neu: More than one feeling (House MD, slash, NC-17) post 1
Wegen der Länge in zwei Einträge geteilt

Titel: More than one feeling
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Charaktere: House/Wilson, Blythe und John House
Thema: # 027. Eltern
Word Count: 11.104
Rating: AR, slash, NC-17
Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len fürs Betalesen. In Staffel 2 waren House’ Eltern tatsächlich zu Besuch (Ep. 2.05 Daddys Boy).

Summe: Irgendwann nach dem Finale der Staffel 2, aber vor Ep. 3.01 Meaning – House’ Eltern haben von der Schießerei erfahren und sind nach Princeton gekommen, um ihren Sohn zu besuchen. House ist noch immer dabei, sich an sein neues, schmerzfreies Leben zu gewöhnen und nicht darüber erfreut. Und Wilson steht dazwischen.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: Roxette „How do you do“



Well, here we are
Crackin' jokes in the corner of our mouths
And I feel like I'm laughing in a dream
If I was young
I could wait outside your school
Cos your face is like the cover of a magazine



Wilson wechselte seine Tasche in die rechte Hand und hob die Linke, um den Knoten seiner Krawatte zu lockern, als er die Straße überquerte. Heute hatte ihn sein Glück im Stich gelassen und er fand nicht direkt einen Parkplatz vor House’ Appartement. Es war ein heißer Endsommertag und als er aus dem Auto stieg, klebte ihm sein Jackett am Rücken. Alles, was er im Moment wollte, war zu duschen und in frische Kleidung zu schlüpfen. Natürlich hätte er das alles leichter und bequemer in seinem Hotel erledigen können, ohne sich House’ spöttischen Kommentaren über die Zeit, die er auf Haarpflege verwandte (und die bei weitem nicht so lange war, wie House tat!) auszusetzen. Oder House’ Gequengel darüber, dass er mit den paar Kleidungsstücken, die er zum Wechseln hier behielt, seinen kostbaren Schrankplatz zu sehr in Beschlag nahm. Und das von einem Mann, der rund dreißig Paar Sportschuhe sein eigen nannte.

Seit der Geschichte mit Grace hatte House nicht mehr gefragt, ob er wieder bei ihm einzog. Und insgeheim war er darüber erleichtert. Die Zeit nach seiner Trennung von Julie, als er in House’ Appartement untergekommen war, stand noch frisch genug in seinem Gedächtnis. Es ginge ein paar Tage gut, und dann würden sie sich wieder gegenseitig auf die Nerven fallen. So war es besser. Er verbrachte ein paar Nächte die Woche bei House - je nachdem wie es ihre Arbeit erlaubte, denn oft genug hielt ein Fall House oder ihn selbst bis in die Morgenstunden im Krankenhaus fest – und den größten Teil des Wochenendes.

Sein Hotelzimmer war eine Art Zuflucht; eine Ruhezone. Vielleicht war es nicht ganz das, was er wollte; vielleicht war er nicht völlig glücklich mit dieser Distanz... aber eine gewisse räumliche und emotionale Distanz zu bewahren war der Kompromiss, der es ihnen ermöglichte, ihre Beziehung über all die Jahre hinweg aufrecht zu erhalten. Jede Form davon. Das war es, was er sich sagte, wenn er schlaflos und allein in seinem Hotelbett lag und mit hinter dem Kopf verschränkten Armen an die Decke starrte. Allein. Er war nicht gut darin, alleine zu sein. Ohne jemand, mit dem er teilen konnte, was er erlebte oder dachte oder der einfach nur neben ihm lag im Dunkeln, fühlte er sich wie in einer Warteschleife. Es gab kein Vorwärts und kein Zurück. Während der Pokernacht hatte House ihm vorgeworfen, ein Vampir zu sein, der davon lebe, dass ihn andere brauchten. Und er hatte darauf geantwortet, indem er sagte, dass House darüber froh sein müsse. Sie hatten nie wieder darüber gesprochen.

Wilson seufzte, als er die Stufen hochstieg und seinen Schlüssel aus der Tasche zog. Wie war er von der Aussicht auf eine erfrischende Dusche in diese düsteren Gedanken geraten? Er schloss auf und wischte sich mit dem Unterarm den Schweiß vom Gesicht, als er in die Wohnung trat. „House, bist du da?“, rief er, ohne aufzusehen, während er seine Tasche in einer eher untypischen Geste auf den Boden fallen ließ. „Und egal, was du für heute Abend geplant hast, ich gehe zuerst unter die Dusche. Allein.“

„Ich wusste nicht, dass mein Sohn es sich zur Gewohnheit gemacht hat, mit anderen Männern zu duschen“, entgegnete eine unbekannte Stimme.

Geschockt ließ Wilson den Arm sinken und spürte, wie sein Gesicht knallrot anlief. Die scharfen, blauen Augen, die ihn mit einem sehr befremdeten Ausdruck musterten, gehörten John House.

Wilson schluckte. Dann räusperte er sich. Auf dem Sofa saß Blythe House und sah ihn mit fragend hochgezogenen Augenbrauen an. John House stand auf halbem Wege zwischen der Raummitte und der Eingangstür. Offenbar war er aufgestanden, als er den Schlüssel im Schloss gehört hatte. „Ich... ähem... das klang jetzt etwas merkwürdig“, stotterte Wilson eine Erklärung. „Ich... ich... House hat... ich meine, Greg… er… Ich dusche manchmal hier. Natürlich nicht mit... ich meine...”

„Was Jimmy hier nicht über die Lippen bringt, ist, dass ich ihm eine Spinne in die Dusche geworfen habe, als er das letzte Mal da drin war. Und Klein-Jimmy hat Angst vor Spinnen. Seither besteht er darauf, ohne Haustiere – also allein - zu duschen.“

Als hinter ihnen plötzlich House’ sarkastische Stimme ertönte, drehte sich nicht nur Wilson zu ihm um. Auch seine Eltern sahen ihn an. House trat ein und schloss die Tür hinter sich. Seine durchgeschwitzten Klamotten – ein altes, graues T-Shirt mit aufgedruckten Skeletten und verwaschene Shorts – verrieten, dass er Joggen gewesen war und offenbar gerade zum richtigen Zeitpunkt zurückgekommen war.

„Eine Spinne?“, wiederholte John House mit einem seltsamen Unterton.

House zuckte mit den Schultern. Er musterte Wilson, obwohl er seinem Vater antwortete. „Es war eine dieser riesigen Plastikspinnen, die auf den ersten Blick verdammt echt aussehen. Eine Halloween-Dekoration.“

Blythe machte einen Versuch, die Spannung zu brechen, indem sie lachte und die Hand vor den Mund hielt. „Greg, du wirst wohl nie erwachsen“, tadelte sie liebevoll. Sie stand auf und kam auf die beiden zu, stellte sich neben ihren Mann und hielt Wilson die Hand hin. „James, ich freue mich, Sie wiederzusehen. Es ist mir immer eine Beruhigung, zu wissen, dass Sie ein Auge auf unseren Sohn haben. Aber es ist mir ein Rätsel, woher Sie die Geduld nehmen, es mit seinen kindischen Streichen auszuhalten.“

Wilson wurde wieder rot, als er ihre Hand schüttelte, dieses Mal aus einem anderen Grund. Er überlegte unwillkürlich, was sie sagen würde, wenn sie wüsste, dass er mehr als nur ein Auge auf ihren Sohn hatte... Er versuchte sich an einem Lächeln. „Es ist nicht immer einfach, Gregs Freund zu sein“, entgegnete er. „Was möglicherweise erklärt, warum ich der einzige bin, den er hat, Mrs. House.“

„Blythe“, korrigierte sie ihn mit einem Lächeln.

„Blythe“, wiederholte Wilson stockend. Er vermied es, John House ins Gesicht zu sehen, als er auch ihm die Hand schüttelte. Er räusperte sich erneut. „Mr. House. Guten Abend.”

John House zögerte sichtlich, bevor er die Hand des anderen Mannes ergriff. Wilson hätte fast erschrocken nach Luft geschnappt, so fest war sein Händedruck. Das sagte weit mehr als Worte und kaum war seine Hand frei, wich Wilson unbewusst einen Schritt zurück, was dazu führte, dass er gegen House stieß, der hinter ihm stehen geblieben war, um das ganze zu beobachten.

Jetzt nahm House ihn an der Schulter. „Ihr entschuldigt mich und Jimmy für einen Moment? Ich muss etwas mit ihm besprechen – etwas, dass das Krankenhaus betrifft, ärztliche Schweigepflicht, sterbende Patienten, blah, blah.“

Bevor Wilson darauf reagieren konnte, hatte House ihn bereits aus der Wohnung manövriert und schloss die Tür hinter ihnen.



I see you comb your hair
And gimme that grin
It's making me spin now, spinnin' within
Before I melt like snow
I say "hello, how do you do?"



Er zog ihn ein Stück entlang des, der Eingangstür entgegen gesetzten, Korridors, der zum Treppenhaus und den anderen Wohnungen des Gebäudes führte. Dort, weit genug weg von seiner Wohnung, dass man sie nicht beobachten konnte, ließ House ihn los und lehnte sich gegen die Wand. „Danke, Jimmy. Das war wirklich ausgesprochen hilfreich“, sagte er spöttisch.

„Woher…” Wilson unterbrach sich, als seine Stimme in einen fast panischen Tonfall umschlug. „Woher hätte ich wissen sollen, dass deine Eltern da sind?“, zischte er wütend. „Du hattest ja nicht die Güte, mich davon in Kenntnis zu setzen.“

„Dann hast du sie nicht angerufen?“ House musterte ihn, die Augen zwei schmale Schlitze. Es war so typisch etwas, das Wilson tun würde, dass er seine Eltern überhaupt nicht gefragt hatte, wieso sie von der Schießerei wussten. Cuddy hatte ein mittelgroßes Wunder vollbracht, das ganze aus der Zeitung herauszuhalten und überhaupt hätte es die Nachricht nie in die überregionale Presse geschafft, so dass die Chancen, dass seine Eltern davon erfuhren mikroskopisch klein sein sollten.

Wilson verschränkte die Arme vor der Brust. „Natürlich nicht. Du hast uns ja allen die schlimmsten Konsequenzen angedroht, sollten wir es tun. Denkst du, es war Cuddy?“

House schüttelte den Kopf. „Ich tippe eher auf Cameron… oder Previn.”

„Previn?“

„Evil Nurse Brenda.
Als Oberschwester der Klinik hat sie Zugriff auf alle Patientenakten. Die Telefonnummer meiner Eltern steht in meinen Unterlagen. Irgend so eine blöde Vorschrift, weil du nicht mit mir verwandt bist“, grollte House. „Und wenn diese Hexe Schuld daran ist, dass heute Mittag meine Eltern vor meiner Tür standen...“ Sein Gesichtsausdruck ließ Übles erahnen.

Wilson seufzte. „Vielleicht ist es nicht so schlimm, wie du denkst“, erwiderte er vorsichtig. „Ich meine, es ist doch völlig normal, wenn sie sich um dich Sorgen machen, es sind immerhin deine Eltern.“

House runzelte die Stirn und machte eine abschätzige Geste mit der Hand. „Es ist mir egal, ob ER sich Sorgen macht, aber ich will nicht, dass meine Mutter sich aufregt. Genau aus diesem Grund wollte ich nicht, dass sie etwas erfährt. Sie ist nicht mehr die Jüngste, so etwas kann ihr nicht gut tun.“

„Hey.“ Wilson legte seine Hand auf House’ Arm. „Wenn du mich fragst, sie wirkte ganz so, als hätte sie den Schock gut verkraftet.“ Das war ein Teil von Gregory House, den andere Menschen selten zu sehen bekamen; vielleicht einer der Gründe, warum er sich bereits vor all den Jahren in ihn verliebt hatte.

„Ja. Gut, dass sie erst jetzt aufgetaucht sind. Ich hatte genug Besuche an meinem Krankenbett für die nächsten drei Leben.“ House sah ihn an. „Aber ich bin mir nicht sicher, ob sie es ebenfalls so gut aufnimmt, wenn du uns outest.“

Wilson zuckte zusammen. „Es war keine Absicht“, verteidigte er sich. „Ich konnte doch nicht wissen, dass du sie alleine in deinem Wohnzimmer herumsitzen lässt.“

„Das habe ich nicht. Als ich Laufen gegangen bin, ruhten sie sich in meinem Schlafzimmer von der Fahrt aus.“ House grinste plötzlich. „Zum ersten Mal war ich froh darüber, dass du so ein besessener Ordnungsfanatiker bist und heute Morgen die Bettwäsche gewechselt hast. Stell’ dir vor, was mein Vater gedacht hätte, wenn...“

„Das werde ich mir garantiert nicht vorstellen“, unterbrach ihn Wilson schroff. „Heißt das, sie übernachten hier? Nicht in einem Hotel, Motel, oder einer Pension in der Nähe?”

House nickte und das Grinsen wurde von einem Grollen ersetzt. „Das habe ich vorgeschlagen, aber du kennst ja meine Mutter.“

„Nun, eigentlich kenne ich sie nicht. Du hast mich ein paar Mal mitgeschleppt, wenn sie dich besuchten und... St... und du keine andere Person hattest, die du als Puffer verwenden konntest.“ Wilson hob die Schultern und lehnte sich neben House an die Wand. „Du... du kannst dir nicht vorstellen, ihnen die Wahrheit zu sagen, oder? Über uns?“

„Ich sehe deine Eltern auch nicht bei PFLAG-Meetings“, entgegnete House.

Wilson starrte auf die Spitzen seiner Lederschuhe. Manchmal fragte er sich, was seine Eltern über seine Beziehung mit House dachten... sie hatten ihn in den letzten zwanzig Jahren durch drei Ehen und zahlreiche Affären gehen sehen, aber die einzige Konstante in seinem Leben war immer House geblieben. Er hatte House zu mehr Familienfeiern und Feiertagen mit nach Hause genommen, als irgendeine seiner Ehefrauen, nicht mal Bonnie, mit der er immerhin fast zwölf Jahre verheiratet gewesen war.

Seine Mutter hatte Greg ins Herz geschlossen, der seinen beträchtlichen (wenn er denn wollte) Charme auf sie anwandte und sein Vater schätzte Gregs scharfe Zunge und seinen sarkastischen Humor. Andererseits war es auch einfacher, mit House auszukommen, wenn man sich an Rosch ha-Schana für ein paar Stunden am Tisch gegenüber saß, als ihn Tag für Tag zu erleben. Und ob sie ihn noch mögen würden, wüssten sie, dass er mit Greg schlief... all die Jahre... Eine Hand erschien plötzlich in seinem Blickfeld und wedelte ein paar Mal hin und her. Er sah auf und entdeckte, dass House nun vor ihm stand.

„Bist du noch da drin?“ House’ Knöchel klopften gegen sein Brustbein.

Er lächelte und legte seine Hand über Gregs. „Ich dachte nur über meine Eltern nach und wieso sie dich mögen.“

House schnitt eine Grimasse. „Denkst du, sie mögen mich genug, um mich zu adoptieren? Ich meine, vorausgesetzt der Colonel sagt sich nur von mir los, wenn ich mich oute und bricht mir nicht das Genick. Gregory Wilson, wie klingt das?“

Wieder Willen lachte er. „Von der Idee halte ich gar nichts. Dann wärst du ja mein Bruder. Wenn du unbedingt deinen Namen ändern willst, dann... heirate mich. Es ist nicht mehr illegal in New Jersey.” Obwohl er die Worte scherzhaft gemeint hatte, klangen sie ein wenig zu ernst und er sah verlegen weg, wartete auf eine schneidende Antwort, auf House’ Häme. Wilson versuchte nicht enttäuscht zu sein, als House seine Finger unter seiner Hand hervorzog, aber es gab eben nur ein gewisses Maß an...

Er vergaß, was er gerade gedacht hatte, als House seine Finger umschloss, sie umdrehte und seine Handfläche küsste. Das war so... so untypisch... eine Geste voll Zärtlichkeit, so unerwartet, dass er nur wie erstarrt dastand und Greg mit offenem Mund anstarrte.

„Wir gehen besser wieder hinein“, sagte House leise. „Ich will mir nicht ausmalen, was passiert, wenn mein Vater mich suchen geht und uns beim Händchenhalten erwischt.“ Er erschauderte übertrieben.

Wilson blinzelte. „Was?“, fragte er und leckte sich über seine Lippen, sein Mund war sehr trocken. Irgendwie schien sein Gehirn noch nicht wieder richtig zu funktionieren. Er spürte noch immer den Druck von Gregs Lippen gegen seine Handfläche. Sie lachten, aßen, arbeiteten, tranken - sie duschen und schliefen miteinander – aber diese simple Berührung fühlte sich intimer an als all das.

House ließ seine Finger los und schloss dafür mit einem halb resignierten, halb amüsierten Seufzen beide Hände um sein Gesicht. Das schreckte Wilson zum zweiten Mal in ebenso wenigen Minuten aus seinem tranceähnlichen Zustand hoch. Er wusste, dass House zärtlich sein konnte, aber es war etwas, das ihm nicht leicht fiel und so hatte er gelernt, es nicht zu erwarten. Und das alles hatte er nur John House’ Anwesenheit zu verdanken? Oder war es Gregs neues Leben ohne den ewigen Schmerz. Wilson war sich bewusst, dass er wie ein hypnotisiertes Kaninchen aussehen musste, als er in die blauen Augen starrte, aber es spielte keine Rolle. Er beugte sich vor, und küsste Greg.

House gab einen Laut wie ersticktes Lachen von sich und löste sich dann von ihm. „Wirklich. Wenn wir jetzt nicht aufhören, dann fühle ich mich nicht nur wie ein Teenager“, murmelte er und presste sein Gesicht gegen Wilsons Hals. „Dann werde ich mich auch wie einer benehmen und wir haben endlich den Sex in der Corvette, den mir mein Bein bisher verwehrt hat.“

Wilson lachte und schlang die Arme um die Schultern seines Geliebten. „Du verwechselst da was“, erwiderte er atemlos und erschauerte, als House’ Stoppeln über die empfindliche Haut seines Hals kratzten. „Ich bin derjenige, der keinen Sex in der Corvette wollte. Aber im Moment...“ Er wandte den Kopf etwas, um leicht in House’ Ohr zu beißen. „...weiß ich nicht mehr... mmmmh.“ Er summte zustimmend, als House den linken Oberschenkel zwischen seine Beine schob. „...so genau....“ Sein Kopf fiel nach hinten an die Hauswand, entblößte seine Kehle für House’ Mund. „...was daran schlimm wäre...“

Doch nach einem Augenblick löste sich House von ihm und wich zurück. Er ließ seine Hände auf Wilsons Schultern fallen. „Wenn du dich so sehen könntest...“, sagte er heiser.

Der jüngere Mann blinzelte. „Wir können ja immer noch mein Hotelzimmer nehmen.“ Er holte tief Luft. „Deine Eltern schlafen ja irgendwann und merken bestimmt nicht, wenn du für ein paar Stunden verschwindest. Gott, jetzt klinge ich auch wie ein Teenager.“ Er schüttelte den Kopf. „Und du hast behauptet, es wäre eine schlechte Idee, im Hotel zu wohnen.“

„Es ist eine schlechte Idee.“ House beugte sich für einen weiteren, viel zu kurzen Kuss vor. „Nur heute nicht.“ Dann trat er endgültig einen großen Schritt zurück und zur Sicherheit noch einen, bis er mit dem Rücken an die gegenüberliegende Wand stieß und sich gegen sie lehnte. „Du kannst auf keinen Fall so da reingehen.“ Sein Blick glitt von Wilsons Hose, unter der sich seine Erregung nur zu deutlich abzeichnete, zu seinem Gesicht mit den leicht glasigen Augen und den roten Wangen. „Meine Eltern sind nicht blind.“

Wilson hob die linke Hand und rieb sich den Nacken. „Ich sollte vielleicht wirklich in mein Hotel fahren. Sie wollen sicher mit dir alleine sein.“

„Auf keinen Fall.“ House sah fast verlegen zu Boden, so panisch waren die Worte über seine Lippen gekommen. „Wir wollen essen gehen. Und du musst mitkommen. Ich halte es mit ihm nicht aus und wenn du dabei bist und wir in einem Restaurant sind, dann muss er sich zusammenreißen.“

Der jüngere Mann blinzelte überrascht. „Greg, du... du hast doch keine Angst vor deinem Vater, oder?“

House zögerte mit einer Antwort. „Ich will nicht, dass er... dass wir anfangen zu streiten und meine Mutter sich aufregt. Das ist nicht gut für sie“, erwiderte er schließlich, immer noch ohne dabei aufzusehen.

„Ich komme mit“, sagte Wilson ruhig. „Gib’ mir eine Stunde, damit ich ins Hotel fahren, mich duschen und umziehen kann. Okay?“ Er wartete, bis House nickte. „Soll ich euch abholen?“ Die Frage war über seine Lippen ohne dass er darüber nachdachte, er fragte aus reiner Gewohnheit. Aber jetzt mussten sie keine Rücksicht auf Gregs Bein nehmen. Oder darauf, wie viele Vicodin er an diesen Tag genommen hatte... Der Schatten, der sich durch die blauen Augen bewegte, verriet ihm, dass House das gleiche dachte.

Dann nickte Greg. „Du fährst“, sagte er düster. „Ich brauche Alkohol, um diesen Abend zu überstehen.”

Wilson stieß sich von der Wand ab und seufzte. „Ich bin in einer Stunde hier.“ Er lächelte plötzlich. „Und wenn du dich rasierst...“, er brach ab.

„Was dann?“, fragte House, die Augenbrauen hochgezogen, aber mit deutlichem Interesse in den Tiefen seiner Augen.

Der jüngere Mann zuckte gespielt gleichgültig mit den Schultern. „Wir werden sehen.“ Er wandte sich endgültig zum Gehen, entschlossen so schnell wie möglich zurück zu sein. Bevor er die Tür zur Straße öffnete, sah er über die Schulter zurück – und mit Zufriedenheit das entspannte Lächeln auf House’ Gesicht. Er spürte eine Gänsehaut an den Unterarmen.

Er verließ das Gebäude und überquerte die Straße, bereits auf halben Weg zu seinem Auto, als ihm einfiel, dass er seine Tasche in House’ Wohnung vergessen hatte. Nun, er konnte sie nach dem Abendessen mitnehmen, wenn er House’ Eltern ablieferte. Oder morgen früh auf dem Weg zur Arbeit vorbeikommen – falls Greg nicht ohnehin die ganze Nacht bei ihm im Hotel verbrachte.

* * *


Nachtrag zum letzten Kapitel:

Worterklärungen:
PFLAG = Parents, Families & Friends of Lesbians and Gays (eine real existierende Organisation)
Rosch HaSchana ist das jüdische Neujahr, genau übersetzt heißt es "Haupt des Jahres".


* * *


I see you in that chair with perfect skin
Well, how have you been, baby, livin' in sin ?
Hey, I gotta know
Did you say "hello, how do you do ?"
How do you do ?



Das Abendessen verlief in angespannter Atmosphäre.

House machte seine Drohung wahr und trank vielleicht ein wenig mehr, als dem Anlass angemessen war – ohne dabei betrunken zu wirken. Dafür stocherte er auch in seinem Essen nur herum, was nun absolut untypisch war. Abgesehen von den Zeiten, in denen er krank war oder die Schmerzen unerträglich, waren Nahrungsmittel in steter Gefahr vor Gregory House.

Nicht, dass es Wilson sehr viel besser erging. Auch sein Appetit litt unter dem undeutbaren Blick von John House, der – wenn er nicht mit etwas, dass man sehr leicht als Missbilligung interpretieren konnte, auf seinen Sohn sah – zwischen ihm und Greg hin und her glitt. Es war nicht sehr schwer zu erraten, dass House’ Spinnenerklärung Wilsons Ausrutscher nicht wirklich wieder gutgemacht hatte. Langsam hatte Wilson das Gefühl, dass Greg nicht übertrieben hatte, als er sagte, dass er für seinen Vater eine ständige Enttäuschung sein würde.

Blythe versuchte die Stimmung zu lockern, indem sie ausführlich von ihrer Europa-Reise berichtete. Da Wilson mit Bonnie auch etliche Male Urlaub in Europa gemacht hatte, bestritten sie schließlich fast die ganze Unterhaltung allein.

Das einzig wirklich ungewöhnliche war, dass noch während sie auf den Hauptgang warteten, ein leises Piepen ertönte. Worauf John House auf seine Uhr sah, einen Knopf daran drückte, um den Alarm abzustellen und die Hand dann seiner Frau entgegen streckte. Blythe griff nach ihrer Handtasche, nahm etwas aus einem Seitenfach, das von ihren Fingern verborgen blieb und legte es in die Handfläche ihres Mannes. Worauf sich John entschuldigte und den Tisch verließ.

House’ Augen verengten sich zu misstrauischen Schlitzen. „Welches Medikament nimmt Dad, und wogegen?“, fragte er schroff.

Wilson trat ihm unter den Tisch leicht auf den Fuß und lächelte Blythe entschuldigend an. „Vielleicht ist das nicht der richtige Ort und Zeitpunkt?“

Blythe nickte und stimmte zu. „James hat recht. Wir sind keine Teenager mehr, Greg. Aber wir sind beide für unser Alter in bester Verfassung. Mach’ dir bitte keine Sorgen.” Sie griff über den Tisch und drückte die Hand ihres Sohnes. „Wirklich. Vergiss’ für einen Abend, dass du Arzt bist. Du weißt, dass dein Vater nicht gerne über seine Gesundheit spricht. Und du solltest ihn verstehen, denn du bist genauso.”

Wilson versteckte sein Lächeln hinter seinem Weinglas, als er sah, wie Greg – zwar mit einem leidenden Seufzen, aber ohne Widerspruch – seiner Mutter nachgab. Er konnte sich niemand anderen vorstellen, bei dem House seine Neugier einfach hinunterschluckte, so schwer ihm das auch fallen musste.

Dann kehrte John an den Tisch zurück und kurz darauf wurde ihr Essen serviert. Blythe begann wieder mit ihren Reiseerzählungen.

Beim Dessert – John hatte nach den Monaten mit „kontinentalem“ Essen auf eine traditionelle Apfelpie mit Vanilleeis bestanden, was Greg natürlich damit konterte, auf den europäischen Ursprung des Apfelkuchens zu verweisen und Blythe die Situation mit einem unbeholfenen Scherz über Äpfel zu entschärfen versuchte – spürte Wilson, wie House näher an ihn gerückt war. Unter dem Tisch berührten sich ihre Beine und die Körperwärme des anderen Mannes sickerte durch seine Kleidung.

Die letzte halbe Stunde über Kaffee und Kognak zog sich zäh hin. Während John immer häufiger die Stirn runzelte und so wirkte, als halte er sich nur mit äußerster Beherrschung davon zurück, Gregs Alkoholkonsum zu kritisieren, hielt Blythe die Konversation aufrecht, fast so als würde nicht nur das Abendessen, sondern der Besuch enden, so bald sie das Restaurant verließen. Dabei war ihr Aufenthalt bis mindestens Ende der Woche fest geplant.

Zum einen verstand Wilson, dass sie versuchte, Zeit mit ihrem Sohn zu verbringen, auch wenn sie dafür Kompromisse machen musste – zum anderen wünschte er, der Abend würde endlich enden und sie konnten sein Hotelzimmer aufsuchen. Er wurde es langsam leid, Greg zu sehen und zu spüren, aber nicht in der Lage zu sein, ihn berühren zu dürfen. Nicht einmal so unschuldige Gesten, wie eine Hand besänftigend auf seinen Arm zu legen, wenn House zu einer Erwiderung seinem Vater gegenüber ansetzte, waren ihm erlaubt.

Zum ersten Mal fragte er sich ernstlich, warum sie eigentlich aus ihrer Beziehung ein Geheimnis machen mussten. Nicht alle Menschen waren wie Gregs Vater. Im PPTH kursierten seit gut einem Jahrzehnt, seit sie beide dort arbeiteten, Gerüchte über ihre Beziehung, die nach seinen zwei letzten Scheidungen jeweils neue Nahrung erhalten hatten. Die Leute dort waren gewohnt, sie zusammen zu sehen. Konsultationswünsche an House gingen über seinen Tisch und Cuddy war nicht die einzige, die sich darauf verließ, dass er Greg notfalls zur Vernunft bringen konnte und ihn unter Kontrolle hielt. Solange sie nicht in seinem Büro Sex hatten, in der Klinik oder im Konferenzraum der Diagnostik-Abteilung, würde sie sich kaum darum kümmern, wie ihre Beziehung in Wirklichkeit aussah.

„James, ist alles in Ordnung?“ Blythes fragende Stimme holte ihn aus seinen Gedanken und Wilson spürte seine Wangen heiß werden, als er ihre Augen auf sich gerichtet fand.

Er lächelte und rieb seinen Nacken. „Ja, es ist nichts. Ich dachte nur eben nach. Habe ich etwas verpasst?“, setzte er hinzu, als er bemerkte, dass ihn auch John und Greg ansahen.

„Wir haben beschlossen, das römische Gelage zu beenden, Jimmy“, erwiderte House spöttisch – doch in seinen Augen stand etwas, das Wilson die feinen Haare im Nacken zu Berge stehen ließ. „Zeit für eine römische Orgie“, setzte er mit gesenkter Stimme hinzu.

„Greg. Ich denke, du hast zu viel getrunken.“ In John House’ Stimme lag nicht mal eine besondere Betonung, trotzdem saß House wie ein getadelter Schuljunge plötzlich aufrechter und starrte auf den Tisch vor sich. Dann nahm er – und dieses Mal war es purer Trotz, der in seinem Gesicht stand – das Glas, das vor Wilson stand und leerte es.

„Es ist spät“, kam Blythe ihnen allen zuvor. Sie lächelte und blickte dabei ihren Mann an. „Wir sind nicht mehr so jung wie ihr beide und die lange Fahrt steckt uns in den Knochen. Es ist wirklich besser, wenn wir Alten schlafen gehen.“ Sie wandte sich Wilson zu. „Vielen Dank, dass Sie uns fahren, James. Ich bin sicher, es ist weniger belastend für Gregs Bein.“

„Ich kann Autofahren, Mom. Ich habe es die ganze Zeit getan“, schnappte House. „Ich bin kein Krüppel, ich wurde nur angeschossen.“

Wilson trat ihm unter dem Tisch wieder auf den Fuß, dieses Mal etwas fester, als er sah, wie Blythe zusammenzuckte. „Es macht mir überhaupt nichts aus, Blythe“, sagte er mit einem aufgesetzten Lächeln. „Und da im Gegensatz zu Hou... Greg... auf mich morgen wieder Patienten warten, ist es mir ganz recht, wenn wir den Abend jetzt beenden.“

John verkündete daraufhin, dass er draußen noch ein wenig frische Luft schnappen wollte und Blythe begleitete ihn.

Wilson und House blieben alleine an ihrem Tisch zurück.

„Du weißt wirklich, wie man einen Abend friedlich zu Ende bringt“, bemerkte Wilson und spielte mit seiner Serviette.

Greg stützte den Ellbogen auf den Tisch und presste die Stirn gegen die Handfläche. Dann wandte er den Kopf, so dass er Wilson ansehen konnte. „Es ist... ER ist es. In seiner Gegenwart fühle ich mich wieder wie ein verängstigter Sechsjähriger, der ins Bett gemacht hat“, murmelte House. „Es ist nie genug, James. Egal was ich erreiche, er ist nie damit zufrieden. Warum kann er sich nicht einfach freuen, dass ich wieder ohne Schmerzen lebe? Alles was er dazu sagte war, wie traurig es sei, dass dazu nötig war, dass ich angeschossen wurde. Und dass er hoffe, dass ich daraus meine Lektion gelernt habe, meine Patienten besser zu behandeln... Dabei weiß ich nicht mal, ob es ein ehemaliger Patient war, der...“

Das Erscheinen des Kellners mit der Rechung unterbrach ihn an diesem Punkt. Greg schlüpfte nahtlos in seine normale, mürrische Persönlichkeit zurück und machte eine Show daraus, die Rechnung zu bezahlen.

 

Well, here we are
And It feels like everything's surreal
When I get old I will wait outside your house
Cos your hands have got the power meant to heal



Endlich parkte er vor House’ Wohnung und John und Blythe stiegen aus. Greg blieb einen Moment neben ihm sitzen. „Komm’ mit.“

Wilson schüttelte den Kopf. „Das ist keine so gute Idee. Ich bin sicher, deine Eltern würden sich noch über ein paar Minuten mit dir alleine freuen. Sie mögen mich – nun gut, deine Mutter mag mich – und alles, aber ich gehöre nicht zur Familie.“ Er sah auf und stellte sicher, dass House’ Eltern bereits in der Wohnung waren – Greg hatte seiner Mutter einfach den Schlüssel in die Hand gedrückt – dann löste er den Sicherheitsgurt, beugte er sich zu House hinüber und küsste ihn. „Sie sind müde“, flüsterte er und grub seine Finger in House’ ausnahmsweise ordentlich gekämmtes Haar. „Sie werden bald zu Bett gehen und schlafen.“ Er biss ihn leicht in die Unterlippe, dann setzte er sich zurück auf seinen Platz. „Geh’ jetzt. Ich spiele Taxi und warte hier auf dich.“

„Ich glaube nicht, dass ich sofort hineingehen sollte.“ House’ Lachen klang etwas atemlos. „Ich denke, ich habe das gleiche Problem wie du vor ein paar Stunden. Er wird einen Blick auf mich werfen, und es wissen.“

Wilsons Blick glitt zum Schritt von House’ Hose, doch durch seine Haltung und da nicht besonders viel Licht ins Innere des Wagens fiel, konnte er nichts erkennen. Er lächelte und legte die Hand in einer beruhigenden Geste an House’ Wange. Die glatte Haut unter seiner Handfläche war definitiv etwas, an das er sich gewöhnen konnte. Aber die Stacheln – sichtbar und unsichtbar, tatsächlich und metaphorisch – waren ein Teil von Gregs Wesen.

Trotzdem stockte sein Atem für einen Moment, als House nicht nur die Berührung duldete, die er unter anderen Umständen vermutlich als schmalzig abgetan hätte, sondern seine Wange in sie hineindrückte. Mehr noch, er drehte den Kopf und küsste den Pulspunkt auf Wilsons Handgelenk. Es war ein Gefühl wie ein elektrischer Schlag, der durch seinen Körper ging, und er zog die Hand zurück, als hätte er sich an dem anderen Mann verbrannt. „Beeil’ dich“, sagte er gepresst und House lachte leise, als er seinen Gurt löste, die Tür öffnete und aus dem Wagen kletterte. Er warf einen Blick zurück, der Wilsons Blut in den Unterkörper strömen ließ, bevor er sich abwandte und ging.

* * *

Blythe verschränkte nachdenklich die Arme, als sie vom Fenster wegtrat. Nein, eigentlich war es eher Verwirrung, die sie fühlte. Sie hatte nur sehen wollen, was Greg aufhielt und entdeckte, dass er noch im Wagen saß und offenbar mit James diskutierte. Das Auto stand in einem solchen Winkel, ein wenig weiter vorne, am Straßenrand, dass sie die Köpfe der beiden durch die hintere Scheibe erkennen konnte. Doch dann beugte sich James plötzlich zu ihrem Sohn hinüber und küsste ihn. Zuerst hatte sie geglaubt, ihre Augen würden sie täuschen – sie war schockiert, aber... da war etwas in ihr, das nicht wirklich überrascht war. Wann immer Greg James mit zu ihren Treffen gebracht hatte, da war eine... eine Vertrautheit zwischen ihnen gewesen, die sie anfangs nur als Freundschaft interpretiert hatte. Doch dann hatte Greg diesen Infarkt erlitten und die Frau, mit der Greg damals zusammen lebte... ihr Name war... oh ja, Stacy... Stacy rief sie an, um ihnen von der Operation zu berichten, obwohl Greg es ihr ausdrücklich verboten hatte. So typisch für ihren Sohn, dass er nicht wollte, dass sie ihn krank sahen. Und ein Schock war es gewesen... Sie schob den Gedanken an diese Zeit weg. Das war nun endgültig vorbei.

Doch etwas war ihr im Gedächtnis geblieben. Die nette Ärztin, die ihren Sohn behandelte, hatte ihnen geraten, sich in ihren Besuchen abzustimmen. Greg stand die meiste Zeit unter schweren Schmerzmitteln, sie hatte nicht völlig verstanden, warum sie solche Schwierigkeiten hatten, ihm zu helfen. Stacy überließ es ihr, welchen Teil des Tages sie bei Greg sein wollte und Blythe wählte den Vormittag. Sie fand, dass sie nachmittags und abends zu leicht ermüdete und es ihr dann schwer fiel, längere Zeit an seinem Bett zu sitzen. Stacy war abends bei Greg und James sah während des ganzen Tages immer wieder einmal vorbei. Es musste am zweiten Tag ihres Besuchs gewesen sein, und Blythe verließ das Zimmer als Greg fest zu schlafen schien, um die Toilette aufzusuchen und sich in der Cafeteria etwas zu trinken zu besorgen, um das sie nicht eine der Schwestern bitten mochte.

Als sie in Gregs Zimmer zurückkehrte, einem gläsernen Raum, der nur durch weiße Lamellen von neugierigen Blicken von draußen abgeschirmt wurde, zögerte sie einen Moment an der Tür. Ihr einziges Kind so zu sehen, ging fast über ihre Kraft. Blythe schob die Tür leise auf, auch etwas, an dass sie sich erst hatte gewöhnen müssen, da war keine Klinke und ebenso geräuschlos glitt die Glastür hinter ihr zu. Abgesehen von der Tür waren die Lamellen vor allen Glasflächen geschlossen, so dass es in dem fensterlosen Raum halbdunkel war. James war bei ihrem Sohn, er prüfte die Infusionen, die schrecklichen Kabel und Schläuche, an denen Greg angeschlossen war und musterte dann die Anzeigen der Monitore. Er schien nicht bemerkt zu haben, dass sie zurückgekehrt war.

Als sie eben beschloss, ihre Anwesenheit kund zu tun, schlug Greg die Augen auf. Blythe sah, wie sich seine Lippen bewegten und James den Kopf schüttelte, einen Finger über seinen Mund legte und ihm so bedeutete, still zu sein. Dann hob er die Hand und strich damit über Gregs Haar, genauso wie sie es selbst machte, wenn sie versuchte, ihm Trost zu spenden.

Sie hatte sich damals nichts dabei gedacht, doch nun stand das Bild klar und deutlich vor ihrem inneren Auge. So viele kleine, unbewusste Beobachtungen, an diesem Abend und bei früheren Besuchen erschienen ihr nun in einem ganz neuen Licht.

Blythe war sich plötzlich sicher, dass James ihren Sohn liebte. Liebte, ohne wenn und aber. Und Greg? Es war ein seltsam zwiespältiges Gefühl, mit dem sie der Gedanke an ihr Kind mit einem anderen Mann erfüllte. James war ein wunderbarer Mensch, da war sie sich sicher – aber... er war ein Mann. Und etwas in ihr beharrte, dass es nicht richtig war.

Sie wandte sich vom Fenster ab, als Greg das Auto verließ. Auf keinen Fall sollte er wissen, was sie beobachtet hatte. Sie lächelte, als John, der auf der Couch Platz genommen hatte und mit gerunzelter Stirn in einem der Klatschmagazine blätterte, die Greg wohl las, aufsah und sie musterte.

* * *



I love the way you undress now, baby, begin
Do you caress, honey, my heart's in a mess
I love your blue-eyed voice
Like tiny Tim shines thru
How do you do ?



„Okay.” Wilson parkte den Volvo vor dem Hotel und wandte sich House zu. „Du hast kein Wort gesagt, seit du eingestiegen bist. Sie haben dich nicht erwischt, oder?“ Er unterdrückte den Drang zu kichern – auch wenn das ganze so klang, als wären sie wieder fünfzehn...

House sah auf, er hatte die Hälfte der Fahrt damit verbracht, an den Knöpfen des Autoradios herum zu spielen. „Nein.“ Seine Stirn war gerunzelt. „Im Gegenteil. Meine Mutter muss erschöpfter gewesen sein, als sie zugab. Sie hat Dad förmlich ins Schlafzimmer gezerrt.“

Wilson löste den Sicherheitsgurt und wandte sich ihm ganz zu. „Genau das habe ich auch mit dir vor.“

House grinste, schürzte aber dann die Lippen. „Dann solltest du ab jetzt darauf verzichten, meine Eltern zu erwähnen.“ Er stieg aus dem Auto, und wartete, bis Wilson das gleiche getan hatte. „Sonst schläfst du auf der Couch.“

Der jüngere Mann schloss den Wagen ab und trat um ihn herum, um sich neben House zu stellen. „Hey, das ist mein Hotelzimmer. Wenn überhaupt, dann schläfst du auf der Couch.“

„Sagst du das zu all’ den Männern, die du in dein Hotel mitnimmst?“ House legte die Arme um Wilsons Taille und drehte sie herum, um Wilson mit dem Rücken gegen das Auto zu drücken.

„Nur zu den sarkastischen und gelegentlich menschenverachtenden Krüppeln unter ihnen.“ Wilson griff mit beiden Händen House’ Revers und zog ihn mit einem Ruck näher an sich. Ohne Sorge haben zu müssen, dass Greg das Gleichgewicht verlor...

„Komplimente bringen dich nicht weiter... aber beruhigend“, flüsterte House und beugte sich vor, um ihn zu küssen.

„Beruhigend?“, gab Wilson zurück. „Eifersüchtig?“

„Nein. Es spricht für deinen guten Geschmack.“ House fluchte leise, als er sich das Knie an der Wagentür stieß. „Warum machen wir das auf dem Parkplatz?“ Er ließ Wilson los, um sein Knie zu reiben. „Außer du willst doch im Auto...?“

Wilson packte ihn am Oberarm und zog ihn halb in Richtung Eingang. House grinste. „Au, nicht so fest“, zeterte er. „Ich liebe es, wenn du dich so macho benimmst...“

* * *

Er ließ die Deckenbeleuchtung aus, als sie in sein Hotelzimmer traten, und knipste die seitlich vom Bett stehenden Lampen an. Die dicken Vorhänge waren bereits vor das große Fenster gezogen und schlossen die Nacht aus. Er warf seine Autoschlüssel auf den Schreibtisch und hängte sein Jackett ordentlich über einen Stuhlrücken, bevor er sich zu House umwandte.

Trotz der flapsigen Bemerkung auf dem Parkplatz, er hatte nie jemand mit in dieses Hotel, mit auf dieses Zimmer, genommen. Seit der Affäre mit Grace war ihre Beziehung exklusiv – zumindest von seiner Seite. Was Greg betraf und ob er seine neue Freiheit auch auf diesem Gebiet auskostete... Es war nie ein Thema gewesen, über das sie sprachen. Sprechen mussten. Abgesehen von der einen Regel, dass es „Safe Sex or No Sex“ war, gab es keine Regeln.

Er wusste, dass ein Außenstehender das nicht verstehen würde. Manchmal verstand er es selbst nicht. Aber da war... wie sollte er es formulieren... da war keine Unsicherheit in ihnen. Keine Angst, den anderen zu verlieren – nicht an eine andere Person. Das einzige, an das er Greg je verloren hatte, war das Vicodin. Eifersucht war kaum mehr als ein Spiel, das vor allem House in aller Meisterschaft beherrschte und das er gerne spielte, um vor den Augen anderer seinen unausgesprochenen Besitzanspruch geltend zu machen. Manchmal hatte er das Gefühl, als wären sie die beiden einzigen realen Menschen auf der Welt und all die anderen nur Statisten in einer Fernsehserie, die in ihr Leben traten und wieder verschwanden, ohne eine tatsächliche Präsenz gehabt zu haben. Das zwischen ihnen, das war nicht einfach Liebe. Es war etwas, für das es kein Wort gab und über das sie keine Kontrolle hatten.

Wilson begann, den Knoten seiner Krawatte zu lockern und beobachtete House, der ungewöhnlich still dastand, die Augen geschlossen. „Was ist?“, fragte er.

„Sccccchhhh“, machte House. „Ich überlege gerade.“

„Was überlegst du?“, fragte Wilson lächelnd. Es war eigentlich nahezu unmöglich, Gregs Gehirn auszuschalten, aber er würde sein Bestes versuchen.

House öffnete die Augen und die Intensität darin brachte die Gänsehaut auf Wilsons Unterarme zurück – was nicht die einzige Reaktion war. Er trat auf ihn zu und umrundete James langsam. „Ich überlege, was ich als erstes mit dir machen will.“

„Oh?“ Wilson hob die Augenbrauen und verschränkte nonchalant die Arme vor der Brust. „Du mit mir? Hatten wir das bereits diskutiert?“ Sein Puls begann zu rasen, als Greg dicht hinter ihm stehen blieb und er seinen Atem im Nacken spürte.

„Wenn ich diskutieren wollte, wäre ich mit Stacy zusammen geblieben“, murmelte House. „Und du wärst immer noch bei Julie.“

„Erwähne diese Namen noch einmal und du schläfst auf dem Fußboden“, grollte Wilson in gespieltem Ärger. Obwohl... Stacys Rückkehr hatte definitiv einen wunden Punkt hinterlassen. Er war nicht eifersüchtig darauf gewesen, dass sie mit House geschlafen hatte – er hatte es gehasst, mit an zu sehen, wie sich Greg ein zweites Mal in sie verliebte, und als sie ihr Ziel erreicht hatte, verschwand sie erneut aus seinem Leben. House war nicht der einzige, der es hasste, hilflos etwas mit ansehen zu müssen, von dem man wusste, dass es böse endete. Sie hatte beim ersten Mal genug Schaden angerichtet...

„Hm-hm“, machte House, offensichtlich unbeeindruckt.

Wilson wandte den Kopf zur Seite, um ihn anzusehen. Er suchte den Blick der blauen Augen, doch House hatte sie wieder geschlossen. Seine Hände schlossen sich um James’ Oberarme, und seine Daumen pressten sich am Rand der Schulterblätter leicht in die Muskeln. Der Effekt auf Wilson war unübersehbar: ein Schauer, der durch seinen ganzen Körper lief und ein sofortiges Entspannen. Er ließ seine Hände weiter gleiten, über James’ Brust, dann zog er ihn an sich zurück, schmiegte ihre Körper aneinander und legte sein Kinn für einen Moment auf Wilsons Schulter, um seinen vertrauten Geruch einzuatmen – Seife und Shampoo und Rasierwasser, gemischt mit etwas, das individuell James Wilson war. Er beugte den Kopf und rieb seine glattrasierte Wange gegen Wilsons, grinste als er hörte, wie Jimmy scharf Luft holte. So eine simple Geste, wie sich zu rasieren, konnte so interessante Reaktionen hervorrufen... Und da er noch im Genesungsurlaub war, sah ihn niemand und er hatte alle Zeit, seine Stacheln nachwachsen zu lassen, ohne dass sein Ruf litt.

Unfähig, lange so still zu verharren, drehte er den Kopf erneut und presste seinen Mund gegen Wilsons Nacken, schmeckte Salz und Schweiß und einen interessanten, leicht bitteren Unterton wie von japanischem grünen Tee, den er nicht sofort identifizieren konnte.

Dieser Teil war immer der erregendste – den Geruch und Geschmack eines neuen Partners zu erforschen; die Reaktionen auf Berührungen kennen zu lernen. Es war seltsam ähnlich dem Prozess, der in seinem Kopf ablief, wenn er eine Krankheit diagnostizierte... Es war auch das, was am schnellsten vorbei war und dazu führte, dass er das Interesse verlor. Stacy hatte es geschafft, ihn immer wieder zu überraschen, ihre Beziehung hätte sonst nie fünf Jahre gehalten. Aber am Ende... am Ende war alles, was nach dem Infarkt geschah, nur noch der Grabgesang zu einer Beerdigung, die lange zuvor stattgefunden hatte. Bisher war es nur James gelungen, sein Interesse zu fesseln... seit fast zwanzig Jahren. Ein Gedanke, der ihm vielleicht Angst machen sollte – Angst vor dem Moment, an dem er das letzte Geheimnis von James Evan Wilson entschlüsselte.

„Du denkst immer noch“, murmelte Wilson. „Hör’ auf damit.“

Er lachte und löste sich von ihm, zog an Wilsons Schulter, der sich zu ihm umwandte. „Warum muss ich hier eigentlich die ganze Arbeit machen?“, murrte er und löste den bereits gelockerten Knoten von James’ Krawatte.

„Weil ich den ganzen Abend den Puffer zwischen dir und deinem Vater gespielt habe“, entgegnete Wilson leichthin und schloss die Augen. „Und ich dafür eine Belohnung verdient habe.“

House verzog das Gesicht. „Dann erwähne diesen Namen nicht mehr.“ Seine Finger beschäftigten sich mit den Knöpfen an Wilsons Hemd, doch seine Gedanken glitten weg – glücklicherweise nicht zu John House, das hätte die Stimmung absolut gekillt, sondern zu der unglaublichen Tatsache, dass er einfach so aufrecht stehen konnte, ohne die Hilfe seines Stocks, ohne das schmerzhafte Protestieren seines Beins... manchmal hatte er völlig vergessen, wie sehr es wehgetan hatte... wie ein normaler, gesunder Mann. Wenn er wollte, konnte er Wilson in seinem Büro an die Wand drücken und im Stehen... hey, das war definitiv etwas, das mehr Überlegung wert war...

Als würde der Gedanke auf irgendeine magische Weise auf Wilson überspringen, öffneten sich die braunen Augen, um ihn anzusehen und James’ Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, an dem er sich nie satt sehen konnte. Es war immer das erste, das verschwand, wenn Wilson sich Sorgen machte. Oder angepisst war.

Wilson bewegte die Schultern und schüttelte sein Hemd über die Arme nach unten. Er ließ es auf den Boden fallen, unbesorgt ob es Falten bekam oder er aus Versehen darauf trat. Er hatte auf das übliche Unterhemd verzichtet, diesen Moment erwartend. Und er wurde nicht enttäuscht. House legte beide Hände auf seinen Brustkorb, die Finger ausgespreizt und zog sie langsam nach unten. Es war eine simple Berührung, fast besänftigend, aber sie hatte genau den entgegengesetzten Effekt auf ihn. Er schüttelte wie hilflos den Kopf, als er das Amüsement in House’ Augen sah. Nach all den Jahren... er senkte den Blick auf die Hände, die inne gehalten hatten, und Greg verstand den Hinweis. Er ließ seine Finger wieder nach oben gleiten, mit dem gleichen Druck. Dann, ohne Vorwarnung, schubste er ihn von sich weg.

Wilson, aus der Balance gebracht, stolperte zurück und traf mit den Kniekehlen die untere Kante des Bettes. Er ließ sich darauf fallen und sah zu House auf, der breit grinsend vor ihm stand. „Verdammt, du hättest auch einfach etwas sagen können“, beklagte er sich.

„Aber so macht es mehr Spaß.“

House ging vor ihm auf die Knie und das war es, was Wilson wirklich den Atem verschlug. Er setzte sich auf und leckte sich unwillkürlich über die Lippen. Vielleicht machte er zu viel daraus, doch einen Mann mit dem Ego und dem Stolz von Gregory House auf den Knien zu sehen, verfehlte nie seine Wirkung. Er war abrupt und sofort fast schmerzlich erregt, spürte seinen steifen Penis gegen seine Hose pressen. Seine Haut prickelte vor Erwartung. Die blauen Augen funkelten und er wusste, dass Greg das alles und noch mehr von seinem Gesicht ablas.

Er stützte sich auf die Arme ab. „Okay. Deine Show“, sagte er heiser.

House hatte sein Jackett in seinem Wohnzimmer gelassen. Jetzt knöpfte er das Hemd auf, dass er seiner Mutter zuliebe „ordentlich“ angezogen hatte, nicht wie sonst halb offen über einem T-Shirt trug. Wilsons Blick war wie ein Gewicht, wie eine Berührung auf seinen Armen, dann auf seinem Brustkorb, als er das Hemd los wurde. Er hatte nie verstanden, was Wilson in ihm sah, selbst vor dem Infarkt und der Verstümmelung seines Beines nicht - warum ein Mann, der praktisch jede Person haben konnte, die er wollte, seinen schlaksigen, langweilig Körper erregend fand. Er zog sich das T-Shirt über den Kopf, so weit ging seine Bereitschaft zum Kompromiss nicht und ließ es auf den Boden fallen. Dann setzte er sich leicht auf die Fersen zurück, legte die Hände auf die Oberschenkel und sah zu Wilson auf.

James schluckte gegen den Knoten in seiner Kehle an. Er wusste, dass House in seinem Körper nur ein Instrument sah, dass ihn im Stich gelassen hatte. Was er in ihm sah, war Stärke – eine verborgene, gehütete Stärke, geschützt hinter den gleichen Mauern, die auch Gregs Gefühle abschirmten. Eine innere Entschlossenheit, die ihn nicht aufgeben lassen wollte, auch wenn es ihn fast das Leben kostete...

Die frischen Narben an seinem Hals und seinem Bauch zeugten davon, wie knapp es dieses Mal gewesen war. Wie wenig gefehlt hatte, dass er House verlor. Für immer.

Er beugte sich abrupt vor, legte seine Hände auf Gregs Schultern, nur einen Moment lang, als brauche er den Halt, bevor er weitermachen konnte. Dann schloss er die Finger um House’ Gesicht und hob es an, als er weiter an den Rand des Bettes rutschte, um den anderen Mann küssen zu können. Obwohl er damit seinen eigenen Worten widersprach, und die Kontrolle an sich riss, ließ House ihn gewähren... mehr als das, er begegnete ihm mit gleicher Leidenschaft.

Ungehindert davon ließ House seine Hände wieder auf Wanderschaft über Wilsons Oberkörper gleiten, der jetzt in bequemer Reichweite war. Er wusste, was sein Partner mochte und presste leicht mit den Handballen gegen James’ Brustwarzen, die sich bereits zu harten Punkten zusammengezogen hatten.

Ein Laut; halb Knurren, halb Stöhnen, kam über Wilsons Lippen und er löste seinen Mund von House’, um tief Luft zu holen. Ohne nachzudenken lehnte er sich wieder zurück, die Arme hinter sich auf das Bett gestützt, um den Druck seines steifen Penis gegen den Schritt seiner Hose zu reduzieren. Er hatte Sorge, zu kommen, noch bevor er die störende Stoffschicht losgeworden war. Verdammt, er war doch kein Teenager mehr, den seine Hormone beutelten... Er sollte mehr Kontrolle über sich haben. Und vielleicht wäre das einfacher, ohne Gregs brennenden Blick auf seiner Haut; die blauen Augen, die in ihn hineinsahen. Und seinen Händen, die genau wussten, wo sie ihn berühren mussten. Oder die schmalen Lippen, die zu einem wissenden Lächeln verzogen waren. Er spürte Schweiß auf seinem Rücken. Er hob die Hüften leicht an, eine subtile Ermahnung.

House richtete sich ein wenig weiter auf, um ihn bequem erreichen zu können und nahm seine Attacke auf James’ Oberkörper wieder auf. Es faszinierte ihn, dass eine so simple Berührung reichte, um Wilson an den Rand des völligen Kontrollverlusts zu treiben. Seine Fingernägel glitten an den weichen Flanken des anderen Mannes entlang, wieder nach unten. Dann nahm er abrupt seine Hände weg und legte sie auf Wilsons Oberschenkel, spürte das Zucken der Muskeln unter seinen Handflächen. „Ich glaube, es ist an der Zeit, dass du diese Klamotten loswirst.“

„Ich dachte schon...“ Wilson holte tief Luft. „...du fragst nie.“

House grinste und sah zu ihm auf. Nein, entschied er. Noch nicht. Zuerst wollte er noch ein wenig mehr von Jimmy. Er wollte zusehen, wie Wilson seine Kontrolle völlig verlor. Die Kontrolle über sich zu behalten, darin war James fast genauso gut wie er selbst. Aber wenn es um Sex ging, kippte Wilson schneller um als ein Kreisel, den niemand mehr in Schwung versetzte.

Er stemmte sich hoch, was seine Knie mit Erleichterung quittierten – der Teppich sah vielleicht weich aus, war es aber nicht. Wilson griff nach seinen Hüften und zog ihn mit sich zurück, auf das Bett, als er sah, was House plante. Er legte den Arm um Gregs Nacken und zog ihn zu sich herunter, um ihn erneut zu küssen – seufzte zufrieden, als House’ Körper seinen in die Matratze presste. Seine Hände folgten House’ Vorbild und glitten über Gregs Rücken, seine Flanken, schließlich in sein Haar, um seinen Kopf anzuheben, so dass er ihm ins Gesicht sehen konnte. „Du hast definitiv zu viel an.“

House sah amüsiert auf ihn hinunter. „Genau wie du.“

„Dann sollten wir das ändern.“

„Okay.“ House glitt von ihm und stand neben dem Bett, kickte seine Schuhe von den Füßen und öffnete seine Hose. Ohne Zögern ließ er sie um seine Knöchel fallen und berührte nur flüchtig die Narbe an seinem Oberschenkel, als er sich auch von seinem letzten Kleidungsstück trennte. Als er aufsah, lag Wilson bereits wieder auf dem Bett, seine Kleidung ein untypischer, unordentlicher Haufen auf dem Boden. Vielleicht die einzige Situation, in der er nicht um Falten in seinen Hemden und Staubflecken auf seinen Hosen besorgt war.

House sah auf ihn hinab, die Hände in die Hüften gestemmt, sein Gesicht mit einem aufgesetzten Ausdruck von mildem Desinteresse versehen. „Du bist heute nicht sehr geduldig“, meinte er. „Predigst du mir nicht immer, mehr Geduld zu haben?“

„Verdammt, House! Könntest du aufhören, zu reden und endlich herkommen?“

Oh ja, er liebte es, wenn Wilson seine Kontrolle verlor... und es war nicht so, als wäre es ein Opfer, diesem ‚Befehl’ nachzukommen. Er glitt neben ihm auf das Bett und zog ihn an sich. Haut an Haut, von Kopf bis Fuß. So unterschiedlich sie waren, ihre Körper hatten immer ineinander gepasst wie zwei Puzzlestücke. Seine Hände glitten nach unten und er stützte sich auf, um seinen Unterkörper gegen Wilsons zu stoßen. Ihre Erektionen rieben übereinander, aneinander und er musste sich auf die Lippen beißen, um nicht laut aufzustöhnen, als Wilsons Finger sich in sein Gesäß pressten, ihn noch enger an den anderen Mann zogen.

Er drückte sein Gesicht gegen Wilsons Hals, in seine Schulter, fühlte seine eigene Kontrolle wackeln. Seine Lippen glitten über James’ Adamsapfel, der wild hüpfte, als Wilson schluckte und schmeckte wieder diesen leicht bitteren Geschmack auf der Zunge, von dem er noch immer nicht wusste, was es war. Wilson reagierte darauf, indem er seine Beine um House’ Hüften schlang, sein Körper wölbte sich in die Berührung.

Grinsend begann House, leichte Bisse über Wilsons Kehle zu verteilen, über sein Kinn und schließlich biss er ihn in die weiche Haut direkt unterhalb von James’ Ohr, ein Punkt, von dem er wusste, dass James dort besonders empfindlich war.

Wie erwartet, reagierte Wilson heftig darauf. Er gab seine bisher recht passive Rolle auf und rollte sie herum, bis sich House auf dem Rücken, unter seinem Partner wiederfand. Zufrieden grinsend sah er zu ihm auf, doch das Grinsen blieb nicht lange auf seinen Lippen, als Wilson sich über ihn beugte, um ihn hart zu küssen.

Doch nach einer Weile drehte er den Kopf zur Seite. „Wann hattest du deinen letzten Test?“ Seine Stimme klang sachlich, nüchtern, während seine Hand nach unten glitt und seine Finger sich locker um Wilsons Erektion schlossen.

„Als Julie mir sagte, dass sie eine Affäre hatte.“ James schloss kurz die Augen und biss sich auf die Lippen. Verdammt. Verdammt. House wusste genau, welche Knöpfe er bei ihm zu drücken hatte. „Mit Grace habe ich nie ohne Kondom geschlafen. Und sie war die einzige seither. Außer dir.“

„Die einzige...“, wiederholte House. „Ich habe mich zwei Tage vor meiner Entlassung testen lassen, ich bin sauber.“ Er grinste, offenbar erinnerte er sich an etwas.

„Wie hast du...?“ Wie immer wusste Wilson instinktiv, dass House wieder einmal... Er vergaß, was er gerade gedacht hatte, als Gregs Finger über die Spitze seines Glieds glitten.

„Ich habe Foreman eine Blutprobe nehmen und die Tests machen lassen.“ Er zuckte mit den Schultern. „Ich wusste, er würde angewidert genug sein, um nie ein Wort darüber zu verlieren.“

„Zweifellos“, entgegnete Wilson trocken.

„Dann komm’ jetzt her“, forderte House ihn auf. „Du sagtest etwas von einer Belohnung?“

„Erwartest du, dass ich nein sage?“, fragte Wilson atemlos. Er richtete sich auf, glitt vorwärts, bis seine Knie links und rechts an House’ Schultern lagen und sich seine Erektion direkt über Gregs Gesicht befand. Er schloss die Augen, als sein Penis in House’ Mund glitt. „Gott, House.“ Blaue Augen grinsten, jetzt wo der immer spottende Mund beschäftigt war.

House Hände lagen auf Wilsons Oberschenkel, und er spürte das Vibrieren der Muskeln und der schweißfeuchten Haut. Es verwunderte ihn immer noch, dass Wilson seiner nie überdrüssig wurde... Er ließ seine Zunge um die Spitze kreisen und wurde mit einem erstickten Laut aus Wilsons Kehle belohnt. Seine Hände griffen hoch, legten sich um James’ Hüften und Wilson verstand den Hinweis. Er lehnte sich leicht vor, stützte sich gegen das Kopfende des Bettes ab, als er tiefer in House’ Kehle glitt.

Wilson stieß in Gregs Mund, versuchte seine Bewegungen zu kontrollieren; spürte aber, dass ihm rasch die Kontrolle entglitt. House passte sich ihm an, ermutigte ihn. Er drängte seine eigene Erregung in den Hintergrund, wollte es genießen, wollte zusehen, wie James die Kontrolle verlor. Er ließ seine Hände über Wilsons Gesäß reiben; auf der schweißnassen Haut glitten seine Finger leicht; sein Zeigefinger drang in die Spalte ein, presste gegen die Öffnung zu Wilsons Körper. Er bekam davon nicht genug. Wilson gab einen Laut von sich, halb Stöhnen, halb Schluchzen, und an der Anspannung in seinen Muskeln spürte er, dass James seine Grenze fast erreicht hatte. Er liebte es, Wilsons Gesicht zu beobachten, wenn er kam.

Atemlos ließ sich Wilson neben ihm aufs Bett fallen. Er drehte den Kopf zur Seite und sah House an. Greg musterte ihn mit diesen undeutbaren, blauen Augen. Dann leckte er sich über die Lippen. Mit einem Aufstöhnen beugte sich Wilson über ihn und küsste ihn. Und sie hatten die ganze Nacht für sich.

* * *

Er rieb sich mit einer Hand übers Gesicht, als er die Tür zu seiner Wohnung hinter sich ins Schloss zog, so leise wie es ging. Er drehte sich um – und stand seiner Mutter gegenüber. Sein Herz machte einen erschreckten Satz. „Mom. Du... du... was machst du schon auf?“

„Ich dachte, ich mache dir Frühstück, Greg.“ Blythe verschränkte die Arme vor der Brust und musterte ihren Sohn. Er wirkte entspannter als am Abend zuvor; jünger, jetzt da die feinen Falten um Augen und Mund zurückgegangen waren. Es hatte sie immer geschmerzt, zu sehen, wie gealtert er nach der schlimmen Operation an seinem Bein war.

Der Kragen seines Hemdes war offen und ihr Blick fiel auf die Narbe an seinem Hals. Einen Augenblick rang sie mit sich selbst, doch sie durfte nicht noch einmal den Fehler machen, weg zu sehen. Sie hatte über das Schweigen schon einmal ihr Kind verloren.

„Das musst du nicht. Wir können zum Frühstück ausgehen. Es gibt auf dem Campus ne Menge Cafés...“ Er brach ab, fühlte sich unter ihrem prüfenden Blick wieder wie ein Kind. Als nächstes würde sie fragen, wo er die Nacht verbracht hatte. Und er wusste nicht, ob er sie überzeugend anlügen konnte. Oh, Cuddy würde es lieben, ihn jetzt zu beobachten...

„Das ist nicht nötig, Greg.“ Blythe lächelte, ein wenig nervös. „Ich mache das sehr gerne. Es hat mich aber überrascht, dass du so viele Zutaten in deiner Küche hast. Und du behauptest immer, du hasst es, zu kochen.“

Er antwortete, ohne nach zu denken, was – auch wenn er oft den gegenteiligen Anschein erweckte – nicht seine Art war. „Das sind nicht meine. Wilson ist...“, er stockte. „Er ist... er kocht manchmal für mich. Sorgt sich darum, dass ich sonst zu viel Fastfood esse. Das kommt vermutlich davon, dass er es den ganzen Tag mit kranken Menschen zu tun hat.“ Er hatte nicht darauf geachtet, wie er aussah, als er sich wieder ankleidete. So weit er sich erinnerte, waren noch alle Knöpfe an seinem Hemd und mehr als ein paar Falten sollte es nicht davon getragen haben...

„Und was macht er dir zum Frühstück?“ Blythe zupfte an ihren Ärmeln.

Das war definitiv eine der bizarrsten Unterhaltungen die er jemals so früh am Morgen geführt hatte. Und er hasste es, seine Mutter anzulügen. „Er macht manchmal Pfannkuchen. Mit Macadamianüssen. Die sind gut. Nicht so gut wie deine, natürlich”, setzte er rasch hinzu. „Mom, ich würde gerne unter die Dusche gehen. Können wir uns später weiter unterhalten?“ House wandte sich ab.

„Greg, bitte setz’ dich zu mir.“ Blythe nahm auf dem Sofa Platz und sah ihren Sohn auffordernd an. „Dein Vater schläft noch.“ Sie wartete, bis er neben ihr saß und drückte die Hand ihres Sohnes. „Das gibt mir die Gelegenheit, mich ganz alleine mit dir zu unterhalten. Es war gestern so spät, als wir vom Abendessen kamen und nach der langen Fahrt...“ Ihre Augen musterten ihn mit einer Mischung aus Sorge und Liebe. „Geht es dir wirklich gut, Greg?“, fragte sie leise. „Mein Gott, zu denken, dass jemand auf dich geschossen hat!“

„Mom, es gibt keinen besseren Ort, um angeschossen zu werden, als ein Krankenhaus.“ Jede Spur von Sarkasmus erstarb in seiner Stimme, als seine Mutter ihn tadelnd sah. Verdammt. Er war wieder zwölf. Höchstens. „Es sah sehr viel schlimmer aus, als es war“, spielte er das ganze herunter. „Sie haben mich zusammengeflickt und...“ Er stockte, zuckte mit den Schultern, drückte sanft ihre Finger, während er auf den Tisch starrte. „Sieh’ es so, ohne die Schießerei hätte Dr. Cuddy vermutlich nie zugestimmt, diese experimentelle Behandlung an mir auszuprobieren, und ich wäre dann jetzt nicht schmerzfrei.“ Er sah sie an, wartete auf ihre Zustimmung.

„Und ist es das, was du jetzt bist?“, fragte Blythe sanft. „Schmerzfrei?“

Wieder musste er ihrem Blick ausweichen. „Ja. Mein Bein ist natürlich nicht so stark wie früher, gegen den fehlenden Muskel kann man nichts tun, aber ohne die Schmerzen und mit der Physiotherapie, zu der sie mich zwingen, werde ich nie wieder den Stock brauchen.“

„Du glaubst gar nicht, wie schön es war, dich ohne Stock zu sehen, so sicher auf den Beinen, als du die Tür geöffnet hast“, entgegnete Blythe. „Es war alles, was ich mir in den letzten Jahren für dich gewünscht habe.“ Sie räusperte sich. „Greg. Ich...“

Etwas in ihrer Stimme ließ ihn alarmiert aufsehen.

„Da ist noch etwas. Ich... habe euch gesehen. Dich und James. Gestern Abend im Auto.“

Zum zweiten Mal setzte sein Herz einen Schlag aus. „Ich...“ Er hatte keine Ahnung, was er sagen sollte. „Mom, es ist...“

Sie legte die Hand auf seinen Arm, drückte ihn kurz, bevor sie aufstand. „Es ist schon in Ordnung, Greg.“

Noch während House versuchte, darauf eine Antwort zu finden, wandte sich Blythe ab und ging in die Küche. Sie setzte die Vorbereitungen für das Frühstück fort, das sie geplant und die Gregs Heimkehr unterbrochen hatte. Sie hoffte, sie hatte das richtige getan.

„Mom?“

Blythe sah auf und blickte ihren Sohn an, der gegen den Türrahmen lehnte. Für einen Moment war er wieder der schlaksige Teenager, der mit einem Brief aus der Schule nach Hause kam, und nicht wusste, wie er es ihr beichten sollte. „Ich habe das so gemeint, wie ich es gesagt habe, Greg. Es ist... James ist… nicht das, was ich mir vorgestellt habe, wenn ich… Ich meine, er ist wirklich sehr nett und alles. Nur...“

House starrte auf den Boden. „Er ist ein Mann. Und du denkst, das ist nicht richtig.“

Sie sah ihn hilflos an. „Es ist... eine ziemliche Überraschung.“ Sie wandte sich ab und goss Kaffee in zwei Kaffeebecher, das gab ihr etwas zu tun. Dann trug sie die Becher zum Tisch, stellte sie ab und blickte ihren Sohn erneut an. Greg stand noch immer an den Türrahmen gelehnt, den Blick auf den Boden gerichtet, die Schultern gesenkt. „Setz’ dich zu mir“, forderte sie ihn zum zweiten Mal an diesem Morgen auf. Und zum ersten Mal seit sechs Jahren war es um ihretwillen, dass sie das tat, ihre Knie fühlten sich verdächtig weich an. Sie konnte ihre Worte nicht zurücknehmen, aber sie hatte schreckliche Angst, dass diese... Sache... die Entfremdung zu ihrem Kind noch verstärkte. So wartete Blythe schweigend, bis ihr Sohn an den Tisch trat und sich ihr gegenüber setzte. Sie schob ihm den Becher zu.

House nippte an seinem Kaffee. Er war noch viel zu heiß und er verbrannte sich die Zunge. „Ich schätze, es ist eine Überraschung.“ Er nahm noch einen Schluck und es fühlte sich an, als würden seine Geschmacksnerven verglühen. Schon okay. Er verdiente das wohl. „Wirst du es Dad erzählen? Gib’ mir nur rechtzeitig Bescheid“, sagte er düster. „Damit ich anfangen kann, mein Grab zu schaufeln.“

Blythe senkte den Blick auf ihre Hände. „Dein Vater...“, begann sie.

Doch Greg unterbrach sie. „Entschuldige ihn nicht.“ Seine Stimme war rau mit unterdrückter Emotion. „Entschuldige dich einmal in meinem Leben nicht für ihn. Es liegt nicht daran, dass ihr in einer anderen Generation aufgewachsen seid. Und es liegt nicht daran, dass er sich Gedanken machen wird, was seine Fliegerkumpel und Kriegsfreunde von ihm halten, sollten sie erfahren, dass sein Sohn mit einem Mann schläft. Alles, worum es geht, ist, dass ich mein ganzes Leben lang eine Enttäuschung für ihn war und dass er jetzt wieder einmal recht behalten hat.“

Es war einen Moment lang sehr still. House umschloss den Becher mit beiden Händen. Der Kaffee war ein wenig abgekühlt, doch noch immer zu heiß. Er spürte den Dampf in seinem Gesicht, auf der Wange, auf Haut, die sich noch immer seltsam entblößt anfühlte, obwohl die Bartstoppeln langsam und scheu wieder zum Vorschein kamen. „Ich werde mich nicht dafür entschuldigen.“

„Oh, Greg. Ich erwarte das auch nicht von dir.“ Blythe sah ihn an und suchte nach den richtigen Worten. Suchte danach, ihn zu verstehen. Aber gerade das war noch nie leicht gewesen. Sie liebte ihren Sohn, aber er hatte sich immer so anders verhalten, als sie es erwartete. Sie hatte nie verstanden, was in ihm vorging. Und er wählte nie den einfachsten Weg, wollte zu oft mit dem Kopf durch die Wand. Selbst wenn da überhaupt keine Wände waren... „Wie lange... bist du mit James zusammen?“ Sie dachte an Stacy, an das wenige, was sie über das Ende ihrer Beziehung mit Greg von ihm erfahren konnte. Hatte diese Enttäuschung ihn dazu gebracht, eine... Beziehung, so musste sie es wohl nennen... mit einem Mann einzugehen?

„Seit ich ihn kenne.“ House spielte mit seinem Kaffeebecher. „Seit zwanzig Jahren.“

„Oh.“ Blythe spürte, wie sich ihre Augen weiteten. Das hatte sie nicht erwartet. „Aber... aber hast du mir nicht erzählt, dass James verheiratet war? Und du... du hattest Freundinnen. Und Stacy. War das nur...?“ Sie brach ab, unsicher was sie eigentlich fragen wollte.

Er verstand es auch. „Nein, das war es nicht. Es ist... ich hatte immer Beziehungen mit Frauen und Männern, und bei Wilson... James... ist es genauso. Es ist kompliziert. Mom…“ Er suchte nach einem Weg, das Gespräch taktvoll zu beenden. Das waren genug Geständnisse für einen Morgen gewesen. Doch offenbar war das Thema für seine Mutter noch nicht erledigt.

„Und du bist glücklich mit diesem Leben? Mit James?“, fragte sie leise.

„Ich bin nie glücklich.“ Er bereute die Worte, so bald sie über seine Lippen waren - als er die Besorgnis in ihrem Gesicht sah, den Schmerz in ihren Augen. „Aber es ist okay... das Leben ist besser, wenn James da ist.“

„Das ist gut.“ Blythe stellte ihren Kaffeebecher ab und stand auf, um endlich das Frühstück fertig zu machen. John würde sicher bald aufstehen. Er schlief nie lange, selbst nach seiner Pensionierung nicht. „Ich bin froh, dass du nicht alleine bist. Wirklich.“ Sie trat an den Küchentresen und rührte in einer Schüssel.

House starrte eine Weile in seinen Kaffeebecher. Dann stand er auf und stellte ihn in die Spüle. Er trat neben seine Mutter. Als sie aufsah, umarmte er sie, beugte sich etwas ungeschickt zu ihr hinunter. „Danke.“ Er trat von ihr weg. „Ist das okay, wenn ich vor dem Frühstück noch Laufen gehe?“ House war schon auf dem Weg zur Tür.

„Natürlich“, erwiderte Blythe. Sie verstand sein Bedürfnis, mit seinen Gedanken für eine Weile alleine zu sein. Es ging ihr ähnlich.

* * *

Wilson verzichtete darauf, wie üblich seinen Schlüssel zu benutzen und klingelte. Während er darauf wartete, dass jemand öffnete, rückte er seine Krawatte zurecht und fuhr sich über die Haare. Es gab absolut keinen Grund, nervös zu sein, erinnerte er sich. Sein Lächeln verblasste ein wenig, als Blythe House die Tür öffnete. „Guten Morgen“, sagte er. „Ich wollte nur meine Tasche abholen, ich habe sie gestern hier vergessen.“ Er fühlte sich unbehaglich unter ihrem Blick und war fast versucht, nach zu sehen, ob er sich das Hemd mit Kaffee bekleckert hatte.

„Bitte, kommen Sie herein. Greg ist Laufen.“ Blythe trat zur Seite, um ihn in die Wohnung zu lassen und Wilson holte seine Tasche. Froh darüber, den Rückzug so schnell antreten zu können, wandte er sich House’ Mutter zu, um sich zu verabschieden. Sie musterte ihn noch immer. „Uh, ist alles in Ordnung? Benimmt sich Greg?“ Es war vielleicht nicht das intelligenteste, was er je von sich gegeben hatte, aber er war ein verdammt schlechter Lügner, wenn er überrascht wurde.

„James... ich weiß von Ihrer Beziehung mit Greg“, sagte Blythe leise. Sie blickte über die Schulter, um sich zu vergewissern, dass die Küchentür geschlossen war, und John nichts von ihrem Gespräch hören konnte.

„Was?“, es kam eher wie ein Krächzen, als wie eine Frage heraus. Wilson spürte sein Gesicht heiß werden. Was hatte House wieder getan? „Was hat er gesagt? Hat er das behauptet?“

Blythe sah auf ihre Hände. „Ich habe euch gesehen. Gestern Abend, im Auto. Als Sie Greg küssten.“ Sie blickte auf. „Und er war doch auch bei Ihnen, heute Nacht, nicht wahr.“

„Ja.“ Wilson schluckte, sein Hals war trocken. „Er war bei mir.“

Sie verschränkte die Arme vor der Brust, als wäre ihr kalt. „Es ist... eine Überraschung.“

Wilson hielt unbehaglich seine Tasche vor sich. „Sie haben mit Greg darüber gesprochen?“ Als sie nickte, holte er tief Luft. „Mrs. House... Blythe – ich liebe Greg. Ich kann mir mein Leben ohne ihn nicht vorstellen. Und ich will alles dafür tun, dass es ihm gut geht.“

Blythe lächelte. „Danke“, sagte sie einfach und reichte ihm die Hand. „Das ist gut zu wissen.“

Als sich die Tür hinter Wilson geschlossen hatte, zog er sein Handy aus der Tasche und drückte House’ Kurzwahlnummer, noch während er die Straße überquerte. Es dauerte eine Weile, bis sich House meldete und als er es tat, klang er atemlos. „Wo steckst du?“, fragte Wilson ohne Vorrede. „Deine Mutter hat mir gerade gesagt, dass du ihr von uns erzählt hast? Was ist passiert? Okay. Okay, wir sprechen später darüber. Treffen wir uns zum Mittagessen? In ‚Buckley’s Cafe’? Okay, bis dann.“ Er steckte das Handy wieder ein und rieb sich nervös den Nacken, als er in seinen Wagen stieg. Das war kein guter Anfang für diesen Tag.

Ende