neu: Drowning (House md, gen, PG)
Titel: Drowning
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Pairung: POV House, Wilson
Rating: gen, PG
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Es war eine unkluge Entscheidung in einer langen Reihe unkluger Entscheidungen, stellst du fest. Spoiler: House’s Head (4.15) / Wilson’s Heart (4.16) Finale Staffel 4

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen. Lyrics: Stereophonics




At times that's all I see
It's not real
Wanna feel, like I did before


Es war eine unkluge Entscheidung in einer langen Reihe unkluger Entscheidungen, stellst du fest. Vorsichtig formuliert.

Kurz nach einer schweren Kopfverletzung und nachdem du wie eine Puppe in einem Bus herumgeschleudert wurdest; nachdem du die Freundin deines besten Freundes getötet hattest und nach dem dritten Herzstillstand in fünf Jahren, in diesem Wetter mit dem Motorrad unterwegs zu sein war eine PHÄNOMENAL SCHLECHTE IDEE !

Leider ist es inzwischen ein wenig zu spät, sich daran zu erinnern.

Du hast keine klare Erinnerung daran, was passiert ist. Alles, was du wusstest, war dass du weg wolltest. Nachdem dich Cuddy zehn Tage lang im Krankenhaus eingesperrt und dich nur nach endlosem Argumentieren und unter zahlreichen Bedingungen entlassen hatte, wolltest du nur noch eines – auf die Repsol steigen und Princeton hinter dir lassen. Irgendwohin, weg, weit genug weg, dass du wieder atmen konntest. Irgendjemand hatte sich darum gekümmert, dass dein Motorrad von “Sharrie's“ Bar weggeschafft wurde und vor deinem Apartment stand. Vielleicht Chase. Es ist dir nicht entgangen, mit welch bewundernden und sehnsüchtigen Blicken er die Repsol ansah.

Es begann zu regnen, als du auf die Interstate eingebogen bist. Es war nicht schlimm. Du warst schon bei wesentlich schlechterem Wetter unterwegs. Aber die Kombination aus den Unfallverletzungen, zehn Tagen in einem Bett und der Schmerzmittel in seinem Blut entpuppten sich als unheilvoll. Deine Konzentration ließ nach, bevor du dich dazu entschieden hattest, umzudrehen.

Du findest dich neben der Straße wieder. Mit dem Gesicht nach unten und dem Geschmack von Erde und Blut in deinem Mund. Du stemmst dich benommen hoch und löst – auf die Ellbogen gestützt – mit zitternden Händen den Kinngurt des Helmes, um ihn abzunehmen. Regen prasselt auf dich nieder.


Mornings I can't breathe
Wave crashes over me
And drowns me


Du schließt die Augen, senkst den Kopf und machst einen internen Check deines Zustandes. Vielleicht ist es der Schock, vielleicht hast du noch genug Schmerzmittel intus, aber du spürst keinen Schmerz. Abgesehen von deinem Bein natürlich, doch du hast genug Übung darin, es zu ignorieren. Deine Ellbogen schmerzen von der Anstrengung, deinen Oberkörper aufrecht zu halten, sie sinken leicht in den weichen Boden ein. Genau wie deine Knie. Und du bist sicher, dass eine nicht unbeträchtliche Menge deiner Haut, vor allem von den nur durch eine Jeans geschützten Beinen, auf dem Asphalt hinter dir klebt. Die Lederjacke scheint deinen Oberkörper vor dem meisten geschützt zu haben.

Kälte sickert rasch durch deine Kleidung und du kannst einen Schauer nicht unterdrücken. Der Schauer wächst sich zu einem Zittern aus, das nicht mehr aufhört. Du ziehst die Lederjacke enger um dich, aber es nützt nichts. Der Regen pflastert dir das Haar gegen die Stirn, du spürst Wasserrinnsale auf deinen Wangen, Tropfen fallen von deinem Kinn in den Kragen. Es ist, als würdest du im Liegen ertrinken. Die Kälte kriecht in alle Knochen, bis deine Zähne so laut klappern, dass du darüber kaum noch deine eigenen Gedanken hören kannst.

Irgendwie schaffst du es, dein Handy aus der Innentasche der Jacke zu holen und wie durch ein Wunder ist es noch funktionstüchtig. Du wählst eine Nummer, sagst was passiert ist und dann schließt du die Augen, lässt dich zurück auf die Erde sinken, was deine Ellbogen mit Erleichterung quittieren.

Der immer noch fallende Regen wäscht dich mit fort.


I'm down on my knees
And I don't know where to go
to find my way back home




* * *

„Du bist so ein verdammter Idiot, House.”

Du öffnest die Augen, siehst ihn an und du weißt, dass deine Welt unvollständig wäre, wenn er nicht an deinem Bett stehen würde, wenn du aufwachst. Wenn er dich nicht mit diesen Worten begrüßen würde.

Dein Blick gleitet durch den Raum. Ein Krankenhaus. Es sieht nach dem PPTH aus. Natürlich, wohin sonst würde Cuddy dich bringen lassen. Was dich daran erinnert, dass du sie angerufen hast, nicht ihn. Wieso ist er hier? Du hattest nicht erwartet, ihn jemals wieder zu sehen. Deine Augen kehren zu ihm zurück. Er sieht müde aus und du bemerkst neue Linien in seinem Gesicht, die der Kummer dort hinterlassen hat. Und du bedauerst, dass du noch mehr hinzugefügt hast. Es gibt in diesen Tagen vieles, was du bedauerst.

„Sie hat gelogen.“ Erst als du deine eigene Stimme hörst, trocken und brüchig wie altes Pergament, ist dir bewusst, dass du diese Worte laut ausgesprochen hast. „Sie hat gesagt, man spürt nichts mehr. Aber... aber es tut immer noch weh.“

Er sieht dich an, die Stirn in verwunderte Falten gelegt, die Augenbrauen zusammen gezogen. Aber du weißt, dass er dich jetzt nicht fragen wird, wovon du sprichst. Irgendwann wirst du ihm davon erzählen, von den Träumen, dem grellen Licht, von dem Bus, von Amber an deiner Seite und von ihren Worten. Aber nicht jetzt.

Du streckst die Hand aus, doch er ist zu weit weg, als dass du ihn berühren kannst. Alles, was deine Finger greifen, ist der Saum seiner Jacke und du hältst sie so fest wie ein Ertrinkender eine Rettungsleine.

Er sieht einen Moment verwundert auf deine Hand, dann löst er sanft deine Finger von seiner Kleidung und umschließt sie mit seinen. Er sitzt schweigend neben dir auf der Bettkante, und das ist besser, so viel besser, als die trockene Kleidung, die warme Decke um deine Schultern und die Medikamente, die dir den Schmerz nehmen.

In der Stille hörst du, wie in der Ferne immer noch der Regen fällt. Aber jetzt bist du vor dem Ertrinken sicher.


I've seen my face right on the floor
And I love you, being around



Ende