Titel: Red Lips Blue Eyes
Autor: Lady Charena
Fandom: Merlin
Episode: - -
Prompt: 014.
Chair
Wörter: ~ 2480
Charaktere: Arthur Pendragon, Merlin, div. OC
Pairing: Arthur/Merlin
Rating: pg-13, slash, humor, oneshot
Beta: T‘Len
Archiv: ja

Summe: Während eines Banketts ist Merlin plötzlich von der Bildfläche verschwunden und Arthur macht sich auf die Suche nach ihm.

Anmerkung/Warnung: Slashige Andeutungen und ein Kuss

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

Cover Art zur Story in meinem LJ: http://ladycharena.livejournal.com/291711.html

Red lips, blue eyes and little white lies
Oh darlin' I'm a fool for you

Red lips, blue eyes and sweet disguise
Oh darlin' the things you put me through… (Gary Allan)



Es dauerte eine Weile, bis Arthur auffiel, dass Merlin verschwunden war.

Er lehnte sich in seinen Stuhl zurück und ließ den Blick durch den Bankettsaal gleiten. Wo trieb sich der Idiot herum, anstatt dafür zu sorgen, dass sein Becher nicht leer wurde? (Und daran zu nippen, wenn er dachte, niemand würde es bemerken…)

Arthur schenkte dem rotgesichtigen, kahlen Mann mit der Wampe, die fast seine Kleidung sprengte, und der versuchte ihn mit Erzählungen über Uthers Heldentaten aus seiner Zeit bevor er König geworden war, zu unterhalten, längst keine Aufmerksamkeit mehr. Zumal all seine ausufernden Worte nur dazu zu dienen schienen, seinen Anteil daran in den Vordergrund zu stellen. Arthur glaubte nicht, dass sein Vater den Namen des Mannes jemals zuvor erwähnt hatte und war sich ziemlich sicher, dass es sich um Aufschneiderei handelte; den transparenten Versuch, sich bei ihm einzuschmeicheln.

Arthur nahm sich vor, zur Sicherheit Gaius zu fragen, wenn er sich bei dem Heiler eine der übelschmeckenden Tinkturen zur Linderung seiner Kopfschmerzen holen würde, die auf ein Bankett so sicher folgten wie der Tag auf die Nacht. Gaius war eine bodenlose Quelle an Informationen über seinen Vater, doch leider auch eine, aus der es nicht leicht war, etwas heraus zu holen…

Doch wenn er noch länger höfliches Interesse für die Worte ihres Gastes heucheln sollte, brauchte er unbedingt etwas zu trinken. Und Merlins Angewohnheit, sich unter dem Vorwand, seinen Kelch zu füllen oder ihm einen besonderen Leckerbissen auf den Teller zu legen, vor zu beugen und ihm ins Ohr zu flüstern, was er an Skandalen, saftigen Gerüchten oder einfach nur blanken Lügen von den Dienstboten ihrer Gäste aufgeschnappt hatte, während Arthur keine Miene verziehen durfte. Es war fast so ablenkend wie der Druck von Merlins warmen Körper gegen seine Flanke; sein Atem auf der Seite seines Gesichts und seine Finger, die über Arthurs Schritt glitten, während Merlin unter dem Tisch nach einem Messer mit einem mysteriösen Drang, sich über die Tischkante zu stürzen, suchte.

Selbstverständlich ein Verhalten, das er absolut nicht tolerieren konnte, und Merlin musste dafür nach dem Bankett natürlich strengstens bestraft werden. Obwohl sich Arthur manchmal fragte, ob seine Methoden wirklich die geeigneten waren. Denn wenn er Merlin an seinem lächerlichen Halstuch ins Bett zog oder ihn neben der Tür an die Wand presste – was dazu führte, dass Merlin sein Frühstück fallen ließ und noch mehr bestraft werden musste – und Arthur nicht anders konnte, als ihm sein dümmliches, verliebtes Grinsen von den Lippen zu küssen, war da so ein zufriedener Ausdruck in Merlins Augen, der…

„My lord?“

Der gekränkte Tonfall seines Gegenübers holte Arthur in die Gegenwart zurück, und er murmelte rasch einige entschuldigend klingende Worte, die in seinen eigenen Ohren völlig unaufrichtig klangen, den rotgesichtigen Edelmann jedoch besänftigten. Und ihn offensichtlich dazu ermutigten, sich mit neuem Elan in seine Prahlereien zu stürzen.

Arthur kehrte dazu zurück, den Saal mit den Augen nach Merlin abzusuchen. Er erinnerte sich schließlich vage daran, ihn vor geraumer Zeit in einer Ecke gesehen zu haben, in der sich eine kichernde und gackernde Schar von Kammerzofen und Dienstmädchen versammelt hatte. Es war ihnen nicht erlaubt, bei Tisch zu bedienen, doch sie blieben stets in der Nähe ihrer Ladies, um mysteriöse Aufträge zu erledigen, die sie offenbar in einer Art Geheimsprache von ihnen signalisiert bekamen. Er hatte einmal – als er noch jünger gewesen war und ein Bankett eine aufregende Sache zu sein schien – Morgana danach gefragt, doch sie hatte ihn nur ausgelacht.

Sein Blick glitt zu Morgana auf der anderen Seite der Tafel. Sie nutzte offensichtlich aus, dass Uther von einer verblühten Lady in Beschlag genommen wurde, die Uthers sorgfältig kontrollierter Miene nach entweder versuchte, sich selbst oder eine ihrer Töchter an den König – oder Prinzen – zu bringen und tuschelte mit Gwen. Die Blicke der beiden Frauen glitten immer wieder zu einem Tisch am Ende der Tafel, an dem sich einige der jüngeren Männer unter ihren Gästen mit Camelots Rittern unterhielten.

Er hoffte, dass Gwen seinen Blick bemerkte und er sie danach befragen konnte, ob sie wusste, wo Merlin war – seltsamerweise schien sie immer zu wissen, wo Merlin steckte und Arthur fragte sich manchmal, ob es eine Art von Geheimcode zwischen ihnen gab. Doch leider sah Gwen nicht ein einziges Mal in seine Richtung.

Schließlich stoppte Arthur einen der Küchenjungen, der damit beschäftigt war, Essensreste und schmutzige Platten wegzuräumen und hielt ihn am Ärmel fest, um ihn zu fragen, ob er Merlin gesehen hatte. Er wusste, dass Merlin in der Küche wohl bekannt war. Doch der Junge starrte ihn nur mit blankem Entsetzen an, so als hätte sich Arthur vor seinen Augen in einen feuerspeienden Drachen verwandelt und Arthur wurde plötzlich klar, dass der Junge befürchtete, etwas falsch gemacht zu haben und bestraft zu werden – er hatte sich unsichtbar zu machen, so dass die Anwesenden ihn leicht ignorieren konnten. Ausgerechnet vom Kronprinzen angesprochen zu werden, war der ultimative Fauxpas. Arthur ließ ihn los und versuchte sich an einem entschuldigenden Lächeln, was den Jungen nur noch mehr in Panik zu versetzen schien. Er deutete jedoch auf einen von einem schweren Brokatvorhang fast verdeckten Türbogen, der in einen angrenzenden Raum (eher eine Nische, denn ein Raum) führte und verschwand, noch bevor Arthur die Gelegenheit fand, ihm zu danken.

Ein paar Minuten später fand Arthur eine Möglichkeit, sich von der (einseitigen) Unterhaltung loszueisen, ohne gänzlich unhöflich zu wirken und stand auf. Er warf einen Blick auf seinen Vater, dessen wie aus Stein gemeißelt wirkenden Gesichtszüge verrieten, dass er sich kaum mehr amüsierte als Arthur und der glücklicherweise nicht in seine Richtung sah, als er die Tafel verließ. Uther hatte wenig Verständnis dafür, wenn Arthur seine Pflichten gegenüber ihren Gästen vernachlässigte, doch Arthur war insgeheim überzeugt, dass sein Vater nur nicht alleine durch diese ewiglangen, langweiligen Banketts leiden wollte.

Er wechselte hier und da ein paar Worte mit einem der Gäste oder einem der Ritter oder Edelleute des Hofs, ohne sich dabei jedoch in eine Unterhaltung hineinziehen zu lassen, während er sich langsam und unauffällig dem Vorhang näherte. Schließlich erreichte er ihn und – nach einem weiteren Blick in die Runde, schob er den schweren Stoff zur Seite und glitt in die Nische dahinter.

Womit auch immer Arthur gerechnet hatte – es war nicht, dass er eine Art von Panik auslösen würde, als das erste der anwesenden Mädchen ihn sah und einen schrillen Schrei ausstieß, um dann die Hand auf den Mund zu drücken. Er presste sich instinktiv gegen die Wand neben dem Türbogen und fragte sich, in was er hineingeraten war, als sie alle auf einmal aus der Nische zurück in den Saal drängelten, kichernd und giggelnd und mit verschämten (oder nicht so schamvollen) Blicken in seine Richtung.

Er sah ihnen nach und wunderte sich, was sie in der Nische zu suchen hatten, der Raum wurde eigentlich nur dazu benutzt, um zusätzliche Stühle und Dinge wie Kandelaber in der Nähe der Tafel aufzubewahren. An einem der Kandelaber waren drei Kerzen entzündet, genug um die Nische ausreichend zu erhellen.

Allerdings wurde diese Frage rasch unwichtig, als er auf einem der Stühle am anderen Ende des Raums Merlin entdeckte.

Nun, er war sich ziemlich sicher, dass es Merlin war, der ihn mit weit aufgerissenen, schwarzumrundeten Augen anstarrte. Merlin, in dessen Haar kleine Schleifchen gebunden waren, als wäre er ein Mädchen. Merlin, dessen Lippen und Wangen eine unnatürliche Röte zeigten, wie sie nur hohes Fieber oder die Schatulle einer Frau hervorrufen konnte. Und zweifellos war es Merlin, dessen Hände hinter der hohen Rückenlehne des Stuhls mit seinem eigenen Halstuch zusammengebunden waren, wie Arthur entdeckte, als er näher zu ihm trat.

Arthur begann zu lachen, und lachte und lachte, bis er auf dem Boden saß und seinen Bauch hielt.

Merlin funkelte ihn böse an – was durch die schwarze Umrandung um seine Augen zwar verstärkt wurde, ihn aber doch eher wie ein aus dem Schlaf gerissenes Käuzchen wirken ließ. „Wenn du damit fertig bist, dich zu amüsieren, könntest du mich vielleicht losbinden?“, nörgelte er und schürzte den mit Lippenrot leicht verschmierten Mund, was bei Arthur einen neuen Lachanfall auslöste. „Sire.“

Schließlich rappelte er sich auf, wischte sich die Lachtränen ab und trat zu Merlin, um ihn los zu binden. Es war nicht gerade einfach, denn durch Merlins Zerren hatte sich der Knoten sehr fest zusammengezogen und Merlin protestierte heftigst, als Arthur vorschlug, den Knoten einfach durch zu schneiden. Dann schaffte Arthur es, eine Ecke des Tuchs zu lösen und kurz darauf waren Merlins Hände frei.

Mit einem erleichterten Seufzen rieb sich Merlin die Handgelenke, während Arthur die Gelegenheit nutzte, Merlins Gesicht näher zu betrachten. Mit Morganas grausamen Sinn für Humor aufzuwachsen hatte bedeutet, dass er sich selbst schon einmal in der gleichen Situation wie Merlin befunden hatte – allerdings im zarten Alter von sechs Jahren, und er war von seiner Kinderfrau gerettet worden, bevor es zum Äußersten kam und Morgana ihn in eines ihrer Kleider stecken konnte. (Nicht, dass Merlin das jemals erfahren würde!) Und Morganas kindliches Herumgekleckse war kein Vergleich zu dem offenbar sorgfältig aufgetragenen schwarzen Linien um Merlins Augen, die eigentlich lächerlich wirken sollten, aber dazu führten, dass sie noch größer und blauer als sonst aussahen. Merlins ohnehin blasse Haut war noch weißer als sonst und unter Arthurs neugierigen Fingerspitzen pappte der grobe Puder zu kleinen Röllchen zusammen, die auf Merlins Schulter bröselten. Merlins hervorspringende Wangenknochen (die Arthur insgeheim sehr attraktiv fand) verschwanden fast völlig unter großen, runden Kreisen aus Wangenrot. Doch am bizarrsten sah sicherlich sein Mund aus, die Lippen mit fast blutrotem Lippenrot bestrichen, das sie beinahe wie angeschwollen wirkten. Offenbar hatte eine (oder alle) der Zofen die Schatulle ihrer Dame geplündert. Wieso sie ausgerechnet Merlin als das Opfer ihres grausamen Streichs ausgesucht hatten, war ihm jedoch ein völliges Rätsel.

Merlin sah mit einem waidwunden, gekränkten Ausdruck zu ihm auf, der Arthur fast wieder zum Lachen gebracht hätte. Stattdessen verschmierte er mit der Fläche seines Daumens das Lippenrot noch ein wenig mehr. Merlin öffnete mit einem leisen Laut irgendwo zwischen Protest und Resignation den Mund und eine Zungenspitze leckte über Arthurs Finger, bevor Merlins Zähne leicht in die lose Haut zwischen Daumen und Zeigefinger bissen.

Arthur zog mit einem Zischen die Hand zurück und verbiss sich einen Kommentar über Merlin und das Beißen der Hand, die ihn fütterte. „Was ist passiert?“, fragte er stattdessen.

„Sie haben gesagt, sie wollten mich etwas fragen.“ War es nur das Wangenrot oder verfärbte sich Merlins Gesicht dunkler? Es war schwer zu sagen mit dem Puder und dem flackerndem Licht.

„Worüber?“, hakte Arthur nach.

„Über… ein Gerücht… über dich…“ Oh ja, Merlin war definitiv rot geworden.

„Ein Gerücht? Merlin, mach‘ den Mund auf.“ Arthur verstand nicht ganz, warum Merlin so verlegen war. Der Hofstaat lebte so sehr von Gerüchten, Getuschel und Geschwätz wie von Brot.

„Ein Gerücht über dich und… Mädchen.“

Arthur seufzte. Wenn Merlin nicht endlich aufhörte, herum zu drucksen, würde er ihn wieder an dem Stuhl festbinden und ihn dort lassen, bis ihn jemand anderes in diesem Aufzug fand. Es gab Gerede über ihn und Mädchen, seit er elf gewesen war und dabei erwischt wurde, wie er und Owain durch den Spalt in einem defekten Fensterladen spähten und die nackten Schultern von Lady Eldrett zu sehen bekamen, als die von ihrer Zofe für ein Bad ausgekleidet wurde. Es war total die Gardinenpredigt seines Vaters und die schmerzende Rückseite wert gewesen. Ganz zu schweigen von dem, wobei er und Owain nicht erwischt worden waren, als sie älter wurden… „Und was noch?“

„Und über mich.“

„Merlin! Muss ich jedes Wort einzeln aus dir rausholen?“ Oh. Die Lippenfarbe verstärkte Merlins Schmollmund wirklich…

„Und sie sagten, dass ich dann wenigstens auch wie ein Mädchen aussehen sollte, wenn ich schon dein Bett wärme und bevor ich mich wehren konnte, hatten sie mich festgebunden“, sprudelte es aus Merlin heraus.

Arthur konnte nicht anders, als wieder zu lachen. „Du hast dich von einer Schar Gänse an einen Stuhl binden lassen, Merlin. Du hast ihre Meinung nur bestärkt.“

Merlins Augen verengten sich. „Es waren Mädchen!“, verteidigte er sich. „Ich konnte sie wohl kaum wegschubsen oder ihnen ans Schienbein treten wie einem der Stalljungen. Und es waren fünf von ihnen. Gleichzeitig.“ Er starrte auf seine Füße und zog die Nase hoch, als stände er kurz davor, in Tränen auszubrechen.

Sie mussten sich wirklich darüber unterhalten, was Merlin unter Verteidigung verstand. Und was er mit dem Stalljungen meinte. Aber das konnte warten. Offensichtlich war er von der ganzen Sache wirklich aufgebracht. Arthur legte die Hand auf seine Schulter und als Merlin den Kopf hob, beugte er sich vor, um ihn zu küssen.

Merlins Lippen waren kühl an seinen, weicher und glatter als sonst und Arthur erkannte, dass es das reichlich aufgetragene Lippenrot sein musste. Zu seiner Überraschung schmeckte es nach Honig und Bienenwachs und etwas bitterem, das er mit Gaius‘ zahllosen Tinkturen in Verbindung brachte. Er öffnete den Mund um Merlins Unterlippe zwischen die Zähne zu nehmen, bevor er den Kuss abbrach und den Kopf zurücknahm. Das war so nicht der richtige Ort oder die richtige Zeit, um das weiter gehen zu lassen. Es konnte sie jederzeit jemand entdecken.

„Ich werde mich bei Vater entschuldigen“, sagte er und hörte erstaunt, wie atemlos er klang. „Und wenn ich in meine Kammer komme, erwarte ich, dass du dort bist. Ohne dieses Zeug in deinen Haaren und wasch‘ dir die Farbe aus dem Gesicht. Außer dem Lippenrot. Darum kümmere ich mich.“

Merlin starrte ihn einen Moment an, dann nickte und grinste er und schlüpfte an ihm vorbei aus der Nische.

Arthur hob das Halstuch auf, das Merlin vergessen hatte und rieb sich damit über den Mund, um die Spuren des Lippenrots zu entfernen, bevor er seinem Vater gegenübertrat und wand es dann ein paar Mal um sein Handgelenk.

Als er in den Saal zurücktrat, überlegte er, ob Morgana wohl einen der kleinen Behälter mit Lippenrot vermissen würde, sollte es der Fall sein, dass einer… verloren… ging…