Zeit für Geständnisse

T’Len

2010

 

 

Fandom: Hooperman

Charaktere: Rick Silardi/m, andere

Kategorie: PG

Hinweise: Folge 1x11

Feedback: tlen11@freenet.de

Summe: Rock denkt nach

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Vielen Dank an Lady Charena fürs Beta.

 

 

Er sah die Frage, die stumm in Mo´s Augen stand, als er sich zu ihr umdrehte, nachdem der Besucher sich von ihm verabschiedet hatte, und er war ihr dankbar, dass sie sie nicht laut aussprach.

 

Warum hast du es ihm nicht gesagt?

 

Er zuckte mit den Schultern, denn er wusste selbst keine Antwort darauf.

 

Ich bin auch schwul.

 

Wie einfach wäre es gewesen, dem jungen Mann etwas von seiner Einsamkeit zu nehmen - und sich von seiner eigenen, ihm zu sagen, dass er ihn verstand, viel besser als er ahnte, dass sein Verhältnis zu seiner eigenen Familie, dem Bild auf seinem Schreibtisch zum Trotz, alles andere als perfekt war, dass er sich seit Jahren an Weihnachten freiwillig für Extraschichten meldete, nur um der Einsamkeit zu Hause zu entfliehen, dass auch er das Wort Faggot aus Mündern gehört hatte, aus denen er es nie erwartet hätte.

 

Doch er hatte geschwiegen. Warum eigentlich? Es war schließlich kein Geheimnis. Seine Kollegen hatten immer Bescheid gewusst, dass er schwul war. Und er war stolz darauf, dass er zu dem stand, was er war. Auch wenn das hieß, dass er sich in unschöner Regelmäßigkeit gegen dumme Sprüche und Vorurteile wehren musste. Doch mit all den fremden Menschen um sich, die heute zum Tag der offenen Tür aufs Revier gekommen waren, um den Weihnachtsabend nicht allein verbringen zu müssen, hatte er sich seltsam unwohl gefühlt, diese vier einfachen Worte auszusprechen.

 

Feigling, schalt er sich. Idiot.

 

Dabei war der junge Mann attraktiv und nett gewesen. Es hätte schlechtere Gesellschaft gegeben als ihn. Zumindest hätte er ihn auf einen Drink nach seiner Schicht einladen, seine Aufmerksamkeit für ein tröstendes Gespräch anbieten können. Und wer weiß, was sich danach daraus entwickelt hätte. Doch er hatte ihn nicht einmal nach seinen Namen gefragt.

 

Mo, die neben ihrem Schreibtisch stand und damit einen besseren Blick aus dem Fenster hatte als er, deutete mit dem Kopf in dessen Richtung. Er stand auch auf und sah hinaus, sah dass der junge Mann noch immer auf dem Gehweg vor dem Revier stand, offensichtlich unschlüssig, was er nun machen, wohin er gehen sollte. Verloren, allein in einer fremden Stadt und in einer Welt, die ihn verurteilte, nur weil er anders war als die Mehrheit der anderen Menschen, nur weil er nicht den Erwartungen seiner Familie entsprach.

 

Geh, formten ihre Lippen stumm über den allgemeinen Lärm im Raum hinweg. Er nickte ihr dankbar zu. Mo mochte tief in ihrem Inneren noch immer glauben, sie könne ihn "heilen", doch sie war auch eine Kollegin, auf die er sich stets verlassen konnte.

 

Er eilte hinaus. "Warte!", rief er dem anderen zu, der sich mittlerweile doch zum Gehen gewandt hatte.

 

Der junge Mann drehte sich um. "Ist noch etwas, Officer? Habe ich vergessen die Rechnung zu zahlen?" Verwunderung darüber, dass er ihm gefolgt war, aber auch eine gewisse Freude, noch für einen Augenblick der Einsamkeit entflohen zu sein, wechselten sich in seinen Zügen ab.

 

Silardi lächelte ihn an. "Ich heiße Rick", sagte er und streckte seine Hand aus. "Und du hast dich in mir geirrt. Ich bin auch schwul."