Titel: Story 2
Autor: Lady Charena
Fandom: Jeeves & Wooster
Episode: Series 2, Episode 3
Pairung: Bertie Wooster, Jeeves, McIntosh, Thompson, Mabel
Rating: gen, pg
Beta: T'Len
Archiv: ja

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Mit der Aussicht, erneut den gräulichen Gnaden eines Brinkley überlassen werden zu können, neigte Bertie dazu, den Ratschlägen Jeeves’ wesentlich bereitwilliger Gehör zu schenken, während sie sich in Antibes – fern von allen möglichen Heiratskandidatinnen, mit denen Tante Agatha aufkommen mochte und vor allem... außer Reichweite von Honoria Glossop - von den Aufregungen der vergangenen Tage erholten. Jeeves nutzte die Gelegenheit, die Garderobe seines Herrn um einige, sorgfältig ausgewählte Stücke zu ergänzen. Erholsame Nachmittage am Strand, unter der milden Sonne und umweht von heilsamer Meeresluft, wechselten sich mit langen, champagnerlastigen Nächten an den Bakkarattischen in den zahlreichen Spielclubs und Casinos ab.

Doch nach zwei Wochen fand das süße Nichtstun sein Ende, denn ein Telegramm von Eustace und Claude erinnerte Bertie daran, dass er sein Erscheinen zu einem Billardturnier im Drones Club zugesagt hatte und Jeeves wurde beauftragt, ihre Koffer zu packen.

Zurück im regnerischen London widmete sich Jeeves wieder den Verpflichtungen des Woosterschen Haushaltes, während Bertie seine Sonnenbräune im Club vorzeigte und für das Turnier trainierte.

Drei Tage vor dem großen Ereignis brachte eine jähe Störung den Alltag aus seinen Bahnen. Thompson, Mrs. Gregsons sauertöpfige Kammerfrau, stand mit McIntosh vor der Tür. Sie drückte Jeeves ohne große Umstände den Hund samt einer Tasche in die Arme und begegnete Jeeves’ fragendem Blick mit Gleichmut. „Mrs. Gregson wird für einige Wochen auf den Kontinent fahren“, informierte sie ihn kühl. „In die Schweiz, um sich von den Ereignissen in Westcombe-on-Sea zu erholen. Sie erwartet, dass sich Mr. Wooster um McIntosh kümmert.“ Damit war ihr Auftrag erledigt und sie drehte sich auf dem Absatz um, ohne auch nur so viel wie einen Blick auf den Aberdeen Terrier ihrer Dame zu verschwenden.

Jeeves setzte den zappelnden Hund auf den Boden und McIntosh eilte schnurstracks auf die Tür zur Küche zu, aus der die verlockenden Düfte des Luncheons drangen, den Jeeves eben bereitete. Der Terrier kratzte an der Tür und winselte.

Bertie streckte den Kopf aus dem Schlafzimmer. „Jeeves? War das eben die Tür?“ Er sah sich vorsichtig um. „Nicht Tante Agatha, hoffe ich? Oder...“ Bertie zerrte an seinem Kragen, der plötzlich etwas eng saß. „Honoria?“

„Weder Mrs. Gregson, noch Miss Glossop waren an der Tür, Sir“, informierte ihn der Butler. „Es handelte sich jedoch um Thompson, Sir. Mrs. Gregson hat sie zu uns gesandt. Wie es scheint, plant Mrs. Gregson einen längeren Aufenthalt in der Schweiz.“

Berties Miene hellte sich auf und er schlenderte aus dem Schlafzimmer. „So, so. Gut, gut. Tante Agatha wird uns also auf absehbare Zeit nicht heimsuchen, was, was?“

„Sehr richtig, Sir“, bestätigte Jeeves. „Sie hat allerdings McIntosh via Thompson in unsere Obhut übersandt.“

Ein Schatten fiel über Berties Gesicht. „Diese Teufelsbrut? Verzeihung, Jeeves.“

„Die Abneigung, die Sie gegen Mrs. Gregsons Haustier hegen, ist mir wohlbekannt, Sir.“

McIntosh gab sein fruchtloses Unterfangen, an die Quelle der verlockenden Gerüche zu gelangen, auf und entdeckte Bertie. Er eilte auf ihn zu und verbiss sich fröhlich in Berties Hosenbein.

„Oi!! Jeeves!“ Bertie versuchte den Terrier abzuschütteln, ohne dem kostbaren Haustier seiner Tante dabei unabsichtlich Schaden zuzufügen. „Zu Hilfe, Jeeves.“

„Sehr wohl, Sir.“ Ohne unangemessene Eile an den Tag zu legen – immerhin befand sich Mr. Wooster nicht in tödlicher Gefahr; McIntosh pflegte seine Zuneigung zum Neffen seiner Besitzerin häufig auf diese Weise auszudrücken – trat Jeeves zu ihm und ergriff die Leine, die der Terrier hinter sich herschleifte, um ihn von seinem Herrn zu entfernen.

Nach einigem – mehr oder weniger obligatorischem – Widerstand fügte sich McIntosh in sein Schicksal und Jeeves brachte den Hund im Badezimmer unter, wo er wenig Schaden anrichten konnte, sollte ihm der Sinn danach stehen.

Jeeves trat zurück ins Wohnzimmer und schnupperte. Seine Augenbrauen hoben sich in Richtung Haaransatz. „Vielleicht würden Sie in Erwägung ziehen, heute im Club Ihren Luncheon zu sich zu nehmen, Sir“, sagte er.

„Ich hatte es nicht geplant, aber... Wieso?“, fragte Bertie, nach wie vor mit seiner Hose beschäftigt.

„Zu meinem Bedauern und meiner Beschämung muss ich eingestehen, Sir, dass der strenge Geruch aus der Küche vermuten lässt, dass das unerwartete Zwischenspiel mit Mrs. Gregsons Hund dazu geführt hat, dass mir Ihr Luncheon angebrannt ist“, erklärte Jeeves, den Blick reuevoll auf den Boden gesenkt.

„Oh, ja. Natürlich. Das ist kein Problem, Jeeves.“ Bertie verzog sein Gesicht in eine mitfühlende Miene. „Das passiert den Besten von uns, Jeeves, selbst den Besten von uns.“ Es war für ihn ohnehin ein Mysterium, was Jeeves da in der Küche vollbrachte. Er erinnerte sich lebhaft daran, als er mit Hilfe eines Buches für „Die junge Ehefrau“ (Tante Dahlia hatte es ihm geschenkt. Sie versorgte ihre Leserinnen mit hilfreichen Tipps und Tricks daraus seit Jahren.) versuchte, seinen Nachmittagstee selbst zu bereiten. Merkwürdigerweise hatte ihm bis heute noch niemand erklärt, wie man der Teekanne den ihr zustehenden Löffel verabreichte. Gab es irgendwo eine verborgene Öffnung dafür?

„Soll ich Ihren Nachmittagsanzug bereitlegen, Sir?“, durchbrach Jeeves’ Stimme seine Grübelein.

„Oh ja, ja, Jeeves. Danke. Ich ziehe mich besser um, bevor ich in den Club gehe.“ Bertie lauschte auf McIntosh, der seinem Unmut über seine Gefangenschaft durch Winseln und Scharren an der Tür Luft machte. „Vielleicht nehme ich den kleinen Teufelsbraten mit, was denken Sie, Jeeves?“, meinte er gutherzig. Immerhin konnte der Mistköter nichts dafür, dass Tante Agatha ihn bei ihm ablud, wann immer sie auf den Kontinent reiste. Sie trug Sorge, er könnte sich dort mit Tollwut infizieren, weshalb sie ihren verzogenen Terrier schweren Herzens, aber in bester Absicht, in den Händen ihres Neffen beließ.

„Ich bin sicher, McIntosh wird sich bei den anderen Mitgliedern des Drones Club großer Beliebtheit erfreuen“, erwiderte Jeeves neutral.

„Ah, gut, dann ist das geklärt.“ Bertie rieb sich die Hände. „Was wollte ich eigentlich gerade tun, als wir so rüde von Thompson unterbrochen wurden?“, grübelte er, als er ins Schlafzimmer trat, um sich für den Luncheon umzuziehen.

Jeeves trat gemessenen Schrittes in die Küche, um dort das Schlimmste zu verhindern.


* * *

„Jeeves!“

Der Tonfall seines Herrn ließ nichts Gutes vermuten und so betrat Jeeves mit einiger Alarmiertheit den Wohnbereich. „Sir?“

„Schaffen Sie mir diesen... diesen Hund aus den Augen, Jeeves, oder bei Jove, ich vergesse mich.“ Bertie hielt anklagend einige reichlichst zerfetzte Blätter hoch. „Nicht genug, dass er gestern meine braunen Schuhe angeknabbert hat, nun vergreift er sich schon an den Notenblättern. Was kommt als nächstes? WAS kommt als nächstes?“ Er sah den Hund böse an, doch McIntosh’ schwarze Knopfaugen zeigten nicht den geringsten Anflug von Reue. Stattdessen wedelte der kleine Hund eifrig mit seinem Stummelschwanz, ungeachtet dass er sich in direkter Gefahr befand, sich einen Fußtritt ein zu handeln.

„Sehr wohl, Sir.“ Jeeves hob den Hund hoch und brachte ihn damit aus der Gefahrenzone. „Ist das alles, Sir?“

„Ja, Jeeves. Danke. Oder… Jeeves, hat jemand angerufen, während ich nicht hier war?” Bertie warf die zerstörten Noten aufs Klavier, wo sie Jeeves später entfernen würde, um damit abends das Feuer im Kamin zu entzünden.

„In der Tat, Sir. Mr. Oofy Prosser, Sir. Er wollte jedoch keine Nachricht hinterlassen, da er Sie heute Nachmittag zum Training im Club erwartet.“

„Gut, gut. Was mag der alte Oofy von mir wollen.“ Bertie kratzte sich am Kopf. „Nun, wir werden sehen. Das war alles, Jeeves.“

„Sehr wohl, Sir.“ Jeeves wandte sich zum Gehen.

„Jeeves ?“

Der Butler stoppte. „Sir?“

„Vielleicht sollte ich... Tante Agatha zuliebe... versuchen mich um ein besseres Verhältnis zu McIntosh zu bemühen. Was halten Sie davon, Jeeves?“

„Ein sehr ehrenwertes Unterfangen, Sir“, stimmte Jeeves zu.

„Allerdings scheinen wir ein... Kommunikationsproblem zu haben... McIntosh und ich.“ Bertie legte die Stirn in grüblerische Falten. „Sie haben nicht zufällig eine Idee, Jeeves?“, erkundigte er sich beiläufig.

„Oh, Sir... mir kommt in den Sinn, dass Ihnen vielleicht ein gemeinsamer Spaziergang im Park helfen könnte, Ihre Beziehung zu McIntosh zu vertiefen“, schlug Jeeves vor.

McIntosh, der das vertraute Wort „Park“ vernommen hatte, kläffte begeistert.

„Huh. Ja. Frische Luft kann ja nicht schaden, was?“ Bertie boxte ein paar Mal die Luft. „Ich muss schließlich fit sein für das Turnier morgen.“

„Sehr wohl, Sir.“ Jeeves setzte McIntosh auf den Boden und der kleine Hund begann ihm aufgeregt, schwanzwedelnd um die Beine zu rennen. Es war ihm egal, wer mit ihm in den Park ging, das magische Wort war ausgesprochen. „Ich werde die Leine für den Hund und Ihren Mantel holen, Sir.“

„Danke, Jeeves.“ Bertie rieb sich die Hände. „Ja, so eine Runde im Park wird uns nicht schaden.“

* * *

Als Hund und Herr am Nachmittag zurückkehrten, fand Jeeves’ sie beide in bester Laune vor.

* * *

Bertie hatte die Wohnung verlassen, um in den Drones Club zu gehen und McIntosh schlief zufrieden auf dem Sofa, als es an der Tür von Apartment 3a klingelte.

Jeeves legte den Staubwedel beiseite, mit dem er gerade die Bilderrahmen von einer hauchfeinen Staubschicht befreite und öffnete.

Eine junge, blonde Frau mit einem weißen Aberdeen-Terrier trat in den Raum. „Guten Nachmittag, Onkel“, sagte sie. Ihr Hund gab ein Bellen von sich.

McIntosh öffnete ein Auge, und erwiderte das Bellen, allerdings ohne seinen bequemen Platz aufzugeben.

„Mabel, meine Liebe“, entgegnete Jeeves. „Ich nehme an, unser kleiner Plan ist aufgegangen?“

Mabel nickte. „Er hat mich nicht erkannt, Onkel.“

„Nun, mein Kind. Es waren gewisse Aufregungen rund um dein erstes Zusammentreffen mit Mr. Wooster, und das starke Bühnenmake-up ist ebenfalls zu beachten. Außerdem achtete er wohl mehr auf Mr. Biffen und Sir Roderick, als auf dich.“ Jeeves musterte sie mit Wohlfallen.

„Soll ich ihm wieder ‚zufällig’ im Park begegnen, Onkel?“, fragte Mabel mit einem Augenaufschlag, der ihrem Schauspiellehrer alle Ehre machte.

„Vielleicht werde ich deine Hilfe wieder in Anspruch nehmen müssen. Mr. Wooster wirkte sehr viel entspannter, als er von seinem Spaziergang im Park zurückkehrte. Vorausgesetzt, dein Verlobter hat nichts dagegen?“ Jeeves trat einen Schritt zurück, als der Terrier seiner Nichte sich seinen Hosenbeinen näherte. Es genügte, dass er Mr. Woosters Hosen regelmäßig zum Schneider bringen musste.

Mabel wickelte die Leine einige Male um ihre Hand und hielt den Hund so zurück. „Oh, Biffy ist Wachs in meinen Händen“, erwiderte sie. „Außerdem hat er eine hübsche Summe auf den Sieg von Ber... Mr. Wooster“, korrigierte sie sich, als sie den strengen Blick ihres Onkels sah. „...gesetzt.“

„Du kannst dir meiner Dankbarkeit sicher sein.“

„Oh Onkel, ich verdanke dir so viel. Ohne dich und Mr. Wooster hätte ich meinen Biffy nie wiedergesehen und dann wäre ich einfach an gebrochenem Herzen gestorben“, erklärte Mabel leidenschaftlich. „Und es ist nun wirklich keine Strafe, sich ein wenig mit Mr. Wooster zu unterhalten, während McIntosh mit Vira spielt.“ Sie bückte sich und kraulte ihren Hund hinter den Ohren. „Nun, ich muss nach Hause. Mutter hat den Tee sicherlich bald fertig und Biffy wird ebenfalls vorbeikommen.“ Sie trat zu ihrem Onkel und küsste ihn auf die Wange. „Bis bald, Onkel.“

„Auf Wiedersehen, mein Kind.“ Jeeves begleitete seine Nichte zur Tür, dann kehrte er zum Entfernen des Staubs von den Bilderrahmen zurück.

McIntosh widmete sich wieder seinem Schläfchen.


Ende