Titel:                MOM’s Special Darling

Autor:              LadyCharena@aol.com

Fandom:           Martin Mystery

Folge:               9-Shrieck from Beyond (Schreie aus dem Jenseits)

Pairing:             f/f MOM/Siren

Rating:             PG-13

Beta:                T’Len

 

Summe:            Erst die Arbeit, dann MOM’s Privatvergnügen...

 

Disclaimer:       Die Rechte an den verwendeten Figuren liegen bei Marathon, nicht bei mir und ich will weder diese verletzten, noch Profit aus dieser Fanstory schlagen.

 

 

MOM’s Special Darling (März 2004)

 

MOM platzte der Kragen. „Nimm’ deinen Bruder und schaff’ ihn bitte von hier weg“, sagte sie zu Diana und warf Martin einen eisigen Blick zu.

 

„Ich weiß auch nicht, was ich noch mit ihm anfangen soll“, seufzte Diana. „Er steht doch nicht mehr unter dem Bann der Sirene, oder?“

 

„Natürlich nicht. Der Käfig ist schalldicht.“ MOM’s Stimme wurde noch einige Grad eisiger. „Das ist nur Martin in Höchstform.“

 

So kalt war es nicht einmal in Neufundland gewesen, dachte Diana. Hilfesuchend wandte sie sich um und sah in einer Ecke Java mit Billy plaudern. Der Höhlenmensch und der kleine Marsianer in seinem schwebenden Sessel steckten die Köpfe zusammen und kicherten über etwas, dass auf dem kleinen Schirm auf Billys Konsole zu sehen war. „Java, wir müssen zurück in die Schule. Hilf’ mir bitte Romeo hier loszueisen.“

 

Java hob den Kopf und nickte breit grinsend. „Java ist gut im loseisen“, verkündete er, trat zu Martin, der noch immer am Käfig des Vogelwesens klebte und versuchte, die Aufmerksamkeit der Sirene zu erregen. Er hatte sich in den Kopf gesetzt, sie zu trösten, obwohl MOM es ihm strikt verboten hatte. Java machte kurzen Prozess und klemmte sich Martin unter den Arm.

 

Erleichtert winkte Diana Billy zu, der ihnen breit grinsend nachsah, als sie durch einen der unzähligen Ausgänge verschwanden. Mit leisem Ploppen schloss sich das Energietor.

 

„Darf ich fragen, was du da machst?“, fragte MOM scharf, als Billy auf den Käfig zuschwirrte.

 

„Ich wollte noch eine Federprobe nehmen.“ Billys rundes, grünes Gesicht strahlte Verwirrung aus. „Die Feder, die Martin mir zur Analyse geschickt hat, war gefroren. Inzwischen ist sie aufgetaut und zerstört. Ich dachte, wenn ich jetzt eine frische Probe nehme, jetzt wo die Sirene wieder trocken ist... Äh...“ Billy geriet ins Stocken, was bei ihm äußerst selten vorkam. Doch irgend etwas an der Art wie MOM ihn ansah, als wäre er eine besonders widerwärtige Spezies unter ihrem Mikroskop... „Es gibt da ein paar interessante Genmutationen, aber die kann ich mir auch morgen ansehen“, meinte er leichthin und schwebte rückwärts Richtung Ausgang. „Ich geh dann jetzt...“

 

„Vielen Dank, Billy“, erwiderte MOM sarkastisch. „Und sorg’ dafür, dass ich nicht mehr gestört werde.“

 

Kopfschüttelnd eilte Billy aus ihrem Büro. MOM arbeitete einfach zu viel. Deshalb ließ sie sich auch von Martin immer so schnell auf die Palme bringen. Na ja, dann ließ er die Genanalyse halt bis morgen, er hatte noch genügend andere Projekte laufen. Oder sollte er sich mit der kleinen Venusierin in der Kantine verabreden, auf die er schon so lange ein Auge geworfen hatte? Dann könnte er gleich ausprobieren, ob Martins neueste Anbaggersprüche ihre zwei hübschen Köpfe verdrehen würden... Pfeifend schwebte Billy weiter den Gang entlang.

 

* * *

 

MOM stand vor dem Glaskäfig, in dem die Sirene sich zusammengekauert hatte und sich hinter ihren Flügeln versteckte. Sie studierte die schlanke, sehr menschliche Gestalt. Jetzt, im Ruhezustand, wies die Sirene Ähnlichkeit mit einem Engelbild auf, das MOM vor langer Zeit in alten Unterlagen gesehen hatte. Sie nahm sich vor, jemanden damit zu beauftragen, nach dem Ursprung des Vogelwesens zu forschen und zu ermitteln, ob sie Bezug zu den Engellegenden hatten. Aber das konnte warten.

 

MOM trat zu ihrem Schreibtisch und betätigte einen Schalter, der die Tür verriegelte und ihr Büro schallisolierte. Sie wollte nicht riskieren, dass die Sirene ihre Vogelgestalt annahm, mit ihrem Schrei ein Loch in die Wand sprengte und zu entfliehen versuchte. Dann öffnete sie den Käfig.

 

Die Sirene rührte sich nicht.

 

MOM schob die Tür weiter auf und betrat den Käfig. „Du musst keine Angst mehr haben“, sagte sie sanft. Billy würde sicher verblüfft die Augen aufreißen, wenn er die Stimme der Direktorin der Basis so gehört hätte. Langsam streckte sie die Hand nach der zusammengekauerten Gestalt aus, berührte sie aber noch nicht. MOM sprach beruhigend auf das verängstigte Geschöpf ein.

 

Langsam legte sich das Zittern des Vogelwesens und sie drehte den Kopf etwas in MOM’s Richtung. Ihre langen, weißen Wimpern flatterten, dann hoben sich ihre Lider und sie sah MOM aus großen, feuchten Augen an. Ein leises, fragendes Geräusch, eher ein Zirpen, als ein Wort, kam über ihre Lippen.

 

MOM streichelte über einen Flügelbogen. Jetzt, da die Federn getrocknet waren, fühlten sie sich weich und spröde zugleich an, knisterten leise, als sie darüber strich.

 

Das Vogelswesen entspannte sich etwas und gab wieder ein leises, melodisches Geräusch von sich.

 

Es sprach nicht, doch MOM wusste aus Martins und Dianas Bericht, dass die Sirene sprechen und singen konnte. Sie würde Billy morgen testen lassen, wie es zu einer Verschmelzung von Mensch- und Vogel-DNA hatte kommen können. Vielleicht stand es noch zu sehr unter Schock – Wiederzuerwachen nach einem über fünfzigjährigen Schlaf im Eis, der Kampf und nicht zuletzt der Sturz in die eiskalte See – das alles hatte die Sirene natürlich mitgenommen.

 

Weiter beruhigend auf sie einsprechend, lockte MOM die Sirene schließlich aus dem Käfig und führte sie  in einen abgeschirmten Erholungsbereich, den MOM allerdings nie benutzte. Sie betrachtete die Sirene, die sich auf einem Sofa niedergelassen hatte. Mit den nach hinten gefalteten Flügeln sah sie fast wie eine gewöhnliche, wenn auch sehr hübsche, junge Frau aus. Einer der Mitarbeiter der Basis hatte ihr einen Overall gegeben, wie ihn die anderen auch trugen. Der enganliegende, weiße Stoff verbarg nichts von ihrer Figur, die ebenfalls - bis auf die Flügelansätze natürlich – menschlich wirkte. Ein paar zarte Daunen hatten sich gelöst und in ihrem Haar verfangen.

 

MOM ließ sich ihr gegenüber nieder und betrachtete sie. Ein vages Unbehagen stieg in ihr hoch, als sie ein plötzliches, merkwürdiges Lächeln um die Lippen der Vogelfrau spielen sah. Wirkte es... verschlagen? MOM beschloss, sie im Auge zu behalten. Es war besser, kein Risiko einzugehen. Zwar wirkte sich der Zauberbann der Sirene nur auf Männer aus, das hatten Dianas Erfahrungen in Neufundland gezeigt. Um ihre Lippen huschte kurz ein ironisches Lächeln, als sie an Martins Gesicht dachte – Diana hatte mit der Q-Watch Aufnahmen von den Zerstörungen in der Stadt vorgenommen und dabei auch Martin auf Film gebannt. Ihr fiel auf, dass die Sirene inzwischen viel entspannter wirkte.

 

„Siehst du, so ist es doch schon besser.“

 

Das Vogelgeschöpf öffnete die Lippen, als wolle es etwas sagen – schien es sich jedoch dann anders zu überlegen und schwieg. Sie setzte sich anders hin, so dass sie ihre verschränkten Arme auf die Lehne des Sofas legen und die Wange darauf betten konnte. Ihr Rücken bog sich und ihre Flügel sprangen knisternd auf und entfalteten sich. Sie schüttelte sich ausgiebig und zog die Flügel dann wieder eng an den Körper. Anschließend setzte sie sich wieder gerade hin.

 

„Ich verstehe, dass dies alles sehr schwer für dich ist“, sagte MOM. „Es sind fünfzig Jahre vergangen, seit Rolf dich im Eis eingeschlossen hat.“

 

Die Vogelfrau stieß einen leisen Klagelaut aus.

 

„Du wirst ihn vergessen“, versprach MOM. „Du wirst hier eine neue Heimat und Freunde finden. Aber es gibt dafür eine Voraussetzung – du darfst deine Fähigkeiten nicht mehr einsetzen. Solltest du das tun und versuchen, die Männer in der Basis in deinen Bann zu ziehen, dann muss ich leider dafür sorgen, dass eine operative Modifikation deiner Stimmbänder vorgenommen wird.“

 

Die Sirene blickte sie an und senkte dann den Blick auf ihre kleinen, hellen Hände mit den etwas zu langen Fingernägeln. Dann nickte sie. Ihr Haar verbarg ihr Gesicht.

 

„Gut. Ich denke, dann besteht kein Zweifel daran, dass wir uns verstehen. Ich werde dir jetzt zeigen, wo du in Zukunft schlafen wirst.“ MOM erhob sich. Mehr war wohl für den Moment nicht zu erreichen.

 

Gehorsam stand die Vogelfrau auf – plötzlich schnellte sie mit ungeheuerer Geschwindigkeit über den Tisch zwischen ihnen und stürzte sich auf MOM. Die wand sich katzengleich aus der Umklammerung des Geschöpfs und rollte sich davon. Die Sirene folgte ihr und die beiden Frauen bildeten ein wirres Knäuel aus Armen, Beinen und Flügeln. Und dann - so schnell, dass MOM kaum sagen konnte, wie es geschehen war – erhob sich die Vogelfrau mit ihr in die Luft, drehte eine Runde dicht unter der Decke des Büros und schlug einen Salto. MOM schlang die Arme fester um den Nacken der Vogelfrau, schmiegte sich enger an sie. Unter dem Overall spürte sie die höhere Körperwärme der anderen wie Sonnenglut. Wie interessant...angenehm.... es wohl sein musste, ihre nackte Haut zu berühren...

 

Graziös landete die Vogelfrau auf dem Boden und schlang die Arme um MOM’s Taille. Ihre Flügel schlossen sich wie ein Vorhang um sie beide. Die Sirene lächelte, ihre Augen funkelten.

 

MOM zog eine Augenbraue hoch. Nun, die Heilung der Sirene von ihrem Liebeskummer schien schneller voranzugehen, als sie gedachte hatte. Und auf das Interspecies Dating Program der Basis konnten sie wohl auch verzichten. Manche Dinge nahm MOM eben gerne selbst in die Hand. Sie zögerte noch einen Moment, beugte dann den Kopf leicht nach vorn und küsste die blassen Lippen der Vogelfrau...

 

Ende