Titel: Love and Happiness

Autor: Lady Charena

Fandom: House, MD

Charaktere: House, Wilson/Julie

Thema: # 042. Dreieck

Word Count:

Rating: PG

Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

Summe: Nach Wilsons und Julies Hochzeit

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: Al Green

 

 

 

happiness is when you really feel good with somebody
nothing wrong with being in one with someone
Love and happiness...
something that can make you do wrong, make you do right...

 

Er ging, als Braut und Bräutigam die Gläser unter ihren Füßen zertraten. Wobei er ‚gehen’ als Euphemismus gebrauchte. Interessanterweise schienen sich seine Kopfschmerzen so ganz alleine in der oberen Hälfte seines Körpers zu langweilen und hatten beschlossen, ihren großen Bruder in seinem rechten Bein zu besuchen, um dort ihre eigene kleine Party zu feiern.

Er versuchte still zu sitzen und schaffte es auch während des größten Teils der Zeremonie. Wilsons Mutter warf ihm von Zeit zu Zeit einen besorgten Blick zu, doch er war zu abgelenkt davon, seinen Magen im Zaum zu halten, als dass er sich ernstlich fragte, ob sie sich Sorgen machte, dass er vornüber kippte oder dass er die Hochzeit ruinieren würde, indem er sich vor allen Leuten übergab. Letzteres erschien verlockend, obwohl er nicht mehr als Kaffee im Magen hatte – doch mit dem Kaffee würde auch sein kostbares Vicodin seinen Körper auf dem falschen Weg verlassen und das brauchte er, um das Monster in seinem Bein in Schach zu halten. Er hatte allerdings eine Ahnung, als wäre es bereits zu spät für solcherlei Bedenken...

 

Allerdings schaffte er es nur gerade so ins Freie und auf den Parkplatz, bevor er sich gegen das nächstbeste Auto lehnte und sich übergab. Bedauernd betrachtete er die braunen Spritzer und hoffte, dass sein Körper bereits genug von dem Vicodin absorbiert hatte. Er wandte sich ab, schloss die Augen und presste seine pochende Stirn gegen das kühle Metall des Wagendaches.

 

Nun, ein Junggesellenabschied – auch wenn besagter ‚Junggeselle’ bereits das dritte Mal heiratete – bestand eben zum größten Teil darin, sinnlos betrunken zu werden. Und da der Spielverderber Wilson unbedingt nüchtern bleiben wollte (das übrigens zum ersten Mal) und außer ihnen beiden niemand eingeladen war, hatte er es auf sich genommen, seine Rolle doppelt so gut zu erfüllen. Ein Opfer, dem er sich mit vollem Enthusiasmus widmete. Und mit Stolz konnte man sagen, dass er sich definitiv selbst übertroffen hatte – und das sogar noch lange, nachdem Wilson gegangen war. Er hatte noch genug Alkohol im Blut... oder Blut im Alkohol... dass der Urvater aller Kater erst morgen oder übermorgen auf seiner Türschwelle stehen würde. Das bisschen Kopfschmerzen und die Übelkeit jetzt waren nur ein zarter Vorbote kommenden Übels. Aber dann würde Wilson bereits mit Julie in den Flitterwochen sein und er konnte in aller Seelenruhe in seiner Wohnung sterben, ohne von einem überfürsorglichen Freund gnadenlos betüttelt zu werden.

 

Als er hinter sich Schritte hörte, machte er keine Anstalten, sich aus seiner zusammengesackten Haltung aufzurichten. Er wusste ohnehin, wer es war. „Was machst du hier?“, fragte er ungehalten. „Scher’ dich gefälligst zu deiner Frau und lass’ mich in Ruhe.“

 

„Wenn man sich dich so ansieht, könnte man denken, wir wären auf einer Beerdigung anstatt auf einer Hochzeit.“

 

Er gab ein Geräusch von sich, irgendwo zwischen Verachtung und Lachen. „Hör’ auf, dir um mich Sorgen zu machen.“

 

„Ich mache mir kei....“

 

„Ich kann förmlich hören, wie du die Augenbrauen zusammenziehst“, unterbrach er ihn. Weiterhin gegen das Auto gelehnt, drehte er sich um. „Du könntest etwas dankbarer sein.“

 

„Wofür?“ Wilson verschränkte die Arme vor der Brust.

 

„Julie hätte dich nie geheiratet, wenn du genauso aussehen würdest wie ich.“

 

„Niemand hat dich gezwungen, so viel zu trinken.“ Wilson überbrückte die Distanz zwischen ihnen und griff sein Kinn, um sein Gesicht ins Licht zu drehen. „Du siehst mies aus. Geh’ nach Hause, Greg. Ich rufe dir ein Taxi.“ Er zog die Hand zurück... wollte sie zurückziehen... lange Finger schlossen sich um seine, hielten sie einen Moment lang fest.

 

Er zögerte und Wilson sah die Muskeln in seiner Kehle arbeiten, als er schluckte. „Ich...“, er stockte, sah weg, ließ seine Hand sinken. „Es tut mir leid.“

 

„Irgendetwas bestimmtes, dass dir leid tut, oder soll ich mir was aussuchen?“

 

„Ich hätte das heute Nacht nicht über Julie sagen sollen.“

 

Zu seiner Überraschung, vielleicht auch Erleichterung, lachte Wilson leise. „Seit ich dich kenne, sagst du Dinge, die du nicht hättest sagen sollen.“ Er rieb sich den Nacken. „Okay, ich weiß, dass du sie nicht besonders magst. Ich liebe Julie, wir haben heute geheiratet und werden in ein paar Monaten ein Baby bekommen. Aber das bedeutet nicht, dass sich etwas an unserer Freundschaft ändert.“ Er lächelte schief. „Was ist los mit dir? Ich heirate doch nicht zum ersten Mal.“ Er erwartete keine Antwort. Er wusste, was anders geworden war. Er tippte mit der Schuhspitze leicht gegen House’ Stock. „Ich muss zurück. Wir sehen uns Freitag, länger kann Julie keinen Urlaub nehmen.“ Wilson trat einen Schritt zurück. „Okay?“

 

Er tastete seine Taschen ab, obwohl er sich ziemlich sicher war, dass er sein Mobiltelefon eingesteckt hatte. Schließlich zog er es hervor und hob es hoch. „Siehst du? Ich kann mir selbst ein Taxi rufen. Geh’ zurück zu deiner Hochzeit, bevor dich jemand vermisst.“ Zum ersten Mal seit langer Zeit war da nichts: keine Wut, keine Bitterkeit, kein Zynismus – auf die er zurückgreifen konnte. Er war nur müde und er verspürte eine... eine Einsamkeit, auf die er nicht vorbereitet gewesen war.

 

Wilson lächelte und fuhr sich durch die Haare. „Ich rufe dich an, wenn wir wieder in New Jersey sind.“ Dann wandte er sich ab und ging.

 

Er stand noch eine Weile gegen das Auto gelehnt da, bevor er eine Vicodin schluckte und endlich ein Taxi bestellte.

 

 

 

Wait a minute...
something's going wrong
someone's on the phone
three o'clock in the morning

 

Er hatte es schließlich aufgegeben, an die Decke zu starren, war aufgestanden, hatte ein paar Vicodin mit einem halben Glas Jack Daniels runtergespült und sich schließlich vor seinem Piano wiedergefunden. Der auf stumm geschaltete Fernseher spendete flackerndes Licht. Der altmodische Plattenspieler klickte leise, sein Tonarm hüpfte fast ungeduldig auf und ab, doch er machte sich nicht die Mühe aufzustehen und die Nadel neu anzusetzen.

 

Er ließ die Finger über die Tasten gleiten, ohne sie jedoch anzuschlagen. Die Stille war okay. Sie akzentuierte die Stille, die in ihm war. Sein Blick fiel auf die Beethoven-Biographie, die auf dem Instrument lag. Ein Geschenk von Wilson. Doch im Moment fesselte etwas anderes unwillkürlich seine Aufmerksamkeit. Sein Mobiltelefon.

 

Seine Hände ruhten einen Moment bewegungslos auf den Tasten – dann nahm er das Mobiltelefon und klappte es auf. Er hatte Wilson auf Speeddial. Ohne nachzudenken wie spät es war, drückte er die Eins und wartete.

 

Es dauerte lange – doch dann meldete sich eine schlaftrunkene Stimme. Eine weibliche Stimme.

 

Er unterbrach die Verbindung und legte das Mobiltelefon zurück. Keine zwei Minuten später vibrierte es. Er hatte den Klingelton abgestellt. Das Vibrieren stoppte, als das Handy auf Voicemail umschaltete. Kurze Pause. Dann begann es wieder zu vibrieren. Und stoppte wieder. Es folgte eine längere Pause und er nahm an, dass Wilson es jetzt auf dem Festnetzanschluss versuchte. Aber er hatte den Stecker schon zwei Tage zuvor aus dem Anschluss gerissen, als er es leid wurde, dass Cuddy Drohanrufe auf seinem Anrufbeantworter hinterließ. Seinen Pager hatte er die Toilette runtergespült. Hey, schließlich standen auch ihm ein paar Urlaubstage zu. Das Mobiltelefon vibrierte noch einmal, dann wurde es wieder still.

 

Julie.

 

Er hatte gewusst, dass sie log, noch bevor sie den Mund geöffnet hatte, um etwas zu sagen.

 

Sie waren an diesem Abend ausgegangen, um Julies Beförderung zu feiern... das hieß, Julie wollte mit Wilson ausgehen, um zu feiern und der schleppte ihn – ohne auf sein Fluchen, Grollen und drohendes Gestikulieren mit dem Stock zu achten – aus seiner Höhle und mit in das pikfeine, italienische Restaurant, in dem er sich ungefähr so überlebensfähig fühlte wie ein Stachelschwein in einem Aquarium voll niedlicher Goldfische. So auffallend wie ein Ring aus dem Kaugummiautomaten in der Auslage von Tiffanys.

Ungefähr so wertschätzend war auch der Blick des Maitres, der ihn für Sekunden streifte. Er starrte nur zurück, ohne besonderen Ausdruck, doch die Augen des Mannes glitten von seinem ungekämmten Haaren, unrasiertem Gesicht und zerknitterter Kleidung zu dem Stock, der neben ihm am Stuhl lehnte – und dann betreten zur Seite. Er hatte das Gefühl, als müsse er sich auf den fein gedeckten Tisch übergeben, entschied sich aber statt dessen dafür, eine Vicodin zu schlucken. Als er nach seinem Wasserglas griff um sie hinunter zu spülen, fand er Julies Blick mit so etwas wie milder Abscheu auf sich gerichtet. Die Missbilligung verschwand so rasch aus ihren Zügen, wie sie gekommen war und Wilson bemerkte es nicht mal. Aber für ihn war dieser Blick auch nicht bestimmt gewesen. Bisher hatte sich Julie recht tolerant gegenüber Wilsons Freundschaft mit ihm gezeigt. Sie hatte – wenn auch zähneknirschend – akzeptiert, dass Wilson nicht nur für das Krankenhaus jederzeit auf Abruf war, sondern auch für Gregory House. Sie hatte mit einem falschen Lächeln erklärt, dass es ihr natürlich nichts ausmache, wenn sie zu Dritt ausgingen. Natürlich verstand sie, dass Greg wieder mehr unter Menschen kommen müsse, ungeachtet seines Widerwillens. Sie hielt seinem Sarkasmus stand, begegnete ihm manchmal mit einer überraschenden Ironie, die ihn an Stacy erinnerte und ab und an einem Anflug von Humor, doch sie machte stets deutlich, dass es nur Wilson zuliebe war. Sie hatte ihre Klauen tief in seinen besten Freund versenkt und machte keine Anstalten, ihn wieder los zu lassen.

 

Und dann, zum Dessert, zwischen Tiramisu und Espresso, verkündete Julie plötzlich ohne Vorwarnung, dass sie schwanger wäre. Natürlich war es eine Lüge. Keine Frau, die gerade befordert worden war, leistete sich eine Schwangerschaft und ein Kind - es sei denn, die Firma gehörte Daddy. Zumindest keine Frau mit Julies Ehrgeiz. Sie war gegenüber Wilsons Arbeitszeiten so tolerant, weil sie selbst sehr viel Zeit und Energie in ihren Beruf investierte. Ihre Affäre hatte abrupt an Ernsthaftigkeit zugenommen, als Wilson die Neuigkeit erfuhr, dass das Board in Betracht zog, ihn zum Nachfolger des bald in den Ruhestand gehenden Leiters der Onkologie zu machen.

 

Als sie sich zum ersten Mal begegnet waren, wusste er schon nach einer Viertelstunde mehr über Julie als Wilson – aber immerhin schlief er auch nicht mit ihr.

 

Aber Wilson als der gute und verantwortungsvolle Mensch, der er war, schluckte den Köder samt Haken, Schnur, Sinker. Zwei Tage später glitzerte ein Verlobungsring an seinem linken Ringfinger, im Krankenhaus brodelte die Gerüchteküche über, ein paar Hoffnungen wurden gedämpft, ein paar Tränchen vergossen, ein paar Glückwünsche gemurmelt und Seufzer geseufzt. Und Wilson fand sich verdutzt auf dem Korridor vor House’ Büro wieder, die Glastür hinter ihm noch immer von dem Aufprall vibrierend und fragte sich, was zum Teufel, er getan hatte, dass House ohne die geringste Warnung seinen Stock nach ihm warf, noch bevor er auch nur ein Wort außer „Guten Morgen“ gesagt hatte. Vier Wochen später waren Wilson und Julie verheiratet.

 

Er wusste, dass es nie ein Baby geben würde. In ein paar Tagen stellte sich die Schwangerschaft als ein Irrtum heraus oder Julie „verlor“ das Baby. Er hätte Wilson warnen können, aber er wusste, dass James nicht auf ihn hören würde. Nicht jetzt. Aber er konnte warten.

 

 

 

love is... wait a minute... love is...
walkin' together...
talkin' together...
say it again...
say it together...

 

Und er fand sich in dieser seltsamen Dreiecksbeziehung mit beiden wieder – in der sich Abscheu auf der einen und Zuneigung auf der anderen Seite die Waage hielten. House senkte den Kopf und legte ihn auf die Tasten.

 

Ende