Titel: Falling from grace
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Pairung: POV House, Wilson
Rating: gen, PG
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Du spürst ihn an deinem Bett stehen und du fragst dich, wie
er hier sein kann. Gegenstück zu "We all fall down". Spoiler: 97
Seconds (4.03) / House's Head (4.15) / Wilson's Heart (4.16) Finale
Staffel 4

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten
geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern.
Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu
verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.
Lyrics: Asia


I never meant to be so bad to you
one thing I said that I would never do


Jemand ist bei dir, in diesem Raum.
Cuddy? Sie war hier, du hörtest
das leise Klicken ihrer Absätze auf dem harten Boden; rochst ihr
Parfum, als sie sich über dich beugte. Spürtest ihre Hand, die deine
festhielt, als hätte sie Angst, du würdest weglaufen.

Selbst wenn du überzeugt gewesen wärst, dass du dich aufrecht auf
den Beinen halten könntest - was du nicht kannst - wohin hättest du
gehen sollen? Wo dich verstecken? Bei wem?

Selbst eine tote Frau hat dich weggeschickt.

Du hältst für einen Moment den Atem an. Ist dies vielleicht wieder
nur eine Halluzination? Vielleicht ist überhaupt niemand hier.

Du versuchst dein Bein zu bewegen, denn im Bus, in dieser
allumfassenden Helligkeit, durch die du barfuss gingst, warst du
schmerzfrei. Doch deine Beine, dieses Mal sind es beide, verweigern
den Dienst. Sie sind tote Gewichte, die an einem unkooperativen
Körper hängen. Und du entdeckst, dass es dich im Moment nicht einmal
stören würde, wenn sie es dir dieses Mal abschneiden.

Deine Hände versuchen einzuspringen und zucken ein wenig, kaum mehr
als ein Entspannen der Handgelenke, den Rest erledigt die
Schwerkraft. Du spürst kühle, glatte Baumwolle unter deinen
Fingerspitzen.

Es ist kein definitiver Beweis. Als du im Bus warst, konntest du
kühles Metall und Plastik und die pelzige Rauheit des Sitzbezuges
gegen die bloße Rückseite deiner Beine spüren.

Du wagst nicht, die Augen zu öffnen und zu sehen, wer es ist. Du
hast Angst, es könnte ‚sie' sein.

Es tut mir leid.

Du hast es schon so oft gesagt; meistens stumm, meistens allein in
der Dunkelheit, wo dich niemand hören könnte - besonders nicht die
Person, der du es sagen wolltest.

Du standest in der Dunkelheit deines Büros, Türen und Jalousien
geschlossen, und sprachst zu tauben Wänden, anstatt zu der Frau, die
vier Stockwerke unter dir in ihrem Büro über deine grausamen Worte
weinte. Als könnte Cuddy es durch Magie hören.

Du flüstertest die Worte in den anbrechenden Tag, auf dem Dach,
gleichermaßen für Stacy, die ihre Sachen zusammen packte, um zu Mark
zurück zu gehen; wie für Wilson, dessen Schritte noch im Treppenhaus
widerhallten.

Du sagtest sie ihm in der Sicherheit der Halluzination... oder
Erinnerung... ins Gesicht, als du ihn plötzlich mit dir im Bus
sitzen sahst; ein Beobachter... ein unbestechlicher Augenzeuge
deines Versagens.

Im Laufe eurer langen, verdrehten Freundschaft hast du vieles getan,
und für das meiste hat er dir freiwillig... bereitwillig...
verziehen. Manchmal hast du ihn dafür verabscheut, versucht dich
über seine Schwäche lächerlich zu machen, doch meistens blieben die
Worte in deiner Kehle stecken, wenn er dich ansah und du die...
die... Liebe in seinen Augen sehen konntest. Du hast nie verstanden,
wieso er dich liebt.

Du fragst dich, was du jetzt in seinen Augen sehen wirst.


A look from you
and I would fall from grace


Aber vielleicht versteckst du dich hinter der Maske des Schlafes,
weil du Angst hast, dass es jemand anderes ist, der an deinem Bett
steht. Dessen Blick du wie ein Gewicht auf deiner Brust spürst.

Der Mix aus Schmerz- und Beruhigungsmitteln und was noch sonst alles
aus einem Tropf in deine Adern fließt, versucht dich zurück in den
Schlaf zu locken. Aber noch sperrst du dich dagegen.

Der Schlaf war dein Leben lang ein vertrauter Feind. Schlaflosigkeit
war eher ein Normalzustand, als eine Ausnahme. Stacy hatte sich
schließlich daran gewöhnt, dass du oft mitten in der Nacht geradezu
fluchtartig das Bett verlassen hast und sie dich morgens vor dem
Fernseher fand, tief schlafend, die verschwitzten Laufklamotten an
deiner Haut klebend.

Etwas schnürt dir den Brustkorb ab und für einen Augenblick gleiten
deine Gedanken zurück zu der Zeit nach dem Infarkt... aber es ist
nicht dein Herz. Nicht das Herz von dem du immer behauptest, dass du
es nicht besitzt.

Vielleicht ist das alles nur eine Halluzination, wie in den wenigen
Minuten vor der langen Dunkelheit des Ketaminkomas, obwohl du im
Moment die Gesellschaft des Verrückten, der auf dich geschossen hat
und mexikanisches Fastfood willkommen heißen würdest. Vielleicht
liegt dein Körper irgendwo, verdreht wie eine Marionette der man die
Fäden durchgeschnitten hat, im Wrack des Busses. Vielleicht... und
du fühlst fast so etwas wie Erleichterung dabei... wird es dieses
Mal kein Erwachen geben; keine Rückkehr in die Realität. Keine
Schmerzen, keine Pillen, keine Einsamkeit mehr.

Es tut mir leid.

Wenn du den Mut dazu hättest, würdest du diese Worte in diesem
Moment laut aussprechen. So wie du ihm gesagt hast, dass du ihn
liebst. In einem Augenblick, in dem er denken musste, du machst dich
über ihn und seine ewige Sorge um dich lustig. Weil sein Ärger
leichter zu ertragen war, als seine Zurückweisung. Weil du ihn nicht
wissen lassen konntest, wie froh du warst, sein Gesicht zu sehen,
als du aufwachtest.

Und dann wandte er sich ab, um zu gehen und wie aus eigenem Antrieb
hob sich deine Hand wie in dem Versuch, ihn zurück zu halten...

Er drehte sich nie um, sah es nie.

Du versuchst daran fest zu halten, dass es nur eine Illusion der
Schmerzmittel ist, reines sentimentales Wunschdenken, als sich warme
Finger um deine schließen, und sie so fest umklammern, dass es fast
wehtut. Und es tut weh, weil du weißt, wessen Hand es ist.


Ende