Titel: Invitation to dinner

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Pairung: House/Wilson

Rating: PG, slash

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: House und Wilson sind zum Dinner eingeladen.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

 

„Wilson! Wie viel Zeit willst du noch da drin verbringen?“ House schlug mit dem silbernen Griff seines Stocks gegen den Rahmen der Badezimmertür. Keineswegs in einer etwas übertriebenen Version eines höflichen Klopfens, sondern weil er wusste, dass Wilson das Geräusch hasste. Und prompt wurde die Tür aufgerissen.

 

Wilson starrte ihn wütend an. „Hör auf zu drängeln, House.“ Er trat zur Seite, um ihn ins Bad zu lassen.

 

House schnüffelte übertrieben und verzog dann angewidert das Gesicht. „Hier riecht es wie in einem Puff.“

 

Wilson trat neben ihn ans Waschbecken und kehrte dazu zurück, seine Krawatte zu binden. „Du musst es ja wissen“, entgegnete er trocken.

 

Blaue Augen starrten ihn im Spiegel ungehalten an. Braune Augen starrten ungerührt zurück.

 

Dann verschwand House plötzlich aus seinem Blickfeld und Wilson verharrte unwillkürlich mitten in der Bewegung. Er musste mit allen möglichen Sabotageversuchen rechnen, angefangen mit einer kalten Dusche... dann klickte neben seinem rechten Arm leise der Knauf des Stocks gegen die Keramik, als House ihn an den Rand des Waschbeckens hängte. Sekunden darauf schlangen sich zwei Arme um seine Mitte und House legte das Kinn auf seine Schulter. Aha, Zeit für einen Taktikwechsel. Wilson lächelte und schlang die Krawatte ein letztes Mal durch, um den Knoten nach oben zu schieben. Sie saß natürlich tadellos.

 

Von seiner linken Schulter kam ein zutiefst miserables Seufzen. „Können wir nicht einfach zu Hause bleiben?“, murmelte House, sein Mund dicht an Wilsons Ohr.

 

Seine Worte und sein Atem kitzelten über Wilsons Hals, ließen einen kleinen, unwillkürlichen Schauer durch ihn rinnen. Den der jüngere Mann natürlich sofort zu verbergen suchte, doch House war zu vertraut mit den Reaktionen seines Liebhabers, um nicht zu wissen, was er tat. Und er tat nie etwas ohne Grund... Seine Hände glitten ein wenig tiefer, doch Wilson schlug sie weg, und mit einem enttäuschten Grollen legte er sie wieder um seine Taille.

 

„Es ist ein Abendessen bei Cuddy, Greg. Keine Hinrichtung.“ Wilson griff nach einem Kamm. „Also hör’ auf, dich wie ein Neunjähriger zu benehmen.“

 

„Würde ein Neunjähriger... das... tun?“, flüsterte House an seinem Ohr und presste sich stärker an Wilsons Rückseite, rieb sich lasziv an ihm.

 

Der jüngere Mann schloss nur für die Dauer eines Herzschlages die Augen. Er räusperte sich. „Ich hoffe nicht“, entgegnete er dann trocken. Er beschloss, das Thema etwas in eine andere Richtung zu wenden, bevor sie tatsächlich das Abendessen ins Schlafzimmer verlegten. „Willst du wirklich so hingehen?“

 

„Ich will überhaupt nicht hingehen“, quengelte House prompt. „Ruf’ sie an und sag’, ich kann nicht kommen, mein Bein tut weh.“

 

Wilson hielt einen Moment damit inne, seine Haare zu glätten und an ihren Platz zu verweisen und suchte House’ Blick im Spiegel. Nein, House hatte nicht mehr Schmerzen, als für ihn normal war – zumindest nicht körperlich. Manchmal war er der sprichwörtlich eingebildete Kranke, wenn er seinen Kopf nicht durchsetzen konnte. Wilson fuhr fort, seine Frisur in Ordnung zu bringen. Seine Stimme klang betont oberflächlich, eher uninteressiert, als er fragte: „Tut dein Bein weh?“ Es war nicht nötig: mehr als sonst, laut hinzuzufügen.

 

Stechend blaue Augen hielten seinem Blick fest – und verloren ihre Eishärte nach einem Moment, als House stumm den Kopf schüttelte. Natürlich setzte er sofort ein leidendes Seufzen drauf.

 

„Es ist ein Dinner bei Cuddy, Greg. Du brauchst keine Miene zu machen, als würde sie nicht die Steaks, sondern dich auf den Grill werfen.“

 

„Ich dachte nicht an den Hauptgang, sondern eher an das Dessert“, erwiderte House düster. „Behaupte nicht, dass dir nicht aufgefallen ist, wie lüstern sie uns immer ansieht, seit wir ihr gesagt haben, dass wir zusammen sind. Was du übrigens unbedingt öffentlich machen wolltest.“

 

„Sie ist unser Boss, House. Es ist nicht so, als hätte ich es über das Lautsprechersystem im Krankenhaus verkündet. Und nein...“ Wilson legte den Kamm weg und betrachtete sich zufrieden im Spiegel. „Das einzige, was ich in ihrem Blick sehe, wenn sie mich ansieht, ist Mitleid. Sie fragt sich, wie ich das Leben mit dir aushalte.“

 

„Mitleid.“ House schnaubte verächtlich. „Es ist Lust, pure Lust. Sie stellt sich vor, was passiert, wenn wir hier alleine sind. Wie ich dir die Kleidung vom Leib reiße und dich über die...“

 

„Kleidung ist genau das richtige Stichwort“, blockte ihn Wilson geübt ab. „Willst du dich nicht umziehen?“

 

House sah an sich herunter. Er steckte in seinem üblichen Outfit. Jeans, T-Shirt und darüber ein halb zugeknöpftes Hemd. Alles war sauber gewaschen, Hemd und sogar das T-Shirt dank Wilsons Besessenheit mit dem Bügeleisen faltenfrei. „Was ist damit nicht in Ordnung, was ich trage? Sie sieht mich jeden Tag im Krankenhaus so.“

 

„Exakt mein Punkt. Eine Einladung zum Dinner bei deinem Boss ist etwas besonderes. Die meisten Menschen geben sich Mühe, gut auszusehen.“

 

Damit lieferte er natürlich House genau das richtige Stichwort. „Sie hat mich halbnackt und in diesem lächerlichen Fetzen gesehen, in den sie im Krankenhaus Patienten stecken. Sie hat mich in OP-Klamotten gesehen und im Smoking beim Poker. Ich kann sie also kaum noch irgendwie überraschen.“

 

„Oh, ich weiß nicht.“ Wilson drehte sich in seinem Griff um und rieb sein eigenes, glattrasiertes Kinn leicht gegen die Stoppeln seines Liebhabers. „Ich wette, du würdest sie... glatt...  umhauen, wenn du dich rasierst.“

 

House grinste. „Ich brauche alle Waffen, die mir zur Verfügung stehen, um sie davon abzuhalten, über mich herzufallen. Womit wir wieder beim Dessert wären und...“

 

„...und nichts. Du kannst es einfach nicht dabei belassen, dass sie nur nett sein will. Das ist nämlich, was andere Menschen für gewöhnlich zu anderen sind.“ Wilson lehnte sich leicht gegen das Waschbecken zurück.

 

„Menschen sind nur nett zu anderen Menschen, weil sie was von ihnen wollen“, grollte House, als er einsah, dass seine Ablenkungsmanöver nicht zum gewünschten Ziel führen würden. Nicht, dass er es wirklich erwartet hatte. Manchmal konnte Wilson sturer sein als der sprichwörtliche Esel. Er mochte das. Er mochte das sehr. Aber das war kein Grund, Wilson das auch wissen zu lassen. Wobei er so einen Verdacht hatte, dass sein Geheimnis nicht ganz so geheim war, wie er es gerne hätte...

 

„Wie wäre es damit“, Wilson legte die Stirn in gespielt nachdenkliche Falten. „Nach dem Essen helfe ich ihr, das Geschirr in die Küche zu bringen und verwickle sie in ein Gespräch. Dann kannst du dich in aller Ruhe ungestört in ihrem Schlafzimmer umsehen.“

 

„Oh, Jimmy, du bist so gut zu mir“, meinte House ironisch. „Aber sie denkt garantiert das gleiche wie du und wird all die interessanten Dinge gut verstecken.“

 

„Yeah, ich verstehe auch nicht, warum sie so misstrauisch ist. Meinst du, es hat irgendetwas damit zu tun, dass du schon einmal in ihr Haus eingebrochen bist und in ihrer Unterwäsche herumgeschnüffelt hast?“, erwiderte Wilson unschuldig.

 

„Hey, ich hatte einen ausgezeichneten Grund dafür. Einen medizinischen Grund.“ House schob seine Hände höher, unter Wilsons Jackett. Er grinste befriedigt, als er durch den dünnen Stoff des Hemdes spürte, wie sich unter seiner Berührung die Muskeln des jüngeren Mannes anspannten. Es erstaunte ihn endlos, wie Wilsons Körper schon auf leichte Stimulanz reagierte. Kein Wunder, dass er seine Frauen ständig betrogen hatte. Bei Jimmy genügte ein Funke, um in Brand zu geraten... Die Metapher gefiel ihm, und er sah enttäuscht auf, als Wilson seine Hände einfing und nach vorne zog. Allerdings wusste er sehr wohl, dass Wilson sich nicht völlig aus seinem Griff befreien konnte, ohne zu riskieren, dass er das Gleichgewicht verlor. Und er würde ihm sicherlich nicht die Entschuldigung eines Sturzes durchgehen lassen.

 

„Wenn du dich beeilst, schaffst du es noch, dich umzuziehen, ohne dass wir mehr als die akademische Viertelstunde zu spät kommen. Wenn du dir ein wenig Mühe gibst, siehst du richtig elegant aus. Denk’ nicht, ich hätte nicht all die Blicke bemerkt, die du beim Wohltätigkeitspokertunier auf dich gezogen hast. Ein paar Mal hatte ich fast den Eindruck, ich müsste eifersüchtig werden.“

 

„Wer will schon aussehen, als wäre er mit einer Pinguinkolonie an Land gespült worden.“ House nutzte die Gelegenheit, dass sich seine Hände beide vor Wilsons Körper befanden und presste die rechte Handfläche gegen Wilsons Schritt. „Warum helfe ich statt dessen nicht dir beim Ausziehen?“, schlug er vor. Triumph schoss in ihm hoch, als Wilson sich wortlos vorbeugte, ihn unsanft am Kinn packte und ihn hart küsste. Wilson drehte sie herum, wechselte ihre Positionen und presste House gegen das Waschbecken. Doch die Siegesgewissheit war kurzlebig, als sich der jüngere Mann nach einem Moment zurückzog und ihn einfach stehen ließ. Er verschwand ins Wohnzimmer.

 

Leise fluchend nahm House seinen Stock und folgte ihm. Wilson wartete an der Tür. „Kommst du endlich?“

 

„Du lässt mir ja keine Gelegenheit dazu.“

 

Wilson verdrehte nur leicht die Augen, als die erwartete Zweideutigkeit kam. „Wir nehmen meinen Wagen.“

 

House setzte eine übertrieben erstaunte Miene auf. „Hatten wir nicht ausgemacht, dass wir mein Motorrad nehmen?“

 

Wilson schüttelte vehement den Kopf. „Auf keinen Fall. Ich habe dir gesagt, dass du mich nicht auf diese Todesschleuder bekommst.“

 

„Du hast keine Ahnung, was dir entgeht.“ House nahm sein Jackett von der Rückenlehne des Sofas.

 

„Zum Glück habe ich keine Ahnung, sonst würde ich jedes Mal Todesängste ausstehen, wenn du damit unterwegs bist.“

 

Trotz des flappsigen Tonfalls war genug Ernst in Wilsons Stimme, dass House’ Augen sich leicht verengten, als er ihn musterte. Er trat zu ihm, legte die Hand auf seine Schulter und küsste ihn mit einer zurückhaltenden Zärtlichkeit, die eher untypisch für House war. Vielleicht war es eine Art angedeutetes Versprechen...

 

Dann öffnete House die Tür. „Warte bis du Cuddys Gesicht siehst, wenn ich sie frage, ob sie das Fleisch in einem House-Wilson-Sandwich sein will...“

 

Wilson lachte und folgte ihm. Er fragte sich, ob Cuddy sich wirklich bewusst gewesen war, was sie sich mit dieser Einladung aufgehalst hatte...

 

 

ende