Titel: Ein Geschenk für Ellen

Autor: Lady Charena
Fandom: SK Kölsch

Paarung: Jupp Schatz, Klaus Taube
Rating: Humor, gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe/Hintergrund: Jupp hat Ellens Geburtstagsgeschenk verloren. Und Klaus wird dazu eingespannt, ihm beim Suchen zu helfen.

 

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Klaus Taube sah auf, als plötzlich eine Hand in seinem Blickfeld erschien und die Akte zuklappte, an der er gerade arbeitete. „Dir auch einen guten Morgen. Unter welchem Grabstein bist du denn hervorgekrochen?“, kommentierte er das übernächtigt und mitgenommen wirkende Aussehen seines Partners Jupp Schatz.

 

Jupp blickte ihn über den Rand seiner Sonnenbrille hinweg an. Seine Augen waren blutunterlaufen. „Los, komm’ mit“, brummte er. „Und stell’ jetzt keine Fragen.“

 

Kopfschüttelnd nahm Klaus seinen Mantel und lief Jupp hinterher, der ohne zu warten wieder aus dem Büro stürmte. „Was zum Kuckuck soll das?“, fragte er irritiert. „Wilde Nacht verbracht? Hast du noch zu wenig Blut in deinem Alkoholkreislauf?“ Jupp stürmte ohne zu antworten die Treppe hinab. „Hey, warte!“ Er holte ihn ein, als Jupp in seinen Wagen stieg. Klaus nahm hastig auf dem Beifahrersitz Platz und griff nach dem Zündschlüssel. „Was. Ist. Los?“

 

Jupp seufzte und legte den Kopf gegen die Nackenstütze. „Du erinnerst dich an dieses Armband, das ich dir gestern morgen gezeigt habe? Das Geburtstagsgeschenk für Ellen?“

 

„Natürlich.“ Klaus sah ihn an. „Jetzt erzähl’ mir bloß nicht, das Ding war geklaut. Ich dachte mir doch gleich, dass du dir so was gar nicht leisten kannst, pleite wie du immer bist.“

 

„Es war nicht geklaut. Ich habe es ordnungsgemäß gekauft. Bei einem echten Juwelier, okay?“ Jupp seufzte und fuhr sich durch die Haare, die ohnehin schon wie Stacheln in alle Richtungen abstanden. „Ich habe es... verloren.“

 

„VERLOREN?“

 

„Schrei’ hier nicht so rum“, murrte Jupp. „Ja, ich kann es nicht mehr finden.“ Er wandte sich seinem Partner zu. „Du musst mir helfen, es zu suchen. Ellen hat morgen Geburtstag.“

 

„Ja klar, helfe ich dir suchen.“ Klaus setzte sich beruhigt zurück. Konnte es wirklich so schwer sein, ein Armband zu finden? Selbst in Jupps chaotischer Wohnung waren die Möglichkeiten spurlosen Verschwindens beschränkt. „Wo hast du es zuletzt gesehen?“

 

„Im Büro. Als ich es euch gezeigt habe. Dir und Achim.“

 

Jupp fuhr mit quietschenden Reifen vom Parkplatz und Klaus schnallte sich hastig an, angelte dann zusätzlich nach dem Haltegriff an der
Decke. „Und warum sehen wir dann nicht zuerst dort nach?“  Lass ihn sich auch anschallen, sicher ist sicher bei Jupps Fahrstil.

 

„Was glaubst du, was ich letzten Abend gemacht habe?“, entgegnete Jupp.

 

„Oh, du warst das. Und ich dachte schon, die Putzfrau wäre krank gewesen“, erwiderte Klaus ironisch. „Jetzt beruhige dich mal. Dann hast du es eben eingesteckt und mit nach Hause genommen. Das wäre nicht passiert, wenn du dir ein wenig Mühe geben würdest, Ordnung zu halten.“ Er schloss für einen Moment die Augen, als Jupp einem anderen Wagen die Vorfahrt wegnahm, und wütendes Hupen hinter ihnen herschallte.

 

„Es ist nicht bei mir Zuhause. Ich habe den Rest der Nacht damit verbracht, dort alles durch zu wühlen.“

 

„Mich schaudert allein schon die Vorstellung.“ Klaus zuckte zusammen, als Jupp über eine rote Ampel fuhr. „Und wohin rasen wir jetzt? Abgesehen von der Möglichkeit, einen frühen und grausamen Unfalltod zu finden?“

 

„Zur Mülldeponie.“

 

„Zur Mülldeponie? Wieso?“ Klaus warf seinem Partner einen Blick zu, der verdeutlichte, dass er an Jupps Verstand zweifelte.

 

„Weil ich gerade mit der Reinigungsfirma gesprochen habe, die im Büro saubermacht. Und die sagten, dass gestern alle Papierkörbe ausgeleert wurden – und zwar bevor ich dort war. Der Müll ging heute morgen weg. Also...“ Jupp packte das Blaulicht aufs Dach.

 

„Also?“

 

„Also fahren wir jetzt dorthin und suchen!“

 

„Auf der Mülldeponie?“, fragte Klaus entsetzt.

 

„Auf der Müllkippe“, entgegnete Jupp mit grimmiger Entschlossenheit.

 

* * *

 

Klaus kurbelte das Seitenfenster ein wenig herunter, als Jupp zu ihm trat. „Und?“, fragte er, bemüht nur durch den Mund zu atmen.

 

„Sollte kein Problem sein.“ Jupp schob seine Sonnenbrille in die Haare und steckte dann die Hände in die Taschen seiner Jeansjacke. „Worauf wartest du? Kommst du nicht mit?“

 

Klaus blickte an ihm vorbei auf die Müllberge. „Findest du das nicht entmutigend?“

 

Jupp zuckte mit den Schultern. „Na ja, es könnte vielleicht ein bisschen anstrengender werden, als ich dachte.“ Er grinste. „Aber ich hoffe auf deine Hilfe. Wir sind doch ein Team.“

 

Klaus verschränkte die Arme vor der Brust. „Es könnte überall sein. So ein Armband ist klein. Das hier ist ein Müllberg. Nein, ein Müllgebirge. Es ist riesig. Es ist... titanisch.“

 

„Hey, der Typ dahinten...“, Jupp gestikulierte in Richtung eines Baggerfahrers, der sie neugierig beobachtete. „...hat gesagt, in welcher Ecke wir suchen müssen. Der Müll aus unserem Bezirk wurde da drüben abgeladen. Das wird ein Kinderspiel.“

 

„Sicher“, erwiderte Klaus skeptisch und begann das Fenster hochzukurbeln.

 

„Es ist gleich da hinten“, meinte Jupp beschwörend. „Jetzt komm’ schon, Klaus.“

 

„Nein. Vergiss es.“ Taube schüttelte den Kopf.

 

Jupp klopfte gegen die Scheibe. „Klaus. Klaus? Dreh das Fenster wieder runter. Bitte.“

„Was ist das Problem?“, fragte er, als Taube das Fenster wieder einen Spalt herunterkurbelte.

 

„Was das Problem ist?“, wiederholte Klaus.

 

„Ja?“

 

„DAS ist das Problem.“ Klaus wies auf die Müllberge.

 

„Und was ist damit?“

 

„Riech mal. Darin soll ich rumlaufen? Wühlen und Graben?“, fragte Klaus ironisch.

 

„Klaus, bitte“, erwiderte Jupp beschwörend. „Es muss da irgendwo liegen. Das Armband. Das Geburtstagsgeschenk für Ellen. Ich bin ganz sicher, sie wird langsam weich. Und dieses Armband... also das wird sie wirklich umhauen. Verstehst du? Ich habe die besten Chancen, wieder bei ihr zu landen.“

 

„Schon das allein ist ein Grund, nicht auszusteigen.“ Klaus rümpfte die Nase. „Das ist Müll, Jupp.“

 

Jupp grinste, als er die wankende Entschlossenheit in der Stimme seines Partners hörte. „Ich wusste immer, du bist ein cleveres Kerlchen.“

 

„Vergiss es, Jupp. Ich werde nicht aussteigen.“

 

Jupp warf einen um Geduld bittenden Blick Richtung Himmel – und ballte die Hände in den Taschen zu Fäusten. „Du wirst aussteigen.“

 

„Ist dir klar, wo wir sind?“ Klaus Geste umfasste die anheimelnde Szenerie vor ihnen. „Das ist eine Mülldeponie. Da sind Dinge, die man benutzt und weggeworfen hat. Dinge, die gegessen wurden. Dinge, die man nicht in der Toilette runterspülen konnte.“

 

Jupp setzte der Diskussion ein Ende, indem er die Tür öffnete. „Steig aus, Klaus.“

 

„Das werde ich nicht tun.“ Klaus lehnte sich in seinen Sitz zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.

 

„Hör mir zu.“ Jupp seufzte. „Ich habe einen dicken Kopf. Ich habe keinen Cent mehr in der Tasche. Aber ich werde diesen Müllhaufen durchwühlen und wenn es das letzte ist, was ich tue. Steigst du jetzt aus und hilfst mir dabei?“

 

„Nein“, lehnte Taube ab.

 

„Entweder du steigst jetzt aus – oder ich erschieße dich und vergrabe dich hier draußen.“

 

Klaus schnitt eine Grimasse. „Das ist wieder ein Beispiel deines unwiderstehlichen Charmes, richtig?“, fragte er sarkastisch.

 

„Richtig.“ Jupp grinste. Er hielt die beiden Schaufeln hoch, die er sich von dem Baggerfahrer ausgeliehen hatte.

 

„Ich hasse dich.“ Klaus zog ein paar Handschuhe aus der Tasche. „Ich hasse dich wirklich, Jupp.“ Seufzend stieg er aus dem Wagen und folgte Jupp. „Das kannst du nie im Leben wieder gutmachen, was du mir jetzt schuldest.“

 

* * *

 

Zwei sehr schmutzige und sehr übelriechende Männer schleppten ihre müden Knochen in das Chaos, das Jupp Schatz als seine Wohnung bezeichnete. Es war inzwischen nahe an Mitternacht, wie Klaus mit einem Blick auf die Uhr feststellte. Er gähnte. Inzwischen war er sogar zu müde, um sich über den Zustand seiner Kleidung aufzuregen. Obwohl er sie sofort im Sondermüll entsorgen würde – nachdem er eine Stunde lang geduscht hatte. Mindestens eine Stunde lang. Gegen den ekelerregenden Gestank, der an ihnen beiden haftete, war seine Nase inzwischen so abgestumpft, dass er ihn kaum wahrnahm. Er griff nach einer herumliegenden Zeitung, breitete sie über Jupps Sofa und ließ sich schwer darauf fallen. Seufzend streckte er die Beine aus.

 

Jupp warf ein inzwischen sehr mitgenommen aussehendes Schmucketui auf den Tisch und sackte dann neben Klaus. Er legte seinem Freund einen Arm um die Schulter. „Du bist wirklich ein großer Finder“, murmelte er und gähnte.

 

„Ach ja?“, gab Klaus erschöpft zurück. Er hatte sogar zu wenig Energie zum Streiten. Dafür war noch Zeit genug, wenn sie beide ein paar Stunden Schlaf bekommen hatten.

 

„Hmmhmm.“ Jupps Kopf sackte an Klaus Schulter. „Ich weiß das“, murmelte er. „Ich bin nämlich... ein... ein großer Verlierer...“ Er begann in Klaus Ohr zu schnarchen.

 

Mit einem resignierten Seufzen ließ sich Taube an die Sofalehne zurückfallen. Keine Minute später schlief auch er tief und fest.

 

* * *

 

Am nächsten Abend traf Jupp im Rättematäng ein und wunderte sich darüber, dass Ellen hinter dem Tresen stand. Eigentlich hätte er gedacht, sie würde an ihrem Geburtstag nicht arbeiten. Klaus saß, wieder in gewohnt tadellosem Outfit an der Theke und sah ihm mit einem Grinsen entgegen. Jupp blickte ihn fragend an, als er an ihm vorbeiging, doch Taube zuckte nur mit den Schultern.

 

„Ellen.“ Jupp umarmte seine Ex-Frau und küsste sie. „Ich wünsche dir alles Gute zum Geburtstag.“

 

Ellen machte sich von ihm los und sah ihn sauer an, die Hände in die Hüften gestemmt. „Du bist einfach unmöglich, Jupp Schatz“, sagte sie. „Mein Geburtstag war gestern. Aber da glänzte der Herr ja durch Abwesenheit. Genau wie Klaus. Wo zum Teufel habt ihr gesteckt?“

 

Jupp starrte sie einen Moment fassungslos an. „Es war doch der 14. Es war nicht der 14.?“, fragte er dann und schluckte. „Äh... und was hat Klaus gesagt?“

 

„Er meinte, ich solle dich fragen.“

 

„Das ist eine sehr... lange Geschichte, Ellen.“ Jupp warf Klaus einen giftigen Blick zu, der leise in sein Kölsch lachte. „Dein Geschenk.“ Er griff in die Tasche und reichte ihr das Etui, an das er eine Stunde verschwendet hatte, um es zu reinigen. Nur der Geruch, den war er nicht ganz losgeworden und er hoffte, dass es Ellen nicht auffallen würde.

 

„Jupp“, überrascht sah Ellen auf. „Das ist ja ein wunderschönes Armband.“

 

„Es lag so in einem Schaufenster. Und irgendwie stand dein Name drauf.“

 

„Danke.“ Sie umarmte ihn, küsste ihn auf die Wange. „Du könntest aber trotzdem wieder mal duschen.“ Dann eilte sie weiter, um eine Bestellung aufzunehmen. Und Lisa das Armband zu zeigen.“

 

Jupp setzte sich neben Klaus, griff sich dessen Glas und leerte es. „Du riechst wirklich“, bemerkte Taube trocken.

 

„Ich habe eine halbe Stunde geduscht und mich viermal eingeseift.“ Jupp schnüffelte an ihm. „Wieso riechst du so gut?“

 

Klaus zuckte mit den Schultern und winkte Lisa, damit sie ihnen zwei Kölsch brachte. Ellen war am anderen Ende des Raumes. Er nahm das Glas und stieß es gegen Jupps. „Auf die Männer mit den Schaufeln.“

 

 

Ende