Titel: Magnum

Autor: Myra

Fandom: Magnum

Charaktere: M/H

Zusammenfassung: Magnum hat sich mal wieder daneben benommen.

Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte gehören CBS. Jedenfalls nicht mir.

Beta: T´Sihek, REV

 

 

Magnum

 

"Jungs! Ihr passt mir auf, dass er sich nicht von der Stelle rührt", ordnete die erboste Stimme eines kleinen und mit deutlich britischem Akzent sprechenden Mannes an, der wirkte, als ob er noch aus der Kolonialzeit stammen würde.

 

Die beiden schlanken Dobermänner erfassten sofort die Bedeutung und nahmen mit flinken, schwarzen Augen den zusammengesunkenen Übeltäter ins Visier. Ihre Muskeln unter dem glatten, braunen Fell bebten vor Anspannung und obwohl sie sich keinen Millimeter von ihrem Platz neben dem Sofa rührten war klar, dass sie nicht eine Sekunde zögern würden, den weiteren Anordnungen ihres Herrn sofort Folge zu leisten.

 

"Jungs! Jungs! Wie viele Schnitzel habe ich euch schon außer der Reihe zukommen lassen?", fragte Magnum mit amüsiertem Augenzwinkern, wie immer braun gebrannt vom Baseballspielen und in ausgezeichneter körperlicher Verfassung.

 

"Vergesst das bitte nicht." Eine gewisse Nervosität konnte er aber trotz allem nicht aus seiner Stimme verbannen.

 

"Das reicht!"

 

Mit nur mühsam in Schach gehaltener Wut drehte Higgins erneut vor dem schuldbewusst drein blickenden Privatdetektiv seine Runden.

 

Beide trugen Shorts, aber der Unterschied bestand in der Länge. Higgins Statur war untersetzt und seine Tropen-Kaki-Uniform reichte ihm bis tief in die Kniekehlen. Darüber trug er im selben undefinierbaren Ton eine Art Uniformhemd mit Klappen auf den Schultern.

 

"Das hier ist keiner Ihrer Späße mit einem Ihrer zweifelhaften Freunde. Sie haben gerade Ihre Stellung auf diesem Grundstück verwirkt!", fuhr er fort.

 

"Ich weiß, Higgins." Flehentlich streckte der Privatdetektiv seine Hände aus und übertrieb damit noch seine ehrliche Verzweiflung.

 

"Aber lassen Sie bitte die Hunde aus dem Spiel."

 

Auch Magnum trug ein Hemd, aber seines war schreiend bunt, bedruckt mit roten Orchideen und farbenprächtigen Papageien - eben ein Hawaiihemd – und seine Shorts saßen knapp - sehr knapp.

 

Und weil er wusste, dass nur totale Unterwerfung ihn jetzt noch retten konnte, ließ er den Kopf auf seine typische Art leicht schräg nach vorn fallen.

 

"Es tut mir auch wirklich sehr leid. Aber ich kann nichts dafür."

 

"Seien Sie nicht kindisch. Sie waren für dieses Haus verantwortlich. Nur deshalb hatten Sie bis auf wenige Ausnahmen - ich wiederhole: wenige Ausnahmen - ein allgemeines Nutzungsrecht."

 

Higgins schien mit seinem kurzen Regimentstöckchen, mit dem er wild in der Luft herumfuchtelte, Magnum förmlich aufspießen zu wollen. Er war unerwartet früh vom jährlichen Veteranentreffen zurückgekehrt. Und, nachdem er sich nur mühsam von der ersten heftigen Erschütterung über die allgegenwärtige Verwüstung erholt hatte, sofort ins Gästehaus geeilt.

 

"Von Großveranstaltungen auf diesem Grundstück und in meiner Abwesenheit war nie die Rede gewesen. Sie haben mich maßlos enttäuscht", klagte er bitter an.

 

"Ich bin unschuldig."

 

"Unschuldig daran, dass der Ferrari den mühsam angelegten englischen Rasen zerstört hat? Unschuldig daran, dass die kostbare ostasiatische Erotika-Sammlung verschwunden ist? Unschuldig daran, dass sich in mein Schlafzimmer Damenwäsche verirrt hat? Ich wiederhole: Damenwäsche!

 

Unschuldig daran, dass sich meine in Jahrzehnten zusammengestellte Weinsammlung förmlich in Luft aufgelöst hat? Unschuldig daran, dass sich auf den Bildern meiner ehemaligen West Yorkshire Regiments-Kameraden obszöne Zeichnungen befinden?"

 

Higgins nahm sich zwischendurch kaum Zeit ausreichend Luft zu holen "Und das ist nur ein Bruchteil der angerichteten Schäden!"

 

Magnum bemerkte den kleinen Schweißfilm auf der Stirn des hektisch agierenden Verwalters und beobachtete wie zwei rote Flecken auf den runden Wangen, immer mehr Farbe bekamen. Er befürchtete bereits schlimme, gesundheitliche Folgen für den Sergeant Major.

 

"Higgins! Sie müssen das nicht alles aufzählen." Sollte er ihn tatsächlich bei Robin Masters, dem Eigentümer des Grundstücks samt Inventar anschwärzen, wäre in der Tat sein relativ sorgenfreies Leben vorbei. Robin war zwar für seine Großzügigkeit bekannt, doch auch dieser Großmut kannte Grenzen. Und es war, nun ja, nicht das erste Mal, dass sich Magnums gute Absichten - leider - ins Gegenteil verkehrt hatten und ein Schaden entstanden war.

 

"Magnum! Geben Sie endlich zu, dass Sie selber Schuld an diesem Desaster sind!" Der kleine Mann blieb stehen und zeigte anklagend auf den Privatdetektiv.

 

Der Kopf des Privatdetektivs sank wieder tiefer und Higgins konnte auf der dunkelblauen Baseballkappe den Schriftzug Da Nang lesen. Magnum war als junger Mann in Vietnam gewesen. Etwas, dass ihn früher einmal für ihn eingenommen hatte.

 

Aber nein, keine Sentimentalitäten mehr. Nicht nach dieser Orgie der Zerstörung. Magnum würde, wenn er so weiter machte, noch seine ganze Existenz ruinieren.

 

"Ich werde Mister Robin Masters sofort über alles informieren und seine Erlaubnis einholen, Sie umgehend vom Grundstück zu entfernen!"

 

Es wurde Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen. "Und ich erwarte natürlich eine fristgerechte Begleichung der Schäden", schickte er schnell noch hinterher.

 

"Higgins, Sie wissen, dass ich das nicht kann." Magnum riss seine braunen Augen auf und sah mit Dackelblick auf das versteinerte Gesicht vor ihm.

 

"Aber ich bringe das alles wieder in Ordnung! Bitte lassen Sie mir nur etwas Zeit. Wenn Sie nur nicht so früh zurück ...."

 

"Das ist zuviel", stoppte Higgins ihn sofort. Magnum sollte es nicht auch noch so drehen, dass er es eigentlich selber war, der das alles hier angerichtet hatte. "Ich gehe jetzt und lasse Sie in Ruhe über die Begleichung Ihrer Schuld nachdenken."

 

"Bitte, es muss doch noch eine andere Lösung geben." Aber in dem Moment, als der Privatdetektiv hochsprang, ließen unisono beide Hunde ein gefährliches Knurren hören. Nur leise, aber Magnum ließ sich gleich wieder auf das mit großen Blumen gemusterte Gäste-Sofa fallen.

Er fand, dass es ein Jammer wäre, hier wieder ausziehen zu müssen. Und wo sollte er auch hin? Auf Hawaii gab es viel zu wenig akzeptablen Wohnraum, den er sich bei seinen unregelmäßigen Einnahmen überhaupt leisten konnte.

 

Und außerdem mochte er es einfach nicht, sich um solche Dinge kümmern zu müssen.

 

Schließlich war ja alles nur passiert, weil er wieder mal zu gutmütig gegenüber seinen Freunden gewesen war.

 

"Eigentlich ist Icepick an allem schuld. Wenn er Rick nicht auf die Schnelle gezwungen hätte mit dem Schwarzbuch unterzutauchen und der nicht TC um Hilfe gerufen hätte und der nicht mit den Frauen vom Honolulu-Nightclub gerade einen Island Hoppers-Ausflug an den Sandy Beach gemacht hätte, und sie dann nicht alle wegen eines Propellerschadens gleich in der Nähe hätten notlanden müssen ...

 

Und zugegeben, vielleicht hätte ich auch nicht gerade an diesem Wochenende die Softball-Damenmannschaft wegen ihrer guten Leistungen einladen sollen. Nur als Motivation für das nächste Spiel. Versteht sich.

 

Aber dann tauchten hier plötzlich die Yakuza auf und wenn uns nicht die Spielerinnen gerettet hätten ... Ich weiß nicht, was dann noch alles ..."

 

Magnum redete sich warm und erinnerte sich dabei wieder voll Dankbarkeit an seine kräftigen Sportlerinnen.

 

"Thomas!" Higgins drehte sich um und hatte plötzlich nur noch das dringende Bedürfnis nach frischer Luft.

 

"Ich will nichts mehr davon hören. Sie haben Mr. Masters Eigentum entweiht und zum wiederholten Male in ein Schlachtfeld verwandelt. Und wenn Sie nicht sofort von hier verschwinden, werde ich entsprechende Maßnahmen ergreifen müssen."

 

Mit steifer Haltung ging er auf die Treppe zu, die zum Ausgang führte.

 

"Kommt Jungs! Wir gehen."

 

Aber als er hinter sich ein lautes Rumpeln hörte, drehte er sich wieder um.

 

Was ein Fehler gewesen war, wie er sofort dachte.

 

Als Magnum seinen Vornamen Thomas aus dem Mund des immer so sehr auf Förmlichkeit bedachten Verwalters gehört hatte, wusste er sofort, jetzt halfen nur noch extreme Maßnahmen. Er ließ sich hart auf die Knie fallen:

 

"Higgins, legen Sie mich in Eisen oder was Sie sonst so für Strafen kennen, aber geben Sie mir noch eine Chance."

 

"In Eisen legen - Pah! Das wäre in Ihrem Fall viel zu harmlos. Damals in Indien wurden den Delinquenten die Hände abgehackt. Und Schlimmeres. Obwohl - verdient hätten Sie es ja."

 

Higgins dachte kurz über die verweichlichte, westliche Zivilisation nach, nur Wehleider in seinen Augen. Damals in den Kolonien - ja - da gab es noch Männer mit Prinzipien.

 

"Higgins, ich verstehe ja, dass Sie wütend sind." Ein Seitenblick auf die Hunde bestätigte Magnum den Ernst der Lage.

 

"Aber vielleicht gibt es noch einen anderen Weg, meine Schulden zu begleichen."

 

"Wir sind in einem zivilisierten Land. Ich werde Ihre Entlassung mit sofortiger Wirkung veranlassen und Ihnen dann durch den Anwalt die Rechnung für die Schäden zukommen lassen."

 

"Higgins, was hätten Ihre Regiments-Kameraden in so einer Situation gemacht? Ich meine, rein theoretisch.“ Magnum seufzte schwer. Irgendetwas musste doch noch möglich sein.

 

Ohne lange zu überlegen, antwortete Higgins. "Damals in den Kolonien? Bei Weißen aus gehobenen Ständen wurde erwartet, dass sie bei vergleichbarem Fehlverhalten von der Familie freigekauft wurden. Die Einheimischen wurden entweder ausgepeitscht oder bei Gefallen in den persönlichen Besitz übernommen."

 

"Als Bedienung vermute ich. Oder zum Arbeiten?", fragte Magnum neugierig geworden.

 

"Nicht unbedingt. In der Regel wurden sexuelle Dienstleistungen als Äquivalent zum angerichteten Schaden erwartet", dozierte Higgins.

 

"So, so, das haben Sie also in Indien getrieben. Vermutlich sind das auch so die Themen über die Sie mit Ihren Kameraden in Ihrem Club schwadronieren", lachte der Privatdetektiv unfreiwillig laut auf.

 

Es gab also doch noch ein paar dunkle Geheimnisse in dieser immer so ehrenwert tuenden Gesellschaft. Irgendwann würde er da sicher noch mal nachhaken, wenn sich die Lage wieder entspannt hatte.

 

"Sie werden unverschämt und ich habe Besseres zu tun, als mir das von Ihnen anhören zu müssen", reagierte Higgins erwartungsgemäß pikiert und in seinem Stolz gekränkt.

 

"Sie persönlich haben so was natürlich nicht getan. Das ist mir klar. Aber Higgins, ich versuche doch nur, eine Lösung für unser kleines Problem zu finden", lenkte Magnum sofort ein.

 

"Das ist kein kleines Problem", beharrte Higgins störrisch.

 

"Richtig. Aber wollen Sie wirklich, dass das alles hier in der Öffentlichkeit breitgetreten wird? Immerhin könnte ich gegen meine Entlassung klagen oder der Presse einige selbst ausgedachte Details über den mysteriösen Erfolgsschriftsteller Robin Masters erzählen. Wollen Sie das wirklich?"

 

"Was soll das?", fragte Higgins misstrauisch und fest entschlossen, Magnum diesmal nicht davon kommen zu lassen.

 

"Wollen Sie mich erpressen?"

 

"Natürlich nicht. Aber sollten wir das nicht besser unter uns regeln? Wie Gentlemen? Vielleicht 14 Tage kein Pool?", versuchte Magnum, zu locken.

 

"Oder kein Ferrari?", hängte er schnell noch an, als die erhoffte Reaktion ausblieb. Higgins war diesmal wirklich eine harte Nuss.

 

"Mit dem Entzug einiger Privilegien ist es diesmal nicht getan." Der Verwalter wandte sich wieder zum Ausgang. "Nein, Nein. Diesmal kommen Sie mir nicht so einfach davon."

 

"Higgins, ich habe keine reiche Familie. Also bleibt nur die Prügelstrafe oder was immer sie unter - äh - Dienstleistungen verstehen, um meine Schuld abzutragen. Richtig?", hakte Magnum nach.

 

Er spürte, dass seine Selbstsicherheit zu bröckeln begann und er ging insgeheim einen Pakt mit seinem Schicksal ein, nie wieder einen seiner Freunde das Grundstück betreten zu lassen. Wenn er hier nur wieder heil herauskam.

 

"Sie würden sich von mir verprügeln lassen?" Higgins traute seinen Ohren nicht und drehte sich langsam wieder um.

 

"Wenn es sein muss. Allerdings habe ich in wenigen Tagen ein Baseballturnier und wie Sie wissen, sind die ... Shorts immer ziemlich knapp."

 

"Ihre jedenfalls, wie mir aufgefallen ist." Higgins räusperte sich. "Was versuchen Sie, mir eigentlich vorzuschlagen?"

 

"Wenn es unter uns bleiben kann?", ließ sich der Privatdetektiv sicherheitshalber bestätigen.

 

Higgins konnte nur stumm nicken, als endlich der Groschen gefallen war. Der Speichel in seinem Mund schien sich vor einer Sekunde auf die nächste vollständig aufgelöst zu haben. Der ehemalige englische Regimentsoffizier schluckte hart und bemühte sich, seinen typisch blasierten Gesichtsausdruck zu bewahren.

 

Magnum grinste selbstsicherer, als er sich fühlte. Er wusste, dass Higgins insgeheim auf kräftige, dunkelhaarige Männer mit Schnauzbart stand. Er hatte es einmal ganz zufällig in einem Brief eines verflossenen Liebhabers, bzw. ehemaligen Regiments-Kameraden gelesen.

 

Natürlich hatte er es für sich behalten. Und es war bisher auch nie ein Thema zwischen ihnen Beiden gewesen.

 

Bis jetzt jedenfalls.

 

"Higgins - seien Sie bitte nett zu mir", bat er mit einem liebenswürdigen Augenaufschlag den konsternierten Verwalter.

 

Ende