Titel: Lass mich dir helfen

Autor: T’Sihek

Serie: TOS

Paarung: K/S

Rating: POV Spock, PG-13, h/c, First Time

Zusammenfassung: Eine Kolonie wurde von Piraten überfallen, und Kirk hadert mit sich, weil er den Tod der Kolonisten nicht hatte verhindern können. Spock möchte ihm helfen...

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Betaleser: Liliane

Disclaimer: Spock und Kirk gehören Paramount/Viacom. Der Rest gehört mir und

ich beabsichtige nicht, einen Gewinn daraus zu erzielen – außer Spaß zu haben.

Wer unter 18 ist oder homoerotische Erzählungen nicht mag, sollte bitte nicht weiterlesen.

 

 

 

 

Lass mich dir helfen

 

 

Das Rauschen der Wasserdusche durchbricht meine Meditation. Jim... Er duscht länger als gewöhnlich. Aber ich kenne den Grund.

 

Er hadert mit sich, weil er zu spät kam... Wir flogen so schnell es ging zu der kleinen, eben erst gegründeten Kolonie, als wir deren Notruf empfangen hatten. Doch die Piraten waren zu schnell gewesen – wir hatten nur noch Tote gefunden.

 

Er verfolgte die Piraten und schaffte es, sie zu stellen. Aber es war nicht genug für ihn...

Wieder gibt sich Jim die Schuld daran. Wieder war er machtlos und dennoch weigert er sich, wie so viele Male zuvor, diese Tatsache zu akzeptieren.

 

Ich weiß, in solchen Momenten hilft es ihm manchmal das heiße Wasser über seinen Körper laufen zu lassen. Ich kann nicht nachvollziehen, was diese Angewohnheit in ihm bewirkt – aber es hilft ihm... manchmal...

 

Jetzt hat er das Wasser abgestellt. Er wird noch einige Zeit reglos stehen bleiben, sich dann abtrocknen und in seine Kabine gehen. Oder zu McCoy.

Der Bordarzt wird ihm das gleiche sagen, was ich ihm schon vorher im Transporterraum gesagt habe. Er war machtlos gewesen, hatte keinen Einfluss auf den Tod der Kolonisten nehmen können. Kaiidith – was ist, ist. Wird er jemals den Sinn dieses einfachen Satzes verstehen können?

Jim hat meine Worte mit einer Handbewegung beiseite gewischt. Ob McCoy es mit Hilfe des Brandys schafft, Jim zu beruhigen?

 

Langsam stehe ich auf. Die Meditationsflamme hat ihre beruhigende Wirkung verloren. Meine Gedanken sind zu sehr bei Jim...

 

Er verlässt das Bad und ich warte auf das Zischen seiner Kabinentür. Es bleibt still...

Bleibt er in seinem Quartier?

 

Ich verharre reglos, lausche auf die kaum wahrnehmbaren Geräusche aus seinem Quartier. Gedämpft zwar durch die Türen, die in unser gemeinsames Bad führen, aber dennoch für meine Ohren hörbar. Es ist ruhig.

 

Unruhe breitet sich in mir aus. Hat Jim der Tod der Männer noch stärker getroffen als sonst? Etwas zieht mich zu der Tür, die in das Bad führt. Neugierde? Sorge? Der Wunsch zu Helfen? Ich weiß es nicht...

 

Meine Hand ruht auf dem Türöffner, zittert.

Noch zögere ich. Soll ich zu ihm gehen? Er bedeutet mir so viel... Es schmerzt, ihn leiden zu sehen und ihm nicht helfen zu können... nicht helfen zu dürfen. Er weiß nicht, wie tief ich für ihn empfinde. Für ihn bin ich der Erste Offizier, sein Freund, vielleicht auch Vertrauter... aber mehr? Wenn ich jetzt zu ihm gehe, weiß ich nicht, ob ich nicht zu viel verraten werde. Ich weiß nicht, wie er darüber denkt, wie er empfindet. Er ist ein Mann, wie ich...

 

Das Geräusch von zerbrechendem Glas lässt mich zusammenzucken. Schnell gehe ich durch das Bad ... die Luft ist noch feucht, Wassertropfen sind auf dem Boden, die Uniform liegt achtlos zusammengeknüllt in einer Ecke... in sein Quartier.

 

„Jim!“

Es ist fast dunkel . Ich sehe ihn nicht gleich, doch er ist hier. Das Geräusch seines Atems, flach und schnell, führt mich zu ihm.

 

Er kniet auf dem Boden, das Gesicht in den Händen vergraben. In einer Ecke glitzert Feuchtigkeit auf dem Boden und die Scherben eines zerbrochenen Glases liegen dort. Der Duft von Brandy liegt in der Luft. Hat er das Glas dorthin geworfen?

 

„Jim...“ Ich spreche nur leise, bleibe zögernd einige Schritte vor ihm stehen. Er reagiert nicht, sieht nicht auf. Seine Schultern zittern, sein ganzer Körper zittert. Schock? Weint er?

 

Hilflosigkeit und Unsicherheit halten mich zurück.

Wie lange wir so verharren... ich weiß es nicht. Irgendwann lässt er die Hände sinken, ballt sie neben seinen Knien zu Fäusten.

 

„Es ist so verdammt unfair, Spock. Sie waren so jung, so voller Neugierde und...“ Seine Stimme bricht ab, verliert sich in einem erstickten Geräusch. Ich kann hören, wie sehr er leidet.

 

Langsam gehe ich zu ihm, knie mich direkt vor ihn. Ich öffne den Mund, doch ich finde keine Worte. Es ist nicht logisch, dass er sich die Schuld am Tod der Männer gibt. Er hatte keinen Einfluß... Er weiß es, und ich habe es ihm vor einer Stunde schon einmal gesagt. Er will es nicht hören, doch was soll ich sonst sagen? Oder tun...?

 

Meine Hände schieben sich vor, greifen sanft nach den geballten Fäusten, umschließen sie schließlich.

Jim erstarrt. Ich kann es fühlen. Noch nie habe ich ihn so berührt. Und es mir doch so oft gewünscht...

 

Langsam hebt er den Kopf, sieht mich an. Feuchtigkeit glitzert in den langen, goldenen Wimpern, schimmert auf der Haut seiner Wangen. Er hat geweint...

 

„Jim. Du konntest nichts tun...“

Ohne dass ich es bewusst steuere, lasse ich eine der Fäuste los und streiche mit den Fingerkuppen sanft über seine Wange. Eine Träne schimmert dort und ich nehme sie auf. Wenn es doch nur so einfach wäre, seinen Kummer ebenso leicht fort zu wischen...

 

Er hebt den Kopf, sieht mich an. Schmerz und Verzweiflung liegen in seinem Blick.

Plötzlich springt er auf und beginnt unruhig auf und ab zu laufen. Wie ein gefangener Panther...

 

Ich bleibe am Boden knien, sehe ihm stumm zu. Warte. Worauf?

 

Unvermittelt bleibt Jim stehen, wendet mir den Rücken zu. Er stützt sich an der Wand ab, fährt sich mit einer Hand durch die Haare. Sein Kopf sinkt nach vorn und er murmelt etwas.

 

„Jim...?“

 

„Warum, Spock? Warum mussten diese Männer sterben?“ Er lacht kurz auf, unvermittelt, hart, kalt.

„Wussten Sie, dass ich einen von ihnen gekannt habe, Spock? Er hatte sich so darauf gefreut in der Kolonie zu leben. In einem halben Jahr hatte er seine Frau nachholen wollen... Es ist nicht fair... nicht fair...“

 

Seine Stimme verklingt.

 

Ich stehe auf, gehe langsam zu ihm. Ich möchte ihn schützen, ihn halten, den Schmerz von seiner Seele nehmen... Ich darf es nicht. Er ist mein Captain...

Und doch ist er der Mann, den ich liebe...

 

Jim verharrt reglos, starrt mit leeren Augen vor sich auf den Boden.

Ist es wirklich nur der Tod dieser Männer, dieses einen Mannes, den er gekannt hatte, was ihn so mitnimmt? Oder ist da noch mehr? Er hat schon mehrmals Mitglieder der Besatzung verloren, oder unschuldige Zivilisten sterben sehen, doch niemals zuvor war er so sehr betroffen gewesen.

 

Ich greife nach seiner Schulter und drehe ihn behutsam zu mir herum. Ich möchte sein Gesicht sehen, muss sein Gesicht sehen...

 

„Jim. Es ist nicht nur der Überfall auf die Kolonie, nicht wahr?“ Intuition lässt mich die Worte aussprechen. Es gibt keinen logischen Grund für meine Vermutung...

 

Jim sieht mich kurz an. Dann gleitet sein Blick zu meiner Hand auf seiner Schulter, verharrt dort. Er hebt eine Hand, legt sie auf meine. Plötzlich neigt er den Kopf zu Seite, schmiegt die Wange gegen meine Hand.

 

Furcht, Kummer, Wut, Hilflosigkeit, Erschöpfung, Sehnsucht prasseln gegen meine Schilde, durchbrechen meine mentalen Barrieren. Meine Instinkte drängen mich, zurückzuweichen, doch ich bleibe stehen. Lasse zu, dass Jim meine Hand festhält, sein Gesicht dagegen lehnt. Weiß er, dass ich dadurch seine Emotionen wahrnehmen kann?

 

„Lass mich dir helfen, Jim.“ Worte, nur geflüstert. Edith Keeler hatte sie ausgesprochen. Jim meinte damals, diese Worte wären wichtiger, als ´Ich liebe dich´. Vielleicht will ich das gleiche damit sagen. Ich weiß es nicht.

 

Er hebt den Kopf. Sein Blick brennt sich in meine Seele, fesselt mich.

Die Stimme klingt leise, erstickt von Kummer und ungeweinten Tränen...

 

„Spock... Du weißt nicht, was du da sagst... „

 

Ruckartig dreht er sich weg, schlingt die Arme um sich. Meine Hand gleitet von seiner Schulter.

 

Leise, selbst für mich kaum hörbar, beginnt er schließlich zu sprechen. „Du hast Recht, Spock. Es ist nicht nur die zerstörte Kolonie. Es sind nicht nur die sinnlosen Tode... Da ist mehr... der Gedanke, was geschieht, wenn die Person stirbt, die mir wichtiger ist als alles andere... was geschieht, wenn ich auch dann zu spät komme...“

 

Ein Kloß bildet sich in meinem Hals. Die Person.... Von wem spricht er? Bevor ich ihn danach fragen kann, dreht er sich wieder um. Seine goldenen Augen sehen mich an und in diesem Moment muss ich ihn nicht berühren, um seine Emotionen wahr zu nehmen. Furcht, Sehnsucht... Liebe?

 

„Der Gedanke, was geschieht, wenn DU stirbst, Spock... Jedes Mal sehe ich dich dort liegen, jedes Mal muss ich mich vergewissern, dass du da bist, dass du noch lebst...“

 

Er sieht mich an. Unsicherheit  lässt seine Augen dunkler erscheinen. Oder sind es Tränen?

 

Ich zögere nicht mehr. Ziehe ihn einfach an mich und halte ihn fest. Sein Kopf sinkt auf meine Schulter und er verbirgt das Gesicht in meiner Halsbeuge. Seine Lippen streifen über meinen Puls und lassen mich erschauern. Unabsichtlich...? Ich weiß es nicht. Es spielt keine Rolle. Empfindet er gleich wie ich? Auch das ist unwichtig... jetzt, in diesem Moment.

 

Ich halte ihn einfach nur. Mit einer Hand halte ich ihn an mich gedrückt, die andere streicht behutsam über die leicht zitternden Schultern. Seit Atem kitzelt meine Haut und ich schließe die Augen, verwahre diesen Moment in meinem Innersten.

 

Seine Arme heben sich schließlich und umfassen mich mit sanftem Druck. Nie zuvor war ich ihm so nah... war er mir so nah...

 

Einen endlosen Moment stehen wir so da, schweigend, nur den anderen spürend. Dann kehrt wieder Spannung in seinen Körper zurück und er hebt den Kopf. Eine seiner Hände wandert über meinen Rücken nach oben, bis er mein Genick erreicht. Es fühlt sich angenehm an.

 

Er drückt meinen Kopf zu sich. Kühle Lippen streifen über meine Wange, finden meine Lippen. Er wartet, zögert und ich nehme ihm die Entscheidung ab.

 

Sein Mund schmeckt süß und kühl, als er mich willkommen heißt und ich ertrinke in diesem ersten Kuß. Meine Hand findet seine und unsere Finger verweben sich ineinander...

 

Wir sind beide atemlos, als wir zurückweichen. Noch immer kann ich seine Liebkosung fühlen. Er weckt Empfindungen in mir, die mir unbekannt sind. Aber ich vertraue ihm...

 

„Ich liebe dich, Jim. Mein T’hyla“, flüstere ich leise und suche erneut nach seinen Lippen. Er kommt mir entgegen, antwortet mir mit Zärtlichkeit und Leidenschaft. Ich spüre seine Liebe, die er so lange in sich verborgen hatte.

 

Erinnerungen fluten über mich hinweg... sein Kummer und seine Sorge um mich, wann immer ich verletzt worden war oder in Gefahr geriet... seine Erleichterung, sobald ich wieder bei ihm war.

Momente auf der Brücke, in der Messe, beim Schachspielen, die ihm wertvoll waren und die er in seinem Inneren aufbewahrte wie einen Schatz...

 

„Ich liebe dich, Spock.“ Wärme und Zärtlichkeit liegen in seinem Blick, als er nach meiner Hand greift und mich mit sich zieht. Ich folge ihm voller Vertrauen und lasse mich in seine Umarmung fallen.

 

Und in seine Liebe...

 

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