Titel: DMV – Confessions of a dangerous mind
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team
Charaktere: Face, Murdock
Thema: #037. hören/Geräusch
Word Count: 1482
Rating: PG, pre-series
Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

Summe: Eine Unterhaltung im Club verändert das Verhältnis zwischen Murdock und Face grundlegend. Naja, was soll ich zu meiner Verteidigung sagen? Einmal Slasher, immer Slasher...

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.
Lyrics: Razorlight





What a drag it is
The shape I'm in
Well I go out somewhere
I light a cigarette
'Cause I can't get no sleep



Der junge Lieutenant sah sich unbehaglich um.
Es war längst nicht sein erster „Ausflug“ in den Dschungel und vor ihnen lag nur eine relativ harmlose Erkundungsmission. Ein einfacher Auftrag, die genaue Lage einer Brücke festzustellen, die dann eine andere Einheit sprengen würde, um einen Nachschubweg der VC abzuschneiden. Der Colonel sah die Mission als gute Gelegenheit an, zu testen, wie sich der Zusammenhalt seines Team in einer Realsituation bewährte. Fast zwei Monate lang hatten sie gemeinsam trainiert und sich aufeinander eingespielt, die neuen Mitglieder – neben Peck waren noch fünf weitere Soldaten hinzugekommen – hatten versucht, sich zu integrieren.

Peck war sich bewusst, dass es vor allem ein Test war, der zeigen sollte, wie er sich bewährte. Das Team machte es ihm alles andere als einfach. Niemand zollte ihm besonderen Respekt. Selbst mit der Unterstützung von Brenner und der zumindest Duldung durch Baracus und Murdock, die das Kernteam der Einheit bildeten, wurden seine Befehle größtenteils ignoriert. Smith berühmtes A-Team war der disziplinloseste Haufen, der ihm je untergekommen war – was sich jedoch sofort änderte, wenn der Colonel die Baracke betrat. Dann verwandelten sie sich in eine eingeschworene Einheit von Elitesoldaten.

Doch für sie war er nur ein kleiner, schmieriger Geschäftemacher, der sich irgendwie in ihr Team und in das Vertrauen des Colonels gewieselt hatte. Ein Gedanke, der ihn fast zum Lachen gebracht hätte, denn wenn er sich eines nicht sicher war, dann ob er tatsächlich das Vertrauen Smith’s besaß. Dieser Mann war ein Rätsel für ihn.

Ein Pfeifsignal ertönte und alle tauchten ab in das seitliche Gebüsch. Peck lag mit klopfendem Herzen zwischen farnähnlichen Gewächsen, die Hände um seine Waffe gekrampft. Die letzten beiden Monate hatte er neben dem normalen Training auch eine Scharfschützen-Ausbildung absolviert. Seine Ausbilder bescheinigten ihm ein besonderes Talent und der Colonel hatte ihn ermutigt, diesen Weg weiter zu verfolgen. Das hatte zwar die meiste seiner Zeit in Anspruch genommen, trotzdem war es ihm gelungen, den DMV-Club anzuleiern – und zwar exakt in der Weise, in der er es dem Colonel vorausgesagt hatte. Zwar war der Golfplatz noch nicht angelegt, aber in einem bisher ungenutzten Gebäude, das seltsamerweise in den Aufzeichnungen der Base nicht einmal zu existieren schien, gab es bereits eine Bar, in deren Genuss zunächst nur das Team kam. Nach der Rückkehr von dieser Mission wollte er den Bau eines kleinen Swimmingpools hinter dem Gebäude in Angriff nehmen. Colonel Smith hatte ihm überraschenderweise versichert, dass er sich wegen Morrison keine Gedanken machen sollte. Er habe ein Abkommen mit dem Kommandanten der Base.

Das Signal der Entwarnung kam und er rappelte sich auf, wischte sich mit dem Ärmel Schweiß und Schmutz aus dem Gesicht und ging weiter.

Der Club... er verstand nicht, warum Smith so daran interessiert war. Er war ihm nicht als ein Mann erschienen, der am Profit interessiert war. Und wozu sonst hatte er ihm diesen langen Vortrag darüber gehalten, dass er kein Geschäftsmann, sondern Soldat war. Und dennoch unterstützte ihn Smith bei der Einrichtung des Clubs. Murdock hatte gesagt...

Verdammt.

Der Pilot. Murdock. Er hatte es bis eben geschafft, den Piloten aus seinen Gedanken heraus zu halten. Das war wirklich nicht der richtige Zeitpunkt, sich mit ihm zu beschäftigen. Unwillkürlich grinste er schief, als er an ihre letzte Begegnung dachte. Der Pilot hatte zwar keinen Versuch mehr unternommen, ihm an die Kehle zu springen... aber sie waren auch noch weit davon entfernt, Freunde zu werden.

Es war in der Nacht vor ihrem Aufbruch zu dieser Erkundungsmission gewesen.

Baracus, der seine heißgeliebte Milch dem Bier vorzog, war längst in die Baracke verschwunden. Brenner hatte sich ebenfalls auf seine Pritsche verzogen. Er sollte seinem Beispiel folgen. Murdock war außer ihm der einzige andere Anwesende. Den ganzen Abend über hatte er den Piloten immer wieder beobachtet und zu entscheiden versucht, ob er ihn ansprechen sollte. Der Colonel hatte ihm nahe gelegt, sein Verhältnis zu Murdock zu verbessern, ob er von dem Zwischenfall beim Footballspiel wusste, oder nicht, war nicht zu erkennen gewesen.

Der Pilot würde sie am nächsten Tag nicht fliegen, er war mitten in einer zweitägigen Ruhephase und schien beschlossen zu haben, dies mit einer ausreichenden Menge Bier zu feiern.

Er selbst hatte natürlich nach dem zweiten Bier aufgehört, da er wusste, dass ihm nur ein paar Stunden Schlaf blieben, bevor sie in den Dschungel gingen. Doch zweifellos war der Pilot noch immer angepisst, seine Blicke sprachen Bände.

Schließlich beschloss Peck, einen Versuch zu wagen, das Missverständnis zwischen ihnen aus zu räumen. Zumindest nahm er an, dass der Pilot inzwischen zu betrunken sein würde, um ihm ernstlich eine in die Fresse zu hauen, auch wenn ihm der Sinn danach stehen sollte.

Er lehnte sich neben ihn an die Theke. „Hör’ mal, Murdock, ich weiß, wir sind nicht gerade bestens gestartet. Vielleicht...“

Der Pilot gab ein verächtliches Schnauben von sich. „Brauchst dir gar nicht einzubilden, dass du was besonderes bist, Peck“, murmelte er und nur sein stärker als sonst ausgeprägter Akzent verriet seine Trunkenheit. Anstatt den Lieutenant anzusehen, schien er etwas unglaublich faszinierendes in seinem Bier zu beobachten. „Der Colonel hat eine Vorliebe... er sucht sich die schweren Fälle aus. BA war öfters im Gefängnis, als sonst jemand auf dieser Base, er schlägt gerne mal einen Offizier. Sogar der oh-so-korrekte Ray hat schon Streifen verloren, bevor er in Hannibals Einheit landete. Und du... du bist nur ein aufgeblasener Dummschwätzer, niemand legt Wert auf dich. Du bist nichts besonderes.“

Die Beleidigungen ignorierend, versuchte Peck es erneut. „Und was ist mit dir? Überall hört man, was für ein guter Pilot du sein sollst. Warum hast du das Interesse des Colonels geweckt?“

„Ich bin verdammt gut. Zu gut. Die Hälfte der Teams wollen nicht mit mir fliegen, weil sie Angst haben, dass ich sie irgendwo absetze, wo sie nicht sein sollten und garantiert nicht mehr lebend wegkommen. Ich bin verrückt, hast du das nicht auch gehört?“

Peck gab nicht mal vor, zu verstehen, wovon Murdock sprach. „Hey, ich weiß, wir hatten noch keine Gelegenheit, miteinander zu sprechen. Wir sind nicht gerade gut gestartet, aber ich hatte keine Ahnung, Murdock, okay? Ich meine, ich hatte keine Ahnung, dass du und...“ Er stockte und versuchte sich an den Namen der Krankenschwester zu erinnern, aber da kam nichts. „...und diese... dass du was von diesem Mädchen wolltest. Ich hätte natürlich die Finger von ihr gelassen, wenn ich etwas davon gewusst hätte, klar. Aber du hast ja auch kein Wort gesagt, und wie sollte ich... hörst du mir überhaupt zu?“, fragte er, als der Pilot keine Reaktion zeigte.

Murdock hielt sich an der Theke fest, um nicht von seinem Hocker zu kippen, als er sich ruckartig dem Lieutenant zuwandte. „Ich bin nicht derjenige hier, der Probleme mit dem Hören hat“, sagte er. „Oder mit dem Verstehen?“

„Okay. Warum erklärst du mir dann nicht, warum du so angepisst bist? Was habe ich getan, wenn es nicht das Mädchen war?“

Der Pilot gab erneut ein Schnauben von sich. „Ich weiß nicht, warum sie dich alle für so helle halten“, murmelte er. „Es war nicht das Mädchen, du warst es. Ich war auf die verdammte, kleine Schlampe eifersüchtig, weil ‚sie’ dich abschleppte.“

„Was?“ Peck war sich ziemlich sicher, dass er Murdock falsch verstanden hatte.

Der Pilot sah ihn mit blutunterlaufenen Augen an. „Du hast gehört, was ich gesagt habe und ich werde das bestimmt nicht noch mal wiederholen!“ Er ließ die Theke los, rutschte von seinem Hocker, landete auf dem Boden und schaffte es nur mal eben so, auf den Beinen zu bleiben. „Und jetzt gehe ich schlafen. Das solltest du auch, morgen ist ja dein großer Tag.“

Das war es gewesen. Er hatte darauf bestanden, dem betrunkenen Piloten zurück zu seinem Quartier zu helfen, doch Murdock hatte ebenso hartnäckig abgelehnt, auch nur noch ein weiteres Wort über sein überraschendes Geständnis zu verlieren.

Und nun fand er sich in diesem großen, feindseligen Dschungel wieder und fragte sich, ob er noch mal die Gelegenheit erhalten würde, mit dem verrückten Piloten zu sprechen. Auch wenn er keine Ahnung hatte, was er mit seinen Worten anfangen sollte. Vielleicht war Murdock einfach nur so betrunken gewesen, dass er schon nicht mehr gewusst hatte, was er sagte. Sicherlich hatte er es längst wieder vergessen. Nein, nicht mal Murdock war so verrückt, so etwas ernst zu meinen. Es war ein guter Weg, Selbstmord zu begehen.

Wieder ertönte ein warnendes Pfeifen und er suchte Deckung. Jeder Gedanke an den Piloten war wie aus seinem Verstand gewischt, als er viel zu nahe an seiner Stellung Schüsse hörte.



Ende

 

 

Hinweis: Der „DMV Tennis and Racket Club“ ist canon und war ein illegaler Freizeit- und Sport-Club für Offiziere und Soldaten, den Face in Vietnam nach dem Vorbild des Beverly Bay Country Clubs aufzog.
Alle mit DMV gekennzeichneten Storys gehören irgendwie zusammen und ich werde mich bemühen, sie zu sortieren und auch in der richtigen, chronologischen Reihenfolge zu posten.

 

Teil 2