Titel: Home for Christmas
Autor: Lady Charena

Fandom: The A-Team

Pairung: B.A.
Rating: PG, Feiertag

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Ein Lied weckt Erinnerungen in B.A.

Gehört zu „Night before Christmas“ und „Dear Uncle John

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics by Bing Crosby

 

 

I'll be home for Christmas
You can plan on me
Please have snow and mistletoe
And presents on the tree

Christmas Eve will find me
Where the lovelight gleams
I'll be home for Christmas
If only in my dreams

 

B.A. verabscheute diesen Song.

 

Als er ihn zum ersten Mal hörte, war er zu grün gewesen, um seine Bedeutung tatsächlich zu verstehen. Es traf auf seine Situation zu, so sehr, dass er weinen wollte – und das machte ihn wütend. Es war in Vietnam gewesen. An seinem ersten Weihnachten fern von Zuhause. Fast noch ein Kind, kaum zwanzig Jahre alt. Und bereits in mehr Schwierigkeiten, als er seiner Mama jemals eingestehen konnte, ohne dass sie ihrem Scooter die Ohren lang zog.

 

Ein Gedanke, der ihn für einen Moment zum Lächeln brachte – allerdings ohne dass sich davon etwas auf seinem Gesicht zeigte.

 

Seit er vierzehn war, überragte er seine Mama, die selbst keineswegs eine kleine Frau war. Sie würde sich nur noch mehr Sorgen um ihn machen, wenn sie wüsste, wie es hier war. Hier. Vietnam. Er hatte sich an seinem achtzehnten Geburtstag freiwillig zur Armee gemeldet und man hatte ihm versprochen, er könne eine Ausbildung zum Mechaniker machen. Und später könnte er in Chicago eine Werkstatt eröffnen und für seine Mutter und sich endlich ein besseres Leben ermöglichen. Selbst als sein Vater noch am Leben gewesen war, hatten sie meist nur das Nötigste besessen. Doch nach seinem Tod musste seine Mama um jeden neuen Tag für ihr Kind und sich kämpfen. Er war in einem Viertel aufgewachsen, in dem Größe und Stärke mehr zählten als Verstand. Groß und stark war er geworden, auch nicht besonders schlecht in der Schule, darauf hatte seine Mama geachtet. Wenn es nach Bosco Baracus gegangen wäre, hätte er allerdings die Schule abgebrochen, um Geld zu verdienen. Doch das hatte sie nicht zugelassen. Sie hatte selbst Lesen und Schreiben erst als junge Frau gelernt, in einer kirchlichen Einrichtung und wusste, wie schwer es ihr gefallen war. Sie hatte auf eine bessere Arbeit gehofft – doch alles, was es in diesen Tagen an Arbeit für junge, schwarze Frauen gab, war das Schrubben von Fußböden oder das Waschen von Wäsche. 

 

B.A. setzte sich auf seiner Pritsche auf. Zumindest wusste seine Mama nicht, dass er dieses Weihnachten hinter Gittern verbrachte. Er hatte lange den Spott und die Schmähreden und Bemerkungen über seine Hautfarbe geschluckt, die eine kleine Gruppe von Weißen in seiner Einheit führten. Zu lange. Nach einer besonders hässlichen Bemerkung hatte er in der Messe eine Schlägerei begonnen, bei der er dem Sprecher die Nase brach. Und damit begann es nur.

 

Es war nicht seine erste Schlägerei gewesen. Doch es war eine zu viel gewesen. Morrison beorderte ihn in sein Büro und hielt ihm eine Standpauke, von der B.A. allerdings nicht allzu viel mitbekam, ihm dröhnte Blut in den Ohren von den Schlägen gegen seinen Kopf. Alles, was er verstanden hatte, war dass er am nächsten Tag einer anderen Einheit zugeteilt werden würde, die unter dem Kommando eines Lieutenant Colonel John Smith stand, der den Ruf hatte, auf besondere Weise mit Unruhestiftern und „schwierigen Fällen“ umgehen zu können. Er hatte von diesem Colonel gehört, und war sich nicht sicher, was er von ihm zu erwarten hatte. Aber bis dahin erwartete ihn eine Nacht hinter Gittern. Ein „schwieriger Fall“ war er jetzt also. Dabei war alles so einfach. Er war ein einfacher Mensch, mit einfachen, geradlinigen Gefühlen. Und was er jeden Tag sah und erlebte, die Angst die er hatte, machte ihn so wütend, dass sich diese Wut irgendwo entladen musste. Seine notorisch schlechte Laune - und die schlechten Manieren, die ihm seinen Spitznamen eingebracht hatten - waren wie ein Schutzschild.

 

Er sah nicht auf, als er hörte, wie sich die Tür öffnete. Aber wer immer gekommen war, hatte offenbar keine Absichten, ihn wieder alleine zu lassen, egal wie unhöflich er sich benahm. Schließlich sah er auf – und in die ruhigen, blauen Augen eines älteren Mannes, der ihn mit undeutbarer Miene musterte. Smith. Hinter ihm stand ein Junge. Denn mehr konnte er nicht sein. Smith wechselte einen Blick mit dem Jungen, dann nickte er ihm zu und ging wieder.

 

Der Junge streckte ihm die Hand entgegen. „Hallo. Ich bin Templeton Peck. Hannibal hat den Arrest aufgehoben. Du kannst deine Sachen packen und in unsere Baracke ziehen. Willkommen beim A-Team.“ Er lächelte und seine tiefblauen Augen blitzten auf.

 

* * *

 

Bevor Bing Crosby die letzten beiden Textzeilen singen konnte, schaltete B.A. das Radio im Van ab. Vermutlich sollte er langsam zurück ins Haus zu den anderen, anstatt hier zu sitzen und Trübsal zu blasen. Er zog den Brief aus der Tasche, den ihm der Spinner beim Frühstück über den Tisch zugeschoben hatte. Nach dem Frühstück, bei dem Murdock und Face die komplette Unterhaltung alleine bestritten, da Hannibal irgendwelchen Gedanken nachzuhängen schien, hatte er sich damit nach draußen in den Van verzogen, um ihn ungestört zu lesen.

 

Seine Mutter hatte Murdocks Adresse im VA und ihren Brief dorthin gerichtet. Er betrachtete die Karte, die beigefügt war, sie zeigte die Heiligen Drei Könige auf dem Weg zum Stall. Diesen Teil der Weihnachtsgeschichte hatte er als Kind am meisten geliebt und sich ausgemalt, welche Gefahren die Drei Könige auf ihrem Weg zu überwinden hatte: Kämpfe mit Drachen und Löwen und gefährliche Räuberbanden.

 

Irgendwo tief in sich spürte er noch immer die kindliche Aufregung dieser Tage. Er erinnerte sich daran, am Weihnachtsmorgen stets sehr früh aufgestanden zu sein, um beim Baum zu sitzen und ihn anzusehen. So klein und schäbig ihm der Baum und sein ärmlicher Schmuck nun  als Erwachsener auch vorkommen wollte, damals war es der schönste Anblick der Welt für ihn gewesen. Es war wie ein Zauber...

 

Er seufzte leise. Zwischen den Zeilen konnte er lesen, wie traurig seine Mutter war, dass er auch dieses Weihnachten nicht nach Hause kommen konnte. Es gab keinen Zweifel daran, dass die MP seine Mutter unter Beobachtung hielt – vor allem an den Feiertagen. Er konnte sie nicht einmal anrufen, weniger um seinetwillen als um ihr keine Schwierigkeiten zu bereiten. Denn je weniger sie von ihm hörte, umso besser. Vielleicht ließ die Army sie dann irgendwann in Ruhe. 

 

„Hey, Großer.“

 

B.A. schreckte aus seinen Gedanken auf. Murdock lehnte gegen die Fahrertür und lächelte ihn an. Er blinzelte. Auf was war der Spinner nun wieder aus? Er trug... trug er tatsächlich einen Mistelzweig an seiner Basecap? „Was ist los, Spinner?“, knurrte er gewohnheitsmäßig, weniger aus aktueller schlechter Laune.

 

„Kommst du ins Haus?“, fragte der Pilot unbeeindruckt, dessen sanften braunen Augen der Umschlag und die Karte in B.As Händen nicht entgangen waren. „Wir spielen Poker und Face mogelt. Hannibal und ich brauchen dich, um ihn böse anzustarren.“ Er lachte, als er B.As verblüfften Gesichtsausdruck sah und wirbelte davon wie ein Weihnachtskobold.

 

Kopfschüttelnd steckte er die Karte und den Brief wieder ein und stieg aus dem Van. Vielleicht konnte er an diesem Weihnachten nicht Zuhause sein – aber zumindest war er nicht allein. Und er wusste, dass seine Mama das gutheißen würde.

 

B.A. ging zurück ins Haus, zu seinen Freunden.

 

 

Ende