neu: nothing new (House md, gen, PG - Staffel 4)
Titel: Nothing new
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Pairung: POV Wilson, Kutner
Rating: gen, PG
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Kutner sagt etwas zu Wilson, was diesen sehr nachdenklich macht. Spoiler: House’s Head (4.15) / Wilson’s Heart (4.16) Finale Staffel 4

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.
Lyrics: OneRepublik



I'd take another chance,
take a fall, take a shot for you
I need you like a heart needs a beat,
but it's nothing new


In diesen Tagen gehst du nur selten in die Cafeteria, um zu essen. Es liegt nicht nur daran, dass du keinen richtigen Appetit hast – du willst die mitleidigen Blicke nicht auf dir spüren. Zum ersten Mal kannst du wirklich verstehen, warum er es so hasst. Doch du bist nicht wie er, du kannst dich nicht hinter einem Schutzwall aus Zynismus und harschen Worten verbergen. Du musst die Zähne zusammenbeißen und dich daran erinnern, dass sie es nur gut meinen, auch wenn du das Gefühl hast, deine Lippen sind von deinem gezwungenen Lächeln dauerhaft beschädigt.

Du hast einen Tisch in einer Ecke gewählt und den Ausdruck eines Artikels mitgebracht, den ein Kollege dir gemailt hat – in der Hoffnung, dass man dich für beschäftigt hält und dich in Ruhe lässt. Bisher scheint es zu funktionieren, doch du findest es unmöglich, dich auf den Inhalt zu konzentrieren. Genauso wenig vermag es die Tomatensuppe mit ihrer glitschigen Reiseinlage, deinen Appetit zu wecken. Du rührst durch die dicke, zähe Masse und fragst dich, warum du sie gewählt hast – du magst Suppen nicht besonders gerne. Abgesehen davon kann dir niemand etwas vom Teller stehlen, wenn... Jemand räuspert sich und du siehst auf, verärgert über die Störung. Konnte man nicht einmal in Ruhe seinen Gedanken nachhängen?

Doch du vergisst deinen Ärger in purem Erstaunen darüber, wer vor dir steht und unbehaglich von einem Fuß auf den anderen tritt. Du kannst dich nicht erinnern, je mehr als fünf private Worte mit Lawrence Kutner gewechselt zu haben. Ist er also hier, um dich um eine Konsultation zu bitten?

So weit du weißt, hat Cuddy das Team während House’ erzwungenem Genesungsurlaub in andere Abteilungen delegiert. Kutner hat sich freiwillig für die Kinderstation gemeldet, fällt dir plötzlich ein, du hast ihn im Spielzimmer gesehen, als du auf der Suche nach einer der jungen Leukämiepatientinnen warst. Du erinnerst dich, dass die Kinder gebannt an seinen Lippen hingen und er mit seinem wirren Haaren, einem Superman-T-Shirt und den großen, dunklen Augen in einem scheinbar ständig grinsenden Gesicht fast mehr wie ein Spielkamerad, als wie ein Arzt wirkte.

Du hebst die Hand, deutest auf den freien Stuhl gegenüber und schichtest deine Unterlagen ordentlich aufeinander, während er Platz nimmt. Du siehst ihn an und das Unbehagen in den dunklen Augen, die deinen unsicher begegnen, ist nicht zu verkennen. „Was kann ich für Sie tun?“

Er zögert noch immer, dann senkt er den Blick auf den Tisch, als er zu sprechen beginnt, fast so, als würde er mit der unappetitlichen Tomatensuppe reden. „Als ich sechs Jahre alt war, wurden meine Eltern bei einem Überfall getötet.“

Er stockt für einen Moment und du bist es, der wegsehen muss. Du fragst dich unwillkürlich, ob irgendwann deine Stimme auch so klingen wird, wenn du über Ambers Tod sprichst – so als wäre es einer anderen Person in einem anderen Leben zugestoßen.

„Ich hasste die ganze Welt. Ich hasste meine Eltern, weil sie nicht vorsichtiger gewesen waren und ich hasste die Menschen, die sie mir weggenommen hatten. Meine Adoptiveltern waren sehr nett und sie behandelten mich immer wie ihr eigenes Kind, aber es gab eine Zeit, da hätte ich ohne zu überlegen ihr Leben gegen das meiner Eltern eingetauscht.“

Als er wieder verstummt, hebst du den Blick. Er scheint die Aufforderung auch ohne Worte zu verstehen. „Hassen Sie Doktor House nicht dafür, dass er überlebt hat.“ Ein zaghaftes Lächeln auf dem rundlichen Gesicht des jüngeren Mannes, dann steht er auf und nickt. „Es tut mir leid, Sie gestört zu haben, Doktor Wilson.“

Und bevor du die Gelegenheit hast, etwas zu erwidern, ist er bereits weg und du siehst eben noch seinen Rücken zwischen den anderen hungrigen Cafeteriabesuchern verschwinden.

Du packst deine Papiere zusammen, lässt die kalte, unberührte Suppe stehen und gehst zurück in dein Büro.

* * *

Du lehnst dich in deinen Stuhl zurück und verschränkst die Arme hinter dem Kopf, während Kutners Worte wie in einer Endlosschleife in deinen Ohren wieder klingen. Wie kann er – wie kann irgendjemand – denken, du würdest House dafür hassen, dass er den Unfall überlebt hat?

Du kannst ihn nicht hassen. Es ist, als solltest du einen Teil von dir selbst hassen. Du warst wütend, ja – auf das Schicksal, auf Gott, auf die Ungerechtigkeit des Lebens im Allgemeinen.

Vielleicht warst du auch eine Weile wütend auf ihn, auf seinen Selbsthass, auf seinen Drang zur Selbstzerstörung, der ihn in erster Linie in dieser Nacht in der Bar hatte enden lassen.

Aber du hast die Wut inzwischen hinter dir gelassen.

Du hast dir niemals gewünscht, dieses Leben gegen jenes, sein Leben gegen Ambers eintauschen zu können. Doch du verstehst langsam, wieso Kutner auf diesen Gedanken gekommen ist. Du hast in diesen Tagen kein Interesse daran, den Krankenhausklatsch zu verfolgen, doch es ist ziemlich wahrscheinlich, dass die Geschehnisse längst die Runde gemacht haben. House hat sich im Laufe der Jahre viele Feinde geschaffen und über nichts redet sich besser, als über das Versagen eines Gegners. Genau so sicher bist du dir, dass es sich herumgesprochen hat, dass du von ihm... ja, gefordert... hast, dass er sich der riskanten Prozedur mit der Elektrode unterzieht, die sein Gedächtnis stimulieren sollte.

Für einen Außenstehenden musste es so ausgesehen haben, als würdest du Ambers Leben über das von House stellen. Es als eine Art... Opfer... anbieten, für ihr Überleben.

Das ist nicht, was du wolltest. Ein Wort von ihm hätte genügt, um dich zu stoppen, doch er hielt dich nicht auf, weil er selbst die Wahrheit wissen musste. Vielleicht war er sich des Risikos besser bewusst, als du in diesem Moment, hin- und hergerissen zwischen zwei Menschen, die beide deine Loyalität verdienten. Die beide darauf vertrauten, dass du das Richtige tun würdest.

Also bist du zur Seite getreten, als Chase sich an die Arbeit machte. Du hast versucht, House’ Blick fest zu halten, bis sich Lider über blaue Augen senkten. Und dein Herz brach, als Tränen über House’ Wangen glitten.

Du hast dir niemals gewünscht, sein Leben gegen Ambers eintauschen zu können. Er verdient es nicht mehr, zu sterben, als sie es verdient hatte. Du weißt, dass er denkt, du hasst ihn. Cuddy hat dir erzählt, dass er im Halbschlaf davon gesprochen hat, als er aus dem Koma erwachte. Sie verschwieg nicht, dass sie überzeugt war, dass er unter Einfluss der Medikamente und seiner Verletzungen glaubte, dass du es gewesen wärst, der an seinem Bett saß, denn er bat immer und immer wieder um Verzeihung, bis sie ihm ein Beruhigungsmittel in den Tropf injizierte, dass ihn schlafen ließ.

Ambers Tod hat ein Loch in deinem Herzen hinterlassen. Sein Tod... Nein. Es ist ein Gedanke, vor dem du zurückschreckst. Es ist unmöglich, dir vorzustellen, dass er sterben könnte. Das macht es so schwer, deinen Mund zu halten, wenn du ihn auf der Messerschneide aus Vicodin, Alkohol, Einsamkeit und dem Motorrad balancieren siehst.

Und auch wenn seine Abwesenheit sich anfühlt, als hättest du deine Haut verloren, so dass bloßgelegte Nerven irritierte Schmerzsignale in alle Richtungen senden, weißt du, du bist noch nicht bereit, ihn zu sehen.

Denn dir wird auch etwas anderes bewusst. Wäre er bei dem Busunfall gestorben, wäre er dort alleine gewesen, weil Amber das Band nicht abgehört hätte oder wenn sie nicht losgefahren wäre, um ihn abzuholen... eure Beziehung hätte ebenfalls nicht überlebt.

Du kannst kaum die Schuldgefühle loswerden, dass du nicht für ihn erreichbar gewesen bist – er wäre vor dir nie weggelaufen, hätte dich vielleicht dazu überredet, mit ihm zu trinken und möglicherweise hätte der Abend auf seiner Couch geendet, weil du ihr nicht betrunken unter die Augen treten und ihr die Gelegenheit geben wolltest, auf House wütend zu sein, weil er damit die Vereinbarung verletzte. Er hätte nie in diesem Bus gesessen.

Und du weißt, du hättest ihr genauso die Schuld gegeben, wie dir selbst, wäre sie nicht losgefahren, um House abzuholen.

Denn am Ende war es nie deine Untreue oder ihr mangelndes Verständnis für deinen Beruf oder ihre wachsende Unabhängigkeit oder deine Beziehung zu House oder ihre Affäre gewesen, die deine Ehen hatten scheitern lassen. Es waren die daraus resultierenden Schuldgefühle gewesen.

Du lässt die Arme sinken und beugst dich vor, um die Unterarme auf die Schreibtischoberfläche zu stützen. Du hast Amber geliebt und du hattest gehofft, endlich den Teufelskreis durchbrochen zu haben. Aber du bist nicht in der Lage, dir zu wünschen, ihr Leben gegen House’ einzutauschen; selbst dann nicht, wenn eine Fee vor dir erscheinen würde, um dir einen Wunsch zu erfüllen.

Und du fragst dich, was dieser Gedanke über dich aussagt. Über deine Fähigkeit zu lieben. Du presst müde die Stirn gegen deine Arme und denkst, dass es einfacher gewesen wäre, an ihrer Stelle zu sterben.

Ende