Titel: Schmetterling im Kokon

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Pairung: House, Wilson

Rating: pg, gen, vor-serie

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Im PPTH findet kurz vor Weihnachten das alljährliche Dinner für Freunde, Gönner und Sponsoren des Krankenhauses statt. Zu Wilsons Überraschung taucht House nach dem Essen dort auf, obwohl er gar nicht eingeladen war.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

James Wilson unterhielt sich mit einem älteren Ehepaar. Oder um genau zu sein, er hörte nur zu, da Mrs. Marlott sprach und ihr Mann den inzwischen dritten Drink zur Brust nahm. Wenn sie während des Dinners unablässig gesprochen hatte, war ihm das allerdings auch nicht zu verdenken... Er bemerkte, dass er irgendwann in den letzten Minuten den Faden des Gesprächs verloren hatte, aber offenbar wurde auch keine Antwort von ihm erwartet. Als er wieder einmal nickte, glitt sein Blick über Mrs. Marlotts Schulter durch den Raum. Er entdeckte Doktor Cuddy, ähnlich damit beschäftigt, ihre Gäste zu unterhalten. Ob sie sich dabei mehr amüsierte als er?

 

Aber in diesem Moment betrat jemand den Saal, der ihn langatmige Gespräche, Cuddy und Mrs. Marlott samt Ehemann schlagartig vergessen ließ.

 

Der Mann, der im Eingang stand - und eher so wirkte, als hätte er sich aus Versehen in die falsche Veranstaltung verirrt - stach nicht nur wegen der unpassenden, zerknittert aussehenden Kleidung von den anderen Anwesenden ab, sondern mehr noch, weil er sich mit Hilfe einer Krücke fortbewegte.

 

Wilson entschuldigte sich kurzangebunden bei Mrs. Marlott, die ihm pikiert nachsah und durchquerte den Raum, um sich neben den Neuankömmling zu stellen, der einem der Kellner ein Glas abgenommen hatte und ihm damit zuprostete, als er auf ihn zutrat.

 

„Warum bist du hier?“, fragte Wilson überrascht. „Ist alles in Ordnung?“

 

Greg House leerte sein Glas. „Es macht keinen Spaß, nicht zu einem Dinner zu gehen, zu dem man überhaupt nicht eingeladen wurde.“

 

Wilson zuckte mit den Schultern. „Du hasst solche Veranstaltungen. Es sollte dich freuen, dass Cuddy dich nicht herbeordert hat.“ Er musterte House und fand nichts wirklich Besorgniserregendes in Haltung oder Gesicht des anderen Mannes. „Also, warum bist du trotzdem hier? Ist das Sofa abgebrannt? Wurde General Hospital abgesetzt?“

 

House zog ein übertrieben schockiertes Gesicht. „Hey, Jimmy - mit so was macht man keine Scherze.“ Er drückte Wilson sein leeres Glas in die Hand und schnappte sich ein neues von einem vorbeigehenden Kellner. „Ich bin ein Schmetterling“, sagte er völlig zusammenhanglos. „Wusstest du das schon?“

 

„Was?“ Wilson starrte ihn an. „Klar. Sieht man sofort. Die Flügel. Und Fühler. Und das alles.“ Er stellte das Glas weg.

 

„Idiot. Ich stecke offensichtlich noch in meinem Kokon.“

 

Wilson berührte mit dem Handrücken House’ Stirn, um seine Temperatur zu prüfen. „Hast du zu viele Pillen genommen?“

 

„Aha! Wenn ich es sage, verdächtigst du mich, high zu sein. Aber ich musste mir das heute in der Physiotherapie anhören und du erwartest von mir, dass ich diesen idiotischen Therapeuten nicht erdrossle.“

 

„House.“ Sie hatten diese Diskussion schon zu oft geführt. „Du musst da hin.“

 

„Okay, okay.“ House winkte ab. „Melde mich aber nicht gleich zum Stepptanzkurs an.“

 

Wilson lächelte. „Wo ist Stacy? Hast du sie nicht mitgebracht?“

 

House sah weg, sein Gesicht wurde abweisend. „Sie hatte keine Zeit.“

 

„Schade“, entgegnete Wilson. „Es sind eine Menge Leute hier, die sie gerne wiedergesehen hätten.“

 

„Ich sehe Bonnie auch nicht in der Ecke herumstehen. Wer übernimmt jetzt die Rolle des Mauerblümchens?“

 

Nun war es an Wilson, auf den Boden zu starren. „Du weißt genau, dass Bonnie über die Feiertage zu ihren Eltern gefahren ist.“

 

„Solltest du da nicht bei ihr sein? Machst du dir keine Sorgen, was deine Schwiegereltern von dir denken?“

 

„Ihre Mutter mag mich nicht besonders. Und nach dem, was du dir geleistet hast, als sie uns zum ersten Mal in New Jersey besuchten, bin ich auch nicht so wild darauf, ihre Brüder noch einmal zu treffen.“

 

House riss die Augen übertrieben weit auf. „Aber Jimmy“, erwiderte er im Brustton der Unschuld. „Woher hätte ich denn wissen sollen, dass sie streng katholisch sind und ein Problem damit haben, dass ihre kleine Schwester einen Juden geheiratet hat?“ Er hielt die Krücke hoch. „Aber ich habe das Ding nicht nur, weil es so kleidsam ist. Ich verteidige dich damit.“

 

„Das ist... sehr... nett. Denke ich“, meinte Wilson trocken. „Ich werde garantiert nicht darauf zurückkommen.“

 

House bohrte den Gummifuß der Krücke in den Teppich. „Was machst du, wenn diese... Veranstaltung... vorbei ist?“, fragte er, das Thema wechselnd.

 

Wilson seufzte. „Ich denke, ich werde noch ein paar Stunden Papierkram aufarbeiten.“

 

„Warum kommst du nicht bei mir vorbei? Wir bestellen etwas zum essen und machen uns über die Weihnachtssendungen im Fernsehen lustig.“

 

Das klang besser als alleine in seinem Büro zu arbeiten. Oder in seinem Haus die Wände anzustarren und sich zu fragen, warum er es wieder geschafft hatte, seine Ehe zu ruinieren. Wilson sah ihn an. „Wird Stacy nicht...“

 

„Stacy ist nicht da“, unterbrach House ihn. „Sie ist für eine Woche in Short Hills. Bei einem Vorstellungsgespräch.“

 

Wilson lag auf der Zunge zu fragen, warum Stacy sich in Short Hills um einen Job bewarb. Doch House’ Gesicht verbot weiteres Nachfragen. Und es war nicht so, als hätte er nicht eine Ahnung... Während der letzten sechs Monate, seit Stacy die OP gegen Gregs Willen genehmigt hatte; seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus, hatte die Beziehung der beiden eine rapide Wendung zum Schlechteren genommen. House ließ die ganze Bitterkeit über seine Behinderung an Stacy aus. Und sie reagierte...

 

„Wenn ich gewusst hätte, dass es so eine schwierige Entscheidung für dich ist...“, unterbrach House’ Stimme seine Gedanken. „...hätte ich einen Zettel vorbereitet mit einem Kästchen für „Ja“ und einem Kästchen für „Nein“, damit du nur noch ankreuzen musst.“

 

Er stieß House den Ellbogen in die Rippen und sah zufrieden, wie sich die blauen Augen überrascht weiteten. Aber Greg hatte sich erst vor ein paar Tagen darüber beschwert, dass er nicht wie ein Krüppel behandelt werden wollte. Wilson seufzte mit übertriebener Resignation. „Ja, du Idiot. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als die Feiertage so mit dir zu verbringen.“ Er zweifelte nicht daran, dass er die richtige Antwort gefunden hatte, als House lächelte. Vielleicht taten sich ein paar Risse mehr im Kokon auf.

 

 

Ende