neu: Alle Jahre wieder... (Konrad und Paul, Paul/Konrad, pg-13, slash)
Titel: Alle Jahre wieder...
Autor: Lady Charena
Fandom: Konrad und Paul
Pairung: Paul Niemöser/Konrad Stubenburg
Rating: pg-13, slash
Archiv: ja

Summe: Alle Jahre wieder gibt’s Streit darum, wie man die Feiertage verbringt.

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Nach zehn gemeinsamen Jahren – und neun Weihnachtsfesten – stand für Konrad eines fest: er wollte, dass es dieses Jahr nicht wieder Streit unterm Weihnachtsbaum gab. Nicht, dass irgendetwas gegen die anschließende Versöhnung sprach, aber wurden sie nicht langsam zu alt für so etwas?

Also nahm sich Konrad einen Block von seinem Schreibtisch und setzte sich damit an den Küchentisch, um eine Liste aufzustellen, was sie besser machen konnten.

Drei Stunden und fünf Tassen Kaffee später war das Blatt noch immer mit nichts anderem als Doodle vollgekritzelt. Wenigstens hatte er eine Einkaufsliste aufgestellt, die er Paul vermutlich an die Stirn tackern musste, damit er einkaufen ging und mit etwas anderem als Bier und Tiefkühlpizza zurückkam.

Oder sollten sie Weihnachten besser gleich abblasen? Es war seit Jahren IN, irgendwo in die Sonne zu fliegen und das Nieselwetter und den Feiertagsrummel in Deutschland zu ignorieren. Tom hatte letztes Jahr doch so von seinem Urlaub in Florida geschwärmt. Aber eine kurze Kalkulation ihrer Finanzen erteilte diesem Gedanken ein eindeutiges „Nein“.

Seufzend lehnte sich Konrad zurück. Sollte er sich überhaupt die ganze Mühe machen? Nur, damit Paul dann nach Hause kam und sich beklagte, dass er wieder einmal alles tot plane und er lieber Weihnachten in einem Club oder einer Kneipe verbringen wollte anstatt mit Konrad bei Plätzchen und selbstgemachtem Glühwein unterm Baum zu sitzen. Überhaupt. Heiligabend waren nur die verzweifelten und depressiven Singles und die zwanzigjährigen Schwuchteln unterwegs, die nach dem Geschenketauschen unterm elterlichen Weihnachtbaum abtanzen und feiern wollten. Paul stand nicht auf die ersteren und die letzteren nicht auf Paul. Was also wollte er dort.

Das Klingeln des Telefons riss Konrad aus seinen Grübelein.

* * *

Er hing noch am Hörer und sprach mit seiner Mutter, als Paul nach Hause kam. Konrad gestikulierte ihm, wer da am anderen Ende der Leitung war und Paul schnitt eine Grimasse. Er verschwand in die Küche und gleich darauf hörte Konrad, wie die Kühlschranktür auf und wieder zu gemacht wurde. Er legte die Hand über den Hörer und schnitt damit die Schilderung seiner Mutter über die neuen Zwillinge der Nachbarin ab, um ihm zu zu rufen : „Finger weg von dem Hühnchen, Paul. Das ist fürs Abendessen.“ Konrad wandte sich wieder dem Gespräch mit seiner Mutter zu. „Ja, Mama, das war Herr Niemöser. Denkst du nicht, du könntest langsam anfangen, ihn Paul zu nennen?“

Paul tauchte mit einer Bierflasche in der Hand auf und grinste, als er das hörte, während er sich die Finger ableckte. Schließlich hatte Konrad nichts über die Vanillemousse gesagt, die auf der Fensterbank abkühlte. Mann und wenn Konrad die Hausfrau spielte und in seinen Kochbüchern kramte, dann lohnte sich das auch. Außer es gab Kabeljau, der roch immer wie Konrads Ex-Freundin Igitte.

„Sag’ mir, dass sie dich nicht besuchen kommt“, meinte Paul, als Konrad das Gespräch endlich beendete.

Konrad schüttelte den Kopf. „Sie kommt natürlich zum Kaffeetrinken. Ein Mal im Jahr wirst du dich damit anfreunden können, oder?“ Auch das war eine Diskussion, die sie bereits zum zehnten Mal führten.

„Na meinetwegen“, brummte Paul. „Ich kann ja so lange im Pimpernell abhängen und sehen, was da so läuft. Hauptsache, sie schleppt nicht wieder Igitte an. Hinterher stinkt die ganze Bude nach ihr.“

„Brigitte!“, korrigierte Konrad automatisch. „Sie heißt Brigitte und da sie immer noch keiner geheiratet hat, wird meine Mutter sie mitbringen. Sie gibt niemals die Hoffnung auf, dass wir uns wieder verloben und doch noch heiraten.“

Paul schnaubte verächtlich und spuckte dabei Biertröpfchen durch den Flur. „Wir leben seit zehn Jahren zusammen und sie glaubt immer noch, du interessierst sich für Frauen.“ Er wandte sich ab, um nach mehr kulinarischen Entdeckungen im Kühlschrank zu stöbern, als Konrad die gefürchteten Worte aussprach:

„Paul, wir müssen reden.“

Er seufzte und sah über die Schulter zurück. „Über deine Mutter?“

„Über Weihnachten und was wir dieses Jahr machen.“

„Im Bett bleiben und ficken?“, schlug Paul vor.

„Machen wir das nicht immer an deinem Geburtstag?“, erwiderte Konrad trocken.

„Der ist nur ein Mal im Jahr...“

„Und an meinem Geburtstag“, fuhr Konrad fort. „Und an...“

„Okay, verstanden. Aber ich gehe nicht Hand in Hand mit dir über den Weihnachtsmarkt, damit mich einer der Jungs aus dem Club sehen kann. Oder in ein Weihnachtskonzert, dafür hast du deine Musikschüler.“

„Einverstanden.“ Konrad rieb an einem Staubfleckchen auf dem Telefon. „Aber dann gehen wir auch nicht auf eine Ü30-Party oder überhaupt in die Disko. Ich will nicht wieder wie letztes Jahr am ersten Feiertag mit einem Pfeifen im Ohr aufwachen.“

„Das war nicht von der Musik“, grinste Paul. „Sondern von der Nummer auf dem Klo, zu der ich dich im Tropicana überredet habe. Du hast so gekreischt, und es hallte von den Wänden, dass die Jungs klatschten, als wir wieder zurück kamen.“ Etwas im Gesicht seines Partners sagte ihm, dass er diese Erinnerung besser vergessen gelassen hatte.

„Wir haben WAS?“, fragte Konrad entsetzt. „Die Toiletten im Tropicana sind die reinsten Kloaken!“

„Naja, du hast nach dem fünften oder sechsten dieser tuntigen Cocktails nicht gerade protestiert, als ich dir den Vorschlag gemacht habe.“ Paul zuckte mit den Schultern. „Und ich habe dich nicht aufs Klo geschleppt, sondern nur an dich und deine Empfindlichkeiten gedacht. Du warst so blau, du wolltest mir direkt am Tresen einen blasen.“

Konrad war inzwischen tiefrot angelaufen. „Das... das... Paul!! Wie konntest du nur!“ Er wandte sich ab und stürmte ins Schlafzimmer, die Tür hinter sich zuknallend.

Paul seufzte. Na wunderbar. Jetzt war der Herr wieder beleidigt und er konnte zu Kreuze kriechen oder tagelang Konrads Schmollen ertragen. Er trank sein Bier aus, stellte die Flasche weg und klopfte an die Schlafzimmertür. „Konrad?“

Die Tür ging auf und Paul flogen seine Lederjacke und –hose ins Gesicht. „Das brauchst du doch sicher, wenn du dir heute Abend ein anderes Bett suchst, in dem du schlafen kannst.“ Rumms. Die Tür war wieder zu.

Paul ließ die Klamotten auf den Boden fallen. Au verdammt, so aufgebracht hatte er Konrad nicht mehr gesehen seit Fränzchen gestorben war und er trotzdem zum Gay-Happening nach Krefeld fahren wollte. Als hätte das Fränzchen wieder lebendig gemacht. War ja nicht so, als würde er nicht jedes Mal an Fränzchen denken, oder an Michael oder an Frank oder an Thomas... wenn er Gummis einpackte, bevor er zu einer Tour durch die Clubs und Bars und Kneipen aufbrach. „Mann, Konrad, jetzt stell’ dich nicht so an. Wenn du unbedingt Weihnachten feiern willst, wie meine Eltern es tun, dann...“, er seufzte, „...dann machen wir das eben.“

„Mit Weihnachtsgans?“, kam es von der anderen Seite der Tür.

„Mit Gans. Ich besorge dir das Rezept meiner Mutter – vorausgesetzt, du versalzt sie dann nicht auch und heulst in den Rotkohl. Ich bin nur schwul geworden, weil ich Frauen nicht weinen sehen kann.“ Da war ein Geräusch, das wie unterdrücktes Lachen klang und Paul grinste. Er kannte seinen Konrad doch.

Die Tür öffnete sich einen Spalt und Konrad sah ihn an. „Kein Wort mehr über letztes Jahr.“

„War letztes Jahr irgendwas?“, entgegnete Paul unschuldig und beugte sich vor, um Konrad zu küssen. „Okay, was hast du dir genau vorgestellt?“


* * *

Es brauchte eine Weile und längere Diskussionen, aber letztlich konnten sie sich doch auf den Ablauf für die kommenden Feiertage einigen. Zur Sicherheit schrieb Konrad alles auf – nachdem Paul den Küchentisch dazu benutzte, auf seine Art „Entschuldigung...“ zu sagen.

Sie würden den Heiligen Abend zusammen verbringen, allein, in trauter Zweisamkeit – mit einem guten Glas Rotwein (für Paul Bier) und etwas Leckerem zu Essen. Der erste Feiertag war einfacher zu planen, da Konrad am Nachmittag das traditionelle Weihnachtskonzert mit seinen Schülern abhielt, an das sich ein gemeinsames Essen mit Freunden, Eltern und anderen Angehörigen anschloss. Paul, der sich dabei entsetzlich langweilte, ging sich anderweitig vergnügen, würde aber die Nacht Zuhause verbringen. Und am zweiten Feiertag besuchte sie Konrads Mutter zum obligatorischen Kaffeetrinken mit Igitte, während dem sich Paul mit ein paar seiner Kumpels in der Sauna traf. Sobald Igitte zurück in ihre Höhle geflattert war, und die Wohnung gelüftet, würden sie sich fein machen und den Abend mit ihren Freunden feiern.

Vielleicht sogar im Tropicana, doch den Vorschlag behielt Paul lieber noch für sich.

„Paul!!! Sind das etwa deine Pfotenabdrücke in der Vanillemousse?“

War es nicht traumhaft, dieses Leben zu Zweit?


Ende