Titel: Ich war jung und brauchte das Geld
Autor: Lady Charena
Fandom: Scrubbs
Paarung: J.D., Turk, Carla, Elliot und mein Lieblings-Onkel-Doktor Dr. Cox
Rating: gen, Humor, POV J.D.
Beta: T'Len
Archiv: ja

Antwort auf die Feb/März-Challenge


Summe/Hintergrund: Sagt nicht der Titel schon alles? Die Skelette in den Spinden im Sacret-Hearts-Hospital klappern. Na ja, tun sie das nicht immer?

 

Triva: Randy ist der Name des ausgestopften Golden Retriever in Turks und J.D.s Wohnung und J.D. hat an ihm tatsächlich in einer Folge das Küssen geübt.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

Elliot und Carla stecken die Köpfe zusammen, als Turk und ich uns endlich durch die Schlange an der Essensausgabe gekämpft hatten und mit unseren Tabletts zum Tisch treten. Es gibt heute Schokoladenkuchen zum Nachtisch und den will jeder. Als wir uns setzen, fällt mein Blick zufällig auf den Teller meines Freundes Turk. Wieso hat er ein größeres Stück als ich? Ich dachte, er mag überhaupt keinen Schokoladenkuchen. Wow, Mama. Sieh’ dir nur mal Todds Teller an. Er hat gleich zwei Stück, obwohl mir der Typ an der Essensausgabe gesagt hat, keiner kriegt mehr als eins. Gibt es jetzt ein neues Gesetz, nachdem Chirurgen mehr Nachtisch bekommen?

 

„J.D.? Ist irgendwas nicht in Ordnung?“

 

„Äh, was?“ Mir wird klar, dass ich noch immer auf Turks Teller starre. „Alles bestens.“ Ich setze mich. „Was habt ihr da?“, wende ich mich an die Mädchen, um das Thema zu wechseln.

 

Elliot schiebt etwas über den Tisch, das nach einer gewöhnlichen Valentinskarte aussieht. Es ist ein Kerl mit kleinen Flügelchen drauf, er trägt ein weißes Tuch um die Hüften, statt einer Hose. Sieht irgendwie wie eine Windel aus, das Teil.

 

Sieht irgendwie bekannt aus...

 

Ups.

 

Das bin *ich*! Das ist mein Foto. *Ich* habe mal Modell gestanden. Für eine Valentinskarte. Nackt. Also fast nackt. Nur mit so einer Windel um die Hüften. Das kann doch nicht die gleiche Aufnahme sein? Ich versuche unauffällig die Karte näher zu mir her zu ziehen, um einen genaueren Blick darauf werfen zu können.

 

Das könnte doch jeder sein, oder?

 

Ich meine, niemand kann mich ohne Kopf erkennen. Und der Kopf da ist auf keinen Fall meiner.

 

„Das hat eine der Schwestern von der Nachtschicht im Internet gefunden“, erklärt Carla und nimmt einen Bissen ihres Hähnchensandwiches.

 

Nahtlos erzählt Elliot weiter. „Das ist von einer Seite, da kann man Fotos hochladen und die basteln dann den Kopf von jemand auf den Körper mit den Flügeln und man druckt das ganze einfach als Karte aus. Ist das nicht süß?“

 

Turk hat das Foto ebenfalls erkannt, das sehe ich ihm an. Er macht den Mund auf, und ich gebe ihm einen Stoß in die Rippen.

 

„Dude, spinnst du? Das tat weh, Alter!“ Turk rammt mir seinen Ellbogen gleichfalls in die Rippen.

 

Jetzt habe ich die volle Aufmerksamkeit meiner Freunde. „Warum dürfen Chirurgen größere haben?“ Was intelligenteres fällt mir so schnell nicht ein.

 

„Was?“ Carla sieht mich verwirrt an.

 

„Kuchenstücke, verdammt – ich meine Turks Kuchen. Warum bekommt er ein größeres Stück als ich?“ Prima, fehlt nur noch, dass ich beim Trinken die Milch in den falschen Hals bekomme und durch die Nase wieder herauspruste. Warum setze ich mich nicht gleich an den Idiotentisch und tausche die neuesten Bezugsquellen für Nasenspray aus? Hey, eigentlich könnte ich das...

 

„Willst du tauschen?“, fragt Turk.

 

„Echt?“ Ich schiebe meinen Teller zu ihm hinüber. Hey, er ist einfach mein bester Freund. Wir sind ein tolles Team.

 

Turk nimmt sein Kuchenstück in die Hand und leckt einen Teil der Oberflächenglasur ab.

 

Ich ziehe meinen Teller zurück. „Danke. Ich hab’s mir anders überlegt.“ Verdammt, genau das hat mein Bruder auch immer mit mir gemacht.

 

Carla gibt ein angewidertes Seufzen von sich. „Ihr Jungs werdet wohl nie erwachsen.“

 

„Genau, Turk“, stimme ich ihr zu. „Wie alt bist du? Fünf?“

 

Elliot kichert los. „Als ich fünf war, habe ich den Hund unserer Nachbarin auf die Schnauze geküsst. Er hatte fürchterlichen Mundgeruch und sabberte. Ich bekam von den anderen Kindern fünfzig Cent dafür.“ Sie runzelt die Stirn. „Aber komischerweise wollten sie danach nicht mehr mit mir spielen.“

 

Carla blickt von mir zu Elliot und wieder zurück zu mir. „Sag’ mal, J.D. – ihr beide seid nicht irgendwie verwandt, oder?“, meint sie sarkastisch.

 

„Ich habe mit Randy nur geübt. Und ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn du das nicht noch mal aufwärmst. Eine Woche Hundenamen von Cox verpasst zu bekommen, hat mir völlig gereicht.“ Ich hatte nicht gewusst, dass es so viele Filme mit Hunden in der Hauptrolle gab!

 

„Wieso kommst du eigentlich nie auf so eine Idee?“, wendet sich Carla an Turk und zieht eine Schnute.

 

„Warum sollte ich einen Hund küssen?“, fragt Turk verständnislos.

 

Vielleicht könnte ich Randy in Turks Bett legen, wenn er von der Nachtschicht kommt, fällt er nur so rein, ohne was zu bemerken. Und wenn ich ihn dann fotografiere...

 

„Nein, Baby.“ Carla kann wirklich ätzend ironisch klingen. „Ich meinte, so eine Karte zu machen.“

 

„Aber Baby.“ Turk klopft sich auf die Brust. „Würdest du wirklich die Schönheit deines Turk-Mans mit all den anderen Frauen teilen wollen?“

 

Carla seufzt. „Ich dachte ja auch nur an deinen Kopf.“

 

Turk lehnt sich zurück. „Nein, also wirklich nicht. Mein Kopf passt doch auf keinen Fall auf J.D’s Körper.“

 

Verdammt, er hat’s gesagt.

 

Tu’ so, als wäre nix gewesen. Ich versuche unbeteiligt zu pfeifen.

 

„DAS IST J.D.?“ Natürlich muss das von Elliot kommen und natürlich in einer Lautstärke, dass ich plötzlich sämtliche Blicke aller in der Kantine versammelten Ärzte, Pfleger und Schwestern auf mir spüre. Oh nein. Da drüben sitzt Laverne. In zehn Minuten weiß es das ganze Krankenhaus einschließlich aller Patienten. Schwester Roberts ist ein wandelndes Informationscenter.

 

„Das bin ich nicht.“ Schwacher Protest, aber immerhin Protest. Ich starre auf meinen Kuchen. „Ich sehe viel besser aus.“

 

Elliot kichert und ich sende einen bösen Blick in ihre Richtung.

 

Sie nimmt ungerührt die Karte in die Hand und sieht mich prüfend an, dann wieder auf das Bild. „Das ist wirklich J.D. Ich erkenne diese süßen, kleinen Knubbel wieder.“ Sie tippt mit dem Fingernagel auf die Karte.

 

„Ich habe keine süßen, kleinen Knubbel“ – sage ich zu meinem Kuchen. Nur nicht aufsehen.

 

„Aber Flachzange. Jeder hier weiß doch, dass Barbie intime Kenntnisse über deine Anatomie hat“, ertönt es hinter mir. „Ein Wunder ist jedoch, dass ihre Sehkraft noch intakt ist.“

 

Oh nein! Nicht Dr. Cox? Natürlich Dr. Cox...

 

„J.D. hat das vor ein paar Jahren gemacht. Er war wieder mal völlig blank und wir haben diese Anzeige in der Zeitung gesehen, dass Modelle für Geschenkkarten gesucht werden“, plaudert Turk aus.

 

Ich werde Turk umbringen. Oh ja. Ich werde ihn mit meinem Stethoskop erdrosseln. Oder ihn in Schokoladenglasur ertränken.

 

„Es war völlig seriös“, versuche ich mich zu verteidigen. „Sie sagten mir, niemand würde jemals erfahren, dass ich das bin. Was soll ich sagen? Ich war jung und brauchte das Geld.“

 

„Du bist immer noch jung und du brauchst immer noch Geld.“ Carla sieht mich mit großen Augen an. „Du wirst noch als einer der Flitzer-Typen enden, die ihren nackten Hintern bei Baseball-Spielen vor die Kameras halten.

 

Ich ignoriere sie. „Außerdem dachte ich, es wäre ein toller Weg, beim Shooting ein paar Models aufzureißen.“

 

Turk grient. „Er hat zwei Telefonnummern bekommen. Aber nur von männlichen Models.“

 

Dr. Cox schüttelt den Kopf. Er hält die Karte nun ebenfalls in der Hand. „Flachzange, Flachzange, Flachzange. Mir fehlen einfach die Worte. Das ist so ziemlich der widerlichste Blick, den ich seit meinem Erwachen neben Jordan nach der Hochzeitsnacht hatte. Aber die Windel steht dir großartig.“

 

Er dreht sich um – und ich atme erleichtert auf. Außerdem ist meine Mittagspause eh vorbei. Und die Lust auf Schokoladenkuchen ist mir schon längst vergangen.

 

„Oh, Dr. Cox! Warten Sie doch. Ich muss Sie unbedingt sprechen!“ Elliot springt auf und wirft dabei ihr Glas um. Lauwarme Cola läuft über den Tisch – und mir über die Hose.

 

„Barbie, nein! Kusch! Platz!“ Dr. Cox hält sich die Ohren zu. „Da ist es wieder, dieses entsetzliche schrille Geräusch, das sich in meine Gehörgänge bohrt und mir das Trommelfell zerfetzt.“ Noch immer beide Handflächen auf die Ohren gepresst, verschwindet er in Richtung Ausgang. Elliot zuckt mit den Schultern und eilt ihm hinterher.

 

Das Leben ist einfach herrlich im Sacred Hearts.

 

 

 

Ende