Titel: To hell with heaven

Autor: Lady Charena

Fandom: House, MD

Charaktere: House, Wilson

Thema: # 030. Tod

Word Count:

Spoiler: past 2.24 No Reason

Rating: PG

Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

 

Es war dunkel.

Es war kalt.

Es war still.

 

Das waren die einzigen drei Dinge, die sein vernebelter Verstand von seiner Umgebung wahrnehmen konnte.

 

Dunkelheit.

Kälte.

Stille.

 

Als ob es nichts anderes gab. Überhaupt nichts. Als ob die ganze Welt nur ein Fragment seiner Einbildung gewesen wäre, ein Teil eines Traums, aus dem er nun langsam erwachte.

 

Er öffnete die Augen... nein, nein, er schloss sie, denn jetzt konnte er im Dunkel die Schattenmuster auf der Innenseite seiner Augenlider sehen.

 

Wo war er?

 

Dunkelheit.

Kälte.

Stille.

 

Es war zu still. Er konnte nicht einmal seinen eigenen Herzschlag hören. In der ersten Zeit nach der OP... in den ersten Nächten seines neuen Lebens... war ihm der leicht unregelmäßige Rhythmus seines Herzschlages zum einzigen Beweis geworden, dass dies alles real war und nicht der Alptraum eines Wahnsinnigen, in den er irgendwie hineingelangt war.

 

Ein neuer Gedanke tauchte auf und er fragte sich, warum er erst jetzt daran dachte. Keine Schmerzen. Er spürte überhaupt nichts!

 

War er tot?

 

Es war anders als beim ersten Mal, kein Licht, keine Bilder, weder aus seinem Leben noch dem anderer Menschen. Und doch machte es irgendwie einen Sinn. Dunkelheit. Kälte. Stille. Das waren tote Dinge. Er konnte nichts fühlen. Er konnte nichts hören. Er konnte nicht sprechen. Da war nichts, absolut nichts.

 

Das fühlte sich verdammt tot an, wenn man ihn fragte.

 

Sah nicht so aus, als ob sich jemand um seine Meinung zu dem Thema kümmerte! Entgegen des allgemeinen Eindrucks hing er an seinem Leben. Wenn er es nicht tun würde, hätte ihm die Vergangenheit genügend Möglichkeiten gelassen, es zu beenden. Verdammt, er war Arzt. Er war von Schmerzmitteln abhängig. Eine kleine Überdosis und es wäre alles vorbei gewesen. So weit ihn sein selbstzerstörerisches Verhalten auch manchmal trieb, er war immer vor dem letzten Schritt zurück gewichen. Etwas in ihm konnte einfach nicht aufgeben, klammerte sich an dieses verfluchte, gequälte Leben, zerrte ihn zurück aus dem Vergessen.

 

Ein anderer Gedanke tauchte auf, prallte von den Wänden seines Bewusstseins ab wie ein mentaler Querschläger: Er hätte Chase fragen sollen, was es mit dem Tod auf sich hatte. Nicht dass er von eigenen Erfahrungen berichten hätte können, aber brachte seine Kirche das nicht schon den kleinen Kindern bei? Sie lehrten den Tod, bevor sie das Leben lehrten.

 

Wo waren dann die Engel und Harfen und die weißen Wolken? Und hatte er nicht mal etwas von einem großen, goldenen Tor gehört? Wo war das alles, was den Himmel ausmachen sollte?

 

Er blinzelte.

 

Sah ganz danach aus, als hätte Wilson recht behalten. Er war nicht im Himmel gelandet.

 

Er war in der Hölle.

 

Ein fast unwiderstehlicher Drang zu Lachen stieg in ihm auf, doch etwas blockierte seine Kehle und es blieb, wo es war, eingesperrt in seinem Brustkorb.

 

Gut, wo war dann all das Zeug, mit dem sie die Leute erschrecken wollten? Das Fegefeuer, der Höllengestank und... wieder blubberte das Lachen in ihm auf... die ewigen Schmerzen? Wo steckten die Dämonen und Teufel, die ihn eine Ewigkeit lang mit nie endender Langeweile foltern würden?

 

Verdammt, er musste in irgendeinem Zwischenstadium stecken geblieben sein. Vermutlich wusste keiner so recht, wohin sie ihn schicken sollten. Ob seine erbärmliche Seele es wert war, gerettet zu werden oder nicht.

 

Als wäre es je anders gewesen.

 

Damals nicht, als sein Vater ihn in einer militärischen Laufbahn sehen wollte, und er statt dessen seinen Verstand und seine Neugier darauf verwandte, Arzt zu werden.

 

Nicht, als er die Amputation verweigerte und Stacy ihre Zustimmung zu seiner Verstümmelung gab – und ihm nur ein halbes Bein und die ständigen Schmerzen blieben.

 

Und jetzt war er tot, nachdem ein Verrückter auf ihn geschossen hatte.

 

Da sollte doch wohl einen Schlusspunkt hinter das ewige Hin und Her und Auf und Ab in seinem Leben setzen.

 

Er blinzelte wieder, war da vielleicht doch ein wenig Licht? Nur ein Schimmer?

 

Sollte doch keine so schwere Entscheidung sein. Es gab schließlich nur zwei Möglichkeiten. Hoch oder Runter. Zu schade, dass die Münze in seinem Schreibtisch lag, aber dann war sie mit ihren beiden gleichen Seiten vielleicht auch nicht besonders hilfreich in dieser Situation... Als ob ihn jemand mit klarem Verstand in den Himmel schicken würde...

 

Aus dem Schimmer wurde ein Lichtstrahl, der in seine Augen stach und er schloss hastig die Lider. Flecken tanzten auf ihren Innenseiten.

 

„Hey, na los, House. Mach’ die Augen wieder auf. Ich weiß, dass du wach bist. Der Schönheitsschlaf ist vorbei.“

 

Moment, er kannte diese Stimme!

 

„Ist er...?“

 

„Er ist bei Bewusstsein, Cameron. Seine Pupillen haben auf das Licht reagiert. Es ist nur seine übliche Sturheit.“

 

„Gut, dann... dann gehe ich und sage den anderen Bescheid, dass er wach ist.“

 

Die Stimmen...?

 

Er blinzelte. Da war mehr Licht. Und ein Schatten.

 

„Okay, du hast es geschafft. Sie ist in Tränen aufgelöst und weg. Und jetzt mach’ wieder die Augen auf, du sturer Bastard. Es ist an der Zeit aufzuwachen.“

 

Die Worte klangen harsch, aber ihr Tonfall war besorgt und... und... bittend? Flehend?

 

„Greg, bitte.“

 

Er würde es selbst jetzt noch abstreiten, aber dieser Stimme hatte er nie wirklich widerstehen können. Gregory House schlug die Augen auf.

 

Umrahmt von einem Lichtkranz starrte ein Engel auf ihn hinab.

 

Verdammt. Diese Idioten hatten ihn in die falsche Richtung geschickt.

 

„...falsche Richtung...“, krächzte er, seine Kehle wund und staubtrocken. Ein metallischer Geschmack lag auf seiner Zunge, als hätte er an einer Eisenstange gelutscht.

 

Der Engel runzelte die Stirn. „Was war das?“

 

Eine andere Stimme mischte sich ein. Noch ein Engel? Etwas sagte ihm, dass es eher das Gegenteil sein könnte...

 

„Cameron sagte, er wäre aufgewacht?“

 

„Er hat die Augen offen, er hat etwas gesagt, seine Pupillen reagieren normal - er ist wach, Lisa. Lassen wir ihm noch einen Moment Zeit, er ist noch ziemlich benommen.“

 

„Gut, denn wenn er glaubt, mich mit dieser Sterbenden-Schwan-Nummer so weich zu kochen, dass ich ihm die Klinikstunden dieser Woche erlasse, irrt er sich.“ Wieder passten Worte und Stimme nicht zusammen. Der… Engel?… Schatten beugte sich ebenfalls über ihn und berührte seine Stirn, strich ihm übers Haar.

 

„...falsche Richtung geschickt“, murmelte er erneut, träge, und lauschte dem nach, von dem er annahm, dass es seine eigene Stimme war. „...kein... Engel...“ Er konnte die Augen nicht länger offen halten. Etwas bedeckte seine Nase und seinen Mund und eine herrliche Kühle glitt mit jedem Atemzug durch ihn. Danach war die Dunkelheit zurück und riss ihn mit sich.

 

„Engel?“, fragte Lisa Cuddy mit gerunzelter Stirn und blickte Wilson an. „Habe ich das richtig verstanden?“

 

„Ich denke, er ist okay, wenn er noch ein wenig schläft. Ich bleibe bei ihm und lasse ihn noch für eine halbe Stunde Sauerstoff atmen, dann sollte er von alleine aufwachen“, erwiderte Wilson, ohne auf ihre Frage einzugehen. Er legte eine Hand auf House’ Schulter und schien die Monitore eingehend zu studieren.

 

Lisa Cuddy nickte. „Halten Sie mich auf dem Laufenden“, bat sie, dann wandte sie sich ab und verließ den Raum. Die vorgezogenen Jalousien der ICU raschelten leise, bevor es wieder dunkel und still war.

 

Wilson beugte sich über seinen Freund und strich ihm mit dem Handrücken über die Wange. „Du bist nicht tot“, versicherte er House, obwohl er sich ziemlich sicher war, dass Greg ihn nicht hören konnte. „Ich würde niemals zulassen, dass die Hölle dich bekommt.“ Vielleicht täuschte er sich, aber die schmalen, aufgesprungenen Lippen unter der durchsichtigen Sauerstoffmaske verzogen sich - entweder in Verachtung oder zu einem Lächeln. Er hoffte, dass es letzteres war.

 

Wilson nahm auf dem Stuhl neben dem Bett wieder Platz, um darauf zu warten, dass House aufwachte. Eine Hand auf seinen Arm gelegt, um ihn wissen zu lassen, dass er nicht alleine war.

 

 

Ende

 

 

 

I will meet you in some place

Where the light lends itself to soft repose

Feels like being underwater

Now that I've let go...           Juwel