Titel: For good luck
Autor: Lady Charena
Fandom: Forever Knight
Episode: --
Worte: ~2800
Prompt: # 050.     Affair (100 Situations)
Charaktere: Janette, Natalie Lambert, Nicholas, LaCroix, Alma
Pairing: multipairings, alle nur angedeutet: N/LcC - N/J [past&present], LaC/N/J[past&present], N/N [UST*)]
Rating: pg12, [slash angedeutet], het [Crack-ish]
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Natalie glaubt mit Janette ein Gespräch von Frau zu Frau führen zu müssen und erfährt ein wenig mehr als ihr lieb ist... (Vage inspiriert von 2.14 The Fix und den catty Blicken, die zwischen Janette und Natalie fielen, als Nick die Pathologin mit ins Raven brachte...)

Warnungen: Natalie kommt in dieser Story vor, muss ich wirklich vor einer guten Portion Sarkasmus warnen?  Crack-ish, denn ich kann keine rein ernste Story mit Nat schreiben, sorry.   :)=  

*) UST - Unresolved Sexual Tension
*) Die Anfänge der Renaissanceepoche werden im späten 14. Jahrhundert in Italien gesehen; als Kernzeitraum gilt das 15. und 16. Jahrhundert. (Quelle: Wikipedia)

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by Bitter:Sweet



I've got a bad boy and that's alright with me
he can use me all night

I'm just a bad girl, that's why we get along
Won't make excuses for anything I'm doing wrong

I'll light a candle for good luck



Janette hielt inne und lauschte. Nein, sie hatte sich nicht geirrt. Jemand versuchte sich an der verschlossenen Eingangstür zum Raven.

Sie trat hinter die Theke und öffnete ein seitlich angebrachtes Wandfach, hinter einer unauffälligen Täfelung verborgen. Die Sicherheitskameras waren bereits im Eingangsbereich installiert gewesen, als sie den Club kaufte und sie behielt sie auf Nicholas’ Anraten auch später noch bei. Es lag wohl an seinem neuesten Hobby... pardon... seinem neuesten Beruf, dass er mehr Vertrauen in einige Meter Kabel und einen Videorekorder hatte, als in die Auswahl ihrer Mitarbeiter und in ihre Sinne.

Nach fast drei Jahren hatte sie sich allerdings daran gewöhnt, einen Blick auf den Bildschirm zu werfen, wenn sie im Club war. Wobei sie eigentlich nicht wirklich alleine hier war. Miklos war zwar unterwegs, um einige Besorgungen zu machen, doch in den hinteren Räumen schliefen mehrere Gäste. Nicht zu vergessen Alma, die im Büro über ihren neuesten Entwürfen zur Umgestaltung des Raven brütete.

Der Bildschirm war klein und das Bild nur in schwarzweiß, doch Janette erkannte auch so ohne Probleme die Frau, die versuchte, die Tür zu öffnen. Sie hob erstaunt eine Augenbraue. Was hatte SIE hier zu suchen? Und das auch noch alleine? Janette warf einen Blick auf die Uhr. Bis Sonnenuntergang waren es noch fast fünf Stunden, sie war also sicherlich nicht rein zufällig in der Nähe. Janette presste den Türöffner und sah auf dem Bildschirm, wie die Frau unsicher einen Schritt zurückwich, als die Tür unvermittelt und scheinbar von selbst aufschwang – dann zögernd näher kam, und schließlich eintrat.

Als sie aus dem Erfassungsbereich der Kamera verschwunden und nicht mehr zu sehen war, schloss Janette die Täfelung und kehrte zurück zu ihrer vorherigen Beschäftigung – sie hatte gerade damit angefangen, die Kerzen in den Kandelabern zu entzünden. Selbst wenn es noch Stunden dauern würde, bis der Club öffnete, sie bevorzugte das weiche Kerzenlicht. Immerhin kam sie langsam in dieses gewisse Alter, in dem Frauen der Beleuchtung ihrer Umgebung fast so viel Aufmerksamkeit schenken mussten, wie der Auswahl ihrer Kleider und dem Make-up. Um Falten musste sie sich allerdings glücklicherweise auch die nächsten tausend Jahre noch keine Sorgen machen... Vielleicht war es aber auch nur schlichte Nostalgie.

Allerdings wurde sie gleich darauf an die Vorteile der Beleuchtung der Gegenwart erinnert. Janette zischte wütend, als eine der bereits vor der Unterbrechung entzündeten Kerzen kippte – was bedeutete, sie hatte bereits eine geraume Menge flüssigen Wachses produziert – und besagtes Wachs über ihre Finger und den Handrücken floss. Nicht, weil es etwa wehtat (was es nicht tat) oder sie Sorge um Verbrennungen hatte (was sie nicht musste), sondern weil ihre Fingernägel frisch manikürt waren und das heiße Wachs das kunstvolle Design des Lacks beschädigen konnte. Sie zog ihre Hand zurück und schüttelte sie, als hätte sie sie gerade gewaschen und kein Handtuch in Reichweite. Wachs spritzte durch die Gegend, teilweise bereits zu kleinen Tropfen gehärtet.

Natalie Lambert hob instinktiv schützend die Hände vors Gesicht. Als keine weiteren Wachsprojektile in ihrer unmittelbaren Umgebung einschlugen, ließ sie Hände sinken. „Sie sollten das vielleicht unter kaltes Wasser halten“, schlug sie vor, als ihre medizinische Ausbildung ihre Reserviertheit gegenüber der anderen Frau überwand. „Auch Verbrennungen durch heißes Wachs...“ Sie brach ab, als Janette sie ansah.

„Ich denke nicht, dass ich mir darüber Sorgen machen muss“, entgegnete der weibliche Vampir mit leichtem Spott. „Eher darüber, dass ich so kurzfristig keinen Termin mehr bei der Maniküre bekomme.“ Janette pustete die schmale, halb heruntergebrannte Kerze aus, die sie verwendet hatte, um die anderen zu entzünden und legte sie beiseite. Sie schwang sich auf einen der Barhocker, schlug die Beine übereinander und begann an den Wachsflecken auf ihrem Handrücken zu zupfen, während sie darauf wartete, dass die andere Frau etwas sagte. Vorzugsweise natürlich darüber, warum sie hier war. Sie bot ihr keinen Platz an.

Als Natalie jedoch schwieg, seufzte Janette und ließ von den störenden Wachsflecken ab – die auf den Nägeln bekam sie ohnehin nicht ab ohne den Lack mit abzukratzen. „Was kann ich für Sie tun, Doktor Lambert?“ Sie bemühte sich um einen freundlichen Ton, konnte jedoch nicht ganz vermeiden, dass sie eher gelangweilt klang. Irgendwo in ihrem Bewusstsein erklang eine tadelnde Stimme, die gelangweilt strich und durch leicht feindselig ersetzte. Die Stimme klang sehr wie Nicholas. Sie bemühte sich, in Ordnung? Sie musste mit Nicholas’ unglücklicher Wahl in menschlichen Bekanntschaften nicht glücklich sein. Und besonders nicht über die mit dieser Frau, die alles tat, um Nicholas seiner Familie zu entfremden. Allein ihm zuliebe gab sie sich jetzt überhaupt mit ihr ab.

„Oh, vielleicht... vielleicht sollten Sie mich Natalie nennen“, schlug Natalie nervös vor. „Es kommt mir so seltsam vor, Sie nur bei Ihrem Vornamen zu nennen und als Doktor Lambert angesprochen zu werden.“

Janette schüttelte innerlich den Kopf. Menschen. So versessen auf ihre Titel und Namen und Formalitäten. „Wie Sie wünschen, Natalie.“

„Sie haben doch einen Nachnamen, oder?“

Neugierig. Informationen, ebenfalls etwas, auf das Menschen versessen schienen. Zumindest in der heutigen Zeit. Sie erinnerte sich an Jahrhunderte, in denen die Menschen sich mit dem zufrieden gaben, was ihnen von Kanzeln gepredigt wurde und was sie mit ihren eigenen Augen sehen und ihren eigenen Händen anfassen konnten. Sie behauptete nicht, dass es damals besser gewesen wäre, oh nein, auf die Annehmlichkeiten des modernen Lebens wollte sie keinesfalls wieder verzichten müssen. „Ich hatte... vor vielen Jahren so etwas in der Art... du Charme. Ich wurde Janette du Charme genannt.“

„Janette du Charme“, wiederholte Natalie. „Das klingt sehr schön.“

Janette hob eine kunstvoll geformte Augenbraue. „Sie sind doch nicht hier, um über meinen Namen zu sprechen.“

„Nein“, stimmte Natalie zu. „Ich... ich wollte gerne mit Ihnen über Nick sprechen. Sie kennen ihn doch schon so lange.“

„Man kann es so nennen, ja“, entgegnete Janette neutral – weder ermutigend noch entmutigend. „Nicholas...“, betonte sie, „...und ich kennen uns eine Weile.“

„Aber Sie und Nick hatten eine Beziehung, richtig?“

Interessant. Janette wölbte erneut eine Augenbraue. „Wir haben noch immer eine Beziehung und werden sie auch immer haben. Wir sind beide LaCroix’ Kinder.“

„Oh, ich meinte... eine intime Beziehung.“ Natalie spielte mit dem Griff ihrer Handtasche. „So etwas wie eine… Affäre?“

Janette horchte auf. Ah, sie hatten also endlich den wahren Grund für all das Geplauder entdeckt. „Wir hatten eine intime Beziehung und wir haben sie immer noch, von Zeit zu Zeit.“ Das Beste war, diese Frau gleich auf ihren Platz zu verweisen. Und sollte sie wirklich so ignorant sein, nun dann war es an der Zeit, dass ihr jemand die Augen öffnete. „Ich liebe Nicholas, aber ich hatte niemals exklusiven Anspruch auf ihn. Es ist ein für Sterbliche schwer zu begreifendes Konzept, das gestehe ich zu, aber Zeit kann auch die stärksten Gefühle in etwas sehr Unerfreuliches  oder Langweiliges verwandeln.  Nicholas und ich lebten während der Renaissance immerhin fast einhundert Jahre wie ein ganz gewöhnliches Ehepaar – wie viele Menschen kennen Sie, die so etwas schaffen. Oh nein, Menschen tun gut daran, sich auf ein ‚bis dass der Tod euch scheidet’ zu beschränken.“

Natalie entgegnete nichts darauf, sondern studierte die Bar in Janettes Rücken.

„Ah, verzeihen Sie mir meine Unaufmerksamkeit“, meinte Janette, auch wenn ihr Bedauern etwas unaufrichtig klang. „Ich habe völlig versäumt, Ihnen etwas zu Trinken anzubieten.“

„Oh...“ Natalie sah sie fast erschreckt an, offenbar war sie mit ihren Gedanken ganz woanders gewesen. „Vielleicht... einen Kaffee? Es ist erst Nachmittag... und ich muss heute Nacht arbeiten.“

„Selbstverständlich, wie Nicholas“, erwiderte Janette süßlich. „Dies ist zwar ein Nachtclub, aber ich werde sehen, was sich machen lässt.“ Janette widmete sich wieder ihren Fingernägeln. Es gab sehr wohl eine Kaffeemaschine und diverse andere Küchenutensilien im Raven. Schließlich hatte sie auch gelegentlich menschliche Gäste, die länger blieben als der durchschnittliche Barbesucher. Einige der Mädchen hatten Wochen, sogar Monate Unterschlupf gefunden. Aber sie hatte nicht vor, Natalie auch noch selbst zu bedienen.

Almas folgende, nicht-verbale Antwort kommunizierte nichtsdestotrotz deutlich was sie davon hielt, wie eine normale Kellnerin behandelt zu werden.

Natalie, die davon nichts wusste, wartete verunsichert. Doch bevor sie den Mut gefunden hatte, zu fragen worauf sie warteten, erschien eine Frau mit langen blonden Haare - und noch längeren Beinen, die nur knapp von einem schwarzen Minirock bedeckt wurden. Sie trug ein Tablett mit einer einzelnen Kaffeetasse darauf und stellte es mit einer Miene, die keinen Hehl aus ihrem Abscheu machte, auf die Theke in Natalies Nähe. Hart genug, dass der Löffel auf der Untertasse klapperte und die beiden Plastikbehälter mit Kaffeesahne über das Tablett rollten.

„Danke, Alma.“ Janette nickte ihr zu und die Blondine verschwand wieder in die hinteren Räume des Clubs, ohne Natalie auch noch einen zweiten, kühlen Blick zu gönnen. „Nehmen Sie das nicht persönlich, Natalie. Alma hat bislang keine besonders guten Erfahrungen mit Nicholas’ menschlichen Freunden gemacht. Sie findet, sein Geschmack lässt zu wünschen übrig.“

„Sie ist auch...?“ Natalie ignorierte die unterschwellige Beleidigung; ließ die Frage in der Luft hängen und griff nach der Tasse. Es war Kaffee übergeschwappt, als Alma das Tablett so unsanft aufsetzte und hatte den Zucker durchtränkt, der auf der Untertasse gelegen hatte. Okay, sie trank ihn ohnehin lieber schwarz.

„Ein Vampir? Natürlich. Und die kreative Seele des Clubs. Sie ist ständig bemüht darum, dass wir die neuesten Trends nicht nur mitmachen, sondern welche kreieren.“

Natalie nippte an ihrem Kaffee nur. Er war heiß, aber auch wesentlich bitterer und stärker als der, den sie normalerweise trank. Sogar das Zeug aus dem Automaten in der Leichenhalle war besser. „Sie sagten, Sie und Nick wären beide LaCroix’ Kinder... also sind Sie so etwas wie Nicks... Schwester?“

Janette lächelte amüsiert. „In gewisser Hinsicht ist Nicholas ein jüngerer Bruder, ja. Wenn man die Tatsache, dass LaCroix’ uns beide ‚geschaffen’ hat, so auslegen möchte. Nicholas und ich waren viel füreinander im Laufe der Zeit, es lässt sich nicht auf einen Begriff festlegen.“

„Und LaCroix ist so etwas wie ein Vater für Sie beide?“, fragte Natalie.

„Wieder, wenn Sie es so nennen möchte. Aber ich würde es nicht in Ihrem wörtlichen Sinn verstehen. LaCroix pflegt... intime Beziehungen... mit all seinen ‚Kindern’ zu führen.“ Sie benutzte absichtlich die gleichen Formulierungen wie Natalie.

„Das klingt... kompliziert.“

„Oh nein.“ Janette winkte ab. „Nicholas ist daran gewöhnt, mich mit LaCroix zu teilen. Genau wie ich ihn mit Lucien teile.“

„Ja“, entgegnete Natalie zögernd. „Es ist mir aufgefallen, dass LaCroix viel von Nicks Aufmerksamkeit und Zeit beansprucht.“

„Das ist nicht das einzige, was er von Nicholas beansprucht“, entgegnete die andere Frau. „Ein Rat, Doktor Lambert: Sie sollten nie in LaCroix’ Weg geraten, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist.“

Natalie war sich nicht sicher, was sie damit andeuten wollte... doch sie hatte auch nicht die Absicht, darüber nach zu denken. Welcher Teufel hatte sie veranlasst, ihrer Neugier nach zu geben und hierher zu kommen? Was hatte sie sich davon erwartet? Dass Janette ihre Frage beantworten konnte, warum die Freundschaft zwischen ihr und Nick, die auf dem besten Weg gewesen war, sich in mehr als das zu verwandeln, plötzlich abgeflaut war, als Janette und LaCroix in Toronto auftauchten? Nach allem, was sie gehört hatte, wünschte sie sich eher, die letzte halbe Stunde aus ihrem Gedächtnis löschen zu können. Als sie hierher gekommen war, hatte sie sich weitestgehend selbst davon überzeugt, dass Nick mit dieser Frau vor langer Zeit eine Affäre hatte und nun nichts als Freundschaft zwischen ihnen bestand. Aber wenn stimmte, was Janette angedeutet hatte, dann war der Grund, dass Nick ihr auswich sehr viel komplexer...

Sie stellte die Tasse ab und wischte sich unbewusst die Handfläche an ihrem Mantel ab. „Ich... ich muss jetzt leider gehen. Vielen Dank für den Kaffee“, sprudelte sie heraus und war bereits halb die Treppe zum Ausgang hoch, als Janette ihr ein ironisches: „Es hat mich gefreut“, hinterher sandte.

Janette lächelte zufrieden, als sie ihr nachsah und widmete sich dann wieder dem Wachs auf ihren Fingernägeln. So viel zu dem alten Sprichwort, dass das Anzünden von Kerzen Glück bringe... J' ai mes doutes sur ce fait.

* * *

Als Nicholas das Raven betrat, sah er LaCroix und Janette in ein Gespräch vertieft an der Theke. Janette saß leicht nach vorne gebeugt, damit ihre Worte nicht von der Musik übertönt wurden. LaCroix hatte eine Hand auf ihrem Arm liegen und lauschte, während seine Finger mit der Stulpe ihres Handschuhs spielten.

Noch bevor er bei ihnen war, lehnte sich Janette mit einem zufriedenen Lächeln zurück und griff nach ihrem Glas. LaCroix lachte. Nicholas spürte seinen Magen einen Salto schlagen. Lange Erfahrung sagte ihm, dass es meistens nichts Gutes bedeutete, wenn LaCroix lachte.

„Nicholas.“

Er hob den Blick und sah, dass LaCroix die Hand nach ihm ausstreckte und eine „Komm’ her“-Geste machte. Also legte er die paar Schritte noch zurück und nahm auf dem freien Barhocker zwischen den beiden Platz. „Irgendetwas, das ich wissen möchte?“, fragte er und schüttelte den Kopf ablehnend, als Janette ihm ihr Glas anbot.

„Janette hat mir gerade berichtet, dass deine... Freundin... hier war.“ LaCroix griff zu seinem eigenen Glas.

„Was?“, fragte Nicholas verwundert. „Wer war hier?“

„Doktor Lambert“, antwortete Janette trocken. „Natalie.“

Nicholas lehnte sich gegen die Theke zurück. Wieso machte Nat so etwas? Er hatte sie gebeten, ihre Neugier zu zügeln und sich vom Raven fern zu halten. „Was wollte sie?“, fragte er vorsichtig.

„Oh, sie hatte eine Menge Fragen in Bezug auf dich.“ Janette wechselte über Nicholas’ hinweg einen amüsierten Blick mit LaCroix.

Nicholas sah sie an, dann LaCroix, dann wieder Janette. „Und?“

Janette beugte sich vor und tätschelte seinen Arm. „Keine Angst, mon chéri. Ich habe deine dunkleren Geheimnisse alle für mich behalten.“

„Ich weiß nicht, ob mich das unbedingt beruhigt.“ Nicholas seufzte. „Was hast du zu ihr gesagt? Bitte, Janette, keine Scherze mehr. Ich will wissen, auf was ich vorbereitet sein muss, wenn ich ihr das nächste Mal begegne.“

„Wirklich, Nicholas.“ LaCroix wandte sich ihm voll zu. „Was muss ich da hören? Du machst dem guten Doktor Hoffnungen.“

„Ich...“, begann Nicholas und unterbrach sich. Es war vielleicht besser, sich genau zu überlegen, was er darauf antwortete. Er wusste nie, welche Falle selbst hinter scheinbar belanglosen Worten lauerte, wenn diese aus LaCroix’ Mund kamen. „Ich denke, das war nur ein Missverständnis“, sagte er schließlich lahm.

„Oh, glaub’ mir, sie war sehr deutlich, ma petite caille“, entgegnete Janette pikiert.

„Auf ihrer Seite“, korrigierte Nicholas sich. Er warf einen hilfesuchenden Blick zu LaCroix, doch der hob nur abwehrend die Hand.

Janette  glitt von ihrem Hocker und beugte sich vor, um ihn auf die Wange zu küssen. « Est-ce que tu l' aimes, Nicolas? »  flüsterte sie in sein Ohr.  Ohne eine Antwort abzuwarten, verschwand sie in die hinteren Räume des Clubs.

Nicholas sah ihr nach, als LaCroix sein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger nahm und seinen Kopf zu sich herumdrehte, so dass er ihn anblickte. „Ja, das ist eine sehr interessante Frage, mon ami. Bist du in Doktor Lambert verliebt?“, fragte LaCroix und dieses Mal klang er alles andere als amüsiert. Seine Hand glitt von Nicholas’ Kinn und seine Finger legten sich um den Hals des jüngeren Mannes – teils Liebkosung, teils Warnung.

„Nein“, sagte Nicholas und schluckte, als seine Kehle plötzlich eng wurde.

„Ts...“, machte LaCroix. „Du scheinst zu vergessen, dass ich immer weiß, wann du lügst.“ Seine Finger verengten sich für einen Moment, pressten in die weiche Haut. „Und du weißt, was passiert, wenn ich genug davon habe, dass du mich belügst.“

„Ich weiß“, sagte Nicholas gepresst. „Lass’ mich los. Bitte.“ Niemand schenkte ihnen Aufmerksamkeit, alle waren darauf bedacht, in eine andere Richtung zu sehen.

Tatsächlich lockerte sich LaCroix’ Griff nach ein paar Sekunden und seine Hand fiel weg, dann presste LaCroix die Handfläche auf sein Brustbein und beugte sich vor. „Gut“, sagte er. „Dein Doktor Lambert soll doch keine zweite Sylvane werden, nicht wahr?“ Nicholas schüttelte den Kopf. LaCroix küsste ihn auf die Stirn. „Guter Junge.“ Dann stand er auf und ließ Nicholas mit seinen Gedanken allein.

Verdammt, Nat... was hast du dir nur dabei gedacht...

Ende