Titel:

 

~Intermezzo~

 

Autor: stelenan/Stef*

Pairing: K/S

Archiv: hier/TosTwins

 

Antwort auf Challenge Nr. 1 Sept.-Nov. 2005

http://tostwins.slashcity.net/chall1.htm

Verwendet als ersten oder letzten Satz: “Sei endlich still und küss mich!“

 

********

Ich war etwas in Rage, gereizt und schnappig. ‚Das kommt vor, wenn meine Umwelt und ich uns aneinander reiben, ich aber nichts von mir abreiben lassen will. Es gibt verschiedene Arten, wie ich diese Temperamente bei mir dann abbaue: Malen, tippen, schreien, grollen, musizieren, aufräumen ....

 

Alle Wege haben eines gemeinsam, sprich mich nicht an oder meine Antworten kommen nur sehr knapp und kurz angebunden heraus. So wie: „Sei endlich still und küss mich ...“ Das würde passen.

 

Da fiel mir die Challenge ein und wie immer, wenn sich zwei Dinge in meinem Kopf treffen, entsteht ein drittes und das trommelte gegen meine Stirn. Ich hab’s dann rasch aufgeschrieben, dabei meine Laune abgebaut und gleich etwas konstruktives daraus entstehen lassen.

 

Ich konnt´ mich nicht für Anfang oder Ende des Challenge Ausrufes entscheiden, also hab ich halt beides genommen. Passte ...

 

Unerwartet kurz, für meine Verhältnisse, aber auch das ... passte.

 

********

 

 

 

~INTERMEZZO~

 

 

 

„Sei endlich still und küss mich!“

 

Spock zuckte zusammen.

 

Er tat es natürlich nicht sichtbar, doch sämtliche Muskeln spannten sich impulsiv an. Jemand der ihn gut kannte, hätte es vermutlich dennoch gesehen. Ein Vulkanier hätte es gesehen. Er fühlte sich augenblicklich entblößt und schob die irritierenden Gedanken beiseite. Statt dessen konzentrierte er sich auf seinen Gehörsinn. Das würde genügen. Er würde hören ob Jim dieser penetranten Aufforderung folgte.

 

Es war unnatürlich still im Transporterraum und einen Moment schien es, als würde nichts geschehen. Unterschwelliges Summen des Warpkerns, der sich wie immer durchs gesamte Schiff übertrug, dominierte die hörbare Geräuschkulisse. Leises Zischen der Lebenserhaltung, die den Sauerstoff des kleinen Raumes umwälzte, und natürlich der Herzschlag und die Atmung der Menschen. Das alles addierte sich zu ... Stille?

 

Spock haderte eine Millisekunde. Nein, er würde sich nicht umdrehen, nicht hinsehen. Nicht zusehen. ´... und küss mich!´ Nein. Er brauchte nicht die visuelle Bezeugung dessen, was unbedeutend war. Nicht relevant. Ein menschlicher Kuss konnte aus vielen Gründen gegeben werden. Dankbarkeit, Glück, Freundschaft, Freude, Überschwänglichkeit, Leichtsinn, Abschied .... Ein menschlicher Kuss bedeutete nichts.

 

Nichts ...

 

... und alles. Liebe.

 

Emotionen.

 

Welche davon war hier in diesem Fall anzuwenden? Spock hatte keine Antwort. Sein logischer analytischer Verstand verweigerte ihm eine Deutung ohne weitere Fakten. Er musste sich umdrehen. Die zur Schau gestellten Emotionen in den Gesichtern interpretieren. Oder mehr noch, seine mentalen Abschirmungen öffnen. Über seine telepathischen Sinne empfangen, was die Menschen in diesem Moment empfanden. 

 

Das wäre eine Verletzung der Privatsphäre der Menschen. Und seiner eigenen. Zu seinem eigenen Vorteil. Nein. Undenkbar. Spock zuckte ein weiteres Mal zusammen. Unsichtbar, doch spürbar. Er würde sich nicht umdrehen, nicht zusehen und nicht seine Schilde öffnen für den bloßen Zweck der Datenermittlung über diese simple menschliche Handlung. Das wäre nicht akzeptabel.

 

Die Neugier plagte ihn dennoch und beförderte weitere fragen in sein Bewusstsein. Was würde Jim tun? Nein. Gereizt schob er die penetranten Fragen in den Hintergrund seines Geistes. Er würde sich jetzt nicht umdrehen, gab weiter vor die Anti G Module auf der Plattform auszurichten und nur darauf konzentriert zu sein. Zu lange, definitiv zu lange. Jim würde es merken.

 

Der Mensch kannte ihn zu gut. Er würde merken, dass er nur vorgab nicht anwesend zu sein, dass er nur vorgab, nicht interessiert zu sein, dass er nur vorgab nichts gehört zu haben.

 

Ein Räuspern unterbrach die spannungsgeladene Stille.

 

... dass er nur vorgab nicht wissen zu wollen, was Jim tun würde.

 

„Marlena ...“

 

... dass er nur vorgab ...

 

„Mein diskreter Erster Offizier ist sicher fertig mit den Kisten. Wenn du bitte jetzt die Plattform betreten würdest?“

 

... nicht wachsam und hellhörig gewesen zu sein.

 

Spock straffte sich und richtete sich auf. Wäre er ein Mensch, hätte er aufgeatmet. Er war kein Mensch. Natürlich nicht. Er war Vulkanier, besaß Disziplin. Eifersucht? Warum und worauf? Gefühle. Unlogisch. Unmöglich.

 

Die Frau holte Luft. Deutlich hörbar.

 

„So endet es?“

 

„Ja! Geh! Bevor ich es mir anders überlege.“

 

Spock drehte sich endlich um, blickte in zwei hasserfüllte Augen und trat von der Plattform. Hass. Eine weitere und sehr klare Emotion. Er musste seine Schilde nicht senken um sie zu erkennen. Er musste nicht einmal die Augen sehen, um diese Emotion zu deuten. Er ließ sie an sich abprallen. Nicht relevant.

 

Diese Gedanken waren nicht konstruktiv. Spock steuerte die Konsole an und befahl seinem Geist nicht zu denken. Hätte Jim ... wenn er nicht anwesend gewesen wäre ...? Hätte er ...? Kroykah! Nicht denken! Die Transporterkonsole begrüßte ihn mit voreingestellten Koordinaten und stoisch blinkenden Anzeigen. Sicherheit.

 

Spock wartete und ignorierte sowohl die Frau auf der Plattform als auch den Menschen, der ihm nun den Rücken zudrehte, zwang sein Denken in das engste Korsett an geistigen Disziplinen was er aufbieten konnte, rief stupide Algorithmen ab. Automatisierte Handlungen und Reaktionen. Sie genügten für das simple Bedienen dieser Konsole. Nicht denken. Seine Augen sahen, doch sein Verstand ignorierte es schlicht, was an Bildern geliefert wurde.

 

„Energie Mr. Spock.“

 

Sirren der Transporterfunktion zerriss die Stille, als trainierte Finger automatisch die Hebel justierten und in die richtigen Positionen bewegten. Augenblicke später war die Plattform leer und die Stille wieder greifbar.

 

Spock sah nicht hoch, obwohl ihm der Gesichtsausdruck des Menschen die nötigen Daten geliefert hätte. Er würde nicht hochsehen, seine nagende Neugier nicht preisgeben. Es war nicht notwendig. Er hatte seinen Stolz, seine Würde. Es war nicht notwendig sich dessen zu versichern, was er nach Lage der Fakten definitiv wissen sollte. Er konzentrierte sich stur auf die nötigen Schaltungen um die Konsole herunterzufahren und den Sicherheitscode einzugeben.

 

„Du willst es wissen ...“

 

Spock sah aus einem Reflex hoch, bevor er es verhindern konnte. Ein Impuls. Ein ärgerlicher menschlicher Impuls. Durchdringende Augen schnitten durch seine Abschirmungen, stachen in seine Seele. 

 

„Nein.“ Er konzentrierte sich wieder auf die Schaltungen und betätigte den Hauptschalter, war fertig. Instinkte tobten in ihm und duellierten sich mit Fragen und möglichen Antworten. Er musste sofort gehen, den Raum verlassen oder auf Jims Kommando warten oder ...

 

„Du willst es ... ´doch´ ... wissen ...“

 

Jim war langsam um die Konsole herumgekommen, fast lässig. Lässig. Betont lässig und er sah ihn nun mit einem breiten Grinsen an.

 

Verlockend. Herausfordernd. Provokativ.

 

Spock erwiderte den Blick, zählte innerlich eine Zahlenfolge von Primzahlen als der Mensch näher kam. Zu nah. Er kam bis 23, dann war Jim so dicht, dass er die weitaus niedrige Körpertemperatur des Menschen spüren konnte. Den Geruch wahrnahm. Der Mensch fixierte ihn. Innere Schilde erbebten.

 

„Nein.“

 

Eine Hand griff seine Schärpe und zog ihn mit einem Ruck zu sich. „Du willst ... ich weiß es genau ... ich kenne dich ...“

 

Spock spürte den Körper Jims an seinen gepresst und wusste in diesem Moment: Er hatte tatsächlich verloren. Wieder. Wie oft noch? Seine Stimme würde ihm nicht mehr gehorchen, heiser klingen, was der Mensch so mochte, was er provoziert hatte. Es war absehbar gewesen.

 

„Versuche gar nicht erst deine Mauern aufzubauen. Ich werde sie sowieso wie ein Kartenhaus umwerfen. Sie fallen schon mein Lieber. Ich sehe, wie sie Stein für Stein ...“

 

Jim hatte Recht. Es war nicht logisch weiterhin zu leugnen, was klar auf der Hand lag. Warmer Atem strich mit jedem Wort über sein Gesicht. Unwiderstehlich.

 

„... und noch ein Stein ...“, murmelte der Mensch dicht vor Spocks Gesicht.

 

Spock knurrte frustriert und gab auf. „Sei endlich still und ... küss mich.“

 

Stef*