Titel: The middle of nowhere

Autor: Lady Charena

Fandom: House, MD

Charaktere: House, Wilson

Thema: # 074. Dunkel

Word Count:

Rating: PG

Anmerkung des Autoren:  Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

 

Summe/Hintergrund: Ein näherer Blick auf die Ereignisse vor Wilsons Auftauchen und wie es danach weiterging... Alles massive Spoiler für 3.10 “Merry Little Christmas”

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: Pink

 

 

I can't stay on your life support, there's a shortage in the switch,
I can't stay on your morphine, cause its making me itch
I think I'll get out of here

Where I can run just as fast as I can
To the middle of nowhere
To the middle of my frustrated fears

 

Warum halfen die verdammten Pillen nicht? Der Druck in seiner Brust nahm zu und er schluckte rasch noch zwei davon, brachte die Stimme in seinem Kopf zum verstummen, die mitzählte und Alarm schlagen wollte. Er brauchte sie, brauchte das Nicht-fühlen, dass sie mit sich brachten. Die Stille in seinem Kopf, wenn das endlose Gedankenkarussell endlich zum Stillstand kam.

 

Er schloss die Augen... schlechte Idee... aus der Dunkelheit hinter seinen Lidern starrte ihn Wilson an.

 

Wilson. Wilson. Gottverdammt.

 

Er ließ den Kopf sinken, stützte ihn in beide Handflächen. Die braunen Augen, sanft, bittend. Seine zögernde, fast ängstliche Stimme, als er fragte, ob sie den Abend nicht zusammen verbringen würden. Ob er – House – nicht einen Menschen seinen Pillen vorziehen würde. Und seine eigene, verächtliche Geste, wortlos, aber deswegen nicht weniger verletzend. Was bildete sich Wilson eigentlich ein?

 

Irgendwo in den armseligen Ruinen seines verbrannten Herzens wünschte er sich, er hätte das nicht getan. Wünschte sich, Wilson säße neben ihm auf der Couch.

 

Wilson. Wilson. Wilsonwilsonwilsonwilson…

 

Warum wirkten diese verdammten Pillen nicht endlich.

 

Er schluckte zwei weitere, schüttelte prüfend die Box. Ein leises Klappern verriet die mageren, verbliebenen Reste des Oxychodone.

 

Seine Hand zitterte, als er das Glas auffüllte und aus irgendeinem unerfindlichen Grund brachte es ihn zum Grinsen. Scotch landete auf dem Couchtisch, aber der größte Teil davon schaffte es ins Glas. Sein Magen bewegte sich, träge, wie ein großes Tier, dass sich im Schlaf herumrollt und er presste kurz eine Hand gegen seinen Bauch. Aber der Rest seines Körpers fühlte sich ziemlich taub an, sogar sein Bein.

 

Er begann, die Pillenbox zwischen den Fingern zu drehen, als würde sie ihm wie ein Magic-Eight-Ball die Zukunft zeigen. Statt einer Antwort fiel sein Blick auf das Telefon.

 

Nach einem Augenblick des Zögerns hob er es auf, stellte das Glas weg und wählte eine Nummer. Es dauerte einen Moment, bis die Verbindung zustande kam und er trank noch einen Schluck.

 

Er hatte nicht wirklich erwartet, dass seine Eltern Zuhause waren. Hatte natürlich gehofft, dass seine Mutter abnahm; er wusste, dass sie auf einen Anruf von ihm wartete. Vielleicht hatte er ihn bewusst so lange hinausgezögert, bis er ziemlich sicher sein konnte, dass sie zum Weihnachtsessen zu Tante Sarah gefahren waren.

 

Der Anrufbeantworter zeichnete seine Worte pflichtschuldig auf und er unterbrach die Verbindung.

 

Er legte das Telefon weg und spülte die letzten Pillen mit dem Rest des Scotch hinunter.

 

Trotz der Unmengen an Schmerzmittel in seinem Blut, begannen die Schnitte an seinem Unteram zu brennen, als ständen sie in Flammen. Er versuchte es zu ignorieren, obwohl er am liebsten den Verband abgerissen hätte, den ihm Cameron angelegt hatte. Der Gedanke brachte ihn beinahe zum Lachen. Ausgerechnet sie hatte es sein müssen. So viel Mitleid in ihren Augen... er hätte sich fast übergeben. Allein der Gedanke daran reichte aus, dass sich sein Magen schmerzhaft zusammen zog.

 

Es hätte schlimmer sein können. Es hätte Wilson sein können.

 

Wilson.

 

Wilson. Wilson, Wilson, Wilsonwilsonwilsonwilson...

 

Es war wie ein Echo in seinem Kopf. Erschöpft rieb er sich mit der Hand übers Gesicht, ließ den Kopf wieder sinken. Es musste das Oxychodone sein, dass endlich seine Wirkung entfaltete und ihn so müde machte. Gott, vermisste er sein Vicodin. Wenn Wilson nur...

 

Warum zum Teufel musste Wilson sich nur einmischen? Warum dieser Deal mit Tritter? Wieso konnte er nicht endlich aufhören, sich um ihn zu kümmern, ihn zu beschützen, ihn zu lie... lieben. Wilson liebte ihn.

 

Und er hasste ihn dafür. Liebte ihn und hasste ihn dafür, hasste sich dafür, dass er es tat. Es bedeutete, dass er ihn nicht ignorieren konnte, nicht als belanglos abtun, nicht seine Worte missachten, über seine Sorge spotten konnte.

 

Wenn man jemanden liebte, dann konnte man nie wirklich weghören, wenn diese Person um etwas bat. Und um was Wilson an diesem Abend in seinem Büro gebeten hatte, wusste er nur zu gut: um ein Zeichen, dass seine Absichten nicht missverstanden wurden; um ein Zeichen, dass ihre bizarre Beziehung nicht den endgültigen, letzten Riss erhalten hatte. Um Verzeihung.

 

Aber wie sollte er Wilson verzeihen, wenn er das einzig richtige getan hatte?

 

Seine verdammte Arroganz, sein verfluchter Stolz hatten ihn diese Situation gebracht. Niemand sonst trug die Schuld daran, dass er im Gefängnis landen würde.

 

Er glaubte nicht an Wunder.

 

Das Oxychodone wirkte jetzt und es wirkte heftig. Bleierne Müdigkeit kroch durch seinen ganzen Körper und sein Kopf fühlte sich an, als wäre er mit Nebel gefüllt und schwebte schwerelos darüber. Er wollte nach der Flasche greifen, aber sein Magen grollte warnend.

 

Ihm war kalt. Ihm sollte nicht kalt sein, nicht mit all den Medikamenten und dem Alkohol in seinem Blut. Trotzdem begann er am ganzen Leib zu zittern.

 

Er hörte durch den Nebel in seinem Kopf das Klingeln des Telefons.

 

Er nahm nicht ab. Es konnte nur Wilson sein.

 

Das Klingeln brach ab.

 

Er verschränkte die Arme vor dem Bauch, zog die Schultern nach vorne, presste das Kinn gegen die Brust, machte sich so klein wie er nur konnte, ohne sich in einer Ecke zusammen zu rollen.

 

Das Telefon klingelte erneut. Länger diesmal.

 

Warum ließ Wilson ihn nicht in Ruhe? Warum hielt er an dieser verdammten Freundschaft fest, warum ließ er zu, dass er sein Leben zerstörte? Um sein Leben war es nicht schade, aber Wilson hatte so viel zu verlieren. Er verstand es nicht. Verstand nicht, hatte nie verstanden, was sie miteinander verband. All die Jahre nicht. All die Ehen nicht. Selbst Stacy war ihm nie so nahe gekommen, wie Wilson, war nie unter seine Haut gedrungen, um seine Geheimnisse kennen zu lernen; die Dunkelheit in seiner Seele, die ihre düsteren Wurzeln in seiner Kindheit hatte und in der emotionalen Kälte seines Vaters. Verstand nicht, wie Wilson all die Demütigungen hinnahm, den Spott. Warum er es zuließ, dass er ihm wehtat, ihn trat wenn er ohnehin schon am Boden lag. Ihn manipulierte und ausnutzte und... und...

 

Und ihn brauchte.

 

Das Telefon klingelte zum dritten Mal.

 

Brauchte ihn. Gott, wie er hasste, das zuzugeben. Selbst hier, selbst allein in der Stille in seinem benebelten Kopf. Brauchte ihn, damit er mit ihm stritt, seine Motive in Frage stellte, ihn daran erinnerte, dass er ein Mensch war. Ihn vor sich selbst rettete. Brauchte ihn, damit er sich um ihn sorgte, auch wenn er eine Glucke war, brauchte die Sorge um sein Bein, um seine Vicodinabhängigkeit - weil er es selbst nicht konnte.

 

Als er endlich die Hand nach dem Telefon ausstreckte, verstummte es.

 

Er rieb sich wieder über das Gesicht. Die volle Wirkung des Oxychodone in Kombination mit dem Alkohol traf seinen Blutstrom mit der Wucht eines Faustschlages in den Magen und er musste gegen die in ihm aufsteigende Übelkeit ankämpfen.

 

Ein stechender Schmerz breitete sich in seinem Unterkörper aus und zum ersten Mal wurde ihm wirklich bewusst, dass er die Pillen überdosiert hatte. Massiv überdosiert.

 

Er hatte genug Schmerzmittel in sich, dass sie ihn umbringen konnten. Und vielleicht war es genau das, was er hatte tun wollen...

 

Er wollte, musste... Er stemmte sich mühsam hoch, von der Couch... aber er kam nicht weit. Dunkle Flecken tanzten vor seinen Augen und er landete auf dem Boden, wo sich sein Magen in schmerzhaften Krämpfen von den Alkohol und Pillen zu befreien versuchte. Irgendwie schaffte er es, den Kopf zur Seite zu drehen, so dass er nicht in seinem Erbrochenen zu liegen kam. Dann wurde es dunkel um ihn.

 

* * *

 

„House? Bist du okay? Ich habe drei Mal angerufen?“

 

Er kehrte zurück in eine vage, schmerzerfüllte Wirklichkeit. Oder träumte er und bildete sich Wilsons Stimme nur ein?

 

Er zwang die Augen auf, brachte es nur halb zustande, blinzelte. Eine undeutliche Gestalt beugte sich über ihn, rollte ihn auf den Rücken.

 

Braune Augen kamen in sein Sichtfeld. Wilson. Er versuchte, seinen Namen zu sagen, aber es kam kein Laut über seine Lippen. Alles, was er tun konnte, war den Kopf ein wenig zu heben und die Hand nach ihm auszustrecken. Doch Wilson war zu weit weg. Er konnte ihn nicht erreichen.

 

Alles, was er tun konnte, war hilflos zu ihm hochstarren. Schock, Angst, Wut glitten in rascher Folge über Wilsons Gesicht. Dann resigniertes Verstehen, als er die leere Oxychodone-Packung aufhob.

 

Wieder öffnete er den Mund, versuchte etwas zu sagen, ihm zu erklären, warum er... Versuchte er, Wilson zu sagen, dass es weh tat und ihn zu bitten... um Verzeihung zu bitten...

 

Doch die Verbindung zwischen seinem Gehirn und seinem Mund war kurzgeschlossen und alles, was er tun konnte, war ihn an zu starren.

 

Die orangefarbene Pillendose landete neben seinem Gesicht auf dem Boden und dann war Wilson weg.

 

Allein.

 

"I'm sorry," he mumbled as he closed his eyes and quietly coughed once again, then harder a second time, still trying to clear his throat. Suddenly regretting it and clenching his stomach as he squeezed his eyes closed.

 

 

Er rollte sich auf die Seite. Das Gift in seinem Blut riss in ihn die Dunkelheit der Bewusstlosigkeit. Die Tränen, die über seine Wangen glitten, spürte er nicht mehr.

 

 

 

I'm lyin' here on the floor where you left me
I think I took too much
I'm crying here, what have you done?
I thought it would be fun

 

Ironischerweise waren es Schmerzen, die ihn ins Bewusstsein zurückbrachten. Ein Krampf in seinem rechten Bein. Er umklammerte den Oberschenkel mit beiden Händen und rollte sich auf den Rücken. Instinktiv vor und zurück wiegend, konnte er nicht mehr tun, als sich auf die Lippen zu beißen, bis der Geschmack von Blut den bittersauren Geschmack der erbrochenen Pillen überdeckte, um nicht zu schreien.

 

Als der Krampf endlich nachließ, streckte er vorsichtig seinen Körper aus und starrte schweratmend an die Decke. Schweiß vermischte sich auf seinen Wangen mit den Tränenspuren, wusch sie ab.

 

Noch eine Weile später konnte er sich schließlich wieder so weit bewegen, um bis zur Couch zu robben und sich an ihr hoch zu ziehen. Er sackte in die Kissen und nach vornüber, beide Arme um den Kopf geschlungen, noch immer atemlos.

 

Als er sicher war, dass er nicht mehr das Bewusstsein verlieren würde, sobald er versuchte, sich zu bewegen, stemmte er sich hoch. Unsicher schwankend stand er einen Moment da, bevor er sich ins Badezimmer vortastete, mehr gegen die Wand gelehnt, als sich an ihr abstützend.

 

Genau drei Stunden nachdem Wilson ihn gefunden hatte und wieder gegangen war, stand Gregory House vor der Tür zu Detective Tritters Büro...

 

Ende

 

I haven't moved from the spot where you left me
This must be a bad trip
All of the other pills, they were different
Maybe I should get some help