Kalte Welt - 3 Monate später (Teil 13)


 
Disclaimer siehe Teil 1
*********************************************************************
Endlich ist er wieder da, ich hab ihn vermisst. ;) Kein 6, er ist ja noch nicht wieder fit. Aber Gefühle. Ich versuch Teil 14 bis Sonntag fertig zu schreiben, denn dann bin
ich erstmal eine Woche weg. Hoffentlich gefällt es euch noch ....
*********************************************************************



Spock lag zusammengerollt auf seinem Bett in seiner Kabine und atmete keuchend. Er versuchte sich zu orientieren und die heftigen Reaktionen seines Körpers im Zaum zu halten. Wieder ein Traum. Wieder die Bilder, der weiße Raum, das unerträgliche Sirren in seinen Ohren und der blendende Schmerz. Wieder konnte er nicht entkommen, wieder hatten seine Beine ihm den Dienst verweigert und ein höhnisches Lachen hatte ihn bis in die Dunkelheit verfolgt.

 

Er schüttelte die Gedanken ab, drängte sie an den Rand seiner Wahrnehmung und schloss sie dort ein. Er musste meditieren, seine Gedanken ordnen. Die Blitzlichter der Erinnerungen aus seinem Bewusstsein verbannen.

Er öffnete die Augen und blinzelte. Es war dunkel und er war allein. Es war das erste Mal, seit seiner Rückkehr, dass er allein erwachte. Immer war Jim da gewesen, oder der Doktor, waren am Bett oder hatten ihn sanft angesprochen, ihm versichert das er ausruhen konnte. Mehr wusste er nicht.

 

Er war vor 5 Tagen auf die Enterprise zurückgekehrt und konnte sich nur diffus erinnern, was seitdem geschehen war, hatte die meiste Zeit geschlafen. Zu schwach um aufzustehen oder länger als einen Moment die Augen offen zu halten.

„Computer Licht, 30%," krächzte er in die Dunkelheit und die Mechanik reagierte sofort, hüllte seine Umgebung in ein diffuses rötliches Zwielicht. Hell genug für seine empfindlichen Augen.

Langsam und vorsichtig setzte er sich auf und blickte sich benommen in seiner Kabine um. Auf seinem Tisch lagen Injektionsphiolen und ein Scanner. McCoys. Über seinem Stuhl hing ein goldgelbes Uniformhemd. Vermutlich Jims. Er seufzte über die Eigenschaft der Menschen Dinge herumliegen zu lassen und schob auch diesen Gedanken wieder beiseite. McCoy würde sicher nicht lange auf sich warten
lassen, wenn ihm seine Bioindikatoren in der Krankenstation zeigten, dass er erwacht war. Sicher würde er sie nicht aus den Augen lassen.

Spock legte den Kopf schräg und horchte in seinen Körper hinein. Einige Reststoffe von Drogen waren noch in geringer Auflösung in seinem Blut und verursachten eine leichte Benommenheit. Die dringend benötigte Meditation war daher wohl ausgeschlossen.

 

Er war schwach, seine Muskeln steif und seine Knochen schmerzten. Schmerz ist ein Gefühl und Gefühle können kontrolliert werden. Einen Moment schloss er die Augen und konzentrierte sich auf dieses Ziel. Es gelang ihm nicht, die Drogen verweigerten ihm den Zugriff auf Körperfunktionen.

Er schlug das Bettdeck zurück und musterte seinen bis auf einen Slip unbekleideten Körper. Er benötigte eine Dusche, frische Kleidung und Nahrung. In der Reihenfolge. Vorsichtig ließ er seine Beine über die Bettkante hängen und zog sich am Raumteiler hoch. Schmerz schoss seine Nervenbahnen entlang, als er die Beinmuskulatur
belastete und er konnte ein Stöhnen nicht unterdrücken, krallte seine Finger in den Raumteiler.

 

Er verharrte einen Moment so und wartete bis die Übelkeit und Benommenheit etwas nachließ und versuchte den Schmerz zu bändigen. Kontrolle, befahlt er seinem Verstand. Kontrolle über den Körper. Er atmete zweimal tief ein und rief eine Gedankenübung aus seiner Kindheit in sein Bewusstsein. Diesmal hatte er mehr Erfolg, der Schmerz war zumindest reduziert.

Vorsichtig machte er einen Schritt ohne die sichere Stütze des Raumteilers aufzugeben. Noch einen Schritt und er war fast am Schrank, als die Türen zu seiner Kabine aufglitten und gleißend helles Licht durch die Tür fiel.

„Spock, was in aller Welt tun sie da?" McCoy stürmte ganz in die Kabine und die Türen schnappten wieder zu.

Spock schloss angestrengt die Augen vor dem plötzlichen grellen Licht und war nicht sicher ob seine Stimme funktionsfähig war. Seine Aufmerksamkeit wurde nach wie vor von der Kontrolle über seine Beine voll und ganz in Anspruch genommen.

„Jesus .... Moment .... Bleiben sie so stehen, wenn sie können."

McCoy holte eine schwarze Meditationsrobe aus einem Schrank und wickelte ihn darin ein, dann fasste er ihm unter die Arme und dirigierte ihn zum Schreibtisch auf einen Stuhl. Erleichtert ließ sich Spock in den Stuhl sinken, nicht sicher wie lange ihn seine Beine noch getragen hätten und er den Schmerz noch beherrschen konnte. Das Summen des Scanners ließ ihn die Augen öffnen und in zwei hellblaue Augen blicken, die ihn besorgt ansahen.

„Doktor?", krächzte er und erkannte seine Stimme kaum wieder. Er schluckte und bemerkte das seine Kehle trocken war.

„Sie werden noch einige Tage brauchen, bis sie wieder herumhüpfen können Spock. Haben sie Schmerzen?", McCoy bereitete eine Injektion vor als der Vulkanier langsam nickte.

 

Er hätte nicht fragen müssen, die zusammengepressten Lippen und der nach innen gerichtete Blick hatte ihm schon die Antwort gegeben. Er drückte Spock ein
Schmerzmittel in den Oberarm und wartete bis sich die Züge des Vulkaniers etwas entspannten.

McCoy holte ein Glas Wasser und schob es zu Spock, der dankend nickte und es anhob. Irritiert betrachtete er die feinen Wellen im Wasser, die durch das leichte Zittern seiner Hand hervorgerufen wurden und hob missbilligend eine Augenbraue, dann trank er.

„Was hatten sie um Gottes Willen vor Spock?"

„Waschen, Kleiden, Essen .... etwas Tee....", Spocks Stimme klang jetzt etwas besser, nachdem er was getrunken hatte. Allerdings war sie noch immer weit entfernt vom üblichen tiefen Bariton. McCoy mochte nicht daran denken, was die vulkanischen Stimmbänder dazu gebracht hatte sich heiser zu schreien.

„Hm, das wird noch nicht ohne Hilfe gehen. Das Essen wohl schon."

McCoy griff zum Kom Modul auf Spocks Tisch und benachrichtigte die Krankenstation. Er bestellte eine vulkanische Suppe und etwas Brot  in das Quartier.

„Soll ich ihnen helfen oder wollen sie auf Jim warten?"

Spock hatte bisher schweigend dagesessen und vor sich hin gestarrt und blickte McCoy nun abschätzend an. War er zusammengezuckt, als er Jim erwähnte?

 

Er wirkte hilflos, unsicher. Aber das war vermutlich kein Wunder nach dem was er hinter sich hatte. Die dunkle Robe ließ seine Haut noch blasser erscheinen und machte den Verlust von Körpergewicht allzu deutlich. Die Haare leicht durcheinander und im Gesicht zeigten die tief liegenden Augen Erschöpfung.

„Der Tee ist im Schrank neben dem Tisch und Wasser ....," krächzte er heiser und verstummte als McCoy aufstand und die Zutaten holte.

„Wir docken gerade an Sternbasis 3 an, um dort Vorräte aufzufüllen. Jim ist auf der Brücke und erledigt die Andockprotokolle. Wir werden etwa 2 Tage hier liegen und dann zum Sektor 13 starten, wo wir eine Forschungs- und Kartierungsmission
haben.", berichtete McCoy während er den Tee zubereitete. „Mehr weiß ich leider auch noch nicht, aber ich denke das reicht fürs erste."

Er stellte Spock den Tee auf den Tisch und setzte sich wieder. Hatte er es sich nur eingebildet oder hatte der Vulkanier wieder gezuckt, als er Kirks Namen erwähnte?

Langsam schlossen sich Spocks feingliedrige Finger um die warme Tasse. Er schloss die Augen, sog den Geruch der Kräuter auf und ließ die abstrahlende Wärme in seine Finger gleiten. Konzentriert hob er die Tasse mit beiden Händen zum Mund und trank mit geschlossenen Augen einige Schlucke, McCoys Anwesenheit für den
Moment ignorierend. McCoy räusperte sich und Spocks dunkle Augen fixierten ihn wieder.

„Es ist besser wenn ich es ihnen gleich sage. Ein Commodore Gyle vom Geheimdienst wird sie sprechen wollen. Ich werde es medizinisch wohl nicht mehr lange hinauszögern können, und ...."

„Gyle?", Spocks Augenbrauen wanderten unter den wirren Pony. „JEFF
Gyle?"

Endlich eine Reaktion, doch McCoy stutzte, „Ja, Jeff heißt er glaube ich. Sie kennen ihn? Er war an dieser ganzen Austauschaktion mit seinem Schiff beteiligt und hält sich bereit ... ." McCoy blickte Spock fragend und neugierig an. Er schaffte es doch immer wieder ihn zu überraschen.

„Die Sneaker? Ist hier?", wieder wanderten die Augenbrauen unter den Pony. McCoy nickte nur und wartete neugierig auf eine Erklärung. Doch Spock griff nach seinem Kom Modul und wollte es einschalten. McCoy kam ihm zuvor und hielt seine Hand fest und starrte ihn an. „Das hat Zeit Spock."

Der Vulkanier blickte ihn plötzlich entschlossen an und wollte etwas erwidern doch im nächsten Moment ging die Tür auf. Kirk stand in der Tür mit einem Tablett auf den Armen, was er offensichtlich unterwegs einer Schwester abgenommen hatte.

„Hallo ihr beiden." Kirk trat ein und stellte das Tablett vor Spock auf den Tisch. „Spock du bist aufgestanden!!" Im nächsten Moment bemerkte er das etwas zwischen den beiden gewesen sein musste. McCoy hielt Spocks Hand, die offensichtlich unterwegs zum Kom Modul war. „Was ist los? Sagt mir nicht ihr habt schon wieder ..."

Spock zog überraschend energisch seine Hand aus McCoys Griff und McCoy schüttelte den Kopf. „Nichts! Lass dich nicht täuschen Jim, er gehört ins Bett.", brummte er. McCoy stand auf und ging zur Tür, „Ich lass euch mal allein." Er drehte sich noch einmal um als die Tür aufglitt. „Spock? Essen sie! und Jim .... na du weißt
Bescheid."

Kirk nickte McCoy zu und der Arzt verließ die Kabine. Er drehte sich zu Spock um, der ihn einen Moment unsicher anblickte.

 

Schließlich senkte Spock den Blick und betrachtete seine Hände die in seinem Schoss lagen. Er hatte die Begegnung mit Kirk hinauszögern wollen, bis er wieder im vollen Besitz seiner Kräfte war, doch nun ließ es sich nicht vermeiden. Chaos regierte seinen Verstand als Gefühle und Vernunft miteinander einen ergebnislosen Kampf ausfochten, den er nicht kontrollieren konnte.

Einen Moment sah Kirk ihn nur an. Dann ging er vor dem Vulkanier in die Knie und griff nach den Händen, suchte die Augen im gesenkten Gesicht. Spock zog seine Hände vorsichtig weg und schob sich mit dem Rücken tiefer in den Stuhl, als ob er flüchten wollte. Er drehte den Kopf weg.

„Spock," flüsterte Kirk und startete einen neuen Versuch.

Wieder zuckte der Vulkanier vor der Berührung zurück. Kirk umfasste Spocks Oberarme, rüttelte ihn leicht, „Spock, ich bin es, Jim!!!!!"

 

Er versuchte sich wieder aus der Berührung zu winden, doch Kirk umfasste ihn nur noch fester. „Jim, nein ...bitte," nur ein heiseres Flüstern, die Augen immer noch abgewendet.

Kirk ließ nicht locker, umfasste Spocks Kinn und drehte seinen Kopf zu sich. Die Augen waren fest geschlossen, die Lippen aufeinander gepresst. Er durfte nicht zulassen, dass sich sein Freund zurückzog. Er strich über die geschlossenen Lippen, die Augenbrauen und legte seine Hand an Spocks Gesicht. „Spock ...T´hy´la,"
flüsterte er.

Spocks Augen schnappten bei dem Wort auf. Kirk sah in den fast schwarzen Augen den inneren Kampf den sein Freund austrug. Er wartete, strich mit dem Daumen über Spocks Wangenknochen. „Ich bin da. Wir haben Zeit.", flüsterte er.

 

Ein sanftes Nicken seines Freundes und langsam lockerte Kirk seinen Griff. Sein Blick fiel auf das unberührte Tablett. Er setzte sich auf die andere Seite des
Tisches und schob es zu Spock. „Deine Kleidung ist eine Nummer zu groß jetzt. Vielleicht solltest du erstmal essen."

Spock fixierte das Tablett, dann Kirk, „Ja.", krächzte er heiser. Langsam begann er die Suppe zu essen, konzentrierte sich ganz darauf, als ob er lange Zeit nichts mehr gegessen hatte.

 

Vermutlich war das auch der Fall, dachte Kirk und presste die Lippen zusammen. Sie schwiegen einen Moment. Kirk beobachtete Spock beim Essen und überlegte.

„Wie lange bist du schon wach?"

„Etwa eine halbe Stunde." Spock legte den Löffel sorgfältig beiseite und nahm sich das Brot, von dem er kleine Stücke abriss und langsam kaute. „Ich hielt es für nötig aufzustehen, mich zu waschen und zu kleiden und Nahrung zu mir zu nehmen, als Dr. McCoy kam und es vereitelte." Spock sprach leise, seine Stimme klang heiser, doch er hatte bereits wieder einen feinen ironischen Unterton, als er über McCoy sprach.

„Ich kann es mir gut vorstellen." Kirk lächelte, dann wurde er ernst. „Es wird ohne Hilfe die nächsten Tage noch nicht gehen, Spock."

„Das sagte auch Dr. McCoy bereits. Meine Beine scheinen noch nicht wieder voll funktionsfähig zu sein und ich bin nicht mobil."

Kirk nickte. „Ich kann dir helfen, wenn du ...."

Spock blickte auf und sah ihn plötzlich fixierend an, „Jim. - Was erwartest du von mir?"

Kirk hatte nicht mit dieser Frage gerechnet. Er konnte nicht antworten, weil er die Antwort selber nicht wusste. Er war einen Moment gefangen von dem harten Ausdruck in den dunklen Augen und es war totenstill im Raum.

 

Immerhin hatte er ihn nicht mit ´Sie´, ´Sir´, oder ´Captain´ angesprochen, sondern ebenfalls die persönliche Anrede beibehalten. Nach einem Moment löste Spock den
Blick und zog sich am Raumteiler hoch. Er blieb einen Moment keuchend auf wackeligen Beinen stehen. Kirk stand ebenfalls auf.

„Wohin.... ?"

„Ich möchte mich waschen," presste der Vulkanier zwischen zusammengebissenen Zähnen heraus. „Und Dr. McCoy sagte mir das Mr. Gyle mit mir sprechen möchte ..."

 

Ein Schritt. Kirk war auf dem Sprung. Ein weiterer Schritt, die Finger fest im Raumteiler verankert. Zum Waschraum musste er mindestens 3 Meter ohne Wand
überbrücken. Es war offensichtlich das er es nicht allein schaffen würde, wenn er nicht krabbeln wollte. Wenn Spock nur nicht so verdammt stolz wäre...

„Spock!," flehte Kirk. „Du wirst diese drei Meter nicht allein schaffen und McCoy macht mich einen Kopf kürzer, wenn .... Bitte! Lass mich dir helfen ... ."

Die Augenbraue! Spock blickte über seine Schulter hinweg und Kirk sah nur sein Profil. Die Augenbraue war oben. „Einen Kopf kürzer? Wie viele Köpfe hast du, das der Doktor sie beliebig kürzen kann."

Kirk grinste, „Nur diesen einen." Er ließ es drauf ankommen, trat langsam an den Vulkanier heran und legte seinen Arm um Spocks Hüften. Er schob ihn in Richtung Bad. Diesmal wehrte er sich nicht und zog sich nicht zurück.

„Es sind 3,25 Meter," murmelte der Vulkanier als sie die Tür zum Waschraum erreichten.

„3,25 Meter. Natürlich!" Kirk schüttelte den Kopf, wohl wissend!

Spock hatte sich mit dieser Aufgabe davon abgelenkt, dass er sich helfen lassen musste. Spock dem es zuwider war, wenn er Schwäche zeigte, wenn sein Körper ihn dazu zwang sich helfen zu lassen. Seine Art seine Würde zu bewahren. Er würde es nie zugeben, doch Kirk kannte ihn gut genug inzwischen.

Er half Spock in die Dusche und drehte sich weg, als dieser seine Robe auszog, um ihm etwas Privatsphäre zu lassen. Nach einem Augenblick hörte er Wasser rauschen.

 

Interessant. Spock war wasserscheu wie eine Katze. Er konnte nur vermuten das es die Wärme war, die ihn Wasser hatte wählen lassen. Sonische Duschen waren
nicht warm.

„Jim?"

„Hm?", er drehte vorsichtig den Kopf.

„Du weißt wie ich unbekleidet aussehe! Es ist nicht logisch dich allein auf deine akustischen Sinne zu verlassen wenn ich fallen sollte.", keine Frage nur eine Nennung von Tatsachen.

 

Natürlich wusste er wie Spock aussah. Wie konnte er es je vergessen? Kirk drehte sich um und sah seinen Freund an, „Ich wollte nicht...., ok du hast Recht."

Sein Blick fiel auf den schlanken Körper an dem das Wasser in langen Bächen herunter lief. Mit beiden Armen zu jeder Seite in Höhe des Kopfes an die Wände gestützt, den Kopf gesenkt ließ er das warme Wasser an sich herunter laufen.

 

Er war dünn geworden, schon vorher war kaum ein Gramm Fett an Spocks fast schlaksigen Körper gewesen, doch nun konnte man deutlich die Rippenbögen sehen und die Knochengelenke zeichneten sich durch die Haut ab. Die langen eleganten Muskeln bewegten sich leicht wenn er das Gewicht verlagerte, lenkten die Rinnsale an Wasser auf seinem Körper in eine andere Richtung. Kirk konnte nicht anders als den Anblick seines Freundes in sich aufzusaugen.

Nach einer Weile stellte Spock das Wasser ab und sah ihn herausfordernd an. Kirk reichte ihm einen Bademantel und Spock wickelte sich darin ein und rieb sich trocken und ordnete seine Haare mit den Fingern. Kirk grinste unvermittelt als er ihm zusah.

„Jetzt siehst du aus wie Napoleon.", neckte er.

Spock zog fragend eine Augenbraue hoch, „Napoleon?"

„Ein irdischer Feldherr aus Frankreich, der ...", begann Kirk, doch Spock unterbrach ihn. „Ich weiß natürlich wer Napoleon war, allerdings ... "

„Dann weißt du sicher auch, das er seine Haare immer eitel vorne zu einer Spitze zusammen kämmte.", bemerkte Kirk trocken als Hinweis.

Spock fühlte an seine Stirn, machte einen wackeligen Schritt zum Waschbecken und sah in den Spiegel darüber. Er holte einen Kamm aus einer Schublade und kämmte mit wenigen sorgfältigen Strichen konzentriert seine Haare in die penible Ordnung zurück.

 

Wie eine Katze die ...., Kirk schob den Gedanken rasch beiseite, als Spock ihn fragend ansah.

„Besser," murmelte Kirk und kämpfte gegen das Blut was in seinen Kopf schießen wollte.

„Napoleon war in etwa ´einen Kopf kürzer´ , die Längenmaße betreffend und wenn die Historiker richtig liegen, war er auch übergewichtig. Ich sehe NICHT aus wie Napoleon." Spock blickte ihn mit offensichtlich beleidigtem Gesichtsausdruck an, beide Augenbrauen hochgezogen.

„In etwa? Einen Kopf kürzer?", zitierte Kirk die von Spock ungewohnt vage Angabe und spielte das Spiel mit. „Ich werde mich in der Bibliothek informieren, verlass dich drauf." grinste Kirk. „Wollen wir?"

Spock nickte. Seine Augen bekamen langsam den amüsierten sanften Glanz zurück, den er bei ihren üblichen Neckereien immer gehabt hatte. Wortlos half Kirk ihm zurück zum Bett und setzte sich auf den antiquarischen Holzstuhl neben ihn.

„Spock ...", begann er vorsichtig. Irgendwann mussten sie darüber reden.

Spock unterbrach ihn jedoch, „Jim! .... Ich kann mich im Moment an nur wenig erinnern, was in den letzten Monaten geschehen ist. Ich bin mir nicht sicher ob es ein Segen oder ein Fluch ist, um es mit menschlichen Begriffen zu umschreiben. Mein Verstand scheint eine Arzt Selbstschutz aktiviert zu haben, den ich nicht durchbrechen kann. Die Reststoffe der Drogen hindern mich daran zu meditieren und
meinen Geist zu ordnen. Ich ..."

„Du kannst dich an nichts erinnern?", das hatte Kirk nicht erwartet.

„An wenig...," verbesserte Spock ihn.

„Aber ... ab wann ...???", hatte er auch Aari vergessen? Die Nacht davor? Mussten sie von vorne beginnen? War da nichts mehr? Er fühlte einen Kloß, der sich in seinem Hals formte.

Spock blickte ihn jetzt offen an, „Ich erinnere mich an Aari und auch an das Lager der Romulaner und ...", er sah Kirk an, der sich unwillkürlich versteift hatte und seine Stimme wurde sanfter, „ .... Jim .... auch an die Nacht davor und das was gewesen ist
zwischen uns. Eine der wenigen ... durchaus," Spock suchte nach dem richtigen Wort, „... angenehmen Erinnerungen."

Kirk ließ die angehaltene Luft entweichen und fuhr sich unbewusst durch die Haare. Einen Moment schwiegen beide.

„Du warst 3 Monate in Gefangenschaft, bis wir dich zurückholen konnten. Du erinnerst dich daran?

„Ja und Nein. Nicht an alles, es tauchen unvermittelt Bilder und kurze Sequenzen in meinem Geist auf. Ich kann sie nicht einordnen und sie entziehen sich meiner Kontrolle." Spock sah gequält aus „Bevorzugt im Schlaf.", fügte er leise hinzu.

Kirk nickte, „Du hattest recht lebhafte Albträume und hast gesprochen im Schlaf und teilweise um dich geschlagen. Wir mussten dich bis vor wenigen Stunden ab und an ans Bett festbinden und waren immer hier, für den Fall ..."

Spocks Gesicht wurde düster und die Augenbrauen zogen sich zusammen, „Ich ....es ..... ich kann es nicht kontrollieren, die Drogen ...", er stammelte.

Kirk winkte ab, „Schon gut, du hast niemanden verletzt." Er wartete einen Moment bis er weiter redete. „Wirst du dich wieder erinnern? Irgendwann? Ich weiß nicht ob es nicht sogar besser wäre wenn nicht."

„Positiv," antwortete Spock sofort. „Wenn die Wirkung der Drogen nachlässt und ich meine mentalen Disziplinen wieder anwenden kann. Aber vermutlich schon eher ..."

„Eher?"

Spock nickte und schloss die Augen, „Gyle," sagte er leise. „Er wird nicht warten bis ich mich von selber erinnere, er ..."

„Was will er von dir? Kennst du ihn?" Kirk hatte das Gefühl das er die Antwort nicht mögen würde. Spock nickte langsam, ließ die Augen geschlossen.

„Namen! Orte! Methoden, Jim. ..... und .... Ja! Ich kenne ihn."

 

Spock holte tief Luft und überlegte scheinbar wie viel er von sich preisgeben wollte, dann fuhr er fort, „Er war vor 20 Jahren im Stab meines Vaters und hatte bereits damals die Eigenschaft heikle Informationen in Erfahrung zu bringen und sie zu deuten. Er war oft Gast im Haus meines Vaters. Vor 15,2 Jahren verließ er das
diplomatische Corps, wechselte in den Geheimdienst und übernahm das Kommando über die Sneaker."

Kirk setzte langsam die Puzzleteile in seinem Kopf zusammen. „Wie alt warst du damals? Ich meine als er zu Starfleet ging?"

„Ich war im Alter von 15 Standardjahren, als er im Stab meines Vaters war und bereits auf der Akademie als er sich später mit meinem Vater überwarf. Als ich die Ausbildung abgeschlossen hatte holte er mich auf die Sneaker und ich machte meine
Kadettenausbildung dort. Er wollte mich dort behalten als Computerspezialist, doch Starfleet hatte andere Einsatzbereiche und versetzte mich auf die Enterprise."

Kirk schnaufte, „Lass mich raten. Zu jung, zu vulkanisch...."

Spock nickte, „Vermutlich etwas von allem. Rückblickend, begrüße ich diesen Verlauf."

„Dann war er also mal dein Captain." Kirk pfiff langsam durch die Zähne, stellte sich den jungen Spock als Geheimdienstler vor und wusste nun, woher er das Geschick hatte, welches er bei dem Zwischenfall mit Talos und Captain Pike angewendet hatte. „Wann willst du ihn treffen?"

Spock seufzte, „Es wird dir nicht gefallen und dem Doktor vermutlich auch nicht. Es ist nicht angenehm. Gyle hat einen exquisit ausgesuchten Stab und wenn ich mich nicht irre, dann wird mindestens ein Telepath anwesend sein." Ein leichtes Zittern lief
durch den auf dem Bett ausgestreckten Körper.

„Was werden sie machen?"

„Es wird unangenehm sein und die Erinnerungen werden wieder da sein. Dauerhaft. Ich ...", Spock wich aus.

„Spock ich werde dich das nicht allein durchstehen lassen." Kirk griff nach einer Hand und drückte sie.

„Jim du weißt nicht was, ... Nein!" Spock blickte ihn intensiv an. „Nein."

„Wann Spock?"

„Ich würde gerne ein wenig allein sein und etwas ausruhen. Vielleicht lässt die Wirkung der Drogen etwas mehr nach und damit die Benommenheit. Morgen. Und ... es wird auf der Krankenstation sein müssen. Dr. McCoy wird anwesend sein müssen."

Kirk nickte, „Okay, wenn du etwas brauchst, dann..." Kirk fummelte den Kommunikator von seiner Hüfte und legte ihn auf den Absatz hinter Spocks Bett, „ ....piep mich an. Ich verständige Gyle und McCoy und ..... wenn du heute Abend nicht schon etwas anderes vorhast und nicht zu müde bist, dann können wir gemeinsam zuAbend essen und vielleicht ein oder zwei Schachspiele nachholen."

„Ich habe heute Abend noch nichts vor, Jim." Spocks Augen bekamen ein wenig von dem amüsierten Funkeln und Kirk lächelte, drückte seine Hand und ging zur Tür. „Ich werde um 1930 da sein, Commander."

„Ja Sir," kam es aus dem hinteren Teil der Kabine. Kirk musste sich nicht umdrehen um zu wissen, dass eine Augenbraue hochgezogen war und zwei dunkle Augen amüsiert funkelten.

 

 

******* Ende Teil 13 *******

 

Teil 14