Titel: Ancient History
Autor: Lady Charena
Fandom: Forever Knight
Episode: 2.06 Faithful followers
Prompt: # 018. True (100 Situations)
Charaktere: LaCroix, Nicholas
Pairing: --
Rating: pg-12, gen, oneshot
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: LaCroix lässt Nicholas‘ Bemerkung nicht einfach so im Raum stehen. („Missing Scene“)

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“You can learn from them, even if it is a very simple truth… that once you have given them everything, you are nothing.” Nicholas 2.06





“Du bist nicht ‚Nichts’, mon cher Nicholas”, ertönte es über ihm, kaum dass sich die Tür hinter Natalie geschlossen hatte.

Er hatte gelernt, nicht überrascht zu sein, dass LaCroix einfach so im Loft auftauchte. Es mochte ihm nicht gefallen, doch ebenso wenig konnte er der Sonne verbieten, auf zu gehen. Er hatte ebenso gelernt, zu akzeptieren, dass er vor dem alten Vampir keine Geheimnisse hatte; dass LaCroix wusste was er sagte, tat, dachte, träumte.

So wunderte er sich auch jetzt nicht, dass LaCroix wusste, was er vor ein paar Momenten zu Natalie gesagt hatte; seine Gedanken gefangen in Erinnerungen an ein anderes Leben ferner Vergangenheit.

Was ihn jedoch erstaunte, war die kalte Wut in LaCroix’ sonst so leidenschaftsloser Stimme.

Nicholas stellte vorsichtig die antike Statue zurück an ihren Platz und sah nach oben, wo LaCroix an der Balustrade lehnte, die Ellbogen auf die Brüstung gestützt, die Hände fast wie zu einem Gebet aneinander gelegt.

“Was kann ich für dich tun?”, fragte er, nicht sonderlich freundlich. Er war müde, die zwei Wochen Undercover-Arbeit in der Sekte - nie wirklich alleine, nie wirklich unbeobachtet, was ständige Wachsamkeit von seiner Seite erforderte - und die unerfreuliche Rückkehr seiner Gedanken in eine andere Zeit und an einen anderen Ort, hatten seine Geduld für LaCroix’ Manipulationsversuche und Spielchen dünn werden lassen.

LaCroix schwang sich über die Brüstung und landete so dicht vor ihm, dass er überrascht einen Schritt zurückwich.

Die Ohrfeige traf Nicholas völlig unvorbereitet und so hart, dass sein Kopf zur Seite geschleudert wurde und er einen Schritt zurücktaumelte. “Was soll…?”

LaCroix packte ihn am Nacken und schüttelte ihn wie einen Welpen, der auf den Teppich gemacht hatte. “Du undankbares Balg. Nie wieder höre ich dich sagen, dass du “nichts” bist, Nicholas, oder du wirst mich von einer ganz anderen Seite kennenlernen, haben wir uns verstanden?” Seine Fingerspitzen gruben sich in Nicholas’ Hinterkopf, zwangen sein Gesicht zurück, bis er ihn ansah. “Ob wir uns verstanden haben, habe ich gefragt!”

Nicholas dachte dumpf, dass er LaCroix seit ihrem ersten Wiedersehen in Toronto, in der Nacht als er ihn im Schlachthof zu töten versuchte, nicht mehr so wütend gesehen hatte.

“Warum lässt du mich nicht in Ruhe?”, flüsterte er. “Ist die Wahrheit etwas, dass du nicht ertragen kannst, Lucien? Du hast mir alles genommen was ich hatte - meine Menschlichkeit, meine Seele, meine Würde und meine Ehre - alles, was ich war. Ich bin Nichts. Ich habe dir nichts mehr zu geben. Was willst du noch von mir?”

LaCroix’ Augen bohrten sich förmlich in seine und er schrak innerlich vor der Wut zurück, die aus ihnen strahlte.

Doch als der alte Vampir sprach, war seine Stimme plötzlich überraschend ruhig; ja fast… zärtlich. “Ich will nur das, was mir zusteht, Nicholas… ich will deine Liebe, deine Loyalität - ich will zurück, was du mir einmal freiwillig gegeben hast. Genug um mir für einen schwachen Moment lang zu wünschen, dass in diesem toten Herzen noch genug deiner oh-so-kostbaren Menschlichkeit zu finden wäre, dass du…” LaCroix brach unvermittelt ab und schloss die Augen. Er holte tief Luft. “Du bist nicht “Nichts”, Nicholas”, wiederholte er, sein Ton bestimmt, als er die Augen wieder öffnete. “Du bist mein.”

“Ist das nicht das gleiche?”, fragte Nicholas leise. Der Griff in seinem Nacken verstärkte sich und für einen Moment wunderte er sich, ob LaCroix vorhatte, ihm das Genick zu brechen.

Dann lösten sich LaCroix’ Finger und glitten vor, über sein Ohr nach vorne, wo seine Fingerspitzen die Kontur des blutroten Abdrucks auf Nicholas’ Wange nachzeichneten. „Fou.“

LaCroix wich einen Schritt zurück und seine Hand fiel weg. “J'en ai marre! Ich habe genug von deinem törichten Geschwätz. Merke dir, was ich dir gesagt habe!” Und dann, einfach so, war er weg.

Nicholas spürte seine Knie weich werden und trat rückwärts, bis er an die Klavierbank stieß. Er setzte sich darauf und lehnte sich gegen den Flügel zurück. Ungläubig berührte er seine Wange, die noch immer brannte und die Haut fühlte sich heiß unter seiner Berührung an.

Es schien, als hätte er endlich nach all den Jahrhunderten LaCroix’ verwundbare Stelle, seine Achillesferse, entdeckt. Doch was fing er jetzt nur mit dieser Erkenntnis an?


Ende

* * * *
Fou = Narr
J'en ai marre!
= Ich habe genug/es reicht mir