So wie ich es mir gewünscht habe. Das ist so unglaublich. Ich wünschte, wir könnten hier für immer bleiben.
 
Kirk ruderte mit seinen Armen und hatte das Gefühl sich wirklich im Raum zu bewegen. Dann sah er einen leichten Lichtschleier. Er drehte sich zu diesem Phänomen um. Es war Spock, aber er sah so ganz anders aus, als er ihn von der Enterprise her kannte. Umgeben von einer leicht bläulichen Aura sah er einen hochgewachsenen, fremd und wild aussehenden Krieger in einem langen dunklen Umhang. Die Umrisse waren verschwommen, aber es war eindeutig Spock. Aber sein Körper war größer und er sah unter dem wehenden Mantel sehr kräftig aus. Die Brustmuskulatur war deutlich, zu erkennen und seine Männlichkeit trat deutlich hervor. Das Gesicht wurde umweht von langen dunklen Haarsträhnen, die seine langen spitzen Ohren immer wieder besonders hervortreten ließen. Der Vulkanier wirkte stolz und unnahbar.
 
Kirk war tief beeindruckt von diesem Bild. Magisch angezogen, versuchte er näher zu kommen. Aber irgendwie schien die Entfernung sich nicht zu verändern, so sehr er es auch versuchte.
 
Spock, ich sehe dich so zum ersten Mal. Du siehst so beeindruckend aus. Bist du das wirklich?
 
Spocks Lippen verzogen sich zu einem mysteriösen Lächeln und er musterte Kirk schräg von der Seite.
 
Auch dein Abbild hat sich verändert.
 
Oh - und wie bin ich jetzt? Ich meine..
 
Spocks Lächeln vertiefte sich.
 
Wenn ich das Pon Farr durchlebe und du dann an meiner Seite bist, um dich endgültig mit mir zu binden, wirst du die Fähigkeit besitzen, dich durch meine Augen zu sehen. Und ich werde mich durch deine Augen sehen können. Möchtest du das?
 
Kirk starrte fasziniert auf diese überirdische Gestalt und versuchte wieder sie zu berühren.
 
Ja, das würde ich gern, aber warum kann ich nicht zu dir kommen? Ich möchte dich so gern berühren.
 
Kirk fühlte sich plötzlich unerträglich einsam und voller Sehnsucht, versuchte er vergeblich, nach Spock zu greifen.
 
Was kann ich tun, um dich fühlen zu lassen, dass ich mir nichts sehnlicher wünsche, als mit dir vereinigt zu werden?
 
Für Menschen ist es wichtig, sich zu berühren, aber der vulkanische Teil in mir braucht auch eine andere Verbindung. Siehst du es? Siehst du das Band, das uns bereits verbindet?
 
Spock öffnete seinen Mantel und die leuchtende Aura, die Spock umgab, wurde immer intensiver.
 
Kirk empfand prickelnde Wärme und als er auf seine Hände blickte sah er, dass auch er eine Aura hatte. Goldgelbe Lichter umtanzten seine Finger und ohne nachzudenken konzentrierte er alle Sinne auf die blaue Lichtgestalt. Helle Schleier suchten einen Weg zu der anderen Aura, vermischten und vereinigten sich. Als blassblaues Licht zu Kirk zurückfloss, fühlte er sich wie von einer starken Macht erfasst. Er taumelte und fühlte sich wie im Fieber. Desorientiert suchte er nach Spock, suchte sich in seinen Augen wiederzufinden. Und er fand, was er suchte. Das vulkanische Gesicht verströmte Gefühle von Akzeptanz und Geborgenheit, wie er sie in einem menschlichen Gesicht noch nie gesehen hatte.
 
Spock, raunte Kirk, ich wusste nicht, dass deine Gefühle für mich derartig tief gehen. Ein intensives Glücksgefühl durchströmte ihn und er fühlte sich leicht, befreit von allen Sorgen und Befürchtungen. Er badete sich in den Gefühlen und der Präsenz des prähistorisch wirkenden Vulkaniers.
 
Du bist mein T`hy`la, hörte er die Stimme wispern und Kirk verlor sich ganz in dem fremden und doch vertrauten Wort.
 
Die Farbschleier vermischten sich, wurden zu einem glitzernden Tuch, dass sie vollständig einhüllte. Sie umtanzten sich und fanden immer wieder neue Wege, sich zu begegnen. Obwohl sie sich nie wirklich berührten, hatte Kirk das Gefühl, dass er sich einem Menschen nie derartig nahe gefühlt hatte.
Kirk hatte sein Zeitgefühl verloren, aber es war ihm nicht mehr wichtig. Seite an Seite schwebten sie in dem Sternenmeer und fühlten sich in Harmonie vereint.
 
Aber irgendwann sah Kirk, dass einer der größeren Planeten ihnen gefährlich nahe gekommen war.
 
Spock, Liebster, was ist das?
 
Spock hob seine Augen und senkte seinen Blick sofort wieder. Aber Kirk hatte ganz deutlich Traurigkeit gespürt und war sofort alarmiert.
 
Spock, sag`s mir. Was hast du?
 
Jim, das hat nichts mit dir zu tun. Frag' mich bitte nicht.
 
Damit konnte sich Kirk nicht zufriedengeben. Spock musste das wissen.
 
Bitte!
 
Jim, du musst das nicht wissen. Es ist etwas Vulkanisches.
 
Kirk spürte wie Ärger in ihm hochstieg. Es gab immer noch etwas, dass Spock vor ihm verborgen hielt! Spontan packte er die wiederstrebende Gestalt neben sich und sie durchstießen in einer mächtigen Bewegung den Orbit des Planeten. In rasender Fahrt ging es immer tiefer und bald wurde eine wunderschöne urtümliche Landschaft sichtbar.
 
Oh, wie schön. Warum sollte ich das nicht sehen, Spock?
 
Jim, das ist nur ein Bild, eine Fantasie von mir. Als Kind wurde mir meine Zukunft von T`Pau geweissagt. Ich weiß nicht, ob es diesen Ort wirklich gibt. Lass uns bitte wieder zurückkehren.
 
Warum? Ich verstehe nicht, wovor du dich fürchtest. Ich will alles wissen, was dich betrifft.
 
Aus einer unerklärlichen Eingebung heraus drängte Kirk weiter und bevor Spock reagieren konnte, standen beide in einer lichtdurchfluteten Baumlandschaft.
 
Spock, es ist wunderschön hier, fast wie auf der Erde. Was war denn das für eine Weissagung?
 
Jim. Bitte nicht.
 
Kirk war über den kaum verborgenen Horror in Spocks Stimme erschrocken und er war trotz seiner Neugier kurz davor, wieder mit ihm in den Weltraum zurückzukehren. Aber dann nahm er etwas Schwarzes in den Büschen wahr. Ohne nachzudenken, eilte er dorthin und sah ein Sternenflotten-Emblem auf der Außenseite des Objekts. Mit bebenden Händen öffnete er den langen, glänzenden Kasten. Was er sah, ließ ihn das Blut in den Adern gefrieren. Kraftlos rutschte er auf seine Knie.
 
Spock? Wie kann das sein? Das bist ja du. Wieso nur. Wieso, Spock?
 
Kirk starrte ihn schockiert an, aber Spock sah nur abweisenden in die Ferne.
 
Es ist mir geweissagt worden, dass ich auf diesem fremden Planeten sterben werde. Vor der Zeit und nicht auf Vulkan. Ich bin mir sicher, dass deshalb mein Vater nicht wollte, dass ich Vulkan verlasse. Es wäre mir nicht erlaubt gewesen, darüber zu sprechen. Es hätte deine Entscheidungen als Captain zu sehr beeinflusst.
 
Aufgewühlt war Kirk sofort auf den Beinen. Er war tief erschüttert und suchte Spock zu umfassen, zu beruhigen. Und sich selbst auch.
 
Das darf einfach nicht geschehen. Ich werde dich beschützen. Ich werde alles tun, um das zu verhindern. Bitte glaube mir, Spock. Du wirst nicht sterben - nicht solange ich lebe.
 
Kälte kroch Kirks Rückgrat hoch und er fühlte, wie sich seine Eingeweide verkrampften, als er noch einen Blick in den schrecklichen Sarg warf. Das ist einfach nicht richtig. Das kann einfach nicht wahr sein.
 
Verzweifelt krallte er sich an die Erscheinung von Spock, versuchte, durch seine Hände Spock wieder aus der Starre zu erwecken. Im ersten Moment hatten seine Hände das Gefühl, etwas Körperloses zu ergreifen, aber plötzlich fühlte er warmes Fleisch. Von einem Schwindel überwältigt blinzelte er kurz, und als er wieder klar sehen konnte, lag er mit Spock in seinem Bett. Wieder auf der Enterprise. In seinem Quartier.
 
 
Kirk sah seinen Geliebten an und Verzweiflung schnürte ihm die Kehle zu. Er fühlte, dass sein Gesicht nass war.
 
"Jim, wir wissen nicht, was kommt. Es ist nicht notwendig, dass du darauf emotional reagierst.
 
 
Ungläubig schaute Kirk in das nahe Gesicht. Aber dann sah er tief in schwarze Augen und erinnerte sich wieder an den Schrecken in Spocks Stimme. Aber in Wirklichkeit glaubt er fest an die Prophezeiung, reagiert nur so verdammt vulkanisch. Er will mich nur beruhigen. 
 
Wieder stieg das grausame Bild vor seinem inneren Auge auf und Angst um seinen Geliebten ließ seinen ganzen Körper verkrampfen. "Lass mich für immer bei dir sein, Spock, damit ich dich beschützen kann." 
 
Kirks Stimme klang harsch und weich zugleich. Verzweifelt umarmte er Spocks. Die Muskeln zitterten und spannten sich unter seiner Berührung an.
 
"Jim, erst wenn wir vollständig gebunden sind, werden wir für immer eins sein. Und sollte ich danach wirklich auf diesem Planeten sterben, wirst du doch überleben. Deshalb habe ich dich auch wählen können. Denn du bist ein Mensch."
 
"Hör` sofort mit diesem Mist auf. Ich will das nicht mehr hören, Spock! Vertrau mir. Ich werde das einfach nicht zulassen."
 
Spock wollte antworten, aber Kirk lehnte sich plötzlich vor und verschloss seinen Mund mit einem fordernden Kuss. Lippen pressten sich aufeinander und Kirks Zunge suchte mit sanfter Gewalt den Einlass.
 
Spocks anfänglicher Widerstand löste sich unter dem Ansturm auf und er öffnete sich.
 
Mit seiner rechten Hand umfasste Kirk den Nacken seines Geliebten. Von einem dunklen Drang beherrscht, fuhr er besitzergreifend den Rücken entlang und krallte dann die Finger seiner beiden Hände schmerzhaft tief in die vulkanische Haut. 
 
Spock zuckte unter der ungewohnten Heftigkeit zusammen, aber Kirk war wie besessen von dem Gedanken, diesem Körper jetzt sofort so nah wie möglich zu kommen und ihn dann nie mehr loszulassen. 
 
Wut darüber, dem Schicksal scheinbar hilflos ausgeliefert zu sein, mischte sich in ihm mit Gefühlen von Angst und Entschlossenheit dagegen anzukämpfen und wurde zur Lebensgier. Nur widerstrebend löste sich Kirk von dem wund geküssten Mund. Hingebungsvolle, dunkle Augen versenkten sich in seinen fordernden Blick und er war hin- und her gerissen von seinen widerstrebenden Gefühlen. 
 
"Ich wollte nur zärtlich zu dir sein", flüsterte er heiser.
 
"Ich weiß und ich will es doch auch, Jim", antwortete eine Stimme, die tief aus dem Körper des Vulkanier zu kommen schien.
 
 
 
Teil 5
Heimkehr
 
Im mächtigsten Hochhaus und gleich am Pazifik residierte das Hauptquartier der Sternenflotte. Regelmäßig trafen sich in seinen obersten Stockwerken die führenden Köpfe mit den Mitgliedern des Föderationsrates. Außerplanetarische und politische Fragen wurden hier diskutiert, aber auch die großen, zukünftigen Missionen in den Weltraum geplant. Üblicherweise gab der Rat die gewünschte Richtung vor und die Sternenflotte sorgte für die Durchführung.
 
Die Enterprise lag seit ihrer glanzvollen Ankunft in den Docks der neuen irdischen Flottenwerften. Das Raumschiff sollte teilweise umgebaut und auf den neuesten technischen Stand gebracht werden. Ein Großteil der Mannschaft hatte bereits den Wechsel in ihre neuen Aufgabengebiete innerhalb der Sternenflotte vollzogen und nicht wenige von ihnen waren froh, jetzt wieder bei ihren Familien sein zu können. Aber es gab auch Crewmitglieder, die mit Freuden sofort wieder zu ihrem alten Arbeitsplatz zwischen den Sternen aufbrechen würden.
 
Besonders Kirk wäre am liebsten sofort wieder mit neuer Mission in das Weltall gestartet. Immer wieder hatte er Admiral Nogura darum gebeten, ihm so bald wie möglich noch einmal das Kommando über die Enterprise zu geben. Seit ihrer Ankunft übte er vor allem repräsentative Pflichten aus, oder wurde in den diversen Forschungsabteilungen der Sternenflotte herumgereicht. Beides war ihm aber zutiefst zuwider und er hatte das Gefühl von der Sternenflotte in Wirklichkeit nur hingehalten zu werden. Die Entscheidung, wer das größte und prestigeträchtigste Flaggschiff der Sternenflotte in nächster Zukunft weiter kommandieren sollte, war ein wichtiges öffentliches Signal und wurde deshalb mit großer allgemeiner Aufmerksamkeit begleitet. Und bevor es zu einer offiziellen Ernennung kam, fanden bereits im Vorfeld von den beteiligten Parteien hinter den Kulissen diverse Verhandlungen statt. Zu viele verschiedene Machtinteressen waren im Spiel, um in diesem Fall die Entscheidung nur der Personalabteilung der Sternenflotte überlassen zu können.
 
Dann hatte Nogura Kirks Drängen nachgegeben und eine abschließende Sitzung zu dieser Frage im Hauptquartier anberaumt. Der Admiral hatte ihm versichert, dass er sich für ihn einsetzen würde, ihn aber auch gewarnt, dass er sich in den höheren Rängen leider nicht nur Freunde gemacht hätte.
 
In dem modernen und mit neuester Kommunikationstechnologie eingerichteten Konferenzraum hatte der Admiral es sich bereits bequem gemacht, als St. John Talbot - der Vertreter der Föderation - eintraf. Kurz darauf betrat auch Admiral Cartwright den Raum.
 
Es war ein windiger Vormittag und in diesem Moment verfing sich eine besonders stürmische Windböe geräuschvoll in dem großen Fenster.
 
Kein gutes Omen, dachte Nogura kurz, richtete seine Aufmerksamkeit aber sofort wieder auf seine Gesprächspartner. Diese hatten sich, nach einer knappen Begrüßung, inzwischen einen Sitzplatz in der großzügig angelegten Konferenzecke gesucht.
 
Talbot, ein gut gekleideter, schlanker Mann, der sein dunkles Haar mit einem Mittelscheitel trug, ergriff als Erster das Wort: "Am besten kommen wir gleich zur Sache. Unser Weltraumheld ist zurück und die Massen haben ihn entsprechend begeistert empfangen. Aber es tut mir leid, Nogura. Ich weiß, Sie schätzen den Mann. Und der Föderationsrat will Kirks Leistungen auch nicht schmälern. Aber sie sind jetzt der Meinung, dass er nicht mehr der richtige Mann ist, um die Föderation an erster Stelle zu vertreten. Er ist vielen zu - Tja - undiplomatisch, um es kurzzufassen. Und es gab zu viele Beschwerden über seinen unkontrollierbaren Führungsstil." 
 
Der Vertreter des Föderationsrats, der viele Jahre später nach einer schnellen Karriere zum Opfer einer Intrige und im Anschluss daran nach Nimbus 3 versetzt wurde, legte sich wieder bequem in seinen Sessel zurück. 
 
"Aber Sie haben recht, Admiral Nogura, etwas Adäquates müssen wir ihm natürlich anbieten. Es muss doch aber nicht unbedingt wieder unser Flaggschiff sein", fügte er achselzuckend hinzu.
 
Ich habe das befürchtet, dachte Nogura. Kirk, du hast einfach zu viele verärgert mit deinen eigenmächtigen Entscheidungen.
 
"Aber er will sich offensichtlich nicht freiwillig zurückziehen. Und damit auch mal anderen Platz machen." 
 
Der farbige, und wegen seines Kurzhaarschnitts besonders militärisch wirkende Cartwright wandte sich Talbot zu und verzog angewidert sein Gesicht: "Im Gegenteil! Aber die Sternenflotte will unseren neuen Mann mit der Führung der nächsten Enterprise-Mission betrauen."
 
"Deinen Mann meinst du wohl, Bob." Talbot lachte kurz auf.
 
Auch Admiral Nogura verbarg seinen eigenen Widerwillen sorgfältig. Cartwright will seinen Einfluss innerhalb der Sternenflotte vergrößern. Ich muss das verhindern und vielleicht könnte Kirk mir dabei sogar behilflich sein. Wenn sie ihm schon die neue Enterprise-Mission nicht geben wollen, dann sollte ich ihn wenigstens hier an meiner Seite haben. 
 
Mit unbewegtem Gesicht verfolgte der Asiat schweigend das weitere Gespräch.
 
Talbot rieb sich nachdenklich das Kinn: "Vielleicht wäre es am besten, wir schicken Kirk wieder in den Weltraum. Aber diesmal so weit weg vom Schuss, dass er keinem mehr auf die Füße treten kann. Dieser Vulkanier bleibt aber hier. Er könnte vielleicht mal wie sein Vater ein sehr fähiger Diplomat werden und der Föderationsrat ist deshalb ausgesprochen interessiert an ihm. Was meinen Sie zu meinem Vorschlag?"
 
Aufgebracht antwortete Cartwright sofort: "Habt ihr Kirks Berichte gehört? Das reicht für etliche Disziplinarverfahren, und mehr. Dieser Mensch ist da draußen vollkommen unserer Kontrolle entzogen. Wenn das einer meiner Jungs wäre, Nogura, ich hätte ihn schon längst aus dem Verkehr gezogen.“
 
 
"Es ist keiner deiner Jungs, Bob. Er ist Captain und muss in der Lage sein, selbstständig Entscheidungen treffen zu können", gab Nogura kühl zurück.
 
"Ja, ja, Nogura.", antwortete Cartwright verärgert. "Ich weiß, dass du noch was mit ihm vor hast. Aber du kannst ihn nicht einfach hier vor unsere Nase platzieren wollen. Vielleicht wäre es am besten, wir geben ihm einen Posten auf der Erde - meinetwegen gut dotiert - aber weit weg vom Hauptquartier.
 
 
Das hättest du wohl gerne. Und ob ich Kirk vor deine Nase platzieren kann! Nogura kochte vor Wut, aber das war in seinem unbewegten Gesicht nicht zu erkennen. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen worden, dachte er grimmig.
 
"Also, so geht dass auch nicht, Cartwright", mischte sich Talbot wieder ein. "Wir sind uns einig, dass er die neue Enterprise nicht wieder bekommen kann. Aber wegen seiner Verdienste können wir ihn auch nicht einfach in der Versenkung verschwinden lassen, sondern müssen ihm was Passendes anbieten. Das würde auch schon das öffentliche Interesse fordern. Ich schlage also Folgendes vor: Entweder er besteht weiterhin auf einem Posten als Captain, dann schicken wir ihn mit einem anderen Schiff zu irgendeinem weit entfernten Randbezirk und er kann sich da austoben. Natürlich ohne den Vulkanier. Oder er wird jetzt schon zum Admiral ernannt und bleibt dann hier. Das wäre angesichts seiner öffentlichen Popularität angemessen und gleichzeitig behalten wir ihn auch so besser unter Kontrolle. Und wer weiß, wofür er noch gut ist."
 
"Das können wir nicht machen", rief Cartwright. "Kirk wird hier alles durcheinanderbringen."
 
"So schlimm wird es schon nicht werden. Ich denke, die Sternenflotte kann einen Kirk auch in seinem Hauptquartier verkraften. Oder was halten Sie davon, Nogura?", fragte Talbot, ohne auf die Einwände weiter einzugehen.
 
Auch er will Cartwright nicht zu stark werden lassen, dachte Nogura. Gut, das passt auch zu meinen Plänen. 
 
"Ich werde ihm diese zwei Möglichkeiten vorschlagen", antwortete Nogura langsam und nickte dem Mann vom Föderationsrat zu.
 
"Gut, teilen Sie uns dann seine Entscheidung mit. Mehr können wir für den Moment nicht für ihn tun." 
 
Talbot erhob sich und verließ grüßend, zusammen mit einem verärgerten Cartwright, den Raum.
 
Nachdenklich blickte Nogura noch eine Weile auf die jetzt leeren Stühle. Das wird Kirk nicht gefallen und es wird nicht leicht, ihn davon zu überzeugen, dass sein Platz hier ist. Cartwright fürchtet ihn wohl als potenziellen Konkurrenten und für den Rat hat er seine Schuldigkeit getan. Ich frage mich nur, was der Rat noch mit Spock vorhat. Es wird Kirk auch ganz und gar nicht gefallen, wenn sie die Beiden auf lange Sicht trennen wollen. Aber auf persönliche Wünsche hatte die Sternenflotte noch nie besonders Rücksicht genommen.
 
Nach einer Weile Sinnieren über das weitere Vorgehen gab sich der Admiral einen Ruck und aktivierte eines der Bildschirmtelefone: "Hier spricht Admiral Nogura. Stellen Sie bitte den Aufenthaltsort von Captain Kirk fest und verbinden Sie mich dann mit ihm."
 
*
 
Kirk hatte ein geräumiges Apartment in der Nähe des Sternenflotten-Hauptquartiers gemietet. Er wollte in der Nähe sein, wenn der Anruf kam, der ihn endlich aus seiner quälenden Unsicherheit erlösen sollte. Nogura hatte ihm mehrmals versichert, dass ihm in Kürze seine neue Order bekannt gegeben würde.
 
Seit ihrer Ankunft vor ca. acht Wochen, war es ihm zunehmend zur Gewohnheit geworden, wann immer er Zeit dafür fand, durch die großen Panoramafenster in Richtung Hauptquartier zu sehen. Er hätte nie geglaubt, dass es so schwer werden würde, sie davon überzeugen, ihm auch die neue Enterprise anzuvertrauen. Aber es war, als wenn er gegen eine unsichtbare Wand laufen würde, außer vielleicht bei Admiral Nogura oder auch Commodore Barstow. Nach außen ließ er sich nichts anmerken, aber er hatte langsam Angst durch das untätige Warten verrückt zu werden. Um sich abzulenken, hatte er deshalb eines Tages angefangen auf der Küstenstraße am Pazifik zu joggen.
Und Spock hatte zu seiner großen Freude angefangen, mit ihm zu laufen.
 
Er besuchte ihn fast jedes Wochenende und das waren für Kirk die schönsten Stunden in einer schier endlos dauernden Woche. Kirk wünschte sich sehnlichst, dass Spock mehr Zeit für ihn hätte, aber die vulkanische Botschaft schien seine Fähigkeiten immer mehr in Anspruch zu nehmen. Die Sternenflotte hatte ihn als Bürger Vulkans auf unbestimmte Zeit für sie freistellen müssen. Spock erzählte ihm häufig von stundenlangen Konferenzen, bei denen es um die friedliche Ausweitung der Föderation und ähnliche Themen ging. Dabei betrachtete Kirk seinen Liebhaber, aber hörte kaum noch zu. Tief in seinem Inneren fühlte Kirk so etwas wie Eifersucht, dass sein Freund so beschäftigt war, während er selbst schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte, wieder ein neues Kommando zu bekommen. Auch sonst schienen sie sich durch die Umstände unmerklich voneinander zu entfernen. Aber Kirk beruhigte sich immer wieder damit, dass von dem Moment an, an dem sie wieder für eine gemeinsame Mission gemeinsam die Brücke der
Enterprise betreten würden, alles wie vorher sein würde. Und dafür zu sorgen, war seine Aufgabe.
 
Dann war der Anruf von Admiral Nogura gekommen.
 
Nach der ersten Begeisterung über die Aussicht, wieder als Captain eingesetzt zu werden, kam für Kirk jedoch schnell die Ernüchterung. Nogura hatte ihm mitgeteilt, dass sein neues Kommando aus einer unbedeutenden Patrouille entlang der Randbezirke bestehen würde. Es würde ein kleineres Schiff sein, dass auch keinen Wissenschaftsoffizier brauchen würde. Dann hatte Nogura versucht, ihm die Alternative schmackhaft zu machen. Als jüngster Admiral der Sternenflotte würde er an den Schalthebeln der Macht sitzen und seine Karriere würde einen enormen Schub bekommen. Betäubt und unfähig, sofort eine Entscheidung zu treffen, hatte Kirk um Bedenkzeit gebeten. Und Nogura hatte ihm - allerdings widerstrebend - eine Woche
zugestanden.
 
Danach hatte Kirk wieder lange durch sein Fenster in seiner Wohnung geschaut. Der Sturm hatte sich inzwischen gelegt, aber er nahm das kaum wahr. Er versuchte, Klarheit zu finden aber die Enttäuschung, dass er für die neue Enterprise nicht eingesetzt werden würde, überschattete im Moment jeden seiner Gedanken.
 
Endlich raffte er sich auf und versuchte, Spock telefonisch zu erreichen, aber die vulkanische Botschaft teilte ihm mit, dass er zur Zeit nicht gestört werden durfte. Resigniert seufzte Kirk auf. 
 
Wir werden uns ja morgen wieder sehen und dann werden wir noch genug Zeit haben, darüber zu sprechen. Vielleicht ist es ganz gut, wenn ich vorher noch etwas nachdenken kann.
 
Kirk sah auf die Uhr und beschloss, das Laufen trotzdem nicht zu vernachlässigen. Vielleicht würde es ihm beim Denken helfen.
 
*
 
Das medizinische Zentrum der Sternenflotte lag, halb verdeckt, gleich hinter dem Hauptquartier. Kirk konnte es von seinem Standort aus sehen und er starrte nachdenklich auf das Gebäude. Er hatte seinen üblichen Joggingkurs bereits hinter sich und seine Beine zitterten noch von der Anstrengung.
Wofür strenge ich mich eigentlich so an? Wen interessiert das noch, ob ich fit bin oder nicht? 
Aber Kirk war klar, dass er sich nicht nur wegen seiner Kondition jeden Tag auf der Uferpromenade abplagte. Er fühlte sich frustriert und im Stich gelassen. Das Laufen hatte ihm heute auch nicht wirklich geholfen und plötzlich erinnerte er sich daran, dass es früher noch jemanden gab, der immer ein offenes Ohr für ihn gehabt hatte.
 
Schwer atmend und noch verschwitzt öffnete er eine der Türen im Inneren und sah McCoy hinter einem imposanten Schreibtisch sitzen. Eine medizinische Assistentin zeigte dem Arzt gerade verschiedene Papiere und beide waren in einer lebhaften Diskussion, als McCoy plötzlich aufblickte. 
 
"Jim! Komm rein. Schön, dass du dich an deinen alten Schiffsarzt noch erinnerst. Wie geht's dir? Ich hoffe, das ist jetzt kein medizinischer Notfall, oder?“
 
 
"Oh, alles bestens, Pille", antwortete Kirk eine Spur zu fröhlich und setzte sich auf den nächsten Stuhl. 
 
"Ich war gerade in der Gegend und wollte nur mal sehen, wie es dir inzwischen so ergangen ist. Aber ich hoffe, ich störe dich nicht gerade bei einer wichtigen Sache?" 
 
Lächelnd betrachtete Kirk die attraktive Frau, die ihm vertraulich zuzwinkerte.
 
McCoy schüttelte den Kopf und wandte sich dann an die Assistentin. "Schwester Martina, ich werde für heute Schluss machen und Sie können sich für den Rest des Tages freinehmen.“
 
 
"Oh, danke. Wenn ich hier wirklich nicht gebraucht werde? Doktor? Captain Kirk?“ Mit einem offenen Lächeln verließ die junge Frau den Raum.
 
"Du hast es dir hier ja ganz schön eingerichtet, Pille." Kirk grinste seinen früheren Arzt schief an und ließ seinen Blick durch das große und hochmodern eingerichtete Büro wandern.
 
"Tja, ich kann nicht klagen. Aber vielleicht gehe ich doch zurück nach Georgia. Da hätte ich bestimmt mehr Ruhe. Es hat sich hier viel zu viel verändert in den letzten Jahren."
 
"Den Eindruck habe ich auch. Und ich bin mir nicht sicher, ob mir diese Veränderungen gefallen", äußerte Kirk mit einer vagen Handbewegung.
 
"Was meinst du denn damit, Jim?" McCoy war sofort alarmiert.
 
"Ach, ich weiß nicht. Irgendwie habe ich das Gefühl gegen Wände zu laufen, aber ich weiß eigentlich nicht, was da gespielt wird. Auf der alten Enterprise, da waren die Verhältnisse noch klar. Es kam auf Leistung und Effizienz an. Aber hier kocht jeder sein eigenes Süppchen. Oh Gott, wie ich das alles hier hasse.“ Kirk schlug ärgerlich auf die Armlehne.
 
"Was ist denn los, Jim? Hast du denn immer noch nichts vom Hauptquartier gehört? Oder bist du inzwischen nicht mehr an einem Kommando interessiert?", fragte der Arzt drängend nach.
 
"Machst du Witze? Wochenlang habe ich Nogura und jeden anderen, den ich noch von früher her kannte, bekniet, mir die neue Enterprise zu geben. Ich weiß, ich wäre der Beste für diesen Job, aber sie wollen mich nicht mehr. Ich glaube, ich habe das Schiff verloren. Und das tut verdammt weh." 
 
Kirks Stimme bekam einen bitteren Klang und er fühlte wieder den Schmerz.
 
"Jim, das tut mir leid, aber wie kommst du darauf?"
 
"Nogura hat mich heute angerufen und ..."
 
"Oh, endlich", fiel McCoy ihm ins Wort.
 
"Warte mit deiner Begeisterung, bis ich dir alles erzählt habe", antwortete Kirk schnell und berichtete McCoy von Noguras beiden Vorschlägen.
 
"Verdammt, Jim. Was tun sie dir bloß an?" McCoy verzog mitfühlend sein Gesicht. "Hast du schon mit Spock darüber gesprochen?"
 
"Ich sehe ihn erst morgen wieder. Weiß du, er scheint sehr in seinem neuen Aufgabengebiet aufzugehen. Ich habe erst darüber nachgedacht, ob wir beide einfach allem den Rücken kehren sollten. Aber ich glaube, das würde er nicht wirklich wollen, denn ihn scheinen diese ganzen diplomatischen Aspekte der Föderationspolitik wirklich zu interessieren." 
 
Nachdenklich verzog Kirk seine Stirn und fuhr fort: "Aber ich glaube, ich würde es auch nicht wollen.“
 
 
"Also, bleiben dir noch die zwei anderen Möglichkeiten ...", begann McCoy langsam.
 
"Kannst du dir vorstellen, dass ich hier als Admiral rumstolziere, Intrigen spinne und mich für Noguras Interessen einspannen lasse? Ich bekomme das kalte Grausen bei diesem Gedanken." 
 
Kirk schüttelte sich unwillkürlich.
 
"Tja, ich weiß ja nicht", sagte McCoy. "Es wäre dennoch ein ziemlich deutlicher Karrieresprung. Verdient hättest du es auch. Und du wärst in der Nähe von Spock. Aber so richtig vorstellen kann ich es mir bei dir eigentlich auch nicht. Du bist der geborene Captain, kein Lamettaträger. Vielleicht könnt ihr ja damit leben, eine Weile getrennt zu sein. Und Sicher hat sich bei deiner Rückkehr auch wieder einiges verändert.
 
McCoy tat es leid, dass sein Freund sich in einer solchen Lage befand.
 
"Darüber habe ich auch schon nachgedacht. Und vielleicht wissen sie dann, einen erfahrenen Captain wieder mehr zu schätzen", sagte Kirk bitter. 
 
"Aber fast zwei Jahre ohne Spock? Es wäre ein verdammt hoher Preis - für uns beide. Er wollte, dass wir uns bald binden. Andererseits hat er im Moment auch kaum Zeit für mich." Kirk seufzte schwer auf.
 
"Sprich mit Spock, Jim. Er wird es bestimmt verstehen. Er war übrigens schon eine Weile nicht mehr hier, aber ich habe ihn ein paar mal bei den vulkanischen Ärzten gesehen."
 
"Davon hat Spock mir gar nichts erzählt," sagte Kirk verblüfft.
 
"Tja, das muss ja auch nichts bedeuten. Vielleicht hat er da seine Landsleute besucht - keine Ahnung." 
 
McCoy fuhr nach einer kurzen Pause fort: "Jim, ich weiß einfach nicht, was ich dir raten soll."
 
"Ach, schon gut Pille. Du hast mir schon geholfen. Ich bin in letzter Zeit selten unter guten Freunden gewesen." 
 
Kirk holte tief Luft und fuhr fort: "Sag mal, früher hattest du doch deinem Lieblingspatienten immer noch eine bestimmte Medizin anbieten können, oder?" 
Er wollte den Moment so lange wie möglich hinausschieben, bis er wieder zu seinem leeren Apartment und zu seinen traurigen Gedanken zurückkehren musste.
 
"Das ist auch so eine von diesen neumodischen Veränderungen. Striktes Alkoholverbot im Dienst. Aber ich will mal sehen, ob sich nicht doch noch, was machen lässt." 
 
Mit einem verschwörerischen Blick kramte McCoy in einem seiner Schränke. 
 
"Tja, wer hätte das gedacht? Das muss wohl bei der letzten Inspektion übersehen worden sein." 
 
McCoy lachte leise: "Und was soll das überhaupt heißen, mein Lieblingspatient? Du kannst doch wohl nicht dich gemeint haben, oder? Schließlich habe ich dich ja nur mit Gewalt auf die Krankenstation gebracht, wenn du dich daran noch erinnerst."
 
Kirk lächelte und genoss die Neckereien.
 
Bald waren beide in melancholische Erinnerungen an ihre gemeinsamen Abenteuer versunken und Kirk war dem Arzt dafür sehr dankbar.
 
*
 
Früh am nächsten Morgen war Kirk unruhig aufgestanden, hatte seine Wohnung aufgeräumt und wie immer liebevoll auf den Besuch Spocks vorbereitet.
 
Voller Sehnsucht hätte er gerne in der vulkanischen Botschaft angerufen und Spock gebeten, sich schon früher frei zunehmen. Vielleicht ist der gestrige Abend mit Pille daran schuld. Es war fast wie früher. Bei diesem Gedanken zuckte Kirk innerlich zusammen. Es ist eben doch nicht wie früher. Ich will es nur nicht wahrhaben.
 
Kirk setzte sich schwer auf das Sofa und seine Begeisterung schwand merklich. 
Was wird er sagen, wenn ich ihm von dem neuen Auftrag erzähle? Und wenn ich mich wirklich für das Raumschiff entscheide, könnte es sogar sein, dass es für eine sehr lange Zeit unser letzter Abend sein wird. Ich kann das nicht allein entscheiden. Spock muss mir dabei helfen.
 
Nach einem langen Blick aus dem Fenster beschäftigte er sich die nächsten Stunden mit aktuellen Berichten über Raumschifftypen und taktischen Analysen von Manövern im Weltall. Aber zwischendurch schaute er immer wieder ungeduldig auf die Uhr und als es früher Nachmittag war, zog er seinen Trainingsanzug an. In einer halben Stunde würde er sich an der Uferpromenade mit Spock treffen.
 
*
 
Kirk war noch etwas zu früh dran und setzte sich deshalb auf eine Bank in der Nähe ihres Treffpunktes. Der Sturm hatte sich längst verzogen und es schien ein schöner Nachmittag zu werden. Eine leichte Seebrise zog vom Pazifik hoch und Kirk genoss den weiten Blick über die Bucht bis zur Golden Gate Brücke. Sogar die Küstenlinie von Sausolito konnte er noch klar erkennen. Schnelle Segler durchschnitten scheinbar mühelos die Wasseroberfläche. 
 
Fast wie im Weltraum, sagte er sich und spürte wieder die Sehnsucht nach der Freiheit zwischen den Sternen.
 
Andere Läufer rannten an seinem Platz vorbei.
 
So jung bin ich nicht mehr, aber verdammt noch mal, wenn ich es will, stecke ich die noch alle in die Tasche. Ungewollt erinnerte sich Kirk an einen Spruch, den er mal auf einer Sternenflotten-Party von einem der im Dienst grau gewordenen Bürokraten gehört hatte: "Alter und Skrupellosigkeit schlägt Jugend und Talent." 
 
Damals hatte er gelacht, aber plötzlich hatte er Angst, genauso alt und zynisch zu werden. Oder bin ich es schon und merke es nur nicht? Vielleicht passe ich ja besser hierher, als ich dachte. Kirk lachte bitter auf. Aber ich werde mich da nicht reinziehen lassen, nicht solange ich mich noch dagegen wehren kann.
 
"Amüsiert, Jim?"
 
"Oh Spock, endlich bist du da."
 
Kirk erhob sich schnell und fühlte - wie jedes Mal - den Impuls, Spock sofort zu umarmen. Früher hatte er das als Steigerung der Vorfreude erlebt, aber heute fiel es ihm besonders schwer, damit zu warten, bis sie im Apartment waren. Beide hatten vereinbart, sich bis zur Klärung ihrer beruflichen Situation in der Öffentlichkeit nicht in verfänglichen Situationen zu zeigen. Dazu hatte auch Nogura ihm dringend geraten, da er nicht dafür garantieren wollte, dass es keine Probleme deswegen geben würde. Eine Bindung nach vulkanischen Vorstellungen mit einem Menschen war innerhalb der Sternenflotte noch etwas ganz Neues. 
 
Und Kirk wollte versuchen, nicht noch mehr Ablehnung gegen sich oder sogar Spock zu wecken. Für einen kurzen Moment verachtete er sich und den Rest der Welt für dieses Zugeständnis, aber dann begegnete er wieder Spocks Blick. Darin lag so viel Wärme und Sehnsucht, dass Kirk die Knie weich wurden.
 
"Jim, auch ich freue mich, dich zu sehen. Wie ist es dir diese Woche ergangen?", fragte Spock mit sonorer Stimme.
 
Kirk lächelte. Das war sein Spock. Nach außen scheinbar kühl und förmlich, aber im Inneren voller Gefühle. Und Kirk war sich sicher, dass er der Einzige war, der das wirklich sehen konnte. 
 
Tief Luft holend sagte Kirk: "Oh Spock, es ist etwas passiert, aber ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Lass uns diesen Weg gehen und ich erzähle dir alles. Aber Liebster, sag mir erst, wie es dir geht. Wie war deine Woche?"
 
Spock blinzelte erstaunt: "Wenn du heute nicht mit mir laufen willst, vermute ich, dass du mir etwas sehr Wichtiges mitteilen möchtest. Aber um auf deine Frage zu antworten: Es geht mir gut. Aber ich habe die Anwesenheit eines bestimmten Menschen vermisst.“
 
 
Kirk fühlte sich durch diese Antwort wie von einem Sonnenstrahl erwärmt, aber es fiel ihm auf einmal sehr, sehr schwer, den Anfang zu finden.
 
Langsam wanderten sie schweigend die Uferpromenade entlang und Kirk fragte sich zum wiederholten Male, wie Spock wohl auf sein Entscheidungsproblem reagieren würde. Vielleicht wird sich jetzt alles verändern. Es geht um meine berufliche Zukunft, aber das ist nicht alles. Es betrifft auch unsere gemeinsame Zukunft. Wird er mich verstehen?
 
"Jim?", erinnerte Spock leise. "Du wolltest mir etwas erzählen."
 
Kirk blieb stehen und holte tief Luft: "Du hast recht. Also, ich habe gestern erfahren, dass ich die neue Enterprise nicht bekommen werde." 
 
Und dann erzählte er Spock noch von Noguras zwei Vorschlägen.
 
Spock wurde sehr ernst. "Und wie hast du dich entschieden, Jim?", fragte er leise. Zwei Jahre sind zu lang für uns, dachte Spock besorgt. Aber darf ich ihm das sagen?
 
Kirk sah deutlich die Anspannung in Spocks Körper und war ärgerlich auf sich selbst, weil er nicht gewartet hatte, bis sie in seiner Wohnung waren. Spock nimmt das genauso mit, wie mich. Das hätte mir doch klar sein müssen, verdammt. 
 
"Vielleicht war es keine so gute Idee hier draußen davon anzufangen. Spock, lass uns bitte ins Haus gehen."
 
*
 
Sie betraten gemeinsam das Apartment und früher hatten sie sich, sobald die Tür geschlossen war, sofort liebevoll in den Arm genommen. Aber Kirk fühlte sich plötzlich gehemmt und auch Spock blieb abwartend im Raum stehen.
 
"Mir gefällt das auch nicht, Spock. Das kannst du mir glauben. Ich bin unglaublich wütend, dass sie mir die Enterprise nicht mehr geben wollen. Ich wünschte, ich könnte dir deinen alten Platz auf der Brücke wieder anbieten. Das war es, was ich wirklich wollte", sagte Kirk etwas zu laut.
 
In seinem Gesicht spiegelte sich der Ärger auf die Sternenflotte, aber auch Resignation. "Auf dem neuen Schiff wollen sie keinen Wissenschaftsoffizier einsetzen. Es wird ein unbedeutender Patrouillenflug in bekanntes Gebiet. Nicht gerade das, was ich mir gewünscht habe.“
 
 
"Ich weiß, Jim", antwortete Spock leise. 
 
"Auch ich würde mit Freuden wieder mit der Enterprise aufbrechen… mit dir." 
 
Spock hatte in den letzten Wochen bereits befürchtet, dass so etwas passieren würde. Er erinnerte sich mit Wehmut an ihre gemeinsame Zeit, den gemeinsamen Dienst auf der Brücke, die letzten gemeinsam verbrachten Nächte. Was wird die Zukunft bringen? Unsere gemeinsame Zeit auf der Enterprise ist endgültig vorbei. Aber werde ich jetzt auch Jim verlieren? Was wird dann aus mir? Aber ich darf nicht an mich denken. Ich muss an Jim denken, egal, was das für mich bedeutet. Nur das zählt.
 
"Es tut mir leid, Jim", antwortete er und seine Stimme klang rau.
 
"Oh, Spock, mir tut es so verdammt leid", rief Kirk und stürzte zu Spock, um sich an ihm festzuhalten. „Ich habe versagt.“
 
Er spürte warme Hände auf seinem nackten Rücken und ließ sich in das Gefühl von Geborgenheit fallen. So kann ich mich nur bei ihm fühlen, dachte er. Und ich überlege, ob ich ihn für beinahe zwei Jahre für ein Raumschiff verlasse. 
 
Kirk kam sich wie ein Betrüger vor. Er schmiegte sich an Spocks Hals und streichelte liebevoll die knochigen Schulterblätter. Wie sehr ich diesen Körper liebe, seufzte Kirk innerlich auf und ein neuer Gedanke formte sich plötzlich in ihm. 
 
"Und wenn ich mich doch einverstanden erkläre, dass sie mich zum Admiral machen? Dann brauche ich die Erde nicht zu verlassen. Du versuchst, auch hier zu bleiben, und wir leben glücklich und zufrieden. Was meinst du, Spock?"
 
Langsam löste sich Spock aus der Umarmung und betrachte Jims angespannten
Gesichtsausdruck. Ich darf nicht an meine Bedürfnisse denken. Ich muss an Jim denken. Es war wie eine Gebetsformel, die er immer wieder wiederholte, obwohl es ihn bis ins Mark schmerzte. 
 
"Jim, würdest du das wirklich wollen? Oder sagst du das jetzt nur mir zuliebe? Vielleicht kommt der Moment, an dem du das bereust." 
 
Spock fasste Kirk fest an den Oberarmen. Ich muss sicher sein, dass sich Jim für das Richtige entscheidet. 
 
"Und was ist, wenn ich plötzlich nach Vulkan zurückgerufen werde? Dann war dein Opfer vielleicht ganz umsonst", sagte er herausfordernd.
 
"Dann komme ich eben mit. Was soll das, Spock? Willst du es mir noch schwerer machen, als es schon ist?" 
 
Kirk löste sich aus dem Griff. "Tut mir leid. Aber du bringst mich noch ganz durcheinander." 
 
Mühsam versuchte Kirk, seine Fassung wieder zu finden. "Lass es uns erst mal gemütlich machen. Ich habe etwas zu essen besorgt. Geh schon mal duschen und ich bereite es in der Zwischenzeit vor, okay?"
 
Spock nickte wiederstrebend und ging zur Duschkabine, entkleidete sich und ließ das Wasser über seinen Körper laufen. Warum sage ich ihm nicht, dass er hier bleiben muss? Mir zuliebe. Egal, wie. Dass ich ihn brauche – dass er mein Bondmate werden muss. Er biss sich auf die Lippe und hoffte, durch den Schmerz seine Fassung wieder zu gewinnen. Blutstropfen rannen an seinem Kinn entlang, aber er bemerkte es nicht. Nein, ich darf nicht egoistisch sein. Wenn er diese neue Mission wirklich will, werde ich das akzeptieren. Ihm zuliebe.
 
 
Kirk hatte inzwischen den Tisch mit Früchten und anderen Leckereien gedeckt. Als er fertig war, wunderte er sich, dass Spock noch nicht zurückgekommen war.
 
Mein Gott, es hätte ein schöner Abend werden können, wenn nicht dieser verdammte Anruf von Nogura dazwischen gekommen wäre. Wenn er mich bitten würde, zu bleiben, würde ich es sofort machen - ohne zu zögern – ihm zuliebe. Und ich verzichte auf alles. Kirks Gedanken überschlugen sich. Aber wenn ich das mache, was denkt Spock dann über mich? Bin ich dann nicht schnell nur ein lästiges Anhängsel? 
 
Ach was, ich lasse es einfach darauf ankommen.
 
Er hörte, dass das Wasser immer noch rauschte und schnell entschlossen zog seine eigene Kleidung aus. Dann schnappte er sich zwei Handtücher und ging selbst zur Dusche. 
 
"Spock! Ich weiß jetzt, was ich mache, aber nur, wenn du ...“
 
Erschrocken hielt er inne. Spock hielt sich mit seinen Händen an der glatten Wand fest und sein Kopf lag auf seiner Brust. Blutstropfen waren von seinem Kinn auf die Brust getropft. 
 
"Spock, was hast du? Wieso blutest du?" Kirk stellte den Wasserhahn ab und legte ein Handtuch um Spocks Schultern.
 
"Es ist nichts, Jim. Nur eine Ungeschicklichkeit. Es ist alles in Ordnung. Spock hob den Kopf und verzog den Mund zu einem schrägen Lächeln.
 
Kirk schüttelte den Kopf und umfasste Spock, lenkte ihn zu dem Raum, in dem sein Bett stand. Durch die großen Fenster konnte man die ersten Nachtlichter der Stadt erkennen und die Sonne war nur noch ein roter Ball. 
 
Er setzte sich in dem einsetzenden Dämmerlicht zu Spock und betrachte ihn. Ich vergesse immer, wie empfindsam er hinter der unbewegten vulkanischen Maske ist. Das Ganze nimmt ihn natürlich mindestens so mit, wie mich.
 
"Jim, ich bin nicht krank."
 
"Ja, ich weiß", sagte Kirk traurig. "Es ist alles meine Schuld. Was sagst du dazu: Ich verzichte auf alles und bleibe bei dir. Würdest du das wollen, Spock?", sagte Kirk behutsam und streichelte Spock vorsichtig an den Wangenknochen.
 
"Wäre es das, was du wirklich willst, Jim Kirk?", antwortete Spock und blickte auf den sich im Gegenlicht abzeichnenden Kopf. Er will wieder in den Weltraum und wieder auf einer Brücke stehen. Das kann ich ihm nicht ersetzen. Es ist seine Bestimmung. Ich muss auf ihn verzichten – ihm zuliebe.
 
"Spock, ich weiß es nicht. Es ist alles so frustrierend für mich. Zwei Jahre ohne dich sind eine so verdammt lange Zeit." 
 
Kirk nahm sein anderes Handtuch von der Schulter und begann, behutsam Spock abzutrocknen. "Ich könnte nicht losfliegen, wenn ich nicht wüsste, dass du auch einverstanden bist – dass du auf mich wartest. Kannst du das verstehen? Aber wenn du nicht willst, dass ich diesen Auftrag annehme, bleibe ich hier."
 
Spock stöhnte unwillkürlich auf. Ich soll es für ihn entscheiden. Ich hoffe, ich habe die Kraft, das Richtige zu tun.
 
"Spock? Was hast du?" Kirk beugte sich besorgt über das Gesicht seines Geliebten.
 
"Ich habe dich verstanden. Lass mir nur etwas Zeit, darauf zu antworten", kam Spocks gepresste Antwort.
 
"Oh Gott, natürlich. Es tut mir so leid. Bitte Spock, verzeih mir." 
 
Kirk legte eine Ecke des goldschimmernden Überbettes fürsorglich über Spocks Körper. "Darf ich mich zu dir legen?", fragte er leise. Ich liebe ihn so sehr und es zerreißt mich, dass ich uns das antun muss. Allein habe ich nicht Kraft, ihn für eine so lange Zeit zu verlassen.
 
"Natürlich, Jim. Bitte komm." Spock rückte etwas zur Seite und Kirk rutsche mit unter die Decke. Das wird also meine letzte Nacht mit Jim sein, dachte Spock verzweifelt. Er hatte das Gefühl an einem Abgrund zu stehen. 
 
"Jim?"
 
"Ja, Spock?"
 
"Du sollst wissen, dass du für mich mein T´hy´la bist und immer sein wirst. Egal was die Zukunft auch bringt."
 
"Ich weiß, Spock. Für mich ist das genauso", antwortete Kirk mit schwerer Stimme und beugte sich über Spocks Gesicht. Er begann mit seinen Lippen die Schläfen unter der dunklen Haarlinie zu küssen und Spock schloss stöhnend die Augen. Dann küsste Kirk die Augenlider, wanderte zu den Wangen. Er ließ die Lippen halbgeöffnet über die empfindsame Seite gleiten, genoss den zarten Duft, näherte sich den Ohrmuscheln. 
 
"Spock, ich werde immer nur dich lieben", hauchte er in das vulkanische Ohr.
 
"Jim, ich ... ", flüsterte Spock. Aber er sprach nicht weiter, sondern umfasste Kirks Kopf, drehte ihn ganz nah an sein Gesicht.
 
Die Lippen waren nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt und Kirk spürte Spocks Atem auf seiner Haut. Aber er bewegte sich nicht. Er fühlte, wie ihn die Sehnsucht beinahe überwältige, aber er wollte den Zauber nicht brechen.
 
Spock erwiderte traurig seinen Blick, seufzte auf und presste dann seine Lippen voll auf Jims. Die Erinnerung an diesen Moment wird den Rest meines Lebens begleiten, dachte er hoffnungslos. Aber ich muss stark für ihn bleiben. Dann überließ er sich seinen Empfindungen.
 
Kirk spürte die Hitze von Spocks Geschlecht an seinem Unterleib.
 
Mein Gott, wie sehr ich ihn begehre, dachte er verzweifelt. Dann spürte er, wie Spock sich in seinen Rücken krallte. Und er mich auch. 
 
Kirk löste sich nur wiederstrebend und er blickte auf den vertrauten Körper unter sich. Seine Lippen brannten noch von dem intensiven Kuss und er fühlte sich von der Schönheit des Vulkaniers überwältigt. 
 
Oh, Gott, wie schrecklich einsam wird ein Leben ohne ihn sein. Langsam wanderten Kirks Augen über die zerzausten schwarzen Haarfransen, die dazwischen hervorlugenden Ohrspitzen, die dunklen Augen, den geöffneten und rötlich schimmernden Mund. Kann ich das überhaupt? Ich habe nur eine Woche Zeit mich zu entscheiden. Wie soll das gehen? Das ist so verdammt kurz. Was das wirklich das Beste für uns? Und wenn nicht?
 
Spock hing an seinen Gesichtszügen, versuchte jede Empfindung, jedes noch so kleine Kräuseln der Stirn so tief wie möglich in seinem Gedächtnis zu speichern. Seine Stimme versagte ihm fast den Dienst.
 
„Jim, du wirst immer der Einzige sein. Es wird niemanden nach dir geben.“
 
In Spock formte sich ein sehnsuchtvoller Gedanke. Ich muss es noch ein letztes Mal tun, dachte er verzweifelt. Dann habe ich endlich die Kraft Abschied zu nehmen. Er spürte, wie das Bedürfnis nach mehr in ihm wie eine heiße Welle aufstieg. Er hob seinen Kopf. 
 
"Bitte, Jim", flüsterte Spock rau. "Leg dich auf den Rücken. Bitte."
 
Spock sprach kaum noch verständlich, aber in Kirk brannte die selbe Leidenschaft.
 
Als er sah, wie Spock sich über seinen Unterleib beugte, stöhnte Kirk laut auf und bog sich Spock entgegen, bis eine Woge der höchsten Erregung sie beide mit sich fortspülte.
 
*
 
In der Nacht quälten Kirk schwere Albträume. Er meinte, eine dunkle Gestalt ruhig an seinem Bett stehen zu sehen. Es war Spock in seiner vulkanischen Robe, die er immer trug, wenn er Kirk am Morgen verließ.
 
Verließ? Du willst mich verlassen? Nein, Spock, das darfst du nicht! Nein. Nein!
 
Kirk öffnete in seinem Traum seinen Mund und versuchte, Spock zu erreichen, aber es kam kein Ton heraus. Verzweifelt versuchte er, seine Arme zu heben, aber sie waren so unendlich schwer. Hilflos musste er mit ansehen, wie die dunkle Gestalt sich hinab beugte und ihn auf die Stirn küsste, seinen Namen flüsterte und sich dann wieder erhob. Dem Wahnsinn nahe, versuchte Kirk, auf sich aufmerksam zu machen, aber er konnte nur bewegungslos daliegen und den schweigenden Spock anstarren. Plötzlich spürte er, wie etwas an seinen Beinen zog. Erst leicht, dann immer fester. Kirk rutschte immer weiter von Spock weg. Er versuchte, sich an Spock festzuhalten, aber war immer noch
unfähig sich zu bewegen, konnte sich nicht gegen den Sog wehren. Dann rutschte er plötzlich ganz weg - und befand sich im Weltraum. Sterne drehten sich in rasender Geschwindigkeit um ihn und Kirk fühlte sich schwindelig werden. Er ruderte mit seinen Händen, um die irrsinnige Geschwindigkeit anzuhalten, und Übelkeit stieg in ihm hoch. Mit letzter Kraft schrie er Spocks Namen.
 
Mit einem schweren Schlag war Kirk aus seinem Bett gefallen und er versuchte sich noch etwas benommen, wieder zu orientieren. Seine Beine hatten sich in dem Bettzeug verfangen und sich am Bett hochziehend, rieb er sich seine schmerzende Hüfte.
 
"Verdammt, das gibt blaue Flecken", murmelte er, sich mühsam aufrappelnd. Dann kam die Erinnerung zurück. "Spock? Wo bist du? Hey, sag was!"
 
Kirk blickte sich um, aber das Schlafzimmer war leer. Es war vollkommen still in der Wohnung und die volle Mittagssonne strahlte in den Raum. Kirk hatte unnatürlich lange geschlafen und es beschlich ihn ein eisiges Gefühl der Erkenntnis. Er sah sich suchend um. 
 
"Du kannst doch nicht einfach so gegangen sein?", flüsterte er in die Stille und spürte dabei ein aufkommendes Brennen in der Kehle. 
 
"Oh Gott, lass es nicht wahr sein. Das habe ich nicht gewollt. Wir hätten doch noch genug Zeit gehabt, gemeinsam die richtige Entscheidung für uns zu treffen.“
 
 
Aber Kirk kannte Spock und wusste daher, wie hart Spock gegen sich selbst sein konnte. Es wurde ihm schlagartig klar, dass Spock von sich aus beschlossen hatte, ihn zu verlassen. Der Abschiedstraum war Realität gewesen. Abwesend zog sich Kirk etwas über und ging zum Fenster. Er ließ seinen Blick über das Panorama vor seinem Fenster wandern und fühlte sich leer und kraftlos. So wird das also in Zukunft sein – das Alleinsein.
 
*
 
In den folgenden Tagen konnte Kirk sich nicht aufraffen etwas Sinnvolles zu tun. Immer wieder dachte er daran, doch noch Spock anzurufen, aber verwarf den Gedanken gleich wieder. Er kannte seinen Vulkanier zu gut. Auch McCoy mochte er nicht sein Leid klagen. Zu tief saß der Schmerz. Aber je näher der Zeitpunkt kam, sich bei Admiral Nogura zu melden, um so weniger fühlte Kirk sich in der Lage, überhaupt eine der beiden angebotenen Optionen anzunehmen. Stattdessen hörte er sich stundenlang seine alten privaten Logbucheinträge von der Zeit auf der Enterprise an.
 
Kirks Blick wanderte dabei über seinen Schreibtisch. Dort lagen immer noch die Sternenflottenstrategiepapiere, die er sich vor ein paar Tagen noch mit Interesse angesehen hatte. Mehr aus einem Pflichtgefühl heraus, öffnete er an seinem Terminal seine Dateien mit der neuesten elektronisch eingegangenen Post. Erst sah Kirk nichts von Bedeutung, aber dann erkannte er einen bestimmten Absender. Wie elektrisiert öffnete er sofort die Datei.
 
"Spock", hauchte er mit zittriger Stimme.
 
Jim,
auch wenn du vielleicht in Zukunft daran zweifelst, das was ich in unserer
letzten Nacht zu dir gesagt habe, ist wahr: Du bist und wirst in meinem
Geist immer mein alleiniger T`hy`la sein. Vergiss das bitte niemals. Meine
Gedanken begleiten dich auf deiner neuen Mission. Es ist deine Pflicht und
deine Bestimmung und ich habe nicht das Recht, dich davon abzuhalten.
Ich habe nur noch eine Bitte: Ruf Dr. McCoy an, bevor du abfliegst und
richte ihm meine Grüße aus. Er ist auch mir immer ein guter Freund gewesen.
Lebe lange und in Frieden.
Spock
 
Wie betäubt las Kirk die Botschaft mehrmals hintereinander. Schwere Tränen verfingen sich an seinen langen Wimpern und er seufzte tief auf. Besonders die letzte Nacht und viele andere gemeinsamen Erinnerungen gingen ihm immer wieder durch den Kopf und er wurde immer trauriger. Doch dann runzelte er nachdenklich die Stirn und blickte noch einmal mit anderen Augen auf die Zeilen. 
 
Was soll das eigentlich mit Pille? Spock ist doch sonst nicht so sentimental, oder? Von mir will er sich nicht persönlich verabschieden, aber ich soll Pille von ihm Grüße ausrichten? Pille ist doch immer in seinem Büro erreichbar, oder? Oder ist Spock vielleicht gar nicht mehr in der Botschaft? Aber wo sollte er sonst sein?
 
Mitgerissen von seinen Gedanken aktivierte Kirk sofort sein Bildschirmtelefon und ließ sich mit der vulkanischen Botschaft verbinden. Vielleicht geht mich das gar nichts an, aber ich muss einfach wissen, wo er jetzt ist. Er kann doch nicht so einfach von der Bildfläche verschwinden, ohne mir Bescheid zu sagen. 
 
Kirk versuchte, sich wieder zu beruhigen, aber es wollte ihm nicht gelingen.
 
Ein älterer Vulkanier erschien auf dem Bildschirm. "Captain Kirk, was wünschen Sie?", fragte er neutral.
 
"Ich möchte Spock sprechen, wenn das möglich ist."
 
"Das ist es nicht", antwortete der Mann kühl. "Beauftragter Spock ist mit seiner Familie auf ihrem persönlichen Landgut und wird dort medizinisch betreut. So weit bekannt, bereiten sie den baldigen Rückflug nach Vulkan vor und wünschen bis dahin nicht gestört zu werden. Es ist nicht bekannt, wann sie zurückkehren."
 
"Oh - aber hat Spock vielleicht doch noch eine Nachricht für mich hinterlassen?" Kirk versuchte, nicht zu aufgeregt zu klingen. Er wusste, dass Vulkanier das nicht sehr schätzten.
 
"Nein", kam die schnelle Antwort.
 
Kirk verabschiedete sich und versuchte erst gar nicht, sich zu bedanken. Das hätte nur Verwirrung hervorgerufen.
 
Er soll also krank sein, dachte Kirk bitter. Das muss er seiner Familie als Ausrede erzählt haben, um mich nicht mehr sehen zu müssen. Warum nur? Hat er so sehr den Abschied gefürchtet? Mein Gott, ich hatte mich doch noch gar nicht festgelegt. 
 
Kirk trommele unruhig auf der Tischplatte. Jetzt rufe ich erst mal Pille an. Mal sehen, was er dazu sagt.
 
"Jim, was verschafft mir die Ehre?" Ein neugierig blickender McCoy in seinem Laborkittel, lächelte Kirk vom Bildschirm an. 
 
"Erst besuchst du mich, ein paar Tage später rufst du mich an. Und stell dir vor, Spock war inzwischen auch schon hier gewesen. Das ist ja fast zuviel der Ehre." 
 
Kirk verzog ungeduldig das Gesicht und McCoy beeilte sich hinzu zufügen: "Na, schon gut, Jim. Er hat mir erzählt, dass du dich für die Weltraum-Mission entschieden hast. Und er wollte, dass ich dir einen Brief gebe, aber erst kurz vor deinem Abflug ins All. Verstanden habe das ja nicht, aber das war ihm wohl sehr wichtig. Den Brief solltest du auch nur bekommen, wenn du wirklich abfliegst und ..."
 
"Ich hatte mich doch noch gar nicht endgültig entschieden", unterbrach Kirk hastig.
 
"Tatsächlich? Offensichtlich hat er wohl geglaubt, dich besser zu kennen, als du selbst. Beziehungsweise wollte er dir die Entscheidung wohl abnehmen. Tja ... Und was machst du jetzt, Jim?"
 
"Pille, hör' sofort auf zu quatschen! Mach den Brief auf und lies ihn mir vor!" 
 
Kirk spürte selbst nicht, wie sehr sich seine Hände vom Festhalten an der Stuhllehne verkrampften. Da könnte die Erklärung drin sein, warum er mich nicht mehr sehen wollte.
 
"Ich kann nicht, Jim. Ich habe es ihm versprochen. Erst wenn du wirklich abfliegst." 
 
McCoy versuchte, Zeit zu gewinnen, und verfluchte sich selbst für seine Schwatzhaftigkeit.
 
"Pille, wenn du nicht sofort den Brief aufmachst, komme ich rüber und drehe dir eigenhändig deinen dürren Hals um, verstanden?"
 
McCoy war schon einiges gewöhnt, aber war doch etwas erschrocken über den rüden Kommandoton. Aber wenn es um Spock ging, war Kirk schon immer sehr eigenwillig gewesen. Und insgeheim war da auch noch sein Wunsch, dass die Beiden wieder zusammenfanden.
 
"Okay Jim, ich mache es, aber wehe, ich kriege nachher Ärger mit Spock", seufzte McCoy, aber Kirk wedelte vor dem Bildschirm nur ungeduldig mit der Hand. 
 
"Fang schon an", forderte er.
 
"Also gut, Jim. Er schreibt also Folgendes:
 
Jim,
wenn du diesen Brief liest, wirst du sicher bereits im Weltraum sein und
ich hoffe, dass wenigstens ein Teil deiner Wünsche in Erfüllung gegangen
ist. Sicher habe ich dir mit meiner schnellen Abreise Kummer bereitet, aber
ich hatte meine Gründe. Ich darf nicht schuldig sein, dass du nicht deiner
Bestimmung folgst. Aber das wäre passiert, wenn ich dir die ganze Wahrheit
erzählt hätte. Jim, du weißt, dass ich mir nichts sehnlicher gewünscht
habe, als mich mit dir zu binden. Das wird leider nicht mehr möglich sein.
Durch die missglückte Verbindung mit T`Pring ist meine Biologie nicht mehr
in ihrem üblichen Rhythmus. Die Ärzte haben auch die Vermutung geäußert,
dass ich selbst durch eigenes Verhalten dazu beigetragen habe. Du weißt
vermutlich, was ich damit anspreche. Ich werde voraussichtlich im Laufe des
kommenden Jahres erneut das Pon Farr durchleben. Vulkanische Ärzte konnten
mir in dieser Frage leider keine weitere Auskunft oder Hilfsmittel
anbieten. Ich habe mich daher meinem Vater anvertraut und er hat mir sofort
angeboten, für mich eine angemessene und verständnisvolle Partnerin zu
suchen. So werde ich also wieder nach Vulkan rückkehren und es als meine
Bestimmung annehmen, dass sich dort mein Schicksal vollendet.
Doch du wirst immer ein Teil von mir - mein T`hy`la - sein.
 
Kirk schluckte schwer und auch McCoy wusste nicht, was er sagen sollte.
 
Dann explodierte Kirk. "Ich Idiot, ich verdammter Idiot! Warum hat er mir das nicht erzählt, Pille? Verdammt, das hätte doch alles geändert. Wenn ich das nur gewusst hätte."
 
Am Bildschirm blieb es erst still, dann sagte McCoy leise. "Oh, Jim, das tut mir so leid für dich."
 
"Ich habe einen riesigen Fehler gemacht, Pille. Das ist mir jetzt klar und das werde ich sofort wieder korrigieren. Pille, ich melde mich wieder bei dir."
 
Noch bevor McCoy reagieren konnte, hatte er bereits die Verbindung gekappt.
 
Einen Moment lang stellte sich Kirk noch mal alle Möglichkeiten vor, dann atmete er tief durch. Ist es wirklich das, was ich will?, fragte er sich abschließend und fuhr sich nervös durch das Haar. Doch. Ich weiß es jetzt. Jetzt weiß ich es ganz sicher. Kirk straffte sich und wählte eine neue Nummer.
 
"Oh! Hallo, Jim, hast du dich schon entschieden? Du weißt, du hast noch ein paar Tage Zeit." Admiral Noguras Abbild auf dem Bildschirm musterte ihn gespannt.
 
Kirk grinste seinen Vorgesetzten und persönlichen Förderer schief an: "Ich weiß. Aber du wirst dich freuen folgendes zu hören: Ich nehme dein Angebot an. Mach mich zum Admiral und setz mich hier im Hauptquartier ein.
 
 
Ein Lächeln huschte über Noguras Gesicht. "Einverstanden, willkommen im Boot. Komm' morgen rein und wir besprechen das Weitere."
 
"Das wird leider nicht gehen. Ich muss vorher noch nach Vulkan. Aber danach stehe ich dir voll und ganz zur Verfügung. Geht das in Ordnung?" 
 
Kirk versuchte, einen gelassenen Eindruck bei Nogura zu machen, aber er würde keine Kompromisse eingehen.
 
Der Admiral überlegte, und schien die Antwort in Kirks Gesicht zu suchen. Endlich sagte er: "Okay. Wenn es so wichtig ist. Und wenn es wegen Spock ist, wie ich vermute, vielleicht kannst du ihn bei der Gelegenheit auch dazu bringen, sich wieder mehr für die Sternenflotte zu begeistern. Melde dich, wenn du wieder zurück bist. Mach's gut, Jim."
 
Der Bildschirm erlosch, aber Kirk schaute noch eine Weile auf die dunkle Mattscheibe. 
 
Das wäre also geschafft. Und vielleicht kann ich Spock wirklich wieder ins gemeinsame Boot bringen, dachte er und fühlte sich seltsam erleichtert. 
 
Ein leises Lächeln stahl sich auf sein Gesicht, als er die Nummer für seinen letzten Anruf eintippte. 
 
Da wird aber jemand große Augen machen, dachte er noch, als ein weibliches Gesicht auf dem Bildschirm erschien.
 
"Raumflughafenbehörde. Was kann ich für Sie tun?"
 
"Buchen Sie mir bitte den nächsten Flug nach Vulkan, meine Liebe." Kirk strahlte die verblüffte Angestellte an und hätte am liebsten die ganze Welt umarmt.
 
 
6. Teil
Entscheidungen
 
 
James T. Kirk, ehemaliger Captain der Enterprise, stieg mit leichtem Handgepäck und bekleidet in seiner hellen Zivilkleidung aus dem interplanetarischen Raumschiff. Er hatte nicht wie erhofft, sofort nach Vulkan aufbrechen können, denn es hatte noch fast eine Woche gedauert, bis er endlich eine freie Passage erhielt. Und die Unmöglichkeit, in dieser Zeit des nutzlosen Wartens noch weitere Informationen über den Verbleib von Spock zu erfahren, hatte ihn fast an den Rand des Wahnsinns getrieben. 
 
Er wusste nur, dass Spock wenige Tage nach seinem letzten Anruf bei der Botschaft bereits abgeflogen war. Offensichtlich verfügte der vulkanische Botschafter über Möglichkeiten, die selbst einem Captain Kirk verwehrt blieben. Ein kleiner Lichtblick war noch das Entgegenkommen von Admiral Nogura, der ihm den Rücken freihalten wollte. Dafür würde er eines Tages bezahlen müssen, aber das war Kirk zu dem Zeitpunkt egal.
 
In den fast zwei Wochen, die der Flug dauerte, hatte er in den langen Stunden vor dem Aussichtsfenster des Raumschiffs immer wieder versucht, sich das Wiedersehen mit Spock vorzustellen. Anfangs waren seine Gefühle von freudiger Erwartung und Sehnsucht getragen, aber je näher sie dem Planeten kam, um so öfter schlichen sich auch ungebetene und quälende Gedanken ein. Was für eine verrückte Idee, einfach so loszufliegen. Das ist wieder so typisch für mich. Wird Spock sich überhaupt freuen, wenn ich so plötzlich, ohne Ankündigung hier auftauche?
 
Aber wenn Kirk seine Augen schloss, tauchte in seiner Fantasie wieder das herbe Männergesicht mit den unergründlichen Augen auf - und seine Tagträume wurden zärtlich und ausschweifend. 
 
Warum hat er nicht mit mir über alles geredet? Ich habe immer darauf gebaut, dass er mir immer alles erzählt. Warum hatte er kein Vertrauen mehr zu mir? Keine Ruhe findend, konnte Kirk das Ende der Reise kaum noch abwarten. 
 
Auf Vulkan angekommen, verabschiedete Kirk sich geistesabwesend von der Besatzung, die vergeblich versucht hatte, ihn in Gespräche über seine legendären Abenteuer zu verwickeln. Als er dann endlich auf dem Raumflughafen stand, überwältigte ihn wieder die extreme, vulkanische Hitze und die veränderte Schwerkraft legte sich wie ein schwerer Teppich auf seine Schultern. Aber Kirk reckte seine breiten Schultern dagegen an. Jetzt dauert es nicht mehr lange.
 
In der lichtdurchfluteten und weitläufigen Halle suchte Kirk sich einen Transportservice aus. Es befanden sich zwar viele Vulkanier, aber auch Außenwelter in der Halle, von denen ihm manche neugierig hinterher schauten. Aber Kirk beachtete die fragenden Blicke nicht weiter. Nachdem er sich ein Gefährt ausgewählt hatte, tippte er die Adresse in den NavComputer ein. Sofort setzte sich der kleine Gleiter in Bewegung und Kirk wurde zum Anwesen von Spocks Eltern geflogen.
 
Die Villa lag in einer offensichtlich wohlhabenden Gegend und das Grundstück umgab eine sehr hohe, lehmfarbene Mauer, verziert mit typisch vulkanischen Mustern. Vulkanier legen verdammt viel Wert auf ihre Privatsphäre, dachte Kirk kopfschüttelnd. 
 
Mit einem leichten Zittern seiner Hände und einem stummen Fluch deswegen, aktivierte er den Sensor an der Tür, nannte einer neutralen Stimme seinen Namen und ging dann durch ein sich langsam öffnendes Tor. So reserviert und abweisend das große Anwesen von außen auch auf Kirk gewirkt hatte, so einladend und weitläufig war es im Inneren selbst gestaltet. 
 
Der Weg zum Haupthaus war mit großen üppigen Bäumen gesäumt und Kirk genoss den kühlen Schatten. Das muss auf diesem Planeten ein Vermögen kosten, dachte Kirk flüchtig. 
 
Als dann sein Blick auf eine hochgewachsene Gestalt fiel, die mit einer hellen, bodenlangen Robe bekleidet zwischen den Säulen der großen Villa stand, machte sein Herz zuerst einen Freudensprung. Aber schnell erkannte er, dass es nicht Spock war, sondern sein Vater - Sarek, der Botschafter. Kirk wurden die Knie weich, aber seinen Schritten war das nicht anzusehen. Angekommen, blieb er vor Sarek stehen und hob lächelnd die Hände zum vulkanischen Gruß. 
 
"Botschafter, verzeihen Sie mein unangemeldetes Eindringen, aber ich komme in einer wichtigen Angelegenheit."
 
Sareks Gesicht blieb unbewegt, während auch er seine Rechte zum Gruß erhob. Aber Kirk meinte, einen kühlen Lufthauch verspürt zu haben.
 
"Captain Kirk! Ich grüße Sie. Was verschafft unserem Haus die Ehre ihres Besuches?"
 
Er weiß es doch ganz genau, dachte Kirk bitter. 
 
"Ich möchte Spock sprechen - wenn das möglich ist." 
 
Kaum ausgesprochen, ärgerte sich Kirk sofort über den zweiten Teil seines Satzes. Aber ich bin hier nur ein Bittsteller und er lässt es mich nur zu deutlich spüren.
 
"Spock ist nicht hier und er ist auch nicht für Sie zu sprechen", antwortete Sarek mit kühler Stimme.
 
"Aber Sie wissen doch, wie viel mir Spock bedeutet. Wir haben gemeinsam fünf Jahre auf der Enterprise gedient. Und - und wir gehören zusammen. Ich muss unbedingt Spock sprechen. Er muss wissen, dass ich jetzt hier bin.“
 
Kirk hielt sofort inne, als Sarek plötzlich abwehrend seine Hand hob.
 
"Das ist jetzt alles ohne Bedeutung, Captain Kirk. Das Schicksal meines Sohnes wird sich auf Vulkan erfüllen. Wie vorherbestimmt." 
 
Sarek hielt einen Moment inne und fügte dann in einem weicheren Ton hinzu: "Und das ist auch sein erklärter Wille."
 
Für Kirk kamen diese Worte wie Faustschläge und ungläubig starrte er den Vulkanier an. 
 
"Das kann nicht sein, Botschafter. Lassen Sie mich mit ihm sprechen. Dann wird sich alles aufklären", bedrängte Kirk Sarek und hätte ihn am liebsten mit beiden Händen geschüttelt. 
 
"Ich bin jetzt hier. Er braucht keine Vulkanierin mehr als Bindungspartnerin - bitte."
 
Sarek zeigte einen Anflug von Gereiztheit auf dem undurchdringlichen Gesicht und Kirk biss sich verärgert auf seine Lippe. 
 
"Vergessen Sie sich nicht, Captain Kirk. Ich muss Sie jetzt bitten, sofort zu gehen."
 
Ohne wirkliche Hoffnung suchte Kirk währenddessen fieberhaft die Hausfront nach einem Lebenszeichen von Spock ab. Aber die Fenster blieben dunkel und starrten leer zurück. Verzweifelt richtete er seinen Blick wieder auf Sarek, der ihn mit unbewegter Miene beobachtete. 
 
Kirks Drang, einfach auf der Suche nach Spock in das Haus zu stürmen, wurde fast übermächtig. 
 
"Also gut, Botschafter", antwortete Kirk mühsam um Fassung ringend. "Ich werde jetzt gehen. Aber denken Sie darüber nach, ob Sie bisher wirklich immer die beste Entscheidung für Ihren Sohn getroffen haben." 
 
Kirk meinte, kurz ein wütendes Aufflackern in den Augen des Botschafters gesehen zu haben, aber sofort war dieser Eindruck wieder von dem unbewegten vulkanischen Gesicht verschwunden.
 
Betont locker drehte sich Kirk um und ging den Weg zwischen den Bäumen zurück. Er spürte den Blick des Botschafters auf seinem Rücken brennen und jeder Schritt, der ihn scheinbar von Spock wieder fortbrachte, wurde ihm zentnerschwer. Aber er hatte keine Wahl. Ich muss einen anderen Weg finden - einen anderen Weg zu Spock. 
 
In seinen Taschen ballte er seine Fäuste. Aber ein Ass habe ich noch im Ärmel, dachte er grimmig.
 
Vor dem Haus setzte er sich in seinen Gleiter und starrte auf die jetzt erneut verschlossene Front. Nachdem er sich wieder einigermaßen in der Gewalt hatte, aktivierte er die Sprechanlage. 
 
"Hier spricht Captain James T. Kirk. Verbinden Sie mich bitte mit T`Pau." Auf Sie wird Sarek hören müssen, dachte Kirk hoffnungsvoll. Sie kennt am besten meine tiefe Beziehung zu Spock. Und sie hat hier sehr großen Einfluss.
 
"Leider kann die Verbindung nicht hergestellt werden, Captain Kirk."
 
Kirk riss erstaunt die Augen auf. 
 
"Warum nicht? Ich meine, will Sie jetzt nicht mit mir sprechen, oder was ist der Grund?"
 
"T`Pau hat sich von ihren Verpflichtungen zurückgezogen." Die körperlose Stimme in der Sprechanlage zögerte einen Moment und fuhr dann fort: "Die Übergabe ihres Katras wird gerade vorbereitet, Captain Kirk.“
 
 
"Ihres Katra? Oh, Sie meinen, dass sie ... Das tut mir sehr, sehr leid." 
 
Kirk hatte von Spock nicht viel über die Bedeutung des Katras für Vulkanier erfahren und war sich auch nicht wirklich sicher gewesen, inwieweit seine Andeutungen noch für das heutige Vulkan galten. Aber er interpretierte die Nachricht sofort so, dass T`Pau im Sterben lag. Er war wie vor den Kopf gestoßen. T`Pau war seine große Hoffnung gewesen.
 
"Das muss Ihnen nicht leidtun. Sie ist eine bedeutende Führerin und sie wird es auch immer bleiben."
 
"Oh, natürlich."
 
Die Stimme verabschiedete sich, aber Kirk war noch ganz bestürzt von dieser Nachricht. Was mache ich jetzt bloß? T`Pau wird mich nicht mehr unterstützen können. 
 
Er warf wieder einen Blick auf das festverschlossene Tor und konnte diesen Anblick auf einmal nicht mehr ertragen. Auf dem NavComputer waren einige Orte besonders markiert. Kirk kannte die Namen nicht. So tippte er einfach irgendeine Bezeichnung an. 
 
Der Gleiter setzte sich Bewegung, aber Kirk achtete nicht mehr auf die Umgebung. An wen kann ich mich jetzt noch wenden? Verdammt, ich kenne hier doch niemanden. Seine Mutter Amanda wird tun, was Sarek wünscht und sonst ist hier doch keiner, der mich ...
Moment mal. Einen kenne ich doch noch ... Ich weiß zwar nicht, wie er wirklich zu Spock und auch zu mir steht, aber ich muss jede noch so kleine Chance nutzen. Vielleicht ...
 
Elektrisiert fuhr Kirk in seinem Sitz hoch und ließ sich wieder eine Verbindung herstellen.
 
"Hier spricht Sulwarek."
 
Begeistert über seinen ersten, kleinen Erfolg auf diesen abweisenden Planeten strahlte Kirk innerlich. "Hier spricht Kirk. Sie kennen mich, Botschafter. Ich war Captain der Enterprise und wir haben Sie damals von Omega II abgeholt."
 
"Natürlich, Captain Kirk. Ich erinnere mich. Es war eine lehrreiche Reise und hat mir viele interessante Einblicke gestattet."
 
Kirk wurde etwas unwohl, als er das hörte. Und wieder spürte Kirk einen irrationalen Stich von Eifersucht. Aber er würde damit fertig werden, denn er konnte jetzt nicht mehr zurück. Es war seine letzte Hoffnung. Ich fliege nicht zurück, bevor ich nicht alle Möglichkeiten Spock doch noch zu erreichen, ausgeschöpft habe. 
 
"Um auf den Punkt zu kommen. Ich könnte vielleicht Ihre Hilfe gebrauchen. Ist es möglich, dass Sie mich anhören?
 
 
"Sie möchten mich sprechen? Dann schlage ich vor, dass Sie in mein Haus kommen. Ich gebe Ihnen die Koordinaten."
 
"Danke, Botschafter Sulwarek. Ich komme sofort." Kirk veranlasste alles Notwendige und der Gleiter setzte sich in Bewegung.
 
*
 
Sulwarek, der ehemalige vulkanische Botschafter von Omega II, saß in seinem Arbeitszimmer und konnte deutlich die Emotion - Neugier auf den Menschen spüren. Das könnte ein interessantes Gespräch werden, dachte er. Es wird natürlich um Spock gehen.
 
*
 
Die Bilder und Zeichen auf der fein ziselierten Wand erzählten eine alte vulkanische Geschichte zwischen unbeherrschtem Egoismus und friedvoller Gelassenheit:
 
Die bewegten Wolken ziehen vorbei, aber der Berg ruht in sich – Ohne Emotionen - Pures Sein - Reine Logik.
 
Seit Stunden hockte Spock, wie so oft in den letzten Tagen, in Meditationshaltung auf seinem Stein und starrte auf dieses, von ihm selbst ausgesuchte Bild - versuchte, wie dieser Berg zu werden. 
 
Es kam ihm schon wie eine kleine Ewigkeit vor und er erinnerte sich nur noch dunkel an sein früheres Leben. Mit äußerster Willensanstrengung zwang er sich, nicht die Augen zu schließen, obwohl ihm die Augenlider schon wie Feuer brannten.
 
Er erlaubte es sich nicht, sich zu bewegen, obwohl er spürte, wie seine Beine unter seinem Gewicht taub wurden. Denn er wünschte sich nichts sehnlicher, als das auch der Rest seines Körpers so gefühllos wurde- abstarb. Und mit ihm alles, was sonst an ihm noch menschlich war. 
 
Das Menschliche in mir hat mich in diese Verwirrung gestürzt, wiederholte Spock sich immer wieder wie in Trance und kämpfte seit Tagen um die erste Stufe der inneren Ruhe. Es hat mich alles vergessen lassen, was ich eigentlich bin. Ich muss wieder zu mir finden. Zu dem, was uns gelehrt wurde. Ich muss wieder zu einem reinen Verstand, zur reiner Logik zurückfinden.
 
Ein Schauder ging durch Spocks Körper und er empfand ein Gefühl, als wenn breite Bänder ihn langsam umwickelten. Bänder, wie aus festem Gummi, die ihn immer mehr einschnürten, aber auch Halt und Schutz versprachen. Die Bänder begannen, sich fest um seine Beine zu legen, und um seinen Rücken. Es war so angenehm, sich hineinfallen zu lassen. Alle Verwirrung hinter sich zu lassen. Absolute Klarheit im Geist und in den körperlichen Bedürfnissen zu erleben. Endlich wieder wie ein Vulkanier zu sein. Keine Zweifel mehr zu kennen, keine Ängste, kein Neid, keine Eifersucht und keinen Hass mehr zu spüren. Nur zu sein und von Nutzen, ohne eigene Bedürfnisse. Ohne Hoffnung, ohne körperliche Begierde. Ohne Sehnsucht ... ohne Jim. Nur… zu sein ...
 
Ein neues Bild bildete sich auf der kargen Wand. Ein unwirkliches Bild. Aber für Spock allzu real. 
 
Spock schloss für eine Sekunde die brennenden Lider und stöhnte laut auf. 
 
Aber als er wieder die Augen öffnete, sah er es wieder. Eine Vision. Von einem anderen Planeten. Ein Mensch. So friedvoll, so freundlich, so verführerisch. 
 
„Nein! Nicht!“
 
Jede Faser in Spocks Körper versuchte, sich gegen den Ansturm von Emotionen zu wehren, die wieder aus seinen körperlichen Tiefen hochstiegen. Es soll nicht sein, beschwor er sich. Ich will ihn nicht mehr in mir fühlen. Deswegen bin ich hier. Um ihn endgültig zu überwinden.
 
Spock versuchte verzweifelt, die körperlichen Empfindungen zu ignorieren. Aber er spürte, wie ihm der Schweiß über den Rücken und seine schwer atmende Brust lief. Und das Brennen in seinen Eingeweiden wurde immer intensiver. Wenn ich es selbst nicht schaffe, werden mir die Priester auch nicht helfen können. Ich muss es nur wollen. Dieses Mal muss ich es schaffen. Warum will mir das nicht gelingen? Was ist da noch in mir, dass mich nicht loslassen lässt?'
 
Spock presste gequält die von Hitze und Durst aufgesprungenen Lippen zusammen. Spürte den bitteren Geschmack von Blut auf seiner Zunge. Aber es war zu spät. Etwas in ihm hatte sich nicht betrügen lassen. Verzweifelt presste er seine Hände gegen seinen flachen Bauch. Gegen das sehnsuchtsvolle Brennen, dass sich in seinem Unterleib auszubreiten begann. Wie ein schneidender Schmerz. 
 
Die schützenden Bänder waren verschwunden und Spock füllte sich unendlich ausgeliefert und schwach. „Lass mich doch endlich gehen, Jim“, kam flüsternd aus Spocks Kehle. 
 
Und in dem Moment, in dem er es ausgesprochen hatte, dröhnte ihm der Name seiner Sehnsucht durch den ganzen Leib. Ein Widerhall, der ihn erfasste und Spock wusste, dass er wieder einen Kampf verloren hatte. 
 
„Jim, warum musste ich dir begegnen? Jeder Gedanke an dich bereitet mir unendlich Schmerzen.“
 
Gegen seinen Willen, gegen seine Logik, ließ er unter seiner Robe seine Hände an seinen heißen Oberschenkeln entlang gleiten. Und stellte sich vor, es seien Jims zärtliche Hände. Resigniert schloss er seine Augen und lies es zu, dass in seiner überreizten Fantasie wieder das vertraute menschliche Gesicht vor seinem inneren Auge erschien. 
 
Nein, nein, ich darf nicht an ihn denken, beschwor sich Spock wieder, aber seine letzten geistigen Barrieren brachen schon ein.
 
Er sah das Funkeln glücklich lachender, hellbrauner Augen vor sich. Komm zu mir, schien die sanfte Stimme ihm zu zuflüstern; bleib bei mir - nur bei mir. Er sah die hellen Körperkonturen von Kirk vor sich liegen, meinte die zärtlichen Hände von Jim jetzt auf seinem ganzen Körper zu spüren, dachte jetzt, es wäre Jims Begierde. Seine Finger, die ihn überall fiebrig streichelten. Es war wie ein Pfahl in seinem Fleisch, der ihn nicht loslassen wollte. Tränen bildeten sich einen Weg unter den fest verschlossenen, dunklen Wimpern. 
 
„Das darf nicht sein“, schrie eine Stimme in ihm auf. Und gleichzeitig glaubte Spock, vornüber in Jims Arme zu fallen.
 
- und fiel doch nur auf harten Stein.
 
Ohne Bewusstsein blieb er still liegen, bis er gefunden wurde.
 
"Was sollen wir mit ihm machen, ehrwürdiger Solran?"
 
"Bringt ihn in seinen Raum. Er bedarf unserer besonderen Zuwendung."
 
"Aber ich habe gerade eine Nachricht für ihn bekommen."
 
"Gebt sie ihm, wenn er wieder bei Sinnen ist."
 
*
 
Der Gleiter flog kilometerweit über Felder, die alle mit glasähnlichen Dächern bedeckt waren. Kirk vermutete, dass es sich dabei um eine Art Gewächshäuser handelte. Er verlor sich in den Anblick, betrachtete das wuchernde Grün darunter und die glitzernden Lichtreflexionen auf den Dächern. Kirk dachte, dass auch Spock wie dieses Grün war. Wild wuchernd, wunderschön anzusehen, aber gut geschützt in einer Hülle. Aber er würde einen Zugang finden.
 
Dann sah er in der Ferne eine Stadt mit vielen kleinen Türmen auftauchen, aber bevor er Genaueres erkennen konnte, bog der Gleiter in eine leichte Kurve und flog auf ein weitläufiges Anwesen zu. Der Gleiter landete. Er stieg aus und sah sich suchend um.
 
"Seien Sie gegrüßt, Captain Kirk."
 
Kirk drehte sich rasch nach der Stimme um und sah eine vulkanische Frau aus dem Schatten auftauchen. Sie war reich gekleidet und winkte ihm freundlich zu.
 
"Sulwarek erwartet Sie in seinem Zimmer. Folgen Sie mir."
 
"Ich danke Ihnen", sagte Kirk, nachdem er den vulkanischen Gruß erwidert hatte, und ging mit der eleganten Frau hinein.
 
"Captain Kirk! Ich grüße Sie. Was kann ich also für Sie tun?", begrüßte Sulwarek ihn und winkte ihn zu einer Sitzecke.
 
Der Raum war offensichtlich ein Arbeitszimmer, denn die Wände waren bedeckt mit Bücherregalen und Datenspeichern. Auf den meisten Deckblättern waren vulkanische Zeichen zu erkennen. Aber Kirk konnte auch Titel in vielen anderen Sprachen sehen. Gerade als er eine freundliche Bemerkung über die Belesenheit des Besitzers machen wollte, bemerkte er den taxierenden Blick des Vulkaniers und setzte sich still hin. Keine menschlichen Höflichkeiten. Er ist Vulkanier und ich brauche seinen Rat, dachte Kirk.
 
Er ergriff das angebotene Wasserglas auf dem Tisch vor ihm, trank durstig einen Schluck und holte dann tief Luft. 
 
"Sulwarek. Wir kennen uns nur flüchtig. Aber ich weiß, dass Sie ein guter Freund von Spock sind. Und deswegen bin ich hier. Ich muss unbedingt Spock sprechen, aber ich weiß nicht, wo er ist. Ich weiß nicht, wo ich ihn suchen soll. Sein Vater will mich nicht zu ihm lassen. Können Sie mir helfen?"
 
Der Vulkanier saß entspannt in seinem Stuhl, aber seine Augen waren wachsam und voll auf Kirk konzentriert. "Jeder Vulkanier weiß, wo Spock sich zur Zeit aufhält."
 
"Jeder ... weiß? Aber warum hat Sarek mich nicht mit ihm sprechen lassen? Kirk stand die Verwirrung auf der Stirn geschrieben und er beugte sich vor. 
 
"Wo ist er, Botschafter? Ist er bei seinem Vater? Ich muss das wissen.“
 
Mit gleichmütiger Stimme fuhr Sulwarek, unbeeindruckt von den Emotionen des Menschen fort: " Nein. Er hat sich zurückgezogen und bereitet sich auf die Bindung mit einer Vulkanierin vor."
 
"Das habe ich befürchtet und ich bin hier, um das zu verhindern - wenn es mir möglich ist." Kirk versuchte seine Stimme so klar und bestimmt wie möglich klingen zu lassen, aber es tobte ein innerer Aufruhr in ihm.
 
"Auch ich bin Spock noch in gewisser Weise verbunden, aber er hat sich entschieden. Warum also wollen Sie das verhindern - wenn Sie das für möglich halten?"
 
"Das mit Ihnen war etwas anderes. Aber ich muss versuchen, das zu verhindern. Für mich. Und für Spock. Für uns beide", sagte er leise und tauschte einen verstehenden Blick mit dem Vulkanier.
 
Spock hat sich ihm also doch noch vollständig offenbart, dachte Sulwarek.
 
"Sie, Sie haben jetzt auch eine feste - Partnerin ... Ist es nicht zuviel verlangt, wenn ich mir dasselbe wünsche?" Kirk fühlte sich etwas unwohl, nachdem er das so offen ausgesprochen hatte.
 
"Kairós."
 
"Wie bitte?" Kirk kam das Wort bekannt vor, aber er konnte sich nicht mehr erinnern, woher er es kannte.
 
"Das ist griechisch. Sie müssten die Bedeutung eigentlich kennen, Captain. Es gibt immer nur einen richtigen Zeitpunkt - für alles im Leben." Sulwarek lehnte sich in seinen Stuhl zurück und fuhr dann fort: "Das gilt auch für Sie. Sie haben Ihre Pflichten als Captain der Sternenflotte. Also - was tun Sie hier?"
 
"Vielleicht habe ich den richtigen Zeitpunkt versäumt, aber um bei den Griechen zu bleiben: Ich bin nur meinem Gewissen verpflichtet."
 
"Sokrates. Auch ein Grieche, dessen Gedanken ich sehr bemerkenswert finde. Sulwarek spürte, wie so etwas wie Sympathie für diesen Menschen in ihm entstand.
 
"Richtig. Und ich bin bereit wirklich alles dafür zu tun, um Spock zurück zugewinnen. Ich habe nicht geahnt, dass meine Überlegungen, eine neue Raummission anzunehmen, Spock zu derart radikalen Entscheidungen bringen würde. Aber ich bin jetzt hier. Helfen Sie mir - wenn Sie können, Sulwarek." 
 
Kirks Stimme bekam etwas Flehendes und er umklammerte sein Trinkglas.
 
Sulwarek betrachtet den Menschen und antwortete dann bedächtig: "Sie wissen, was das Pon Farr bedeutet, Captain?"
 
"Natürlich. Und anstatt mir davon zu erzählen, dass es bald soweit ist, geht er nach Vulkan, um sich hier zu binden. Aus falsch verstandener Selbstlosigkeit", antwortete Kirk bitter.
 
"Das Pon Farr ist sehr mächtig. Es sichert unser Überleben als Rasse und muss daher geehrt werden. Spock hatte sich ursprünglich für Sie als Bindungspartner entschieden. Ich weiß das."
 
Kirk unterdrückte bei diesen Worten nur mühsam seine Gefühle.
 
"Aber er musste erkennen, dass Sie ein Mensch sind und unsere Kultur nicht wirklich verstehen können."
 
Kirk spürte, wie er vor Ärger rot im Gesicht anlief und presste seine Lippen zusammen, aber Sulwarek fuhr unbeeindruckt fort: "Sie haben ihre menschlichen und sehr ehrenhaften Pflichten. Und Spock musste eine Entscheidung treffen. Er hat sich für Vulkan und eine vulkanische Partnerin entschieden. Und damit sich, seine Eltern und seine Herkunft geehrt. Können Sie das nicht verstehen?"
 
Kirk spürte Ärger über das Unverständnis, dass Sulwarek ihm entgegenbrachte. Spock ist doch ganz anders. Er ist auch ein Mensch. Das können sie hier einfach nicht verstehen. Er hat mir nur aus reiner Sturheit, oder was weiß ich für Gründen, nicht erzählt, dass ich unbedingt bleiben muss. 
 
Wenn ich das nur geahnt hätte. Wenn er nur ein Wort gesagt hätte, verdammt noch mal. Spock, verdammt. Wie konntest du mir das nur antun?
 
"Sulwarek. Ich bin ein Mensch - nur ein Mensch. Aber Spock hatte sich für mich entschieden. Vielleicht habe ich einen Fehler gemacht – aus Unwissenheit. Ich bin hier, um das wieder gut zumachen. Wenn Sie mir helfen können, dass ich mit Spock noch einmal sprechen kann - dann tun Sie das. Sonst gehe ich jetzt. Sie kennen Spock mindestens so gut wie ich. Entscheiden Sie, ob Sie uns diese Chance geben wollen. Ich kann sonst niemanden mehr fragen." 
 
Alle Farbe war aus Kirks Gesicht gewichen und resigniert stellte er das Glas, das er die ganze Zeit wie einen Anker festgehalten hatte, mit einem lauten Scheppern auf die Tischplatte zurück.
 
Sulwarek runzelte kurz die Stirn aber empfand gleichzeitig Neugier. Ist es das, was Spock an ihm so anziehend fand? Diese ungehemmte Emotionalität? Nun, vielleicht ist Spock menschlicher, als wir alle dachten. Er muss etwas in ihm gefunden haben, was ich oder irgend ein anderer Vulkanier ihm nicht geben konnte. Ich kann es nicht verstehen, aber ich habe es ja in seinem Geist gesehen. 
 
"Captain Kirk, warten Sie hier einen Moment." Mit diesen Worten erhob sich Sulwarek und verließ den Raum.
 
Kirk hob verblüfft den Kopf, aber kurz darauf kehrte der Vulkanier wieder zurück und blieb vor ihm stehen. "Spock ist benachrichtigt worden. Sie können ihn besuchen, wenn er dazu bereit ist. Geben Sie diese Koordinaten in Ihren NavComputer ein."
 
Überrascht sprang Kirk von seinem Stuhl hoch. "Ist das wahr? Ich danke Ihnen und ..."
 
Sulwarek wedelte nur unwillig mit seiner Hand. "Eine logische Entscheidung, Captain. Langes Leben und Frieden."
 
"Das wünsche ich Ihnen auch, Botschafter Sulwarek." Kirk griff nach den Daten und ließ sich aus dem Haus führen. So schnell wie es ging, verließ er das Gebäude und stieg in seinen Gleiter.
 
"Ist das Spocks menschlicher Wunschpartner gewesen,?"
 
Sulwarek hatte nicht gehört, dass seine Ehefrau in den Raum getreten war. Überrascht drehte er sich zu ihr um.
 
"Ja, T`Iran, hoffen wir für Spock das Beste."
 
Nachdenklich blickte die Vulkanierin auf ihren langjährigen Bindungspartner.
 
*
 
Der Nachmittag neigte sich langsam dem Ende entgegen und die sinkende Sonne Vulkans färbte die Erde mit schweren, dunkelroten Farbtönen. Kirk spürte in dem Gleiter, wie Hitze, Schwerkraft und Anspannung an seinen Kräften zehrten. Aber er wollte nicht aufgeben, wollte es von Spock selber hören, warum er in dieser Nacht so einfach gegangen war, ohne vorher mit ihm zu sprechen. Er fasste in seine Tasche und faltete wieder den letzten Brief von Spock auf, wie so oft in den letzten Tagen:
 
- du wirst immer ein Teil von mir - mein T´hy´la - sein.
 
Kirk spürte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte. Gleich würden sie sich wieder sehen und er war voller schwerer Gedanken, wie Spock auf das Treffen reagieren würde. Aber auch voller Hoffnungen.
 
Als er aus dem Fenster des Gleiters sah, fiel ihm das veränderte Panorama auf. Aus einer Sandwüste war eine karge Steinlandschaft geworden und vor ihm tauchte ein riesiges Bergmassiv auf. Kirk lächelte leicht in sich hinein, als er es wiedererkannte. Hier hast du dich also versteckt, dachte er. Ich hätte es eigentlich wissen müssen.
 
Es war der Mount Seleya.
 
Langsam flog der Gleiter auf eine Felsplattform zu und Kirk konnte einige Gestalten in langen, hellen Roben an einem Felseingang erkennen.
 
Nach der Landung trat einer der Priester auf Kirk zu. "Ich grüße Sie, James T. Kirk. Sulwarek hat mir Ihr Kommen angekündigt."
 
"Ich danke Ihnen, dass ich mit Spock sprechen darf." Kirk schaute in ein sehr altes und strenges Gesicht und fragte sich flüchtig, ob auch dieser Priester bei seiner damaligen Prüfung auf Vulkan oder sogar bei den geheimen Ritualen dabei gewesen war.
 
"Ich bin Solran. Leider ist es T`Pau nicht möglich, Sie persönlich zu begrüßen. Ich vertrete sie, bis eine würdige Nachfolge bestimmt ist."
 
Kirk wollte antworten, aber der Priester ließ ihn nicht zu Wort kommen.
 
"Sie sind wegen Spock gekommen. Eigentlich ist hier kein Besuch gestattet, aber Sulwarek hat mich überzeugt, dass Ihr Kommen für Spock hilfreich sein könnte. Spock hat auch menschliches Blut in seinen Adern. Vielleicht können Sie ihm helfen, wo das vulkanischen Priestern nicht mehr möglich ist."
 
Kirk runzelte kurz die Stirn und fühlte plötzlich Sorge wie einen Speer durch seinen Körper fahren. "Dann möchte ich ihn jetzt sofort sehen, Solran."
 
"Natürlich, Captain."
 
Der Priester ging voraus und Kirk folgte ihm durch den Höhleneingang. Zu seiner Überraschung waren sie jedoch dieses Mal in einem ganz anderen Teil der Tempelanlage. Hier waren die Räume nicht so großzügig und wertvoll dekoriert wie in dem Teil, den Kirk von seinem früheren Besuch her kannte. Es wirkte eher wie ein karges Kloster auf ihn.
 
"Hier halten sich Ratsuchende auf, wenn sie wieder auf den Pfad der Logik zurückkehren möchten. Und auch diejenigen, die sich für den Weg des Kholinar entschlossen haben", sprach der Priester, als hätte er Kirks Gedanken gelesen.
 
"Solran, ich will nicht ungeduldig erscheinen, aber wie weit ist es noch?", fragte Kirk und konnte in seiner Stimme seine Sorgen um Spock nicht verbergen. Er hatte das Gefühl, sich in einem verschachtelten Labyrinth zu befinden und die Stille in dem Berg zerrte an seinen Nerven.
 
"Geduld, junger Mensch. Wir sind gleich da." Nach einigen Abzweigungen blieb der Vulkanier schließlich vor einer torähnlichen Tür stehen. "Wir sind da. Ich werde Sie jetzt verlassen. Wenn Sie ihre Unterredung beendet haben, können Sie diese Glocke läuten und es wird jemand kommen, um sie abzuholen." 
 
Solran deutete auf einen Schalter und verschwand dann wieder in den Gängen.
 
Jetzt ist es soweit, dachte Kirk. Was erwartet mich hinter dieser Tür? Nervös fuhr sich Kirk durch sein verschwitztes Haar. Ich muss wissen, was mit ihm los ist. Ob ich ihm immer noch etwas bedeute. Er straffte seine Schultern und trat durch die Tür.
 
*
 
In dem kleinen Raum war alles in ungewisses Dämmerlicht getaucht, denn es gab nur ein großes Fenster, durch das schräg das Abendlicht auf reich gemusterte Steinplatten fiel.
Aber er sah ihn sofort.
 
Spock hockte schwer atmend auf dem Boden, seine Stirn kühlend angelehnt an die Wand mit den eingemeißelten Bildern und vulkanischen Zeichen. 
 
Er musste Kirks Eintritt gehört haben, aber ließ das durch keine Bewegung erkennen. Die silbernen Stickereien auf seinem dunklen Umhang blitzten in dem Dunkel wie kleine Sterne und das Licht der ersterbenden Sonne schimmerte auf dem glatten, schwarzen Haar.
 
"Spock", hauchte Kirk leise, bekümmert durch die bedrückende Atmosphäre in Der Zelle, die nicht viel größer als seine Kabine auf der Enterprise war. "Spock, was tust du hier? Ich habe dich gesucht und ich. Bitte dreh dich um und sprich mit mir. Spock!" 
 
Es kam ihm wie eine kleine Ewigkeit vor, bis sich endlich die Gestalt am Boden rührte.
 
"Jim, bitte akzeptiere meinen Entschluss, hier zu bleiben."
 
Kirk hatte Mühe, die Worte zu verstehen und näherte sich vorsichtig. Er ging hinter Spock in die Hocke. So hatte er sich die Begrüßung nicht vorgestellt und besorgt runzelte er die Stirn. 
 
"Das kann ich nicht. Sprich mit mir, Spock. Ich muss wissen, warum du mich verlassen hast. Warum du nicht mit mir geredet hast. Spock, bitte."
 
Kirk beugte sich zu der bewegungslosen Gestalt und der vertraute intensive Geruch, die Linie des Nackens, das schwarze Haar traf seine Sinne wie ein elektrischer Schlag. Er wollte dieses Haar berühren, wie er es früher schon so oft, ohne nachzudenken, getan hatte. Aber etwas hielt ihn jetzt davon ab.
 
„Was ist nur mit uns passiert“, fragte er leise und senkte frustriert wieder seine Hände.
 
Spock spürte ihn hinter sich und konnte nur mit äußerster Anstrengung ein Stöhnen unterdrücken. Seine Schultern verkrampften sich und er antwortete, ohne sich umzudrehen, mit gepresster Stimme. 
 
"Jim, ich habe mich für den vulkanischen Weg entschieden. Du hast dich für deinen Weg entschieden. Es ist keine Logik darin, weiter darüber zu sprechen. Bitte versteh das und geh."
 
"Nein, Spock. Hör' mich an. Ich gehe nicht auf die Raummission. Wir können für immer zusammenbleiben." Mit diesen Worten packte Kirk ihn an den Schultern.
 
Spock zuckte heftig unter der Berührung zusammen und senkte seinen Kopf. "Jim, bitte. Das willst du nicht wirklich."
 
Kirk kam die Stimme fremd und meilenweit entfernt vor. Widerstrebend nahm er seine Hände wieder von den harten Schultern. 
 
"Spock, ich habe diesen weiten Weg nur gemacht, um dich zu sehen. Um mich für alles zu entschuldigen, was ich falsch gemacht habe. Gib mir bitte noch eine Chance." 
 
Als lange keine Antwort kam, stand er resigniert wieder auf und sah sich nach einem Sitzplatz um. Ich muss ihm Zeit geben, muss ihm zuhören.
 
Schwer atmend ließ Kirk sich auf ein an der Wand stehendes Bett fallen. Er ließ seine Blicke durch den Raum wandern und betrachtete dann lange Spocks Rücken. Ich darf ihn nicht verlieren. Ich könnte es mir nicht verzeihen. Ich kenne ihn doch. Lass dir etwas einfallen, James ...
 
Spock versuchte, sich mental von der Anwesenheit Kirks abzuschirmen, aber fühlte, wie seine Abwehr zunehmend brüchiger wurde. Die Blicke Kirks kribbelten auf seinem Rücken wie Ameisen.
 
"Verdammt hartes Bett, Spock. Schläfst du hier?"
 
Von dem plötzlichen Themenwechsel irritiert, sah sich Spock um, um zu sehen, was Kirk gerade machte. Im selben Moment verwünschte er sich jedoch sofort für seine Neugier. Warum habe ich mich nur einverstanden erklärt, ihn einzulassen. Ich wollte, dass er akzeptiert und dann geht. Aber es war zu spät. So einfach würde ein James T. Kirk sich nicht geschlagen geben.
 
Mit Mühe erhob sich Spock von seinem Stein. Seine Beine drohten ihren Dienst zu versagen und nur mit Anstrengung hielt er sich aufrecht, als er zum Fenstersims ging.
 
Er hatte sich in den wenigen Wochen verändert. Er sah blass aus und hatte harte, abgezehrte Linien im Gesicht. Auf den Lippen lag etwas Schorf, wie von einer frisch verheilten Wunde, um die sich keiner gekümmert hatte.
 
Dann sah Kirk in die dunklen Augen, die ihn wie schwarze Seen unergründlich anblickten. 
 
"Spock, was ist mit dir geschehen?"
 
Kirk war von dem Anblick erschrocken. Am liebsten wäre er sofort zu ihm geeilt, aber er hielt sich zurück. Habe ich ihn etwa schon verloren? 
 
"Es ist alles meine Schuld. Das ich überhaupt darüber nachgedacht habe, ohne dich auf diese verdammte Raummission zu gehen. Aber warum hast du mir nicht erzählt, was mit dir los ist? Hattest du kein Vertrauen mehr zu mir?
 
Seine Stimme klang rau und mit einem vorwurfsvollen Blick wandte er sich an Spock, der ihn vom gegenüberliegenden Fenster aus still beobachtete. Das Abendlicht umfloss rötlich die stille Gestalt und ließ sie für Kirk unendlich fremd und fern erscheinen.
 
"Ich habe dich jeden verdammten Tag immer mehr vermisst. Ich musste einfach herkommen. Stimmt es wirklich, dass du eine vulkanische Partnerin suchst? Ich kann es nicht glauben, nicht nach allem, was zwischen uns war." 
 
Kirk hatte das unheimliche Gefühl mit einer Schattengestalt aus einer anderen Welt zu sprechen.
 
Spock löste sich langsam vom Fenster und drehte sein im Dämmerlicht kaum erkennbares Gesicht vollends zu Kirk. "Jim, was tust du hier? Warum bist du nicht auf deinem Raumschiff?"
 
"Verdammt, Spock! Es ist mir ernst." Kirk atmete tief und spürte, wie sein Herz ihm bis zum Hals schlug.
 
"Es tut mir leid, aber ich konnte nicht anders handeln", antwortete Spock mit geisterhafter Stimme.
 
"Was soll das heißen? Du konntest nicht anders?" Kirk sprang auf und ging auf Spock zu. Im Gegenlicht war das vulkanische Gesicht kaum zu erkennen. Aber er spürte, wie Spock vor ihm zurückwich. Und das verletzte ihn tiefer, als er wahrhaben wollte. Lautstark forderte er: "Sag mir endlich, was du hier treibst und ob das alles wirklich stimmt. Wolltest du mich wirklich verlassen, oder was steckt dahinter?"
 
Da packte Spock plötzlich Kirks Unterarm mit einem so festen Griff, dass er kaum einen erschrockenen Schrei unterdrücken konnte. Aber es war ein willkommener Schmerz. Endlich eine Reaktion. "Erklär' es mir einfach, Spock. Ich höre dir zu." 
 
Kirk genoss mit seinen ganzen Sinnen die in seine Haut eindringenden Fingernägel und seine Stimme wurde sanft. Er berührt mich. Da ist doch noch etwas zwischen uns, dachte er sehnsuchtsvoll.
 
Spock zögerte einen Moment und nickte dann nachdenklich, aber blickte dabei über Kirks Schulter hinweg auf die gegenüberliegende Wand. "Du weißt, dass Vulkanier sich auf Lebenszeit verbinden und dass das Pon Farr eine Rolle dabei spielt. Wenn ein männlicher Vulkanier in das Pon Farr kommt und er ist noch nicht gebunden, dann muss er sich jemanden suchen, mit dem er ..."
 
"Mein Gott, das hast du mir doch schon alles erklärt. Und ich weiß jetzt auch, dass das alles früher kommt, als du gedacht hast. Aber warum hast du mir das nicht selbst gesagt?" Kirk spürte, wie er ungeduldig wurde.
 
Endlich senkte Spock seine Augen und starrte Kirk mit unbewegter Miene ins Gesicht.
 
"Als du mir von deiner Mission erzählt hast, musste ich mich entscheiden. Sollte ich meinen persönlichen Bedürfnissen folgen, oder dir die Freiheit schenken - das, was dir am Meisten bedeutet?"
 
Kirk dachte, dass ein Knoten in ihm mit einem lauten Knall platzen würde. "Warum denkt nur jeder, dass er über mich entscheiden müsste?" Er wurde laut dabei und seine Stimme überschlug sich fast.
 
Erschrocken lockerte Spock seinen Griff wieder, aber rührte sich keinen Millimeter zurück.
 
„Du hast wirklich geglaubt, du tust es wegen mir?“, fragte Kirk, als er wieder einen klaren Gedanken fassen konnte.
 
"Warum hast du mir nicht vertraut? Habe ich nicht alles mit dir gemeinsam durchgestanden? Die Prüfung habe ich auch bestanden. Das mit der Mission bereue ich jetzt, aber ich wusste es doch nicht besser. Und jetzt bin ich hier." 
 
Kirk seufzte.
 
„Wie kann ich dich nur überzeugen, dass alles ganz einfach ist. Du musst nur endlich zu seinen Gefühlen stehen und mit mir kommen. Dann wird alles gut.“ Vorsichtig ließ er seine Hand über Spocks Mantel gleiten.
 
Spock fühlte, wie alles, was in ihm vorher von einer steinernen Härte war, aufweichte und etwas Fließendes ihm alle Klarheit nahm. Nein, ich muss mich dagegen wehren, beschwor sich Spock. Ich bin Vulkanier und ich habe die Kraft dazu. Alles andere ist unlogisch.
 
"Ich habe erkannt, dass ich dir ein Leben an meiner Seite nicht zumuten kann. Es würde das, was du bist ... zerstören. Ich kann es dir nicht antun, weil ich ... ", antwortete Spock mit steifer Stimme. Sein Körper lehnte an Kirk wie lebloses Holz und er verstummte.
 
Kirk hörte in die Stille, aber es kam kein weiteres Wort mehr von ihm. "Weil du was? Spock? Was wolltest du sagen?" 
 
Er wollte es mir aus ... Liebe nicht antun, erkannte Kirk plötzlich. Aus einem menschlichen Gefühl heraus. Aber es war eine bittersüße Erkenntnis. Kirk ließ seine Hände höher in Spocks Haare gleiten und hielt ihn dann plötzlich mit einem Griff an den Nackenhaaren fest. 
 
"Spock, sprich es endlich aus. Warum? Warum wolltest du mich verlassen?" Drängend versuchte er, ihn dazu zu zwingen, es ihm ins Gesicht zu sagen, endlich ihm die Wahrheit zu sagen. Und nach diesem Geständnis würde er Spock endlich dazu bringen können, wieder mit ihm auf die Erde zurückzukehren. Zu seinem menschlichen Erbe.
 
Aber Spock fühlte sich wie ein in die Enge getriebenes Tier. Mit seiner ganzen Kraft wand er sich aus den Händen und wich zurück.
 
Kirk war verzweifelt und ging ihm nach. "Spock sieh mich an. So, wie ich bin", rief er laut aus. Mit einer heftigen Geste riss er sich sein verschwitztes Hemd vom Körper und wollte gerade seine Hosen öffnen, als er Spock erschrocken aufstöhnen hörte.
 
"Jim, nein." Spock war kreidebleich geworden und seine Stimme zitterte. "Du weißt nicht, was du da tust."
 
"Und ob ich das weiß. Verdammt, ich bin hier! Um dich nach Hause zu holen. Zu mit an meine Seite. Bin ich dir nicht gut genug? Nicht vulkanisch genug? Oder was ist das Problem?"
 
„Warum gehst du nicht einfach und lässt mich allein“, antwortete Spock selbstquälerisch. Aber er konnte kaum noch gegen seinen übermächtigen Wunsch, sich in Kirks Arme fallen zu lassen, ankämpfen. Schwankend und kalkweiß hielt er sich am Fenster fest.
 
Alarmiert eilte Kirk sofort zu ihm und versuchte, ihn noch aufzufangen. Er fasste Spock um die Schultern und half ihm, sich seitlich auf das Bett zu legen. Dann setzte er sich behutsam neben ihn. Rötliche Lichtschimmer ließen das vulkanische Gesicht weicher erscheinen und endlich wurden Kirk die Gesichtszüge wieder vertrauter.
 
"Ich bin Vulkanier, Jim. Du bist ein Mensch, aber ich nicht."
 
"Aber was macht das schon für einen Unterschied?"
 
Vorsichtig legte Kirk seine Fingerspitzen auf Spocks Wange, streichelte liebevoll die markanten Linien. Mein Gott, bin ich froh, dass er endlich mit mir redet. Und er liebt mich doch noch immer. Ich spüre es ganz genau.
 
Spocks Stimme war leise, aber klang bestimmt. "Jim, du wärst dazu verurteilt, ein Leben nur nach meinen Bedürfnissen zu führen. Nach vulkanischen Bedürfnissen."
 
"Aber ich wollte doch alles mit dir teilen. Ich weiß doch ..."
 
"Du weißt nichts", unterbrach Spock ihn abrupt. Er hatte das Gefühl in reißenden Fluten zu stehen, die ihn in verschiedene Richtungen mitreißen wollten. Und das rettende Ufer war zu weit entfernt. 
 
„Ich muss dich überzeugen, dass meine Entscheidung logisch ist. Damit auch du sie akzeptieren kannst. Ich hätte damals niemals aus eigensüchtigen Motiven eine Mentalverschmelzung herstellen dürfen. Ich war so unerfahren und zu weit von meiner Heimat entfernt gewesen. Als wenn ich mein vulkanisches Erbe ganz vergessen hätte.“
 
 
"Wir hätten das alles gemeinsam durchstanden und einen Weg für uns Beide gefunden, ganz bestimmt", versicherte Kirk sofort. "Warum nur bist du so schnell nach Vulkan geflogen, ohne mich vorher zu fragen, was ich wirklich will?", fragte Kirk erneut.
 
"Ich musste das ganz allein entscheiden. Denn ich war derjenige, der dich überhaupt erst in diese Situation gebracht hat."
 
Kirk hörte Spocks leise Stimme und sah gleichzeitig, wie ein Stück seiner Robe von dem vulkanischen Rücken rutschen und dass sich dabei eine elegante Linie freilegte. Gerne hätte er seine Hände zärtlich darauf gelegt, die samtige Haut gefühlt. 
 
"Dazu gehören immer zwei, wie du weißt", sagte Kirk liebevoll und wollte, dass Spock weitersprach, wie sehr es ihn selbst auch schmerzen mochte.
 
"Jim, ich musste das entscheiden. Es gibt kein Zurück mehr. Ich habe mich damit einverstanden erklärt, dass ich wieder nach Vulkan zurückkehre."
 
"Was meinst du damit, Spock?", flehte Kirk. "Das muss doch nicht unbedingt bedeuten, dass du dich mit einer vulkanischen Frau binden musst. Es ist noch nicht zu spät. Wir könnten es immer noch zusammen versuchen."
 
"Bitte, Jim! Es gibt keinen weiteren Versuch. Wir haben unsere Pflicht gegenüber unserem Schicksal. Ich hatte das nur für eine kurze Zeit vergessen", antwortete der Vulkanier mit monotoner Stimme.
 
"Spock! Wir können das Schicksal vielleicht nicht beherrschen, aber wir dürfen uns niemals damit abfinden. Du hast aus Liebe gehandelt", antwortete Kirk drängend. Als keine Antwort kam, flüsterte er mit weicher Stimme: "Mein Liebster, ich weiß jetzt, dass ich dir gehöre. Und ich weiß auch, dass ich es jetzt wirklich will. Erinnerst du dich noch an deine eigenen Worte? Jetzt ist es soweit. Jetzt habe ich es endlich verstanden.“
 
Spock blickte auf und Kirk sah ein angedeutetes Lächeln auf den spröden Lippen. "Jim, es geht nicht. Du weißt das auch. Aber glaube mir, ich habe dich geliebt. Und vielleicht noch mehr als das", antwortete Spock.
 
"Und ich soll dir das jetzt glauben und dann darauf verzichten? Zu meinem Besten und damit du beruhigt wieder zu deinen vulkanischen Pflichten zurückkehren kannst?" Kirk fühlte wie gallige Bitterkeit in ihm hochstieg.
 
"Ich kann mich meiner Herkunft nicht entziehen. Genauso wenig, wie du deine menschlichen Wurzeln nicht vergessen könntest. Du würdest daran zerbrechen und ich könnte dich nicht davor bewahren." 
 
Spock atmete tief und hatte das Empfinden in zwei Hälften zerrissen zu sein. Aber das war ein bekanntes Gefühl und in seinem Innersten machte er sich damit vertraut, dass es das war, was sein Leben war und immer sein würde. Ein Teil von ihm wollte mit Kirk in eine strahlende und freie Zukunft entfliehen. 
 
Aber da war das, was er sein vulkanisches Erbe nannte. Und das wog schwerer. Er würde niemals so frei im Denken und Handeln wie dieser Mensch sein können und Jim, würde darunter am meisten leiden müssen.
 
"Und du? Du wirst nicht daran zerbrechen?" Kirk streichelte zart über die deutlich sichtbaren Schultern. 
 
"Du meinst das wirklich ernst, Spock? Das alles nur ein kurzer Traum war?" Er fühlte sich hilflos und langsam sickerte die Erkenntnis ein, dass es nichts geben würde, dass Spock noch umstimmen könnte. 
 
"Wie kannst du nur so gegen deine eigenen Gefühle handeln?“
 
Spock sah das geliebte Gesicht vor sich und spürte, wie der Schmerz sich tief in ihm heimisch machte. "Urteile nicht zu hart über mich, Jim."
 
"Spock, soll ich jetzt wirklich für immer gehen?" Kirk fühlte, wie ein bisher nicht gekannter Gefühlsaufruhr sich in ihm verdichtete und er glaubte, keine Sekunde mehr länger in diesem Raum sein zu können.
 
"Jim, bitte ... "Die Stimme des Vulkaniers klang fremd und kaum noch verständlich. Ich muss ihn noch um eines bitten, bevor er geht, dachte er und stieß atemlos die Worte hervor: "Kannst du ... kannst du mir verzeihen, Jim?"
 
"Oh mein Gott, Spock. Ich soll dir verzeihen? Verdammt Spock, was verlangst du denn noch von mir?" 
 
Kirks Stimme klang trotz seiner Worte weich. „Ich habe keine Kraft mehr dagegen zu kämpfen“, flüsterte er matt und war über diese neuen Erfahrung erschrocken. 
 
„Es ist zu Ende. Es ist wirklich zu Ende. Du wirst nicht mit mir kommen. Dabei brannten Kirk die Augen und er wusste, dass es ungeweinte Tränen waren.
 
„Du hast mir in dieser kurzen Zeit mehr gegeben, als ich je in meinem Leben erwartet hätte." 
 
Kirk küsste Spock zart auf die Wange, spürte ein feines Vibrieren unter seiner Berührung.
 
Ihm schwanden fast die Sinne, als Spock ihn dann plötzlich mit beiden Armen umfasste und fest an sich zog. Dann spürte Kirk die rauen Lippen auf seiner Haut und dann auch auf seinen eigenen geöffneten Lippen. 
 
"Oh, Spock, ich werde niemals aufhören dich mit jeder Faser zu lieben", hauchte er. Spocks heißer Atem keuchte in seinen Mund und jede Pore seines Gesichts nahm den würzigen Geruch in sich auf. Kirk ließ sich wie ein Ertrinkender in diesen Kuss fallen und öffnete sich ganz der drängenden Zunge von Spock.
 
Dann zog sich Spock wieder zurück und sagte ernst: "Jim, du musst mich vergessen. Um deiner selbst willen."
 
Kirk stöhnte verzweifelt auf: "Spock, bitte, küss mich noch einmal. Es muss für den Rest meines Lebens reichen. Du willst es doch auch."
 
Ohne zu antworten, erhob sich Spock und warf seinen Umhang weg.
 
Als Kirk den nackten Körper Spocks vor sich sah, wurde ihm das Atmen schwer. Ich kann es nicht glauben, dachte er verzweifelt. „Du liebst mich wirklich, du begehrst mich“,flüsterte er leise.
 
„Aber du willst nicht, dass wir zusammenbleiben. Warum musstest gerade du es sein, in den ich mich so unsterblich verliebt habe.“
 
Spock begann, ihn mit zunehmend drängenderen Küssen zu bedecken. Einmal noch, gelobte er sich und spürte wie seine Sehnsucht nach Vereinigung übermächtig wurde. Mit einem gequälten Stöhnen entkleidete er Kirk und nahm vollständig Besitz von seinem Körper.
 
Und dann auch von seinem Geist.
 
Kirk konnte und wollte sich nicht gegen diesen Ansturm wehren. Öffnete sich und nahm Spock willig in sich auf.
 
Sie liebten sich immer wieder.
 
Schweratmend und schweigend.
 
Kirk fühlte, wie sich langsam seine Sinne vernebelten, und wusste nicht, warum. Er erlebte die Nacht wie in einem langen Rausch. Als wenn eine mächtige Welle ihn mitriss, immer wieder in ihn eindrang und nicht mehr loslassen wollte. Er gab sich vollständig und grenzenlos hin.
 
Irgendwann fiel er in einen unruhigen Schlaf.
 
Aber Spock war wach geblieben und betrachtete den Menschen, der ihm im ersten Morgenlicht wie in helles Gold getaucht erschien. 
 
Bald wird er aus seinem Schlaf erwachen, dachte er. Er unterdrückte ein Schaudern und legte seine Robe enger um sich. Es ist vorbei. Jetzt kann ich ihn gehen lassen. Ich habe einen Fehler gemacht, aber ich habe ihn wieder korrigiert. Er wird wieder wirklich frei sein. Ein freier Mensch. Er wird wieder Raumflottenkapitän werden. Und er wird wieder zu großen Taten aufbrechen - vielleicht das Universum retten. Er wird den ihm gebührenden Platz in der Geschichte einnehmen. 
 
Und er wird mich auch nie auf einen bestimmten Planeten schicken müssen - mit dem klaren Wissen, dass dies meinen Tod verursachen wird. Denn jetzt wird er nie mehr sehen, was ich bereits gesehen habe.
 
*
 
Als das Tageslicht den Raum wieder vollständig erhellt hatte, öffnete Kirk seine Augen. Im ersten Moment blickte er sich verwirrt um, bis er Spock am Ende des Bettes sitzen. Er schien ihn intensiv zu beobachten. 
 
"Spock, ich bin eingeschlafen. Ich ... "Er rappelte sich hoch und wollte ihn wieder an sich ziehen. Dann sah er den unnahbaren Gesichtausdruck. 
 
"Es ist also wahr. Es ist kein verdammter Albtraum. Wir werden uns nie mehr wiedersehen, sobald ich aus dieser Tür getreten bin." 
 
Kirk fühlte, wie sich sein Herz schmerzhaft verkrampfte. Es tut so verdammt weh, dachte er und glaubte, es keine Sekunde länger aushalten zu können.
 
Spock nickte nur und zeigte keine Regung. "Wenn das Schicksal es so will."
 
Kirk stand mühsam auf, suchte seine Kleider zusammen und stand dann vor Spock. "Ich weiß nicht, was ich dir jetzt noch sagen soll. Ich hoffe nur, du hast die richtige Entscheidung getroffen. Für uns beide."
 
"Es war eine logische Entscheidung, Jim", kam die fast tonlose Antwort.
 
Kirks presste kurz seine Lippen zusammen: "Ich weiß, ich weiß." Und als er spürte, dass sich Tränen in seinen Augenwinkeln bildeten, drehte er sich schnell weg und ging zur Tür. 
 
"Spock, es tut mir so unendlich leid", murmelte er noch leise und verließ dann schnell den Raum.
 
Ohne noch einmal einen Blick zurückgeworfen zu haben.
 
Die nächsten Stunden erlebte er, ohne wirklich wahrzunehmen, was um ihn herum geschah. Bevor er in das interplanetarische Raumschiff stieg, fasste er in seine Tasche und fühlte Sand in seinen Fingern. Langsam ließ er ihn zwischen seinen Fingern im heißen Wind von Vulkan zerrinnen. Als die Hand leer war, betrat er die Gangway. Der Schmerz saß so tief, dass es ihm nicht möglich war, einen Ausdruck dafür zu finden. Was soll ich jetzt tun- wofür noch kämpfen? Da gibt es noch die Enterprise ...  Aber es würde nicht mehr dasselbe sein. Nichts wird mehr so sein, wie früher.
 
Ein tiefer, bitterer Zug bildete sich um seinen Mund. Kirk fühlte sich um Jahre gealtert und innerlich gebrochen. Aber es würde niemanden mehr geben, dem er das jemals zeigen würde.
 
*
 
Als die Tür sich hinter Kirk geschlossen hatte, atmete Spock tief durch. Jim hatte ihm verziehen. Das war sein Geschenk an ihn gewesen. Und irgendwann würde er auch begreifen, dass die Entscheidung, ihn freizugeben, die Richtige gewesen war. Kirk würde frei sein.
 
Spock fühlte, dass er jetzt die Kraft hatte, seine Übungen fortzuführen, sich selbst von allen Emotionen zu befreien und auf ein Leben nach vulkanischen Traditionen vorzubereiten. Er setzte sich wieder auf seinen Stein vor der Wand und versuchte, sich zu sammeln.
 
Aber es entstanden ganz unerwartete Gedanken in ihm. Kirk hatte gesagt, dass er sich nie mit seinem Schicksal abfinden würde. Spock dachte immer wieder über diesen einen Satz nach und langsam formte sich etwas Neues in ihm. Er stand auf und ging zur Tür, um seine Entscheidung mitzuteilen.
 
"Solran, ich werde keine wie für mich vorgesehene Bindung zu einer vulkanischen Frau eingehen. Und auch zu sonst niemandem. Ich bleibe hier und werde das Kholinar anstreben. Teile das bitte auch meinen Eltern mit."
 
"Spock, bist du sicher?"
 
"Das bin ich. Ich habe mich geprüft."
 
Solran wusste, dass diese Nachricht nicht erfreut aufgenommen werden würde, aber er hatte auch gesehen, dass Spock entschlossen war.
 
Als er gegangen war, ging Spock hinaus auf die Plattform und schaute lange in den Himmel. Er glaubte, ein Raumschiff in den Orbit starten zu hören.
 
 
Dies ist mein Geschenk an dich: Es war so und wird immer so bleiben, es wird in meinem Leben niemand anderen mehr geben, der deine Stelle einnehmen wird - mein T`hy`la.
 
Danach tauchte Spock unbewegt in das leere Zentrum der Zeit.
 
 
 
Bis - eines Tages - in gar nicht so ferner Zukunft – er wieder gerufen wurde. 
 
 
Durch ein schicksalhaftes Band, das nichts und niemand - nicht Raum, noch Zeit – mehr ungeschehen machen konnte.
 
 
Und sie wieder gemeinsam auf der Brücke der Enterprise standen. 
 
Captain James T. Kirk und sein Erster Offizier Spock.
 
 
Ende

 

 

 

 

 

 

 

 

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(Zeichnungen zu “Nachspiel” und anderen Themen – Drawings to „Nachspiel“ and others topics)