Hallo zusammen!

Ich hab' mal in meinen alten Dateien gestöbert und bin dabei auf diese Geschichte gestoßen. Sie stammt noch aus meiner "Vor-K/S-
Zeit". Aber ich dachte, ich schicke sie euch trotzdem mal.

 Lasst hören (lesen ;-) ), was ihr darüber denkt.

Bis dann, T'Sihek



Titel: In den Katakomben
Teil: 1/3
Autor: T'Sihek
Serie: TOS
Paarung: S/f
Rating: AU, PG-13
Zusammenfassung: Spock macht mit seiner Bindungspartnerin einen Besuch auf Vulkan. Dort begegnet ihnen T'Pring und sie führt nichts Gutes im Schilde.
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Archiv: Für private Zwecke jederzeit.
Disclaimer: Spock und Kirk gehören Paramount/Viacom. Der Rest gehört mir und ich beabsichtige nicht, einen Gewinn daraus zu erzielen - außer Spaß zu haben. Wer unter 18 ist oder homoerotische Erzählungen nicht mag, sollte bitte nicht weiterlesen.




In den Katakomben, Teil 1


Spock steuerte den Bodenwagen mit ruhiger Gelassenheit durch den dichten Verkehr. Sie sah sich staunend um. Vulkan war ganz anders, als sie es erwartet hatte. Schweigend folgten sie einer Straße, die quer durch die Wüste zu führen schien. Überall waren goldbraune Sanddünen zu erkennen. Ein weiter, rötlicher Himmel spannte sich darüber. Sie sah keine Vögel, oder andere Tiere. Dennoch wirkte die Landschaft nicht leblos.

Spock deutete auf einige Gebäude, die am Horizont sichtbar wurden. "Dort vor uns liegt Shanai-Khar. Wir sind bald am Ziel."

Sie nickte und versuchte in der flimmernden Hitze etwas zu erkennen. Vor einigen Stunden hatte die Enterprise an einer der Raumdocks im Orbit um den Planeten angedockt. Sie nahm Vorräte auf und einige kleinere Reparaturen sollten durchgeführt werden.

Spock hatte die Gelegenheit genutzt und für sie beide Landurlaub beantragt. Sie sollte seine Heimatstadt und seine Eltern kennen lernen. Doch vorher wollte er, um einem Vorwurf seines Vaters zu entgehen wie er ihr anvertraut hatte, sein  Landgut in der Nähe von Shanai-Khar inspizieren. Er hatte, als er sich für Starfleet entschied, einen Verwalter eingesetzt. Er stand mit diesem zwar häufig in Kontakt, doch es entsprach den Traditionen, dass er selbst nach dem Rechten sah.

Es dauerte wirklich nicht lange, bis er den Wagen durch eine parkähnliche Anlage steuerte, die, wie sie inzwischen wusste, alle vulkanischen Städte und Siedlungen umgab. Durch den breiten Saum aus Bäumen, Büschen und anderen Pflanzen wurde das heiße trockene Wüstenklima von den bewohnten Gebieten ferngehalten und das Stadtklima erträglicher gemacht. Sie hatte sofort verstanden, was er damit meinte, als sie vor einigen Stunden die klimatisierten Räume des Raumhafens verlassen hatten und in die bereits für ihren
Geschmack reichlich heiße Frühlingssonne getreten waren.

Sie war froh, dass sie seinem Rat gefolgt war, und eine typische vulkanische Robe trug: Ein weiter Umhang aus einem hellen fließenden Stoff, der ihr bis zu den Knöcheln reichte und leichte Sandalen. Er trug eine ähnliche Kombination, nur dass sein Oberteil kürzer war und er eine schmale Hose aus dem gleichen Material trug.

Er parkte den Wagen vor einem breiten Tor. Schweigend stiegen sie aus. Er gab einen Code in die Komtafel des Tores ein und es öffnete sich lautlos. Staunend folgte sie ihm durch einen blühenden Garten zu einem relativ großen Gebäude. 

Der Stil entsprach den auf Vulkan üblichen Normen: Schlicht und schmucklos, aber dennoch von einer unterschwelligen Eleganz. Sie
zählte drei Stockwerke und erinnerte sich daran, dass normalerweise nur zwei üblich waren.

Als sie näher kamen öffnete sich die Tür und ein großer Vulkanier trat ihnen entgegen. Sie stellte fest, dass er völlig anders wirkte
als Spock. Er  war nicht weniger attraktiv, doch fehlte ihm die Eleganz, die Spock ausstrahlte. Die von der starken vulkanischen Sonne gebräunte Haut und die kräftig ausgeprägten Muskeln verrieten ihr, dass er offenbar harte körperliche Arbeit gewohnt war.

Er hob die Hand zum vulkanischen Gruß. "Glück und langes Leben, Spock."

"Glück und langes Leben auch dir, Salet." Er deutete auf McAllister. "Dies ist meine Gefährtin Laura McAllister."

Salet musterte sie aus dunklen Augen, doch er gab nicht zu erkennen, was er dachte, grüßte nur ebenso förmlich.

Sie traten in eine überrschend kühle Eingangshalle. Mehrere Türen gingen davon ab und eine geschwungenen Treppe führte nach oben. Spock ging zielstrebig auf eine der Türen zu und betrat den dahinterliegenden Raum. Salet wandte sich ab und verschwand durch eine andere Tür.

McAllister blieb etwas unschlüssig stehen, dann folgte sie Spock. Der Raum wurde offensichtlich als Arbeitszimmer genutzt. Mehrere
Computerkonsolen nahmen eine Seite des Raumes ein.  Schränke und Regale voller Datenkassetten und Unterlagen füllten die anderen
Wände. Spock hatte sich an einer der Konsolen niedergelassen und öffnete eben mehrere Dateien. Vulkanische Schriftzeichen erschienen auf dem Schirm. McAllister warf einen Blick darauf, doch der Sinn blieb ihr verborgen. Durch die mentale Bindung konnte sie jedoch spüren, dass Spock angenehm überrascht war.

Er hob eine Braue, dann deaktivierte er die Konsole.
"Entschuldige mein Verschwinden. Ich wollte nur so schnell wie möglich wissen, wie sich die letzten Versuche mit einer speziellen
Getreidesorte ausgewirkt haben."

Sie lächelte ihn an. "Ich glaube, ich werde dich niemals völlig kennen lernen, Spock. An manchen Tagen glaube ich, beinhahe alles von
dir zu wissen, und dann steht wieder ein völlig Fremder vor mir. Du reagierst fast wie ein Kind, dass es nicht abwarten kann, bis der
Weihnachtsmann kommt."

"Es gibt auf Vulkan keinen Weihnachtsmann."

Sie lächelte ihn an. "Ich weiß."

Er trat auf sie zu und küsste sie zart. Sie genoss es, wenn er seine übliche Zurückhaltung, die er in Gegenwart dritter ihr gegenüber an
den Tag legte, aufgab. Dann wich er zurück und sah zur Tür.

Salet trat ein. Er trug ein Tablett mit mehreren Gläsern und einem Teller voller Obst.

Spock nahm eines der Getränke und reichte es ihr, wählte für sich selbst dann ein anderes Glas.

Sie roch neugierig daran. Ein fruchtiger Duft stieg ihr in die Nase. Vorsichtig probierte sie, nahm dann eine größeren Schluck.
"Was ist das?"

"Der Saft einer Kakteenfrucht."
Er musterte sie kurz. "Meine Mutter meint, es sei einer der wenigen Säfte, die für sie als Mensch genießbar wären, weil er deutlich
weniger Säure enthält als andere Früchte."

Sie nickte. "Ich kenne die anderen Säfte nicht, aber dieser hier schmeckt himmlisch."

Das Aroma lag irgendwo zwischen Erdbeeren, Ananas und Gurken. Es prickelte leicht auf der Zunge und löschte auf angenehme Weise den Durst.

Spock wandte sich an Salet und begann sich auf vulkanisch mit ihm zu unterhalten. Eine Weile lauschte sie den gutturalen Worten. Durch die mentale Brücke wusste sie, dass es um die Feldfrüchte ging, die Salet auf Spocks Anweisung hin anbaute. Doch sie verstand keine einzelnen Worte, obwohl sie angefangen hatte, einen für Menschen einfacheren Dialekt zu erlernen.  Dafür sprachen die beiden Männer viel zu schnell.

Sie wandte sich ab und sah aus einem der großen Fenster. Weite Felder erstreckten sich rings um das Haus, soweit sie sehen konnte. Anhand der unterschiedlichen Farben der Pflanzen konnte sie ein gutes Dutzend Feldfrüchte unterscheiden. Mehrere Obstbäume beschatteten einen, in der Nähe eines Brunnens angelegte Sitzplatz. Ein mit farbenprächtigen Blumen gesäumter Weg führte vom Haus direkt darauf zu.

Alles war sauber und ordentlich, präsentierte sich im gleißenden Sonnenlicht mit der für Vulkan typischen Effizienz.

Salet war gegangen und Spock trat hinter sie, legte die Hand auf ihren Rücken. "Möchtes du dir den Garten ansehen? Ich habe entschieden, dass wir bis zur Abenddämmerung warten, um die Felder zu besichtigen. Dann kannst du uns begleiten. Die Hitze jetzt wäre zu viel für dich."

Sie nickte. "Gern. Von hier aus sieht es wunderbar aus."

Er führte sie durch das Haus in einen gemütlichen Wohnraum. Auch hier herrschte die vulkanische Schlichtheit vor, doch sie konnte spüren, dass Spock die Räume selbst eingerichtet hatte. Als sie eine entsprechende Bemerkung an ihn richtete, bestätigte er ihre
Vermutung.


Dann traten sie in einen kühlen Hinterhof. Er pflückte eine Frucht von einem niedrigen Baum und reichte sie ihr.

"Eine Shakira-Birne. Eine Kreuzung einer irdischen mit einer vulkanischen Frucht."

Sie biss hinein und schmeckte ein intensives Birnenaroma. "Ich glaube inzwischen, auf Vulkan ist alles ein wenig intensiver." Sie lachte
ihn schelmisch an und ließ ihn durch ihre Gedanken wissen, dass sie sich auch auf ihre zärtlichen Nächte bezog.

Er hob lediglich eine Braue und sah sie warm an. Dann führte er sie durch einen wunderbaren Garten.  Beete mit Gemüse und Blumen
wechselten sich in einem komplizierten Muster ab. Schnurgerade Wege führten hindurch und gliederten die Anlage. Dennoch wirkte es nicht nüchtern. Im Gegenteil: Der Garten strahlte eine Lebendigkeit aus, die sich auch auf die Vulkanier auszuwirken schien, die darin arbeiteten. Eine Atmosphäre der Ruhe und Gelassenheit lag über allem. Einige Frauen, die mit einer Gartenarbeit beschäftigt waren, die sie nicht identifizieren konnte, hoben grüßend die Hand, als Spock mit ihr vorbeiging. Er blieb stehen und wechselte einige Worte mit ihnen. McAllister beobachtete die Szene. Sie stellte fest, dass Spock großer Respekt entgegengebracht wurde.

Schließlich erreichten sie jene Sitzgruppe, die sie vom Haus aus gesehen hatte. Sie sah zurück und bemerkte mehrere Gebäude, die ihr
bisher nicht aufgefallen waren. Es schien sich um weitere Wohnhäuser und  mehrer Lagerhäuser zu handeln.

Er war ihrem Blick gefolgt.
"Die Arbeiter wohnen auf dem Gut. Manche schon seit mehreren Generationen."
Er wies auf einige Kinder, die in der Nähe der Häuser mit einem Spiel beschäftigt waren.

McAllister tauchte die Hand in das kühle Wasser des Brunnens, spielte damit.
"Dann ist dieses Landgut schon lange im Besitz deiner Familie?"

"Einen Teil davon habe ich von meinem Onkel geerbt, als er starb. Ich habe dann später noch einige Ländereien dazugekauft, um eine größere Anbaufläche zu erhalten."

"Du erstaunst mich immer wieder."
Er zuckte nur mit den Achseln und nahm sich eine Frucht aus einer Schale, die offenbar von einem seiner Angestellten bereitgestellt
worden war. Auf einem Tablett waren belegte Brotscheiben angerichtet worden. Zwei Kannen mit Wasser und Gläser standen daneben.

"Setzt dich und iss etwas. Wir haben den ganzen Nachmittag Zeit."
Sie folgte seinem Rat. Erstaunt stellte sie fest, das das vulkanische Essen ihr sehr gut schmeckte. Die einzelnen Aromen waren intensiver und fremdartiger, als sie es vermutet hatte. Es gab nur wenig, dass ihr nicht schmeckte.

Spock beobachtete sie, während er aß. Vulkan war ein einziges Wunder für sie. Erneut erinnerte er sich daran, dass sie nie die Erde
verlassen hatte, bevor sie zur Flotte ging. Sie hatte sich zwar eingehend mit seiner Kultur beschäftigt, doch noch immer waren ihr viele der alltäglichen Gebräuche fremd.

Allerdings verstand sie es, die Partnerbindung zu nutzen, um ihn unauffällig um Rat zu fragen. Sie lernte schnell sich in die vulkanischen Bräuche zu fügen, gab dabei jedoch ihre menschlichen Eigenarten nicht auf, wie er es schon bei vielen Menschen erlebt
hatte, die auf Vulkan lebten. Sie versuchten, so zu werden wie Vulkanier, doch dabei verloren sie ihre Individualität, wurden zu leblosen Kopien ihrer Selbst.

Nicht zum ersten Mal fragte er sich, was seine Eltern zu seiner Wahl sagen würden. Amanda würde von ihr begeistert sein, da war er sich sicher. Doch sein Vater... Laura entsprach in nichts den Normen, die er bei der Wahl T'Prings angelegt hatte. Abgesehen von ihrer Schönheit und ihrer Intelligenz.
Doch im Augenblick spielte es auch keine Rolle. Er betrachtete sie versonnen.

Als es Abend wurde und sich die grelle Sonne Vulkans dem Horizont näherte brachen sie zu Fuß auf. McAllister war dankbar für Spocks Entscheidung. Es war merklich kühler, auch wenn es für ihre Begriffe immer noch sehr warm war. Staunend begriff sie die Umsicht, mit der Spock sein Gut führen ließ. Er war über alle Vorgänge informiert, kannte sich mit allen angewandten Anbaumethoden aus. Während sie dem Gespräch der Männer lauschte, gewann sie den Eindruck, dass sich Salet und Spock sehr gut verstanden. Salets Gefährtin, eine schlanke relativ kleine Vulkanierin begleitete sie. Sie machte sie in gebrochenem Federation auf einige Windsegler aufmerksam, die in der Dämmerung über der nahen Wüste schwebten.

Spock hatte die Tiere ebenfalls bemerkt. "Windsegler. Sie sind recht selten. Wusstest du, dass sie so zart sind, dass sie sterben, wenn sie jemals den Boden berühren?"

McAllister beobachtete die Tiere. Sie ähnelten irdischen Schmetterlingen, waren jedoch etwa so groß wie Tauben. Vulkan schien
eine Welt voller Gegensätze zu sein. Die drehte sich um, als sie ein kratzendes Geräusch hinter sich hörte. Erschrocken wich sie zurück und unterdrückte gerade noch einen Aufschrei.

Hinter ihnen war ein Tier erschienen, dass entfernt einem Teddybären glich. Allerdings hatte es lange Reißzähne und war so groß wie ein Erwachsener. Erst auf den zweiten Blick sah sie die beiden Kinder, die auf dem Rücken des Tieres ritten.

Spock hob amüsiert eine Braue.
"Ein Sehlat. Sie sind im allgemeinen recht zahme Haustiere und Kindern gegenüber lammfromm. Du darfst lediglich den Kindern nicht zu nahe kommen. Ein Sehlat verteidigt seinen Herrn bis zum Tod."

McAllister atmete tief durch und warf ihm einen schiefen Blick zu. "Muß ich mich noch auf mehr solcher Überraschungen gefasst
machen?"

"Vielleicht. Da ich  nicht sicher weiß, wie viel du über Vulkan inzwischen gelernt hast."
Sie seufzte leise. "Dann werde ich es vorziehen, in deiner unmittelbaren Nähe zu bleiben."

Er nickte. "Halte dich auf jeden Fall von den Wüsten fern. Dort gibt es Raubtiere, denen du nicht gewachsen bist."

"Können sie nicht in die Städte gelangen?"
Sie sah sich unsicher um, so als ob an der nächsten Wegbiegung eines der Raubtiere plötzlich auftauchen könnte.

"Nein. Ein elektromagnetischer Schutzwall umgibt jede Siedlung. Sie liegt verborgen in den Gärten, die die Siedlungen umgeben. Du kannst völlig beruhigt sein."
Sie sah ihn etwas zweifelnd an, nickte dann aber. 

~+*+~

Am nächsten Morgen brachen sie nach Shi-Khar auf.
Laura war neugierig auf seine Heimatstadt. Sie wusste, dass es sich um eine der größten Metropolen Vulkans handelte und erwartete eigentlich einen ähnlichen Tumult wie sie es von den großen Städten der Erde kannte. Um so mehr war sie überrascht, als sie die gelassen Ruhe der Stadt erlebte.

Spock hatte auch diesmal seinen Wagen außerhalb der Stadt abgestellt und sie gingen in gemächlichem Tempo zu seinem Elternhaus. Es lag am Rand der Stadt, die sich am Fuß des Llangon-Gebirges erstreckte.

McAllister sah sich staunend um, als sie durch die breiten Straßen gingen. Es handelte sich durchweg um schattige Alleen und sie sah
keines der Bodenfahrzeuge, wie sie sie außerhalb der Städte zu hunderten gesehen hatte. Alle Vulkanier gingen zu Fuß, zeigten dabei
keine besondere Eile.

Das Haus lag an einem sanften Hang, der einen weiten Blick über die Stadt und die sich dahinter ausbreitende Wüste ermöglichte.
Als sie sich dem Tor näherten - alle vulkanischen Häuser waren von relativ hohen Mauern umgeben - schwang es geräuschlos auf. Offenbar hatte man sie schon bemerkt.

Der Garten war kleiner als der des Gutes und erinnerte McAllister an irdische Gärten. Eine breite Rosenrabatte säumte den Weg zum Haus. Sie blieb stehen um an einer der Blüten zu riechen.
Spock beobachtete sie. Seine Mimik änderte sich nicht, dennoch wusste sie, dass er lächelte.

Eine ältere, zierliche Frau trat aus dem Haus und kam ihnen mit ausgestreckter Hand entgegen.
"Spock, wie ich mich freue, dich endlich einmal wieder zu sehen."
Sie trat auf ihn zu und berührte kurz seine Wange. Sie war deutlich kleiner als er, reichte ihm nur bis zur Schulter.

Dann drehte sie sich zu McAllister um. "Sie müssen Laura sein.
Herzlich Willkommen."Spocks Mutter trat auf die jüngere Frau zu und reichte ihr die Hand.

McAllister mochte sie auf anhieb. Ihre warme Herzlichkeit verblüffte sie. Eigentlich hatte sie eine ruhige, reservierte Frau erwartet.

Amanda führte sie ins Haus und bot ihnen Getränke an. McAllister sah sich unauffällig um, bemerkte sofort, dass viele der Möbel und Einrichtungsgegenstände von der Erde stammten. Dann sah sie eine Hologrammaufnahme, die den jungen Spock mit seinen Eltern zeigte. Interessiert betrachtete sie das Bild.

"Wo ist Sarek?"

"Dein Vater wird erst  im Lauf des morgigen Tages eintreffen. Er befindet sich derzeit in den Versammlungshallen des Rates der Zwölf.
Offenbar wird eine wichtige Debatte geführt, die er sich nicht entgehen lassen will."

Sie sprach in einem relativ leisen, singenden Tonfall. McAllister betrachtete Spock und wurde sich erst jetzt wirklich bewusst, dass er
zur Hälfte ein Mensch war.

"Kommt, ich habe eine leichte Malzeit vorbereitet. Ihr müsst hungrig sein."

Spock hob eine Braue. "Offenbar glaubst du immer noch, ich müsste an Bord der Enterprise hungern."

Sie lächelte schelmisch und zuckte mit den Schultern. Dann ging sie voran.

McAllister und Spock waren tatsächlich hungrig und ließen es sich schmecken. Spock beobachtete die beiden Frauen, die sich angeregt unterhielten. Schon nach wenigen Minuten stellten sie fest, dass sei beide aus Boston stammten.

"Weshalb hast du mir das nicht vorher gesagt, Spock", rügte ihn seine Mutter freundlich.

"Weil ich es selbst nicht wusste."

Sie hob eine Braue, parodierte ihn damit auf liebevolle Weise. "Was weißt du überhaupt von deiner Braut?"

Er sah McAllister an, versank in ihren Augen. "Genug."

Amanda betrachtete das Paar. Sie freute sich, dass Spock endlich eine Frau gefunden hatte, die ihm etwas bedeutete. Er würde nicht länger allein sein.

Nach dem Essen entschuldigte er sich und zog sich zurück um zu meditieren.

Seine Mutter sah ihm lächelnd nach.
"Selbst in diesen einfachen Angewohnheiten folgt er nicht dem Beispiel seines Vaters. Sarek pflegt immer vor dem Essen zu
meditieren. Das war für beide immer eine gute Gelegenheit sich aus dem Weg zu gehen."

Sie führte Amanda in den Garten, wo sie sich im Schatten eines palmenartigen Baumes niederließen.

"Spock hat mir wenig über Sie berichtet, Laura.  Eigentlich weiß ich nur, dass Sie Wissenschaftlerin sind. Bitte erzählen Sie mir von
sich. Wie haben Sie sich kennen gelernt?"

Sie lächelte die ältere Frau an. "Nun ja. Zum ersten Mal bin ich Spock als Studentin an der Akademie begegnet. Er gab einen Vortrag
über Raumanomalien. Ich kann mich allerdings nur noch an den Titel erinnern, was er sagte, weiß ich nicht mehr."

Amanda lachte leise, verstand, was sie andeutete.

"Einige Jahre später, nach meinem Examen, wurde ich auf seine direkte Anfrage hin zur Enterprise beordert. Wie er allerdings auf mich aufmerksam wurde, weiß ich nicht. Im Lauf der täglichen Arbeit auf dem Schiff sind wir uns dann näher gekommen. Derzeit bildet er mich zu seinem Adjutanten auf dem Schiff aus, damit ich ihn vertreten kann, wenn er mit dem Captain das Schiff verlässt."

Amanda sah sie prüfend an. "Lieben Sie ihn?"

Laura war über die direkte Frage nicht überrascht. "Mehr als alles andere. Er fasziniert mich. An manchen Tagen glaube ich ihn zu
kennen, und dann offenbart er eine Seite seines Wesens, die ich bisher nicht kannte. Und das, obwohl ich durch die mentale Bindung
sehr viel mehr von ihm wahrnehmen kann, als andere."

Spocks Mutter nickte und lächelte. "Ich weiß, was sie meinen. Mir ergeht es mit Sarek noch heute so. Und das nach so vielen Jahren.

"Sie schwiegen, betrachteten die Rosen, die sich sanft im warmen Wind wiegten.

Dann wandte sich Amanda erneut an sie. "Jetzt weiß ich aber noch immer nichts über Sie."

Laura lachte. Sie mochte die andere Frau mit jeder Minute mehr. "Also: ich wurde als zweites von vier Geschwistern in Boston geboren. Meine Eltern waren Wissenschaftler - Biologen um genau zu sein. Ich hatte eine völlig normale Kindheit und Jugend. Allerdings sorgten meine drei Brüder immer wieder für Aufregung: einer züchtete Riesenschlangen, der zweite stellte nichts als Unsinn an und der dritte versuchte ständig, die beiden anderen zu übertrumpfen. Nach meiner Schulausbildung begann ich ein Studium an der Boston-Universität. Doch schon nach einem Semester merkte ich, dass es mir zu langweilig war. Also bewarb ich mich für Starfleet. Und da bin ich nun."

Amanda nickte. "Da sie so offen waren, werde ich Ihnen etwas über Spock erzählen."

Sie schwieg einen Moment. "Spock hatte es als Kind zweier Völker nicht leicht. Es fiel ihm schwer, sich mit dem strengen
Verhaltenskodex der Vulkanier zu arrangieren. Sarek half  ihm dabei nicht unbedingt. Er verlangte viel von ihm, tut es heute noch. Das
ist auch der Grund, weshalb es zwischen beiden immer wieder zu Spannungen kommt. Nach seiner Entscheidung gegen den Willen seines Vaters, der eine diplomatische Laufbahn für ihn vorgesehen hatte, die Starfleet-Akademie zu besuchen, sprachen beide achtzehn Jahre lang kein Wort miteinander. Ich glaube, es war für Spock eine schwere Zeit. Inzwischen akzeptiert Sarek zähneknischend Spocks Entscheidung. Die Tatsache, dass sein Sohn sehr erfolgreich ist und immer wieder als Beispiel erwähnt wird, besänftigt ihn ein wenig. Dennoch versucht er ständig ihn zu maßregeln, wenn er her kommt. Spock war schon immer sehr stur und dickköpfig. Und manchmal habe ich den Verdacht, dass er sich aus purem Trotz gegen seinen Vater wehrt. Erschrecken Sie also nicht, wenn es zwischen den beiden zum einen oder andere Wortgefecht kommt."

McAllister nickte. "Spock hat bereits so etwas ähnliches angedeutet."

Schritte erklangen, und Spock gesellte sich zu den beiden Frauen. Er wirkte ausgeruht und entspannt. Er blieb in der Sonne stehen und
genoss sichtlich die sengende Hitze auf der Haut.

"Weißt du, worum es in der Debatte geht, Mutter?"

Amanda schüttelte den Kopf. "Nein. Nicht genau. Sarek hat nur angedeutet, dass es wieder einmal um einen möglichen Austritt Vulkans aus der Föderation geht."

Spocks Augenbrauen ruckten in die Höhe. "Schon wieder?" Amanda nickte sichtlich bedrückt.

Spock schwieg einen Moment, legte die Hände auf den Rücken. "Hat etwa T'Pring schon wieder die Hände im Spiel?"

"Ich weiß es wirklich nicht, Spock. Frage sie, wenn du an ihre Beteiligung glaubst."

Spock  verzog unwillig die Mine. "Ich ziehe es vor, ihr nicht noch einmal zu begegnen."

McAllister sah fragend von einem zum anderen.

"Wovon sprecht Ihr?"

"T'Pring war meine Verlobte bis vor einigen Jahren. Wir wurden bereits als Kinder verbunden, doch ich... zog es vor die Verlobung zu
lösen. Sie nimmt es mir übel und versucht immer wieder, mir das Leben schwer zu machen. Zudem liebt sie es, politische Intrigen
anzuzetteln. Es wäre nicht das erst Mal, dass sie versucht eine Abspaltung Vulkans von der Föderation zu erreichen."

Er schwieg nachdenklich. Ein Muskel zuckte in seiner Wange.
McAllister konnte es kaum fassen. Eine Abspaltung Vulkans: es würde die gesamte Föderation erschüttern. Vulkan war eines der
Gründungsmitglieder und bildete zusammen mit der Erde der Grundstock der Föderation.

"Wir werden abwarten müssen, bis Sarek nach Hause kommt. Er weiß sicherlich mehr."

Amanda stand auf. "Bitte entschuldigt mich. Die Hitze ermüdet mich. Ich werde mich ein wenig ausruhen."

Sie ging ins Haus und betrat das kühle Schlafzimmer. Unwillkürlich warf sie einen Bick aus dem Fenster. Spock und Laura unterhielten sich, standen nah beieinander. Sie lächelte, als sie sah, wie Spock die junge Frau an sich zog und küsste.

~+*+~


Wird in Teil 2 fortgesetzt.