Titel: Kleine Kinder, große Kinder 2
Autor: Lady Charena
Fandom: Kung Fu - Im Zeichen des Drachen
Paarung: Caine, Peter, div.
Rating: Gen, POV
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe/Hintergrund: Fortsetzung zu "Kleine Kinder, große Kinder" - Caine ist noch immer unterwegs und es tauchen erneut Erinnerungen auf.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern (Warner, Michael Sloan). Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.


"Papa!"

Obwohl ich weiß, dass die helle Kinderstimme nicht mir gilt, drehe ich mich unwillkürlich um. Ein Mädchen, vielleicht drei oder vier
Jahre alt, löst sich von der Hand seiner Mutter und läuft über die Straße. Ihr buntes Kleid leuchtet auf, als sie auf die andere Straßenseite will, so schnell sie ihre kurzen Beine tragen - zu einem Mann, der gerade aus einem Wagen steigt.

"Anne! Pass' auf!"

Genau wie ich hat die Mutter das Auto gesehen, das eben in die Straße einbiegt. Doch zum Glück hat auch der Fahrer des Wagens das kleine Mädchen gesehen und bremst rechtzeitig. Ich beobachte, wie die Frau über die Straße läuft und mit ihrer Tochter schimpft, die inzwischen auf dem Arm ihres Vaters sitzt. Kurz darauf verschwindet die kleine Familie in einem der Häuser.

Ein Bild, das mir nicht gänzlich unvertraut ist, auch wenn damals...


* - * - * - * flashback * - * - * - *

"Papa!"

So schnell ihn seine kleinen Beine trugen, kam Peter hinter mir her, seine nackten Füße klatschten auf dem steinernen Boden des Korridors. Ich wandte mich ihm zu, wartete bis er mich eingeholt hatte. Peter klammerte sich an meiner Robe fest und ich hob ihn hoch, rieb seine kalten Füße. "Ist etwas passiert, Peter? Ich dachte, du würdest mit deinen Freunden im Garten spielen. Und wo sind deine Schuhe?"

"Es tut mir leid, Meister Caine", hinter Peter erschien einer der älteren Schüler, der an diesem Morgen mit der...undankbaren... Aufgabe betraut war, auf die jüngeren Kinder aufzupassen. "Ich habe nur einen Moment nicht hingesehen und er war einfach weg."

Ich winkte ab. "Es ist gut, Michael, es war nicht deine Schuld." Ich drehte Peters kleines, schmutziges Gesicht zu mir her. "Peter, ich habe dir doch erklärt, dass ich jetzt in die Stadt muss."

"Nein", jammerte Peter und schmiegte sich an mich. "Nein." Seine kleinen Hände klammerten sich in die weichen Falten der Robe.

Ich drückte ihn an mich und unterdrückte ein Seufzen. "Ich bin in ein paar Stunden zurück, Peter", versprach ich und streichelte sein
weiches, lockiges Haar. Ich hatte es noch nicht über mich gebracht, es abschneiden zu lassen, wie es eigentlich der Tempeltradition entsprach. "Wir werden zusammen zu Abend essen und ich werde dir eine Geschichte erzählen, bevor du ins Bett gehst." Ich hob seinen Kopf an, um ihm ins Gesicht zu sehen. Tränen zogen helle Schneisen über seine schmutzigen Wangen. "Aber nur, wenn du jetzt brav bist und mit Michael zu den anderen Kindern zurückkehrst."

Ein zögerliches Lächeln erhellte die Züge meines Sohnes, wie ich gehofft hatte, besänftigte die Aussicht auf den Abend den Trennungsschmerz. Es war weder für Peter, noch für mich einfach, sich an das Leben in der Gemeinschaft, im Tempel zu gewöhnen. Peter wollte sich nicht immer den Regeln fügen und oft rief er nachts im Schlaf nach seiner Mutter. Es war kaum ein Jahr seit Lauras Tod vergangen und ihr Verlust noch immer wie eine offene Wunde in uns beiden. Ich drückte ihn noch einmal an mich, küsste seine kleine, staubige Wange und stellte ihn dann auf die Füße.

Willig ließ er sich von Michael an die Hand nehmen und winkte mir zu, bevor der Student ihn wegführte.

Ich sah ihm nach und verspürte einen Anflug eines schlechten Gewissens. Doch ich hatte meine Pflichten zu erfüllen und je eher Peter sich daran gewöhnen würde, desto besser war es für ihn. Als Michael mit ihm durch ein Tor trat, das den Korridor mit dem Garten verband, wandte ich mich ab und öffnete das große Tor, um nach Braniff zu gehen.

* - * - * - * flashback end * - * - * - *



Es wird Abend, die Luft kühlt ab. Und mit dem Wind kommt eine Ahnung zu mir, die mich mit einer seltsamen Unruhe erfüllt. Ich beschleunige meine Schritte. Bei wem liegen meine Pflichten nun? Der Gemeinde in Chinatown? Oder bei meinem Sohn? Vielleicht werde ich es wissen, wenn ich bei ihm bin...


Ende