how to let go

Teil 2

 

Disclaimer, etc. siehe Teil 1

 

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...every step that I take is another mistake to you

 

I've become so numb

I can't feel you there

become so tired

so much more aware

 

all I want to do

is be more like me

and be less like you...

(Linkin Park "Numb")

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III.

 

Ich habe einen angenehmen Nachmittag in Peters Gesellschaft verbracht, wir besuchten einige der Orte, an denen er als Teenager „herum zu hängen“ pflegte. Jetzt sind wir auf dem Weg zurück nach Chinatown, wo wir früh zu Abend essen werden. Die Straßen sind mit Menschen angefüllt, an diesem Samstagabend - und Peter hält meinen Arm fest, als hätte er Angst, er könne mich in der ruhelosen Menge der Passanten verlieren. Ich lächele ihm zu und klopfe ihm auf die Schulter, seltsam berührt von seiner Fürsorge.

 

Während der letzten beiden Wochen hat Peter fast seine gesamte freie Zeit mit mir verbracht. Ich bin dankbar dafür, dass der Bruch zwischen uns zu heilen scheint, dennoch wundere ich mich über sein Verhalten. Auf mein vorsichtiges Nachfragen über den Stand seiner Beziehung mit Kelly Blake antwortete er nur vage, sprach über eine Änderung in ihrem Schichtplan, so dass er und Kelly nun zu entgegengesetzten Zeiten arbeiten würden.

 

Nachdem unsere Wahl auf ein Restaurant gefallen ist und wir einen Tisch erhalten haben, nehme ich mir die Zeit, meinen quirligen Sohn zu beobachten. Seine Stimmungen ändern sich sehr schnell und im Moment ist er aufgekratzt - unfähig still zu sitzen, rutscht er auf seinem Stuhl hin und her, spielt mit der Menükarte oder fährt sich mit den Fingern durchs Haar.

 

Mit einem Lächeln greife ich über den Tisch um seine Hand zu nehmen und seine Handfläche einige Momente lang zu massieren. Peter zuckt zusammen, entspannt sich aber rasch. „Danke“, murmelt er, den Blick abwendend. „Ich bin wirklich... wirst du... wirst du niemals leid, dass ich...“

 

Er zögert und ich füge mit einem weiteren Lächeln hinzu: „...das du... bist wie du bist, Petert? Nein, mein Sohn. Und ich werde dir niemals überdrüssig werden. Ich liebe dich."

 

Erleichterung zeigt sich in seinen Augen, als er mich endlich ansieht, aber ich misse nicht die Wachsamkeit, die sich dahinter verbirgt. Ich blicke auf seine Hand und frage mich, ob mein Kind mir jemals wieder völlig vertrauen wird.

 

Unser Essen wird serviert und ich lasse Peters Hand los.

 

* * *

 

Wir verweilen über dem Tee, seltsam unwillig, unseren gemeinsamen Tag zu beenden. Ich beobachte erneut meinen Sohn, der jetzt deutlich niedergeschlagen wirkt. Gedankenverloren umkreist er den Rand der Teetasse mit einer Fingerspitze. In einem Versuch, ihn von seinen offenbar düsteren Gedanken abzulenken, erzähle ich ihm von Lo Sis Bitte an mich, ihn auf einer Reise zu begleiten, mit ihm einen alten Freund zu besuchen.

 

Peter sieht mich an und ich erschrecke über die altvertraute Angst, die ich in seinen Augen lese. „Eine Reise?“, wiederholt er.

 

„Peter...“ Ich unterbreche mich, als ich bemerke, dass er begonnen hat, seinen linken Arm zu reiben. „Was fehlt dir, mein Sohn?“ Ich erinnere mich plötzlich an diese Nacht vor zwei Wochen, als ich mit Peter über meine Pläne für einen Ausflug sprach und er krank wurde.

 

Er gibt vor, mich nicht gehört zu haben. „Mit dem Erwürdigen zu verreisen, macht sicher Spaß, warum solltest du nicht mit ihm gehen? Er will also einen alten Freund besuchen, ja? Ich frage mich, wie alt ein „alter Freund“ von Lo Si sein kann. Ich meine, Lo Si ist doch schon wirklich alt und das macht...“

 

Ich stoppe sein sinnloses Geplapper, indem ich eine Hand hebe. „Peter – bitte sage mir, was dich so sehr ängstigt? Ich werde nur für ein paar Tage weg sein, vielleicht für eine Woche.“

 

„Es...es ist nichts, Paps. Du hast mich nur... überrascht, das ist alles“, lügt er, unfähig mir dabei ins Gesicht zu sehen.

 

Mit Besorgnis beobachte ich, dass er mit der rechten Hand das linke Handgelenk so fest umschließt, dass sich seine Knöchel weiß färben. „Peter, was ist mit deinem Arm nicht in Ordnung?“

 

„Ich... ich weiß nicht. Es fühlt sich so merkwürdig an... die Haut juckt... muss ein Krampf sein.“

 

Ich trete zu ihm und streiche seinen Arm entlang. „Wir gehen besser, Peter, ich werde dich zum Ehrwürdigen bringen, damit er dich untersucht.“

 

„Glaubst du nicht, du übertreibst jetzt etwas? Es ist nur ein Krampf“, protestiert Peter. Er steht auf, legt Geld auf den Tisch und entzieht mir seinen Arm.

 

Zögernd lasse ich ihn los und sehe ihm nach, als er aus dem Restaurant eilt, ohne auf mich zu warten.

 

Peter ist mir nur ein paar Schritte voraus, als ich zu ihm aufschließe. Als ich seine Schulter berühre, bleibt er stehen und wendet sich mir zu. „Es tut mir leid“, murmelt er, den Blick auf den Boden gerichtet. „Ich weiß, dass du dir Sorgen machst, Paps, aber ich kann nicht... können wir nicht einfach den Rest des Abends allein verbringen? Ich meine, ich mag Lo Si wirklich, aber ich... ich will dich mit niemand teilen."

 

Ich starre ihn verblüfft an, verstört über seine Worte. Da ich nicht weiß, was ich ihm antworten solle, so nicke ich nur und folge ihm, als er weitergeht.

 

* * *

 

Als wir die Treppe hinaufsteigen, spüre ich, dass sich jemand in meinem Heim aufhält. Lo Si wartet auf uns. Und ich fürchte, dass Peter seine Gesellschaft nicht willkommen heißen wird. Mein Sohn ist mir, immer drei Stufen auf einmal nehmend, voraus und ich sehe ihn gerade noch im Korridor verschwinden. Ich folge ihm etwas langsamer und leicht besorgt, an das bevorstehende Aufeinandertreffen denkend.

 

Es ist sehr still, als ich den Hauptraum betrete. Peter lehnt schmollend an meiner Arbeitsbank.

 

„Peter“, tadle ich ihn sanft und erhalte einen gekränkten Blick meines Sohnes. Als ich die Stirn runzle, errötet Peter und richtet die Augen auf den Fußboden.

 

Lo Si begrüßt mich mit einem amüsierten Lächeln. „Es scheint mir, als wäre dies nicht der richtige Augenblick für einen Besuch, mein Freund“, sagt er mit einem leisen Lachen. „Aber ich spürte deine Besorgnis und kam, um meine Hilfe anzubieten.“

 

„Dein Besuch ehrt uns“, erwidere ich. „Meister, würdest du bitte Peters linken Arm untersuchen? Er spürte...“ Uralte Augen begegnen meinen mit einem Ausdruck, den ich nicht deuten kann... und ich unterbreche mich, leicht verwirrt. Er scheint sich über etwas zu amüsieren...?

 

Lo Si verbeugt sich. „Du benötigst nicht meine bescheidenen Fähigkeiten als Heiler, um die Ursache für den Kummer deines Sohnes zu finden, Kwai Chang Caine.“ Seine Augen richten sich wieder auf Peter und er lächelt. „Und der junge Peter benötigt keinen Arzt, um seinen Körper zu heilen, sondern einen... Vater... um sein Herz zu besänftigen. Ich kann nicht die Hilfe bieten, die er benötigt, es ist an dir, das richtige... Heilmittel... für dein Kind zu finden, mein Freund.“ Die vom Alter gekrümmten Finger ineinander verflochten, verbeugt er sich noch einmal – und lässt uns allein.

 

Meine Aufmerksamkeit richtete sich auf Peter, ich werde später darüber nachdenken, was Lo Sie gesagt hat – oder genauer das, was er nicht aussprach... Ich lege meine Jacke und meinen Hut ab, lasse meine Tasche auf einem nahen Stuhl. Dann trete ich vor meinen Sohn.

 

Peters Schultern sind nach unten gesackt und ich hebe sein Kinn an, damit er mich ansieht. „Wir werden über deinen... Mangel an Respekt für den Ehrwürdigen sprechen... später.“ Seine Augen, weit und erschrocken, begegnen meinen und ich lächele beruhigend. „Später“, wiederhole ich, seine Wange mit den Fingerspitzen liebkosend. „Jetzt musst du mir sagen, was dich so sehr belastet.“ Mit meiner freien Hand reibe ich seinen linken Arm, selbst durch die Kleidung hindurch spüre ich die Anspannung in seinen Muskeln und die Kälte seiner Haut. „Dein Körper... reagiert auf den Schmerz deines Geistes...“, sage ich sanft, die Andeutung aufnehmend, die mir Lo Si übermittelt hat.

 

Ein Zittern läuft durch Peter. „Ich habe nicht die geringste Ahnung, von was du redest, Paps. Es geht mir gut, ich bin in Ordnung.“ In seinen Augen blitzt es warnend auf.

 

Ich werde nicht zulassen, dass er mich mit seinem Ärger ablenkt. „Ich werde mir nicht anhören, wie du lügst, Peter“, antworte ich ruhig. „Du bist nicht ‚in Ordnung’.“

 

„Hör auf damit, Paps! Du kannst nicht alles wissen.“

 

Ich spüre, dass sein respektloser Ton mich verärgert, aber ich kontrolliere diese Empfindung. „Nein, ich weiß nicht alles. Aber ich kenne dich, Peter.“

 

Langsam wendet er sich mir wieder zu, um mich anzusehen. „Wirklich? Tust du das?“

 

"Peter..." Der Schmerz in seinen Augen verschlägt mir den Atem. Ich greife nach ihm, lege meine Hand an seine Wange.

 

Er schließt flüchtig die Augen. „Lass mich los, Vater“, flüstert er. Dann tritt er mit einem Seufzen einen Schritt zurück, löst sich aus meinem Griff. Ohne ein weiteres Wort geht er.

 

Ich bleibe bewegungslos stehen, den Arm noch immer erhoben, bis ich Peters Schritte auf der Treppe höre.

 

Tbc

 

 

Teil 3