Titel: House-Dressing
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Charaktere: Wilson, House
Thema: # 039 Geschmack/schmecken
Word Count: 1008
Rating: gen, Humor/Satire
Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T’Len für’s betalesen.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.




Wilson steckte den Kopf in House’ Büro, nachdem er sich versichert hatte, dass sein Freund alleine war und unbeschäftigt wirkte. „Hast du Zeit zum Mittagessen?“

House sah auf und setzte augenscheinlich zu einer zynischen Bemerkung an. Doch irgendetwas stoppte ihn und er griff statt dessen nach seinem Stock, um auf zu stehen. „Okay.“ Er musterte seinen Freund, als er zu Wilson auf den Korridor trat.

Sie standen nebeneinander vor dem Lift und House drückte ungeduldig den Rufknopf etwa zum zehnten Mal in halb so vielen Sekunden mit seinem Stock.

„Deshalb wird er auch nicht schneller da sein, weißt du“, bemerkte Wilson mit mildem Tadel.

„Bist du sicher?“, entgegnete House und wie um seinen Standpunkt zu bestätigen, öffneten sich gerade dann die Lifttüren.

Wilson lehnte sich gegen die Kabinenwand und verschränkte die Arme vor der Brust. „Viel zu tun heute?“, fragte er beiläufig.

House’ Augen verengten sich leicht. Er entgegnete nichts, aber in diesem Moment erreichten sie das Stockwerk mit der Cafeteria und die aufgehenden Lifttüren enthoben ihn ohnehin einer Antwort.

Sie nahmen sich Tabletts und reihten sich in die Schlange ein. „Ich habe gehört, es gibt heute Rigatoni.“

House verzog das Gesicht. „Und hinterher Rigor Mortis?“, erwiderte er sarkastisch und ignorierte den irritiert-schockierten Blick, den ihm die Frau, die das Essen ausgab, zuwarf. Er nahm sich eins der verpackten Sandwiches, eine Tüte Lays und eine Dose Cola.

Wilson lächelte entschuldigend, und zog hastig die Hand weg, als ihm die Cafeteria-Mitarbeiterin die Nudeln ärgerlich auf den Teller klatschte und Soße in alle Richtungen spritzte. „Ich habe auch gehört, sie sollen sehr gut schmecken.“

„Du bist ein Weichei, Jimmy. Glaubst du tatsächlich, sie spucken nicht auf deinen Teller, wenn du das Essen lobst?“ House klemmte das Tablett gegen die Hüfte und nickte der Kassiererin zu. „Er bezahlt für uns beide.“

Seufzend zückte Wilson die Brieftasche und folgte House dann zu einem Tisch. Ein paar Minuten aßen sie schweigend.

Wilson stocherte in seinen Nudeln herum. Irgendwie schmeckten sie wie mit Tomatensoße übergossene Pappe. Schließlich schob er angewidert den Teller weg und versuchte sich am Salat. Irgendwie hatte er allerdings keinen großen Appetit.

„Versuchst du die Zukunft aus deinen Salatblättern zu lesen?“

Wilson sah auf. „Was?“

„Hast du mich hierher geschleppt, um Trübsal zu blasen?“ House riss die Tüte auf und kippte Chips auf seinen Teller. „In Koma Guys Zimmer gibt es wenigstens einen Fernseher.“

Der jüngere Arzt griff über den Tisch, um sich einen der Chips zu nehmen, doch House schlug ihm auf den Handrücken. „Hey!“

Wilson zog die Hand zurück. „Es tut mir leid, dass ich dich von deinen Vergnügungen abhalte“, entgegnete er säuerlich.

Übertrieben leidend seufzend griff House ein paar seiner kostbaren Chips und warf sie auf Wilsons Tablett. Der ignorierte sie, schließlich konnten zwei stur sein. „Okay, auf was ist sie jetzt wieder aus?“

„Muss ich wissen, von was du sprichst?“ Wilson pausierte, mit der Gabel auf halben Weg zwischen seinem Salat und seinem Mund.

„Es gibt nur zwei Dinge, die dich in diese Laune versetzen können – entweder einer deiner Patienten hat den Löffel abgegeben, oder du hast dich mit Julie gestritten.“ House lange Finger begannen die Chipstüte glatt zu streichen, um einen Flieger daraus zu falten. „Meine üblichen Quellen haben keine Todesfälle vermeldet, also was hat die Hexe sich dieses Mal ausgedacht?“

„Deine üblichen Quellen?“, fragte Wilson verwundert. „Lässt du meine Schwestern von Cameron aushorchen?“

House blies die Backen auf, und ließ wie ein Fünfjähriger die Luft mit einem ploppenden Geräusch wieder entweichen. „Ich gebe meine Geheimnisse auch nicht unter Folter preis“, zischte er. Nachdem der Flieger fertig war, lenkte er seine Aufmerksamkeit jetzt wieder auf seinen Freund.

Wilson ließ die Gabel sinken. Ihm war ohnehin längst der Appetit vergangen. „Sie will, dass wir zu einer Eheberatung gehen“, meinte er lustlos.

„Zusammen?“

„Ja, ich denke, das wäre der Sinn der Übung“, entgegnete Wilson sarkastisch. Er rieb sich mit der freien Hand die Schläfe, hinter der sich Kopfschmerzen aufbauten. „Sie will, dass ich mehr Zeit mit ihr verbringe.“

„Also weniger Zeit im Krankenhaus.“ House nutzte die Gelegenheit, um über den Tisch zu greifen und eine Olive von Wilsons Teller zu mopsen. „Und natürlich weniger Zeit auf meiner Couch.“

„Pfoten weg!“ Wilson seufzte. „Du bist wie immer ausgesprochen hilfreich.“

„Seit wann kommst du zu mir, wenn du Hilfe suchst.“ House legte den Kopf in den Nacken und ließ die Olive in den Mund plumpsen. Dann sah er Wilson an. „Willst du mehr Zeit mit ihr verbringen?“ Er streckte erneut die Hand aus.

Wilson hob drohend die Gabel. „Noch eine Bewegung und du hast meine Gabel im Handrücken.“

House sah ihn abschätzend an. „Das würdest du nie tun.“

„Probier’ es aus.“

„Du solltest mich besser kennen, als Essen unbewacht zu lassen“, quengelte House.

„Auf meinem Teller, direkt vor meiner Nase, würde ich nicht unbewacht nennen.“ Wilson seufzte. „Wenn du für einen Moment damit aufhören könntest, mein Essen zu stehlen, können wir vielleicht dann zu dem zurückkommen, worüber wir gerade gesprochen haben?“

„Wir sprechen über etwas?“ House beäugte Wilsons Teller. „Ich hatte den Eindruck, du jammerst leise vor dich hin.“

Wilson wechselte die Gabel von einer Ess- in eine Verteidigungshaltung – und House brachte seine Hand vorsichtshalber unter dem Tisch in Sicherheit.

„Kannst du nicht mal fünf Minuten ernst sein?“

House stand auf und griff mit der einen Hand nach seinem Stock, während er mit der anderen nach dem vergessen neben seinem Tablett liegenden Chipstütenflieger griff. „Nein“, entgegnete er knapp, wandte sich ab und ging.

Wilson legte seufzend seine Gabel weg. Was hatte er auch erwartet. Die Chancen, dass House sich für seine Sorgen interessierte, waren ungefähr so hoch wie die von Schneefall in der Hölle.

„Hey, Wilson!“

Er sah unangenehm berührt auf, als House quer durch die Cafeteria seinen Namen brüllte. Der Chipstütenflieger traf mit überraschender Präzision seine Stirn.

„Komm’ heute Abend vorbei, wenn du reden willst. Aber bring’ Bier mit.“

Wilson hatte das Gefühl, dass sämtliche Augen aller Anwesenden auf ihn gerichtet waren. Er hob die Hand und winkte verlegen. Er bückte sich und hob den Lays-Flieger auf, der seine Spitze eingebüßt hatte. Wilson lächelte plötzlich, als er ihn betrachtete.



Ende