Tag

T’Len

2009

 

 

 

Fandom: Kung Fu - TLC

Charaktere: Peter Caine/Kermit Griffin

Kategorie: NC-17, m/m-slash

Hinweise: 4. Teil meiner Tageszeiten-Reihe, Fortsetzung zu Nachmittag

Feedback: tlen11@freenet.de

Summe: Kermit beginnt auf dem Revier und sieht Peter nach Jahren wieder

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

Er wich sofort in die Schatten zurück, als er ihn ins Revier kommen sah. Weg vom Glas, dass sein Reich von den Schreibtischen der anderen trennte. Kermit Griffin suchte instinktiv den Schutz. Seine Augen aber blieben unverwandt auf Peter Caines schlanke Gestalt gerichtet.

 

Es war fast zehn Jahre her, dass er ihn zum letzten Mal gesehen hatte. Aus dem schlaksigen Teenager war ein junger Mann von Ende 20 geworden – ein erfolgreicher Detective und zweifelsohne Paul Blaisdells ganzer Stolz - und doch erkannte er ihn sofort. Was viel schlimmer war, sein Herz schlug bei dem Anblick schneller. Er beobachtete, wie Peter sich zu dem Mann hinterm Empfangstresen herab beugte – Broderick, wenn er sich richtig an die Vorstellung erinnerte – und etwas sagte. Dann lachte er und Kermits Puls beschleunigte sich noch mehr.

 

Vielleicht war es doch keine so gute Idee gewesen, letztendlich Pauls Drängen nachzugeben und einen Job auf dessen Revier anzunehmen. Aber er war seine alte Arbeit so Leid gewesen, die dauernden Risiken, ja selbst das Töten. Er wurde nicht jünger und er wusste, es war nur noch eine Frage der Zeit, dass eine für ihn bestimmte Kugel ihr Ziel nicht verfehlen würde. Auch wenn es Zeiten in seinem Leben gab, da wäre ihm dies egal gewesen, irgendwie schien er doch an seinem irdischen Dasein zu hängen. So hatte er sich schließlich für den ruhigen und gefahrlosen Job eines Computerexperten der Polizei entschieden.

 

Dass der wahre Grund für sein Herkommen womöglich fünf Buchstaben und einen Traumkörper hatte, würde er stets leugnen. Vor allem vor sich selbst.

 

Eine junge blonde Frau hatte den Raum betreten. Sie sagte etwas zu Peter, der lächelte und blickte ihr hinterher. Ob sie seine Freundin war? Kermit spürte sehr wohl den Stich, den ihn dieser Gedanke versetzte. Was hast du erwartet?, schimpfte er sich. Dass Peter sofort in dein Bett springt, ein Bett aus dem du vor zehn Jahren Hals über Kopf und ohne Abschied verschwunden bist?

 

Er hatte seitdem jeden persönlichen Kontakt mit den Blaisdells vermieden, nur alle paar Monate, wenn er eine Information oder sonstige Hilfe von Paul brauchte, mit ihm telefoniert. Beiläufig erkundigte er sich dann, wie es den Kindern gehe und erfuhr so von Peters erfolgreichem Abschluss an der Akademie, doch nichts von dessen Privatleben. Irgendwann im letzten Jahr hatte Paul dann erwähnt, dass seine älteste Tochter - Carolyn - heiraten wollte und er hatte klopfenden Herzens gefragt, ob Peter denn bereits verheiratet sei. Paul verneinte dies, sprach aber von einer Freundin, die auch bei der Polizei sei. Tyler, wenn er sich recht erinnerte.

 

Plötzlich hob Peter den Blick und richtete ihn genau auf Kermits Büro. Kermit wich noch weiter zurück. Wusste Peter, dass er hier war? Eigentlich begann sein Dienst erst am nächsten Tag. Er hatte es vorgezogen, schon heute zu kommen, um sich in aller Ruhe einrichten zu können. Oder war es eher gewesen, weil er nicht abwarten konnte, Peter wiederzusehen? Er wusste nicht, ob Paul seinem Pflegesohn vom neuen Teammitglied erzählt hatte. Doch wie er jetzt da stand, stolz erhobenen Hauptes, und mit unverwandten Blick aufs Glas starrte, hatte Kermit das verdammte Gefühl, Peter wusste genau, dass er da war.

 

Wie würde er auf ihr Wiedersehen reagieren? Vielleicht war es wirklich keine so gute Idee gewesen, hier herzukommen. Er sollte Paul absagen. Aber mit welcher Begründung? „Weil ich vor zehn Jahren deinen Sohn gefickt habe und nun nicht mit ihm zusammen arbeiten kann, ohne es wieder tun zu wollen“, war wohl kaum die geeignete Erklärung. Sollte er hinaus gehen und Peter begrüßen? Hier vor den Kollegen würde er ihm wohl kaum eine Szene machen. Doch Kermit fühlte sich wie angewurzelt, unfähig sich zu bewegen.

 

Plötzlich betrat ein seltsam aussehender Mann die Szenerie. Mit seiner hellbraunen Lederjacke und einen zerknautschten Stetson sah er aus, wie aus einem anderen Jahrhundert. War das eine Flöte, die er auf dem Rücken trug? Peter wandte sich sofort zu dem Neuankömmling um. Kermit konnte zuvor noch kurz das strahlende Lächeln des jungen Mannes sehen. Der Ältere legte ihm die Hand in einer zärtlichen Geste auf den Arm. War er etwa Peters Liebhaber? Peter wandte sich zu Broderick, sagte etwas, dann verschwand er mit dem Fremden.

 

Kermit Griffin aber fühlte wieder einmal den unbändigen Drang auf der Stelle zu verschwinden, bevor es zu spät war.

 

Und er spürte noch etwas: Eifersucht.

 

///

 

Kermit hatte sich letztendlich doch entschlossen, es nicht auf eine erste Begegnung mit Peter auf dem Revier ankommen zu lassen. Oder war es eher so, dass er einfach nicht abwarten konnte, ihn wiederzusehen?

 

Die Adresse heraus zu finden, war ein Kinderspiel für ihn gewesen. Doch nun stand er vor der Tür und konnte sich nicht überwinden, die Klingel zu drücken. Es war keine gute Idee gewesen, hierher zu kommen, entschied er. Er wollte sich gerade zum Gehen wenden, als die Tür von innen geöffnet wurde.

 

Kermit sah sich dem Fremden gegenüber, mit dem Peter das Revier verlassen hatte. „Sie wollten zu uns, Mr. Griffin.“ Es war eine Feststellung, keine Frage.

 

Dunkelbraune Augen musterten ihn und Kermit hatte das Gefühl, sie würden bis in sein tiefstes Inneres blicken. Und woher wusste der Fremde eigentlich seinen Namen? Wer zum Teufel war er?

 

„Äh... ich wollte zu... Peter.“ Himmel, er hatte Diktatoren gestürzt, sein Name stand in mehr als ein paar Ländern ganz oben auf der Liste der Top-Terroristen und nun fühlte er sich unter dem durchdringenden Blick eines sonderbaren alten Mannes wie ein kleiner Schuljunge. Kermit schluckte.

 

Da erschien Peter im Türrahmen. „Hallo Kermit“; sagte er. „Lange nicht gesehen.“ Der Sarkasmus in seiner Stimme war unverkennbar.

 

Er gestikulierte von einem zum anderen. „Darf ich vorstellen? Kwai Chang Caine, mein Vater. Kermit Griffin, ein alter... Freund.“ Kermit entging die Pause vor dem letzten Wort nicht.

 

"Mein Sohn, es ist Zeit für mich zu gehen. Du und dein... Freund, ihr werdet euch viel zu erzählen haben. Peter, wir sehen uns morgen?" Bevor einer der beiden anderen Männer noch etwas erwidern konnte, trat er an Kermit vorbei und verschwand.

 

Kermit blickte ihm nach, wandte sich dann Peter zu. „Dein Vater? Ich dachte, der wäre bei einem Brand umgekommen.“

 

Peter zuckte mit den Schultern. „Muss meine Glückszeit sein. Erst taucht mein tot geglaubter Vater wieder auf, anderthalb Jahre später mein verschollener Liebhaber.“ Erneut war seine Stimme voller Sarkasmus.

 

Kermit folgte Peter in den Flur der Wohnung und schloss die Tür hinter sich. Er spürte den Drang, sich zu rechtfertigen. „Mein Job ließ keine Zeit für...“, begann er.

 

Weiter kam er nicht. „Hör mit deinem verdammten Job auf“, fauchte Peter ihn an. „Ich weiß, für wen Paul früher gearbeitet hat. Ich weiß, was du getan hast. Ich bin kein kleines Kind mehr.“

 

Seine braunen Augen funkelten Kermit wütend an. „Habe ich je von dir verlangt, dass du deinen Job aufgibst, wir uns zusammen niederlassen und ein verheiratetes Paar spielen? Alles, was ich wollte, war Ehrlichkeit. War das zu viel verlangt? Du verschwindest einfach aus diesem Motelzimmer und aus meinem Leben. Ohne ein Wort das Abschieds, ohne je ein Lebenszeichen von dir zu geben. Wenn ich nicht zufällig ein Telefongespräch zwischen Paul und dir mitbekommen hätte, wüsste ich bis heute nicht, ob du überhaupt noch lebst. War es zu viel verlangt, sich mal zu melden? Und was nun? Du tauchst einfach hier auf. Brauchst du mal wieder einen Fick und denkst ich hüpfe freudig wieder in dein Bett?“

 

Kermit schluckte. Er, der normalerweise alles andere als auf den Mund gefallen war, wusste nicht, was er antworten, wie er sich rechtfertigen sollte. Peter hatte ja mit jedem seiner Vorwürfe Recht. Er hatte sich nie gemeldet, weil er fürchtete, würde er auch nur Peters Stimme hören, würde er alles stehen und liegen lassen und zu ihm rennen, nur um wieder im Bett des Jungen – des Mannes, korrigierte er sich in Gedanken – zu landen. Es hatte es sich immer eingeredet, es war besser für sie beide, wenn sie einander vergaßen. Nur hatte es für ihn nie funktioniert. Für Peter offensichtlich auch nicht.

 

„Hast du je an mich gedacht?“, fragte Peter. Seine Stimme war plötzlich leise geworden und in seinem Blick entdeckte Kermit wieder jene Verletzlichkeit, die ihn von Anfang an so angezogen hatte.

 

Er wollte antworten: Ja, ich habe jeden Tag an dich gedacht. Wollte von den jungen Männer reden, die er für Sex bezahlt hatte. Männer, die zumindest eine entfernte Ähnlichkeit mit Peter hatten, die keine Fragen stellten, wenn er den Namen eines anderen stöhnte, während er sie nahm. Stets von hinten, um sich nicht die Illusion, er sei mit jemand ganz anderem zusammen, zu zerstören.

 

Stattdessen sagte er nur: „Ich sollte gehen. Es war keine gute Idee hierher zu kommen. Ich werde Paul bitten...“

 

Weiter kam er nicht. Ehe er reagieren konnte, hatte Peter ihn gegen die Wand des Flures gedrückt. „Und wieder davon laufen? Wie immer. Diesmal kommst du mir nicht so einfach davon.“

 

Er küsste Kermit. Hart, fordernd, fast brutal, ohne jede Zärtlichkeit. Kermit schloss die Augen hinter seiner dunklen Brille und ergab sich. Sein Körper reagierte sofort auf Peters Nähe. Ganz von allein gruben sich seine Hände in den dunklen Schopf, hielten ihn fest.

 

„Trägst du eine Waffe oder freust du dich so, mich zu sehen?“, murmelte er, als ihr Kuss endete. Er wusste, dass es ein lahmer Scherz war. Peter reagierte nicht darauf. Stattdessen schob er ihn Richtung Schlafzimmer.

 

///

 

Kermit biss sich auf die Unterlippe und warf den Kopf in den Nacken, als der Schmerz ihn zu zerreißen drohte, während Peter hart in ihn eindrang. Der Junge – er würde wohl ewig so von ihm denken – hatte keine Ahnung, dass er nie zuvor einen Mann in sich gehabt hatte. Er war alles andere als vorsichtig. Kermit konnte die aufgestaute Wut spüren, die sich so ihren Weg brach. Wut auf seinen Verrat vor zehn Jahren, ein weiterer Verlust unter so vielen in Peters Leben.

 

Kermit hatte keine Ahnung, wie Peter auf das Wiederauftauchen seines Vater reagiert hatte. Ob er ähnlich wütend über die gemeinsame Zeit, die ihm gestohlen worden war, gewesen war? Oder einfach nur froh, ihn wiederzusehen? Sie schienen sich gut zu verstehen, dem Eindruck nach, den er auf dem Revier und hier gewonnen hatte. Doch einem Vater verzieh man wohl auch eher als einem Geliebten.

 

Er versuchte den Schmerz willkommen zu heißen. Er hatte Peters Wut mehr als verdient. Und der junge, kräftige Körper über ihn verfehlte nicht seine Wirkung. Langsam aber sicher wich der Schmerz der Lust. Er streckte die Arme aus, um Peter enger an sich zu ziehen, wollte ihn so sehr, mit Haut und Haaren, ganz und für immer, dass alles andere unwichtig wurde.

 

„Jetzt gehörst du mir“, murmelte Peter. „Ich werde dafür sorgen, dass du nie wieder aus meinem Leben verschwindest.“ Es klang wie ein heiliger Schwur.

 

Für diesen Augenblick ergab sich Kermit Griffin in sein Schicksal.

 

Ende

 

Fortsetzung: Nacht 2