Titel:              Bloody Valentine - Hot Date 2

Autor:            Lady Charena

Fandom:         Satanic – Ausgeburt der Hölle

Paarung:         Pearl/Slue, diverse

Rating:           Travesty, m/m, Crime/Violence, R?

Beta:              T’Len

Archiv:                     ja

Feedback:       ja, bitte

 

Summe:          Fortsetzung zu „Hot Date“. Ein zweites Rendezvous ist arrangiert, um die Wogen zu glätten und Pearls rachsüchtige Natur zu besänftigen. Doch dann taucht Slue zu spät auf und wie es so schön heißt, soll selbst die Hölle keine größeren Schrecken kennen, als die Wut einer enttäuschten Frau. Und tatsächlich endet der Abend für Slue mit einem Messer im Wanst. Aber verurteilt mir meine Pearl nicht zu vorschnell....

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

Alle Infos zu „Satanic“ finden sich bei der ersten Story unter: http://tostwins.slashcity.net/pech.htm

 

 

 

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Es kommt im Leben jeder Frau eine Zeit, in der

sie ein Miststück sein muss.

                                         (Stephen King: Dolores)

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Sie langweilte sich. Grässlich. Langweilig, langweilig, laaaaaaaangweilig. Langweilig mit einem großen „L“. Pearl fischte in ihrer Handtasche nach dem Pillendöschen mit dem rosa Zeugs, das sie sonst so schön glücklich machte, aber sie hatte ihre kleinen Muntermacher wohl im Schlafzimmer liegen lassen. Also nahm sie statt dessen das Zigarrenetui heraus. Zwar hatte sie in einer der Zeitschriften im Schönheitssalon gelesen, dass Rauchen dem Teint schade, aber im Moment war ihr das auch egal. Sie biss das Ende der Zigarre ab und spuckt es nach Donny, der gerade an ihrem Tisch vorbeikam.

 

„Donny’s Diner“ war nicht eben das, was man ein Restaurant nennen konnte. Es war ein besserer Imbiss. Aber es war alles, was Harmony an kulinarischen Möglichkeiten zu bieten hatte. Und da Slue es nicht noch einmal auf sich nehmen wollte, in Baton Falls (wo die Polizei nicht ganz so trottelig – oder bestechlich – wie in Harmony war) ein Auto zu knacken und zwanzig Meilen nach Hause zu fahren, hatte er darauf bestanden, dass sie „Zuhause“ blieben. Abgesehen davon, dass die Schrottkarre an kaputten Stoßdämpfern litt und er sich wie gerädert fühlte, als er vor verschlossener Haustür stand. Sogar zu müde war er, um sie einzutreten. Schließlich musste er in der Pyramide zwischen geklauten Fernsehern und Kühlschränken schlafen. Immerhin war es nicht seine Schuld gewesen, dass er zu spät kam, sondern die dieses Trottels Correl, mit dem er sich in einer Kneipe verabredet hatte – und der einfach nicht auftauchte. Da hatte sich Slue mit ein paar Leidensgenossen (deren Frauen ebenfalls diesem neumodischen Valentinstag-Fimmel nachhingen) ein paar Drinks genehmigt und als Correl endlich erschien, sah er die Uhr über dem Tresen schon doppelt. Correl war ein versoffenes Arschloch, aber wenn er nicht besoffen war, ging er mit Schmuggelware über die Grenze zu Mexiko wie ein heißes Messer durch weiche Butter. Allein aus diesem Grund musste er sich mit ihm gut stellen. Es war nicht einfach, kompetente Geschäftspartner aufzutreiben. Trotzdem war es möglich, dass er Correl nicht mehr lange trauen konnte; wie man ihm zugetragen hatte, hing der Mistkerl inzwischen an der Nadel. Und nichts war unzuverlässiger als ein drogensüchtiger Schmuggler.

 

Donny grinste und wich aus - was dazu führte, dass das abgebissene Zigarrenende in einem der Suppenteller landete, die er auf einem verschmierten Tablett gerade einem verschüchtert wirkenden, älteren Paar servieren wollte, das offenbar nur auf der Durchreise war. „Du siehst heute Abend wieder hinreißend aus, Pearl“, meinte er, was ihm ein gnädiges Lächeln einbrachte und die Erlaubnis, einen Kuss auf Pearls gepuderter Wange zu platzieren. „Willst du meinen Kunden den Kopf verdrehen oder verschwendest du das alles an diesen Ignoranten Slue?“

Er hatte sich natürlich vorher vergewissert, dass keiner von Slues Freunden da war. Donny war in Harmony geboren und aufgewachsen und kannte Slue seit über zwanzig Jahren (auch das eine oder andere Geschäftchen hatten sie zusammen abgewickelt) und irgendwann wollte er auf dem Friedhof in Harmony begraben werden. Aber noch nicht morgen. Und das war eine durchaus realistische Möglichkeit, sollte Slue ihn dabei erwischen, wie man an seiner Frau rumbaggerte. Aber gottverdammmich’! So eine wie Pearl gab’s nur einmal in Harmony!

Donny stemmte lässig das Tablett gegen die Hüfte, auch wenn das selbst die zähflüssige Suppe zum Überschwappen brachte und zog sein vergoldetes Zippo aus der Tasche. Er hatte es einem besoffenen Touristen abgenommen, der auf dem Weg nach Los Angeles einen Zwischenstopp eingelegt und gründlich gebechert hatte. Tja, Pech, dass man Rosalia – die drüben im Sunrise Motel putzte – den Diebstahl angelastet hatte. Aber Louis, der Besitzer dieser Bruchbude, legte zu viel Wert auf Rosalias Dienste (und die hatten wenig mit dem Saugen des Fußbodens zu tun) als das er sie deswegen fallen ließ. So fand sich der Tourist auf der staubigen Straße vor dem Sunrise wieder, zwar mit geplünderter Brieftasche, aber mit heilen Knochen. Und da er offenbar einen Rest von Verstand besaß, machte er sich schnellstmöglich davon. Es hätte eh keinen Sinn gemacht, sich an den Sheriff von Harmony zu wenden, der mehr Geld von Slue als von der Stadt bezog.

 

Pearl ließ sich von ihm Feuer geben, ein dankbares, leicht lippenstiftverschmiertes Lächeln auf den Lippen. „Wenn er nicht bald auftaucht, schnappe ich mir den nächstbesten Kerl und gehe mit ihm ins Sunrise“, meinte sie trotzig.

 

Donnys Grinsen wurde noch eine Spur breiter, obwohl man sich schon fragen musste, wie er das anstellte, ohne seine überdimensionalen Ohren zu verschlucken. „Ich stehe immer zu deiner Verfügung, Pearl. Du musst nur ein Wort sagen.“

 

Sie blies ihm Rauch ins Gesicht und tätschelte seine Wange. „Schenk’ mir erst einmal nach“, meinte sie und schob ihm das leere Glas zu.

 

Falls Donny von ihrer Antwort enttäuscht war, zeigte er das nicht. „Soll ich dir auch etwas zu Essen bringen? Nichts von diesem Schweinefraß hier“, meinte er mit einem abschätzenden Nicken in Richtung des Tabletts und ohne seine Stimme zu dämpfen. Das protestierende Gemurmel aus dem hinteren Teil des Diners, wo ein paar Einheimische aßen, überhörte er schlicht. „Domenica hilft heute in der Küche aus und sie kocht wie ein Engel.“ Er ließ das Zippo in der Tasche verschwinden und küsste seine Fingerspitzen mit einem lauten Schmatzen.

 

Pearl sah auf die fliegendreckverkleisterte Uhr über dem Tresen. Slue war schon eine halbe Stunde zu spät. Und warum sollte sie hungern? „Ja, bring mir etwas zu Essen“, erwiderte sie und warf den Kopf zurück, so dass die kleinen Perlohrringe in ihren silbernen Fassungen aufblitzten, die Slue ihr als Entschädigung für den verpatzten Abend geschenkt hatte. Aber schließlich durfte man einem Mann nicht zu schnell vergeben - das hatte Pearls Mama immer gesagt - auch nicht, wenn er mit Geschenken ankam, sonst bildete sich der Kerl bald ein, dass er alles mit einem machen konnte.

 

„Momentito, meine Schöne.“ Donny eilte weiter und knallte die Teller auf den Tisch, das ältere Paar zuckte schreckerfüllt zusammen. Dann verschwand er in die Küche, aus der wenig appetitanregender, grauer Qualm quoll.

 

* * *

 

Zehn Minuten später knabberte Pearl an einem Hühnerschenkel, der in Domenicas Spezialsoße –sie sah aus wie Teer und schmeckte vielleicht auch so, doch das konnte nach dem ersten Bissen keiner mehr feststellen, denn die verschwenderische Fülle von Jalapenos, die darin vorhanden war, brannte die Geschmacksnerven aus – schwamm.

 

Donny saß auf dem freien Platz gegenüber und sah ihr hingerissen zu. Unter dem Tisch tastete sein Fuß sich langsam Richtung Pearls Fuß vor.

 

Zu hingerissen, so dass er die Pranke nicht bemerkte, die ihn am Genick packte und halb aus dem Sitz zerrte, halb in die Luft hob. Donny stieß ein erschrecktes Quieken wie ein abgestochenes Schwein aus und zappelte, bis er frei kam. Dann tauchte er auf allen Vieren unter dem Tisch durch, warf Pearls Handtasche um und rappelte sich erst in sicherer Entfernung wieder auf. Erleichtert sah er, dass Slue ihn eher mit angewidertem Mitleid, als wütend anstarrte. Das war gut so. Einem wütenden Slue stand man ebenso gerne gegenüber - wenn man an seinem armseligen Leben hing - wie einem gereizten Nashorn. Wobei die Chancen mit dem Nashorn eventuell sogar günstiger stehen mochten... „Ich habe nichts getan“, quietschte er atemlos.

 

Slue schüttelte abwehrend den Kopf. Und das erinnerte Donny irgendwie an ein Krokodil, das er einmal in einem Tierfilm im Kino gesehen hatte, das einen der winzigen Vögel wegscheuchte, der ihm zwischen den Zähnen stochern wollte. Nicht drohend, aber mit einem definitiven „Geh-mir-auf-die-Nerven-und-ich-reiße-dir-deinen-armseligen-Schädel-ab-und-benutze-ihn-als-Bowlingkugel“-Ausdruck im Gesicht. Dann wandte sich der Blick der kleinen, grausam-kalt glitzernden, schwarzen Augen von ihm ab.

 

Das lag daran, dass Pearl ihrem Göttergatten das Hühnerbein an den Schädel geschmissen hatte. An sich nichts Schlimmes: es prallte an Slues massiver Stirn so schadlos ab, wie eine Walnuss am Schädel eines T-Rex. Doch da war ja noch Domenicas Spezialsoße und unglücklicherweise geriet etwas davon in Slues Augen, der wie ein angeschossener Elefantenbulle losbrüllte. Donny – wie die meisten anderen Gäste, bis auf das Touristenpaar, das schreckensbleich und aneinandergeklammert dasaß – ging in Deckung.

 

„Du bist schon wieder zu spät!“, keifte Pearl.

 

„Verfluchtes Miststück, das Zeug brennt wie Feuer in den Augen“, brüllte Slue zurück.

 

„Ach ja?“ Pearl sprang auf und griff sich einen Wasserkrug vom Nebentisch. „Vielleicht hilft das!“ Schwungvoll schüttete sie ihm das Wasser über den Kopf.

 

„Warte, du miese Schlampe, wenn ich dich in die Fin...“ Pearls Scotchglas traf seine Schulter und Slues Drohung endete in einem schmerzerfüllten Schnauben, während er noch versuchte, sich das Wasser und die Reste von Domenicas Soße aus dem Gesicht und den Augen zu wischen.

 

„Du ungehobeltes Wildschwein!“

 

Dem Kerzenständer – samt wachsspritzender Kerze – der Donnys Diner einen gewissen romantischen Anstrich hatte verleihen sollen, konnte Slue gerade noch durch Ducken ausweichen.

 

„Nach all den Jahren, die ich an dich verschwendet habe, behandelst du mich wie eine dahergelaufene Hure, du Bastard!“

 

Der Gabel, die diesen Worten folgte, entkam Slue nicht. Sie streifte seine feiste Wange und hinterließ vier oberflächliche, aber dennoch blutige Kratzer. Er schüttelte sich, so wie ein Bär einen Angreifer abschütteln mochte, und schlug mit der Faust auf den Tisch, dass das verbliebene Besteck und Geschirr klirrend auf- und abhüpfte. „Halt’ deine verfluchte Fresse, Weib“, drohte er. „Oder ich werde...“ Pearls Handtasche klatschte in sein Gesicht, der Verschluss traf seine gereizten, tränenden Augen und ließ ihn vor Schmerz aufjaulen.

 

Nach einem letzten, vernichtenden Blick in die Runde stöckelte Pearl aus dem Diner.

 

„Sieg durch K.O. in der fünften Runde“, flüsterte Donny und verbarg sein Grinsen hinter vorgehaltener Hand. Vorsichtig kam er hinter der Theke hervor und begutachtete den Kriegsschauplatz.

 

Slue saß knurrend am Tisch und drückte eine Serviette gegen seine malträtierte Wange. Seine Augen waren blutunterlaufen und rot, das linke zu einem Schlitz zugeschwollen, wo ihn der Verschluss der Handtasche getroffen hatte. Er hatte tatsächlich gewisse Ähnlichkeit mit einem Boxer nach einer vernichtenden Niederlage.

 

Es war noch immer mucksmäuschenstill, die anderen Gäste schienen sich noch nicht wirklich sicher zu sein, ob es ungefährlich war, sich wieder zu zeigen.

 

Und auch Donny wich einen Schritt zurück, als Slue seine Massen hochstemmte, nach Pearls Handtasche griff und wortlos aus dem Diner marschierte.

 

* * *

 

Slue blinzelte, als er aus dem recht hell erleuchteten Diner auf die nur kläglich beleuchtete Straße trat. Außerdem sah er mit seinen tränenden Augen eh alles verschwommen. Die Kratzer auf seiner Wange pochten. Er rieb sich mit dem Handrücken über die Augen, doch das brachte nicht wirklich Besserung. Wo steckte dieses verdammte Weib? Hatte sie sich den Wagen geschnappt und war nach Hause gefahren? Oder steckte sie hier vielleicht irgendwo in Harmony? Ihm fiel die Derringer ein und er wühlte in der Handtasche. Kram. Noch mehr Kram. Was zum Teufel schleppte dieses Weib nur alles mit sich rum! Aber keine Waffe. Verflucht. Entweder trug sie sie bei sich, irgendwo in ihren Klamotten versteckt – oder sie lag Zuhause unterm Kopfkissen, das würde Pearl ähnlich sehen. Er ließ die Tasche auf den Gehweg fallen.

 

Langsam setzte Slue sich in Bewegung, weg vom Diner, die Straße entlang. Er hatte den Wagen um die Ecke vor der Kneipe abgestellt. Obwohl er immer noch wütend war und beabsichtigte, Pearl die Flausen auszuprügeln, sobald er sie erwischte, stieg noch langsam ein anderes Gefühl in ihm auf. Ein Prickeln im Nacken sagte ihm, dass er beobachtet wurde – jemand folgte ihm. Er verlangsamte seine Schritte noch mehr, blieb schließlich stehen, lehnte sich gegen einen Bretterzaun, als wäre er zu erschöpft und mitgenommen, um weiter zu gehen. Mit gesenktem Kopf beobachtete er die Straße aus den Augenwinkeln. Für ein paar Sekunden fiel ein menschlicher Umriss zwischen den Schatten der Mülltonnen auf den Gehweg. Jemand war einen Schritt vorgetreten, um nach ihm zu sehen und dann rasch wieder zurückgewichen.

 

Slue verfluchte sich, keinen Revolver eingesteckt zu haben. Die Schrotflinte lag im Wagen, doch der stand noch eine Querstraße entfernt. Wenn es Pearl sein sollte, mit ihr würde er schon fertig. Aber wenn sie es nicht war... Viele hatten den schwammigen Mann schon unterschätzt.

 

Er griff sich an den Kopf, gab vor, dass ihm schwindlig wäre und stöhnte sogar leise. Jeder Idiot musste nun glauben, dass er zu schwach war, um weiter zu gehen – sogar zu schwach, um sich zu verteidigen.

 

Dann passierten zwei Dinge gleichzeitig. Hinter Slue klirrte Glas, als wäre jemand gegen eine Flasche getreten und diese umgefallen. Und auf der gegenüberliegenden Straßenseite trat der Schmuggler Correl aus dem Schatten. Slue richtete sich auf. „Was zum Teufel willst du hier?“, knurrte er. „Wir waren vor zwei Stunden verabredet. Deinetwegen bin ich zu spät zu meiner Verabredung mit Pearl gekommen und sie macht mir die Hölle heiß.“

 

Der Schmuggler zuckte mit den Schultern. „Du solltest sie windelweich prügeln, bevor sie dich wieder prügelt“, meinte er und spuckte auf die Straße.

 

Slue betastete seinen Schädel. „Was willst du?“, fragte er ungehalten. „Warum kriechst du bei den Mülltonnen herum?“

 

„Ich brauche Geld, Slue. Viel Geld.“ Correl kam noch näher. Er war ein magerer, nicht besonders großer Mann, der durch seine vornüber geneigte Haltung noch kleiner erschien. Er reichte Slue nicht ganz bis zu den Schultern. „Ich habe Mist gebaut, drüben in San Pedro. Wenn ich kein Geld bringe, stechen die mich ab.“

 

„Vergiss’ es, Correl“, zischte Slue, der auch bei bester Stimmung keine Kohle rausgerückt hätte. „Du hast dich selbst in die Scheiße geritten, dann sieh’ auch selbst zu, wie du da wieder rauskommst. Und jetzt verschwinde, ich habe gute Lust, dir einen Tritt in den Arsch zu verpassen.“ Correl war für ihn erledigt.

 

Correl zog die Hände aus den Taschen und im matten Licht blitzte etwas Silbern auf. Ein Messer. „Verdammt, Slue. Du hast mit dem Zeug, das ich für dich geschmuggelt habe, ein Vermögen verdient. Da wird doch wohl ein bisschen was für mich drin sein. Nur um mir diese Typen vom Hals zu schaffen. Slue, mit denen ist nicht zu spaßen. Die bringen mich um.“

 

„Ich bin auch nicht zu Scherzen aufgelegt“, knurrte Slue. „Steck sofort das Messer weg und komm’ mir nicht mehr unter die Augen. Das nächste Mal schieße ich dich über den Haufen wie einen tollwütigen Hund.“

 

Der Schmuggler wechselte nervös das Messer zwischen den Händen hin und her. „So geht das nicht. Slue, so geht das nicht! Ich brauch’ das Geld!“ Und dann machte er abrupt einen Schritt nach vorne, der ihn in die Reichweite des anderen Mannes brachte.

 

Slue griff nach dem Handgelenk des Schmugglers, verfehlte ihn aber und das Messer ritzte seinen Unterarm. Mit einem wütenden Aufschrei schlug er nach Correl. Der duckte sich zwar, stieß aber im gleichen Moment mit dem Messer nach Slue – und traf ihn in den Bauch.

 

Slue taumelte zurück an den Zaun und presste beide Hände auf seinen Bauch, wo ein rasch größer werdender Blutfleck erschien.

 

Correl taumelte zurück, starrte das Messer an, als hätte er keine Ahnung, was passiert war.

 

Aus der Seitenstraße hinter Slue trat Pearl. Sie hielt die Derringer in der Hand und zielte damit auf den Schmuggler. „Was hast du Schwein mit meinem Mann gemacht?“, fragte sie, die Stimme völlig kalt, keine Spur von Hysterie in ihrem Gesicht. Ihre Hand zitterte nicht.

 

Correl entschied sich für die falschere der beiden Alternativen, die er sah und versuchte Pearl die Derringer abzunehmen. „Gib’ mir das Spielzeug, Schätzchen, bevor du dir damit wehtust“, presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

 

Doch Pearl wich zurück, holte aus und trat ihm in die Eier. Stöhnend ging der Schmuggler in die Knie und ließ das Messer fallen, um beide Hände in den Schritt zu pressen.

 

Pearl trat noch ein paar Schritte zurück, bis sie neben Slue stand, der inzwischen fluchend auf dem Boden saß, das Hemd hochgeschoben. Sie warf einen kurzen Blick auf die Bauchwunde und das Blut, das zwischen Slues Fingern hervorquoll. Dann sah sie wieder den Schmuggler an. Sie hob die Derringer und feuerte.

 

Nun, vielleicht mochte die Derringer wie ein harmloses Kinderspielzeug aussehen – das kleine, rote Loch das in Correls Stirn wie eine Blume aufblühte, war sicher nicht harmlos... Der Schmuggler kippte ohne einen Laut nach hinten um.

 

Im Haus gegenüber ging ein Licht an, am Fenster erschien ein neugierig herausspähendes Gesicht – und verschwand sofort wieder, das Licht ging aus. Sicher klingelte in diesem Moment bereits das Telefon des Sheriffs. Jeder kannte in Harmony jeden...

 

Pearl ließ die Derringer fallen und kniete sich neben Slue auf den Asphalt. „Dich kann ich wohl keinen Moment alleine lassen.“ Ihre eleganten, weißen Handschuhe färbten sich rot, als sie Slues Hände zur Seite schob, um sich die Wunde genauer anzusehen. „Das wirst du überleben, so tief ist das nicht.“ Um die Fettringe zu durchdringen, brauchte man schon eine längere Klinge als das Messerchen des Schmugglers.

 

„Verdammt, Weib, du hast ihn erschossen!“, krächzte Slue. „Musste das hier mitten in der Stadt sein? Gibt nur Schererein.“

 

Pearl richtete sich auf und stemmte die Hände in die Hüften. „Ist das der Dank, dass ich dir das Leben gerettet habe?“, fragte sie scharf. „Du bist das undankbarste, brutalste, widerlichste Schwein, das ich kenne.“ Dann grinste sie und küsste Slue auf die Stirn. „Verdammt, hast du mir gefehlt.“

 

Slue grunzte und schloss die Augen.

 

Pearl rückte näher, bettete den Kopf ihres Slues in ihren Schoß und drückte mit einer Hand auf die Wunde, um die Blutung zu stoppen. Mit der anderen wischte sie zärtlich den Schweiß von seiner Stirn.

 

Sie wartete auf den Sheriff. Er hatte einen Pickup, mit dem sie Slue nach Hause schaffen konnten, damit sie seine Wunde verband. Es wäre nicht die Erste. Und dann konnte sich der Sheriff um die Leiche kümmern, er würde sie verschwinden lassen. Es wäre nicht die Erste. Die Wüste war groß. Und schwieg.

 

Pearl lächelte und fing an, ein Lied zu summen, mit dem sie auch Sonny immer in den Schlaf wiegte...

 

 

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Eine Frau ist ihres Mannes reichster Schatz,

seine helfende Hand, eine feste Stütze.

Ein Weinberg ohne Hecke wird überwuchert werden;

ein Mann ohne Frau wird zu einem hilflosen Wanderer.

 

Bibel

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Ende