Disclaimer: Siehe Teil 1



In den Katakomben, Teil 2


Spock erwachte in der Morgendämmerung. Laura schlief noch. Obwohl sie eigentlich in einem der Gästezimmer untergebracht war, hatten sie es vorgezogen, die Nacht gemeinsam zu verbringen. Er lächelte still, genoss die Berührung ihres kühlen Körpers. Dann stand er behutsam auf und zog die Decke über sie. Schnell zog er sich an und trat dann in den relativ kühlen Morgen hinaus.

Sein feines Gehör sagte ihm, dass noch jemand im Haus wach war.
Neugierig ging er wieder ins Haus.

Sarek stand im Wohnraum und rieb sich müde über die Augen, als er seinen Sohn bemerkte.
"Spock. Ich wünsche dir Glück und langes Leben, Sohn."

"Langes Leben und Glück auch dir, Vater. Mutter sagte mir, du würdest an einer Debatte teilnehmen...?"

Sarek nickte, betrachtete den jüngeren. Spock hatte sich subtil verändert. Eine innere Ruhe und Gelassenheit gingen von ihm aus, die
er nie zuvor an ihm beobachtet hatte. Obwohl er es niemals zugeben würde, war Sarek neugierig auf die Frau, die Spock als seine
Partnerin gewählt hatte. Irgendwie überraschte es ihn nicht, dass sie ebenfalls wie seine Mutter von der Erde stammte.

"Die Debatte ist vorerst beigelegt."

Spock wartete, doch Sarek schwieg.
"Worum ging es?" bohrte er schließlich hartnäckig weiter.

Sarek verbarg seine Erheiterung hinter einer stoischen Mine.
Insgeheim gefiel ihm die Sturheit seines Sohnes. "Da du es offenbar wirklich wissen willst: T'Pring hat wieder einmal versucht, Intrigen anzuregen, die eine Abspaltung Vulkans aus der Föderation bezwecken sollten. Doch seit ihrem letzten Versuch ist der Rat gewarnt. Sie hat es sogar gewagt, selbst als Rednerin aufzutreten."

Spock hob langsam eine Braue, starrte ins Leere. "Ich frage mich, wann Sie damit aufhören wird."

Sarek antwortete nicht, sah überrascht an Spock vorbei.

Eine junge Frau war in den Raum getreten und musterte ihn ohne Scheu.
Sein Blick glitt über ihren schlanken grazilen Körper und das bildschöne Gesicht. Halblange goldbraune Locken umrahmten ein
gleichmäßiges Oval. Große grüne Augen fesselten seinen Blick, schienen ihn zu sondieren.

Langsam neigte er den Kopf und hob dann die Hand zum vulkanischen Gruß.

Spock bemerkte es und drehte sich um.
"Laura. Du bist schon wach?"

Sie nickte und trat lächelnd neben Spock. Dann hob sie in einer formellen Geste zwei Finger. Spock tat es ihr gleich, strich zart mit
seinen Fingern über ihre: das vulkanische Äquivalent eines Kusses.

"Vater, ich möchte dir meine Gemahlin vorstellen: Laura McAllister."

"Ich wünsche Ihnen Glück und langes Leben, Botschafter Sarek."

"Langes Leben und Glück auch Ihnen, T'Sai Laura Adunai Spock teler-At Telek-san-Deen."

McAllister hörte jetzt zum ersten Mal, dass jemand ihren vollen vulkanischen Titel aussprach. Spock hatte ihn ihr zwar genannt und
die Bedeutung erklärt, doch es erschien ihr immer noch seltsam. Sie spürte, dass Spock aus irgend einem Grund angenehm überrascht war.

"Bitte entschuldigt mich jetzt. Ich bin eben erst zurückgekehrt und möchte noch ein wenig ruhen."

Spock nickte und Sarek verließ das Zimmer, sah seinem Vater nachdenklich nach.

"Was hast du?"

"Es scheint, als würde dich mein Vater vorbehaltlos akzeptieren. Wenn ich ehrlich bin, hatte ich eigentlich nicht damit gerechnet. Er war bisher praktisch mit noch keiner meiner Entscheidungen einverstanden."

"Und woraus schließt du das?"

"Er hat deinen vollen Titel genannt und dich somit als ein Mitglied der Familie anerkannt. Was auch immer geschieht: du bist jetzt im
Clan aufgenommen.
Du musst allerdings wissen, dass Sarek die alten Traditionen für sehr wichtig hält. Zwischen uns ist zwar eine Partnerbindung entstanden, doch es gibt noch eine tiefere Form davon, die nur durch eine spezielle Zeremonie initialisiert werden kann. Nach vulkanischem Recht und Brauch gilt eine Verbindung erst nach dieser Zeremonie als wirkliche Ehe."

"Legst du Wert darauf?" Er sah sie an, spürte in sich hinein.

"Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht einmal, ob es mir überhaupt möglich ist, jene tiefe Ebene zu erreichen."

Sie nickte, gab sich mit seiner Erklärung zufrieden.

~+*+~

Nach dem Frühstück, bei denen ihnen wieder nur Amanda Gesellschaft leistete, brachen sie auf, um den Morgen dazu zu nutzen, die Stadt anzusehen.

McAllister genoss es, an Spocks Seite durch die uralten Gassen und Straßen der Stadt zu wandern. Als sie sich dem Zentrum näherten, wurden die Straßen belebter, doch noch immer herrschte eine eigentümliche Ruhe und Gelassenheit. Lediglich einige Touristen von verschiedenen Welten sorgen für Lärm. Die Vulkanier störten sich nicht weiter daran, gingen ihren Tätigkeiten nach.
Mehrmals blieben sie stehen, um Kunsthandwerkern zuzusehen, die die verschiedensten Dinge fertigten.

Einer stellte aus einer glasähnlichen Substanz verschlungene Skulpturen her, die in einem eigentümlichen Glanz erstrahlten. McAllister betrachtete die zierlichen Schmuckstücke  fasziniert und Spock nahm sich vor, sie mit einem davon zu überraschen.

Händler boten ihre Waren an und es herrschte ein recht buntes Treiben. Sie lächelte verschmitzt, als sie bemerkte, dass auch Vulkanier feilschen konnten. Hin und wieder schnappte sie einzelne Wortfetzen auf, die sie verstand. Spock beobachtete sie still. Sie freute sich wie ein Kind an allem, was sie entdeckte. Blieb dabei dennoch ruhig und gelassen, so dass sie kaum als Mensch auffiel.

Amanda hatte ihn gebeten, für sie ein Besorgung zu erledigen und er ging in einen der kleinen Läden. Laura wollte draußen warten und
setzte sich auf eine der Ruhebänke, die überall aufgestellt worden waren. Sie sah sich um, betrachtete fasziniert die ihr fremde Kultur.
Eine Vulkanierin trat auf sie zu und musterte sie mit einem merkwürdigen Blick.

McAllister sah sie fragend an. Sie hoffte, dass sie nicht gegen ein Tabu verstoßen hatte.

"Sie sind Laura McAllister?"
Die Vulkanierin sprach mit einer kalten unfreundlichen Stimme, die in einem krassen Gegensatz zu ihrem attraktiven Äußeren stand.

McAllister wusste inzwischen, dass bei Vulkaniern ähnliche Schöhneitsideale galten wie bei Menschen. Und nach diesen Kriterien
war die andere Frau hinreißend schön.

Sie nickte zögernd und stand auf. Es gefiel ihr nicht, dass die andere auf sie herabsah. Sie stellte überrascht fest, dass sie sogar
ein wenig größer war, obwohl sie flache Schuhe trug.

"Was kann ich für Sie tun?"

Die Vulkanierin maß sie mit einem abschätzenden Blick. "Das kommt ganz darauf an. Sie erheben Anspruch auf etwas, das mir gehört."

"Da irrst du dich, T'Pring."
Spock hatte den Laden wieder verlassen und stellte fest, dass Laura offenbar in Schwierigkeiten geraten war. Er erkannte seine ehemalige Verlobte sofort.

"Spock." Sie nickte grüßend und betrachtete ihn.
Er ließ die Musterung gelassen über sich ergehen.

"Ich bin der Ansicht, dass dieses Thema nicht weiter erörtert werden muss, T'Pring. Unsere Bindung wurde gelöst und ich habe dich
freigegeben. Es entsprach deinem Wunsch, falls du dich daran erinnerst. Stonn wäre sicher nicht erfreut, wenn er hiervon erfahren
würde."

"Stonn." Sie spuckte den Namen förmlich aus. "Er ist ein Narr."

Spock hob langsam eine Augenbraue. McAllister sah ihn unsicher an.
Sie wusste nicht recht, was sie von der Begegnung halten sollte. Die Vulkanierin erschreckte sie und instinktiv trat sie näher an Spock
heran.

Er hob die Hand und sie berührte seine Fingerspitzen. Fand Trost in der förmlichen Geste.

T'Pring betrachtete das Paar. In ihren Augen loderte der blanke Hass. Dann drehte sie sich um und verschwand zwischen den Marktständen.

McAllister ließ den angehaltenen Atem entweichen.

"Spock. War das etwa deine ehemalige Verlobte?"

Er nickte schweigend. "Ihr Hass wird immer stärker. Ich weiß nicht, weshalb sie nicht die Tatsachen akzeptiert."

McAllister sah sich unruhig um, als fürchtete sie, der anderen noch einmal zu begegnen.
"Bitte lass uns zum Haus deiner Eltern zurückkehren. Ich... Sie macht mir Angst, Spock."

Sie sah ihn bittend an. Er konnte deutlich den Schreck spüren, der noch immer in ihr nachklang.

Er nickte. "Komm. Es wird ohnehin bald zu heiß für dich werden."
Schweigend und bedrückt folgte sie ihm. Er wählte einen direkteren Weg als der, auf dem sie gekommen waren und so dauerte es nicht lange, bis sie ihr Ziel erreicht hatten.

~+*+~

Laura blieb den ganzen Tag über verunsichert und in sich gekehrt. Es entsprach nicht ihrer Art, aber sie empfand Angst vor dieser Frau. Das Abendessen nahm sie weitgehend schweigend ein, antwortete auf Sareks Fragen jedoch mit ruhiger Freundlichkeit. Danach entschuldigte sie sich und ging zu Bett. Spock blieb noch bei seinen Eltern sitzen.

"Spock, was ist mit Laura los? Sie wirkte so bedrückt." Amanda musterte ihren Sohn. Auch er wirkte noch stiller als sonst.

"Wir sind in der Stadt T'Pring begegnet. Sie hat Laura offen mit ihrem Hass konfrontiert und sie damit sehr erschreckt. Ich muss
zugeben, dass auch ich überrascht bin. Sie wirkte fast ... besessen."

Sarek hob eine Braue. "Glaubst du, deine Gemahlin schwebt in Gefahr?"

Spock sah ihn überrascht an. Dann nickte er langsam. "Ich traue T'Pring alles zu. Es wird das Beste sein, wenn ich mit ihr morgen früh auf das Schiff zurückkehre. Dort ist sie auf jeden Fall sicher."

Er verabschiedete sich und ging dann ebenfalls nach oben. McAllister lag noch wach, starrte nachdenklich in die Dunkelheit.
Spock streifte seine Kleidung ab und legte sich neben sie. Dann nahm er sie zärtlich in die Arme.

"Ich halte es für besser, wenn wir morgen wieder zur Enterprise zurückkehren. T'Pring scheint mir krank zu sein. Ihr Verhalten ist
äußerst ungewöhnlich und ich bin mir nicht sicher, wozu sie fähig ist."

McAllister schmiegte sich zitternd an ihn. Dann hob sie den Kopf und küsste ihn fast verzweifelt. Er strich sanft über ihren Körper,
versuchte ihre Angst mit seiner Zärtlichkeit zu vertreiben. Später, als er schon längst schlief, starrte sie noch immer in die Dunkelheit.

~+*+~

Als er erwachte, war Laura schon aufgestanden. Er sah sich suchend im Raum um, konnte sie jedoch nirgends entdecken. Beunruhigt, da er auch keine mentalen Signale von ihr wahrnehmen konnte, zog er sich schnell an und ging hinunter.

Sarek und Amanda wussten nicht wo sie war. Sie hatten angenommen, dass sie noch schlafen würde.
Spock überlegte einen Moment, dann trat er ans Komterminal und kontaktierte die Enterprise. Es dauerte eine Weile, bis er
durchgestellt wurde und er versuchte seine Ungeduld zu bezähmen. Am meisten verwirrte es ihn, das die mentale Brücke nicht mehr bestand.
Er wusste, dass das kein gutes Zeichen war.

"Uhura hier, guten Morgen Mr. Spock."
Der Vulkanier erinnerte sich gerade noch rechtzeitig, dass sein Vater hinter ihm stand und unterdrückte einen erleichterten Seufzer.

"Uhura, können Sie den Aufenthaltsort von Lieutenant McAllister auf dem Planeten feststellen?"

Sie hörte die Dringlichkeit in seiner Stimme.  Sie wusste, dass Spock und McAllister seit kurzer Zeit ein Paar waren. Das er sie jetzt
suchte, konnte nur bedeuten, dass sie in Schwierigkeiten war.

"Einen Moment, Mr. Spock. Ich muß erst die Sensoren hochfahren."
Sie trat an die wissenschaftliche Station und nahm die entsprechenden Schaltungen vor. Es dauerte nur Sekunden, bis die Systeme
betriebsbereit waren. Dann rief sie die Personaldaten von McAllister auf und gab die Suchparameter ein.
Erstaunt betrachtete sie dann die Anzeige.

"Sie ist auf Vulkan, Sir. Allerdings nicht in der Nähe von Shi-Khar sondern in der Nähe von Gol. Ich kann Ihnen die genauen Koordinaten übermitteln."

"Tun Sie das bitte."

Spock wartete, bis er die Daten erhalten hatte. Uhura meldete sich wieder. "Kann ich noch etwas für Sie tun, Sir?"

"Nein, im Augenblick nicht. Vielen Dank, Nyota."

Er druckte die Korrdinaten aus und deaktivierte dann das Terminal.

Uhura lehnte sich in ihrem Sessel zurück. Spock hatte sie noch nie mit ihrem Vornamen angesprochen. Das er es jetzt dennoch getan hatte, konnte nur eines bedeuten: Er  musste ziemlich durcheinander sein. Sie sah eine Weile nachdenklich vor sich hin. Dann trat sie erneut an die Sensorstation und gab Kirks Suchparameter ein. Sie wusste, dass er und McCoy ebenfalls ihren Landurlaub auf Vulkan verbrachten. Es würde sicher nicht schaden, wenn sie die beiden informierte.

~+*+~

Spock  stürmte in sein Zimmer. Innerhalb kürzester Zeit hatte er die Kleidung gewechselt und eine Kombination angezogen, die für die Wüste besser geeignet war. Er griff nach einer Umhängetasche, die er immer mitgenommen hatte, wenn er in die Berge gegangen war. Sie enthielt noch immer mehrere Messer und ein Ahn-Woon. Schnell fügte er Nahrungskonzentrate und zwei Wasserflaschen hinzu. Dann verließ er ohne weiter auf seine Eltern zu achten das Haus.

Laura hatte sich mit Sicherheit nicht freiwillig in die heißeste und lebensfeindlichste Wüste Vulkans begeben. Er war sich sicher, dass
T'Pring die Hände im Spiel hatte. Die Frage war nur, wie sie es geschafft hatte, sie aus dem Haus zu locken.

Mit einer Eile, die einiges Aufsehen erregte, stürmte er zu seinem Fahrzeug und raste davon. Es gab zwar die Möglichkeit, Transporter zu benutzen, doch er wusste, dass die planetengebundenen Anlagen für seinen Zweck viel zu langsam waren. Und die Transporter der
Enterprise wurden völlig überholt und konnten im Augenblick mit Sicherheit nicht benutzt werden.

Verzweifelt versuchte er, einen mentalen Kontakt zu Laura herzustellen. Doch er erreichte sie nicht: die Bindung war noch zu schwach.  Er weigerte sich, an eine andere Möglichkeit zu glauben, sie auch nur in Betracht zu ziehen: sie konnte ebenso gut tot sein.

Es kam ihm vor, als wäre er Stunden unterwegs. Als er schließlich Shera-Khar am Rand der Wüste erreichte, stellte er sein Fahrzeug ab und mietete statt dessen einen der Atmosphärengleiter. Dann flog er zu den Koordinaten, die er von Uhura erhalten hatte. Sie lagen mitten in der Wüste.

Angst wogte in seinem Bewusstsein. Die Sorge, zu spät zu kommen. Als er die angegebenen Koordinaten erreichte, fand er nichts. Doch er hatte auch nichts anderes erwartet. Er flog so tief es ging über die Wüste hinweg.
Nichts.
Keine Spuren.
Kein Hinweis.
Nichts.

Er schlug mit der Hand auf die Steuerkonsole. Die Sensoren des Gleiters waren nicht sensibel genug, um menschliche Biowerte von
vulkanischen zu unterscheiden. Doch es wurden in einem weiten Umkreis nicht einmal Vulkanier angezeigt. Nichts. Es gab nichts dort unten.

Er landete den Gleiter und überlegte einen Moment. Dann rief er erneut die Enterprise.
Uhura schien etwas erstaunt zu sein, aber es war ihm völlig gleichgültig. Doch zu seinem Entsetzen bestätigte sie die Daten.
Spock erstarrte. Es konnte nur eines bedeuten. Dass sie hier irgendwo im Sand lag....
Etwas in ihm gefror zu Eis. Und eine mörderische Wut auf T'Pring quoll in ihm empor.

Entschlossen wendete er den Gleiter und flog zurück.
Er fand schnell heraus, wo T'Pring mit Stonn wohnte.
Der andere Vulkanier war erstaunt, als Spock plötzlich vor ihm stand und T'Pring zu sprechen verlangte.

"T'Pring ist nicht hier, Spock. Sie hat die Stadt gestern verlassen.
Ich kenne ihren derzeitigen Aufenthaltsort nicht."

Doch Spock spürte, dass er log. Wütend packte er den anderen am Hemd und trat nah an ihn heran.

"Du lügst, Stonn. Ich warne dich: Reize mich nicht. Ich bin inzwischen daran gewöhnt, mein psionischen Fähigkeiten auch zu
anderen Zwecken einzusetzen, als es von unserer Kultur gebilligt wird."

Stonn wich zurück. Offenbar hatte T'Pring Spock unterschätzt. Die offene Drohung wirkte durchaus glaubhaft.

"Sie ist in Gol. Das hat sie mir zumindest gesagt."
Spock ließ ihn los und Stonn strich seine Kleidung glatt. Dann sah er dem anderen nach, als er aus dem Haus stürmte.
Diesmal hatte sich T'Pring in Schwierigkeiten gebracht.

~+*+~

Spock kehrte in die Wüste von Gol zurück. Inzwischen war es Abend geworden. Wieder steuerte er jene Koordinaten an, ließ dann den Gleiter sanft aufsetzen. Er wartete, bis sich der aufgewirbelte Sand gelegt hatte und stieg dann aus.

Langsam kniete er sich in den heißen Sand und öffnete sein Bewusstsein. Und plötzlich spürte er, dass er nicht allein war. Er konnte sie noch immer wahrnehmen! Sie schien verletzt zu sein, hatte Schmerzen und war kaum bei Bewusstsein. Doch sie lebte!

Er schloss die Augen, versuchte einen Hinweis auf ihren Aufenthaltsort zu erhalten. Doch sie wusste selbst nicht, wo sie sich befand. Trieb in einer Art Dämmerzustand dahin.

Frustriert stand er auf und holte seine Ausrüstung aus dem Gleiter. Dann machte er sich auf den Weg.
Während er durch den Sand ging, rasten seine Gedanken. Sie fror. Also konnte sie sich nicht in der offenen Wüste aufgehalten haben. Und das Heiligtum von Gol lag zu weit von den angegebenen Koordinaten entfernt.

Plötzlich fiel ihm etwas ein und neue Hoffnung keimte in ihm: Vor Jahren hatte er einmal gehört, dass es unter Teilen der Wüste
unterirdische Höhlensysteme gab, die in der kriegerischen Vergangenheit Vulkans als Unterschlupf für die Sandlords gedient hatten. Es hatte sich dabei um Vulkanier gehandelt, die psionische Techniken entwickelt hatte, die weit über das hinausgingen, was ein durchschnittlicher Vulkanier heute leisten konnte. 

Es existierten Geschichten, dass es ihnen möglich gewesen war, über große Distanzen hinweg mit ihrer Telepathie andere zu beeinflussen oder sogar zu töten. Die besten von ihnen sollten auch telekinetische Kräfte entwickelt haben. Doch das hielt Spock für eine Übertreibung.

Er holte seinen Tricorder hervor, den er aus irgend einem Grund von der Enterprise mitgebracht hatte, und scannte den Wüstenboden.
Neue Hoffnung keimte in ihm, als er einen verschütteten Eingang entdeckte.

~+*+~

Si'jsk lehnte sich zurück und starrte auf die Daten, die ihm seine Scanner präsentierten. Er rieb sich müde über die Augen und gönnte
sich einen kurzen Moment Ruhe.

Blight trat hinter ihn.
"Hast du was gefunden?"

Der Vulkanier nickte müde und hustete trocken. Blutiger Schaum erschien auf seinen Lippen. Unwillig wischte er ihn ab.

"Da, diese Energiewelle könnte ein Hinweis auf Girab sein."

Blight dachte nach. "Möglich. Das würde bedeuten, dass er einen weiteren Schritt in die Vergangenheit gemacht hat."

Si'jsk nickte. "Genau das befürchte ich auch." Er sah auf und suchte den Blick seines Freundes.

"Wenn wir ihn jetzt nicht einholen können, haben wir keine Chance mehr. Die Energie reicht nicht, um noch weiter zurückzugehen."

,Ganz abgesehen, von deinen Kräften', dachte Blight, doch er sprach es nicht laut aus. Sie wussten beide, dass Si'jsk nur noch einen
Zeitsprung würde initialisieren können. Dann würden seine physischen und psychischen Verletzungen so groß sein, dass er keine Chance mehr hätte.

"Kannst du den Aufenthaltsort lokalisieren?"
Si'jsk nahm einige Schaltungen vor, dann nickte er. "Vulkan. Offenbar versucht er es jetzt dort."

"Könnte er es schaffen?"

Der Vulkanier starrte ins Leere, als er alles was er über Girab wusste, in Gedanken auswertete.

"Wir wissen, dass es ihm irgendwann in dieser Zeitebene, in der er sich jetzt offenbar befindet, gelungen ist, die Föderation zu
spalten. Damit wurde der Grundstock für die politische Instabilität gelegt, die schließlich dazu führen wird, dass alles im Chaos
versinkt. Ich würde sagen: ja."

Beide Männer sahen sich an. Es gab ohnehin keinen Weg mehr zurück. Sie wussten es beide. Sie waren in der Vergangenheit gestrandet, ohne die Möglichkeit jemals wieder in ihre Zeit zurückzukehren. Im Grunde kam es auf einige Jahre mehr oder weniger auch nicht  mehr an.

Mit ruhiger Präzision gab Si'jsk die Kommandos in die automatische Steuerung des kleinen Schiffes ein.
Dann schloss er die Augen und konzentrierte sich. Er fühlte, wie sich sein Bewusstsein mit der Technik des Schiffes verband.

Blight beobachtete die Anzeigen. Dann, als er sah, dass Si'jsk bereit war, steuerte er das Schiff in die McMaster-Anomalie, die ihnen den Zugang zu den Zeitlinien öffnete.

Die Realität zerplatzte, zerriss in tausend Scherben. Farben wogten um sie herum. Durchdrangen ihre Körper mit tausend Klingen.
Si'jsk schrie. Er spürte, wie sich neue Wunden öffneten, konnte die Schmerzen kaum noch etragen, die durch seinen Körper rasten. Doch sein Verstand wußte, was er zu tun hatte. Mit eiserner Entschlossenheit steuerte er das Schiff weiter. Raste durch Zeit und
Raum. Seine Lungen schienen zu bersten, er rang mühsam nach Luft, wusste, dass es keine gab. Alarmsirenen schrillten, wiesen darauf hin, dass das Schiff auseinander zu brechen drohte.
Aber keiner von ihnen konnte sich bewegen, konnte irgendetwas tun.

Dann war alles vorbei.

Blight lehnte sich erschöpft zurück. Si'jsk keuchte, stöhnte heiser. Blut lief ihm aus der Nase, bildete einen grünen Fleck auf der
Uniform. Sie warteten, ruhten sich aus. Dann nahmen sie Kurs auf Vulkan.

~+*+~

McAllister erwachte plötzlich. Verwirrt sah sie sich um. Sie spürte, dass niemand in der Nähe war. Auch Spocks beruhigende Präsenz fehlte.

Mühsam versuchte sie sich zu erinnern.
Spock. Das Haus seiner Eltern. Sie war in der Nacht aufgewacht und hatte sich etwas zu trinken geholt. Dann war sie zu Spock
zurückgekehrt.

Schmerz pochte hinter ihrer Stirn, machte es ihr fast unmöglich, einen klaren Gedanken zu fassen. Übelkeit wogte in ihr empor und sie übergab sich.

Sie wusste, dass etwas geschehen war, doch ihr Verstand weigerte sich, ihr die Erinnerung daran zu präsentieren.  Mühsam stand sie
auf, stellte erstaunt fest, dass sie nicht gefesselt war.

Es war dunkel, sie konnte kaum die Hand vor Augen sehen. Doch sie spürte, dass sie sich in einem Raum aufhielt. Nein, kein Raum. Eine Höhle. Es war kühl und sie fragte sich unwillkürlich, ob sie noch immer auf Vulkan war.

Plötzlich näherte sich ein Lichtschimmer. Schritte wurden hörbar.
Sie kauerte sich in einer Ecke zusammen, wollte bereits das Messer aus ihrem Stiefel ziehen, als sie merkte, dass sie gar keine trug.
Sie hatte ihr Messer nicht bei sich.

~+*+~

T'Pring ging zielsicher durch die unterirdischen Kammern. Sie kannte das Höhlensystem, war schon oft hier gewesen.
Auf ihrer Stirn bildete sich eine steile Falte. Nun. Sie würde der menschlichen Hure zeigen, was es hieß, ihr etwas wegzunehmen.

Der Thariner begleitete sie. Er wirkte annähernd humanoid und doch auch wieder nicht. Sein Kopf ging ohne erkennbaren Übergan in den Rumpf über. Arme und Beine ähnelten eher Tentakeln und der Leib war länger und dünner als der eines Vulkaniers.
Sie spürte die Präsenz des Wesens in ihrem Inneren, hieß sie willkommen. Er lenkte sie, half ihr, sich an Spock zu rächen.
Ja, sie würde seine Geliebte töten. Und sie würde es auskosten, ihn für sich zu haben. Sie hatte genügend Drogen, um ihn gefügig zu
machen.

Sie trat in die Kammer, in die sie die Bewusstlose gebracht hatte. Die Steinplatte war leer, doch das bedeutete nichts. Sie konnte den
Raum nicht verlassen. Girab hatte eine mentale Blockade darumherum gelegt.

McAllister sah sie kommen. Und das Wesen, das sie begleitete. Angewidert wich sie zurück. Sie hatte noch nie etwas ähnlich
widerliches gesehen.

"Angst?"

T'Pring lachte hohl. "Sie haben auch allen Grund dazu."
Sie trat auf die menschliche Frau zu, blieb dicht vor ihr stehen.

McAllister stand auf. Wut begann sich in ihr zu regen, weckte ihr Temperament.
"Was wollen Sie von mir?"

"Was ich will? Sie wissen es. Spock. Er gehört mir. Er hat mir schon immer gehört. Zuerst hat Starfleet ihn mir gestohlen. Dann als das Pon farr ihn zu mir zurücktrieb, war es Kirk gewesen, der ihn mir wieder weg nahm. Später dann, waren es erneut die Menschen, die ihn wieder in den Weltraum holten. Die verhinderten, dass Vulkan aus der Föderation ausschied. Er wäre damals gezwungen gewesen, auf Vulkan zu bleiben. Er hätte mir gehört. Mir. Mir allein. Und jetzt sind Sie gekommen, haben ihn mir erneut genommen."

Sie hatte immer lauter gesprochen, gestikulierte wild vor McAllister.
"Doch diesmal hole ich ihn mir zurück. Und ich werde ihm deine Leiche präsentieren."

Damit gab sie McAllister einen deutlichen Hinweis, was sie vorhatte. Doch sie erschreckte sie nicht länger. Sie hatte erkannt, dass die
Vulkanierin offenbar wahnsinnig war. Sie war völlig unberechenbar, gefährlich in ihrem Wahn.
McAllister wußte nun, woran sie war. Kalte Entschlossenheit machte sich in ihr breit.

Ihre Wut war geweckt und die Erinnerung an Spock gab ihrem Temperament zusätzliche Kraft.
Sie stürzte sich auf die Vulkanierin, packte ihre Kehle.T'Pring keuchte erschrocken auf. Sie hatte die Kraft der menschlichen
Frau unterschätzt. Doch bevor es McAllister gelang, ihr das Genick zu brechen, griff der Thariner ein.

Er drängte die beiden Frauen auseinander. Nutzte seine telepatischen Kräfte, um beide zu lähmen. Dann sandte er eine Warnung in das
Bewusstsein der Vulkanierin. Er brauchte die menschliche Frau noch, hatte andere Ziele mit ihr.

T'Pring fügte sich und ließ von McAllister ab. Gut, dann würde sie
eben zugegen sein, wenn sie ihre Rache an Spock auskostete. Sie
fühlte das Brennen des Pon farr in sich. Oh ja. Sie würde es
genießen, wenn seine menschliche Geliebte ihnen zusehen musste.

McAllister spürte überdeutlich die Gedanken der Vulkanierin. Es schien, als hätte die Bindung mit Spock ihre Wahrnehmung geschärft.
Sie verstand nicht ganz, was sie plante, doch sie gewann einen ungefähren Eindruck.

Auf jeden Fall war sie gewarnt.

~+*+~

Die beiden ließen sie allein und McAllister versuchte sich zu entspannen. Doch plötzlich hörte sie Kampfgeräusche. Sie wurden durch
die langen Gänge bis zu ihr getragen. Sie lauschte angestrengt. Versuchte nur aus dem gehörten zu rekonstruieren, was geschah.
Verzweifelt zerrte sie an den Fesseln, die T'Pring ihr angelegt hatte. Doch sie bestanden aus einem Gewebe, dass sich bei ihren heftigen Bewegungen nur noch enger um ihre Gelenke zog.

Schritte kamen näher.

McAllister kniff die Augen zusammen, hoffte so, in der Dunkelheit besser sehen zu können.

T'Pring kam herein. Sie ging rückwärts, hatte einen Bewusstlosen unter den Armen gepackt und zog ihn hinter sich her. Sie trat bis vor einen niedrigen Steinaltar und hob ihn dann darauf. McAllister erstarrte, als sie Spock erkannte. Er blutete aus einer Platzwunde an
der Stirn.

Die Vulkanierin lachte zynisch. Sie holte einen Injektor aus einer Tasche ihres Umhangs uns lud ihn mit einer kleinen Phiole.

"Dies, Spock, wird dich lehren, dich nicht gegen mich zu stellen."
Sie drückte den Injektor gegen seinen Arm und er entlud sich zischend. Spock bäumte sich auf. Er versuchte sich, halb bewusstlos
wie er war, aufzurichten und T'Pring beiseite zu stoßen, als sie erneut den Injektor lud und ihm ein zweite Dosis verabreichte.

"Was tun Sie da? Hören Sie auf damit!"
McAllister schäumte vor Wut. Sie kämpfte gegen ihre Fesseln. Durch die mentale Brücke konnte sie spüren, wie Spock zu fiebern begann. Sein Körper wand sich, wurde von Krämpfen geschüttelt. Er stöhnte. Offenbar wusste er genau, was ihm T'Pring verabreicht hatte.

Die Vulkanierin trat vor McAllister. Dann bückte sie sich und riss einen Fetzen Stoff aus deren Kleidung heraus. Sie knüllte ihn
zusammen und zwang sie dann grob, den Mund zu öffnen. McAllister versuchte den Knebel mit der Zunge abzuwehren, doch sie konnte der Kraft der Vulkanierin nichts entgegensetzen. Mit einer weiteren Fessel wurde der Knebel fixiert. McAllister keuchte und trat mit den Füßen nach der Vulkanierin. Doch T'Pring stand außerhalb ihrer Reichweite.

"Sie wollen also wirklich wissen, was ich Spock gegeben habe? Eine Droge, meine Süße. Eine Droge, die den vulkanischen Paarungstrieb, das Pon farr, auslösen wird. Er wird in diesem Rauschzustand mit jeder Frau schlafen, die in seine Nähe kommt. Und das werden nicht Sie sein!"

Sie deutete mit dem Finger auf McAllister als wollte sie sie aufspießen.
"Nein. Ich werde es sein. Er hat sich mir schon einmal entzogen, doch diesmal bekomme ich, was mir zusteht."
Sie lachte irr und drehte sich wieder zu Spock um. Dann legte sie auch ihm Fesseln an, so dass er lang ausgestreckt auf dem kalten
Stein lag. Er konnte sich nicht bewegen.

McAllister stöhnte auf, als sie durch die Bindung hindurch spürte, wie Spocks Körper auf die Droge zu reagieren begann. Er brannte. Jede Faser seines Köpers schien in Flammen zu stehen. Er kämpfte dagegen an, versuchte mit Hilfe der Logik und der Rationalität die Glut des Pon farr zurückzudrängen. Und für einen kurzen Moment gelang es ihm.

Spock drehte so weit er konnte den Kopf. Aus den Augenwinkeln sah er McAllister, die durch ihre Fesseln am Boden gehalten wurde und nicht aufstehen konnte. Wut auf T'Pring quoll in ihm empor, versengte seine Nerven. Er konnte nicht verhindern, dass Laura zusehen musste, doch er konnte es vermeiden, dass sie auch fühlen musste, was T'Pring mit ihm tun wollte.

Entschlossen löste er die mentale Bindung, stieß McAllister fast grob aus seinem Bewusstsein. Sie wimmerte, verstand nicht, weshalb er es tat. Aber es blieb ihm keine Zeit, es zu erklären.

Leere blieb in ihm zurück und erdrückte ihn. Dann fühlte er, wie erneut das Pon farr nach ihm griff. Er wich zurück, ließ sich in eine
Schwärze fallen, die ihn gnädig umhüllte.

~+*+~
Wird in Teil 3 fortgesetzt.