neu: Milch und Kekse (House MD, PG, slash)
Prompt: 059. Lebensmittel

Titel: Milch und Kekse
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Pairung: Wilson/House
Rating: PG, slash
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Der Morgen danach. House will Frühstück. Kein leichtes Unterfangen.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: Roxette



Milk and toast and honey
make it sunny on a rainy Saturday,
he-he-hey milk and toast, some coffee
take the stuffiness out of days you hate,
you really hate


„Hey. Willst du nicht langsam mal aufstehen?“ Wilson lehnte gegen den Türrahmen, die Arme vor der Körpermitte verschränkt und betrachtete den zerzausten Haarschopf zwischen den zerwühlten Kissen und Laken; das einzige, was gegenwärtig von seinem Liebhaber zu sehen war.

Mit einem ärgerlichen Grunzen wühlte sich House aus dem Bettzeug und drehte sich auf den Rücken. Er öffnete ein Auge und blinzelte wie eine schlaftrunkene Eule. „Es ist mitten in der Nacht“, beschwerte er sich. „Außerdem Wochenende.“

„Es ist kurz nach acht“, entgegnete Wilson gelassen. Er war an die Morgenmuffligkeit seines Freundes gewöhnt. „Cuddy hat für halb zehn die Besprechung aller Abteilungsleiter angesetzt. Du wirst einen Samstagvormittag im Jahr opfern können, um deine Budgetplanung zu verteidigen. Das kannst du nun mal nicht auf Cameron oder Chase abwälzen. Na komm schon. Hoch mit dir. Draußen scheint die Sonne. Wir könnten die Corvette nehmen und nach der Besprechung einfach eine Fahrt ins Blaue machen“, versuchte er House das Aufstehen schmackhafter zu machen. „Essen bei deinem Lieblingsmexikaner?“ Manchmal fragte er sich wirklich, ob er solche Dialoge nicht auch geführt hätte, wären seine Ehen nicht kinderlos geblieben... möglicherweise mit anderen Verlockungen, aber im Prinzip...

Ein Brummen antwortete ihm. Dann tauchte eine Hand aus den zerwühlten Decken auf und griff nach dem Vicodin auf dem Nachttisch. Wilson lächelte schief – und wandte den Blick vom Bett ab, damit es nicht aussah, als würde er mitzählen. Immerhin zog House also in Betracht, auf zu stehen, und wohl auch an der verhassten Budgetsitzung teilzunehmen.

Aber im gleichen Moment wusste er, dass es nun an der Zeit war, den Rückzug anzutreten. Egal wie lange sie sich kannten; egal, wie intensiv und intim sich ihre Beziehung über die Jahre entwickelt hatte – es gab immer noch Situationen, in denen er unerwünscht war. Und die Minuten direkt nach dem Aufwachen, bevor die erste Vicodin des Tages ihre Wirkung entfaltete und House darauf wartete, dass die vom Schlaf steifen Muskeln ihre Tätigkeit aufnahmen, war etwas, von dem er ausgeschlossen wurde. Er hatte sich nicht zum Spaß angewöhnt, seinen Aufenthalt im Badezimmer auszudehnen, als er nach der Trennung von Julie bei Greg unterkam. Mochte House darüber spotten, so viel er wollte, er konnte tatsächlich einen Tag überleben, ohne seine Haare geföhnt zu haben. Und er schaffte es in unter einer Minute zu duschen, wenn es notwendig sein sollte. Die Badezimmerorgie war allein für House’ Benefit gewesen.

Vielleicht war es ein Grund – ein winziges Mosaiksteinchen – der Beweggründe gewesen, die ihn nach ein paar Wochen die Flucht ergreifen ließen. Nicht House’ Highschoolstreiche. Nicht die gelöschten Anrufe auf dem Anrufbeantworter oder seine Hand in einer Schüssel mit warmem Wasser. Er hasste es, wenn House ihn ausschloss, egal aus welchem Teil seines Lebens. Es war ein Mangel an Vertrauen, das sich – lang vor dem Infarkt schon - durch ihre Beziehung zog wie ein rotes Band. Es frustrierte ihn und ließ ihn sich hilflos fühlen, beides Gefühle, die wiederum nicht förderlich waren, Vertrauen zu fördern... der perfekte, endlose Kreis. Zu wissen, dass diese Unfähigkeit jemand wirklich bedingungslos zu vertrauen zum größten Teil in House’ Vergangenheit; und in der katastrophal geendeten „Affäre Stacy“ begründet war, und nicht an ihm lag, machte es nicht wirklich besser. Dieses Gefühl von Unsicherheit frustrierte und... ja, es ängstigte ihn auch. House war – abgesehen von seinen Eltern und seinen Brüdern oder vielleicht noch mehr – die beständigste und intensivste Beziehung seines Lebens. Und wenn er ihn verlor...

Das Lächeln verschwand von seinem Gesicht und er hob die Hand, um sich den Nacken zu reiben. „Uh, was hältst du von Frühstück?“, fragte er, um die unbehagliche Stille zu brechen.

Ein weiteres Brummen antwortete ihm – was er als ‚ja’ deutete und es ihm ermöglichte, sich in die Küche zurück zu ziehen.

* * *

„Milch und Kekse?“, fragte House ungläubig, als Wilson den Teller neben ihn aufs Bett und ein Glas Milch auf den Nachttisch stellte. Er ließ sich mit einem Stöhnen in die Kissen zurücksinken. „Ich bin in einer dieser kitschigen Fernsehserien aus den Fünfzigern aufgewacht. Wo ist deine Blümchen-Schürze mit den Rüschen? Soll ich dich Mami nennen?“

Wilson ließ sich auf die andere Seite des Bettes fallen, griff dann über ihn hinweg und schnappte sich einen der Kekse.

House schlug seine Hand weg. „Heh! Meine“, knurrte er und vertilgte sofort zwei, bevor der gemeine Keksdieb erneut zuschlagen konnte.

„Wenn du deine Küche gelegentlich mit etwas Essbaren ausstatten würdest...“, entgegnete Wilson ungerührt. „...könnte ich ein ordentliches Frühstück machen. Warst du überhaupt ein Mal einkaufen, seit ich ausgezogen bin?“

„Ich gehe die ganze Zeit über einkaufen.“

„Ich meinte: richtig einkaufen, abgesehen von Alkohol und Pornos“, spottete Wilson.

House runzelte die Stirn. Milch und Kekse. Wilson-Sprache für: ‚Ich liebe dich und will mich um dich kümmern, da du es verdammt noch mal ja offenbar nicht für nötig hältst, das selbst zu tun.’ Ohne das fluchen natürlich.

Pizza und eine DVD. Wilson-Sprache für: ‚Ich fühle mich einsam.’

Lautstarkes Gähnen und unübersehbare Blicke auf die Uhr, bevor er verkündete, dass es zu spät sei und er zu viel getrunken habe, um zu fahren und auf der Couch schlafen werde. Wilson-Sprache für: ‚Lass’ mich heute Nacht hier bleiben.’

Aber am Ende war es dann doch immer sein Bett, in dem sie landeten und wenigstens dort brauchten sie keinen Code.

„Es ist kein Kaffee da?“, sagte er laut, als ihm das Schweigen zu lange anhielt.

„Du kannst im Krankenhaus Kaffee trinken so viel du willst.“

House zog eine Schmollmiene, auf die jeder Fünfjährige stolz hätte sein können – bei einem erwachsenen Mann wirkte sie eher abschreckend. „Wenn du mich wirklich lieben würdest, dann würdest du mir Kaffee kaufen.“

Wilson wandte den Blick ab und starrte auf die Krümel, die auf House’ Pyjamahose gefallen waren. „Da war ein Spinnennetz in dem Schrank mit den Gläsern“, entgegnete er, ohne darauf zu reagieren.

„Ich hätte mich auch mit kalter Pizza begnügt.“

Der jüngere Mann schnitt eine Grimasse. „Kalte Pizza und Milch?“

„Kalte Pizza und kaltes Beer.“ House sah ihn an. „Es hat dich gestern Abend nicht gestört, wie meine Küche aussieht.“

„Richtig. Es geht nichts über Pizza aus der Hand, während im Hintergrund die Geier um die Spüle kreisen. Das ist wahre Romantik.“ Wilson lehnte sich gegen das Kopfende des Bettes zurück, die Arme hinter dem Nacken verschränkt. Er lächelte, als sich blaue Augen auf ihn richteten. „Außerdem bin ich nicht wegen deiner kulinarischen Talente hergekommen“, meinte er leichthin.

House starrte auf das Milchglas, nahm es dann, schnitt eine Grimasse und trank es auf einen Zug halb aus. „Gut zu wissen.“ Ein bitterer Unterton lag in seiner Stimme.

„Ich wollte nicht...“

House unterbrach ihn, indem er das Glas zurückstellte, den leeren Teller förmlich in Wilsons Schoß warf und dann nach seinem Stock griff. Er wandte sich ab und saß auf der Bettkante. „Musst du nicht gleich das Geschirr abspülen, Meister Propper?“

Offenbar war seine Anwesenheit nicht weiter erwünscht. Wilson seufzte und stand auf. Er nahm den Teller, umrundete das Bett und holte das Milchglas. „Willst du nicht austrinken?“

„Nein, Mami“, kam es ätzend von House.

Okay, sein Fehler. Er verließ das Schlafzimmer und schloss nachdrücklich die Küchentür hinter sich. Manchmal fragte er sich, warum er sich an diese Beziehung klammerte wie ein Ertrinkender an einen Rettungsring. Vielleicht, weil sie beide trotz all ihrer Schwierigkeiten, Merkwürdigkeiten, Kränkungen, an ihr festhalten wollten.

Weil er diesen verbitterten, zynischen, verkrüppelten Mann auf eine Weise liebte, die ihm Angst machte und unverständlich blieb.

Er sah auf das Geschirr in seinen Händen. Das Leben war nicht so simpel wie Milch und Kekse.

Ende