Titel: Kleider machen Leute
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Episode: Mind Games

Pairung: Face, Murdock
Rating: gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Nachdem Face vermeintliche Begnadigung sich als Betrug erwiesen hat, versucht er jetzt die Beziehung zu seinen Freunden zu kitten. Vor allem Murdock hat da etwas zu klären...

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

Face fuhr sich durch die Haare, als er das V.A. Krankenhaus verließ. Er lächelte müde, als er Murdock an die ’vette gelehnt stehen sah, die Arme vor der Brust verschränkt, immer noch in diesem Aufzug, der ihn imitieren sollte. Doch die Nacht in einer gepolsterten Zelle ohne Fenster hatte ihn seltsamerweise von seinem Ärger befreit. Es war, als wäre er da drin zum ersten Mal seit Tagen wieder zum Denken gekommen. Und auch zum ersten Mal wurde ihm bewusst, auf welchen Höhenflug ihn sein Ego mitgenommen hatte – ein Buch, ein Film, die Interviews... Er hatte den Druck nicht gespürt, nicht die Gefahr, hatte sich einfach mitreißen lassen von dem inszenierten Medienspektakel, das einzig dazu gedient hatte, ihn einem Kriegsverbrecher als Köder anzubieten. Und er hatte geglaubt, es wäre sein Weg in die Freiheit... Es war nur ein Rausch gewesen, so schön wie falsch, für den er jetzt bezahlte. Und zwar mit mehr als einem Kater. Er hatte das Vertrauen der Menschen, die am wichtigsten in seinem Leben waren, verletzt. Vielleicht sogar verloren?

 

Murdock sah ihm unsicher entgegen, er kaute nervös auf seiner Unterlippe. „Face?“, fragte er vorsichtig, wohl um zu testen, ob der Freund noch sehr wütend war.

 

„Das hat ganz schön lange gedauert, weißt du.“ Face griff nach dem Revers von Murdocks elegantem Jackett und strich es glatt. Er übersah geflissentlich, dass der Pilot unwillkürlich zurückwich – soweit es möglich war, denn die Corvette versperrte ihm den Fluchtweg. „Aber ich schätze, da kann man nichts machen - nicht wahr? - wenn ich ausgerechnet an Doktor Richters freiem Tag eingesperrt werde und er nicht zu erreichen ist.“

 

„Ich habe ihn angerufen, so bald ich konnte, Facey.“ Murdock klang kleinlaut. „Du... du bist doch nicht böse?“

 

„Böse?“, sinnierte Peck und rieb sich das Kinn, als versuche er, sich an die Bedeutung dieses Wortes zu erinnern. „Nein. Ich bin nur wahnsinnig...“ – er legte eine lange Kunstpause ein und sah zufrieden, wie Murdocks Gesicht einen immer schuldbewussteren Ausdruck annahm – „...wahnsinnig froh, wieder bei euch zu sein.“ Er umarmte Murdock.

 

Der Pilot stand einen Moment wie erstarrt da, dann schlang er die Arme fest um Face und erwiderte erleichtert die Umarmung. „Ich habe dich so vermisst“, sagte er leise. „Es tut mir leid, dass ich Doktor Richter nicht sofort angerufen habe, damit er denen erklärt, dass du du bist und du nicht ich bin... bist und sie dich rauslassen sollen.“

 

„Okay, Murdock. Ist schon okay.“ Face musterte ihn und lächelte beruhigend. „Ich schätze, ich hatte es verdient, oder? Ich meine, ich hatte heute Nacht sehr viel Zeit, nach zu denken und mir ist klar, dass ich mich in den letzten Tagen wie ein Idiot benommen habe.“ Er nahm die Basecap ab und setzte sie dem Piloten auf. „Sie steht dir ohnehin viel besser als mir.“

 

„Bekomme ich meine Jacke auch zurück?“, fragte Murdock. Er lächelte, auch wenn seine Augen noch immer diesen ernsten Ausdruck hatten. „Das ist eine Fliegerjacke, muchacho, und wenn ich mich recht erinnere, ist das einzige, das du je geflogen hast, ein Drache gewesen – im Waisenhaus.“

 

„Was, zählen Papierflieger nicht?“ Face legte beide Hände auf die Schultern des anderen Mannes. „Hey. Tauschen wir? Meins gegen deins?“

 

Der Pilot nickte und zog sein Jackett aus, reichte es Face. Dafür nahm er seine Lederjacke entgegen, zog sie aber nicht an, sondern hielt sie gegen seine Brust gepresst, wie ein langvermisstes Kuscheltier. Er starrte auf die Spitzen seiner Schuhe. Schließlich seufzte er und sah auf, die Augen groß und dunkel vor Kummer. „Face? Du.... du bist einfach so weggegangen. Bedeuten wir dir so wenig, dass es dir so leicht fiel, das alles zurück zu lassen? Das Team... mich...“ Er ließ wieder den Kopf hängen.

 

„Murdock...“ Face zögerte kurz, dann legte er beide Hände um das blasse Gesicht des Piloten, der ihn daraufhin fragend ansah. „Es ist mir alles andere als leichtgefallen. Es war sogar eins der schwierigsten Dinge in meinem Leben. Aber verstehst du nicht, dass ich dachte... dass ich für einen wundervollen Augenblick glaubte, frei sein zu können? Nicht frei von meinen Freunden, aber frei von diesem Leben. Frei von der ewigen Vorsicht, der ständigen Flucht, dem Verstecken? Ich hätte wissen müssen, dass es zu schön klang, um wahr sein zu können. Ich hätte auf Hannibal hören sollen. Er wusste von Anfang an, dass mit dieser plötzlichen Begnadigung was faul sein muss.“

 

„Niemand verübelt dir, dass du deine Chance wahrgenommen hast. Vermutlich würden B.A. oder Hannibal an deiner Stelle genauso handeln.“ Der Pilot seufzte. „Aber es tut trotzdem weh.“

 

„Hey. Ich bin doch wieder da. Ganz der alte Face, bereit zu lügen, zu betrügen und zu stehlen. Und ich laufe euch bestimmt nicht noch mal weg“, versuchte er ihn aufzumuntern. „Weißt du was, nachdem du ja schon damit angefangen hast, deine Garderobe aufzurüsten, werde ich schon noch einen wahren Gentleman aus dir machen.“

 

Murdock lächelte ein wenig. „Du bist dir des Risikos bewusst, dass ich dir dann alle Dates wegschnappe?“

 

Face lachte laut auf. „Apropos Date“, meinte er dann. „Wie war’s im Ballett mit Miss Fowler?“

 

Der Pilot hob die Schultern. „Sie hat nur von dir gesprochen“, gestand er ein. „Wenn sie überhaupt mit mir gesprochen hat. Das war nicht übertrieben, als sie sagte, sie liebe Ballett.“

 

„Ich glaube, wir sollten das Kapitel Miss Fowler abschließen.“ Er legte den Arm um Murdocks Schulter. „Was hältst du davon, wenn wir frühstücken gehen? Ich habe immerhin das Abendessen verpasst.“

 

Aber der Pilot rührte sich nicht von der Stelle, zog seine Jacke an. „Ich muss wieder da rein, Face“, sagte er leise und wies mit dem Kopf auf den Eingang des V.A. „Sie suchen schon nach mir und wenn du mit mir gesehen wirst, irgendwann zieht einer die Verbindung zwischen uns. Dann bringe ich das ganze Team in Gefahr. Ich habe Doktor Richter versprochen, zurück zu kommen. Ich muss es.“

 

„Murdock...“ Face zögerte. „Ich wünschte, du müsstest es nicht. Ich glaube nicht, dass du wirklich dorthin gehörst, in eine psychiatrische Anstalt.“

 

„Hey, muchacho.“ Der Pilot sah ihn mit diesem Blick an, der sagte: Ich weiß genau, was du denkst... Er lächelte und es war das strahlende, sonnige Lächeln eines Kindes, in das sich nur ein klein wenig Traurigkeit mischte. „Verstehst du denn nicht... ich gehe dorthin zurück, um frei zu sein“, sagte er sehr sanft. Dann drückte er Face einen Kuss auf die Wange und rannte auf den Eingang zu. Nur um kurz davor zu stoppen und den Rest davon auf den Händen zurück zu legen. Eine überraschte Schwester, die gerade das Gebäude verlassen wollte, hielt ihm die Tür auf.

 

Face sah ihm lange nach. Dann stieg er in die Corvette und fuhr zurück ins Hotel. Er wusste, dass Hannibal und B.A. auf ihn warteten – und der Colonel noch sicher das eine oder andere Wort mit ihm zu wechseln hatte.

 

 

Ende