Titel: How long?
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Episode: 88. Man stirbt nie zweimal (Firing Line (Part 3))

Pairung: POV Murdock

Rating: PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Missing scene: Murdocks Gedanken, während er auf die Rückkehr von Frankie wartet und darauf, wie es nach der Exekution weitergeht.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

Das Boot schwankt sanft hin und her. Wellen schlagen gegen die Seitenwände. Es ist ein wunderschöner Tag. Warm, eine leichte Brise über dem Wasser. Die wenigen Wolken an einem strahlend blauen Himmel ziehen munter ihres Weges, ohne zu wissen, was hier unten passiert. Irgendwo ertönen Möwenschreie.

 

Die Bewegungen des Bootes scheinen sich durch meinen ganzen Körper fortzusetzen. Ich denke, mir wird gleich schlecht. Nein. Ich weiß, mir wird jetzt schlecht. Ich beuge mich über den Bootsrand und übergebe mich. Meine Kehle brennt und es tut weh, es ist zu lange her, dass ich zuletzt etwas gegessen habe, um mich zu erbrechen.

 

Als ich mich aufsetze und mir den Mund mit dem Ärmel abwische, spüre ich die verächtlichen Blicke der Wachen auf mir.

 

Es ist mir egal, was sie von mir denken. Sie wissen nichts. Niemand hat ihre Freunde in einer Reihe aufgestellt, damit sie von ihren eigenen Leuten erschossen werden können.

 

Neben dem Boot legt ein zweites, größeres Boot an. Stockwell betritt das Pier. Er sieht mich nicht an. Bastard. Das ist alles seine Schuld. Was will er hier?

 

Alles schwankt und ich umklammere unwillkürlich den Bootsrand, um mich festzuhalten, als Frankie in das Boot klettert. Er setzt sich neben mich. Er ist blass.

 

„Hast du sie ausgetauscht?“, murmele ich, den Blick von ihm abgewandt. „Die Platzpatronen, Frankie, hast du die Munition gegen die Platzpatronen ausgetauscht?“

 

Frankie sieht mich nicht an. „Was hört sich besser an? ‚Ich glaube’ es oder: ‚Ich hoffe es’?“

 

Ich würde ihn am liebsten an den Schultern packen und schütteln. Ihn anschreien, dass er sich sicher sein muss. Wir können uns keinen Fehler erlauben. Es geht um das Leben meiner... der Menschen, die ich liebe.

 

Die Wachen mustern mich und ich kann in ihren Gesichtern lesen, dass sie mich leid sind. Einer von ihnen hält seine Waffe, als würde er sie gerne an mir ausprobieren.

 

Das Boot legt ab, als die Schüsse zu hören sind. Es ist plötzlich erschreckend still. Sogar die Möwen schweigen.

 

Ich hatte geglaubt, auf diesen Moment vorbereitet zu sein. Und dennoch kann ich ein Zusammenzucken nicht unterdrücken. Ich starre auf meine Hände, meine Finger, die blutleer noch immer den Rand umklammern. Idiotisch von mir zu glauben, auf so etwas vorbereitet sein zu können. Egal wie sehr man plant, alles durchdenkt und glaubt, dass man an alles gedacht hat, es gibt immer etwas, das schief gehen kann.

 

Frankie hält sich an Pater Sallinis Bibel fest, als wäre sie ein Rettungsanker.

 

Das könnte es gewesen sein. Vielleicht werde ich sie nie wiedersehen. Und unser letztes Zusammentreffen wurde nach nur wenigen Sekunden von bewaffneten Soldaten unterbrochen, die mich aus der Zelle schleiften. Ich hatte kaum Zeit, Face und BA anzusehen. Oder mehr als ein paar Worte mit Hannibal zu wechseln.

 

Es war keine Zeit. Keine Zeit. Ihr Leben... mein Leben… könnte vorbei sein und wir hatten keine Zeit…

 

Panik steigt in mir auf und auf einmal fühle ich mich eingesperrt. Wie seltsam das ist. Ich sitze auf einem Boot, mitten im Ozean und spüre, wie sich Wände um mich schließen wollen.

 

Ich bekomme keine Luft. Ich bekomme keine Luft... Nein, ich darf das nicht. Ich muss... Frankie ist hier. Ich darf vor ihm keine Schwäche zeigen. Luft... ich brauche Luft. Kann mir denn niemand helfen?

 

Ruhig. Ruhe. Ich muss ruhig bleiben. Atmen. Ein. Aus. Ein. Aus. Ein. Aus.

 

Ich spüre Feuchtigkeit auf meinem Gesicht. Meine Augen brennen. Weine ich? Ich weiß nicht, ob es Tränen sind oder Schweiß, die über meine Wangen rinnen. Vielleicht ist es beides.

 

Ein. Aus. Atmen. Atmen. Ein. Aus. Ganz ruhig.

 

Der Motor des Bootes röhrt in die Stille und das Pier bleibt langsam hinter uns zurück. Der Wind streicht über mein Gesicht, kühlt es, macht mir das Atmen leichter.

 

Ich starre in das Wasser und fühle einen fast überwältigenden Drang, hinein zu springen. Ich kralle meine Finger in das raue Holz und... Ich kann nicht nachgeben. Sie brauchen mich. Ich muss zu ihnen zurück.

 

Ich muss zurück und sie holen. Ich darf sie nicht zurücklassen. Nicht hinter feindlichen Linien.

 

Nein.

 

Alles an mir, in mir, scheint zu zittern.

 

Wie lange dauert es noch, bis ich weiß, ob mein Leben vorbei ist, oder nicht?

 

Ich sehe auf, starre auf die Insel, von der wir uns entfernen.

 

Wie lange?

 

 

Ende