Titel: Jedi

Autor: Myra

Fandom: Star Wars

Charaktere: Luke/Leia

Zusammenfassung: Ein Treffen auf Yavin 4, wenige Wochen nach dem Sieg der

Rebellenallianz.

Disclaimer: Alle Charaktere und sämtliche Rechte gehören Lucasfilm Ltd.

Beta: T´Sihek, REV

 

 

Jedi

 

 

"Hast du inzwischen herausbekommen, wer den Tempel gebaut hat?", fragte Leia und erklomm energisch die nächsten Stufen innerhalb des uralten Heiligtums.

 

Die Hauptenergieleitungen waren seit dem letzten Angriff sicherheitshalberzerstört worden und es gab nur noch wenige Systeme, die in dem Gebäude funktionierten. Sie nahm sich vor, das sofort nach ihrer Rückkehr dem Rat vorzulegen, aber im Moment freute sie sich, dass es wenigstens noch einige schwache Lichtbögen an den Seiten ab. Auch wenn die Stille in dem leeren Gebäude an ihren Nerven zerrte.

 

Luke hatte sie vor ein paar Tagen gebeten, mit ihm zu der ehemaligen Rebellenbasis zurückzukehren. Und inzwischen kannte sie ihren Bruder gut genug, um alles ernst zu nehmen, was ihn betraf.

 

Natürlich hatten sich Mon Mothma und andere der neu gebildeten Regierung über ihre plötzliche Abreise alles andere als glücklich geäußert. Aber insgeheim freute sich die frischgebackene Botschafterin der Republik über die Gelegenheit, noch einmal ganz allein etwas mit ihm unternehmen zu können. Später würden die Regierungsgeschäfte das sicher nicht mehr zulassen.

 

Bis jetzt hatte Luke allerdings nur angedeutet, dass er ihr etwas Wichtiges zeigen wollte.

 

"In den Archiven von Ossus steht, dass die Massassi diesen Bau vor Jahrtausenden ganz allein und ohne technische Hilfsmittel errichteten haben", erklärte Luke.

 

Er folgte ihr über einen größeren Absatz, der sie in das nächst höher gelegene Stockwerk bringen würde. Es gab für ihn niemanden, mit dem er so gern seine Zeit verbrachte. Seine Schwester war die einzige, die nicht in Ehrfurcht erstarrte, wenn sein Name fiel. Außer Han natürlich, der vor nichts und niemandem Respekt hatte.

 

"Rundherum ist nur undurchdringlicher Dschungel, wie haben die Eingeborenen das nur gemacht?", wunderte sich die Prinzessin. "Und der Tempel ist riesig."

 

"Der Legende nach, soll ein Sith-Lord den Stamm für seine Zwecke missbraucht haben."

Lukes Stimme klang, als würde er lediglich die neuesten Holonet-Nachrichten vorlesen.

 

"Oh." Leia sah erschrocken zurück. Ihr Bruder verblüffte sie immer wieder mit seinem umfangreichen Wissen. "Sith? Wirklich?"

 

"Ich habe bei meinem letzten Besuch etwas aus dieser Zeit entdeckt." Er verzog seinen Mund und obwohl er damit seine tiefe Besorgnis signalisierte, wirkte es trotzdem jugendlich. "Und ich fürchte, es gibt hier noch mehr davon."

 

Leia sah ihn fragend an, aber er wollte offensichtlich mit einer weiterführenden Erläuterung noch warten.

 

"Stimmt es wirklich, was sie sagen? Dass wir die Letzten der Jedi sind?", fragte sie stattdessen, während sie den nächsten Absatz erreichten. Langsam ging auch ihr die Luft aus.

 

"Ben hat es mir so gesagt", antwortete er seiner Schwester und wunderte sich erneut, wie schnell sie es immer schaffte, die wirklich wichtigen Dinge auf den Punkt zu bringen.

 

"Was also sollen wir dann deiner Meinung nach tun?", fragte sie zurück und durchschritt ein eisernes Tor. Wenige Meter weiter bot sich im Dämmerlicht ein exotisch gestalteter Turbolift an, der sie hoch bis zum Thronsaal bringen würde.

 

Luke bewunderte erneut die Eleganz, mit der sich seine Schwester bewegte. Selbst bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten, wie zum Beispiel in tropischer Hitze meterhohe, steile Treppen zu erklimmen, wirkte sie unantastbar. Es war noch gar nicht lange her, als er sich in das Hologramm einer unbekannten Prinzessin verliebt hatte. Aber jetzt wusste er es besser.

 

"Liebst du ihn? Auf Yarvin hat er dich geküsst und ...", deutete er an, während er sich neben sie auf die Plattform des noch funktionierenden Lifts stellte.

 

Seine Zwillingsschwester dreht sich zu ihm um und wischte sich dabei einen feinen Schweißfilm von der Stirn. Obwohl gleich alt, wirkte sie jetzt eher wie eine große Schwester auf ihn.

 

"Und du?", fragte sie.

 

Luke vermied plötzlich sichtbar verlegen geworden ihren Blick. "Das hat keine Bedeutung."

 

"Du bist mein Bruder. Du kannst mir vertrauen." Sie sah ihn verständnisvoll und auch ein bisschen traurig an.

 

"Und das auf Bespin?", vermied er eine direkte Antwort. Aber das hier hatte er sie schon immer fragen wollen.

 

"Du sprichst von Lando Calrissian? Das war notwendig", wehrte sie leichthin ab. Es kam zu einem feinen Ruckeln in der Kabine, als wenn sie nicht nur ein neues Stockwerk erreicht hätten, sondern auch eine neue Welt.

 

"Lando ist vor allem wegen dir mit nach Tatooine in Jabbas Palast gegangen", stellte er fest und suchte in ihren Zügen, was sie wirklich dachte. "Er hatte mehr Angst um dich, als um Han."

 

Sein Gefühl hatte ihn offensichtlich nicht betrogen, sie errötete bei seinen Worten.

 

"Vielleicht war es auch ein bisschen mehr", gab sie schließlich zu.

 

"Ich verstehe. Weiß er es?" Luke wollte vermeiden seinen besten Freund jemals mit einer unbedachten Äußerung in Verlegenheit zu bringen. Und hoffte inständig, dass sie Han niemals wehtun würde.

 

"Han? Nein, er weiß nichts davon", antwortete sie schnell. "Es ist auch besser so."

 

Der Lift hielt endlich in luftigen Höhen an und die Geschwister betraten wenig später den lang gestreckten Thronsaal. Aber Luke ging ohne zu zögern, durch einen weiteren, seitlichen, Durchgang und dann über eine schmale, verwinkelte Steintreppe hinauf in das darüber liegende Stockwerk.

 

Leia folgte ihm, ohne nachzufragen, und sah sich neugierig um, als sie nach einer weiteren Treppe eine Kammer mit unbekannten Artefakten betraten. Sie hatte nicht gewusst, dass es so was über dem ehemaligen Thronsaal gab. Der Saal, in dem sie vor schon fast vier Jahren die Medaillen an Luke, Han und an viele andere Helden verteilt hatte.

 

"Warum haben wir das damals nicht entdeckt?", fragte sie.

 

"Sie war durch eine Illusion verborgen. Eine mächtige Illusion." Lukes Stimme schien plötzlich von weit her zu kommen.

 

"Aber du konntest es erkennen", stellte Leia fest und ging auf einen dreieckigen Tisch in der Mitte zu. Darauf stand ein organisch wirkendes Gestell mit einem schwebenden, rötlich leuchtenden Ball darin. Im Inneren dieser wie aus einer Art halbdurchsichtigem Lava bestehenden Kugel waberten Bilder und Farben und sie strömte eine unheimliche, bösartige Präsenz aus.

 

Ein Teil von Lukes Machtsinnen versuchte, erneut in die Sphäre einzudringen, aber es wollte ihm einfach nicht gelingen. Er wusste noch zuwenig über den Besitzer, um zu begreifen, welche Kräfte darin verborgen lagen und wie sich ihr geheimes Unheil verbreitete.

 

"Was ist das?", fragte Leia verblüfft.

 

"Das stammt höchstwahrscheinlich von dem Sith-Lord, der den Tempel hat erbauen lassen", gab der junge Jedi seinen Vermutungen Ausdruck.

 

"Es gibt sie immer noch? Ich dachte, sie wären mit dem Imperator endgültig ausgestorben. Das ist ja schrecklich." Leia wurde bleich. Das waren keine guten Nachrichten. Schlimm genug, dass sich die Republik noch in den Kinderschuhen befand. Diese Nachricht würde wie eine Bombe einschlagen und die alten Ängste wieder hochspülen.

 

"Wir müssen verhindern, dass sie erneut ihre Hand auf unsere Galaxis legen können. Und vielleicht liegt hier sogar der Schlüssel, die noch übrig gebliebenen Sith zu finden." Luke fühlte, dass nur ein Jedi dieser Gefahr gewachsen sein würde.

 

"Wie soll das gehen?" Lea legte ihre Hand auf seine schmächtige Schulter. Die helle Kleidung verstärkte nur noch den feingliedrigen Eindruck.

 

"Ich werde ihn finden und mich ihm stellen." Luke nahm sie bei beiden Armen.

 

"Ich wollte, dass du weißt, dass der Kampf noch lange nicht zu Ende ist."

 

"Oh Luke, du denkst nur an andere." Leia strich ihm mit ihrer Hand über die Wange. "Mein armer Luke, du willst es ihm wirklich nicht sagen?"

 

Er war kurz verwirrt über den plötzlichen Themenwechsel, aber dann verstand er, was sie meinte. Er schüttelte seinen Kopf und sah wieder wie der Junge aus, der auf einer Feuchtfarm groß geworden war und noch nichts von Jedis oder bösen Sith-Lords gehört hatte. Jung, naiv und enthusiastisch.

 

"Luke, es stimmt, Han hat mich auf Yarvin erobert. Er ist etwas ganz besonders. Aber er ist zweimal losgezogen, um dein Leben zu retten. Ich kann fühlen, was er wirklich für dich empfindet. Und du weißt es sicher auch."

Sie sah ihm eindringlich in die blauen Augen.

 

"Ja." Sein Gesicht sah verletzlich und weich aus und er versuchte, sich ihr zu entziehen, aber seiner Schwester konnte er genauso wenig vormachen, wie sie ihm.

 

"Und du?", fragte sie leise nach. "Würdest du nicht auch alles geben, nur für ihn?"

 

"Er soll es niemals erfahren. Es gibt wichtigeres, als meine Gefühle." Luke senkte seine langen Wimpern, wie er es immer tat, wenn ihm etwas zu nahe kam. Dann wurden seine Züge wieder zu einer glatten Fassade.

 

"Unser aller Zukunft liegt in deiner Hand, Luke. Für welchen Weg du dich auch entscheidest." Sie zwang ihn erneut sie anzuschauen und zum ersten Mal fielen ihr die Linien um seine Augen und seinem Mund auf.

 

"Du weißt das."

 

Für einen Moment sah es so aus, als würde er ihr antworten wollen, aber dann löste er sich von seiner Schwester und wandte sich wieder dem Sith-Artefakt zu.

 

"Ich spüre ganz deutlich die dunkle Bedrohung, die davon ausgeht. Ich muss mich ihr stellen."

 

Ende