Your love is like bad medicine… (Forgiveness is an aquired taste)

…bad medicine is what I need…

 

First you need
That's what you get for falling in love
Then you bleed
You get a little but it's never enough

(‚Bad medicine’ von Bon Jovi – wenn ich etwas zu sagen hätte, wäre das der Titelsong von ‚House MD’)

 

 

Challenge: ‚Nimm einen Roman (oder ein anderes Buch), vorzugsweise eins mit mehr als 100 Seiten und wähle jeweils den ersten (vollständigen) Satz vom Anfang der Seite 10, 20, 30, 40 und so weiter. Bis du zehn oder mehr Zitate hast und schreibe Drabbles, die sich darauf beziehen. Es kann das komplette Zitat verwendet werden oder ein Teil davon oder auch nur ein einziges Wort. Wichtig zur Erfüllung der Challenge ist nur, sich daran zu halten, dass es der erste vollständige Satz der Seite ist.’

 

Kleine Abweichung: Statt Drabbles werde ich Ficlets schreiben, sofern die Musen sich erweichen lassen. Die 44 Zitate stammen aus ‚Der Waffenhändler’ von Hugh Laurie.

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

Bitte den Header beachten. Alle Staffeln inklusive Spoiler für Staffel 4 und (Promos) Staffel 5. Die Storys stehen in der Regel für sich alleine. Anderenfalls ist es angemerkt, in welchem Kapitel die Fortsetzung zu finden ist.

 

 

Titel: Pizza Connection

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: 3.10 Finding Judas; 3.15 Half-Wit

Pairung: House/Wilson

Rating: pg-13, slash

Beta: T'Len
Archiv: ja

10. Aber Sie sind natürlich längst auf den Trichter gekommen.

 

 

pizza (pēt′sa). noun. A baked Italian dish consisting of flattened bread dough covered variously with herbs, fresh vegetables, or, typically in the U.S., with tomato sauce, cheese, sausage, or olives.      (yourdictionary.com/pizza)

 

Pizza is love. We can find it in so many varying shapes, sizes and textures - thin crust, thick crust, square, round, tomato sauce, alfredo sauce, meat or veggies or both, cheese, cheese and more cheese. (unews.com/news/culture/pizza)

 

 

Es war Monate nach Tritter, nach dem Prozess; Monate seit der (halbherzigen?) Entschuldigung während des Entzuges, als blaue Augen dumpf mit Schmerz und Erschöpfung seinen auswichen. Monate, in denen die tönernen Füße ihrer Beziehung bebten, aber nicht zersplitterten.

 

Es war nur Tage nach dem nächsten... er wusste selbst nicht recht, wie er es bezeichnen sollte. Wie sollte er beschreiben, was er empfunden hatte, als eine aufgelöste Cameron mit der Neuigkeit auf ihn zukam, dass House einen inoperablen Gehirntumor habe und plane, sich in Boston einer experimentellen Behandlung zu unterziehen? House zeigte nichts als scheinbare Unbeteiligtheit, was nicht weiter unvermittelt kam. Oder was der – wiederum von Cameron - nächtliche Anruf im Hotel, zwei Tage später, der ihm mitteilte, dass House das alles nur vorgetäuscht hatte, in ihm auslöste. Er konnte nicht einmal wütend sein. Die Erkenntnis wie verzweifelt House war, um so einen komplizierten und riskanten Plot in Bewegung zu setzen, ließ die Wut verrauchen bevor sie sich völlig entwickeln konnte. Er verbrachte den Rest der Nacht schlaflos, ruhelos. Nur eine einzige Frage in seinem Kopf: Warum? Warum ist es nicht genug? Warum ist es nie genug?

 

Er wusste nicht, was er fühlen sollte und noch weniger, wie reagieren. Was er gesagt hatte: „Pizza und ein Freund“ war ernst gemeint gewesen. Was sonst sollte er House geben, wenn der nicht bereit war, es anzunehmen? Abgesehen von Vicodin-Rezepten und allem, was essbar war und sich nicht in einem Banksafe befand.

 

Er dachte an Stacys Anruf vor ein paar Tagen. Das war es, worüber er mit House eigentlich hatte reden wollen, doch dann war die T-Bombe geplatzt und er zog sich von House zurück, ließ ihn in Ruhe, denn ganz offensichtlich war es das, was sein Freund von ihm wollte oder brauchte.

 

Wilson lächelte freudlos. Mit dem Beweis, dass House an Depressionen litt in seinen Händen – und damit meinte er tatsächlich in seinen Händen, er hatte die gefälschte Patientenakte konfisziert, in der Hoffnung, dass sie Cuddy nie zu Gesicht bekam und es würde so und so schon schwer genug sein, ihr morgen zu erklären, wieso House das ganze veranstaltet hatte – beabsichtigte er keineswegs, ihm die Neuigkeiten seiner Ex-Freundin mitzuteilen. Nach dem abrupten Ende ihres Aufenthalts in Princeton hatte er nicht erwartet, je wieder von ihr zu hören. Dem Klang ihrer Stimme nach – etwas sagte ihm, dass sie nicht vor all zu langer Zeit Tränen mit Alkohol bekämpft hatte; Dinge, die zu hören er mehr als reichlich Übung hatte – war sie selbst überrascht, dass sie ausgerechnet ihn anrief. Vielleicht, weil er das naheste war, was sie an House herankommen konnte, ohne House tatsächlich gegenüber zu treten.

 

Ihre Frage hatte... es war mehr, als das Wort „überrascht“ ausdrückte. Er war schockiert und verärgert gewesen, dass sie auch nur daran denken konnte... Das sie ausgerechnet IHN anrief, um zu erzählen, dass sie sich von Mark getrennt hatte und ob er glaube, dass sie zurückkommen könnte, und ob House bereit wäre, ihrer Beziehung eine neue Chance zu geben.

 

Er fühlte sich versucht, ihr zu sagen, dass sie sich wie vor sechs Jahren einfach zum Teufel scheren sollte. Ohne ein weiteres Wort aufzulegen. (Was er nicht tat, aus Sorge, sie könne House direkt anrufen oder - schlimmer noch – einfach vor seiner Tür stehen. Obwohl er sicher war, dass es keine Wiederholung der Ereignisse des letzten Jahres geben würde, wollte er sie nicht in einem 200-Meilen-Radius um Greg House wissen. House würde vermutlich über seinen verspäteten – nicht so spät, aber selbst House musste nicht alles wissen – Eifersuchtsausbruch spotten und ihn im Hotel schlafen lassen, bis er seine „Girlie“-Phase überwunden hatte.) Am Ende hatte er sich für die Wahrheit entschieden... nun, zumindest für eine davon. Er berichtete ihr von den Schüssen auf House (und ignorierte ihr Entsetzen) – von dem Ketamin-Experiment und der Rückkehr der Schmerzen (an diesem Punkt begann sie wieder zu weinen) – und schließlich von Tritter und dem Prozess (Unglauben und Ärger ersetzten die Tränen und sie klang doch tatsächlich gekränkt, dass House sie nicht angerufen hatte – Gott, wie dumm konnte diese Frau sein?). Mit zusammengebissenen Zähnen (bildlich gesprochen) fuhr er fort, dass er nicht glaube, dass House im Moment an einer neuen – alten - Beziehung interessiert war. Unüberzeugt stimmte sie ihm zu. Doch er brachte sie dazu, ihm zu versprechen, nicht unüberlegt in Princeton aufzutauchen.

 

Und erst, als er den Hörer auflegte, wurde ihm klar, dass er ihr eigentlich mit der Aufzählung all dieser Dinge erst recht einen Grund gegeben hatte, zu House zurück zu kehren. Oder es zu versuchen. Aber wenn sie House wirklich so gut kannte, wie sie behauptete, dann würde sie wissen, dass er alles andere jemand suchte, der ihn tröstete.

 

Er wünschte, er hätte den Mut besessen, ihr zu sagen, dass sie keinen Platz mehr in House’ Leben hatte, weil House wieder mit ihm schlief. Okay, es hatte mehr zwischen House und Stacy gegeben, als Sex, sonst hätte ihre Beziehung nicht fünf Jahre gedauert. Und es gab mehr zwischen House und ihm, mehr als Sex, sonst würde ihre Beziehung nicht seit fast zwanzig Jahren andauern. Aber das war möglicherweise nicht so brillant, wenn man sich mitten in Scheidungsverhandlungen befand. Er hatte keine Ahnung, wozu eine gekränkte Ex-Frau (oder Ex-Freundin) wirklich in der Lage war und er wollte es dabei gerne belassen. Vielleicht würde es ihr irgendwann von selbst klar werden.

 

Wilson seufzte und griff erneut nach seinem Handy, um House anzurufen. Aber wieder erhielt er nur die Ansage, eine Nachricht zu hinterlassen. Es war nicht so, dass er sich Sorgen machte, nein. Vermutlich hatte House es sich in seinem Büro mit einem neuen Computerspiel bequem gemacht. Oder war trotz der Witterung mit dem Motorrad unterwegs. Oder trank in einer Bar...

 

Eine Viertelstunde später saß Wilson noch immer in der Küche von House’ Appartement, ohne Licht; die Pizza, die er mitgebracht hatte, zum Aufwärmen im Ofen und einem Sixpack im Kühlschrank zum Kühlen.

 

Das Geräusch des Helms, der gegen die Tür stieß, schreckte ihn auf und er trat ins Wohnzimmer, als House in die Wohnung kam und das Licht einschaltete. Er sah ihn an, warf den Helm auf die Kommode neben der Tür, ließ seinen Rucksack auf den Boden fallen und zog seinen Mantel aus. „Du hast wieder diesen besorgten Blick drauf. Nein, ich habe nicht die Repsol genommen, sondern bin mit dem Bus gefahren. Zufrieden?“ Er warf die Schlüssel neben den Helm. „Was willst du überhaupt hier?“, fragte er beiläufig, als er die Stiefel von den Füßen kickte und nach seinem Stock griff. „Ist es Zeit für die nächste Lektion?“, spottete House. „Aber Mami, es tut mir leid, dass ich zu spät zum Abendessen komme. Ich war mit den anderen Kindern spielen.“

 

Wilson verschränkte die Arme vor der Brust. „Warst du denn?“, fragte er leise. „Mit den anderen ‚Kindern’ spielen, meine ich.“

 

„Ich habe Cameron an den Hintern gefasst, rüde Bemerkungen über Chase’ Frisur gemacht und Foreman für meinen Drink zahlen lassen.“ House trat auf ihn zu. „Denkst du, sie legen Wert darauf, noch einmal mit mir außerhalb des Krankenhauses öffentlich gesehen zu werden?“

 

Er konnte nicht anders als lächeln. Wie auch immer der Abend mit dem Team verlaufen war, er entsprach natürlich nicht House’ Schilderung. Oder vielleicht doch, bei House konnte man das nie so genau wissen. „Ich bin froh, dass du es getan hast.“ Er hob eine Hand, als House angewidert das Gesicht verzog. „Lass’ mich. Für den Schreck, den du mir eingejagt hast, verdiene ich wenigstens einen sentimentalen Moment. Du kannst dich morgen wieder darüber lächerlich machen und mir raten, wie ich meine ‚weibliche Seite’ mehr zu deinem Vergnügen ausleben soll.“

 

House grinste, sagte aber nichts weiter dazu. Stattdessen schlossen sich seine Finger um Wilsons Krawatte. Er spielte einen Moment mit der Seide, dann sah er Wilson an. „So... Pizza und ein Freund ist also, was der Onkel Doktor mir verschreibt.“ Er ließ die Krawatte los und seine Hand legte sich auf Wilsons Brustkorb, ein Daumen zeichnete Kreise auf den weißen Stoff.

 

„Die Pizza ist in der Küche, im Ofen, zum Aufwärmen.“ Wilson trat den letzten Schritt auf House zu, so dass House’ Hand praktisch zwischen ihnen Körpern eingeklemmt wurde. „Und... ich... bin hier.“

 

Für einen Moment verdunkelten sich die blauen Augen, die ihn so intensiv anstarrten, mit Schmerz – fast so, als hätte er ihn geschlagen. Dann senkte House den Blick und lehnte seinen Stock gegen den nahen Couchtisch, um beide Hände frei zu haben – und die brauchte er auch, um Wilsons Gürtel zu öffnen. Er sah auf und erlaubte ein kleines Lächeln um seine Lippen. „Schalt’ den Ofen aus und komm’ ins Schlafzimmer“, sagte er. „Du kannst die Pizza später in die Mikrowelle werfen.“

 

House lehnte sich vorwärts, beide Hände auf Wilsons Hüften, um das Gleichgewicht zu halten und küsste ihn. Sein Mund war warm und trocken und die Stoppeln kratzten an Wilsons Kinn. „Ich bin in einer Minute da“, sagte er und sah House nach, der nach dem Stock griff und in Richtung Schlafzimmer verschwand. Nicht ohne sein Hemd bereits im Flur fallen zu lassen. Er konnte nur hoffen, dass House nicht auf andere Weise von Stacy erfuhr. Oder besser noch, dass sie und Mark sich einfach wieder versöhnten. Ein Geheimnis mehr oder weniger zwischen ihnen sollte keinen Unterschied machen...

 

 

 

 

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Titel: Someone to watch over me

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: post 2.24 No Reason

Pairung: Wilson, OC

Rating: gen, PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

20. “Jemand will ihn umbringen“, sagte ich.

 

 

I’d take another chance, take a fall, take a shot for you. (OneRepublic)

 

New Jersey residents are required to obtain a firearms permit in order to own a weapon and an additional handgun purchase permit in order to buy a handgun. (Google)

 

 

„Die Auswahl kann etwas überwältigend sein, ich weiß“, sagte eine Stimme hinter ihm. Wilson, in Gedanken verloren, schreckte auf und wirbelte herum. Dabei knallte er mit der Hüfte gegen den Metallrahmen eines gläsernen Ausstellungskasten.

 

Wässrige, blaugrüne Augen starrten ihn über eine randlose Brille hinweg prüfend an. Das dazugehörige, runzlige Gesicht des alten Mannes zeigte eine Mischung aus Verlegenheit und Amüsement. „Das tut mir leid, mein Junge. Haben Sie sich verletzt?“

 

Es war nicht das erste Mal, dass ihn jemand „mein Junge“ nannte. Zugegeben, es waren meist ältere Damen, die ihn damit bedachten. Es störte ihn schon längst nicht mehr. Wilson rieb sich die Hüfte und lächelte betreten. „Meine eigene Schuld“, erwiderte er. „Ich habe ganz vergessen, wo ich bin.“

 

Rosa Haut zeigte sich durch schütteres, weißes Haar, als der Ladenbesitzer den Kopf schüttelte. „Verzeihen Sie einem törichten, alten Mann, der gerne zu viel redet – aber ich habe dieses Geschäft seit vierzig Jahren und ich habe viele Menschen hierher kommen und wieder gehen sehen. Doch ich glaube nicht, dass Sie wirklich etwas kaufen möchten.“

 

Wilson wich dem prüfenden Blick aus und sah auf den Boden. Tatsächlich hatte er sich selbst gefragt, was er hier verloren hatte.

 

Eigentlich wollte er nur kurz zur Bank gehen. Nach drei Tagen, in denen er das Krankenhaus nur einmal verlassen hatte, um frische Kleidung zu holen, klang der kleine Ausflug in die Innenstadt verführerischer als der Gang zum ATM im Foyer des PPTH. Es hätte nicht viel gefehlt und Cuddy hätte ihn wie einen kleinen Jungen an der Hand genommen, um ihn höchstpersönlich zur Tür zu bringen, als er sie darüber informierte. Sie ignorierte seinen schwachen Protest, dass sie genauso lange wie er nicht nach Hause gegangen war. Trotz seines etwas schlechten Gewissens wusste er nach den ersten Schritten, dass es eine gute Idee gewesen war. Die Kopfschmerzen, die sich fast permanent in seinen Schläfen eingenistet hatten, verschwanden zwar nicht ganz, aber die frische Luft und ein bisschen Bewegung taten gut.

 

Er verließ die Bank und kaufte sich einen Kaffee, bevor er sich auf den Rückweg machte, den Sonnenschein genießend, dessen Wärme von der endgültigen Ankunft des Sommers sprach. Er war mit dem Kaffee fast fertig, als er sich vor dem kleinen, etwas schäbig wirkenden Geschäft mit den vergitterten Schaufenstern wiederfand. Er warf den Becher weg und ohne wirklich darüber nachzudenken, warum er es tat, trat er durch die ebenfalls vergitterte Eingangstür. Umgeben von einem starken, unangenehmen Geruch nach Metall und Öl, stand er überwältigt vor Auslagen, Regalen, und Glaskästen, bis ihn eine Stimme, die praktisch aus dem Nichts zu kommen schien, aufschreckte.

 

Der alte Mann lächelte und rieb sich das Kinn. „Ich denke nicht, dass Sie hier sind, weil Sie etwas suchen, um damit vor Ihren Freunden anzugeben“, sagte er nachdenklich.

 

Wilson sah ihn fast schockiert an und schüttelte den Kopf. „Natürlich nicht.“

 

„Das dachte ich mir. Und Sie sind auch nicht auf der Suche nach einem neuen Spielzeug für Ihr Hobby.“ Der alte Mann klopfte auf die Brusttasche seines Hemdes. „Kein Abzeichen eines Clubs. Mitglieder bekommen Rabatt, deshalb würde hier nie jemand ohne ein Abzeichen auftauchen.“

 

Wilson schob die Hände in die Taschen seines Jacketts. „Nein, ich... nein.“

 

„Dann nehme ich an, dass jemand verletzt oder bedroht wurde, der Ihnen sehr nahe steht“, fuhr der Ladenbesitzer leise fort. „Und Sie möchten diese Person beschützen können.“

 

Wilsons Schultern sackten nach unten. Er hob die linke Hand und begann sich verlegen den Nacken zu reiben. „Es ist eine schwachsinnige Idee... nicht, dass ich darüber bewusst nachgedacht habe, bis ich zufällig vor dem Schaufenster stand... Es tut mir leid das ich Ihre Zeit verschwende, ich sollte jetzt wirklich gehen.“

 

„Es ist nicht so ungewöhnlich, wie Sie jetzt vielleicht glauben.“ Der alte Mann deutete auf einen kleinen Tisch in einer Ecke, bei dem zwei nicht zueinander (oder zum Tisch was das betraf) passende Stühle standen. „Warum setzen Sie sich nicht und erzählen mir, was geschehen ist?“

 

Eigentlich sollte er zurück ins Krankenhaus, aber Wilson zögerte. Es klang verlockend, mit jemandem zu sprechen, der sozusagen ‚neutral’ war. „Ich weiß nicht...“

 

„Nun, ich werde mich auf jeden Fall setzen“, sagte der Ladenbesitzer. „Meine alten Knochen stehen nicht mehr gerne in der Gegend herum.“ Er durchquerte den Raum und nahm Platz.

 

Nach einem Augenblick folgte ihm Wilson. Er starrte auf die Tischplatte, die abgestoßen Kanten, die Schrammen, und die dunklen Ringe von achtlos abgestellten Behältern, mit denen sie übersäht war. „Mein Freund... mein bester Freund... ist angeschossen worden. In seinem Büro. Einfach so“, sagte er schließlich. Der gepresste Klang seiner Stimme erstaunte ihn selbst. „Er ist Arzt, das sind wir beide, und nur weil das ganze im Krankenhaus passiert ist, hat er überlebt. Ein Mann ist in sein Büro gegangen, hat nach ihm gefragt und auf ihn geschossen. Zwei Mal. Eine Kugel hat ihn in den Hals getroffen. Er wäre fast verblutet.“ Wilson räusperte sich und schloss für einen Moment die Augen. „Das war vor drei Tagen. Er ist sofort operiert worden, aber noch nicht aufgewacht.“ Er holte tief Luft, drängte die Sorge über die experimentelle Behandlung zurück, von der House gesprochen hatte, bevor er das Bewusstsein verlor. „Ich sollte nicht hier herum sitzen. Ich sollte bei ihm sein.“

 

„Nun, ich denke, in einem Krankenhaus wird sich jemand finden, der auf ihn acht gibt“, entgegnete der alte Mann. „Und Sie haben sicher ein Handy bei sich. So sind Sie erreichbar, wenn sich etwas ändert.“

 

„Das stimmt.“ Wilson klang von seinen eigenen Worten wenig überzeugt. Er fuhr mit dem Daumen einen der Ringe auf der Tischplatte nach und betrachtete dann stirnrunzelnd die dunklen, klebrigen Schlieren auf seiner Haut. „Es ist nur... ich... Niemand weiß, wer es war. Ich meine, wer versucht hat, ihn umzubringen. Es war so ein Chaos nach den Schüssen, dass er einfach entkommen ist. Und...“ Er stockte wieder.

 

„Und Sie haben Angst, dass er zurückkommt und es noch einmal versucht.“

 

Wilson nickte und rieb seinen Daumen an den anderen Fingern, um den Fleck loszuwerden. Cuddy verließ sich auf das verstärkte Sicherheitspersonal, aber er fühlte sich davon nicht sonderlich beruhigt. Niemand hatte den Schützen beim ersten Mal aufgehalten. Sie waren sich nicht einmal ganz sicher, wie er aussah, und die Aussagen von Chase, Cameron und Foreman wiedersprachen sich. Verständlicherweise. Sie waren damit beschäftigt gewesen, House am Leben zu halten.

 

„Sie möchten Ihren Freund beschützen“, sagte der alte Mann. „Das ist ein völlig verständlicher Wunsch.“

 

„Er ist... er hat es nicht leicht. Er leidet an chronischen Schmerzen.“ Wilson spürte die Kopfschmerzen zurückkommen und sagte sich, dass es an dem komischen Geruch und der stickigen Luft in dem Raum lag. „Und ich war vielleicht nicht immer so für ihn da, wie ich es hätte sein müssen. Er... er tut immer, als wäre ihm das alles egal; als brauche er niemanden – aber ich sollte ihn besser kennen. Und was für ein Freund bin ich, wenn ich ihn jetzt nicht beschütze.“

 

Der alte Mann verschränkte die Arme auf der Tischplatte. „Irgendwie denke ich nicht, dass Sie hier bei mir finden, was Sie benötigen, um ihn zu schützen“, entgegnete er. „Aber das muss ich Ihnen nicht sagen, nicht wahr?“

 

Wilson schüttelte den Kopf. Er wusste nicht, warum er gedacht hatte, hier eine Lösung zu finden. Er hasste Waffen. Jetzt noch mehr als vor drei Tagen, als er nur anonyme Schusswunden während seiner Rotation in der Notaufnahme und der gelegentlichen Nachbehandlung in der Klinik gekannt hatte. Er war überzeugt, dass er niemals eine Waffe in die Hand nehmen konnte. Es war etwas, das House tun würde... genaugenommen war es etwas, das House bereits getan hatte. Das Board schluckte noch immer an der Rechnung für die Reparatur des MRIs. Und er hatte über die Jahre genug Zeit in House’ Wohnung verbracht, um von der Waffe in der verschlossenen Metallbox im Flurschrank zu wissen, in der auch Kissen und Decken für seine Nächte auf der Couch untergebracht waren. Er wusste von Stacy, dass sie von House’ Vater stammte und der Colonel sie bei seinem ersten Besuch nach House’ OP mitgebracht hatte. Eine seltsame Art, seinem Sohn seine... Fürsorge... zu beweisen, indem man ihm eine Waffe gab.

 

Er schob den Stuhl zurück und stand auf. „Ich denke, ich gehe jetzt besser“, sagte Wilson. „Ich will im Krankenhaus sein, wenn er aufwacht.“ Er griff in die Innentasche seines Jacketts und zog eine Visitenkarte hervor, die das Krankenhaus vor einer Weile für alle leitenden Ärzte hatte drucken lassen. House hatte seine vom Balkon geworfen und mit der Begeisterung eines Kindes beobachtet, wie die kleinen, weißen Papierkarten mit dem Logo des PPTH kreuz und quer durch die Luft segelten. „Danke für den Rat.“

 

Der alte Mann lächelte und schüttelte den Kopf. „Ich habe nichts getan.“

 

Wilson schob ihm die Karte zu. „Für den Fall, dass Sie irgendwann einmal ärztlichen Rat brauchen“, sagte er schlicht.

 

Der Besitzer des Waffengeschäfts schob die Karte, ohne sie anzusehen, in die Brusttasche seines Hemdes. Er erhob sich mit leichter Mühe und streckte Wilson eine schwielige Hand hin. „Ich denke, Sie verstehen mich nicht falsch, wenn ich sage, dass ich hoffe, dass dies nicht nötig sein wird, Doktor Wilson.“ Er drückte die Hand des jüngeren Mannes und lächelte erneut, als er die milde Verwirrung im Gesicht des anderen sah. „Meine Frau ist vor fünf Jahren an Krebs gestorben. Sie haben uns persönlich den Behandlungsplan erklärt und uns Doktor Brown vorgestellt, der dann meine Frau weiterbehandelte.“

 

Wilson schluckte. „Es tut mir leid“, murmelte er.

 

„Das ist nicht nötig, mein Junge. Ich nehme an, Sie haben sehr viele Patienten.“ Der alte Mann begleitete ihn zur Tür. „Alles Gute für Ihren Freund.“

 

„Danke.“ Wilson nickte ihm noch einmal zu, dann trat er aus dem stickigen Halbdunkel des Geschäfts hinaus in den Frühsommertag. Er war erst ein paar Schritte gegangen, als sein Handy klingelte. Wilson warf einen Blick aufs Display und sein Herzschlag beschleunigte sich. Cuddy. „Was ist mit House?“, fragte er angespannt, als er den Anruf annahm. „Geht es ihm schlechter?“ Ist er...

 

„Es geht ihm besser“, beruhigte ihn Cuddy sofort. „Alle Werte sprechen dafür, dass er bald aufwacht. Und ich denke, Sie wollen hier sein, wenn er das tut.“

 

Wilson holte tief Luft. „Ich bin in zehn Minuten da“, versprach er und unterbrach die Verbindung, bevor Cuddy darauf antworten konnte. Es war Zeit, dorthin zu gehen, wohin er gehörte und House zu schützen. Vor verrückten Schützen und Milliardären, vor wütenden Patienten, dem Board, Cuddy - und wenn nötig vor sich selbst. Ob House das wollte, oder nicht.

 

 

 

 

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Titel: Lügen, Sex und Videos

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: post 2.15 Clueless

Pairung: Julie Wilson, House/Wilson

Rating: slash, pg-13

Beta: T'Len
Archiv: ja

30. Ich legte eine Kassette ein und drückte auf die Aufnahmetaste.

 

 

Video ist die visuelle Darstellung einer Sequenz von aufeinander folgenden Einzelbildern zum Zwecke einer Bewegtbilddarstellung. (itwissen.info/definition/lexikon/Video)

 

Der Duden definiert die Lüge als eine ,,bewusst falsche, auf Täuschung angelegte Aussage; absichtlich, wissentlich geäußerte Unwahrheit''.

 

 

Es hatte nicht mehr als einen Anruf gekostet, heraus zu finden, wo James jetzt wohnte. Nicht, dass es sie überraschte. Nicht im Mindesten. Es war klar, wohin er gehen würde. Wohin er immer ging. Zu wem er immer ging.

 

Oh, er hatte gar nicht schnell genug die Koffer packen können, als sie ihm die Affäre mit ihrem Kollegen eingestanden hatte. Kindischer Trotz und das Verlangen ihm weh zu tun, mehr als alles andere, hatten sie in erster Linie dazu gebracht, auf Daniels Avancen einzugehen. Und aus den gleichen Gründen hatte sie es James auch gesagt, als er wieder einmal vergaß, dass sie verabredet waren und sie die Mühe auf sich genommen hatte, ein Abendessen vorzubereiten. Wenigstens war es dieses Mal nur sie alleine, die Zuhause herumsaß und wartete. Besonders peinlich wurde es, wenn sie Gäste hatten und er seine Zeit lieber mit diesem hinkenden Bastard verbrachte. Insgeheim hatte sie allerdings gehofft, ihn wach zu rütteln, dass es sie immer noch in seinem Leben gab...

 

Sie war nicht blind in diese Beziehung gegangen. James hatte nicht verschwiegen, dass er in seinen früheren Ehen untreu gewesen war. Sie hatte Verständnis gezeigt, als er meinte, dass er bei seiner ersten Heirat viel zu jung gewesen wäre und die zweite Ehe daran scheiterte, dass sich im Laufe der Zeit herausstellte, dass sie zu unterschiedlich waren. Sie hatte selbst erst kurz zuvor eine Beziehung aus dem Grund beendet, dass ihre Lebensziele sich von denen ihres Partners wegentwickelt hatten. Sie und James hatten gemeinsame Interessen, sie investierten beide sehr viel in ihre Arbeit und sie waren beide eindeutig erwachsen. Aber Julie ging auch auf Nummer sicher. Als sie nach einem halben Jahr zusammenzogen, suchte sie die Adresse von James’ Exfrau Bonnie in seinem Adressbuch und setzte sich mit ihr in Verbindung. Unter dem Vorwand, mit ihren Freundinnen ein Shoppingwochenende in New York zu verbringen, traf sie sich mit Bonnie.

 

Wie es sich herausstellte, war James tatsächlich sehr ehrlich gewesen. Abgesehen von einer hinkenden Kleinigkeit. Julie hatte insgeheim über Bonnie gelächelt, als diese über James’ besten Freund herzog und kein gutes Haar an ihm ließ. Sie hatte von House gehört, aber den Mann bisher noch nicht getroffen. Sie wusste, dass er vor kurzem krank gewesen war, seine langjährige Freundin ihn verlassen hatte und er als Genie galt, aber nicht unbedingt als charmant. Und trotz ihres Drängens stellte James sie ihm bis dahin nicht persönlich vor. So war sie sich sicher, dass Bonnie ihrer Kränkung über die Scheidung freien Lauf ließ und House’ Einfluss auf James angesichts einer möglichen Nachfolgerin sehr viel drastischer darstellte, als es war.

 

Erst als sich ihre Beziehung soweit entwickelt hatte, dass sie von Heirat sprachen, lernte sie House endlich kennen. Allerdings ging das ganze etwas anders vonstatten, als sie es sich vorgestellt hatte. Sie kam eines Tages von Lunch mit ihren Kolleginnen ins Büro zurück und fand einen Mann in ihrem Stuhl, der mit seinem Stock methodisch CD-Hüllen, umwarf, die sich eigentlich ordentlich auf einem Regal darüber befinden sollten, nicht wie Dominosteine aufgebaut auf der Schreibfläche. Eine nach der anderen fiel um. Er drehte den Stuhl zu ihr herum, als sie scharf fragte, was das solle und sie erkannte ihn von den Fotos in James’ Arbeitszimmer wieder. Sie übertünchte ihre Verärgerung über das Chaos, das er auf ihrem ordentlichen Schreibtisch hinterlassen hatte, mit einem Lächeln. „Sie sind Greg, James’ Freund. Freut’ mich, dass wir uns endlich kennen lernen.“ Sie hob ihre Stimme am Ende des Satzes ein wenig, eine Frage andeutend.

 

Er verzog das Gesicht, als wäre ihm ein übler Geruch in die Nase gestiegen. „House“, sagte er und lehnte sich zurück, die Beine lang ausgestreckt. „So, Sie sind also Ex-Mrs-Wilson, die Dritte.“

 

Julie nahm auf dem Besucherstuhl Platz. Das bot ihr die Gelegenheit, ihr Lächeln wiederzufinden. Diese Begrüßung hatte sie sicherlich nicht erwartet. Zum ersten Mal fragte sie sich, ob Bonnie vielleicht doch nicht übertrieben hatte... „Ich denke, dazu ist es noch etwas zu früh, James und ich sind ja noch nicht einmal verheiratet.“

 

„Jaaaaammmes“, er zog den Namen spöttisch in die Länge. „hat es bisher vermieden, mich vorzustellen.“

 

Julie musterte ihn irritiert. „Ich habe noch nicht alle Freunde von James kennen gelernt. Wir sind beide sehr beschäftigt.“ House lächelte ironisch. „Aber vielleicht sollten wir das ändern. Wir könnten Freitagabend zu Dritt ausgehen.“

 

In diesem Moment klopfte es an die Tür und eine von Julies Kolleginnen steckte den Kopf zur Tür herein. Sie entschuldigte sich, blieb aber neugierig stehen.

 

House manövrierte sich auf die Füße. „In Ordnung“, sagte er. „Jimmy kann mich abholen.“

 

Das Abendessen war etwas, das Julie lieber vergessen würde. House beschwerte sich darüber, dass sie zu spät dran wären; und kritisierte die Wahl des Lokals noch bevor sie dort ankamen. Er beleidigte den Kellner vor dem Aperitif; schluckte Pillen während sie auf die Vorspeise warteten und brachte eine Frau am Nebentisch fast zum Weinen, weil sie ihn angeblich zu lange ‚angestarrt’ hatte. Julie entschuldigte sich, um auf die Toilette zu gehen, während sie auf den Hauptgang warteten und sah, als sie einen Blick zurück auf ihren Tisch warf, dass James sich zu House hinüber gebeugt hatte und etwas zu ihm sagte. Er wirkte verärgert. Als sie zurückkam, kippelte House mit seinem Stuhl und hatte eine Schmollmiene aufgesetzt, die erschreckend an ihren fünfjährigen Neffen erinnerte, wenn er Stubenarrest hatte, während seine Freunde draußen spielten. Allerdings wirkte es bei House alles andere als niedlich...

 

Aber was auch immer James zu ihm gesagt hatte, House hielt sich mit den Beleidigungen zurück, wenn er auch das Hauptgericht kritisierte, wesentlich mehr trank als angebracht oder gesund zu sein schien – und, was Julie besonders abstoßend fand, Essen von James’ Teller nahm. Es war ihr unverständlich, dass es James nicht störte. Er klopfte nur halbherzig mit seiner Gabel auf House’ Handrücken, als der die Finger benutzte, um den Schokoladenguss von James’ Nachtisch zu kosten. Beim Kaffee hatte Julie die Nase voll von Gregory House und fragte sich ernsthaft, wie James mit diesem Mann befreundet sein konnte. Als sie später Zuhause waren und sie ihn diese genau diese Frage stellte, konnte er ihr keine richtig zufriedenstellende Antwort geben.

 

* * *

 

 

Pornography or porn is the explicit depiction of sexual subject matter with the sole intention of sexually exciting the viewer. (en.wikipedia.org)

 

James hatte einen Schrank mit seiner Kleidung leergeräumt und gesagt, er würde in den kommenden Tagen den Rest seiner Sachen holen, doch plötzlich war Julie es leid, überall Dinge zu sehen, die sie an ihren Ehemann erinnerten. Sie fand einen großen Karton in der Garage und begann, das Bücherregal in James Arbeitszimmer abzuräumen. Es handelte sich um medizinische Fachbücher und sie hatte kaum je einen Blick auf sie verschwendet. Und auch jetzt warf sie sie einfach nur in den Karton, der sich so viel zu rasch füllte. Sie zog wahllos Bücher aus dem Regal und hielt plötzlich eine Videokassette in der Hand. Das Video steckte in einer schwarzen Hülle ohne Aufdruck und Julie fragte sich, warum James es hier aufbewahrte. Vielleicht war es einfach aus Versehen hinter die Bücher gerutscht und vergessen worden – wer benutzte heutzutage schon noch Videos, wenn es alles auf DVD gab.

 

Julie warf die Kassette in den Karton mit den Büchern. Sie fand noch zwei weitere Videokassetten, ebenfalls in neutralen, unbeschrifteten Hüllen. Auch die Kassetten selbst gaben keinen Hinweis auf den Inhalt. Die Etiketten waren leer, aber hatten sich mit der Zeit gräulich verfärbt. Nur über die letzte Kassette war mit krakeliger, unbekannter Handschrift „Jimmy“ geschrieben. Neugierig geworden, nahm sie das Video mit ins Wohnzimmer.

 

Sie besaßen einen Videorekorder, der jedoch seit Jahren nicht mehr benutzt worden war. Er gehörte Julie, sie hatte ihn aus ihrer ersten Wohnung mitgenommen, weil er damals noch relativ neu gewesen war, als sie mit ihrem Freund zusammenzog. Als sie ihn verließ, packte sie den Rekorder ein und nahm ihn mit. Das Gerät zog mehrfach mit ihr um, oft wurde es gar nicht ausgepackt, sondern verschwand mit anderen ungebrauchten Dingen im Keller oder auf dem Speicher, bis zum nächsten Umzug. Erst als James und sie das Haus kauften und einrichteten, kam der Videorekorder wieder zum Vorschein. James hatte lachend erklärt, dass sich das wundervoll traf, House besäße Unmengen an Videos, weil er zu faul war, auf DVDs umzusteigen. House, das hieß vermutlich miese 80ziger Jahre Pornos (einer ihrer Exfreunde hatte ebenfalls welche besessen) und billige Actionfilme und sie bat sich aus, dass James entweder das Gerät mit zu House nahm, oder sich die Benutzung auf Abende beschränkte, an denen sie mit ihren Freundinnen ausging.

 

Vermutlich waren die Kassetten Teil eines von House’ Witzen. Sie traute ihm das zu. Wahrscheinlich war er in James Büro gegangen, womöglich als der einen Patienten behandelte und hatte ihm ein Video auf den Tisch geworfen. Dabei irgendwas wie: „Hier hast du deinen Porno wieder, Jimmy“, gesagt und war hinaus gehumpelt, ohne sich um James Ruf zu scheren. Sie sollte das Ding zusammen mit den anderen einfach in den Müll kippen.

 

Julie schob die Kassette in das Gerät und drückte den „Play“-Knopf. Es zeigte sich nur Schneegeflimmer und nach einer Minute presste sie den „Stop“-Knopf. Offenbar war gar nichts drauf, oder irgendwie gelöscht worden. Statt des Schalters, der die Kassette auswerfen würde, erwischte sie die „FF“-Taste und das Video spulte vor. Julie seufzte und drückte wieder auf „Start“. Nun gab es ein Bild. Grobkörnig und blass, Flimmerstreifen zogen sich über den Bildschirm, aber sie erkannte James sofort.

Julie, die vor dem Fernseher auf dem Boden kniete, setzte sich auf die Fersen zurück und lächelte unwillkürlich. Das war James, aber er sah jünger aus als damals, als sie sich kennen gelernt hatten. Etwa zehn Jahren jünger, wenn sie schätzen sollte. Aber es war schwer zu sagen, nicht nur weil die Aufnahme schlecht war, sondern auch weil James’ Alter sich nicht so offen zeigte. Wenn er entspannt und fröhlich war, sah er aus wie ein Junge...

 

Auf dem Bildschirm bewegte sich James jetzt von der Kamera weg und man sah mehr von der Umgebung, als er sich auf eine braune Ledercouch setzte. Eine Ledercouch, die ihr bekannt vorkam... es machte fast hörbar ‚Klick’ in ihrem Kopf und sie wusste, wo diese Aufnahme gemacht worden war. In House’ Wohnzimmer. Und als hätte dieser Gedanke ihn beschworen, tauchte Greg House hinter James auf. Aber das war ein anderer Mann, als den, den sie kennen gelernt hatte. Das gleiche unrasierte, eckige Gesicht, die gleichen ungekämmten Haare und die lange, hagere Gestalt. Aber er bewegte sich unbehindert und er... lächelte! Die tiefen Linien des Schmerzes um Augen und Mund fehlten.

 

Die Aufnahme musste aus der Zeit vor dem Infarkt stammen, als James noch mit Bonnie verheiratet gewesen war.

 

Auf dem Bildschirm nahm House neben James Platz und sah ihn an. „Okay?“, fragte er.

 

Selbst seine Stimme klang anders. Fast... liebevoll. Julie runzelte unbewusst die Stirn. Was...?

 

Sie erhielt eine Antwort auf eine Frage, die zu stellen ihr niemals in den Sinn gekommen wäre, als House sich vorbeugte und die Hand an die Seite von James’ Gesicht legte. Und dann beugte er sich vor und küsste ihn.

 

Julie schnappte entsetzt nach Luft. Sie starrte geschockt auf den Bildschirm, beide Hände auf den Oberschenkeln zu Fäusten geballt.

 

Die Aufnahme flackerte ein wenig, Knistern und Rascheln kam aus dem Lautsprecher, als wäre das Band so lange nicht mehr abgespielt worden, dass es spröde geworden war.

 

Aber das änderte nichts an dem, was Julie auf dem Bildschirm sah. Ihr Mann.. und sein bester Freund... House... der James küsste. Der sein Gesicht jetzt mit beiden Händen umschloss. Während James Hände unter House’ graues T-Shirt glitten.

 

Julie spürte Übelkeit in sich aufsteigen und ihre Hand zitterte sichtbar, als sie sie ausstreckte, um den „Stop“-Knopf zu drücken. Mit einem Quietschen stoppte das Band und die Kassette wurde ausgespuckt. Sie hielt sie angewidert zwischen zwei Fingern, unsicher, was sie jetzt damit anfangen sollte. Schließlich stand sie auf und ging in die Küche, um sie in den Mülleimer zu werfen. Dann wusch sie sich gründlich die Hände, als wäre die Kassette etwas Schmutziges gewesen.

 

Julie ging langsam zurück ins Wohnzimmer und setzte sich auf die Couch. Ihr war kalt. Nach einer Weile stand sie wieder auf und holte sich aus der kleinen Zimmerbar einen Drink.

 

Sie stand am Fenster, nippte an ihrem Glas und starrte nach draußen.

 

Was sie gesehen hatte, war... war... irgendetwas in der Vergangenheit gewesen, nicht wahr? Es bedeutete nicht, dass die beiden... noch immer... jetzt... Nicht während ihrer Ehe!!!

 

Sie konnte nicht aufhören, daran zu denken. Konnte die Bilder nicht loswerden. Mehr noch, sie begann plötzlich andere Dinge zu denken. Dinge, die sie bei den seltenen Treffen, meist offizieller Natur, gesehen aber nicht verstanden hatte. Halb erinnerte Blicke zwischen James und House. Die Art und Weise, wie sie sich oft ohne Worte zu verstehen schienen. Dinge, die House gesagt hatte und die James meist nur mit einem leicht verlegen wirkenden Lächeln kommentiert hatte.

 

Julie leerte das Glas und presste eine Hand auf den Mund, als sie weiter nach draußen in die Nacht starrte. Dafür würde der Bastard büßen.

 

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: 1-800-Call-A-Wilson

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode:  --

Pairung: House/Wilson

Rating: pg-13, slash

Beta: T'Len
Archiv: ja

40. Solomon ging zur Mittelrose des Perserteppichs, und ich stellte mich neben seine linke Schulter.

 

 

Unter Telefonsex versteht man die Befriedigung sexueller Wünsche über das Gespräch am Telefon. (de.wikipedia.org/wiki/Telefonsex)

 

 

Er war etwas später dran als üblich und die Cafeteria war nur noch halb voll. Seltsamerweise schien es trotzdem doppelt so lange zu dauern, bis er mit seinem Tablett endlich vor der Kassiererin stand und für sein Mittagessen bezahlen konnte.

 

Ihr üblicher Tisch in der Ecke war frei und Wilson nahm Platz, insgeheim amüsiert, dass er zum ersten Mal seit langer Zeit tatsächlich sein ganzes Essen für sich selbst haben sollte. House nutzte die Mittagspause – und Cuddys Abwesenheit – um zusammen mit einem sehr unglücklich aussehenden Chase, der offensichtlich das kürzere Streichholz gezogen hatte, das Haus seines aktuellen Patienten genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

Wilson hatte kaum den ersten Bissen von seinem Salat gegessen, als sein Handy klingelte. Er warf seufzend einen Blick auf die Caller-ID. Oh, Wunder. Es war House. Der Mann hatte wirklich einen sechsten Sinn dafür, wenn er aß. Oder sagen wir, einen siebten. Der sechste Sinn war für das Aufspüren von unpassenden Momenten, um in eben diese hinein zu platzen. Er legte die Gabel weg. „Nun, schon etwas gefunden? Drogen? Interessante Spielsachen im Schlafzimmer?“ Wenn er das Gespräch auf House’ Patient brachte...

 

„Nichts“, kam es von House. „Ich hoffe, du hast Pommes mitgebracht und nicht nur dieses welke Grünzeug auf dem Teller.“

 

Wilson unterdrückte den Impuls, über die Schulter zu sehen, ob House irgendwo am Nebentisch saß. „Pommes waren aus“, log er leichthin. Er nahm die Gabel wieder und spießte ein paar Tomatenstücke auf. House hatte recht, der Salat sah wirklich ziemlich welk aus.

 

„Ich liebe dich.“

 

„WAS?“ Wilson ließ die Gabel fallen. Tomatenkerne und French Dressing spritzten in alle Richtungen, dekorierten seinen Kittel und sein Hemd mit rosa und grünen Sprenkeln. Nicht, dass Wilson das im Moment registrierte.

 

„Das war ein Beispiel für eine überzeugende Lüge“, fuhr House unbeeindruckt fort. „Gib’ dir das nächste Mal mehr Mühe.“

 

Im Augenblick hatte Wilson allerdings sehr große Mühe das Verlangen zu unterdrücken, House zu erdrosseln. „Ich hasse dich“, entgegnete er. Möglicherweise etwas zu laut, denn aus den Augenwinkeln sah er, dass sich mehrere Köpfe nach ihm wandten. Nicht unbedingt ungewohnt, allerdings richteten sich die Blicke für gewöhnlich auf House. Wilson spürte seine Wangen warm werden. „Und ich werde diesen Anruf jetzt beenden. Das ist meine Mittagspause und ich werde sie nicht damit verbringen, dir... zu zu hören, wie du dich über mich lustig machst.“

 

Es war seine eigene Schuld, dass er sich so leicht in House’ Falle locken lassen hatte. Ein dummer, einziger, sentimentaler Moment nach ein paar Bier zu viel, sein Kopf an House’ Schulter, was dieser widerwillig duldete und das „Ich liebe dich“ war ihm über die Lippen gerutscht, bevor er die Worte bewusst gedacht hatte. Seither nutzte House jede Gelegenheit, sich mit Spott dafür zu revanchieren.

 

„Wenn du anfängst, zickig zu werden, nehme ich Chase mit in mein Bett“, kam es prompt von House. „Er ist ein gelehriger, kleiner Wombat.“ Im Hintergrund war ein Poltern zu hören, als hätte jemand etwas fallen lassen. Dann wieder House’ Stimme, jedoch gedämpfter, als halte er die Hand gegen das Handy. „Raus hier. Wenn Sie unseren Patienten auch mit diesen erschrockenen Augen ansehen, wird er Ihnen sicher verzeihen, dass Sie seinen teuren Perserteppich ruiniert haben.“ Chase’ Antwort war unverständlich, aber unüberhörbar aufgebracht. „Ich meinte das ernst – raus hier, ich nehme meine gewerkschaftlich vorgeschriebene Telefonsexpause. Oh, und wenn es nicht zu viel Mühe macht, vielleicht befindet sich im Bad eher etwas, das die Toxine in seinem Blut erklärt. Das Wohnzimmer scheint sauber zu sein. Zumindest war es das bis eben.“

 

„House.“ Wilson schüttelte den Kopf. „Wombats haben Zähne. Eines Tages wird er zurück beißen, wenn du ihn weiterhin beleidigst.“

 

„Uh, kinky. Du musst mir heute Abend mehr darüber erzählen.“ House klang alles andere als zurechtgewiesen. „Zurück zum Telefonsex. Was hast du auf deinem Teller?“

 

„Irgendwie hatte ich das anders in Erinnerung“, erwiderte Wilson trocken. „Solltest du nicht fragen, was ich anhabe? Oder ist das ein Zeichen dafür, dass du alt wirst?“

 

„Ouchie.“ House Grinsen war in seiner Stimme so deutlich zu hören, als säße er Wilson gegenüber. „Aber Jiiiiiimmmmmy, keine Ansprache darüber, wie ich mich in der Öffentlichkeit dezenter benehmen soll, damit deine Chancen bei den neuen Schwestern nicht sinken?“

 

„Als würde das etwas nutzen.“ Wilson starrte auf seinen Teller. „Ich vermisse...“ er stoppte einen langen Moment. „...nicht, dass mir jemand das Essen stiehlt.“

 

„Lügner“, kam es sanft vom anderen Ende der Leitung. “Was hast du auf deinem Teller?“

 

Wilson beschloss, dass es wesentlich einfacher war, mitzuspielen. Ganz zu schweigen von etwas weniger peinlich. Aufzulegen kam ihm nicht in den Sinn, House würde sich nur noch Schlimmeres einfallen lassen. „Salat. Mit Putenstreifen. Und Dressing. House, was...?“

 

„Und Pommes.“

 

Wilson seufzte und schloss einen Moment die Augen. „Ja. Auf einem extra-Teller. Und wenn ich noch lange mit dir telefoniere, dann sind sie eiskalt und ich werfe sie in den Müll.“

 

„Ein wenig mehr Fantasie, Jimmy“, beklagte sich House. „Ich will Details.“

 

„Vielleicht sollten wir doch wieder darüber reden, was ich anhabe.“ Wilson öffnete die Augen wieder und starrte auf seinen Salat. Der Salat starrte unbeeindruckt zurück. „Es ist Salat. Ich esse ihn mindestens dreimal die Woche, weil du mir dann nicht alles weg nimmst. Details genug?“

 

„Wilson.“

 

„Okay.“ Wilson seufzte erneut. Und ärgerte sich dann selbst darüber. „Es sind irgendwelche kleingeschnittenen, grünen Blätter. Darüber das gesunde Zeug, du weißt schon, dass du nur verwendest, um deine Ratte zu füttern: Karottenstifte, Cherrytomaten, Maiskörner. Musst du dich nicht um deinen Patienten kümmern? Oder darum, dass Chase seine Fingerabdrücke abwischt, bevor ihr geht?“

 

„Unnötig. Ich weiß, was ihm... oder war es ihr... fehlt und Foreman behandelt sie... oder ihn... bereits dagegen. Chase ist hier, weil er meinen Kaffee verschüttet hat.“

 

„Oh ja, ich bin sicher, das wird ihm eine Lehre sein“, erwiderte Wilson trocken. „Du bist sicher, dass niemand nach Hause kommt?“

 

„Sehr sicher. Denke ich. Hey, wenn uns jemand erwischt, sage ich, es war die Idee des Wombats. Wer wird einem Krüppel nicht glauben.“ Rascheln und Knistern übertönte für einen Moment House’ Stimme. „Dieses Sofa ist bequem. Und groß. Groß genug für zwei...“

 

„Was machst du da?“

 

„Ich esse einen Schokoriegel.“ House kaute übertrieben laut direkt ins Handy und Wilson hielt es mit angewidertem Gesichtsausdruck ein Stück vom Ohr weg. „Du willst doch nicht das ganze Vergnügen für dich alleine haben, oder Jimmy?“

 

Welches Vergnügen? „Gibt es sonst noch etwas, das du wissen willst?“, fragte Wilson. „Ob genug Salz am Dressing ist, oder so etwas?“

 

„Hmmm. Welches Dressing?“

 

„French.“ Wilson zog mit der Gabel ein Muster durch das Dressing. „Wieso ist das wichtig?“

 

„Uh-ho. Rosa Salatsoße. Ist das so eine Art Mini-Coming-out an der Salatbar?“

 

„Ha.Ha.Ha.“ Er gab sich nicht einmal die Mühe, so zu tun, als wäre er amüsiert. Oder nicht amüsiert. „Als nächstes sagst du dann so etwas wie, dass man French Dressing kein Wort glauben kann.“

 

„Das trifft nur auf Schuhe zu.“ House war einen Moment still. „Fang mit einer der Cherrytomaten an.“

 

„Was?“

 

„Steck’ sie in den Mund. Das sollte doch kein Problem sein.“ House grinste wieder hörbar. „Ich weiß zufällig ganz genau, dass du gerne runde Dinge in deinen Mund ste...“

 

„Okay“, unterbrach ihn Wilson. Er hoffte nur, dass Chase nicht an der Tür lauschte und morgen diese Unterhaltung nicht in der Gerüchteküche des Krankenhauses die Runde machen würde. „Und was soll ich dann damit machen? Ganz runterschlucken? Es ist sicher sehr amüsant, wenn ich mich daran verschlucke.“

 

„Nimm’ sie einfach in den Mund. Gott, Jimmy. Du bist ein Spielverderber. Ohne den Schokoriegel wäre die ganze Stimmung dahin.“

 

„Gut. Ich kann aber nicht sprechen, wenn ich Essen im Mund habe.“

 

„Wer hat gesagt, dass du sprechen sollst? Hör’ einfach nur zu.“ House wartete ein paar Sekunden. „Fertig?“

 

„Hmmh.“ Wilson hatte die kleinste der Tomaten gewählt. Er wollte das ganze so unauffällig wie möglich hinter sich bringen und das konnte er nicht, wenn er mit aufgeblasenen Backen wie ein Barockengel hier saß. Allerdings konnte er nicht leugnen, dass er neugierig war, was House vorhatte.

 

„Okay, und jetzt erinnere dich an diesen Abend im „Armondo’s“, als ich unter dem Tisch verschwunden bin...“

 

Jetzt verschluckte sich Wilson doch noch fast an der Tomate in seinem Mund. Er spürte seine Wangen wieder rot werden. Es war keine gute Idee, mitten am Tag, mitten in einem Raum voller Menschen daran zu denken, was House unter diesem Tisch angestellt hatte.

 

Gott, sie waren so jung gewesen. James Wilson gerade zweiundzwanzig und im ersten Jahr seines Studiums. Greg House, acht Jahre älter, im ersten Jahr als Assistenzarzt. Aber das wusste er nicht, als sie sich zum ersten Mal begegneten.

 

Das „Armondo’s“ war ein kitschiges italienisches Restaurant gewesen, mit tropfenden Kerzen in leeren Chianti-Flaschen, rotweißkarierten Tischdecken und Vorhängen... und einem Klavier in einer Ecke. Einem Klavier, an dem an manchen Abenden ein schlecht rasierter Mann mit verschossener Kleidung und intensiven, blauen Augen spielte, und dabei eine Miene machte, die nahe an Abscheu grenzte. James war mit seiner Freundin dorthin gegangen – wegen der „romantischen“ Stimmung und den Preisen, die für einen Medizinstudenten erschwinglich waren - und ohne sie wiedergekommen, nachdem er fast die ganze Zeit nur damit verbrachte, den Klavierspieler anzustarren. Die elektrischblauen Augen, die schmalen Hände mit den langen Fingern, die schmalen Lippen inmitten eines schützenden Stachelwaldes. Als die meisten Gäste das Lokal verlassen hatten und ein paar müde wirkende Kellner die Tische abzuräumen begannen, hörte der Mann auf, süßliche Tischmusik zu spielen und wechselte zu James Überraschung nahtlos zu einem Jazzstück. Um dann einen Popsong zu spielen, den er erst ein paar Tage zuvor im Radio gehört hatte. Dann kam einer der Kellner an seinen Tisch und sagte ihm, dass er gehen müsse, weil sie schlossen. James wartete eine Weile draußen vor der Tür, doch der Klavierspieler tauchte nicht auf. Später erfuhr er, dass er in einem kleinen Zimmer oberhalb des „Armondo’s“ wohnte.

 

Also kam er am nächsten Tag wieder, doch der Hocker vor dem Klavier blieb leer und James ging enttäuscht nach Hause. Abend für Abend kam er wieder, bis sich der blauäugige Mann eines Tages an seinen Tisch setzte, wortlos Wilsons Weinglas leer trank und dann ans Klavier ging. Das wiederholte sich ein paar Mal, ohne dass er auf Wilsons Fragen reagierte oder sich vorstellte.

 

„Jimmy?“, erklang House’ Stimme amüsiert an seinem Ohr. „Bist du noch bei mir?“

 

Wilson schloss die Augen und gab ein unbestimmtes „Hmmm“ von sich.

 

Es war am letzten Abend gewesen, an dem House im „Armondo’s“ spielte. Er hatte einen besser bezahlten Job gefunden und anstatt eines Trinkgeldes hatte er vom Inhaber des Restaurants ein freies Abendessen erhalten. Er nahm James mit. Damals kannten sie sich fast vier Monate und bisher war noch nichts zwischen ihnen vorgefallen, abgesehen von jeder Menge Berührungen, die auch zufällig hätten sein können, und noch mehr doppeldeutigen Bemerkungen. Der Blick, den House ihm zuwarf, als er für sie beide Nudeln mit Fleischklößchen bestellte, war allerdings eindeutig... Und James so rot wie die Tomatensoßenflecken auf dem Tischtuch geworden. Es war nicht so, dass er noch nie von einem Mann angeflirtet worden war – das College war in mehr als einer Hinsicht eine experimentelle Spielwiese gewesen – aber da war etwas so Intensives in den blauen Augen, dass sein Magen sich nervös zusammenzog.

 

Ihr Essen wurde serviert und als Gregs Gabel auf den Boden fiel, bückte er sich danach – und war plötzlich verschwunden. Unter das rotweißkarierte, bodenlange Tischtuch. Es war wie in einem dieser Softpornos gewesen, die man unter der Hand in der Videothek bekam. Nur, dass House nichts weiter tat, als mit den Händen an der Außenseite von James Beinen entlang zu streichen und er sie ohne zu denken spreizte. James war einer Panikattacke nahe, als Gregs Hände auf seinen Oberschenkeln inne hielten, und er dazwischen glitt, so dass Wilson die Beine nicht mehr schließen konnte. Er presste seine Serviette gegen die Lippen, um zu verhindern, dass er laut aufstöhnte, als House’ Mund heißen Atem durch den Stoff seiner Hose blies.

 

Um dann so plötzlich, wie er unter dem Tisch verschwunden war, wieder aufzutauchen. Blaue Augen lachten in einem Gesicht, das eine perfekte Unschuldsmiene trug.

 

Glücklicherweise bewohnte Greg weiterhin das Zimmer über dem Lokal.

 

Und der Rest der Nacht war definitiv nichts, an das er hier und jetzt denken sollte. Wilson holte tief Luft und schluckte – die Tomate in seinem Mund war vergessen und dann trat tatsächlich ein, was er befürchtet hatte, er begann zu husten, als die Tomate versuchte, sich in seine Speiseröhre zu zwängen. Er spuckte sie aus und rang nach Luft, als jemand begann, ihm auf den Rücken zu klopfen. Mit wässrigen Augen sah Wilson auf und begegnete dem besorgten Blick von Cuddy.

 

„Alles in Ordnung, Dr. Wilson?“

 

Wilson wurde bewusst, dass er trotz allem noch das Handy ans Ohr drückte. „Ähem. Ja. Ich war... abgelenkt.“

 

„Okay.“ Cuddy sah ihn noch immer merkwürdig an. „Sie wissen nicht zufällig, wo House steckt?“

 

„Nicht unter dem Tisch“, platzte Wilson heraus. Sein Gesicht brannte, als Cuddy ihn irritiert musterte und House am anderen Ende der Leitung laut zu lachen begann...

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Gunslinger

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: 2.21 Euphoria / 2.22 Forever

Pairung: House, Wilson

Rating: gen, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja

50. „Entweder sind Sie ein Killer, oder jemand will Sie als einen dastehen lassen“.

 

 

The Gunslinger is a novel by American author Stephen King, and is the first volume in the Dark Tower series, which King considers to be his magnum opus. (en.wikipedia.org/wiki)

 

 

„Du überrascht mich tatsächlich immer wieder.“ Wilson lockerte seine Krawatte ein wenig und rollte die Hemdsärmel hoch. Es war spät. Viel zu spät, um noch im Büro zu sein, doch House schien keine Anstalten zu machen, nach Hause zu gehen, also blieb er ebenfalls. Er konnte nicht genau sagen, warum... und spielte es eine Rolle? Niemand wartete in seinem Hotel auf ihn und so kam er zumindest dazu, seinen Papierkram zu erledigen.

 

Und genau das hatte er dann auch getan, bis er durch die Glastür nach draußen sah und House auf dem Balkon entdeckte. Wie lange stand der andere Mann bereits dort und beobachtete ihn? Wilson rieb sich den Nacken. Es war seltsam. Er wusste, dass es dafür keine wissenschaftliche Grundlage gab, aber für gewöhnlich spürte er es, wenn er angesehen wurde – auch wenn er der anderen Person den Rücken zuwandte. Brendas Blicke in der Klinik zum Beispiel – sie war eine der wenigen Schwestern, die ihm seine Freundschaft mit House nicht verzieh’ – oder Cuddys Augen in einem Meeting. Er hatte nie den Mut gefunden, Cuddy direkt zu fragen, warum sie das tat. Was erwartete sie? Dass er sich letztendlich doch als ein House-Klon entpuppen und ihr ordentliches Meeting korrumpieren würde?

 

Nur House’ Blick... manchmal drehte er sich um und House stand plötzlich hinter ihm, Gesicht und Augen betont unschuldig und vielleicht noch milde neugierig. Er ließ sich von House’ als „ängstliches Huhn“ verspotten und behielt seine Irritation darüber, dass der andere Mann es immer wieder schaffte, sich an ihn heran zu schleichen, für sich. Lag es daran, dass sie sich schon so lange kannten? Hatte er sich... oder genauer gesagt sein Unterbewusstsein... so an House’ ständige Anwesenheit gewöhnt?

 

House lehnte an der Trennwand zwischen den beiden Balkonhälften und musterte ihn mit einem Blick, der eher neue Fragen aufzuwerfen schien, als alte zu beantworten. „Ich weiß, ich bin ein Genie und steter Quell’ der Freude für alle hier, aber könntest du das etwas spezifizieren?“

 

„Du hast einen meiner Patienten erschossen.“

 

House schnitt eine Grimasse. „Aber Doc... ich schwöre, er war schon tot, als ich ihn gefunden habe“, quengelte er.

 

Wilson hob die Augenbrauen.

 

„Zumindest hoffe ich das“, fuhr House in seinem normalen Tonfall fort. „Sonst bin ich schon sehr auf die Erklärung gespannt, was einer deiner lebenden Patienten in einem Kühlfach in der Leichenhalle zu suchen hatte.“

 

„Okay. Ich formuliere es um. Du hast auf einen meiner toten Patienten geschossen.“

 

House winkte ab. „Gehen wir zurück zu dem, was du zuerst gesagt hast. So klingt es viel co-oo-ler.“

 

„Es ist nicht cool, auf eine Leiche zu schießen, um etwas zu beweisen, was du, ich, Cuddy und wahrscheinlich auch Lou, der Reinigungsmann bereits wussten.“

 

„Was hat sie dir sonst noch aufgetragen? Sollst du mich auch gleich um eine Samenspende bitten?“, spottete House.

 

„Was?“ Wilson starrte ihn verwundert an. „Ich bin nicht hier, weil Cuddy mich hergeschickt hat. Was meinst du mit einer Samenspende?“ Er blinzelte, als mehrere Puzzleteile zusammenklickten. „Cuddy will ein Baby? Und das Dinner mit ihr war... war... Hmm. Ich denke, das erklärt ihre Frage danach, ob ich Kinder mag“, fuhr er in einem leichten Tonfall fort, ganz und gar nicht überzeugt, dass House das nicht nur erfunden hatte, um vom Thema abzulenken.

 

House sah ihn an. „Das hast du nicht von mir gehört. Und lass’ es dir nicht zu Kopf steigen, du bist nicht mal in der engeren Wahl.“

 

Wilson verschränkte die Arme vor der Brust. „Und du versuchst mich damit nur, von dem abzulenken, was du getan hast.“ Er seufzte. „House, ich hatte keine Ahnung, dass du eine Waffe besitzt.“ Würde er das jetzt mit auf die Liste setzen müssen? Und wo einordnen? Zwischen Morphium und Motorrad? Oder zwischen Vicodin und Scotch?

 

„Ich besitze keine Waffe.“ House wandte sich von ihm ab und starrte nach unten auf den Parkplatz. Die orangefarbene Abendsonne tönte seine Haut dunkler. „Du hättest ihre Gesichter miterleben müssen. Cameron und Chase sahen aus, als hätte ich auf sie geschossen, nicht auf eine Leiche. Foreman allerdings...“ Er zuckte mit den Schultern.

 

„Richtig, und es ist ja so erstrebenswert, von seinen Untergebenen angesehen zu werden, als wäre man der Killer in einem Actionfilm“, spottete Wilson. „Ich frage mich, warum nicht alle Abteilungsleiter das so machen. Was dagegen, wenn ich mir die Waffe ausleihe, von der du behauptest, dass du sie nicht hast? Ich habe so ein Gefühl, dass mein Patient in Zimmer 175 die Nacht nicht überlebt und ich habe diesen neuen Assistenzarzt, der mal in seine Schranken gewiesen werden sollte.“

 

„Ich besitze keine Waffe. Sie ist nur... geliehen.“ House sagte das letzte Wort so leise, dass Wilson sich beinahe vorbeugen musste, um es noch zu hören. „Sie gehört dem Colonel.“

 

„Was?“ House war wirklich wie eine dieser russischen Puppe. Kaum hattest du eine geöffnet, war da die nächste. „Wieso hat dein Vater dir eine Waffe gegeben?“

 

House verzog das Gesicht, als hätte er etwas Übles gerochen. „Nach... dem hier...“ Er wies mit der Hand auf sein Bein, ohne hin zu sehen. „Damit ich...“ Wieder beendete er den Satz nicht, sondern starrte nach unten auf den Parkplatz. „Muss die Ausbildung beim Militär sein. Vermutlich nehmen sie dir da das Hirn raus und bauen einen Befehlsempfänger ein.“

 

Wilson sah ihn an. In gewisser Weise... einer etwas verdrehten Logik folgend... machte das sogar Sinn. Das hieß nicht, dass es okay war. „Ich wünschte, du würdest mir genug vertrauen, um mir zu sagen, was zwischen dir und ihm vorgefallen ist.“ House sah ihn an, seine Miene alles andere als freundlich. „Ich weiß...“ Wilson hob besänftigend die Hände, Handflächen nach außen. „Es ist nur, dass ich das Gefühl habe, nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs zu kennen, was deine Familie betrifft.“

 

„Awww, Wilson. Immer eine Plattitüde auf Lager, nicht wahr?“, spottete House. Sein blankes Gesicht und die unwillkürlich um den Stock gekrampften Finger übermittelten eine stumme Warnung. „Geh’ und erzähl’ sie deinen sterbenden Patienten, dann sehen wir, wie großartig sie ankommen.“

 

„Du weißt, dass ich es nicht so gemeint habe.“ Wilson lehnte gegen die Trennwand. „Ich will nur wissen...“

 

„Du willst nur wissen, wie ich ticke“, unterbrach ihn. „Nein, Moment, du willst all die kleinen Teilchen in mir kennen, damit sie dir sagen, wie ich ticke. Vergiss’ es.“ Er schüttelte den Kopf. „Je weniger du weißt, desto besser für dich, Jimmy. Darüber zu reden macht es nicht auf magische Weise besser oder ungeschehen.“

 

Eine Weile war es sehr still. So still, dass Wilson überlegte, ob er vielleicht einfach wieder in sein Büro ging, bevor er noch mehr sagte, dass seine Beziehung zu House weiter strapazierte.

 

„Es hat nichts mit Vertrauen zu tun.“

 

Wilson hob den Kopf und sah zu House hinüber, doch der starrte noch immer auf den Parkplatz. „Dann überlässt du mir die Waffe?“

 

„Wilson, du bringst es fertig und verletzt dich mit dem Ding“, erwiderte House. „Ich werde... ich werde sie entsorgen, okay? Deine toten Patienten sind in Zukunft vor mir sicher. Außerdem denke ich, Cuddy könnte es persönlich nehmen, wenn ich noch ein MRI-Gerät in die Luft jage.“

 

„Du hast den Magnet gegrillt. Es war sehr eindrucksvoll“, gab Wilson zu. „Du bringst die Waffe zur Polizei, ja? Ich... ich hab im Fernsehen gesehen, dass man das machen kann.“

 

„Jimmy!“ House wandte sich ihm endlich zu, die Augenbrauen skandalös hochgezogen. „Du siehst dir noch etwas anderes an als „The L-Word“ und „Hell’s Kitchen“? Ich bin erschüttert.“

 

Wilson lächelte schwach. „Versprich’ es mir, okay?“

 

„Aber Maaaammmi...“, begann House. Er trat von der Außenmauer weg, bis er Wilson gegenüber stand. „Ich kenne einen See, ein Stück außerhalb von Princeton. Dort können wir sie versenken und einen heiligen Eid schwören, es niemand zu erzählen. Wie in einem kitschigen Teenystreifen.“

 

„Ich weiß nicht, ob das eine gute Idee ist.“

 

„Komm’, du kannst mir nicht den ganzen Spaß verbieten.“ House sah ihn an. „Und ich stelle eine Bedingung. Wir fahren mit der Repsol dorthin.“

 

„House, nein.“ Wilson spürte seine Kehle eng werden. Es war schlimm genug, House dabei zuzusehen, wie er mit dieser Todesmaschine fuhr. Er würde nicht aufsteigen. Auf keinen Fall.

 

„Bitte?“

 

Blaue Augen begegneten seinen, groß und bittend und... Wilson spürte seine Entschlossenheit dahin schmelzen.

 

„Bitte, James?“

 

Wilson seufzte und ließ den Kopf sinken. „Okay“, entgegnete er düster.

 

„Primo. Wir machen es morgen Nachmittag. Das erspart mir den Klinikdienst.“ House schwang sein Bein über die Trennmauer. „Und jetzt habe ich Hunger. Wo ist deine Kreditkarte?“, sagte er, als er in Wilsons Büro verschwand.

 

Wilson seufzte erneut. Für alles gab es einen Preis zu bezahlen. Und er war sich ziemlich sicher, dass House nicht plante, ihn mit dem Motorrad umzubringen. Ziemlich sicher.

 

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Lessons on how to be a man

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: - -

Pairung: Greg House, John House

Rating: gen, PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

60. Als Waffe ist sie keinen Pfifferling wert, außer man trifft unter Garantie mit dem ersten Schuss Herz oder Gehirn, denn sonst fällt man dem Menschen, auf den man schießt, bloß auf den Wecker.

 

It takes more than a pair of testicles to achieve manhood.  (wikiHow.org)

 

 

„Ich bin nicht sicher, John, ob er reif genug ist, um mit einer Waffe umgehen zu können.“

 

Greg hörte die Stimme seiner Mutter; hörte das Unbehagen und fast so etwas wie Angst in ihren Worten. Hatte sie Angst vor seinem Vater? Er kannte dieses Gefühl und sein Magen krampfte sich schmerzhaft zusammen.

 

War es seine Schuld? Wegen seines Hausarrests? Er hatte wie befohlen den ganzen Samstag in seinem Zimmer verbracht, was nicht wirklich schlimm war, denn er hatte hier keine Freunde, mit denen er zusammen sein konnte. Und nachdem er sich gestern mit Billy-Bob geprügelt hatte, waren seine Aussichten, Freundschaften zu schließen, nicht gerade gewachsen. Und das blaue Auge, das er von der Schule mit nach Hause gebracht hatte, war auch der Grund für den Hausarrest. Aber er hatte seine Schulbücher, neu und anders, als die in seiner letzten Schule, und solange er sie hatte, war ihm nie langweilig.

 

Tante Sara hatte ihm ebenfalls einen ganzen Karton voll Bücher geschickt. Darunter war ein Buch über Ägypten, das er mit gemischten Gefühlen aufgeschlagen hatte. Im Frühling würden sie dorthin umziehen, sein Vater war auf eine Marinebasis in der Nähe von Kairo versetzt worden. Es sah eintönig aus, und nicht einladend, nichts als Sand und Felsen und anders als in dem Sommer, den sie in Kalifornien verbracht hatten, schien es nur Wüste und kein Strand zu sein. Der Nil sah nicht aus, als könnte man gut in ihm schwimmen und außerdem gab es Bilder von Krokodilen.

 

Sie hatten riesige Mäuler mit scharfen Zähnen und er träumte in der Nacht darauf, dass sich ein Krokodil in seinen rechten Fußknöchel verbissen hatte und versuchte, ihn unter die Wasseroberfläche zu ziehen. Wieder und wieder tauchte sein Kopf unter Wasser und er gurgelte und versuchte zu atmen wo keine Luft war. Er musste vor Angst laut gerufen haben, denn plötzlich war seine Mutter da und hielt ihn in den Armen und er war wach – und in seinem Zimmer, da war kein Wasser und kein Krokodil. Dann war sein Vater gekommen und hatte seine Mutter weggeschickt und ihm befohlen, weiter zu schlafen. Er wäre kein Baby mehr, das sich von einem bösen Traum erschrecken ließ, oder? Er nickte und sagte: „Ja, Sir.“ und „Nein, Sir.“ wie es von ihm erwartet wurde. Und als sein Vater ging und die Tür hinter sich schloss, so dass der Raum wieder in Dunkelheit getaucht war, lag er lange schlaflos und mit angehaltenem Atem im Bett, die Decke über den Kopf hochgezogen – nur für den Fall, dass es irgendwie doch einem Krokodil gelang, in sein Zimmer zu kommen.

 

Am nächsten Morgen hatte seine Mom das Buch mitgenommen und gesagt, sie würde es gerne lesen. Aber er hatte gesehen, dass sie es in ihren Kleiderschrank legte, ins oberste Fach, wo die Wintersachen aufbewahrt wurden und nicht auf die kleine Kommode neben dem Schaukelstuhl, in dem sie saß, wenn sie las.

 

„Er ist beinahe neun Jahre alt, Blythe.“

 

Greg hielt unwillkürlich den Atem an, als er seinen Vater hörte. Obwohl ihn der Hunger aus seinem Zimmer getrieben hatte, in der Hoffnung, seine Mutter würde ihm ein Sandwich oder Kekse oder zumindest Obst oder irgendetwas anderes geben, damit er die Zeit bis zum Abendessen überbrücken konnte, blieb er nun auf der obersten Treppenstufe stehen. Die Küchentür musste offen sein, der süße Geruch nach Zucker und den vollreifen Pfirsichen, die seine Mom heute einkochte, erfüllte den schmalen Flur und kroch wie eine Wolke träge die Treppe hoch bis dorthin, wo er wartete.

 

„Vielleicht wäre es besser, noch zwei oder drei Jahre zu warten.“

 

Die Stimme seiner Mutter wurde leiser, vielleicht um seinen Vater nicht aufzubringen – ihm zu widersprechen brachte seinen Vater sehr leicht auf. Vielleicht aber auch nur, weil sie an den Herd zurückgekehrt war, der auf der anderen Seite des Raumes, weit entfernt von der Tür stand. Er hoffte, es war letzteres. Nie wünschte Greg sich mehr, erwachsen und groß zu sein, als wenn sein Vater seine Mutter zum Weinen brachte...

 

„Ich war erst sechs Jahre alt, als mein Vater mich in den Wald mitgenommen hat und es mir zeigte. Und hat es mir vielleicht geschadet?“

 

Plötzlich war Greg nicht mehr hungrig. Sein Magen fühlte sich wie zugeschnürt an, so schwer und hart wie ein Gummiball in seinem Bauch, dass er überzeugt war, er würde nie wieder einen Bissen essen können. Er dachte daran, was sein Vater über Großvater (Er hatte ihn nie kennen gelernt - offenbar war er an etwas, dass man „Zweiter Weltkrieg“ nannte, lange vor Gregs Geburt gestorben. Er hatte aus dem Unterricht so eine vage Ahnung, was „Krieg“ hieß, aber sein Vater sprach immer von einer Seuche, so dass er annahm, es wäre so etwas wie die Grippe oder die Lungenentzündung, an der einer der Jungen aus einer seiner früheren Schulen gestorben war.) erzählt hatte. Davon dass sein Vater als Kind einige Nächte im Wald verbringen musste, ganz alleine und ohne Essen und Decke, damit er „abgehärtet wurde“. Hatte sein Vater jetzt das gleiche mit ihm vor? Was hatte er getan – oder nicht getan  - um „abgehärtet werden“ zu müssen?

 

„Er braucht mehr Disziplin. Und er hat nicht genügend Respekt gelernt. Ich will mich nicht noch einmal bei meinem Vorgesetzten für das Verhalten meines Sohnes entschuldigen müssen.“

 

Greg senkte den Kopf in Scham, seine Wangen brannten. Er wusste, dass Billy-Bobs Vater der B-O-S-S seines Vaters war. Billy-Bob hatte es oft genug gesagt, dass er nicht petzen durfte, sonst würde sein Vater Gregs Vater bestrafen, weil er der B-O-S-S war. Er hatte es gesagt, wenn er Greg schubste. Er hatte es gesagt, als er ihm die Kekse abnahm, die ihm seine Mom mitgegeben hatte, damit er sie mit seinen neuen Klassenkameraden teilte und Freundschaften schloss. (Billy-Bob hatte einen davon probiert, das Gesicht verzogen und gesagt, das wären die schlechtesten Kekse, die er je gegessen habe. Und dann hatte er sie auf den Boden geworfen und war darauf herumgetrampelt, bis nur ein paar Krümel davon übrigblieben.) Er hatte es gesagt, als er Gregs Kopf in die Toilette steckte und die Spülung betätigte. Greg konnte nicht vergessen, wie Billy-Bob gelacht hatte und er erinnerte sich so deutlich an das Gefühl des Ertrinkens, so real und schrecklich wie in seinem Traum mit dem Krokodil. Als er mit nassen Haaren und nassem T-Shirt im Klassenzimmer aufgetaucht war, schickte ihn der Lehrer mit einem Brief nach Hause, weil er sich weigerte, zu erzählen, wieso er nass war.

 

In dem Brief stand, dass er nicht bereit war, sich in die Klassengemeinschaft einzufügen und den Unterricht häufig mit seinen Fragen störte. Greg war nicht ganz sicher gewesen, warum es plötzlich schlimm war, Fragen zu stellen, wenn er das Gefühl hatte, der Lehrer übersprang Themen oder erklärte etwas nicht gründlich genug. Der Lehrer in seiner alten Schule hatte ihn dazu ermutigt, Fragen zu stellen – auch wenn Greg sich damit weniger bei seinen Mitschülern beliebt gemacht hatte...

 

Seine Mom sagte, er solle sich keine Sorgen machen und dass er nichts Falsches getan habe. Sie versicherte ihm, dass sie seinem Vater nichts von dem Brief erzählen würde, aber dass es besser wäre, wenn sie mit dem Lehrer spreche. Aber dafür müsste er ihr sagen, wer ihn in die Toilette gesteckt habe. Denn obwohl er seiner Mutter davon berichtet hatte, verschwieg er beharrlich den Namen des Jungen. Dessen Vater der B-O-S-S seines Vaters war. Schließlich hatte seine Mom ihn in die Badewanne geschickt und ihm die Haare zweimal gewaschen, damit er keine Baktiere, nein Bakterien, mehr an sich habe. Aber da war eine Traurigkeit in ihren Augen gewesen, dass Greg sich am liebsten irgendwo verkrochen hätte, bis es aufhörte, weh zu tun.

 

Und als Billy-Bob ihn das nächste Mal schubste und er das Erdnussbutter-Gelee-Sandwich fallen ließ, das er für die Pause mitbekommen hatte, schlug er blindlings zurück. Es war ein Glückstreffer, der Billy-Bob mitten auf die Nase traf und für einen Moment hatten die beiden sich deswegen verblüfft angestarrt, bevor Billy-Bobs Nase fürchterlich zu bluten anfing. Und Billy-Bobs Freunde sich an Greg rächten.

 

„Es ist an der Zeit, dass der Junge ein Mann wird. Außerdem ist es eine gute Vorbereitung für das Boot Camp in zwei Jahren. Er wird sich dann dort leichter tun. Wenn wir erst in Ägypten sind, ist es zu spät, dort gibt es keine Wälder und ich werde mit dem Jungen nicht Sandflöhe jagen gehen.“

 

Es war das letzte, was Greg hörte, denn jemand schloss die Küchentür. Er trottete in sein Zimmer zurück und setzte sich aufs Bett, die Beine unter sich verschränkt.

 

Sein Blick glitt zu der abgenutzten Gitarre, die in der Ecke lehnte. Sein Vater hatte ihm erlaubt, Unterricht in der Schule zu nehmen, aber nur unter der Voraussetzung, dass – sobald er alt genug war – er mit den anderen ins Boot Camp ging. Er hatte die älteren Jungs darüber reden hören, heimlich, nach der Schule, hinter der Turnhalle, wo sie Zigaretten rauchten, die sie ihren Vätern gestohlen hatten und sich erwachsen vorkamen. Greg und zwei andere, wie er jüngere – Jungs (Greg wünschte sich manchmal einen großen Bruder, auch wenn die beiden anderen sich darüber beklagten) als Alibi und Laufburschen im Schlepptau. Ihren Worten nach war es ein schrecklicher Ort, an dem man lernte, ein Soldat zu sein. Ein richtiger Marine. So wie sein Vater und die Väter der meisten anderen Jungen, die er kannte.

 

Aber Greg war sich nicht sicher, dass er auch ein Marine werden wollte. Sein Vater wollte es. Erwartete es von ihm. Greg wusste nicht, was er wollte. Lernen fiel ihm leicht und es machte ihm Spaß, Neues zu lernen, aber als eine Lehrerin wissen wollte, ob er sich vorstellen könne, später selbst Lehrer zu sein, schüttelte er den Kopf. Sich den ganzen Tag mit dummen Kindern abzugeben, die nicht lernen wollten, das würde er als Erwachsener nicht tun.

 

Außer er könnte Musiklehrer werden. Sein Musiklehrer, der ihm die Gitarrenstunden gab, konnte so viele verschiedene Instrumente spielen und Musik ließ Greg für gewöhnlich alles andere um sich herum vergessen.

 

Aber er träumte auch davon, ein großer Entdecker zu sein, seit sie von Christoph Kolumbus gelesen hatten. Es gab sicher noch unentdeckte Gebiete auf der Erde. Und wenn nicht, dann gab es vielleicht andere Planeten zu erforschen, wie in den Romanen von Jules Verne, die er im Bücherregal seiner Großmutter gefunden hatte, als er den Sommer bei ihr verbrachte. Mit einer Rakete zum Mond und zurück zu fliegen wäre so viel cooler, als wie sein Vater in einem großen, hässlichen Flugzeug zu sitzen.

 

Er spürte wütende, trotzige Tränen in den Augen, als er daran dachte, dass sein Vater ihn wirklich ins Boot Camp schicken wollte. Vielleicht... Ägypten war ein sehr großes Land, hatte seine Mutter gesagt. Wenn er dort weglief, würde sein Vater ihn sicher nicht finden. Er konnte weglaufen und... und... und... ganz schnell erwachsen werden und dann würde er seine Mom von seinem Vater wegholen, damit sie nie wieder heimlich weinte.

 

Dann rief ihn sein Vater zum Abendessen und er rieb sich hastig mit den Händen übers Gesicht, bevor er nach unten lief.

 

(Fortsetzung: 150. „Lessons on how to be a man“ / 2)

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Alternate reality

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: 1.15 Mob Rules / Tritter-Arc

Pairung: House, Bill Arnello

Rating: pg, gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

70. „Ob ich glaube, dass du für Geld einen Mann umbringen könntest?“

 

I was thinking back to the first time we met / Over plangent chords in a sad vignette / You were waving goodbye / In a cherry red corvette / With the sky so blue / It was almost mean / and your eyes were too (John Hiatt)

 

When a man is going through midlife, he might buy a cherry red corvette to parade around in, pierce his ear or nipple, let his hair grow... (helium.com/what-is-a-midlife-crisis...)

 

„If he's dead… one by one, I'll take away the things you love 'till there's nothing left.“ Bill Arnello (Mob Rules)

 

 

„Doktor House. Es ist mir eine Freude, Sie wieder zu sehen.“

 

House machte keine Anstalten, Bill Arnellos ausgestreckte Hand zu ergreifen und nach einem Moment zog der Anwalt sie unbeeindruckt zurück. Er nahm Platz, sein Lächeln so jovial wie zuvor. „Ich muss zugeben, Ihr Anruf hat mich etwas überrascht.“ Arnello betrachtete sinnend das Glas, das vor House stand und meinte dann: „Sie entschuldigen, wenn ich mich mit Kaffee begnüge? Es ist noch etwas früh für mich.“ Er winkte dem Kellner und gab seine Bestellung auf.

 

„Es muss anstrengend sein, die ganze Nacht den Abtransport von in Teppich gerollten Leichen zu überwachen und Verrätern Zementgaloschen zu verpassen.“

 

Bill Arnello lachte. „Sie sehen zu viel TV, Doktor House.“ Er dankte dem Kellner, der ihm den Kaffee hinstellte, und bestellte ein Clubsandwich. „Ich bin einfach nur Anwalt.“ Er lehnte sich zurück. „Aus irgendeinem Grund glaube ich nicht, dass Sie mich treffen wollen, um mir ‚Frohe Weihnachten’ zu wünschen. Dazu hätte eine Karte oder eMail genügt“, fuhr er im gleichen, leichten Plauderton fort.

 

House sah zum ersten Mal auf, seit der Anwalt ihm gegenüber Platz genommen hatte und Bill Arnello hob die Brauen, als er die Blässe und die dunklen Schatten unter den blauen Augen des anderen Mannes bemerkte. Er hatte House seit Joeys überstürzter und unoffizieller Entlassung (zum Leidwesen der State Marshalls) nicht mehr getroffen, aber der Arzt sah krank genug aus, um sein eigener Patient zu sein. Es entging dem Anwalt ebenfalls nicht, dass House’ Hand leicht zitterte, als er nach dem Glas griff und es leerte.

 

House wurde sich dessen offensichtlich ebenfalls bewusst und stellte das Glas ab, um seine Hand zurück zu ziehen und ungeschickt unter dem Tisch zu verbergen. „Es gibt jemand, der mir Schwierigkeiten bereitet.“

 

„Ich habe nicht vergessen, dass Sie sich nicht gerne mit Förmlichkeiten aufhalten.“ Arnello trank einen Schluck Kaffee, bevor er antwortete: „Egal, was Sie im Fernsehen gesehen haben, ich gehöre nicht zu den Anwälten, die einen Mann kennen, der einen Mann kennt, der von einem Mann gehört hat, der für Geld einen anderen Mann umbringt.“ Seine Stimme hatte noch immer einen amüsierten Klang.

 

House gab einen Laut irgendwo zwischen Amüsement und Verachtung von sich. „Ich suche keinen Auftragskiller. Ich brauche nur Informationen.“

 

Arnellos Sandwich wurde serviert und es trat einen Moment eine Pause ein. Der Anwalt dankte dem Kellner und betrachtete sein Essen kritisch. „Das lässt sich arrangieren.“

 

„Sie wissen noch gar nicht, über wen ich Informationen benötige“, wandte House ein.

 

Bill Arnello zuckte mit den Schultern und begann den Salat aus seinem Sandwich zu entfernen. „Ich gehöre zu den Anwälten, die einen Mann kennen, der einen Mann kennt, der von einem Mann gehört hat, der für Geld über einen anderen Mann Informationen beschafft.“ Er lachte leise über seinen eigenen Scherz. „Ich denke, ich kann Ihnen weiterhelfen. Und weil es Joey immer noch gesund ist, geht das ganze natürlich auf Kosten des Hauses.“ Er nahm eine Serviette aus dem Weihnachtsmann-Serviettenständer in der Mitte des Tisches und wischte sich die Finger ab. Dann nahm er eine zweite Serviette und schob sie über die Tischplatte zu House. Er zog einen vergoldeten Kugelschreiber aus der Brusttasche seines Jacketts und legte ihn neben die Serviette.

 

House sah ihn einen Moment fragend an, dann glitt für eine Sekunde ein humorloses, sarkastisches Lächeln um seinen Mund und er nahm den Stift, um einen Namen auf die Serviette zu schreiben. Er faltete sie in der Mitte zusammen und schob sie Arnello zu. „Es scheint doch nicht alles nur eine Erfindung des Fernsehens zu sein.“

 

Arnello lächelte. „Oh, heißt es denn nicht immer, dass die Fiktion sich von der Realität inspirieren lasse?“ Er klappte die Serviette auf, um den Namen zu lesen, den House darauf gekritzelt hatte. „Da ich aus eigener Erfahrung weiß, dass Sie ein gesetzestreuer Bürger sind, und ebenfalls aus eigener Erfahrung weiß, wie überaus korrekt Sie Ihre Patienten behandeln, nehme ich an, er ist ein ehemaliger Patient, der mit seiner Behandlung nicht völlig zufriedengestellt war.“

 

„Ich habe ihn mit heruntergelassenen Hosen und einem Thermometer dort, wo keine Sonne scheint, in einem Behandlungsraum stehen lassen.“ House drehte sein leeres Glas zwischen den Händen. „Er hat es persönlich genommen und ist ebenfalls... persönlich... geworden.“

 

„Eine Anklage wegen... Drogenbesitz?“, fragte Arnello und biss in sein Sandwich – vorsichtig, um keine Sauce auf sein Hemd zu kleckern.

 

„Interessante Annahme“, entgegnete House mit neutraler Stimme.

 

„Ich habe Augen im Kopf“, meinte der Anwalt. „Und einige meiner... Klienten... hatten leider ein Drogenproblem. Abgesehen davon ist das Usus bei Ärzten. Leichte Verfügbarkeit, etc. Die Polizei wird nicht dafür bezahlt, kreativ zu sein.“

 

„Ich nehme ein verschreibungspflichtiges Medikament gegen meine chronischen Schmerzen“, erwiderte House tonlos. „Das ist ein Unterschied.“

 

Arnello machte eine Geste mit der Hand. „Wie auch immer Sie es nennen. Es interessiert mich nicht. Es erleichtert mir nur, eine geeignete Quelle auszuwählen, was bedeutet, ich kann Ihnen rascher die gewünschten Informationen beschaffen.“ Er pickte ein paar Krümel mit der Fingerspitze von seinem Ärmel. „Reiner Eigennutz, Doktor House. Ich werde Weihnachten bei meinem Bruder und seiner Verlobten verbringen.“

 

„Wow. Ich frage mich, wen Sie schlagen mussten, um dieses Wunder zustande zu bringen“, erwiderte House sarkastisch.

 

Der Anwalt schien nicht gekränkt. „Ich sagte Ihnen schon damals, dass Joey nur ein wenig verwirrt war. Er musste nur die richtige Frau kennen lernen.“

 

„Ich denke, das habe ich auch schon einmal im Fernsehen gehört.“ House hob eine Hand und rieb sich über die Stirn.

 

Arnello bemerkte die feine Schweißschicht auf dem Gesicht des Arztes. Das Bistro auf dem Campus, in dem sie sich getroffen hatten, war nicht gerade kühl, aber auch nicht überheizt. Er beschloss zum Geschäftlichen zurückzukehren, er hatte keine Absicht, noch einmal das Privatleben seines Bruders mit diesem Mann zu diskutieren. „Sind Sie an irgendeiner Art von Information besonders interessiert? Hilfreiche Information, möchte ich es mal nennen“, setzte er hinzu, als House ihn fragend ansah. „Es gibt verschiedene Arten von Informationen. Solche, die sehr viel Geld wert sind...“ Er wartete, bis House den Kopf schüttelte. „Kein Geld also. Nein, das dachte ich mir. Wozu benötigen Sie diese Informationen?“

 

„Ist das wichtig?“

 

Der Anwalt hob die Schultern. „Ich kann die Informationen, die ich erhalte, vorab aussieben, so dass Sie sich nicht mit unnützem Kram beschäftigen müssen. Aber nein, es ist nicht wichtig.“

 

House starrte den Weihnachtsmann/Serviettenständer an, als hätte der seine Mutter beleidigt. „Er... wendet Ihre Methodik an. Er bedroht jemand... jemanden... der mir wichtig ist. Sehr wichtig. Nicht mit körperlicher Gewalt“, setzte er hinzu. „Er kann auf legale Methoden zurückgreifen. Er hat seine Konten eingefroren; einen Richter dazu gebracht, eine einstweilige Unterlassung zu unterschreiben, so dass ihm vorübergehend die Zulassung entzogen wurde. Aus mir unerklärlichen Gründen legt... mein Freund...  Wert darauf, Patienten behandeln zu können und ist deshalb etwas aufgebracht und gibt mir die Schuld an der Situation.“

 

Arnello beendete seinen Imbiss und wischte sich die Finger ab. „Ich verstehe. Sie suchen nach der Art Information, die ihn...“ Er tippte auf die Serviette mit dem daraufgekritzelten Namen. „...dazu bringt, seine Untersuchung in für Sie günstigere Bahnen zu lenken. Es sollte nicht so schwer sein. Menschen wie er haben viel zu verlieren und daher auch meistens viel zu verbergen, so traurig dies in unserer Gesellschaft auch ist.“

 

„Es reicht mir, wenn er sich mich beschränkt. Es ist mir egal, was er am Dreck bei mir aufzuwirbeln versucht, so lange er seine Finger von meinem Freund lässt. Er hat damit nichts zu tun.“

 

Der Anwalt lächelte. „Ich verstehe“, wiederholte er. „Wir wollen alle von Zeit zu Zeit jemand beschützen, den wir lieben. Vielleicht verstehen Sie mich jetzt besser.“ Er stand auf und rückte sein Jackett zurecht. „Es war mir ein Vergnügen, Sie wiederzusehen, Doktor House. Ich werde Sie wissen lassen, was ich herausfinde.“ Er beugte sich vor und nahm seinen Kugelschreiber, der noch neben House’ Glas lag, um ihn ordentlich in die Innentasche zu stecken. „Ich hoffe, Sie haben noch immer viel Spaß an der Corvette. Frohe Weihnachten.“

 

House sah Bill Arnello nach, der lächelte und einer Frau die Tür aufhielt, als er das Bistro verließ. Er knüllte die Serviette mit Tritters Name darauf zusammen. Warum fühlte es sich so an, als hätte er einen Handel mit dem Teufel gemacht...

 

 

* //  * //  *

 

Titel: When I kiss you I hear Charlie Parker playing

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: 2.23 Who’s your Daddy?

Pairung: House/Wilson, Crandall

Rating: slash, PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

80. „Verstehe“, sagte Spencer.

 

 

Illegal substances, or an hour with no kisses / Though I am tempted, they are pre-empted / You'll never know it, I'll never show it / Only I hear it, only I know that / When I kiss you, when I kiss you / I hear Charlie Parker playing (Sparks)

 

„Hey, G-Man. Dr. Cameron hat… Oh.” Dylan Crandall brach ab und fuhr sich durch die wirren Locken auf seinem Kopf. Seine Augen weiteten sich, als er den Mann mit den nassen Haaren musterte, der ihm eben die Tür geöffnet hatte und der sich das Gesicht mit einem Handtuch abtrocknete. Sein Hemd war stellenweise ebenfalls durchnässt und durchsichtig, wo es an der Haut klebte. „Ähem, ich schätze, ich habe die falsche Adresse bekommen“, fuhr er unsicher fort. „Tut mir leid, wenn ich störe, ich...“

 

„Sie sind Dylan Crandall, nicht wahr?“, fragte der andere, ließ das Tuch sinken und streckte die Hand aus.

 

Crandall ergriff sie automatisch und schüttelte sie kurz. „Ja?“

 

„James Wilson. Und wenn Sie wirklich zu House wollten, sind Sie hier tatsächlich richtig. Kommen Sie rein.“ Wilson trat zurück.

 

„Sie und Greg... sind... Freunde?“, fragte Dylan. Er sah sich neugierig um. Das erste, auf das sein Blick fiel, war das Klavier in der Ecke. Eine alte Couch, Bücher und noch mehr Bücher, Magazine, Staub... es war alles größer, aber nicht grundlegend verschieden von House’ Zimmer während seiner Studienzeit.

 

„Ja. Lassen Sie sich nicht davon täuschen, wenn er mich gleich wie einen Haussklaven behandelt. Sie wissen, wie er ist.“ Wilson rieb sich die Haare trocken. „Oh, ich hatte einen kleinen... Unfall... im Badezimmer“, setzte er erklärend hinzu, als Crandall ihn offen neugierig ansah.

 

Dylan beschloss, er müsse das gar nicht genauer wissen. „Ich weiß zumindest, wie er war“, kehrte er zu House zurück. “Aber nach allem, wie er im Krankenhaus war, denke ich, er hat sich nicht grundlegend verändert. Sie kennen sich schon lange?“

 

Wilson lächelte. „ Ja. Eine ganze Weile. Ich arbeite auch im PPTH, aber wir beide sind uns dort nicht über den Weg gelaufen. Und langsam denke ich, dass das Absicht war.“ Er deutete auf die Couch. „Setzen Sie sich doch. Wie geht es Ihrer Tochter?“

 

„Leona erholt sich sehr gut. Gregs Team kümmert sich gut um sie. Ich wollte eigentlich bei ihr sein, aber Dr. Foreman meinte, ich solle eine Pause machen - na ja, egal... Auf jeden Fall hat mir Dr. Cameron Gregs Adresse gegeben und ich dachte, ich schau’ mal, wie er so lebt. Mit Leonas schlimmen Zustand und allem wir hatten ja noch keine Zeit uns richtig zu unterhalten. Über früher und so. Was so passiert ist seit er die Band verließ.“ Crandall nahm Platz und zerrte etwas verunsichert an seiner Jacke, als die braunen Augen des anderen Mannes ihn mit einer Art von unterdrücktem Amüsement musterten.

 

„Nun, Cameron wird es vermutlich bald bereuen, aber ich denke, es ist eine gute Idee, dass Sie vorbeigekommen sind. House hat mir nämlich fast gar nichts von Ihnen erzählt. Und er hat so wenig Freunde, dass ich mir die gute Gelegenheit nicht entgehen lassen sollte.“ Wilson betrachtete sein Hemd. Er musste sich unbedingt umziehen gehen. Er sah aus wie ein frischgebackener Vater, der zum ersten Mal versucht hatte, sein Baby alleine zu baden. Nur war in diesem Fall besagtes Baby fast fünfzig Jahre alt und hatte absolut keinen Sinn für Anstand. Wenn es nicht an die Tür geklopft hätte, wäre er mit House in der Wanne gelandet, zweifellos...

 

Das war also House’ alter Freund. Irgendwie hatte er etwas anderes erwartet. Crandall wirkte... fast eingeschüchtert. Andererseits war das ein Effekt, den er häufiger bei Menschen in House’ Nähe beobachtete. „House ist sicher gleich da. Er war in der Wanne“, sagte er, um die leicht verlegene Stille zu durchbrechen.

 

„Er badet? Um diese Zeit? Er hat sich offenbar doch geändert.“ Crandall musterte Wilson nun seinerseits.

 

„Das heiße Wasser hilft ein wenig gegen die Schmerzen in seinem Bein“, erklärte Wilson schlicht. „Ich habe gekocht. Essen Sie mit uns?“

 

House wählte diesen Moment, um ins Wohnzimmer zu kommen. „Wenn du damit fertig bist, Crandall über die letzten zwanzig Jahre meines Lebens zu updaten, könntest du die Schürze wieder anziehen und zu deinen Hausfrauenpflichten zurückkehren? Ich habe nämlich Hunger.“

 

Dylan beobachtete, wie die beiden Männer einen langen Blick wechselten. House grinste und Wilson seufzte mit einer Art von amüsierter Resignation.

 

„An deinen Manieren hat sich wirklich nichts verändert“, bemerkte Crandall trocken.

 

House hakte den Griff seines Stocks um Wilsons Unterarm und zog daran, bis der andere Mann sich zur Seite und damit ihm nochmals zuwandte.

 

Wilson verdrehte die Augen und befreite seinen Arm. „Schon gut. Er ist wie ein Fünfjähriger. Wenn er sein Abendessen nicht bekommt, ist er unleidlich.“ Er trat um House herum und ignorierte den Klaps auf sein Hinterteil. „Erinnere mich daran, das nächste Mal einfach wieder Fastfood zu holen, wie sonst auch.“

 

„Awwww, Jimmy, du weißt doch, du bist das Spielzeug in meiner Juniortüte“, rief ihm House hinterher.

 

„Ja, ich liebe dich auch.“ Wilson verschwand in die Küche.

 

Dylan starrte ihm fasziniert nach, dann richtete er den Blick auf House. Greg setzte sich mit einer Grimasse und schaltete den Fernseher ein. „Okay, welcher der drei Musketiere hat gewagt, meine Adresse raus zu rücken. Der Wombat? Der Homey? Oder... warte, nicht verraten... meine telepathischen Fähigkeiten sagen...“ House hielt sich die Fingerspitzen an die Schläfen wie ein Hellseher in einem Film und verzog das Gesicht. „Es war Cameron.“

 

„Es tut mir leid, das war meine Schuld, ich habe sie danach gefragt“, meinte Crandall verlegen.

 

„Hör’ auf, dich zu entschuldigen. Ich werde sie schon nicht feuern. Dieses Mal zumindest nicht.“ House lehnte sich zurück. „Du erwartest doch nicht, dass ich dich unterhalte, bis das Essen fertig ist?“

 

„Das würde ich nie von dir erwarteten“, entgegnete Crandall trocken.

 

„Ich habe keine Ahnung, was er kocht. Es könnte mit Hustenbonbons gefüllte Ratte sein. Oder Katzenfutter in Tabasco.“ House senkte seine Stimme zu einem vertraulichen Flüstern.

 

„Ich gehe das Risiko ein.“ Crandall würde sich um nichts auf der Welt die Show entgehen lassen. Er musterte House fasziniert, als der andere Mann sich auf der Suche nach etwas, das ihn interessierte, durch die Kanäle zappte. Wow. Ihre gemeinsame Zeit lag doch länger zurück, als er gedacht hatte, wie es schien.

 

* * *

 

Das Abendessen verlief – trotz House’ Gequengel, dass er wie sonst auch vor dem Fernseher essen wolle und nicht am Küchentisch – angenehm.

 

House war weitestgehend mit seinem Teller und dem von Wilson beschäftigt, so erhielt Wilson Gelegenheit, Crandall über seine gemeinsame Vergangenheit mit ihm auszufragen, ohne dabei ständig unterbrochen zu werden. Oder zumindest fast nicht, wenn man von den gelegentlichen, fast automatischen Bewegungen absah, mit denen er House’ Finger zurück zu dessen Teller schob. Oder House’ zahllose Varianten von Geräuschen, die Amüsiertheit, Missfallen, Sarkasmus oder das Verlangen nach Nachschlag ausdrücken konnten, ohne dass er dabei aufhören musste, Essen in seien Mund zu stopfen. 

 

Nach dem Essen beobachtete Crandall überrascht, dass House protestlos den Tisch abzuräumen begann und mit einem gequälten Gesichtsausdruck Wasser ins Spülbecken laufen ließ. „Er... macht... den Abwasch?“, fragte Dylan fassungslos. „Träume ich?“

 

Wilson grinste. „Ich habe Jahre gebraucht, um ihn dazu zu bewegen. Und fragen Sie nicht, was es mich kostet. Aber es ist es immer wieder wert.“

 

House warf ihnen einen düsteren Blick über die Schulter zu und schleuderte eine Handvoll Schaum nach Wilson, das unkooperative Seifenprodukt landete allerdings weit von ihm entfernt auf dem Boden. „Verschwinde“, knurrte er, mit einer Hüfte gegen den Unterschrank des Spülbeckens gelehnt, um ohne Stock die Balance besser zu halten und sein rechtes Bein zu entlasten. „Das hier ist schon ohne Zuschauer demütigend genug.“

 

„Gehen wir ins Wohnzimmer“, schlug Wilson grinsend vor, und Crandall folgte ihm nur zu gerne. Er hatte noch immer Schwierigkeiten, zu glauben, was er da gerade beobachtet hatte. Gregory House bei der Hausarbeit. Der ganze Abend steckte voller Überraschungen.

 

Als er neben Wilson auf der Couch Platz nahm, hielt Dylan den Zeitpunkt für gekommen, eine Frage zu stellen, die ihm schon seit einer ganzen Weile auf der Zunge brannte. „So... ähem... Sie und Greg... sind also irgendwie... zusammen, oder?“, fragte er verlegen.

 

Wilson zögerte einen Augenblick und warf einen Blick in Richtung Küche. „Ja. Und Nein. Oder genauer gesagt, wir sind über die Jahre immer wieder mal ‚zusammen’ gewesen. Irgendwie scheinen wir es nicht wirklich miteinander auszuhalten, aber wir können auch nicht ohne einander leben.“ Wilson sah einen Moment weg, räusperte sich. „Nachdem meine letzte Ehe in die Brüche gegangen ist, haben wir uns entschieden, es noch einmal miteinander zu versuchen. Es ist nicht gerade ein Geheimnis, aber wir halten es gerne privat. Unser Boss weiß es, weil sie uns in einer... eindeutigen... Situation erwischt hat. House’ Team hat keine Ahnung. Hoffe ich zumindest. Und dabei würden wir es auch gerne belassen.“

 

Crandall nickte. Greg hatte sich doch verändert. Zumindest in der Zeit, in der sie sich kannten, hatte er ihn nie mit einem Mann gesehen. Oder bemerkt, dass Greg Interesse an einem zeigte. „Verstehe“, sagte er. „Ich werde nichts sagen.“

 

„Es ist nicht so, dass die Leute nicht ohnehin über uns reden, aber niemand nimmt das so wirklich ernst. Ich meine, House ist... House - und ich habe einen... wenig schmeichelhaften Ruf...“

 

„...einen hart erarbeiteten Ruf...“, mischte sich House in der Küche ein und Crandall zuckte zusammen, er hatte nicht gedacht, dass Greg ihr Gespräch mitanhörte.

 

Wilson schnitt eine Grimasse. „...ich habe einen wenig schmeichelhaften Ruf als Schürzenjäger.“

 

Dylan schüttelte den Kopf. „Das ist wirklich überraschend. Ich meine, der G-man mit einem anderen Mann...“

 

„So geht es mir gelegentlich immer noch.“ Wilsons Blick kehrte von der Küchentür zu dem Mann neben ihm auf der Couch zurück. „Werden Sie mit Leona nach New Orleans zurückkehren?“, wechselte er das Thema.

 

„Ja“, Dylan blinzelte ein Mal. „Sie hat noch eine Tante dort. Und Freunde von... früher. Sie muss ihr Leben fortführen, wieder auf die Schule gehen. Greg hat davon erzählt?“ Sie hatten im Krankenhaus nicht darüber gesprochen, oder? Irgendwann zwischen House’ Drängen, die Vaterschaft testen zu lassen und Leona des Lügens zu beschuldigen?

 

„Nein. Aber er wäre sonst nicht damit einverstanden gewesen, Ihnen von uns zu erzählen.“ Wilson hob die Schultern.

 

„Was nach New Orleans geht, bleibt in New Orleans, richtig Dr. Wilson?“, entgegnete Crandall mit einem schiefen Lächeln.

 

„Genau.“ Wilson erwiderte das Lächeln. „Warum duzen wir uns eigentlich nicht? Ich bin James.“

 

„Dylan“, erwiderte Crandall automatisch, obwohl der andere Mann das ja bereits wusste. „Ich habe mich gefragt, ob...“

 

„Crandall, ich hoffe, das ist kein Versuch, meinen Partner anzugraben. Vergiss nicht, ich bin jetzt Arzt. Ich kenne all’ die besonders schmerzhaften Stellen des menschlichen Körpers und ich weiß, wie man ihnen maximalen Schaden zufügt.“ House beschloss in diesem Moment, sich wieder zu Ihnen zu gesellen und bohrte Wilson den Gummistopper am Ende seines Stocks in den Oberschenkel, bis der mit einem Schmerzenslaut zur Seite rutschte – so dass House sich zwischen ihn und Crandall setzen konnte. „Er hat dich zum Abendessen eingeladen, aber das heißt nicht, dass ich auch mein Dessert teile.“

 

Dylan lief zu seiner eigenen Überraschung rot an. Wilson verdrehte die Augen, bevor er House in die Seite stieß. House grinste zufrieden, und legte – zur Überraschung beider - den Arm um Wilsons Schulter.

 

* * *

 

„Eigentlich hast du mehr Gemeinsamkeit mit Dylan, als mit mir“, sinnierte Wilson, als Crandall mit einem Taxi auf dem Weg in sein Hotel war.

 

„Und welche?“, fragte House.

 

„Musik, zum Beispiel. Ich bin so unmusikalisch wie ein Stein. Ihr wart zusammen in einer Band.“

 

„Ich hätte ihn rauswerfen sollen, bevor ihr anfangen konntet, über mich zu tratschen. Jimmy, du wirst immer sentimental, wenn du zu viel getrunken hast.“ Er beugte sich vor, um ihn zu küssen. „Das... ist besser als Musik“, murmelte er, sein Gesicht in Wilsons Haaren vergraben. „Gott, bin ich froh, dass du dich morgen an nichts davon erinnern wirst.“

 

„Ich bin vielleicht ein bisschen betrunken. Nicht taub.“ Wilson grinste. House’ Worte kamen so nahe an eine Deklaration seiner Gefühle, wie es ihm eben möglich war.

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Daddies never crumble in a day
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: Promos “Birthmark” (S5)

Pairung: House/Wilson

Rating: slash, PG, AU

Beta: T'Len
Archiv: ja

Anmerkung: inspiriert von den Promos für „Birthmark“. Schließt sich an den Storybogen (beginnend mit 290. „I’ll do my crying in the rain“) von House’ Reise nach Boston an. Kann aber auch völlig für sich alleine stehen.

90. „Das da“, sie wies mit dem Daumen auf McCluskey, „ist mein Vater“.

 

 

You know I never meant to see you again / But I only passed by as a friend / All this time I stayed out of sight / I started wondering why… (Phil Collins)

 

 

Der Anruf kam gegen zwei Uhr morgens und da alte Gewohnheiten nur schwer abzulegen waren, beantwortete er ihn – nachdem ein Blick aufs Display eine unbekannte Nummer zeigte.

 

„James?“

 

Wilson setzte sich auf und rieb sich müde übers Gesicht. „Wer spricht da?“, fragte er knapp. Vielleicht hatte sich jemand verwählt. Es war die Stimme einer Frau und entweder war sie stark erkältet oder sie versuchte, nicht zu weinen.

 

„Hier ist Blythe. Blythe House. Es tut mir so leid, mitten in der Nacht anzurufen. Aber ich...“ Sie brach ab und für einen Moment waren nur ihre raschen Atemzüge zu hören, als sie versuchte, ihre Stimme unter Kontrolle zu bringen.

 

Wilson war schlagartig wach, sein Herzschlag beschleunigte sich. Und das, obwohl er sich sofort sagte, dass es ihn nichts mehr anging, was immer auch House jetzt wieder getan hatte. „Blythe, ich...“ Sein Mund war trocken und er wusste nicht, was er ihr sagen sollte. ‚Ist alles in Ordnung?’ war offensichtlich die falsche Frage. „Was ist passiert?“, fragte er schließlich schlicht.

 

„James... ich... John ist... er ist tot. Und ich kann Greg nicht erreichen. Ich versuche es seit Stunden, ich habe im Krankenhaus angerufen, ich... ich habe sein Mobiltelefon angerufen und ihm Nachrichten hinterlassen. Aber er ruft nicht zurück.“ Sie stockte und Wilson hörte, wie sie tief Luft holte. „Ich weiß... was zwischen euch geschehen ist, James. Greg hat mich vor einer Weile angerufen und es mir erzählt. Ich denke, er war sehr betrunken und... alleine...“

 

„Blythe, es tut mir leid.“ Wilson fühlte seine Kehle eng werden. „Es tut mir so leid. Ich...“ Er brach ab.

 

„Ich möchte dich bitten... Bitte, James, du kennst meinen Sohn. Du musst ihn finden und ihm sagen, dass sein Vater gestorben ist. Ich brauche ihn jetzt hier.“

 

„Ja, natürlich. Ich... ich kümmere mich darum.“ Das Handy zwischen Schulter und Ohr geklemmt war Wilson bereits dabei, in seine Hose zu schlüpfen. Er wechselte das Telefon in die linke Hand und nahm ein Sweatshirt hoch. „Blythe, ist jemand bei dir? Es wird ein wenig dauern, alles zu organisieren. Ich weiß nicht, ob er im Moment einen Patienten hat...“

 

„Meine Schwester Sara ist bei mir.“ Blythe zögerte. „Er soll mich anrufen. Ich möchte seine Stimme hören. Er kann mich jederzeit erreichen. Bitte sag’ ihm das.“

 

„Das werde ich tun“, versprach James. Er war um Worte verlegen, wie selten zuvor in seinem Leben.

 

„Ich danke dir.“ Blythe nahm es ihm ab, indem sie die Verbindung unterbrach.

 

Wilson starrte einen Moment auf das Handy, dann wählte er House’ Nummer, immer noch über die Kurzwahltaste mit der Ziffer 1 zu finden. Er erwartete nicht wirklich, dass House bei ihm plötzlich abnahm, doch er musste es zumindest versuchen. Während er wartete, schlüpfte er in seine Schuhe. Als die Mailbox sich einschaltete, unterbrach er die Verbindung und verließ das Apartment.

 

* * *

 

Er parkte den Wagen vor House’ Apartment, stieg aber nicht sofort aus. Nach allem, was zwischen ihnen geschehen war... was gesagt wurde... Wenn er jetzt dort hinein ging, würde er wieder einmal den ersten Schritt machen. Er würde wieder geben und geben und alles was House tat, war zu nehmen. Und der ganze, selbstzerstörerische Kreislauf ihrer Beziehung ging weiter wie zuvor.

 

Er könnte zurückfahren, Cuddy aus dem Bett holen und ihr diese unangenehme Aufgabe überlassen. Sie hatte mehr als deutlich gemacht, dass sie auf House’ Seite stand. Falls es Seiten zu beziehen gab.

 

Auf Ambers Seite hatte er alleine gestanden.

 

Wie er es jahrelang zuvor für House getan hatte.

 

Und für beide hatte katastrophal geendet.

 

Im Wohnzimmer brannte kein Licht. Es war spät – und leise – genug, dass er Musik oder das Klavier gehört hätte. Es schien, dass sogar der ewig schlaflose House im Bett lag. Er wollte sich andere Möglichkeiten nicht ausmalen.

 

Aber er konnte nicht aussteigen. Noch nicht. Stattdessen versuchte er sich vorzustellen, was es für House bedeutete, dass sein Vater tot war. Er fragte sich, ob es etwas änderte.

 

Und ob er wollte oder nicht, er musste an eine Begegnung mit dem Colonel denken. Es war Jahre her. Noch vor Stacy, noch vor House’ Einstellung am PPTH. House’ Eltern hatten sich zu einem Besuch angesagt, während ein paar freier Tage rund um den 4. Juli. Zufällig fiel das mit einer Einladung von House an ihn zusammen. Oder auch nicht ganz so zufällig, wie er zu glauben begann, als statt House Blythe öffnete und ihn leicht erstaunt begrüßte. Aber er hatte nichts Besseres zu tun und anstatt in seinem kleinen, möblierten Zimmer über das Scheitern seiner Ehe nachzugrübeln, spielte er für ein paar Tage Buffer zwischen Greg und seinen Eltern.

 

Er konnte sich nicht mehr genau erinnern, wie es dazu gekommen war, dass er mit dem Colonel alleine vor dem Fernseher saß und sich ein Spiel ansah. Blythe hatte Greg in die Küche gelockt, wo sie gleichzeitig ein Feiertagsessen kochte und versuchte, ihrem Sohn mehr Einzelheiten über sein Leben aus der Nase zu ziehen – und ihn dabei von den Kochtöpfen fern zu halten.

 

Vielleicht hatten sie bereits beide einiges getrunken. Auf jeden Fall nahm John House einen Spielzug zum Anlass, um zu erzählen, wie er versucht hatte, seinen Sohn zu einem Sportler zu machen. Doch in seinen Augen hatte Greg sich einfach nicht genügend Mühe gegeben. Statt dem Footballteam – dem richtigen Männersport – beizutreten, zog Greg es vor, sich dem Lacrosseteam anzuschließen. Nach den Worten des Colonels ein Sport für... nun ja, er wollte das nicht einmal in Gedanken wiederholen.

 

Möglicherweise war der Alkohol, der – in Erwartung des Festdinners – auf nüchternen Magen genossen wurde, schuld daran, dass er begann, House zu verteidigen. Wilson wusste, dass der Colonel aus irgendeinem Grund keine besonders große Meinung von ihm hatte. Ob es damit zusammenhing, dass er Gregs Freund war oder jünger oder aus einer Familie kam, bei der Bildung stets über körperlicher Ertüchtigung gestanden hatte oder weil er keinen General oder so was unter seinen Vorfahren vorweisen konnte... Er wusste es nicht. Er hoffte nur, dass der Colonel nicht ahnte, wie weit ihre Beziehung wirklich ging und dass er, wenn Blythe und John in ihr Hotel zurückkehrten, nicht auf dem Sofa übernachtete...

 

Was auch immer es war, was an diesem Abend seine Zunge lockerte, er platzte jedenfalls mit einem: „Sie haben ihn nie… geliebt.” heraus.

 

An John House’ verächtlichen Blick erinnerte er sich auch noch Jahre später und würde er sich für den Rest seines Lebens daran erinnern. „Er hat nie etwas getan, um es zu verdienen.“

 

„Aber Kinder... Kinder müssen sich doch die Liebe ihrer Eltern nicht verdienen. Ich dachte immer... er würde... ich weiß nicht... übertreiben, wenn er sagte, Sie würden sich nicht verstehen. Ich denke, ich muss mich bei ihm entschuldigen.“ 

 

„Das versteht so jemand wie Sie wohl nicht“, entgegnete der Colonel kühl.

 

„Ja, das glaube ich auch. Ich liebe ihn nämlich.“ Die letzten Worte hatte er nur sehr leise gesagt und sie gingen im Jubel unter, der aus dem Fernseher kam.

 

Gleich darauf kam Blythe und fragte sie, ob sie noch etwas zu Trinken haben wollten und sein Ausrutscher geriet in Vergessenheit.

 

* * *

 

Wilson holte tief Luft, dann öffnete er die Autotür und stieg aus.

 

 

It’s a slow fade when you give yourself away / It’s a slow fade when black and white have turned to gray / Thoughts invade, choices are made, a price will be paid / When you give yourself away / People never crumble in a day /Daddies never crumble in a day / Families never crumble in a day / Oh be careful little eyes what you see (CASTING CROWNS)

 

Fortsetzung: 110. „Never meant to cause you no pain“

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Not quite breakfast at Tiffany’s

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: post 2.24 No reason

Pairung: House/Wilson

Rating: slash, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja

100. Ich verbrachte sieben Mahlzeiten im Krankenhaus, wie lange das auch sein mag.

 

You'll say, we've got nothing in common / No common ground to start from / And we're falling apart / You'll say, the world has come between us / Our lives have come between us / But I know you just don't care / And I said: What about Breakfast at Tiffany's? … (Deep Blue Something)

 

 

Wilson schob vorsichtig das Laken nach unten und hob eine Ecke des großen Pflasters an, das die OP-Narbe an House’ Bauch abdeckte. Bevor er einen guten Blick darauf werfen konnte, schlossen sich House Finger um seine, zogen sie weg.

 

„Du könntest mir zumindest erst ein Abendessen spendieren, bevor du mir an die Wäsche gehst“, murmelte House, seine Stimme rau vom Schlaf. „Wo bleiben deine Manieren, Jimmy?“

 

Wilson lächelte und erwiderte den Druck der Finger um seine. „Es ist drei Uhr morgens, House. Meine Manieren sind zusammen mit meinen Krawatten in einer Schublade meines Schreibtisches eingeschlossen. Wie wäre es mit Frühstück statt einem Abendessen?“

 

House blinzelte und zog seine Hand zurück. „Frühstück... ist okay.“ Er versuchte sich auf die Seite zu drehen und runzelte die Stirn, als er seine Muskeln so unkooperativ wie zerkochte Spaghetti fand. „Besorg’ mir etwas Ordentliches zum Anziehen.“ Er grinste matt, es war eher eine Grimasse. „Ich will nicht noch mehr Hände abwehren müssen. Das hält mich von meinem Schönheitsschlaf ab.“

 

„Gott weiß, du hast jede Minute davon nötig, die du bekommen kannst“, spottete Wilson sanft und zog die Handschuhe aus, um sie in den Müll zu werfen. „Ich habe gestern gehört, dass eine der Schwestern vorschlug, dich in ein Entlausungsbad zu stecken und hinterher die Stoppeln in deinem Gesicht mit einem Rasenmäher zu bearbeiten.“

 

Er kehrte ans Bett zurück und setzte sich wieder in den Stuhl, in dem er einen beträchtlichen Teil der vergangenen Woche verbracht hatte, während House nach dem Erwachen aus dem Koma unentschlossen zwischen Schlaf und Wachsein hin und her pendelte.

 

Cuddy half ihm, seine Termine so zu koordinieren, dass seine Patienten nicht darunter litten. Im Gegenzug dazu verpflichtete sie ihn dazu, ihr bei der Planung diverser Projekte und bei der Suche nach neuen Sponsoren für das Krankenhaus zu helfen. Ihr Assistent schleppte Berge an Papierkram in House’ Zimmer, obwohl Wilson nicht sicher war, ob er so ordentliche Arbeit leisten konnte, immer mit einem Auge und einem Ohr auf House achtend. 

 

„Warum schläfst du nicht weiter?“, schlug er vor. Seine linke Hand lag neben House’ Arm auf dem Bett, nahe, aber ohne ihn zu berühren. „Stört dich das Licht? Es dauert noch ein paar Stunden, bis die Cafeteria aufmacht.“

 

Doch die blauen Augen blieben auf ihn gerichtet. „Du hast mir Frühstück versprochen. Richtiges Essen. Nicht die Industrieabfälle aus der Cafeteria.“

 

„Ich werde sehen, was sich machen lässt.“ In Gedanken kalkulierte Wilson bereits die Zeit, die es benötigen würde, in das kleine Café auf dem Campus zu gehen und vor allem, um die verbotenen Früchte ungesehen in House’ Zimmer zu schmuggeln. Wie hatte er das vor knapp acht Jahren nur angestellt...

 

House zog an dem Oximeter an seinem Finger, bis er es ab hatte. Sofort schrillte der Alarm los und riss Wilson aus seinen Gedanken.

 

„Kannst du das nicht sein lassen“, tadelte er, als er den Alarm abschaltete und sich über ihn beugte, um das Gerät zwischen den Laken hervor zu fischen und es wieder auf House’ Zeigefinger zu schieben. „Ich habe achtjährige Patienten, die sich erwachsener verhalten, als du...“ Er hielt überrascht still, als House ihn am Kragen packte und zu sich herunter zog, um ihn zu küssen.

 

Die Haltung war unbequem; ganz zu schweigen davon, dass jederzeit jemand in den Raum kommen konnte, der den Alarm gehört hatte (gut, dass die Sichtblenden geschlossen waren) und House Bartstoppeln sich anfühlten als presse jemand eine Scheuerbürste gegen seine Haut. Eine übelriechende Scheuerbürste.

 

Es war perfekt.

 

Er hörte Schritte und wandte den Kopf zur Tür, wo eine der Nachtschwestern auftauchte. Er kannte sie vom Sehen, konnte sich aber im Moment nicht an ihren Namen erinnern. „Es ist okay“, versicherte er, bevor sie Gelegenheit hatte, etwas zu sagen. „Ich bin sein Arzt.“ Prima Antwort, sie wusste vermutlich wer er war. „Ich habe alles unter Kontrolle. Nur ein... kleiner Unfall.“ Die ganze Zeit über war er sich House’ Finger bewusst, die ihren Griff aufgegeben hatten, um in den offenen Kragen seines Hemdes zu kriechen. Er hielt das Puls-Oximeter demonstrativ hoch.

 

„Ich lebe noch“, warf House ‚hilfreich’ ein. „Aber nicht mehr lange. Er hat versucht, mich mit meinem Kissen zu ersticken.“

 

„Das ist...“ Wilson spürte, wie er rot anlief. Er hoffte, seine Körperhaltung verdeckte, wo genau sich House’ Hand befand. „Er ist ein...“

 

„Okay. Ich habe gelogen. Aber nur, weil ich Angst vor ihm habe.“

 

„House!“, zischte Wilson.

 

„Er hat versucht, mich zu befummeln“, fuhr House fort.

 

„House!!“

 

Die Schwester, an deren Namen sich Wilson nicht erinnern konnte, schüttelte den Kopf. „Ich wurde vor Ihnen gewarnt. Entschuldigung, es gibt Patienten, die meine Aufmerksamkeit wirklich brauchen“, meinte sie nur und verließ das Zimmer.

 

Wilson hatte das unangenehme Gefühl, sie war nicht nur vor House gewarnt worden. Kaum hatte sich die Tür hinter ihr geschlossen, rammte er das Oximeter auf House’ Zeigefinger und holte die wandernden Finger aus seinem Hemd. Solche Auftritte neigten dazu, ihm die Stimmung zu verderben.

 

Er setzte sich auf seinen Platz zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.

 

House rollte mit den Augen. „Ist das deine passiv-aggressive Methode, mir zu sagen, dass ich zu dick aufgetragen habe?“

 

Wilson schenkte sich eine Antwort darauf. „Du weißt, was mit dem Jungen passiert ist, der zu oft Wolf schrie, richtig?“

 

„Und du glaubst, sie taucht hier nicht wirklich wieder auf, sobald ich das Ding erneut von meinem Finger nehme?“

 

„Ich hoffe es.“ Wilson griff nach House’ Hand, bevor er diese Theorie in die Tat umsetzen konnte. „Lass’ das. Du erholst dich hier von deinen Verletzungen, schon vergessen? Erinnere dich vielleicht mal daran und benimm dich wie ein normaler Mensch?“

 

House sah ihn nur spöttisch an.

 

„Richtig“, seufzte Wilson. „Du bist du.“

 

„Als hättest du das nicht von Anfang an gewusst.“ House wandte plötzlich den Blick ab und studierte die Anzeigen der Geräte, an die er angeschlossen war. „Warst du etwa die ganze Zeit hier?“, wechselte er abrupt das Thema.

 

„Was stört dich daran?“ Wilson lehnte sich zurück und strich sich durch die Haare. „Ich dachte, du würdest Wert darauf legen, dass ich dich nicht der Gnade der Schwestern ausliefere. Du hast ihnen im Laufe der Jahre einfach zu viel angetan, als dass ich mir sicher sein konnte, dass sie dich bei günstiger Gelegenheit nicht kastrieren.“

 

„Ha. Ha. Ha“, machte House. „Du verteidigst also nur deine selbstsüchtigen Interessen an meiner Anatomie.“ Blaue Augen musterten ihn einen Moment, sahen dann rasch wieder weg. „Du könntest mal wieder eine Dusche vertragen“, fuhr House im gleichen ungnädigen Tonfall fort.

 

„Du auch.“

 

House schnitt eine Grimasse. „Ich bin angeschossen worden. Was ist deine Ausrede für einen Mangel an körperlicher Hygiene? Vor allem von jemand, der sonst gerade besessen davon ist...“

 

„Halt’ die Klappe, oder du isst das Frühstück, dass dir Cuddy servieren lässt. Dotterfreies Rührei ohne Speck, gewürzt mit einer Prise Haldol. Wie klingt das?“

 

„In ‚Frühstück bei Tiffany’s’ lief das aber anders.“

 

Wilson brauchte einen Moment, um die Verbindung herzustellen. „Du warst bewusstlos, House. Woher weißt du...“ Er hatte eines Nachts, unfähig selbst Ruhe zu finden, während House so ungewohnt, so viel zu still war, durch die Sender gezappt und war bei einer Wiederholung von ‚Frühstück bei Tiffanys’ hängengeblieben. Er hatte sich daran erinnert, dass es einer von Bonnies Lieblingsfilmen war, und einen Teil des Films angesehen, ohne Ton, bevor er in seinem Stuhl zusammengesackt endlich doch noch eingeschlafen war. „Vergiss’ es. Ich will es gar nicht wissen.“

 

House grinste. „So ein Unterbewusstsein ist eine gute Einrichtung. Jemand muss ein Auge auf dich haben. Ich konnte keinesfalls zulassen, dass ich aufwache und du hast aus lauter Verzweiflung schon wieder geheiratet.“

 

„Warum muss alles, was du sagst, wie eine Beleidigung klingen?“ Wilson stand auf und setzte sich auf die Bettkante. Näher zu seinem unerträglichen Bastard. Den er dieses Mal fast verloren hätte, wie die Verbände nur zu deutlich zeigten.

 

„Ich habe so ein Déjà vu-Gefühl, dass ich gleich sagen werde, dass du genau wusstest, auf was du dich einlässt. Jadda-jadda-jadda.“ House sah ihn wieder an, wieder nur für eine Sekunde. „Und keine Liebesschnulzen mehr in meiner Gegenwart – vor allem nicht, wenn sie dich an eine deiner Ex-Frauen erinnern.“

 

Wilson hingegen erinnerte sich in diesem Augenblick daran, dass House tatsächlich keine Gedanken lesen konnte, sondern einfach nur zu viel von ihm wusste... Seine Hand nutzte seine geistige Abwesenheit und stahl sich unter das Laken, der beruhigenden Wärme des darunter versteckten Körpers folgend, bis er unter seiner Handfläche das langsame Schlagen eines Herzens spürte. „House... ich bin froh, dass du nicht tot bist.“

 

House stöhnte gequält auf. „Seit zwei Sekunden wünschte ich, ich wäre es. Du wirst sentime...“

 

Wilson verschloss ihm den Mund mit einem Kuss.

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Never meant to cause you no pain

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: Promos Staffel 5

Pairung: House, Wilson

Rating: gen, PG, AU

Beta: T'Len
Archiv: ja
Anmerkung: inspiriert von den Promos für „Birthmark“ – Alternative Plotline zu S5

Fortsetzung zu: 90. „Daddys never crumble in a day“

 

110. „Also dann, Thomas“, sagte Woolf.

 

You said you didn't need me in your life / I guess you were right  / Well I never meant to cause you no pain / But it looks like I did it again (Phil Collins)



Vielleicht sollte es ihn nachdenklich stimmen, dass er noch immer den Schlüssel zu House’ Wohnung an seinem Schlüsselbund hatte. Doch irgendwann einmal, vielleicht nach einem Streit, oder vielleicht nach einem besser vergessenen Weihnachtsabend, hatte er beschlossen, ihn zu behalten, bis House den Schlüssel ausdrücklich zurück forderte. Dass er eigentlich nie wieder hierher kommen wollte, hatte daran offenbar nichts geändert.

 

Das Wohnzimmer war dunkel, still und leer, soweit er das im matten Licht der von draußen in den Raum fallenden Straßenbeleuchtung erkennen konnte. Aber die Tür zur Küche war nur angelehnt, und dort brannte Licht. Als wären seine Gedanken ein Signal gewesen, hörte er Wasser in das Spülbecken plätschern und sah durch den Türspalt einen Schatten, der sich hin- und herbewegte. Um diese Zeit war es so leise, dass er alles so deutlich hörte, als stände er in der Küche. Das Klirren von Metall gegen Glas oder Porzellan. Das Klicken der Kühlschranktür und das lauter werdende Brummen des Geräts.

 

Wilson konnte die ganze Nacht – oder den Rest davon – hier stehen und mit sich selbst debattieren, wie er es zuvor schon im Auto getan hatte. Er war nicht wie House. Er konnte nicht einfach an die Tür hämmern und verlangen, dass man ihn hineinließ. Eine Metapher offensichtlich, denn er stand bereits in der Wohnung. Sein Herzschlag beschleunigte sich, wie vor ein paar Tagen, als House bei ihm auftauchte, ihn mit medizinischen Details über seine Patientin überschüttete – und plötzlich, unvermittelt eine Frage stellte, die Wilson den Boden unter den Füßen wegzuziehen schien: Wie geht es dir?

 

Er hätte diese Frage nicht ehrlich beantworten können, selbst wenn sie von jemand gestellt worden wäre, dem eine Antwort wichtig war. Der keine Angst vor Emotionen hatte.

 

Wie oft hatte er House über die Jahre für seine vermeintliche, so offen zur Schau getragene, Emotionslosigkeit beneidet, wenn er selbst... Wilson machte überrascht einen Schritt nach hinten, als plötzlich die Küchentür aufging und ihn aus seinen Gedanken riss. Seit Boston standen sie sich zum ersten Mal wieder gegenüber.

 

House starrte ihn an; leicht geweitete, blaue Augen das einzig äußere Anzeichen einer Reaktion. Das und vielleicht noch die Hand, mit den weiß aus der Haut hervortretenden Knöcheln, die er gegen den Türrahmen stemmte, um das Gleichgewicht zu halten.

 

„Du solltest deine Mailbox von Zeit zu Zeit abhören oder das Handy einschalten.“ Es war nicht, was er sagen wollte. Sagen sollte. Nicht die richtigen Worte für diesen Moment.

 

Andererseits hatte er House jetzt auf den richtigen Weg gebracht. Er hatte seine Schuldigkeit getan und konnte gehen. Warum blieb er also wie angewurzelt stehen?

 

„Warum bist du hier?“, fragte House.

 

„Deine Mutter hat mich angerufen.“ War das wirklich erst diese Nacht gewesen? Vor nicht mal einer Stunde? Es fühlte sich an, als wäre er seit Tagen wach. Wilson rieb sich übers Gesicht. „Dein Vater ist...“

 

„Ich weiß. Aber warum bist du hier?“, fragte House erneut.

 

Wie sollte er diese Frage beantworten? Er wusste es doch selbst nicht. Je mehr er darum zu kämpfen schien, dieser Beziehung zu entkommen, desto tiefer wurde er hinein gezogen. „Du weißt es schon?“, erwidert er stattdessen.

 

„Ich habe meine Mailbox abgehört, bevor ich das Handy ausgeschaltet habe. Warum bist du hier?“, fragte House zum dritten Mal.

 

Wieder ignorierte Wilson es. „Warum zum Teufel rufst du dann deine Mutter nicht an? Sie hat jetzt genug zu tun, auch ohne sich noch zusätzlich Sorgen um dich zu machen, weil du dich nicht meldest.“

 

House drehte sich um und ging in die Küche zurück. Wilson folgte ihm – mehr aus Gewohnheit. Er schloss die Tür hinter sich und lehnt sich dagegen, als House einen Stuhl herauszog und Platz nahm.

 

Auf dem Tisch stand ein Teller mit einem Sandwich – Erdnussbutter und Gelee, er kannte House’ Geschmack – das wie für ein Kind in kleine Stücke geschnitten war. Ein paar heruntergefallene Krümel lagen neben einem benutzten Messer, ein leeres Wasserglas stand in der Spüle, ansonsten wirkte die Küche als hätte seit Jahren niemand hier gekocht. Oder zumindest nicht, seit er zum letzten Mal ausgezogen war. Die Mikrowelle war das einzige Küchengerät, das House gelegentlich benutzte.

 

„Ruf sie an“, sagte er – um sein Versprechen an Blythe zu erfüllen; um etwas zu sagen, um die Stille zu brechen, die ihnen beiden so fremd geworden war. Es hatte Schweigen zwischen ihnen gegeben, ja – aber nicht diese Stille.

 

„Morgen.“ House zuckte mit den Achseln. „Oder genauer gesagt, später.“ Seine Stimme klang noch immer neutral. Kein Spott. Kein Ärger. „Du kannst nach Hause gehen. Du hast deine Pflicht erfüllt.“

 

Das war gut. Er konnte gehen, ohne schlechtes Gewissen. House würde okay sein. Er würde seine Pillen schlucken, vielleicht noch ein oder zwei Drinks hinterher schütten und dann schlafen gehen. Oder vor dem Fernseher sitzen und sich auf der Suche nach Unterhaltung durch die Kanäle zappen, bis es draußen hell wurde. Dann würde er als erstes Cuddy aus dem Bett klingeln und ihr – noch bevor sie wach genug war, um zu fragen, wer am anderen Ende der Leitung war – vor den Kopf knallen, dass er Urlaub brauchte, um den Tod seines Vaters mit einem feierlichen Zug durch die Bars und Striplokale Princetons zu begehen. Hoffentlich würde er sich seiner Mutter gegenüber... nein, er würde sich ihr gegenüber besser benehmen. House liebte seine Mutter. Die wenigen Male, die er bereit gewesen war, über seine Vergangenheit und seine Beziehung zu seinem Vater zu sprechen – im allgemeinen nach einem Besuch von ihnen oder nach der Ankündigung ihres Besuchs, hatte er sie stets verteidigt, wenn Wilson ihn fragte, warum sie zugelassen hatte, dass sein Vater ihn so schlecht behandelte. Es gab auch in den Sechzigern und Siebzigern Hilfe für Familien in solchen Situationen.

 

Aber Wilson blieb, wo er war.

 

„Du kannst gehen“, wiederholte House stur.

 

Wilson studierte den ihm zugewandten Rücken, die steife Haltung der Schultern. „Ich... bleibe vielleicht noch ein wenig.“

 

„So geht das nicht.“ House’ Stimme nahm einen gepressten Klang an. „Du kannst mich nicht... wegstoßen und dann wieder hier auftauchen.“

 

Wilson spürte seine eigene Kehle eng werden. „Es ist... eine... besondere Situation. Du musst das nicht alleine durchstehen.“

 

House gab einen verächtlichen Laut zwischen Amüsement und Unglauben von sich. „Und dann? Hast du dir so eine Art Entzug gedacht? „Du-siehst-mich-nie-wieder-in-acht-einfachen-Schritten?“ Hast du so viel Zeit, bevor du deinen neuen Job antrittst? Dein neues Leben beginnst?“, sagte er bitter. „Ist es nicht besser, die alte Pflaster-Methode zu verwenden? Ein Ruck und ab ist es? Oder in diesem Fall, du gehst jetzt einfach wieder und kommst nie mehr zurück.“

 

„Das kann ich nicht. Ich kann nicht gehen.“ Wilson war sich bewusst, wie unsicher er klang. „Ich habe deiner Mutter versprochen, mich um dich zu kümmern... darum, dass du zu Beerdigung kommst. Nicht seinetwegen, aber für Blythe, für deine Mutter, sie braucht dich jetzt.“

 

„Eine fadenscheinige Ausrede. Bequem für dich. Aber du hast mir gesagt, dass ich ohne dich leben kann. Dass ich mich nur daran gewöhnen muss... es lernen muss. Wie soll ich das, wenn du beim ersten Hindernis ankommst, wie ein Vater, der die Stützräder vom Rad seines Sohns abmontiert hat, aber ihm sofort hinterher rennt, sobald er ein wenig schwankt?“

 

Er wusste nicht, was er darauf antworten sollte. Es waren seine Worte gewesen, in Boston, im Restaurant auf dem Dach des Hotels, nur durch eine Glaswand von der Dunkelheit und Leere getrennt. Aber er konnte sich nicht noch einmal von House abwenden und gehen. Nicht in dieser Situation. Er klammerte sich daran fest, dass es eine Ausnahme war. Ein Extremfall. Es war kein alltägliches Ereignis, dass man ein Elternteil verlor, egal ob man es gehasst hatte – oder besonders dann.

 

Wilson lauschte seinen eigenen Rechtfertigungen, die einen hohlen Klang hatten, aber sie waren alles, was er House bieten konnte. Zwanzig Jahre waren eine sehr lange Zeit, aber diese Zeit war vorbei. Er konnte nicht den Rest seines Lebens neben einem Mann verbringen, der so... selbstzerstörerisch war. Er konnte nicht den Rest seines Lebens damit verbringen, House zu unterstützen; nicht, wenn er damit nur alles schlimmer machte, weil alles was er tat, diese Neigungen fütterte – jedes Rezept für Vicodin, jeder Abend mit Bier und Takeout vor dem Fernseher, jedes Mal wenn er in Cuddys Büro stand oder vor den Angehörigen eines Patienten und zu erklären versuchte, dass Dr. House natürlich seine Worte nicht so gemeint hatte und zerzauste Federn zu glätten und gekränkte Egos zu flicken versuchte.

 

Er sollte einen Schlussstrich ziehen, wie er es in seinem Büro getan hatte, obwohl es der schwerste Schritt in seinem Leben gewesen war. Er schmeckte Asche in seinem Mund, als er sich sofort für diesen Gedanken schuldig fühlte. Es sollte nicht das sein. Doch die Maschinen abzuschalten und sie gehen zu lassen, war so viel leichter gewesen; zu wissen, dass ihr Schmerz damit ein Ende hatte... Was er in House’ Augen in diesem Moment gesehen hatte... er trug es genauso mit sich herum, wie die Erinnerung an ihre Hand, die von seinem Arm glitt, wie das Leben aus ihr glitt. „Ich kann nicht“, flüsterte er. „Wenn du willst, dass ich gehe, dann schick’ mich weg.“

 

„Geh’ nach...“, begann House und brach ab. „Ich will dich nicht hier, wenn du es nur als deine Pflicht ansiehst, dich um mich zu kümmern, als wäre ich ein Kind. Ich bin kein Kind, ich komme alleine zurecht.“

 

„Das musst du nicht.“ Die Worte waren über seine Lippen, bevor er sich kontrollieren konnte. „Du musst nicht alleine sein.“ Ich will nicht alleine sein... Es war erbärmlich, er war erbärmlich... und genau das war es, was House von ihm denken musste, nach allem, was zwischen ihnen gesagt und getan worden war. „Ich... ich habe deiner Mutter versprochen, mich um dich zu kümmern. Ich tue das für sie.“ House zeigte keine Reaktion, drehte sich nicht um. „Du hast nicht vor, zu ihr zu fahren. Aber sie braucht deine Hilfe. Ich werde mit dir fahren. Wir nehmen meinen Wagen und wir können so viele Pausen einlegen, wie dein Bein braucht. So weit ist es nicht. Ich rufe Cuddy an, und erkläre ihr, warum du Urlaub brauchst. Vielleicht würde sie dir nicht einmal glauben, wenn du es selbst tust. Ich...“

 

„Du hast gesagt, wir sind keine Freunde mehr.“

 

Wilson ignorierte es. „Also dann sehe ich dich später. Gegen elf? Wir können früh zu Mittag essen, bevor wir losfahren“, fuhr er fort. „Dann bist du bis abe...“

 

House schlug mit der flachen Hand auf den Tisch und in der Stille schien die Luft um ihn herum zu vibrieren. Im Gegensatz dazu wirkte seine Stimme sehr leise und sehr sanft, als er sagte: „Geh’. Bitte.“

 

Es war das „Bitte“, das bewirkte, was alle anderen Worte zuvor nicht geschafft hatten. Wilsons Schultern sackten wie besiegt nach unten. „Okay“, erwiderte er. „Wenn du das wirklich willst.“ Er wandte sich langsam ab, seine Beine widerwillig, selbst als sein Kopf ihnen befahl, sich in Bewegung zu setzen.

 

Aus den Augenwinkeln sah er, wie House sich auf seinem Stuhl herumdrehte, die Hand ausstreckte. Nur unter den extremsten Umständen würde House als erster eine Berührung initiieren. Es war immer so gewesen, seit er ihn kannte und er hatte sich vor langem damit arrangiert, den ersten Schritt zu machen - auch auf die Gefahr einer Zurückweisung hin. Nach dem Infarkt in seinem Bein war es nur noch schwieriger geworden. House war es immer schwer gefallen, jemand genug zu vertrauen, um sich von ihm berühren zu lassen. Nicht, wenn die Berührung keinem festen Zweck diente, wie einer Untersuchung oder Sex. Nicht, wenn sie dazu diente, Emotionen zu kommunizieren. Er war sich dieser Lücke, dieser Unfähigkeit, noch nie so sehr bewusst gewesen, wie jetzt in diesem Moment.

 

Die Hand, die unsicher in seine Richtung griff, drohte zu brechen, was von seinem Herz noch übrig war. Wilson drehte sich langsam um und streckte seine eigene Hand aus, bis seine Fingerspitzen die von House’ streiften. House’ Finger umschlossen seine und es war ein fester, schmerzvoller Griff, wie der eines Ertrinkenden. Wilson trat näher, obwohl House keinen Zug ausübte und als er den Küchentisch erreichte, setzte er sich neben House’ Stuhl auf den Boden, seinen Rücken gegen das Bein des anderen Mannes gelehnt. Es war keine sonderlich bequeme Haltung, aber im Moment kümmerte er sich nicht darum. Alles, was wichtig war, war der feste Griff um seine Hand.

Well I will go down with this ship. / And I won't put my hands up and surrender / There will be no white flag above my door. (Dido)

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Picture of me, picture of you

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: 5.04 Birthmark

Pairung: House, Wilson

Rating: pg

Beta: T'Len
Archiv: ja

120. Ich sah Woolf fragend an, aber er reichte mir einfach das nächste Foto.

 

pictures of you pictures of me  / hung up on your wall for the world to see / pictures of you pictures of me / remind us all of what we used to be (The last goodnight)

 

 

Es dauerte dreimal so lange, alles wieder einzuräumen, als es gedauert hatte, alles weg zu schaffen. Ein Effekt, an den er sich von seinen Scheidungen erinnerte. Doch langsam kehrte jedes Teil zurück an seinen angestammten Platz. Nun, zumindest fast jedes. Manches hatte er weggeworfen, als er ging. Einiges war neu hinzugekommen.

 

Die Tür flog hinter ihm auf, knallte gegen die Wand und er musste sich nicht umdrehen, um zu wissen, wer den Raum betreten hatte. Nur ein einziger Mensch auf der Welt zelebrierte seinen Auftritt auf diese Weise – und Gott, hatte er ihn vermisst! Der Gedanke rief eine seltsame Mischung aus Resignation und Amüsement hervor. Er hatte den Kreis vollendet und war wieder hier – in seinem alten Büro, in seinem alten Job – und vielleicht auch in seiner alten Beziehung.

 

Er wandte sich um, als House zögerte und ihm einen Blick zuwarf, ein Ausdruck in den blauen Augen, den er nicht anders denn als Unsicherheit deuten konnte. Aber das war House. Eher gab es eine Eiszeit in der Hölle, als dass Gregory House um Erlaubnis für etwas fragte, dass er als selbstverständlich annahm. Wie der ungehinderte Zutritt zu seinem Büro, egal zu welcher Zeit. Oder?

 

House wandte den Blick ab und setzte sich abrupt in Bewegung. Er warf ihm im Vorbeigehen einen Umschlag zu.

 

Wilson fing ihn, bevor er gegen seine Brust knallte und sah House fragend an, der es sich auf der Couch bequem machte. Das erste Möbelstück, das seinen Weg zurück in sein Büro gefunden hatte, als hätte Cuddy es geahnt. „Was soll ich damit?“, erkundigte er sich. „Ich arbeite noch nicht wieder offiziell, also wenn du eine Konsultation bei einem Patienten brauchst, dann...“

 

„Kein Patient.“ House unterbrach für einen Moment das Arrangieren von Sofakissen – eins unter seinen rechten Oberschenkel, zwei unter den Kopf und Nacken – um ihn flüchtig anzusehen. „Mach’ ihn auf.“

 

Wilson warf einen Blick auf den Absender. „Von deiner Mutter?“, meinte er erstaunt. „Warum machst du das nicht selbst?“

 

House schüttelte nur den Kopf und schloss die Augen.

 

Nach einem Moment schob Wilson den Finger unter die Kartonlasche und riss sie auf. „Vielleicht ist es... sind es... irgendwelche Erinnerungsstücke?“, sagte er. „Dein Vater...“

 

„Ich dachte, wir hätten uns darauf geeinigt, dass er das nicht ist“, unterbrach ihn House.

 

„Okay.“ Wilson hob beschwichtigend die Hand. Er drehte sich mit dem Umschlag zu seinem Schreibtisch um, machte ein wenig Platz in der Mitte und drehte ihn dann um. Fotos fielen auf die nun freie Fläche. „Es sind... Fotos, alte Fotos. Bilder von...“ Wilson lächelte unwillkürlich, als er eines entdeckte, dass Blythe mit einem Baby zeigte. „Ganz offensichtlich Bilder von dir als Säugling. Und als Kind.“

 

House gab ein Stöhnen von sich, das einem sterbenden Walross alle Ehre gemacht hätte.

 

Er hielt eines der Fotos hoch, dass einen jungen House mit militärisch kurzen Haaren zeigte. „Wie alt warst du da? Zehn? Zwölf? Du hattest ja mal einen ordentlichen Haarschnitt.“

 

„Es gab einen einzigen Friseur auf der Basis“, sagte House. „Und der konnte auch nur einen einzigen Haarschnitt.“

 

Etwas an seinem Ton sagte Wilson, dass House das ganze nicht amüsant sah. Er blätterte die Schnappschüsse weiter durch. Die Abstände wurden größer, sichtlicher. Eines der Bilder stammte von... der Abschlussfeier des College, wenn er House’ Alter richtig schätzte. Das letzte Foto dagegen bereitete keine Schwierigkeiten, datiert zu werden. Er spürte seine Kehle eng werden. Es zeigte ihn und House, Seite an Seite, von hinten, vor dem Sarg von John House stehen. Wer immer das Bild gemacht hatte, drückte in genau dem Moment ab, als er die Hand auf House’ Schulter legte und sich vorbeugte, um ihn zu fragen, was er da mache...

 

„Was ist?“, fragte House auf der Couch. Wie ein Tier die Veränderungen in der Luft spürte, wenn ein Gewitter aufzog, schien er die Veränderungen in der Atmosphäre des Raumes zu spüren. „Sie hat hoffentlich keines dieser Babynacktfotos eingepackt. Falls doch, verbrenn’ es sofort, bevor es meinem Team in die Hände fallen kann.“

 

„Nein. Keine Sorge. Du bist vollständig bekleidet. Es ist... ein neues Foto.“ Er wäre fast zusammengezuckt, als House plötzlich hinter ihm stand. Verdammt. Der Mann bewegte sich wie ein Ninja. Ein verkrüppelter Ninja, immerhin. Wenn er wollte. Er wandte den Kopf leicht zur Seite, um House’ Gesicht zu sehen, während der das Foto betrachtete. Doch House zeigte – nicht völlig unerwartet – keinerlei Reaktion. „Wer macht schon auf einer Beerdigung Fotos?“, meinte Wilson, seine Stimme rau.

 

House zuckte mit den Schultern. „Nun, ich wette, sie sind nicht trauriger als die Fotos in deinen drei Hochzeitsalben.“ Damit kehrte er zur Couch zurück und nahm wieder Platz, ohne sich jedoch wie zuvor auszustrecken. Stattdessen drehte er seinen Stock in den Händen.

 

Es waren die House-typischen Worte, aber nicht der richtige Ton. Wilson legte das Foto zu den anderen auf den Schreibtisch und setzte sich neben House. Nicht so dicht, dass der andere Mann sich bedrängt fühlte, aber nahe genug, um nicht auszusprechen, was House nicht hören wollte. Ich bin da. 

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Road out of nowhere

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: nach 5.07 The Itch

Pairung: House/Wilson

Rating: slash, pg-13

Beta: T'Len
Archiv: ja
Anmerkung: Eine Art von ’Missing Scene’, die ich gerne als Ende der Folge gesehen hätte.

 

 

130. Aus Jux und Dollerei lenkte ich die Kawasaki über das Victoria Embankment.

 

 

Hello, you fool, I love you. C'mon join the joyride / I hit the road out of nowhere, I had to jump in my car and be a rider in a love game / following the stars / don't need no book of wisdom / we're a part of this together, could never turn around and run / don't need no fortune teller to know where my lucky love belongs oh no / ‘cos it all begins again when it ends, yea, and we're all magic friends… (Roxette)

 

 

House brachte das Motorrad vor seiner Wohnung zum Halten und lenkte es an den Straßenrand, bevor er den Motor abschaltete. Er saß einen Moment auf der Repsol, die Hände noch auf dem Lenker, dann richtete er sich auf und stieg vorsichtig ab. Gegen die Maschine gelehnt, nahm er den Helm ab und löste seinen Stock aus der Halterung an der Seite der Repsol. Als er die Hand zurückzog, streifte er die Flanke der Maschine in einer fast liebkosenden Berührung; wie ein Reiter, der sich von seinem Pferd verabschiedete, bevor es in den Stall zurückkehrte.

 

Er stieg die beiden Stufen hoch; trat in den kurzen Flur, von dem Apartment 221B abzweigte und zog die Schlüssel aus der Tasche seiner Lederjacke. House öffnete die Tür, trat in die Wohnung, warf Schlüssel und Helm auf die Ablagefläche daneben. Auf dem Weg zur Couch zog er die Jacke aus und ließ sie auf die Rückenlehne fallen. Sie rutschte auf dem glatten Leder und landete auf dem Boden.

 

Die Tür zum Schlafzimmer war halb offen und er blieb im Durchgang stehen, lehnte sich mit der Schulter gegen den Türrahmen. Die Lampe auf dem Nachttisch war an und warf gleichermaßen Licht wie Schatten auf die in seinem Bett schlafende Person. Wilson lag quer über dem Bett, als hätte er nicht vorgehabt, hier zu bleiben, sondern wäre vom Schlaf überrascht worden.

 

Er hatte nicht erwartet, ihn hier zu finden. Nicht nachdem, was in Amb... was früher in Wilsons Wohnzimmer zwischen ihnen vorgefallen war, als er nach dem Alptraum bei ihm auftauchte.

 

House trat leise zum Bett und setzte sich auf die Bettkante. Er lehnte den Stock sorgfältig in Griffweite gegen den Nachttisch, bevor er sich vorbeugte, um die Schuhbänder zu lösen. Er spürte, wie sich die Matratze bewegte, als Wilson sich auf die Seite rollte – näher zu ihm hin, statt von ihm weg um Platz zu machen.

 

„Wie spät ist es?“, fragte eine schläfrige Stimme hinter ihm.

 

House richtete sich auf und kickte die Schuhe von den Füßen. „Sehr spät“, entgegnete er. „Schlaf’ weiter.“

 

„Mmmmhmm“, kam es von Wilson, untermalt vom Rascheln neu arrangierter Kissen und Laken.

 

House verbarg sein Lächeln hinter T-Shirt und Hemd, die er auf einmal über den Kopf zog, und auf den Boden warf, zu müde, um sich darum zu kümmern, wo sie landeten, oder ob die Falten in seiner Kleidung selbst wiederum Falten bekamen.

 

Bevor er seine Jeans öffnen könnte, um sie ebenfalls auszuziehen, schmiegte sich ein warmer Körper gegen seinen Rücken. Er atmete hörbar ein, als Wilson, der hinter ihm kniete, seinen Nacken küsste und ließ den Kopf gegen die Schulter des anderen Mannes zurückfallen. Für einen Moment schloss er die Augen, als Wilsons Hände um seine Taille glitten und es übernahmen, seine Jeans aufzuknöpfen und den Reißverschluss nach unten zu ziehen.

 

Dann öffnete er die Augen und stoppte Wilsons Hände, indem er eine von seinen darüber legte. Mit der anderen Hand stützte er sich ab, um sich halb zur Seite zu drehen, so dass er Wilson ansehen konnte. „Keine Frage danach, woher ich jetzt komme?“

 

Wilson musterte ihn einen Moment, dann senkte er den Blick. „Willst du, dass ich frage?“

 

„Nein.“ House schnitt eine Grimasse. „Aber das hat dich noch nie davon abgehalten, es trotzdem zu tun.“

 

Es war für ein paar Sekunden sehr still, dann zog Wilson seine Hände weg, blieb aber gegen House Rücken gelehnt. Er stützte die Handflächen links und rechts vom Körper des anderen Mannes auf. „Wie geht es ihr?“

 

House starrte auf das Pflaster auf seinem Handrücken. Dann zuckte er mit den Schultern. „Sie sah... okay aus.“

 

„Sah? Du hast nicht mit ihr gesprochen?“

 

Der ältere Mann gab einen Laut irgendwo zwischen Lachen und Verachtung von sich. „Ich habe sie wie ein liebeskranker Teenager durchs Fenster beobachtet.“

 

„Warum bist du nicht geblieben? Sie hätte dir geöffnet, das weißt du.“ Wilson leckte sich nervös die Lippen. Er wusste, auf welch’ dünnem Eis er sich bewegte – vor allem, weil er es gewesen war, der in House’ Bett eingeschlafen war, während er darauf wartete, wie und ob sich House entscheiden würde... Und dann war er aufgewacht, House neben sich auf dem Bett und es war wie früher gewesen, bevor ihr Leben diese Spirale nach unten begann. Und noch bevor er völlig wach gewesen war, hatte er gehandelt, ohne nach zu denken... bis House ihn stoppte und er abrupt hellwach war.

 

Es war zu viel geschehen in den vergangenen Monaten – zu viele Wunden waren geöffnet worden, zu vieles gesagt, zu wenig ausgesprochen. Er hatte versucht, weg zu gehen, sein altes Leben hinter sich zu lassen - nur um wieder zurück zu kommen, weil ihm fern zu sein noch unerträglicher war.

 

„Es war nicht, wo ich sein wollte.“

 

Einen Moment lang war Wilson unsicher, ob er richtig gehört hatte. Dann beugte er sich vor und presste die Stirn gegen die Vertiefung zwischen House’ Schulterblättern. „Es tut mir leid, dass ich dich weggeschickt habe“, sagte er leise. „Aber ich musste... du solltest es zumindest versuchen. Du und Cuddy, es könnte funktionieren, weißt du.“ Anders als bei ihm und Amber. Er hatte den Fehler gegangen, sich in eine Frau zu verlieben, die House zu ähnlich war, als dass ihre Beziehung hätte nicht scheitern können. Doch er war sich alles andere als sicher, dass es ihm einfacher fallen würde, eine Beziehung zwischen House und Cuddy zu akzeptieren, als es House gelungen war, die Beziehung zwischen Amber und ihm zu akzeptieren. Nun, zumindest würde es dieses Mal keinen „Sorgerechtsstreit“ geben...

 

House drehte sich zu ihm um, packte ihn am Kinn und zwang ihn, den Kopf zu heben. „Es ist nicht, wo ich sein will, du Idiot.“

 

„O...okay“, mehr brachte Wilson nicht über die Lippen, konfrontiert mit einer Intensität in den blauen Augen. House ließ ihn los und er rückte von ihm weg, gab House Raum, um seine Jeans los zu werden und sich neben ihm auf dem Bett auszustrecken. Er drehte sich auf den Rücken, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und starrte an die Decke. „Willst du, dass ich gehe?“ Willst du, dass ich bleibe?

 

House löschte wortlos das Licht.

 

Und in der Dunkelheit schlossen sich lange Finger besitzergreifend um seinen Arm, und er gab dem Zug nach, rollte näher an den anderen Mann. Wilson spürte einen Druck in der Brust, der ihm das Atmen schwer machte, als House den Arm quer über seine Mitte legte, wie um sicher zu stellen, dass er nicht plötzlich verschwand.

 

Er fragte sich, wohin sie von nun an gehen würden...

 

 

My Papa told me to stay out of trouble / "When you've found your man, make sure he's for real!" / I've learned that nothing really lasts forever / I sleep with the scars I wear / that won't heal / 'cause every time I seem to fall in love crash boom bang / I find the heart but then I hit the wall / crash boom bang / that's the call that's the game and the pain stays the same. / My Mama told me not to mess with sorrow / but I always did, and Lord, I still do / I'm still breaking the rules (I kick it up I kick it down)./ ‘'cause every time I seem to fall in love / crash boom bang /find the heart but then I hit the wall / crash boom bang (Roxette)

 

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: A woman scorned

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: Staffel 2, als Wilson bei House wohnt

Pairung: House, Julie

Rating: gen, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja

Anmerkung: Eine Art Fortsetzung zu „Lügen, Sex und Videos“

140. „Sie waren mit Woolf weg“, sagte der Gestriegelte, „und mit seiner Pfeife von Tochter.“

 

 

"Heaven has no rage like love to hatred turned / Nor hell a fury like a woman scorned." William Congreve „The Mourning Bride“ (1697)

 

 

„Wenn ich aufstehen musste, weil du deinen Schlüssel vergessen hast, dann wirst du...“ House brach ab, als er sah, dass es nicht James Wilson war, der in der Tür stand, sondern Julie (baldig Ex-) Wilson. Er blockierte den Eingang mit seinem Stock, obwohl sie keinerlei Anstalten machte, näher als auf einen Meter an ihn heran zu kommen. „Julie. Du hättest dich nicht so schick machen müssen, um mich zu besuchen.“ Er betrachtete sie ausgiebig von Kopf bis Fuß, ließ seinen Blick besonders lange in ihrem Ausschnitt ruhen. „Wie ich sehe, hast du die Zeit und Jimmys Kreditkarten genutzt, bevor das Gericht entscheidet, wie viel Blutgeld du legal aus ihm herausholen kannst, um mit einer Brustvergrößerung in die Zukunft zu investieren.“

 

„House. Charmant wie immer.“ Julies Lippen kräuselten sich verächtlich. „Ich habe mich nicht operieren lassen. Du musst dir also keine Sorgen darüber machen, dass dir James Kreditkarten nicht mehr voll zur Verfügung stehen. Ich habe keine Zeit für Albernheiten. Alan und ich gehen essen. Er stellt mich seiner Tochter vor.“

 

„Beeindruckend. Er hat eine Tochter. Klingt ja nach einer wirklich ernsten Sache“, entgegnete House spöttisch. „Hast du dir schon überlegt, wie du die Blage nach der Hochzeit los wirst?“

 

„Ich will mit ihm sprechen.“ Julie machte sich nicht die Mühe, auf House’ beleidigende Worte einzugehen.

 

„Er ist nicht hier.“ House lehnte sich gegen den Türrahmen. Plötzlich stellte sich die nicht-enden-wollende Budgetsitzung, die Wilson im Krankenhaus festgehalten hatte, als glücklichen Zufall heraus.

 

„Aber ich zweifle nicht daran, dass er hier untergekrochen ist.“ Julie nahm eine Visitenkarte heraus und hielt sie House hin. „Meine neue Handynummer. Er soll mich morgen anrufen. Es gibt da noch etwas zu klären. James hat es ja leider nicht für nötig gehalten, mit seinem Auszug zu warten, bis wir die Einzelheiten besprochen hatten.“

 

Als House keine Anstalten machte, die Karte zu nehmen, drückte sie sie ihm einfach in die Hand. Julie wandte sich ab und trat zur Haustür, dann zögerte sie. „Ich hoffe, du bist glücklich darüber, ihn jetzt ganz für dich alleine zu haben. Er wird nicht lange bleiben.“ Sie sah über die Schulter zurück. „Die Leute betrachten dich als eine Art Genie, aber... ich denke, das trifft im Moment nicht zu. Sich in James zu verlieben, heißt danach zu fragen, verletzt zu werden. Sag’ ihm, ich habe seine Videokollektion entsorgt. Er wird sie wohl jetzt nicht mehr vermissen.“ Sie ging, ohne auf eine Antwort zu warten.

 

House sah ihr nach. Er hatte keine Ahnung, von was sie sprach. Draußen fuhr ein Wagen weg und er blickte auf die Visitenkarte in seiner Hand, knüllte sie zusammen und warf sie durch die halb offenstehende Tür nach draußen auf den Gehsteig.

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Lessons on how to be a man 2

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: - -

Pairung: Greg House, John House

Rating: gen, PG, vor-serie

Beta: T'Len
Archiv: ja
Anmerkung: Fortsetzung zu 60. „Lessons on how to be a man“

 

150. Schlitten, Lauf und ein Gutteil der Innenkomponenten sind aus Metall, und sollte auch das noch nicht reichen, lassen sich siebzehn Parabellumpatronen nur schlecht als Nachfüllpackungen für Lippenstifte ausgeben.

 

 

“Nothing is more memorable to a hunter than their first hunting trip, often squirrel hunting. Squirrel hunting gives a youngster some hands-on hunting experience.” (Quelle: Google)

 

 

„Gregory! Ich erwarte, dass du mir zuhörst, wenn ich dir etwas erkläre“, sagte sein Vater scharf. „Ist das klar?“

 

Schuldbewusst wandte sich Greg ihm wieder zu. „Klar, Sir“, murmelte er. Sein Blick war an einem Spinnennetz voll Tautropfen hängengeblieben, die im Licht der Morgensonne wie goldene Perlen aussahen.

 

„Nimm’ die Hände aus den Taschen wenn ich mit dir rede, junger Mann und stell’ dich gefälligst ordentlich hin.“

 

Greg beeilte sich, den Worten seines Vaters nach zu kommen. Er biss sich auf die Unterlippe. Es war kalt und er war müde und hungrig. Sie waren schon vor dem Frühstück aufgebrochen und seine Mutter hatte versprochen, Rührei mit Speck zu machen. Und Pancakes, zu denen er von dem frisch eingekochten Pfirsichkompott probieren durfte. Allein der Gedanke daran ließ seinen Magen knurren.

 

„Nur ein Idiot nimmt eine Waffe in die Hand, wenn er nicht damit umgehen kann und nicht weiß, was er da eigentlich in der Hand hält. Und du bist doch kein Idiot, Gregory, oder?“

 

Er schüttelte den Kopf. „Nein, Sir.“

 

„Gut. Und jetzt sag’ mir noch einmal, wie man diesen Teil des Revolvers nennt.“ Sein Vater deutete mit dem Finger darauf.

 

„Schlitten, Sir.“ Greg kaute erneut auf seiner Unterlippe herum. Er konnte alle Teile auswendig benennen, hatte sie sich gemerkt, als ihm sein Vater nach dem Abendessen am Vortag ein Schaubild gegeben hatte. Er verstand nur nicht, warum er es ihn wieder und wieder aufsagen ließ, wenn er es doch schon längst wusste.

 

„Und das hier?“

 

„Das ist der Lauf.“

 

„Das ist was?“, fragte John House.

 

„Das ist der Lauf, Sir“, korrigierte sich Greg sofort.

 

„Es ist wichtig, mit anderen Menschen respektvoll zu sprechen, Gregory“, erinnerte ihn sein Vater. „Das kannst du nicht früh genug lernen.“

 

„Ja, Sir“, murmelte Greg. Und dann weiteten sich seine Augen, als sein Vater ihm die Waffe in die kalten, klammen Hände legte.

 

„Denk’ daran, was ich dir gesagt habe – richte den Lauf immer auf den Boden, vor allem bis du größer und kräftiger bist“, ermahnte ihn John. „Und erst wenn du zielst, hebst du die Waffe an.“

 

„Ja, Sir.“ Greg war sich nicht sicher, ob es ein gutes Gefühl war oder nicht, den Revolver in der Hand zu halten. Er fühlte sich groß und fremd und viel zu schwer an.

 

„Und jetzt ziele auf diesen abgestorbenen Baum dort“, wies ihn sein Vater an.

 

Greg versuchte es, doch in seinen Fingern zitterte die Waffe und schließlich stellte sich sein Vater hinter ihn und schloss seine großen Hände um Gregs, um ihm zu helfen, das Ziel zu finden. Dann trat er zurück.

 

„Los. Entsichern, beide Hände um den Griff, zielen, einatmen und mit dem Ausatmen den Abzug durchziehen. Wie ich es dir gezeigt habe.“

 

Und er tat es. Und die Welt um ihn herum explodierte in einem gewaltigen Knall, er taumelte zurück, stolperte und landete auf dem Boden. Der Revolver entglitt seinen Händen. Ein scharfer, beißender Geruch hing in der Luft. Überzeugt, dass er taub war, sah Greg verwirrt zu seinem Vater hoch, der beide Hände in die Hüften gestemmt hatte und lachte.

 

Er hatte Schüsse gehört, das war nicht ungewöhnlich, wenn man den größten Teil seines Lebens auf Marinebasen verbracht hatte. Aber noch nie so nahe. Noch nie hatte er... einen Schuss... gespürt. Als wäre die Waffe in seinen Händen plötzlich lebendig geworden und hätte sich aufgebäumt und... seine Wangen brannten mit Scham. Er hatte es falsch gemacht. Er hatte versagt.

 

Schließlich wischte sich sein Vater übers Gesicht und hob die Waffe auf. Er sicherte sie und steckte sie zurück in das Holster an seinem Gürtel. Dann nahm er seinen Sohn an der Schulter und stellte ihn auf die Beine. „Du kannst froh sein, dass der Revolver keinen Rückstoß wie eine Schrotflinte hat. Ich habe mir fast die Schulter ausgekugelt, als mein Vater mir das Schießen beibrachte.“ Er ließ seine Hand auf Gregs Oberarm. „Du weißt jetzt, wie es sich anfühlt und anhört, das nächste Mal wirst du die Waffe nicht fallen lassen, verstanden?“

 

„Ja, Sir“, murmelte Greg und sah verlegen auf den Boden. Er war verwirrt. Er hatte erwartet, dass sein Vater wütend wurde – nicht, dass er lachte.

 

„Ich denke, das reicht für heute“, fuhr John fort. „Gehen wir nach Hause. Deine Mutter hat sicher das Frühstück für uns fertig.“

 

Greg folgte ihm, den Blick auf seine Hände gerichtet, so dass er fast über eine Baumwurzel stolperte. Er konnte sich noch immer nicht erklären, wie er es geschafft hatte, dass ein Ding aus Metall für einen Augenblick in ihnen lebendig geworden war.

 

* * *

 

Drei Wochen und drei Wochenenden mit Schießübungen später, stand Greg da und starrte auf den Boden.

 

Greg hörte das rare Lob seines Vaters nicht, er sah nur rötliches Fell und schwarze Knopfaugen und eine Masse blutigen Fleisches, dort wo der Bauch des Tieres gewesen war. Er starrte das tote Eichhörnchen geschockt an und alles, an was er dachte, war ein alter, englischer Kinderreim „Little Robin Redbreast“ den er von seiner Großmutter gelernt hatte, als er noch ganz klein war. In seinem Kopf wurde das Bild des frechen Rotkehlchens von dem Eichhörnchen mit einem roten Fleck anderer Art auf der Brust ersetzt.

 

Es hatte keine Furcht gezeigt, war ruhig sitzen geblieben. Auf einem niedrigen Ast, keine zwei Meter von dort entfernt, wo sie standen. Er wollte nicht auf das Tier schießen. Ziele aus Holz und Farbe waren okay. Aber das Eichhörnchen saß da und sah ihn an und es hatte ihm doch nichts getan. Sein Vater war hinter ihn getreten und wie bei seinem ersten Schuss, hatte er die Hände über seine gelegt und ihm geholfen, zu zielen – und zu schießen. Greg kniff die Augen zu. Doch als er sie öffnete und der Knall in der Ferne verebbte, lag das Eichhörnchen vor ihren Füßen.

 

Er wandte sich ab und übergab sich. Sein Vater fluchte und nannte ihn einen Versager. Er zwang ihn, sich das Tier genau anzusehen, hielt ihn am Kragen seiner Jacke fest, ungeachtet dessen, dass Greg schluckte und gegen erneuten Brechreiz und Tränen ankämpfte, bis John ihn schließlich losließ und kopfschüttelnd ansah.

 

Greg hörte die Enttäuschung im Schweigen seines Vaters auf dem Weg nach Hause.

 

 

…Little Robin Redbreast sat upon a rail;

niddle, naddle, went his head,

wiggle, waggle, went his tail.

 

Little Robin Red breast sat upon a tree,

up went pussy cat and down went he.

Down came pussy, and away Robin ran;

says little Robin Redbreast, "Catch me if you can".

 

Little Robin Redbreast jumped upon a wall,

Pussy cat jumped after him and almost got a fall;

little Robin chirped and sang, and what did pussy say?

Pussy-Cat said: "Mew, mew, mew," and away Robin flew.

 

Little Robin Redbreast jumped upon a spade,

Pussy-Cat jumped after him, and then he was afraid.

Little Robin chirped and sang, and what did Pussy say? …

 

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Something fishy

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: vor-Serie

Pairung: House, Wilson

Rating: gen, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja

160. Er blätterte um und bellte: „Ja“.

 

 

there is something fishy about something    =     an einer Sache ist etwas faul,

                                                                       es wurde mit Hintergedanken gehandelt

 

Fish are aquatic vertebrate animals that are typically ectothermic (previously cold-blooded), covered with scales, and equipped with two sets of paired fins… (en.wikipedia.org/wiki/Fish)

 

 

 

Die Stimme von drinnen bellte: „Ja!“.

 

Angesichts dieser ‚freundlichen’ Reaktion auf sein Klopfen hob Wilson beide Hände, als er eintrat. „Ich komme in Frieden“, meinte er trocken. „Und ich habe Lunch mitgebracht.“

 

House lehnte sich in seinem Stuhl zurück und wischte die Unterlagen, in die er eben noch vertieft gewesen war, vom Tisch. „Die erste gute Nachricht heute“, entgegnete er mit einem Seufzen und rieb sich übers Gesicht.

 

Wilson stellte die Papiertüte auf die nun freie Schreibtischfläche und ließ sich in den Besucherstuhl davor fallen. Er sah sich um, während House ein Sandwich aus der Tüte fischte und aus der Verpackung wickelte. „Mir gefällt dein Büro. Es ist riesig. Und wie hast du Cuddy dazu überredet, dir einen Fernseher zu genehmigen?“

 

„Ich habe sie nicht gefragt“, erwiderte House um einen Mundvoll Reuben herum. „Nur weil sie mich zwingt, wieder zu arbeiten, kann ich meine Soaps nicht verpassen. Und du hast die Pommes vergessen.“

 

Wilson musterte die herumstehenden Kartons; die Bücher, die bereits in das Regal neben dem gelben Sessel eingeräumt waren; ein steinerner Mörser; House’ Lacrosse-Ball. „Du hast es dir offenbar schon heimisch gemacht. Ist das ein Schallplattenspieler? Wer benutzt denn heutzutage noch so ein Ding.“

 

House grollte und packte das nächste Sandwich aus. „Du hast die Pommes vergessen.“

 

„Du isst nie Pommes zu einem Reuben.“ Wilson wandte seine Aufmerksamkeit wieder House zu. „Du isst nur Pommes, wenn ich mir welche kaufe.“

 

„So schmecken sie am besten.“ House grinste und fischte in der Tüte nach einer Serviette, um sich die Finger abzuwischen.

 

„Da ist auch was zu Trinken drin. Und Nachtisch.“

 

House hob den Kopf und sah ihn an, die blauen Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. „Was will sie jetzt wieder von mir?“, fragte er misstrauisch.

 

„Wer?“

 

„Cuddy.“ House lehnte sich zurück, das Essen vorübergehend vergessen. Er zog sein Vicodin aus der Tasche und begann die Pillendose in der Hand zu drehen. „Denkst du, ich habe nicht bemerkt, dass sie dich vorschickt, wenn...“

 

„Es ist einfach ein Mittagessen, Greg“, unterbrach ihn Wilson. „Okay? Ich wollte mich nur für eine Weile in deinem Büro verstecken. Du hast keine Ahnung, wie gut du es hast, deine eigene Abteilung zu leiten. Brown und Stone veranstalten einen Zickenkrieg um Greenbergs Nachfolge, wenn der Ende des Jahres geht und jeder der beiden versucht, mich auf seine Seite zu ziehen. Es hilft nicht mal, wenn ich deinen Namen ins Spiel bringe.“

 

House schnitt eine Grimasse und steckte seine Pillen zurück in die Tasche. „Offenbar hat mein Ruf gelitten.“ Er entdeckte eine Coladose in der Lunchtüte und öffnete sie. „Warum bewirbst du dich nicht um Greenbergs Nachfolge?“

 

„Machst du Witze?“, erwiderte Wilson. „Abgesehen davon, dass ich der jüngste Arzt in der Onkologie bin, habe ich erst vor vier Jahren hier angefangen. Brown ist seit zehn Jahren hier, Stone seit zwölf. Es gibt so was wie eine Hackordnung in diesem Krankenhaus. Zumindest für all diejenigen, für die keine eigene Abteilung geschaffen wurde.“

 

„Oh-ho. Mich deucht er pro-test-ie-ret zu sehr“, erwiderte House. „Das Board frisst dir doch aus der Hand. Cuddy hat einen extra-Staublappen in der Schublade, um deinen Wonderboy-Heiligenschein aufzupolieren. Mit ihrer Unterstützung...“

 

„Nein.“ Wilson schüttelte den Kopf. „So einfach ist das nicht.“ Und dann griff er auf eine der Taktiken seines Freundes zurück – er wechselte das Thema. „Hey, ich war am Samstag mit meinem Dad angeln. Und... ich mache hier jetzt bewusst eine Pause für welchen sarkastischen Kommentar oder Witz du auch immer auf Lager hast...“ Wilson zog eine kleine Fischstatue aus der Tasche seines Kittels und schob sie über den Tisch zu House.

 

„Bist du auf der Suche nach einem Mülleimer für das Ding?“

 

„Ich dachte, du könntest ein bisschen Deko für dein neues Büro brauchen.“

 

House sah ihn an. Dann den Fisch. Dann wieder seinen Freund. „Deko?“ Er begann zu lachen. „Kennst du mich überhaupt nicht?“

 

Wilson zuckte mit den Schultern und lehnte sich zufrieden zurück. Mission erfüllt. Für einen Moment milderten sich die Schmerzlinien in House’ Gesicht, die Anspannung verließ seine hagere Gestalt. Das war all die Witze und Stichelein, die er in den nächsten Wochen zweifellos erdulden würde, wert. Oder bis House beschloss, den Fisch auf seine Fall- und Flugeigenschaften zu testen und ihn von der Balustrade in die Lobby fallen ließ, nur um zu sehen, wie Brenda am Empfang der Klinik reagierte.

 

House widmete sich wieder seinem Essen, doch wann immer sein Blick auf den Fisch fiel, grinste er. Dann stockte er plötzlich und hielt inne, um sich die Finger abzulecken. „Hattest du dieses Wochenende nicht ein Date mit... mit...“ Er schnipste mit den Fingern und machte eine Show aus seinem Versuch, sich zu erinnern. „Jabberwocky. Nein. Julio. Auch nicht. Warte, warte, ich habs gleich. Jay?“

 

Wilson verdrehte die Augen. „Julie. Ihr Name ist Julie. Wir haben das Date auf nächstes Wochenende verschoben.“

 

House drehte die Tüte um und schüttelte sie, bis zwei Twinkies auf dem Tisch landeten. Dann knüllte er die Tüte zusammen und warf sie ohne hinzusehen in Richtung Papierkorb – den er knapp verfehlte. „Twinkies? Echt, Jimmy, bin ich zwölf?“, beschwerte er sich, war aber bereits dabei, den kleinen Kuchen aus seiner Verpackung zu schälen.

 

„Wegen Julie...“, begann Wilson.

 

„Du hast ihr doch hoffentlich nicht schon einen Heiratsantrag gemacht?“, unterbrach ihn House.

 

„Wir kennen uns erst seit zwei Monaten.“

 

„Hat dich das schon einmal am Heiraten gehindert?“ House wischte sich Krümel aus den Stoppeln an seinem Kinn.

 

„Gut, mach’ dich weiter lustig über mich.“ Wilson verschränkte die Arme vor der Brust. „Dann erwähne ich jetzt eben nicht, dass sie dich unbedingt kennen lernen will.“

 

House schnaubte. „Du hast ihr kein Wort von mir erzählt, oder?“

 

„Keine Details.“ Wilson wartete auf mehr... Spott, Witze, Sarkasmus. Aber House schob nur ein paar Krümel auf der Tischplatte hin und her. „Kommst du mit?“

 

„Nein.“

 

„Greg, es ist jetzt eineinhalb Jahre her, seit St...“

 

„Komm’ mir jetzt nicht mit der ‚Greg’-Tour“, unterbrach ihn House. „Und es hat nicht mit... oder damit...“ Er wies auf den Stock, der an der Tischkante hing. „...zu tun. Ich habe einfach keine Lust, mich mit deiner zukünftigen Exfrau zu unterhalten. Ich kenne deinen Frauengeschmack. Sie ist mausgrau, langweilig und hat keine Titten.“

 

„Okay. Vergiss es.“ Wilson lehnte sich in seinen Stuhl zurück und versuchte nicht enttäuscht zu sein. House war nicht sein Vater und er war kein Teenager, der unbedingt den Segen für seine neue Beziehung brauchte.

 

House sah ihn an, sah wieder weg – und schob dann das zweite Twinkie über den Tisch. Ein wortloses Friedensangebot.

 

Wilson akzeptierte den Waffenstillstand genauso wortlos. „Ich habe einen Termin mit einer Patientin in zehn Minuten. Sehen wir uns heute Abend?“

 

„Wenn ich jemals mit diesem Papierkram fertig werde und Cuddy mich aus dem Goldfischglas lässt.“

 

„Ich bringe etwas zu Essen mit.“ Wilson ging zur Tür, machte dort noch mal kehrt und kam zurück an den Tisch, um sich das Twinkie zu schnappen. House teilte nie etwas Essbares. So eine Gelegenheit konnte er sich nicht entgehen lassen.

 

 

We are two souls swimming in a fish bowl, year after year… Running over the same old ground, what have we found? The same old fears… (Pink Floyd)

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Origami

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: --

Pairung: House, Wilson

Rating: gen, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja

170. Ich wollte mich entschuldigen, weil ich ihn vom Hantelstemmen abhielt.

 

 

Origami ist die japanische Bezeichnung für die Kunst des Papierfaltens.

ori = falten, kami = Papier, das sich zu gami wandelt, wenn man es mit ori kombiniert. (www.origami.ch)

 

„Okay, ich wollte mich beinahe entschuldigen, weil ich dachte, du wärst mit etwas Wichtigem beschäftigt.“ Wilson nahm auf dem Stuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches Platz. „Da lag Papier vor dir und ich weiß nicht, ich dachte, du hättest etwas zu tun mit... Klinikdienst? Patienten? Papierkram? Obwohl... mit Papier hat Origami ja wohl irgendwas zu tun, aber ob du damit bei Cuddy durchkommst...“ Er deutete auf die kleine Kollektion an Papiertieren, die sich auf House’ Schreibtisch tummelten. Kein Kranich, aber dafür etwas, das eine Kröte oder einen Frosch darstellte. Und etwas anderes, das eventuell eine Katze war. Vielleicht auch ein Tiger, denn eine Katze war House sicherlich zu zahm... Er hob eins der Papiergebilde mit spitzen Fingern hoch. „Ist das tatsächlich eine Krawatte?“, fragte er.

 

House sah auf und grinste. „Es ist keine Krawatte. Aber die generelle Richtung stimmt. Du musst nur ein wenig... tiefer... denken.“

 

Wilson ließ das gefaltete Papier fallen. „Richtig.“

 

House zuckte mit den Schultern und knüllte zusammen, an was er auch immer sich gerade versuchte, um das Papierknäuel dann vage in Richtung Papierkorb zu werfen. Es war nicht das erste... „Ich habe ‚Origami für Erwachsene’ nicht erfunden.“ Er drehte den Bildschirm seines Computers so herum, dass Wilson darauf sehen konnte. Etwas, das wohl eine Faltanleitung sein mochte, zeigte sich. „Lange lebe Google!“

 

Wilson schüttelte den Kopf. „Nostalgische Anwandlungen? Ich nehme an, du hast das während deines Aufenthalts in Japan gelernt.“

 

„Du liegst ein paar tausend Meilen daneben.“ House lehnte sich in seinen Stuhl zurück. „Versuch es mit der Miramar Airbase in San Diego. Da war ein Mädchen in meiner Klasse... sie war verrückt nach allem, was mit Japan und beneidete mich, dass ich dort gewesen war. Eines Tages kam sie mit einem Buch über Origami vorbei und fragte mich, ob ich ihr zeigen könne, wie das geht. Als würden sie das dort in der Schule unterrichten.“ House zuckte mit den Schultern. „Hey, was soll ich sagen, ich war 15 und ich durfte sie küssen. Also habe ich mich unter einem Vorwand für den nächsten Tag mit ihr verabredet, das Buch behalten und die ganze Nacht geübt, bis ich kein Blatt Papier mehr finden konnte. Sie war zwei Monate später weg, ihr Vater wurde versetzt, aber Origami ist eine gute Übung für die Finger, hält sie geschmeidig fürs Gitarrespielen.“

 

Wilson musterte ihn. „Nur du kannst für so etwas eine logische Begründung finden.“ Er beugte sich vor und hob das Kröten-möglicherweise-auch-Frosch-Ding hoch. „Könntest du mir zeigen, wie das funktioniert? Ich bin sicher, es wäre eine nette Beschäftigung für ein paar meiner jüngeren Patienten.“

 

House zog die Stirn in übertriebene Denkerfalten. „Kommt darauf an“, erwiderte er. „Darf ich dich auch dafür küssen?“

 

Wilson zuckte nicht einmal mit der Wimper. „Tut es Pizza auch?“ Er warf House das Papiertier zu.

 

Der andere Mann fing es und drehte es einen Moment wie sinnierend zwischen zwei Fingern. „No-can-do“, entgegnete er. „Ich musste meine Preise erhöhen, seit die Nachfrage nach meiner Gesellschaft so gestiegen ist.“

 

Überrascht lachte Wilson. „Das ist mir neu.“ Das Lachen blieb ihm jedoch förmlich im Hals stecken, als ihn blaue Augen über die Distanz des Schreibtisches hinweg eisig musterten und er fragte sich, ob er irgendetwas falsch verstanden oder nicht mitbekommen hatte...

 

Dann landete das Papiertier mit einem leisen Knistern auf seiner Brust und House zuckte mit den Schultern. „Bring’ Bier mit. Es ist zu lange her, als dass ich das nüchtern versuchen will.“

 

Einen Moment lang biss sich Wilson auf die Zunge, bis es sicher war, nicht mit der Frage heraus zu platzen, ob House vom Origami oder vom Küssen sprach...

 

„Okay.“ Er stand auf, denn House gab sich nun alle Mühe, sehr beschäftigt zu wirken und schob die Akten auf seinem Tisch von einer Seite zur anderen. „Bis heute Abend.“

 

House hob ohne aufzusehen die Hand, eine vage Geste des Abschieds, und er war entlassen. Das Papiertier knisterte leise in seinen Fingern.

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Once upon a time

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: 4.13 No more Mr. Nice Guy

Pairung: House/Wilson, [Wilson/Amber]

Rating: slash, pg-13

Beta: T'Len
Archiv: ja

180. Ich stellte sie mir mit fünf Jahren vor, wie sie auf einem Pony namens Winston über zweieinhalb Meter hohe Zäune galoppierte und ihr Leben schon vor dem Frühstück siebzigmal aufs Spiel setzte.

 

 

 

Once upon a time
there was a boy and there was a girl
Just one touch from your hands
was all it took to make me falter
 (Madonna)

 

Wilson schloss die Tür von Ambers Apartment hinter sich. Er lehnte sich gegen den Türrahmen zum Wohnzimmer, die Arme vor der Brust verschränkt. „Okay, du bist wütend auf mich. Vielleicht zu recht. Aber du musst zugeben, es war... amüsant.“

 

„Oh ja, es war sehr amüsant, Bettpfannen zu leeren und alten Männern den Hintern abzuwischen.“

 

Er fuhr sich durch die Haare, ein etwas schiefes Lächeln auf dem Gesicht – einem unbeteiligten Zuschauer wäre es vielleicht als ein Zeichen von Verlegenheit erschienen. „Cuddy hat die Strafe ausgesucht. Und ihr musstet es beide tun. So ist niemand im Vorteil.“

 

„Es geht nicht um die Bettpfannen.“

 

Wilsons Augen verengten sich leicht. Aus aufgesetzter Lässigkeit wurde echte Anspannung und er stieß sich von der Tür ab, ging ein paar Schritte nach vorne. „Du kannst nicht...“

 

„Es geht um Loyalität.“

 

Er blieb stehen, beide Hände in einer beschwichtigenden Geste erhoben. „Ich kann es erklären.“

 

House drehte den Sessel herum und sah ihn an. „Oh wirklich, Jimmy? Du kannst es also erklären. Wenn ich wahllos eine deiner Exfrauen anrufe, ob sie wohl genau diesen Satz auch schon mal von dir gehört hat?“, fragte er sarkastisch.

 

„Du wusstest, dass ich es ihr erzählen würde, oder?“ Wilson durchquerte den Raum und lehnte sich gegen das Bücherregal.

 

House beschäftigte sich weiter damit, sich in dem Sessel um die eigene Achse zu drehen. Er stieß sich mit seinem gesunden Bein ab. „Natürlich.“ Eine weitere Runde. „Aber ich dachte, du würdest etwas länger damit warten.“

 

„Ich hatte keine Ahnung, dass sie sofort zu deinem Team läuft und es ihnen sagt. Sie... sie hatte versprochen, es für sich zu behalten“, versuchte Wilson sich zu verteidigen.

 

„So wie du versprochen hattest, CB nichts zu sagen.“

 

Wilson hob die Schultern. „Sie war im Krankenhaus, als wir beim Bowling gewesen sind. Sie war deswegen wütend, irgendjemand hat ihr gesagt, wo wir waren.“ Er warf House einen Blick zu. „Vermutlich, weil du es quer durch die Lobby gebrüllt hast, als Kutner wissen wollte, wohin du gehst.“

 

„Das ist nicht wahr. Ich habe nicht quer durch die Lobby gebrüllt, dass wir zum Bowling gehen. Ich habe quer durch die Lobby gebrüllt, dass wir in meine Wohnung fahren, um wilden, hemmungslosen Sex zu haben.“

 

„Ich war direkt gerührt, als du hinzugesetzt hast, dass er sich keine Sorgen machen sollte, denn wir würden natürlich ein Kondom benutzen – schon alleine, damit ich nicht schwanger werde“, entgegnete Wilson trocken.

 

„Hey, ich bin ein Gentleman.“ House lehnte sich grinsend zurück. Aber da war immer noch Eis in den blauen Augen, das davon sprach, dass Wilson noch lange nicht vom Haken war. „Was hat sie getan? Ist sie vor dir auf die Knie gegangen? Ein Büro-Quickie, Doktor Wilson?“ Verachtung lag in seinen Worten und zeigte sich in seinem Gesicht, als Wilson wortlos nickte. „Natürlich.“ House legte den Kopf in den Nacken und starrte an die Decke. „Ich hätte das gleiche getan. Abgesehen von dem auf-den-Knien-Teil, selbstverständlich.“

 

Wilson trat zu House und stützte die Hände rechts und links auf die Armlehnen. „House. Vertrau’ mir.“

 

Blaue Augen begegneten seinen mit einem undeutbaren Ausdruck. „Ich vertraue dir nicht“, sagte House langsam. „Nicht, wenn es um eine Frau geht.“ Er packte Wilsons Kragen und zog ihn näher zu sich herab. „Wann kommt sie nach Hause?“

 

„Morgen früh. Sie arbeitet die Nachtschicht, sie ist für einen Kollegen eingesprungen. Das ist so, wenn man eine neue Stelle antritt und deswegen noch ganz unten in der Nahrungskette steht. Woran du nicht ganz unschuldig bist...“ Wilson überbrückte die paar Zentimeter, die sie noch trennten und küsste House. „Aua. Verdammt.“ Er versuchte den Kopf weg zu ziehen, als House ihn in die Unterlippe biss, doch der andere Mann hielt ihn noch immer am Kragen fest. „Bist du verrückt? Willst du wirklich, dass sie es mir ansieht?“

 

„Ich würde sie auf einen Stuhl binden und knebeln, damit sie uns dabei zusieht...“ House löste eine Hand von Wilsons Hand, um mit der Fingerspitze über seine Unterlippe zu reiben, in der sich blasse Abdrücke seiner Zähne zeigten. Er lächelte zufrieden, als Wilson die Augen schloss und tief Luft holte. So viel zu Amber Volakis...

 

 

Why, oh why / Do fools fall in love with fools like you / Jimmy Jimmy, oh Jimmy Jimmy / Where you goin' boy, I see your legs twitchin' / Jimmy Jimmy, oh Jimmy Jimmy/ My daddy says you just need a good lickin'/ Jimmy Jimmy, oh Jimmy Jimmy  (Madonna)

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Every you and every me

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: nach-Finale Staffel 4

Pairung: Wilson, House

Rating: pg, gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

190. Falls er sich entschloss, mich umzubringen, würde ich den Schuss nicht einmal hören.

 

 

…all alone in space and time there’s nothing here but what here’s mine, something borrowed, something blue, every me and every you every me and every you. Sucker love, a box I choose. No other box I choose to use. Another love I would abuse, No circumstances could excuse… (Placebo)

 

 

Wie lange hatte er gewartet, bis sie ging? Sein Zeitgefühl war niemals zuvor so schlecht gewesen; er hatte das Gefühl, als hätte die Zeit selbst aufgehört, zu existieren. Zumindest in diesem schmalen Korridor in Raum und Zeit, in dem sie sich befanden.

 

Er war zurückgekommen, obwohl es das letzte war, das er hatte tun wollen – nicht wegen ihm, sondern aus... Furcht... vor den Reaktionen der anderen. Er hatte so oft versucht, Trost zu spenden, wo es keinen Trost gab, dass er jetzt instinktiv vor mitfühlenden Worten und Blicken und Gesten zurückschreckte – jetzt, da sie an ihn gerichtet waren.

 

Deshalb stand er auch außerhalb des Zimmers, auf der... wie es sich anfühlte... falsche Seite der Glaswand und beobachtete, wie er schlief. Wie Cuddy neben ihm saß; seine Hand hielt; mit ihm sprach, wenn er aus dem Schlaf hoch schreckte. 

 

Es war noch immer mitten in der Nacht, was erklärte, warum er nicht mehr Aufsehen verursachte, als er dort stand wie ein Besucher, der sich nicht entscheiden konnte, das Zimmer eines schwerkranken Angehörigen zu betreten.

 

Cuddy erhob sich plötzlich und nach einem langen Blick auf die Monitore, an die House angeschlossen war, verließ sie den Raum. Wie eine Schlafwandlerin, ohne nach links und rechts zu sehen, ging sie an ihm vorbei, offenbar ohne ihn zu bemerken.

 

Er wusste nicht, wie lange sie wegbleiben würde. Sicherlich ging sie nicht einfach nach Hause, und ließ House in der Obhut der ICU Crew. Sie war ihm im Wunsch diesen Mann zu schützen sehr ähnlich.

 

Die Tür glitt geräuschlos vor ihm auf und hinter ihm zu und dann stand er neben House’ Bett. Im kühlen Licht der Lampe über dem Kopfende sah House aus wie ein schlafender Geist.

 

Er sah, wie sich sein Brustkorb mit langsamen, aber regelmäßigen Atemzügen hob und senkte. Eine Art feines Zittern glitt durch House’ Körper, als spüre er seine Anwesenheit. Vielleicht war das der Fall. Er hatte im Laufe der Jahre tausende Male beobachtet, wie House’ instinktiv zurückwich, kam ihm jemand ein wenig zu nahe – absichtlich oder unabsichtlich oder ohne es zu bemerken. Es gab unsichtbare Grenzen um Gregory House, die undurchdringlich waren. Außer für ihn. Ungezählte Abende zu dicht nebeneinander auf der Couch; Beine, Schultern, Arme aneinander streifend bei jeder Bewegung, die einer von ihnen machte. Eine Hand, das Revers eines zerknitterten Jacketts glatt streichend, bevor er sich selbst stoppen konnte – und House, der ihm mit lachenden Augen und gespieltem Ärger sagte, er sollte aufhören, sich wie seine Mutter zu benehmen...

 

Die gleichen Worte würde House jetzt auch sagen, wenn er ihn dabei beobachten könnte, wie er sich über ihn beugte, um zwei Finger gegen seinen Hals – gegen die kühle, klamme Haut - zu legen, und die einzelnen Pulsschläge zu zählen. Aber dieses Mal würden die blauen Augen nicht lachen...

 

Die Berührung bestätigte, was er von den Monitoren ablesen konnte. House’ Herz war stark. Stärker als es keine 48 Stunden nach den Strapazen sein sollte, deren sich House unterzogen hatte. Keine 48 Stunden nach seinem letzten Herzstillstand... Es war seltsam, wie er zugleich im Zustand der scheinbaren Zeitlosigkeit leben konnte und doch so präzise sagen, wie viele Stunden vergangen waren, seit Gregory House zum letzten Mal gestorben war. Gestorben-aber-nicht-tot, nicht wie Amber gestorben-und-tot war.

 

Er ließ seine Finger, wo sie waren.

 

Sie waren alleine. Niemand war hier. Wenn er gewollt hätte, könnte er mit den gleichen Händen, mit denen er House’ Herz wieder zum Schlagen gebracht hatte, es auch wieder stoppen. Es wäre nicht mehr dazu nötig, als eins der zusätzlichen Kissen aus dem Schrank an der Wand zu nehmen, und es auf House’ Gesicht zu drücken. Es würde nicht lange dauern.

 

Vielleicht würde er damit die kosmische Balance korrigieren, die in dem Moment ins Ungleichgewicht geraten war, als ein menschenverachtender, schmerzmittelabhängiger Krüppel nahezu unversehrt aus dem Bus kletterte, während Amber... Wenn er eine andere Person wäre. Er stoppte den Gedanken, bevor er ihn weiterführen konnte. Er war nicht diese Person.

 

Noch mehr Zeitlosigkeit ging vorüber, während er im Dunkeln an House’ Bett stand, wachte... über ihn wachte. Über seinen Freund. Freund war kein Wort, um zu beschreiben, was sie aneinander band.

 

House war... ein Teil von ihm. In der gleichen, unausweichlichen, du-kannst-es-dir-nicht-aussuchen Art, wie die Erde rund war und junge Frauen bei sinnlosen Busunfällen ums Leben kamen.

 

Es gab ihn und es gab House und es war so einfach wie das.

 

Er zog die Hand zurück und Lider, blauschimmernd und durchscheinend wie die eines Neugeborenen, öffneten sich.

 

Wilson drehte sich auf dem Absatz um und floh aus dem Raum.

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Shopping Tortour

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: - -

Pairung: House/Wilson

Rating: pg, slash

Beta: T'Len
Archiv: ja

200. Statt dessen eilte er hinter dem Institute of Contemporary Arts die Treppe zur Pall Mall hoch und verschwand im Travellers Club.

 

 

„Ich verstehe wirklich nicht, warum du dich die ganze Zeit beklagst.“ Wilson hielt geduldig die Wagentür auf, auch wenn House keinerlei Anstalten machte, auszusteigen. „Ein ganzer Raum voll Menschen, die auf jedes Wort von dir gespannt sind; die du mit deinem Genie blenden kannst und sollte hinterher jemand so mutig – oder dumm – sein, Fragen zu stellen, dann bekommst du die Gelegenheit, dich über ihn lustig zu machen.“

 

„Und erklärst du mir, wozu ich dafür eine Krawatte brauche?“, entgegnete House ätzend. „Und wieso wir einkaufen gehen müssen, anstatt dass ich mir wie übliche eine von dir leihe?“

 

„Weil Cuddy dir dafür zwei Wochen von deinem Klinikdienst abzieht.“ Und was das Leihen betraf... weil auf diese Weise schon zahllose seiner Krawatten ein frühzeitiges und unschönes Ende gefunden hatten... als Schuhpolierer, als Öllappen und wer hätte gedacht, dass reine Seide, in einen Rauchmelder gestopft, so schwer entflammbar sein würde? Allerdings erwies sie sich einem Mann von House’ Genie nicht gewachsen und als das Chaos sich langsam klärte und nachdem die Feuerwehr abgerückt war, blieb nicht mehr als ein verkokeltes Stück Stoff zurück.

 

Wilson rieb sich den Nacken. „Und weil du diesen neuen Pizza-Joint im Einkaufszentrum ausprobieren wolltest, schon vergessen?“ Bestechung mit Fastfood. Benimm’ dich ordentlich und wir gehen Pizza essen. Es war wirklich, wie mit einem Sechsjährigen einkaufen zu gehen.

 

House grummelte etwas und stieg endlich aus. Dabei brachte er es fertig, wie unabsichtlich seinen Stock gegen Wilsons Schienbein zu schlagen.

 

Wilson biss die Zähne zusammen. Das würde alles andere als einfach werden. Und für einen Moment spielte er mit der Fantasie, Cuddy anzurufen und es ihr zu überlassen, dass House ordentlich gekleidet auf der Konferenz erschien.

 

* * *

 

„Hast du das verdammte Layout des kompletten weiß-der-Geier-wie-großem Einkaufszentrum im Kopf?“, fragte House, als Wilson zielstrebig auf ein Geschäft zusteuerte.

 

„Hast du mich nicht deshalb mitgenommen?“, entgegnete Wilson trocken. „Damit du nicht irgendwohin verschwindest und erst nach der Konferenz wieder zum Vorschein kommst?“

 

„Ich habe dich nicht eingeladen, mit zu kommen.“

 

„Oh. Mein Fehler.“ Wilson zuckte mit den Schultern und hielt die Tür auf. Er lächelte, als House an ihm vorbei ging und ihm einen wütenden Blick zuwarf. „Du hast mich natürlich nicht mitgenommen. Ich bin hier um zu verhindern, dass dich ein wütender Mob lyncht.“ Wilson warf dem Verkäufer, der auf sie zueilte ein entschuldigendes... vielleicht sogar mitleidiges... Lächeln zu. Er stand zurück und setzte eine unbeteiligte Miene auf, als House quer durch das Geschäft rief, dass er hoffe, sie hätten die neueste Kollektion an Jockstraps vorrätig.

 

Was hatte er sich nur dabei gedacht, House in ein Geschäft zu bringen, das für sein konservatives Sortiment bekannt war?

 

Manchmal fragte sich Wilson, wie lange er noch mit der „guter-Doktor-böser-Doktor“-Routine durchkommen würde. House wandte sich zu ihm um und blaue Augen – leuchtend mit sarkastischem Vergnügen über das rote Gesicht des Verkäufers – begegneten seinen. Er lächelte, als House grinste und ein leichtes Kopfnicken ihm signalisierte, dass er seine Sache gutgemacht hatte – er hatte genau den richtigen Ort gefunden.

 

* * *

 

Selbstverständlich verließen sie das erste Geschäft ohne etwas gekauft zu haben. Damit hatte Wilson gerechnet. Er fiel einen Schritt zurück; bückte sich um einen Schnürsenkel zu binden, der überhaupt nicht offen war, und nutzte die Gelegenheit, um unauffällig House zu beobachten. Er hatte in den vergangenen zehn Jahren seine Methoden perfektioniert, House’ Schmerzlevel zu beobachten, ohne dabei offensichtlich genug zu sein, um den Ärger seines Freundes auf sich zu lenken.

 

Er schloss zu House auf und lächelte unschuldig, als die blauen Augen fragend über sein Gesicht flogen, zu schmalen Schlitzen verengt. „Warum versuchen wir es nicht dort?“, meinte er und deutete auf den Eingang zu einem weiteren Geschäft, das der Auslage des Schaufensters nach, Anzüge und Zubehör verkaufte.

 

* * *

 

Dieses Mal ließ sich nicht sofort Verkaufspersonal blicken und Wilson fragte sich einen Moment müßig, ob es so eine Art von Buschtrommel gab, mit der sich die Angestellten im Einkaufszentrum gegenseitig vor besonders schwierigen Kunden warnten.

 

Er hielt eine Krawatte hoch, damit House sie inspizieren konnte. „Da, die ist doch sehr schön.“ House verzog das Gesicht und Wilson konnte der Versuchung nicht widerstehen: „Sie betont deine Augen“, hinzu zu setzen. Er grinste und sah weg, als House so tat, als würde er sich übergeben.

 

„Vielleicht darf ich Ihnen etwas empfehlen?“ Urplötzlich tauchte hinter ihnen eine Verkäuferin, etwa in Cuddys Alter, auf. „Dieses Modell ist gerade sehr beliebt...“ Sie griff an Wilson vorbei und hob eine Krawatte hoch.

 

House sah betont in ihren Ausschnitt. „Dieses Modell ist auch gerade sehr beliebt.“

 

Das Gesicht der Verkäuferin färbte sich rot und sie räusperte sich, Wilson einen hilfesuchenden Blick zuwerfend. „Vielleicht ist Ihnen ein Kollege lieber?“

 

Wilson schüttelte den Kopf. „Legen Sie sie ihm einfach um“, sagte er, bevor House eine weitere Bemerkung über ihr Dekollete machen konnte. „Den Knoten mache ich selbst“, setzte er liebenswürdig hinzu.

 

Das brachte ihm einen verwirrten Blick der Verkäuferin und ein Grinsen von House ein.

 

* * *

 

Wilson pfiff leise durch die Zähne, als House endlich aus der Umkleidekabine zurück kam. Nicht nur, weil es ein ungewöhnlicher Anblick war, House in einem unzerknitterten Hemd zu sehen. Er wusste auch, dass es House ärgerte.

 

„Ich trage ein Hemd, das aussieht, als wäre es von einem Affen entworfen worden, der sich gerade von einem Zuckerschock erholt“, beklagte sich House.

 

„Richtig.“ Wilson hielt ihm unbeteiligt eine weitere Krawatte hin. „Probier’ die dazu.“

 

„Ich dachte, ich sollte sie mit meinem Genie blenden“, murrte House. „Und nicht mit einer Krawatte, die irgendwo einen Regenbogen zum Weinen bringt...“ Widerwillig hielt er still, als Wilson ihm das verhasste Kleidungsstück um den Nacken schlang – und es dazu benutzte, House ruckartig näher zu sich zu ziehen.

 

Wilson küsste ihn. „Du sollst die Krawatte ja auch nicht auf der Konferenz tragen“, meinte er, sein Mund dicht an House’ Ohr. „Ich dachte eher daran, sie für etwas anderes zu verwenden.“ Er zog die Krawatte weg und knotete ein Ende davon locker um House’ Handgelenk. „Und die Farbe passt perfekt zu deinen Laken.“ Ohne auf eine Antwort zu warten verließ er den Bereich mit den Umkleidekabinen. Wilson grinste, als er House’ Blick wie eine Berührung im Rücken spürte.

 

 

* //  * //  *

 

Titel: The Rat Within the Grain

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: - -

Pairung: House/Wilson, Steve McQueen

Rating: slash, pg-13, crack!fic

Beta: T'Len
Archiv: ja

210. „Ich glaube, ich weiß, was Sie damit sagen wollen, Mr. Barnes“, sagte ich, „und ich verstehe es als Kompliment.“

 

…People born in the Year of the Rat are noted for their charm and attraction for the opposite sex. They work hard to achieve their goals...

 

 

Wilson war müde. Er hatte das Gefühl, noch nie in seinem Leben zuvor so müde gewesen zu sein, nicht einmal während der 36-Stunden-Schichten als junger Arzt während seiner Zeit in der Notaufnahme. Warum hatte ihn niemand gewarnt, dass knietief in Papierkram zu waten anstrengender sein konnte, als Kugeln aus Körperteilen zu pulen und gebrochene Knochen zu flicken? Er fragte sich müßig, ob Cuddy ihn vielleicht aus ein oder zwei Komitteen entließ, wenn er dafür freiwillig mehr Stunden in der Klinik arbeitete? Kein Wunder, dass House es so hasste. Den Papierkram. Die Klinik natürlich auch. Ob er ihm Cameron mal auslieh? Für den Papierkram. Nicht für die Klinik.

 

Wilson war wirklich müde. Seine Gedanken machten im Moment womöglich weniger Sinn als der Spongebob-Cartoon, der über den Fernseher flimmerte.

 

Oder lag es daran, wie bequem diese Couch war? Von der er übrigens nie wieder aufstehen würde. Na gut, vielleicht irgendwann doch. Aber zuerst wollte er sich noch ein wenig erholen, bevor er den langen, laaaangen Weg ins Bett antrat.

 

Wilson fragte sich, ob er vielleicht das dritte Bier hätte ablehnen sollen, das House ihm hinstellte. Aber sie hatten Thai zum Abendessen und House hatte bestellt, also war es scharf genug, um seine Zunge zu toasten... komische Vorstellung... Aber eigentlich wollte er über etwas anderes nachdenken... Genau. House hatte das Abendessen bestellt. Und offenbar auch selbst bezahlt, denn es wartete bereits in der Küche, als er nach Hause kam und er war sicher, dass er seine Brieftasche noch hatte. Außer der Lieferservice akzeptierte jetzt auch Kreditkarten und er wusste genau, dass House die Nummer auswendig kannte... Scharfes Essen und Bier... Richtig. Komisch. Ungefragt hatte House ihm etwas zu Trinken gebracht. Definitiv komisch.

 

Aber süß.

 

Wilson lachte. Gut, dass House nicht wirklich seine Gedanken lesen konnte. Das konnte er doch nicht? Plötzlich unsicher, drehte er den Kopf zur Seite, um House anzusehen. Die blauen Augen waren auf den Bildschirm gerichtet.

 

Eigentlich sollte er gekränkt sein, dass House auf eine Cartoonserie mehr Aufmerksamkeit verschwendete, als auf ihn, aber andererseits bedeutete das, dass es ihm offensichtlich noch eine Weile erlaubt war, seinen Kopf gegen House’ Schulter zu lehnen; einen Arm zwischen Couch und House’ Rücken geschoben, ohne dafür irgendwelche spöttischen Kommentare zu hören wie dass er sich ein Haustier anschaffen sollte, wenn er kuscheln wollte.

 

Sein Arm wurde langsam taub. Aber das störte ihn nicht wirklich. Wilson gähnte und schmiegte die Wange wieder gegen House’ Schulter. So unbequem die Haltung auf Dauer auch sein würde, er könnte sofort hier einschlafen.

 

Er war wirklich, wirklich müde. Hmmm. Wenn er nicht so müde gewesen wäre, hätte er sich vielleicht Sorgen darüber gemacht...

 

Seine Augen fielen endgültig zu.

 

* * *

 

Ein Auto fuhr mit quietschenden Reifen um die Ecke und riss ihn aus dem Schlaf. Wilson setzte sich langsam, schlaftrunken auf und gähnte. Neben ihm war die Couch leer, aber das Sofakissen unter seiner Wange hatte sich da nicht von selbst hinbefördert. Er gähnte erneut und blinzelte. Seine Lider waren noch immer schwer.

 

War es spät? War House ins Bett gegangen und hatte ihn hier schlafen lassen, anstatt ihn zu wecken? Das sah House eigentlich nicht ähnlich, aber nach einem ganzen Abend voll unerwarteter Gnaden...

 

„House?“, murmelte er. Nicht zu laut, für den Fall, dass House schon schlief. Huh. Sein Gehirn schien noch immer von einer grauen, breiigen Masse ersetzt zu sein.

 

Wilson sackte zurück auf die Couch, streckte sich aus und schlief wieder ein.

 

* * *

 

Das nächste Mal wurde er von einer vollen Blase geweckt. Den Weg ins Bad fand er auch im Dunkeln und ohne zu denken, kehrte er aus alter Gewohnheit auf die Couch zurück, anstatt ins Bett zu gehen.

 

Wie gesagt. Wilson war wirklich sehr müde.

 

Er drückte das Gesicht wieder gegen das Kissen, als etwas seine Wange streifte. Bereits wieder im Halbschlaf, hob er die Hand und versuchte es weg zu wischen. Das Kitzeln hörte auf.

 

Einen Moment später berührte etwas seine Rippen. Genauer gesagt, etwas Warmes drückte sich gegen seine bloße Haut – er hatte Stunden zuvor den Hemdkragen aufgeknöpft (scharfes Essen brachte ihn immer zum Schwitzen) und irgendwann während seines hin-und-her’s und auf-und-ab’s hatten sich ein paar weitere Knöpfe geöffnet. Eigentlich hätte er es ausziehen sollen, die Knitterfalten bekam er nie wieder raus...

 

Hey, das kitzelte! Wilson wurde ein klein wenig wacher.

 

Die Wärme und das Kitzeln setzten sich über seinen Bauch fort. Ohne zu überlegen, streckte er die Hand aus und griff danach und unter seiner Handfläche bewegte sich etwas.

 

Bewegte sich etwas?

 

Plötzlich war Wilson sehr wach. Er setzte sich auf und griff in sein Hemd und zog – Steve McQueen hervor. Angewidert ließ er die Ratte fallen (glücklicherweise war der Sturz nicht tief) und Steve verkroch sich unter ein Kissen.

 

„HOUSE!“

 

Wilson schüttelte es unwillkürlich, als er an die Berührung an seiner Wange dachte. Das war zweifellos auch die Ratte gewesen. House mochte noch so darauf beharren, dass die Ratte gesund wäre – er hatte sie sogar von einem Tierarzt untersuchen lassen – es war und blieb ekelhaft. Und er weigerte sich genauso gegen House’ Theorie, dass seine Abneigung gegen die Ratte nicht Hygienebedenken entsprang, sondern das Steve ein Opfer der Umstände seiner „Adoption“ war. Was bedeutete, dass House dachte, er sehe Steve McQueen als eine ständige Erinnerung an seine Affäre mit Stacy...

 

Das Licht ging an und ersetzte das matte Licht der Straßenbeleuchtung, die von draußen durch die Fenster fiel. „Was zum Teufel ist hier los?“, fragte House irritiert und seine Anwesenheit im Wohnzimmer katapultierte Wilsons Gedanken zurück in die Gegenwart. „Ich habe geschlafen.“

 

Wilson deutete anklagend auf den Rattenkäfig, der auf dem Couchtisch stand. „Dei-deine... deine Ratte hat mich sexuell belästigt.“ Wie immer wenn er sehr aufgebracht war, musste er gegen ein Stottern ankämpfen. „Ich bin aufgewacht, weil er in meinem Hemd war!“

 

House hinkte zur Couch und einen Moment dachte Wilson, er würde so etwas uncharakteristisch nettes tun und ihn beruhigen – aber House beugte sich nicht zu ihm hinab, sondern suchte zwischen den Kissen nach seiner Ratte.

 

House zog Steve hervor und hielt ihn in der Handfläche, um ihn von oben bis unten kritisch zu beäugen. „Die Glück, dass du ihn nicht verletzt hast.“

 

„Verletzt! Ihn!“ Wilson sah House ärgerlich an. „Bis eben war mir nicht klar, warum ausgerechnet du ein Haustier halten willst, aber jetzt weiß ich, dass es daran liegt, dass ihr ähnliche Interessen habt. Vermutlich sollte ich froh sein, dass ich aufgewacht bin, bevor er mir in die-die Ho-Hose kriechen konnte!“ Dummerweise musste er wieder gähnen und das zerstörte den Effekt doch ein wenig.

 

Steve und House sahen ihn mit einem fast identisch-entrüsteten Ausdruck falsch verdächtigter Unschuld an.

 

Dann grinste House. „Glaubst du nicht, du reagierst ein bisschen zu heftig?“, erwiderte er. „Er ist bestimmt nur da reingekrochen weil er deine Körperwärme gespürt hat. Du solltest froh darüber sein. Wenn etwas kalt ist oder sich nicht mehr bewegt, sehen es Ratten für gewöhnlich als Nahrung an.“

 

Wilson ließ den Kopf hängen und massierte seinen Nasenrücken. Dann hob er eine Hand. „Okay. Vergessen wir das. Ich bin zu müde zum diskutieren.“

 

House setzte Steve in seinen Käfig und achtete dieses Mal darauf, die Tür auch richtig zu schließen. Wer hätte gedacht, dass Ratten doch so gute Kletterer waren...

 

Wilson stand auf, doch House hakte den Griff seines Stocks um sein Handgelenk und hielt ihn zurück. „Wo willst du hin?“

 

Klang da tatsächlich ein wenig Sorge mit, dass er gehen könnte? Wilson wandte sich zu ihm um. „Duschen“, sagte er und zog sein Handgelenk weg. „Und du solltest dir auch die Hände waschen, bevor du wieder ins Bett gehst. Ich bin sicher, dass Ratten nicht nur wegen schlechter PR als Krankheitsüberträger gelten.“

 

House kam näher. „Wie oft muss ich dir noch sagen, dass Steve sauber ist? Hallo? Schon vergessen, dass ich eine Spezialisierung in Infektionskrankheiten habe? Er ist vermutlich sauberer als du. Nach allem, was ich weiß, könnte Julie dich mit allem möglichen infizieren. Oder wer auch immer gerade deine Gunst genießt...“

 

Weiter kam er nicht, als Wilson die Distanz zwischen ihnen mit einem einzigen Schritt durchquerte – und sich dabei das Schienbein am Couchtisch stieß, was er aber erst sehr viel später spürte – und ihm den Mund mit einem Kuss verschloss. „Idiot“, murmelte er, als er den Kopf zurücknahm.

 

House schnaubte amüsiert. „Komplimente bringen dir gar nichts. Und jetzt komm’ endlich ins Bett. Es ist überhaupt kein Spaß, wenn ich dir nicht die Decke stehlen kann.“

 

Wilson rollte mit den Augen. „Natürlich, dazu bin ich schließlich da, um sicher zu stellen, dass du Spaß hast.“ Er seufzte, ließ sich aber in Richtung Schlafzimmer bugsieren. Er war bereits halb den Korridor entlang und fast bei der Tür, gelenkt von House’ Hand auf seinem Rücken, als er wieder gähnen musste. Das Adrenalin von seiner fast-tödlichen Begegnung mit der Ratte ebbte ab und ließ ihn völlig erledigt. Das war doch nicht norm... Er stoppte und drehte sich zu House herum. „Ich bin müde“, sagte er.

 

„Es ist mitten in der Nacht?“ House sah ihn an, als habe er den Verstand verloren. „Aber das ist okay, du kannst es mit einem Guten-Morgen-Quickie wieder gutmachen.“

 

„Ich bin normalerweise nicht so müde.“

 

House hob die Schultern. „Du hast doch die ganze Zeit darüber gejammert, mit wie viel Arbeit dich Cuddy überschüttet hat. Ich habe mir bereits überlegt, ob ich dich mit deinen Socken knebeln soll, um Spongebob in Ruhe sehen zu können.“

 

„Ich sollte nicht SO müde sein.“ Endlich klärte sich ein wenig der Nebel in seinem Hirn und er setzte ein paar Puzzleteile zusammen. „Du... du... DU! Du hast mir etwas ins Bier getan. Nur deshalb hast du mir eines mitgebracht!“

 

House’ Schmollmiene war Antwort genug.

 

Okay, irgendwie war das... er wusste nicht genau, wie er es benennen sollte, aber es hinterließ ein warmes Gefühl und fast fühlte er sich versucht, nach zu sehen ob Steve McQueen es sich wieder auf seinem Brustkorb bequem gemacht hatte. „Wieso?“

 

House gab ein gequältes Stöhnen von sich. „Das nächste Mal nehme ich es einfach selbst und du kannst dich meinetwegen die ganze Nacht mit deinem Kopfkissen unterhalten. Ich wusste ja nicht, dass deine weibliche Seite komplett mit nächtlichem Kreischen und einer latenten Nagetierphobie zum Vorschein kommt.“ Auf Wilsons verständnislosen Blick hin setzte er hinzu: „Du schläfst nicht, du nimmst an einer Aerobicstunde teil, so unruhig und verspannt bist du. Und wenn ich nicht meinen Schönheitsschlaf bekomme, verlieren die Schwestern ihr Interesse in mir und Chase wird...“

 

„Du hättest es mir auch einfach sagen können“, unterbrach ihn Wilson. Er hatte kein Interesse, von Chase zu hören. „Ich wusste nicht, dass es so schlimm ist.“ Es erklärte, warum er sich morgens wie zerschlagen fühlte, wenn er aufstand. „Ich... ich sollte wohl häufiger Zuhause übernachten.“ Nicht, dass er dort vermisst wurde. Julie war auf einem zweimonatigen Fortbildungsseminar in New York und wohnte in dieser Zeit bei einer alten Schulfreundin.

 

„Du solltest Cuddy sagen, was sie mit ihrem Papierkram machen soll“, knurrte House.

 

Wilson lächelte und beugte sich vor, um ihn zu küssen. „Lass’ uns endlich ins Bett gehen“, sagte er – und gähnte. „Du weißt, dass Cuddy dir die Schuld geben wir, wenn ich morgen zu spät zur Arbeit komme? Sehr spät“, setzte er hinzu. „Denn wie du gesagt hast, ich habe einiges gut zu machen. Ich fürchte, ein Quickie wird dafür nicht reichen.“

 

Die blauen Augen, die seinen begegneten, mussten von irgendwoher das Licht reflektieren. Sie konnten nicht von sich selbst so leuchten, oder? Und hörte James Wilson endlich mit dem Denken auf.

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Only a paper moon
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: vor-Serie

Pairung: House/Wilson [Vergangenheit], Wilson/Bonnie, Hector

Rating: slash + het, PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

220. Gut, nicht geschmissen, sondern liebevoll hochgezogen und verfugt, verstäbt und gegehrt, abgeschrägt und ausgekehlt, vielleicht sogar von den gleichen Typen, die die Absperrung vor dem House of Commons errichtet hatten.

 

 

Say, its only a paper moon / Sailing over a cardboard sea / Yes, it's only a canvas sky Hanging over a muslin tree / Just as phony as it can be / But it wouldn't be make-believe if you believed in me… (Ella Fitzgerald)

 

„Und? Was... was hältst du davon?“, fragte Bonnie. Ihr Mausgesicht zeigte eine unglückliche und alles andere als schmeichelhafte Mischung aus Unsicherheit und Stolz. Sie hatte sich mit großem Eifer in ihr neues Hobby gestürzt. Es gab ihr etwas zu tun, wenn James spät im Krankenhaus arbeitete. Oder am Wochenende Dienst hatte. Es war nicht ungewöhnlich für einen Arzt. Sie verstand das. Sie musste Rücksicht auf seinen Beruf nehmen. Denn sie war nicht blind in diese Ehe gegangen. Ihr Vater war Arzt gewesen und wenn auch eine Privatpraxis sich von einem Krankenhaus unterschied, sie erkannte in James die gleiche Hingabe an die Patienten, die auch ihr verstorbener Vater gezeigt hatte. Ihre Mutter hatte sie auf der Hochzeitsfeier umarmt und ihr gesagt, dass ihr Vater sehr stolz darauf gewesen wäre, sie mit einem Arzt verheiratet zu sehen.

 

Ihre Freundinnen hatten den neugestalteten Garten ausgiebig gelobt und sogar um Tipps für ihre eigenen Gärten gebeten. Sie hätte nicht gedacht, irgendwann ausgerechnet mit Greg House inmitten der liebevoll angelegten Blumenbeete zu stehen, und seinen kritischen Blick auf dem kleinen, hölzernen Pavillon ruhen zu sehen, den James ihr zum Geburtstag geschenkt hatte...

 

...House besuchte sie nie, seit er Boston verlassen hatte, um in New Jersey zu arbeiten. Er war die letzte Person auf Erden, die sie erwartete in ihrem Wohnzimmer vorzufinden, als sie vom Einkaufen kam und Hector vor der Tür fand, mit einer von James Krawatten, die durch sein Halsband geschlungen war, an einen schweren Blumentopf gebunden. Hector hatte durch sein Zerren nicht nur geschafft, den Knoten so fest zu zu ziehen, dass sie die Krawatte durchschneiden musste, um ihn zu befreien, sondern er hatte den Topf umgekippt, so dass Erde und Pflanzenteile über ihre saubere, weiße Haustreppe verteilt waren.

 

Als sie auf der Suche nach einer Schere ins Haus trat, hörte sie aus dem Wohnzimmer Schritte und etwas, das klang, als würde jemand ein Buch auf den Boden fallen lassen. In der Annahme, es wäre ihr Ehemann, schob sie die Tür ganz auf. „James, was ist mit Hect...“ Sie brach mitten im Wort ab, als sich der Mann, der eben im Begriff schien, ihr Bücherregal auszuräumen, sich zu ihr umwandte.

 

„Das wurde aber auch Zeit“, sagte er und ließ das Buch, das er gerade in der Hand hielt – sie konnte von der Tür aus sehen, dass es eines ihrer war, der bunte Einband unterschied sich von James Fachbüchern – auf den Boden fallen, wo bereits mehrere lagen. „Ich habe Hunger und mir ist langweilig.“

 

„House“, brachte Bonnie schließlich hervor und ihre Stimme klang eher wie das Zirpen eines erschreckten Vogels. „Was...?“

 

„Ich muss mit Wilson reden.“ House trat zur Couch und streckte sich darauf aus, die Füße mit schmuddelig aussehenden Turnschuhen auf dem neuen Glastisch gelegt.

 

James war bei der Arbeit und sie hatte ihm eine Nachricht hinterlassen, während sie in der Küche Kaffee und Sandwiches machte und mit einem Ohr darauf hörte, wie House den inzwischen befreiten Hector im Wohnzimmer anknurrte. Wörtlich. Hector war vielleicht nur ein kleiner Westie, aber er war ein Raufbold und nahm es mit Hunden auf, die doppelt so groß wie er waren. Das ging so weit, dass sie sich nicht mehr traute, alleine mit ihm spazieren zu gehen, sondern James dies übernahm, wenn er abends aus dem Krankenhaus kam. House provozierte ihn, indem er das Hundknurren nachahmte und den Westie zur Raserei trieb...

 

„Ich denke, es ist perfekt...“, entgegnete House mit einer Grimasse.

 

Bonnie atmete erleichtert auf.

 

„...wenn ein blinder Architekt diese kleine Vorstadthölle geschaffen hat“, beendete House seinen Satz.

 

Bonnie sah hastig weg, als ihr Tränen in die Augen schossen. Sie hatte nie, nie, niemals verstanden, warum James mit diesem Mann befreundet sein wollte. Und sie würde es in tausend Jahren nie verstehen. Er war unhöflich, unnötig grausam und machte sich über alles lustig. James meinte immer nur, sie solle ihn ignorieren. House wäre eben so.

 

„Es war sehr viel Arbeit“, sagte sie und bereute es sofort. Sie klang wie eine trotzige Vierjährige. Aber sie war keine sehr selbstbewusste Persönlichkeit und die blauen Augen, die sie mit so etwas wie Verachtung musterte, schienen nicht nur jede ihrer Schwächen zu sehen, sondern auch darüber zu spotten. „James liebt den Garten und... und er ist sehr stolz auf mich“, rechtfertigte sie sich unwillkürlich.

 

„Das klingt wie aus einer Episode der ‚Honeymooners’. Und du trägst sogar die passende 50ziger-Jahre-Ich-bin-eine-brave-kleine-Hausfrau-Schürze dazu.“ House kickte an einem losen Grasbüschel und sah mit Befriedigung hinterher, als es ein paar Schritte weit flog.

 

Bonnie presste die Lippen zusammen. „Ich... bitte, der Rasen ist erst letzte Wochen verlegt worden. Wir wollten nicht warten, bis er von selbst so dicht wächst.“ Sie unterdrückte den Wunsch, das lose Grasbüschel zu suchen und wieder an den Platz zu setzen, an den es gehörte. Im Haus machte Hector seinem Ärger lautstark Luft. Bonnie hatte ihn schließlich in die Gästetoilette gesperrt, um die völlige Verwüstung ihres Wohnzimmers zu vermeiden, und die Bücher aufgesammelt, während House den Teller mit Sandwiches leer räumte, den sie ihm hingestellt hatte und sich beklagte, dass sie kein Bier dazu servierte.

 

Als auch der letzte Krümel vertilgt war, fragte Bonnie ihn, ob er sich den Garten ansehen wollte – es machte sie nervös, wie sein Blick kritisch über die Einrichtung glitt, die sie so sorgfältig ausgesucht hatte, um ihrem Ehemann ein gutes und ordentliches Heim zu bieten. Am liebsten hätte sie ihn aus der Tür gestoßen und alles hinter ihm verriegelt, so dass er nicht mehr herein konnte. Aber er war James Freund und ein – wenn auch uneingeladener – Gast und sie erinnerte sich daran, dass man ihr beigebracht hatte, zu Gästen höflich zu sein.

 

House’ Gepäck bestand aus einem verschossenen Canvas-Seesack, den er neben dem Sofa auf den Boden geworfen hatte und Bonnie widerstand nur mühsam der Versuchung, ihm im Vorbeigehen einen Tritt zu geben. Stellvertretend, sozusagen.

 

Als House ohne große Begeisterung an ihr vorbei auf die Terrassentür, die in den Garten führte zutrat, schüttelte sie insgeheim den Kopf. Es bestand selbst in den kleinsten Dingen ein enormer Unterschied zwischen ihrem Ehemann und seinem Freund. James achtete darauf, sich geschmackvoll zu kleiden, obwohl er noch nicht so viel verdiente und sie an der Hypothek für ihr Haus abzuzahlen hatten. House’ verwaschene Jeans dagegen waren bis zu den Knien mit Schmutzspritzern übersät und sie erinnerte sich daran, dass James ihr etwas von einem Motorrad erzählt hatte. Aber er war doch sicherlich nicht mit dem Motorrad von Princeton nach Boston gefahren? Seine ehemals grellorangen Nikes waren ebenfalls schmutzig und sie musste sich auf die Lippen beißen, als sie die Spuren entdeckte, die er auf der weißen Ledercouch hinterlassen hatte. Von seinem T-Shirt blätterte der Schriftzug „Grateful Death“ ab und als er aufstand, bemerkte sie, dass er eine alte, schwarze Lederjacke als Kopfkissen benutzte. Und das, obwohl der Mann eine gutbezahlte Stelle an einem renommierten Lehrkrankenhaus hatte! Aber seine Kleidung passte ausgezeichnet zu dem unrasierten Gesicht und den ungekämmten Haaren. Kein Wunder, dass er nicht verheiratet war. Jemand, der sich offensichtlich so wenig um sich selbst kümmerte, würde sich auch nicht um eine Frau kümmern!

 

Seine Bemerkung über die „Vorstadthölle“ noch in den Ohren, sah Bonnie behaglich zu Boden. James würde frühestens in ein paar Stunden nach Hause kommen und was sollte sie bis dahin mit House anfangen? Sie raffte ihre Entschlossenheit zusammen und räusperte sich. „Ich... ich habe noch einen Termin. Ich muss gehen. Ich habe James eine Nachricht hinterlassen, dass du da bist.“ Sie hasste, wie nervös und fahrig sie klang, aber in House’ Gegenwart fühlte sie sich immer so.

 

...Das war so gewesen, seit James sie einander vorgestellt hatte und als er ging, um an der Bar ihre Getränke zu holen, lehnte House sich zurück und musterte sie, um sie dann zu fragen, welche Körbchengröße sie habe. Sie hatte beinahe offen protestiert, als James ihn bei ihrer Hochzeit als seinen Trauzeugen haben wollte. Aber James versprach, dass House sich benehmen würde. Zu ihrer Verwunderung benahm sich House dann tatsächlich fast wie ein normaler Mensch. Das hieß, bis sie die Hochzeitsfotos machen wollten und House sich fast über ihr Kleid übergab, weil er zu viel getrunken hatte. Bonnie sagte sich, dass es auf jeder Hochzeitsfeier jemand gab, der sich daneben begab und James hatte sich für ihn entschuldigt.

 

House schien sehr viel zu trinken. Obwohl James ihr versprochen hatte, niemandem zu verraten, wohin sie in die Flitterwochen fuhren, klingte eines Nachts das Telefon und als sie schlaftrunken ihren Namen – es durchfuhr sie noch immer ein kleiner Schauer des Entzückens, sich als Bonnie Wilson zu melden – murmelte, verstand sie zuerst nicht, wer am anderen Ende war, denn alles was sie hörte, waren Worte, die ohne Punkt und Komma ineinander über zu gehen schienen. James, wacher als sie, nahm ihr den Hörer aus der Hand und lauschte einen Moment - nach einem entschuldigenden Blick und einem Kuss auf ihre Wange, stand er auf und verschwand mit dem Telefon ins Bad. Sie schaltete die Nachttischlampe ein und sah ihm verwundert hinterher. Das Telefonkabel reichte gerade so weit, straff gespannt zog es sich quer durch den Raum und ließ die wunderschönen kleinen Vasen auf dem runden Tisch in der Mitte des Zimmers zittern. Sie stand auf, um die Vasen zu retten, natürlich nur deshalb und nicht, um an der Tür zu horchen. So etwas hatte sie selbstverständlich nicht im Sinn, doch die Tür war ein Stück offen, das Telefonkabel verhinderte, dass sie sich schloss und Bonnie konnte James Stimme in der Stille der Nacht sehr deutlich hören. Es war eine Mischung aus Ärger und – nein, das war nicht zu leugnen – Erleichterung, als sie ihren frischgebackenen Ehemann seufzen und: „Wo zum Teufel steckst du, House?“, fragen hörte. James hatte ihr nicht verschwiegen, dass er seiner ersten Frau untreu gewesen war und so sehr sie seine Ehrlichkeit schätzte, das Wissen darum belastete sie vom ersten Augenblick an. Sie war überzeugt, dass James sie liebte und sie wusste, dass sie beide reif genug für eine Beziehung waren, die sie beide wollten... und doch war da ein Schatten von Zweifel geblieben. Nächtliche Anrufe von House – so ärgerlich sie waren - war etwas, mit dem sie leben konnte, beschloss sie. Als James sie am nächsten Morgen mit einem süßen Welpen überraschte, hatte sie die Angelegenheit bereits vergessen...

 

„Okay.“ House wandte den Blick von dem Pavillon ab und sah sie an.

 

Und wieder hatte Bonnie das Gefühl, er sehe in sie hinein; konnte ihre Ängste und Zweifel sehen. Als wäre es ihre tiefe innere Unsicherheit, die das Lächeln auf seine Lippen brachte und die er als Waffe gegen sie zu benutzen gedachte.

 

„Ich werde die Couch nehmen“, fuhr House fort und gähnte. „Ich habe die letzte Nacht gearbeitet und im Zug konnte ich nicht schlafen, weil sie mich zusammen mit einer Gruppe schnatternder Gänse in ein Abteil stopften.“

 

Bonnie zuckte zusammen und schalt sich für ihre törichten Gedanken. „Das... das Gästezimmer ist bequemer“, sagte sie hastig und ihre Augen glitten unwillkürlich zu House’ schmutzigen Jeans. Bettwäsche ließ sich einfach waschen, aber die Ledercouch musste aufwändig gereinigt werden...

 

House zuckte mit den Schultern und ging an ihr vorbei zurück nach drinnen. Auf halbem Weg blieb er stehen und wandte den Kopf. „Bonnie... Bonnie... ich werde Jimmy sagen müssen, dass du mich so anstarrst“, spottete er. „Ich wusste nicht, dass ich dich sooo interessiere.“ Sein Ton machte die Worte zweideutig.

 

Bonnie spürte Blut in ihre Wangen schießen und wusste nicht, was sie erwidern sollte. Doch glücklicherweise schien House damit zufrieden und verschwand. Sie holte tief Luft und folgte ihm nach einem Moment. Sie fragte sich, wo sie jetzt den Nachmittag verbringen sollte, und wieso sie sich von diesem unverschämten Bastard aus ihrem eigenen Haus vertreiben ließ...

 

* * *

 

James küsste seine Frau auf die Wange. „Es war ein tolles Abendessen, Liebling“, sagte er. „Und es hat dem Geschmack überhaupt nicht geschadet, dass es ein wenig angebrannt ist. Okay? Greg ist nur neidisch, er würde es lieben, wenn jemand für ihn kocht; ignorier ihn.“

 

Bonnie nickte. Ignorier ihn. James sagte das immer. Aber es war alles andere als einfach, als House’ spöttische Bemerkungen über ihren Mangel an Kochkünsten zu überhören, auch wenn James ihn unter dem Tisch trat (sie hatte das sehr wohl bemerkt) und ihm widersprach. Sie lächelte gezwungen und erdrosselte das Geschirrtuch in ihren Händen... stellvertretend. Solche Gedanken wurden langsam zur Gewohnheit. „Ich denke, ich lege mich ein wenig hin, ich habe Kopfschmerzen.“

 

House tauchte im Türrahmen zur Küche auf und verdrehte die Augen. „Kannst du dich vielleicht für fünf Minuten von ihr trennen, damit ich endlich loswerden kann, warum ich stundenlang mit dem Zug unterwegs war? Ihr seid verheiratet, nicht an den Hüften zusammengewachsen.“

 

Er stoppte, offenbar um sich das vorzustellen und als er wieder den Mund öffnete, ließ James Bonnie los und trat hastig zu ihm. „Okay, okay. Los, komm’ mit.“ Er nahm House’ Ellbogen und schob ihn aus dem Raum. „Wir gehen nach draußen, Bonnie.“

 

* * *

 

House steuerte den Pavillon an und setzte sich auf die Balustrade, den Rücken zum Haus gewandt. „Endlich“, beklagte er sich. „Wie hältst du es nur jeden Tag mit ihr aus. Sie ist langweilig.“

 

„Bist du nur hergekommen um meine Frau zu beleidigen?“ Wilson lehnte sich ihm gegenüber gegen einen Balken und verschränkte die Arme vor der Brust. Er ließ die Bemerkung über Bonnie durchgehen, weil es a) nichts nutzte, sich darüber aufzuregen – und zugegeben, wenn man House’ Frauengeschmack berücksichtigte, erschien Bonnie tatsächlich etwas... bieder... und b) er war inzwischen ebenfalls neugierig, und jedes Argument hätte House nur abschweifen lassen.

 

Blaue Augen leuchteten mit kaum unterdrückter Begeisterung auf. „Ich habe die beste Neuigkeit seit es mir gelungen ist, Kauffman den 76ziger Pirellikalender beim Poker abzunehmen. In Princeton ist eine Stelle für dich frei.“

 

Das Lächeln - hervorgerufen von der Erinnerung an jedes denkwürdige Pokerturnier mit House’ früherem Zimmergenossen – verschwand von Wilsons Gesicht, als House den letzten Satz sagte. Ja, sie hatten darüber gesprochen. Damals, vor zwei Jahren, als House nach New Jersey ging, sich vorgestellt dass Wilson vielleicht irgendwann auch dort arbeiten könnte. Das war gewesen, bevor die günstige Gelegenheit sich auftat, das Haus zu kaufen, in dem sie zur Miete wohnten und Bonnie ihren Garten anlegte und sie... mit Hector... wie eine richtige Familie dort lebten. „Uh...“

 

House’ Augen verengten sich, als sein Freund keineswegs so begeistert auf die Neuigkeit reagierte, wie er sich das ausgemalt hatte. Er glitt von der Balustrade, stopfte die Hände in die Taschen seiner Jeans und wandte sich ab. „Ich dachte, du freust dich“, sagte er gepresst.

 

„Ich...“ Wilson rieb sich unbehaglich den Nacken. „Sicher. Das kommt nur ein bisschen... überraschend.“

 

„Wie oft hast du dich beklagt, dass du mit deiner Arbeit nicht zufrieden bist, dass sie dich noch immer wie einen Medizinstudenten behandeln und du keine Aufstiegsmöglichkeiten siehst, solange du diesen idiotischen Boss hast? In Princeton dagegen... du könntest in ein paar Jahren die Onkologie leiten. Die Hälfte der Ärzte im PPTH sind Idioten und die andere Hälfte ist inkompetent.“

 

„Abgesehen von dir natürlich“, versuchte Wilson zu scherzen.

 

„Natürlich.“ House starrte auf den Boden und kickte die unschuldigen Bodenplanken mit der Schuhspitze. „Wir... könnten uns häufiger sehen. Wir könnten zusammen arbeiten. Es wäre wie früher.“

 

„Nein, das wäre es nicht. Wir... wir sind nicht mehr wie früher, Greg.“ Wilson stieß sich von dem Balken ab und trat neben House. Er legte ihm die Hand auf die Schulter und wartete, bis House den Kopf wandte, und ihn ansah. „Ich bin jetzt mit Bonnie zusam... ich meine, ich bin mit ihr verheiratet. Das bedeutet etwas für mich.“

 

„Offenbar bedeutet es nicht so viel für dich, um sie nicht mit der einen oder anderen Krankenschwester zu betrügen.“ House grinste, doch es war freudlos, als Wilson ihn anstarrte, die braunen Augen vor Erstaunen weit und rund. „Oh, wusstest du das noch gar nicht? Ich wurde gezwungen, am März an diesem Kongress in New York teil zu nehmen und du warst eines der Hauptthemen. Man glaubt gar nicht, auf wie viele Dinge Menschen neidisch sein können... deinen Wunderkindstatus, dein Aussehen und die vielen Krankenschwestern, die auf diese braunen Hundeaugen und die hässlichen Krawatten hereinfallen.“

 

Wilsons Wangen hatten sich dunkelrot verfärbt. „Ich denke nicht, dass dich das etwas angeht.“

 

House schnaubte amüsiert. „Gut. Aber dann erzähl’ mir auch nichts von deinem kleinen Ehe-Idyll. Es ist so hohl wie der Marmorengel auf der Vordertreppe. Und genauso falsch. Beim Marmorschleifen fällt eine Menge Staub an. Mit einem Bindemittel gibt das etwas, das aussieht wie Marmor und sich so anfühlt, und in jede Form gegossen werden kann. Aber es ist eben falsch und es hält auch nicht so viel aus, wie echter Marmor. Sag’ Bonnie, sie soll sich ein originelleres Versteck für euren Hausschlüssel ausdenken. Ein Dreijähriger hätte ihn gefunden.“ Er schüttelte Wilsons Hand ab, blieb aber neben ihm stehen. „Ich dachte, du freust dich“, wiederholte er leise.

 

„Greg...“ Wilson seufzte und rieb seinen Nasenrücken mit Daumen und Zeigefinger. „Es hat sich so vieles geändert, seit du weg bist. Bonnie und ich, wir haben dieses Haus gekauft, wir bezahlen eine Hypothek dafür ab. Bonnies Familie lebt in der Nähe. Wir haben Freunde hier, und auch wenn meine jetzige Stellung nicht perfekt ist, ich habe einen Beruf und Verantwortungen und Pflichten hier. Das kann ich nicht einfach aufgeben und nach Princeton ziehen, nur weil sich dort eine Gelegenheit ergibt. Ich bin nicht so ungebunden, unabhängig wie du. Und...“ Er brach ab.

 

„Und was, wenn ich wieder einmal gefeuert werde und mich erneut auf Jobsuche mache, dann trottest du nicht einfach hinter mir her - nicht wahr, das hast du bei deiner kleinen Litanei ausgelassen“, sagte House bitter. „Aber stell’ dir vor, ich habe tatsächlich mehr an dich gedacht, als an mein... Vergnügen.“

 

„Es ist schon einmal passiert und wie ich dich kenne, wird es nicht das einzige Mal bleiben“, erwiderte Wilson leise. „Ich vermisse dich.“ Er sah in den Garten, auf Bonnies liebevoll gepflegten und gehegten Pflanzen. „Ich vermisse dich sehr. Aber ich habe mir hier ein Leben aufgebaut. Und auch wenn es dir kleinbürgerlich und langweilig vorkommt und es das auch manchmal ist, es ist ein gutes Leben. Es ist, was ich brauche. Und ich liebe Bonnie.“ Er warf unwillkürlich einen Blick zum Haus, doch Bonnie hatte gesagt, sie würde sich hinlegen und das Schlafzimmer befand sich auf der anderen Seite des Gebäudes. Er legte seine Hand auf House’ Arm. „Es ist das, was ich will, verstehst du? Das zwischen dir und mir... war viel zu intensiv. Es ging nicht gut. Es könnte niemals gut gehen.“

 

„Und deine unendliche Weisheit beziehst du woher?“ House wandte sich ihm zu. „Du klingst wie die Kummerkastentante in einer Lokalzeitung und erwartest, dass ich dir das glaube? Wie kannst du mit diesen... diesem Alltagstrott glücklich sein? Außerdem... es gibt in Princeton Unmengen an heißen Studentinnen. Du bist bald zu alt, um noch bei ihnen landen zu können.“

 

Wilson schüttelte den Kopf. Er hob die linke Hand und legte sie zögernd an House’ Wange. „Es tut mir leid, Greg. Wir bleiben Freunde, das verspreche ich dir. Aber...“

 

House beugte sich vor und küsste ihn.

 

„Nicht.“ Wilson zog den Kopf zurück. Aber er ließ seine Hand, wo sie war und sie waren sich immer noch nahe genug, dass er House’ Atem auf seiner Haut spürte. „Es tut mir leid.“

 

Nach einem Moment nickte House und richtete den Blick auf den Boden. „Ich denke, ich werde doch heute Abend einen Zug nehmen“, sagte er, seine Stimme hatte einen leicht rauen Klang.

 

Wilson ließ die Hand sinken. „Du kannst gerne hier übernachten und den ersten Zug morgen früh nehmen.“

 

House schüttelte den Kopf. Er trat von dem anderen Mann weg und verließ den Pavillon. Dann sah er über die Schulter zurück. Er öffnete den Mund, als wollte etwas sagen – doch stattdessen schüttelte er nur noch einmal den Kopf und verschwand ihm Haus.

 

Wilson stand eine Weile da, den Blick auf den Garten seiner Frau gerichtet. Es war die richtige Entscheidung, das wusste er. Und konnte doch nicht verhindern, dass irgendwo in ihm eine Stimme fragte: was-wäre-wenn...

 

* * *

 

Bonnie lag auf dem Bett, als er ins Schlafzimmer trat, vertieft in einen Roman. Sie sah auf, als er sich neben sie auf die Bettkante setzte. „Ist alles in Ordnung?“, fragte sie. „Ich habe vorhin gehört, wie die Tür zugeknallt wurde. War das House?“

 

„Ja.“ Er nahm ihr das Buch aus der Hand und legte es auf den Nachttisch. „Er muss noch heute Nacht zurück nach Princeton.“

 

Bonnie lächelte – ihr fiel ein Stein vom Herzen. „Und was war denn nun das große Geheimnis, weswegen er extra hergekommen ist?“

 

James schüttelte den Kopf und beugte sich vor, um sie zu küssen. „Das erzähle ich dir morgen.“ Er war sich sicher, es würde sie morgen nicht mehr interessieren. Für Bonnie war nur wichtig, dass House wieder aus ihrem Leben verschwunden war.

 

„Warum...“, meinte Bonnie zwischen zwei Küssen, „...lässt du nicht Hector nach draußen und ich schlüpfe in der Zeit in etwas bequemes und wir gehen früh ins Bett?“

 

„Das klingt fantastisch.“ James strich ihr das Haar zurück und küsste sie auf die Schläfe, bevor er aufstand. „Ich bin gleich zurück.“

 

Bonnie sah ihm lächelnd nach. Ja, es war alles in Ordnung.

 

* * *

 

Zwei Jahre später packte sie ihre Sachen in Kartons für den Umzug nach New Jersey, als James am Princeton Plainsboro Teaching Hospital eine Stellung angeboten bekam und sie sich nach vielem Überlegen entschlossen, dort neu anzufangen.

 

Titel: Key to my heart
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Episode: 5.07 The Itch
Pairung: House/Wilson, [House/Cuddy impl.]
Rating: pg, slash
Beta: T'Len
Archiv: ja
Fortsetzung zu 130. „Road out of nowhere“

230. „Ich glaube nicht, dass Sie auf diese Möglichkeit Ihre Zeit verschwenden sollten, Mr. Lang.“


leaving me no way out / all I know is if you go / you take a part of me / all I know is love controls / won't you set me free / won't you set me free / don't hold me back but don't leave… (Jam and Spoon)


Er war früh aufgestanden. Früher als ihn je ein Haartrockner aus den Federn getrieben hatte. Ohne wach zu werden, drehte Wilson sich mit einem Seufzen herum, rollte sich auf die nun freie Seite des Bettes, als zogen ihn die warmen Laken magisch an. Ein paar Monate oder ein ganzes Jahr der Trennung konnten nicht die intime Vertrautheit mit den Gewohnheiten des anderen, gefestigt in fast zwanzig gemeinsam verbrachten Jahren, auslöschen.

Aber House’ Bettflucht hatte nichts damit zu tun, dass er nicht schlafen konnte – nein, in den wenigen Stunden bis zur Morgendämmerung hatte er besser geschlafen als in langer Zeit zuvor, Wilsons warmer Körper an seinem wie ein Schutzschild gegen wirre Träume über Moskitos und Explosionen. Es war nicht Cuddy, die ihn an die Decke seines Schlafzimmers starren ließ, damit würde er sich später beschäftigen.

Es war etwas, dass er gesehen hatte, als er die Wohnung betrat, so flüchtig, dass er es nicht einmal bewusst registrierte – doch jetzt ließ es ihm keine Ruhe mehr. Ohne das Licht einzuschalten, verließ er das Schlafzimmer und zog die Tür hinter sich zu. Es war weniger der Gedanke daran, Wilson zu wecken, als der Gedanke, Wilson zu wecken und Fragen beantworten zu müssen. Oder schlimmer noch, Wilson zu wecken, der sich daraufhin – was immer ihn heute Nacht auch dazu bewogen hatte, in seinem Bett auf ihn zu warten – eines Besseren besann und in sein Apartment zurückkehrte.

Vielleicht war es ohnehin zu Ende, sobald die Sonne aufging oder der Wecker klingelte, den Wilson zweifelsohne gestellt hatte, um nicht zu spät zur Arbeit zu kommen. Aber dann war es zumindest nicht seine Schuld und er konnte noch ein wenig länger den Moment genießen, in dem ihn nur eine Mauer von Wilson trennte.

Als er ins Wohnzimmer trat, schaltete er das Licht ein und blinzelte, bis sich seine Augen an die plötzliche Helligkeit gewöhnt hatten. Mit einer Hand an der Wand und dem Couchrücken entlang (der Stock lehnte noch neben dem Bett), trat er zu seinem Klavier, wo auf dem matten, schwarzen Holz etwas silbern glänzte, dass da nicht hingehörte.

Ein Schlüssel.

Wilsons Schlüssel zu dieser Wohnung.

Er hatte ihn nur flüchtig gesehen, bevor er ins Schlafzimmer ging und war zu abgelenkt gewesen, um die Bedeutung davon zu erkennen. House setzte sich auf die Klavierbank und stützte die Ellbogen auf die Tastenabdeckung, während er den Schlüssel in den Fingern drehte.  

Wilson hatte immer einen Schlüssel zu seiner Wohnung besessen. Nur ein einziges Mal zuvor hatte er ihn zurückgegeben und das war gewesen, als die Beziehung mit Stacy in die ernste Phase übergegangen war. Er wusste bis heute nicht genau, was es damals bedeuten sollte...

Irgendwann in den Trümmern des Infarktes, von Stacys Weggang und dem Ende ihrer Beziehung, war der Schlüssel zurück in Wilsons Hände gewandert und dort war er geblieben – offensichtlich bis jetzt.

Er hatte auf diesen Moment unbewusst gewartet; unbewusst gehofft, er würde nie kommen – ein endgültiges Zeichen, dass es vorbei war.

Der Schlüssel war kalt und schwer in seinen Fingern, als er ihn drehte und drehte. Und er landete mit einem leisen Klirren auf dem matten Holz, als eine Hand seine Schulter berührte. Zu spät.

„Warum kommst du nicht zurück ins Bett?“, fragte Wilson und setzte sich neben ihm auf die Klavierbank. „Es war eine verdammt kurze und unruhige Nacht für uns beide.“

Beide Männer starrten auf das Stück Metall auf dem Klavier – das so viel mehr als eben nur ein Stück Metall darstellte.

„Ist das so eine Art von... sentimentalem Abschiedsbesuch?“, entgegnete House schließlich, seine Stimme rau.

„Nein.“

„Das hier...“ House hielt den Schlüssel hoch. “…ist ein ziemlich großer Hinweis darauf, warum du hergekommen bist, oder?”

Wilson sagte nichts darauf.

„Was ich nicht verstehe... warum bist du nicht einfach wieder gegangen? Warum finde ich dich da drin, als wäre... als hätte sich nichts geändert?“ Er wies mit der Hand vage in Richtung Schlafzimmer.

„Denkst du, du bist der einzige, der verwirrt ist? Nach allem, was geschehen ist?“ Wilson sah auf seine Hände. „Ich bin nicht hergekommen, um eine Abschiedsszene zu produzieren. Ich bin nicht hergekommen, um wie ein schmachtender Teenager in deinem Bett einzuschlafen.“ Er rieb sich übers Gesicht. „Das hat doch alles keinen Sinn. Ich gehe besser...“ Nach Hause? Das war es nicht. „...in meine Wohnung zurück.“ Er machte Anstalten, auf zu stehen, doch House’ Finger schlossen sich um sein Handgelenk, hielten ihn zurück. Wilson setzte sich und wandte sich ihm zu.

House öffnete den Mund, schloss ihn dann wieder und schüttelte den Kopf. Er beugte sich vor, die Hand noch immer um Wilsons Unterarm geschlossen und küsste ihn überraschend sanft auf die Schulter. Dann lehnte er die Stirn gegen Wilsons Oberarm.

Nach einer Weile legte Wilson den Arm um seine Schulter und zog ihn enger an sich.

Bis der Morgen kam.

 

* //  * //  *

 

Titel: by the end of the night

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: pre-4.15 House’ Head

Pairung: House/Wilson

Rating: AR (zeitliche Einordnung), slash, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja

240. „Wie magst du deinen Speck?“

 

 

And when you're tripping over your dreams / They'll keep you down by any means /
and by the end of the night / you'll be stifling your screams / It's like your problems have all worsened / Your paranoia casts aspersions / On the truths you know / And it's a long way to come from your private bedroom dance routines / And Saturday night's drunken dreams (Just Jack)

 

 

„Ich habe gesagt, es tut mir leid.“ Wilson zog seine Krawatte gerade und wandte sich von dem an der Innenseite des Schrankes angebrachten Spiegel ab, um den Mann anzusehen, der mit hinter dem Kopf verschränkten Armen auf dem Bett lag.

 

„Entschuldigungen sind wie Hintern. Jeder hat einen und alle stinken.“

 

Und der sich im Moment wie ein Fünfjähriger benahm. Das Vokabular offenbar eingeschlossen.

 

Wilson schluckte ein: ‚Als hättest du mich noch nie sitzen lassen’ hinunter, aus Erfahrung wissend, dass es die Situation nur verschärfen würde. „Was willst du noch? Soll ich auf die Knie fallen und um Vergebung flehen?“ Sarkasmus war besser. Mit Sarkasmus konnte House umgehen.

 

„Es wäre ein Anfang“, kam es düster von House.

 

Uh-hu. Wilson seufzte und schloss die Schranktür, um sich auf die Bettkante zu setzen, House zugewandt. „Ich habe ganz einfach vergessen, dass ich letzten Monat mit Brown getauscht und bereits heute Nachmittag und die ganze Nacht Rufbereitschaft habe. Du kannst also aufhören, Verschwörungstheorien zu schmieden. Amber hat damit nichts zu tun.“

 

Er hatte Anweisungen bei den Schwestern hinterlassen, dass man ihn anrief, wenn sich der Zustand eines neu aufgenommenen Patienten veränderte. Und als genau dieser Fall eintrat, erwähnte die Schwester ganz nebenbei, dass sie die Testergebnisse sicher vorliegen haben sollten, bis er im Krankenhaus eintraf. Die Frage, ob sie nicht den diensthabenden Arzt bitten konnte (er hörte House im Hintergrund etwas von ‚Blasphemie’ murmeln und darüber, dass Krebszellen von solchen Enttäuschungen vermutlich wuchsen) nach den Patienten zu sehen, war noch nicht ganz über seine Lippen, als Wilson siedendheiß einfiel, dass er Dienst hatte.

 

Er entschuldigte sich und versprach, in einer Stunde im Krankenhaus zu sein. Das sollte ihm genügend Zeit lassen, zu duschen, sich umzuziehen und House’ gekränkte Gefühle zu beschwichtigen. Allerdings bekam Wilson langsam Zweifel an seiner Planung. House hatte offenbar beschlossen, diese Angelegenheit im Gegensatz zu seiner sonstigen Gewohnheit auszudiskutieren. In aller Ausführlichkeit.

 

House sah weg und Wilson wusste, dass er mit der Erwähnung von Amber einen wunden Punkt getroffen hatte. Seine lange Bekanntschaft mit diesem ganz speziellen Mann nährte den Verdacht in Wilson, dass House seinen Dienstplan besser kannte, als er selbst; ihn vermutlich in einem Winkel seines Gehirns abgespeichert hatte, gleich neben den Sendezeiten seiner Soaps und sehr wohl gewusst hatte, dass er heute Nacht Rufbereitschaft hatte. Aber da dies mit seinem Abend mit House kollidierte und House ja bekanntlich wenig Skrupel hatte, wenn es um die Durchsetzung seiner Wünsche ging...

 

Wilson seufzte und hob die Hand, um sich über die Schläfe zu reiben. Zwischen Amber und House „aufgeteilt“ zu werden, verlor langsam aber sicher seinen Reiz. Vor allem, wenn etwas schief ging. Amber war genauso wenig wie House gewillt, auch nur einen Zentimeter von ihrer Vereinbarung abzurücken. Jede Verspätung führte zu Verstimmungen – egal, um welchen der beiden es sich handelte. Besonders von House – selbst alles andere als ein Muster an Pünktlichkeit – Vorwürfe zu hören, grenzte ans Absurde.

 

„Ich will mich nicht mit dir streiten.“ Wie oft hatte er in seinem Leben diesen Satz schon gesagt? Und wann hatte er begonnen, mit House zu sprechen wie mit einer seiner Exfrauen?

 

House gab eine Art verächtliches Schnauben von sich. Obwohl Wilson eher das Bild eines angrifflustigen Stiers vor Augen hatte, der ein rotes Tuch anvisierte. Ein rotes Tuch mit einem Foto einer blondhaarigen, blauäugigen Frau darauf. Und er war wohl eben dabei, besagtes Tuch zu schwenken.

 

„Ich lasse mir etwas einfallen, um es wieder gut zu machen“, fuhr Wilson fort. Er sah sich nach seinen Schuhen um. Einer lag bei der Tür, aber wo war der andere?

 

„Wirklich?“, erwiderte House spöttisch. „Ich bin ganz Ohr.“

 

Er gab die Suche nach seinem Schuh auf und blickte den anderen Mann an. Und sah, dass sich House von ihm zurückzog. Nicht körperlich, er spürte noch immer House’ Hüfte gegen seinen Oberschenkel pressen. Die Distanz lag in den blauen Augen, die seinen auswichen. Fast als wäre House... unsicher.

 

House nahm eine Hand hinter dem Kopf hervor, doch bevor seine Finger sich in die verbliebenen Oberschenkelmuskeln graben konnten, schlossen sich Wilsons darum. Sein Blick glitt suchend über die Züge seines Freundes, doch er sah nicht mehr als ein normales Level an Schmerz. „Greg...“

 

„James...“ House äffte ihn nach. „Jetzt fang’ nicht an, sentimental zu werden.“ Doch seine Stimme enthielt keinen wirklichen Spott. Er nahm seine Hand nach einem Moment weg, griff jedoch nicht nach seinem Bein, sondern dem Laken, um es beiläufig über die Narbe zu ziehen.

 

Wilson warf einen Blick auf seine Armbanduhr und seufzte. „Ich muss los.“ Er stand auf und angelte nach seinem Jackett, das über das Bettende hing. „Hör’ auf zu schmollen und ich bringe dir Frühstück ans Bett“, meinte er mit einem Lächeln, das nur ein klein wenig gezwungen war. Er trat ums Bett herum, und fischte nach seinem zweiten Schuh.

 

„Pancakes“, ertönte es hinter ihm.

 

Dieses Mal war nichts Gezwungenes an seinem Lächeln. Wilson zog seinen zweiten Schuh unter dem Bett hervor und schlüpfte in das wiedervereinte Paar. „Ich dachte eher, du bestehst auf eines dieser Eier-Speck-Sandwiches mit dem 200%-Fettanteil“, erwiderte er und ignorierte die Gefahr von Knitterfalten, als er sich aufs Bett kniete, um House zu küssen.

 

„Du bist ab Mitternacht wieder in den Klauen des Satans.“ House zog eine Augenbraue hoch. „Wie erklärst du ihr das Frühstück bei mir?“

 

„Das ist mein Problem.“ Wilson richtete sich widerwillig auf und trat zur Tür. Er stoppte und sah über die Schulter zurück, als wäre ihm plötzlich noch etwas eingefallen. „Weißt du, wenn ich es nicht besser wüsste... so wie du über Amber sprichst... ich könnte fast glauben, du bist eifersüchtig.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, verließ er das Schlafzimmer.

 

House sah ihm nach. Eifersüchtig. Er gab ein verächtliches Grollen von sich. Wilsons Ausflug auf die dunkle Seite schien sich auf seinen Verstand zu schlagen.

 

Nach einer Weile gab er den Versuch auf, zu schlafen und ging unter die Dusche. Er zog sich an und fischte die Schlüssel der Repsol aus dem Chaos auf der Kommode neben der Tür. Der Nachmittag war noch jung und das „Sharrie’s“ öffnete gerade erst.

 

 

* //  * //  *

 

Titel: I am addicted to my despair

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: pre-4.15 House’ Head

Pairung: House, Barkeeper, OC’s

Rating: gen, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja
Anmerkung: Fortsetzung zu 240. „by the end of the night”

 

250. „’tschuldigung“, sagte ich mit unsicherem Lächeln, als wüsste ich selbst nicht recht, was da eben passiert war.

 

 

in my small night there is agony of destruction
listen, do you hear the darkness blowing?
I look upon this bliss as a stranger
I am addicted to my despair.
(The Wind Will Take Us by Forugh Farrokhzad)

 

 

„Wir haben übrigens bis halb fünf geöffnet, es gibt keinen Grund zur Eile.“

 

House sah milde überrascht und kaum interessiert auf. Bisher hatte der Barkeeper im „Sharrie’s“ mit nicht mehr als einem Kopfnicken auf seine Bestellungen reagiert und ihn ansonsten in Ruhe gelassen. Was ihm sehr entgegen kam. „Und?“, fragte er unwirsch.

 

Der Barkeeper schob ihm ein frisches Glas zu, hob dann beide Hände in einer beschwichtigenden Geste. „Schon gut.“

 

Er ignorierte ihn und wandte sich wieder ernsthaft dem Trinken zu. Die Ruhe hielt nicht lange an.

 

Der Kerl neben ihm glaubte aus irgendeinem unerfindlichen Grund, dass sich irgendjemand für seinen Urlaub in Reno und die Spielschulden interessierte, die seine Schlampe von Ehefrau offenbar als Rache dafür angehäuft hatte, dass er mit einer anderen Schlampe nach Reno gefahren war.

 

Als House den Stock hart genug auf den Tresen schlug, dass die Gläser hüpften und ein paar schwarz-orange Farbsplitter durch die Luft flogen, verstummte nicht nur der Kerl neben ihm. Er ignorierte die neugierig auf ihn gerichteten Blicke und die Stimmen im Hintergrund, die wissen wollten, was passiert war – und schob dem Barkeeper auffordernd sein leeres Glas zu.

 

Halb rechnete er damit, dass er rausgeworfen werden würde – kein Verlust, eine Universitätsstadt wie Princeton hatte jede Menge Bars zu bieten und noch hatte er nicht in allen Hausverbot – doch der Barkeeper grinste nur und schob ihm einen neuen Drink zu.

 

Von da an blieben die Plätze links und rechts von ihm frei. 

 

Als er ein paar Stunden später Wilson anrief, nachdem der Barkeeper die Schlüssel der Repsol konfiszierte, hatte er längst vergessen, dass dieser im Krankenhaus war.

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel:

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode:

Pairung:

Rating:

Beta: T'Len
Archiv: ja

260. Brachte es auf einige Schlagzeilen.

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: In and outside I turn to water

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: post-Finale Staffel 4

Pairung: House, Cuddy

Rating: gen, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja

270. Und eine Stunde lang war sie die glücklichste und fröhlichste Frau, die ich je gesehen hatte.

 

Zum ersten Mal in seinem Leben als Krüppel gab er zu, dass er froh war, dass es behindertengerechte Duschen mit eingebauten Klappsitzen an der Wand gab. Es hatte ihn nicht einmal gestört, sich der Krankenhauspolitik zu beugen und von einem Pfleger in die Duschräume im Rollstuhl fahren zu lassen. Er war nicht sicher, dass er es aus eigener Kraft soweit geschafft hatte. Noch immer hatten seine Beine die Konsistenz zerkochter Nudeln. Aber dort wehrte er jede weitere Hilfe ab und wartete, bis der Pfleger ihn alleine gelassen hatte, bevor er das läppische Krankenhaushemd loswurde, in das sie ihn während des Komas gesteckt hatten. Nur eine Stunde für sich allein, nur eine gottverdammte Stunde, das war alles, was er wollte.

 

Er hielt sich an der Abtrennung fest und zog mit der rechten Hand sein nutzloses Bein hinter sich her. Zwei Schritte. Nur zwei verdammte Schritte und er spürte frischen Schweiß auf der Stirn. Er spürte ein Stechen in der Seite, mit der er aufgeprallt war und ließ sich mit einem Fluch auf den Klappsitz fallen. Es verstärkte sich, als er den Arm ausstreckte, und den Duschkopf so ausrichtete, dass der Strahl ihn treffen würde. Dann drehte er das Wasser auf und schnappte nach Luft, als ihn das kalte Wasser wie ein Schlag traf, bevor es heiß wurde.

 

Eine Weile saß er nur mit gesenktem Kopf da und ließ das heiße Wasser auf sich niederprasseln. Langsam entspannten sich seine Muskeln und zum ersten Mal seit er im Stripclub zu sich gekommen war, fühlte er sich wieder warm.

 

Dann durchbrach ein Räuspern das angenehme weiße Rauschen der Dusche und mit einem Seufzen sah er auf. Aus Sicherheitsgründen hatte die Duschkabine keine Tür, sondern nur eine halbhohe Abtrennung aus milchigem Kunststoff. Gegen diese lehnte, umwabert von Wasserdampf, Cuddy und sah ihn mit einem Ausdruck an, den er als eine Mischung aus Amüsement und Wachsamkeit deutete.

 

„Ich bekomme 150 Dollar pro Show“, sagte er schließlich und wandte den Blick wieder auf die Fliesen zu seinen Füßen. „Extras sind verhandelbar.“ Ein Schwall kalter Luft traf ihn und sofort bildete sich auf seinen Armen Gänsehaut. Er sah auf und Cuddy stand in der Kabine mit ihm! Sie warf ihm ein Handtuch in den Schoß, bevor er ein Wort sagen konnte. Ihr dunkelrotes Oberteil färbte sich noch dunkler, als sie sich vorbeugte und das Wasser abdrehte. „Hey!“, protestierte er schwach und drückte das Handtuch an sich. „Raus hier.“

 

Cuddy verschränkte die Arme vor der Brust, ohne sich darum zu kümmern, dass ihre Haare und ihre Kleidung feucht wurden. „Halten Sie für einen Moment die Luft an – und nein, ich meinte das nicht wörtlich.“ Sie sah auf ihn hinab. „Und keine Angst, ich lasse meine Augen oberhalb der Gürtellinie.“

 

„Wenn Sie mich nackt sehen wollen, kein Problem, ich...“

 

„House.“

 

Sie unterbrach ihn und es war weniger ihre Stimme, als die Hand, die sie auf seine unversehrte Schulter legte, die ihn zum Schweigen brachte.

 

Er hasste, dass es sich gut anfühlte; hasste, dass er die Berührung brauchte, den Kontakt zu einem anderen Menschen. Er schluckte gegen den Knoten an, der plötzlich in seiner Kehle steckte und lehnte sich zurück, um ihren Griff abzuschütteln.

 

Cuddy schien es zu verstehen, sie zog ihre Hand weg und trat einen Schritt zurück, mehr war in der Duschkabine nicht möglich.

 

„Sentimentalität? Ist es schon wieder diese Zeit des Monats?“, spottete House, seine Stimme nur ein wenig rau.

 

„Richtig. Alles lässt sich auf meine Hormone reduzieren“, entgegnete Cuddy ruhig.

 

„Wie soll ich sonst dieses plötzliche Verlangen deuten, mich nackt sehen zu wollen.“

 

Sie lächelte. „House, ich habe Sie schon oft genug nackt gesehen.“

 

Er verzog das Gesicht.

 

 „Ich ging davon aus, Sie würden es vorziehen, wenn meine Anwesenheit verhindert, dass jemand mit einem Kamerahandy ein Bild von Ihnen macht und es anonym per Mail im Krankenhaus verteilt. Obwohl ich mir nicht vorstellen kann, warum jemand wohl so etwas Gemeines tun würde.“

 

House wandte den Blick ab. „Wie wäre es jetzt mit ein bisschen Privatsphäre, damit ich hier raus kann? Oder wollen Sie mir dabei auch zusehen?“

 

Sie ignorierte es. „Ich war in Ihrer Wohnung und habe Ihnen frische Kleidung geholt.“

 

Er hatte bis eben nicht daran gedacht und unwillkürlich fragte er sich, ob das eine Folge seiner Kopfverletzung war. Nein. Das konnte es nicht sein. Es war völlig normal, abgelenkt zu sein. Nicht an den Unfall zu denken. Nicht an Amber. Und vor allem nicht an Wilson...

 

Er war seltsam erleichtert, dass sie es selbst getan hatte, und nicht jemand damit beauftragte. Ohne sich sicher zu sein, warum ihn der Gedanke an eine fremde Person in seiner Wohnung so sehr störte.

 

House hob den Blick, als er ihre Finger in seinem Haar spürte. „Ich dachte, wir hätten eine „Kein Anfassen“-Regel in diesem Krankenhaus. Oder gilt das nur für mich und die Zwillinge?“, spottete er.

 

Cuddy ließ sich nicht beirren. „Ich will nach der Platzwunde sehen.“

 

Er ließ es ihr durchgehen, dass ihre Finger sehr viel länger an der Stelle verharrten, an der die Elektrode eingeführt worden war, als an der Platzwunde über seinem Ohr. Als sie die Hand wegnahm, atmete er auf. Vielleicht ließ sie ihn jetzt endlich in Ruhe, nachdem sie ihre Neugier befriedigt und sich überzeugt hatte, dass er sich nicht in unmittelbarer Lebensgefahr befand.

 

Seine Augen verengten sich misstrauisch, als sie an ihm vorbei griff und Seife aus dem Spender an der Wand in ihre Handfläche pumpte. Cuddy sah ihn ruhig an und begann die Seife zwischen den Handflächen zu Schaum zu reiben.

 

Was hatte sie vor? „Ich lasse nicht mehr als einen Fünfziger springen“, meinte er sarkastisch. „Aber wenn wir zurück in mein Zimmer gehen, können wir darüber reden...“

 

„Mund zu, House“, erwiderte Cuddy. „Oder ich finde eine bessere Verwendung für die Seife.“

 

„Welche bessere Verwendung als...“ Er brach ab, als sie den Schaum in seine Haare rieb. Seine Augen schlossen sich instinktiv, seine Schultern sackten nach unten, als Cuddy begann, ihm die Haare zu waschen. Verdammt, es fühlte sich gut an.

 

Sie war vorsichtig wegen seiner Schädelverletzung, übte nicht zu viel Druck aus. Als sie die Fingernägel leicht über seine Kopfhaut zog, lief ein Schauer durch seinen Körper. Ihre Berührung war nicht... erotisch... nein, doch, sie war erotisch, aber mehr noch war sie besänftigend. Und er war müde. Er war wirklich sehr müde. Ohne darüber nachzudenken, ohne es bewusst zu planen, beugte er sich vor und lehnte die Stirn gegen Cuddys Bauch.

 

Sie gab vor, es zu ignorieren und in diesem Moment liebte er sie dafür.

 

Es war still, bis auf gelegentliches Wassertropfen und das Geräusch ihres Atmens, das leise Knistern des Seifenschaums, als ihre Hände durch sein Haar glitten. Still genug, dass er das Gefühl hatte, sein eigenes Herz schlagen zu hören.

 

Schließlich legte sie beiden Hände auf seine Schultern. „Greg?“, fragte sie nach einer Weile leise.

 

Er lehnte sich zurück, blinzelte und sah an ihr vorbei. Er räusperte sich. „Danke.“

 

„Mund zu, House“, sagte sie sanft und verließ die Duschkabine.

 

House drehte die Dusche auf. Das heiße Wasser spülte den Seifenschaum aus seinem Haar. Die Erinnerung an ihre Berührung blieb.

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Night of the mind

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: past S4-Finale

Pairung: House, Wilson, [H/W past], OC, Kutner

Rating: pg, [slash past]

Beta: T'Len
Archiv: ja

280. „Beides, Sir.“

 

 

"Ignorance is the night of the mind, but a night without moon or star."

– Confucius, 551-479 B.C., Chinese Thinker and Social Philosopher

 

 

„House“, sagte der Mann kühl, der die Tür öffnete. Braune Augen, die seine nahe Verwandtschaft mit der Person verrieten, die er zu sehen gekommen war, starrten ihn ungehalten an.

 

House lehnte etwas stärker auf seinen neuen Stock, nur die weiß aus der Haut hervortretenden Fingerknöchel zeigten seine Anspannung. „Ich möchte mit ihm sprechen.“ Er hatte für diesen Moment vorgeplant und verschiedene Szenarien durchgespielt – wenn auch in der Hoffnung, Wilson würde die Tür selbst öffnen – daher klang seine Stimme sorgfältig neutral. Nicht zu fordernd, aber auch nicht bittend. Zwanzig Jahre... Freundschaft und mehr... mit Wilson gaben ihm jedes Recht, hier zu sein. Auch wenn Jonathans feindseliges Gesicht etwas Gegenteiliges sagte.

 

Trotzdem spürte er, wie sich sein Magen verkrampfte. Mit Wilsons Mutter oder seinem Vater oder sonst jemandem aus der Familie wäre er besser klargekommen. Wilsons älterer Bruder hatte von Anfang an unmissverständlich deutlich gemacht, was er von ihrer Freundschaft und von House selbst hielt. Er hatte nie herausgefunden, was es gewesen war, das Jonathan Wilson gegen ihn aufgebracht hatte und Wilson war alles andere als ein offenes Buch, wenn es um seinen Bruder ging. Seit vor ein paar Jahren die obdachlose Frau im PPTH gestorben war und Wilson mit der Geschichte seines „anderen, verschwundenen Bruders“ herausrückte, hatte er eine Ahnung, warum es Kapitel der Wilson-Familiensaga gab, zu denen er keinen Zugang erhielt. Doch angesichts dessen, das er ebenfalls wenig erpicht war, über seine Familie zu sprechen, hatte ihn das nie besonders gestört. Was ihn betraf, konnte sein Leben ebenso gut erst an dem Tag begonnen haben, an dem er in der Cafeteria des Columbia mit einem braunäugigen Medizinstudenten zusammenstieß, der kaum alt genug aussah, um Bier trinken zu dürfen und ihn – obwohl House selbst an diesem kleinen Unfall Schuld gewesen war – dazu brachte, ihm ein neues Mittagessen zu kaufen.

 

Cuddy hatte Wilsons Eltern angerufen. Er hatte sie dazu gedrängt, und schließlich war sie seiner Bitte, wenn auch sichtlich widerwillig, nachgekommen. Sie wandte ein, dass es Wilsons Entscheidung war. Er hatte verzichtet, ihr zu erklären, dass Wilson im Moment vielleicht nicht allzu klar dachte. Er machte es einfach zu der Bedingung, unter der er sich ihrem Willen beugte und noch eine weitere Woche im Krankenhaus blieb, Foremans Beobachtung und die verlegenen Besuch seines neuen und alten Teams über sich ergehen ließ. Sie kannte ihn lange genug, um die Entschlossenheit in seinem Gesicht und seinem Ton zu lesen und gab nach. Er dachte, dass er sich vielleicht mehr Sorgen um seinen Kopf machen sollte, aber nach allem, was er in den letzten acht Jahren überlebt hatte, was war da schon ein kleiner Krampfanfall und eine kleine Gehirnblutung unter Freunden... Außerdem übernahm Cuddy das sich-kümmern und sich-sorgen und erledigte wie üblich in solchen Fällen einen sehr viel besseren Job als er.

 

Es überraschte ihn nicht, als Cuddy mit der Neuigkeit zurückkam, dass Wilsons Eltern keine Ahnung von der neuen Frau im Sohn ihres Lebens gehabt hatten, aber sich sofort auf den Weg zu ihm machen würden. Vermutlich dachten sie, er lecke immer noch die Wunden der Scheidung von Julie im vergangenen Jahr. Doch als sie wieder ging, konnte er zum ersten Mal seit dem Aufwachen aus dem Koma ein wenig leichter atmen, jetzt da er Wilson nicht mehr alleine in Ambers Wohnung wusste. Es war nicht so gut, wie selbst bei ihm zu sein, nicht annähernd, aber er wusste, dass er keine Wahl hatte. Es war nicht seine Entscheidung.

 

„Warum sollte er den Mistkerl sehen wollen, der am Tod seiner Freundin schuld ist.“

 

Jonathans Stimme holte House aus seinen Gedanken. Er spürte frischen Schweiß im Nacken und auf der Stirn und fragte sich, ob es vielleicht doch keine so gute Idee gewesen war, Kutner dazu zu bringen, ihn aus dem Krankenhaus zu schmuggeln und hierher zu fahren. Wie aufs Stichwort flammten die Kopfschmerzen, die seit dem Unfall seine ständige Begleitung geworden waren, weißglühend auf. Blutrauschen in seinen Ohren überdeckte, was immer Wilsons Bruder noch sagte. Dann wurde ihm schwarz vor Augen.

 

Als wieder Licht, Farbe und Klang in die Welt zurückkehrten, saß er auf dem kalten Steinboden des Korridors. Jemand war bei ihm, hielt ihn aufrecht. Er spürte Knie in seinen Rücken pressen. Ein Arm lag um seinen Brustkorb, stützte ihn, eine Hand über seinem Herzen. Eine zweite Hand glitt an seiner Wange entlang, über seinen Hals und für einen Moment hielt er es für eine Liebkosung... dann waren es nur noch zwei Fingerspitzen, die nach seinem Puls tasteten. Wärme flutete seinen Körper und ein paar Augenblicke lang vergaß er alles andere, lehnte sich in die Berührung zurück, suchte mehr Kontakt und drehte den Kopf zur Seite, um Wilson anzusehen.

 

Wilson sah an ihm vorbei, und automatisch folgte House seinem Blick zum Jonathans angewiderter Miene. Er hielt den Stock in den Händen... fast so, als überlege er, ihn als eine Art Baseballschläger einzusetzen.

 

„Jona, würdest du bitte nach draußen gehen und...“ Wilson sah ihn für einen Moment an, die Stirn leicht gerunzelt, als könne er ihm die Antwort am Gesicht ablesen. „...und nachsehen, ob irgendwo ein junger Mann mit dunklen Haaren herumlungert? Sein Name ist Dr. Kutner und ich denke, er war leichtgläubig genug, diese Dummheit mitzumachen.“

 

Der ältere der Wilsonbrüder nickte widerwillig und lehnte den Stock an die Wand neben der Tür, bevor er um sie herumtrat und gleich darauf fiel hinter ihnen die Eingangstür ins Schloss.

 

House leckte sich nervös über die Lippen. Er hatte lange auf diesen Moment gewartet, alleine mit Wilson, aber plötzlich waren all die so sorgfältig zurecht gelegten Worte und Argumente aus seinem Kopf verschwunden. „Du... kannst mich jetzt loslassen“, sagte er gepresst. Insgeheim hoffte er, Wilson würde nicht... aber bevor er den Gedanken beendet hatte, war die Wärme des zweiten Körpers an seinem verschwunden.

 

Ohne aufzusehen – und ohne überhaupt zu versuchen, ohne Hilfe auf die Beine zu kommen – schob er sich mit den Armen vorwärts und rutschte wie ein Kleinkind auf seinen vier Buchstaben zur Wand, um sich mit dem Rücken neben seinem Stock gegen die Wand zu lehnen. Erst dann wagte er es wieder, den Blick zu heben.

 

Wilson stand nur ein paar Schritte von ihm entfernt, seine Arme locker herunterhängend, die Handflächen nach außen gedreht, als wüsste er jetzt nichts mehr mit ihnen anzufangen. Als House ihn ansah, verschränkte er die Arme vor der Brust.

 

House dachte an den Trip nach Atlantic City, als sie im Hotelflur standen und darauf warteten, dass Coma Guy sich das Leben nahm. Die beiden Bilder überlappten sich... die gleiche Haltung... er auf dem Boden, Wilson auf der anderen Seite des Korridors.

 

Was war seither mit ihnen geschehen? Damals... im Hotel des Kasinos... er war so sicher gewesen, dass... das... was sie... hatten... nicht zerbrechen konnte. Das, was sie hatten. Er konnte diesen Gefühlen nicht einmal hier, in der Privatsphäre seiner eigenen Gedanken, einen Namen geben. Nicht, dass es jetzt noch eine Rolle spielte. 

 

Wilson sah ihn nicht an, sondern starrte auf einen Punkt über seinem Kopf, als würden auf magische Weise an der Wand Buchstaben auftauchen.

 

House öffnete den Mund, doch Wilson kam ihm zuvor. „Ich weiß nicht, ob du einfach nur stur bist oder wirklich so dumm oder beides. Ich dachte, ich hätte klar gemacht, dass ich dich nicht mehr sehen will“, sagte er, seine Worte völlig frei von jedem emotionalen Ausdruck.

 

Bevor er die Gelegenheit hatte, eine Antwort zu finden, bevor er überhaupt etwas sagen konnte, öffnete sich die Tür und Kutner trat mit einem Gesichtsausdruck wie ein getretener Hund zu ihnen. Jonathan folgte ihm, seine Miene womöglich noch düsterer als zuvor. Sein Blick glitt von seinem Bruder zu House, und zurück zu Wilson, als frage er sich, was in den wenigen Augenblicken, die er nicht anwesend gewesen war, passiert sein mochte.

 

„Dr. House?“, fragte Kutner, als er seinen Boss auf dem Boden sitzen sah. „Ist alles in Ordnung?“ Immerhin hatte er in den vergangenen Monaten genug gelernt, um nicht den Fehler zu machen und zu versuchen, ihm zu helfen.

 

Wilson sah den jungen Arzt an... mit einem Ausdruck, der fast an Mitleid grenzte. „Sie sollten ihn ins Krankenhaus zurückbringen. Ich bin sicher, Dr. Cuddy hat diesen kleinen Ausflug nicht genehmigt.“

 

Kutners Blick glitt von House zu Wilson und zurück zu House, die Unentschlossenheit in Person.

 

Wilson trat auf ihn zu und streckte die Hand aus und für einen Moment dachte House, er würde ihm aufhelfen... doch Wilson nahm den Stock, der neben ihm an der Wand lehnte und legte ihn quer über House’ Beine. Dann verschwand er in der Wohnung, gefolgt von Jonathan.

 

House wehrte Kutner ab, der versuchte ihm zu helfen, als er sich aufrappelte und ging, ohne einen Blick zurück zu werfen.

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: I’ll do my crying in the rain

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: Promo Staffel 5

Pairung: House, Cuddy

Rating: AR, gen, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja

Anmerkung: Alternative Plotline zu Staffel 5, basierend auf den Promos

 

290. Draußen war es dunkel, kalt und dunkel, und ein schwarzer Regen á la „Eigentlich hab’ ich null Bock, heute Abend zu regnen“ fiel.

 

 

It's been raining since you left me / now I'm drowning in the flood / You see, I've always been a fighter, but without you I give up.... (Bon Jovi)

 

 

„Nochmal, ganz langsam für mich zum Mitschreiben. Ich bin hier nicht das Genie.“ Cuddy versuchte es mit Sarkasmus, in der Hoffnung zu House durch zu dringen.

 

Doch der ignorierte sie. House angelte mit seinem Stock ein T-Shirt vom Boden des Schranks und hielt es prüfend hoch. „Geht das noch?“, fragte er.

 

„Es. Ist. Keine. Gute. Idee.“ Cuddy seufzte und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht zurück.

 

„Ein schlichtes Nein hätte mir genügt.“ House warf das T-Shirt in die allgemeine Richtung des Wäschekorbs. „Wenn wir übrigens schon einmal in meinem Schlafzimmer sind, könnten wir auch...“

 

„House!“, unterbrach sie ihn. „Ich rede von dieser schwachsinnigen Idee, Wilson hinterher zu laufen.“

 

„Ich laufe ihm nicht hinterher.“ House sprach ganz langsam, wie mit einem zurückgebliebenen Kind. „Ich hinke ihm voraus. Ich dachte, das wäre offensichtlich, weil sein Flug erst...“ er warf auf einen Blick auf den Wecker neben dem Bett. Es war bereits halb ein Uhr morgen, also bereits der Vierte. Wilsons Flug war für den fünften gebucht. „...morgen geht.“ Er brauchte einen Tag Vorlauf, um sich zu überlegen, was er tun würde, wenn er dort war. Das ganze war etwas kurzfristig vor sich gegangen.

 

Cuddy hob frustriert die Hände. „Können wir das ganze ein Mal nicht wie einen Witz behandeln.“

 

„Sehe ich so aus, als wäre es ein Witz?“ House nutzte Cuddys momentane Sprachlosigkeit, um zwei Vicodin zu schlucken. Er holte ein paar Kleidungsstücke aus dem Schrank und warf sie ohne weiteres Federlesen in eine Reisetasche, die auf dem Bett stand. Die wichtigen Dinge, wie seine übrigen Pillen und den iPod hatte er bereits vor Cuddys Ankunft in seinem Rucksack verstaut.

 

„House, offensichtlich ist es nicht, was Wilson will.“

 

Er ignorierte auch das und warf ein paar Sneaker in die Tasche. Auf die Hemden. Wenn sie nicht wollte, dass er Wilson hinterher fuhr, warum war sie dann am Montag bei ihm aufgetaucht, um ihm von Wilsons Vorstellungsgespräch im Mass General zu berichten? Er musste ihr lassen, sie war gut informiert. Sie hatte es vor ihm herausgefunden. Also beauftragte er Thirteen damit, ihm den nächsten Flug nach Boston ­– und nein, die Ironie entging ihm dabei nicht – zu buchen. Wenn Wilson ankam, würde ihn eine nette, kleine Überraschung erwarten. Er wusste noch nicht so genau was, seine Planung befand sich noch in einem extrem frühen Stadium, aber irgendetwas würde ihm schon einfallen. Wilson hatte ihm carte blanche gegeben, indem er ihm sagte, dass sie keine Freunde mehr wären. Nie wirklich Freunde gewesen seien, so dass er keinerlei Rücksicht nehmen musste. Für den äußersten Notfall hatte er die Adresse eines früheren Kollegen von Stacy in der Tasche.

 

House bezweifelte, dass dieser ihn vergessen hatte – bei einem Abendessen in der Kanzlei, in der Stacy nach dem Ausscheiden aus dem PPTH angefangen hatte, outete er ihn vor der versammelten Mannschaft als Träger eines Haarimplantats (damals eine noch neue und nebenrisikenreiche Prozedur – aber er konnte nicht schweigen, als er die Rötung sah, hatten die Leute keine Ahnung von Hygiene und Infektionen?). Vier Monate später packte Stacy ihre Koffer und zog aus. Natürlich hatte die Kanzlei ihren Vertrag nach der Probezeit nicht verlängert. Aber das spielte damals ohnehin keine große Rolle mehr...

 

Er fand, dass er genügend eingepackt hatte und zog den Reißverschluss der Tasche zu.

 

Cuddy räusperte sich und er drehte sich mit einem übertrieben erstaunten Gesichtsausdruck zu ihr um, als hätte er völlig vergessen, dass sie noch da war. „House, vielleicht ist es besser, ihn gehen zu lassen. Es ist seine Entscheidung. Und wenn es das ist, was er im Moment will...“ Sie brach ab. Sie hatte versucht, Wilson in Princeton zu halten. Um House’ Willen, ja, aber auch um seinetwillen. Aber sie konnte ihn nicht zwingen. House dagegen kannte solche Einschränkungen nicht...

 

„Es ist doch wohl klar, dass er im Moment keine Ahnung hat, was er will.“ House nahm die Tasche und den Rucksack und den Stock und ließ dann alles außer dem Stock zurück aufs Bett fallen, als ihm klar war, dass er zweimal gehen musste, um alles zur Eingangstür zu schaffen.

 

Cuddy seufzte und nahm die Tasche, sowohl wie den Rucksack. Sie sah ihn auffordernd an und House nickte, ging um sie herum und verließ das Schlafzimmer. Cuddy folgte ihm mit dem Gepäck zur Tür. „House...“

 

Von draußen war Hupen zu hören.

 

„Mein Taxi.“ House warf einen Blick auf die Uhr. „Zwei Minuten. Danach bezahlt das Krankenhaus für die Fahrt.“

 

Cuddy rollte mit den Augen. „Ich werde die verdammte Fahrt samt Trinkgeld selbst bezahlen, wenn Sie das ganze absagen.“ Es war, was er von ihr erwartete, nicht? Wenn es etwas gab, um House noch entschlossener zu machen, dann Widerspruch. Vor allem ihr Widerspruch.

 

Sein Lächeln sagte ihr, dass sie nicht besonders erfolgreich darin war, ihre wahre Absicht vor ihm zu verbergen. House warf sich aufs Sofa, die Arme ausgebreitet. „Gut, ich bleibe hier.“ Er genoss einen Moment den Ausdruck von Verwirrung und Enttäuschung, den sie nicht unterdrücken konnte. „Dafür erwarte ich aber noch einen Strip. Ich denke, ich finde etwas, um eine Stange zu improvisieren. Falls nicht, ich bin nicht wählerisch; ich bin auch mit einem Lapdance zufrieden.“

 

House grinste, als ihn ihre Augen mörderisch anblitzten und stand wieder auf. Er ging zur Wohnungstür und hielt sie einladend auf. Cuddy schnitt eine Grimasse und trug die Reisetasche nach draußen, um sie auf der obersten Treppenstufe fallen zu lassen. House zog die Tür zu und trat neben sie, um ihr den Rucksack aus den Händen zu nehmen.

 

Cuddy sah ihn an. Sie legte die Hand auf seinen Unterarm, hielt ihn einen Moment zurück, als er sich abwenden wollte. Dann stellte sie sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn auf die Wange. „Passen Sie auf sich auf. Und auf ihn.“ Mit einem Anflug von Fatalismus wartete sie darauf, dass er einen weiteren beißenden Kommentar über ihre Sentimentalität auf Lager hatte.

 

Aber House blickte sie nur an, dann auf ihre Hand und schüttelte sie sanft ab. Er schwang den Rucksack über eine Schulter und trat die beiden Stufen zum Gehweg hinab. „Vergessen Sie nicht, Steve zu füttern.“

 

Cuddy starrte ihm verwundert nach. „Aber...“ Sie wusste wer Steve war, Wilson hatte ihr davon erzählt, als sie wegen gewissen Diskrepanzen im Bestand der Krankenhausapotheke, die mit House’ Aufenthalt dort zusammenfielen, befragte. Die Ratte war jedoch seit zwei Jahren tot. Sie hoffte, es war einer von House’ Witzen, nicht ein Anzeichen davon, dass seine Kopfverletzung Spuren hinterlassen hatte.

 

Der Taxifahrer, der an seinem Wagen lehnte und wartete, öffnete hilfsbereit die Tür, als er den Mann mit dem Stock auf sich zukommen sah.

 

House warf ihm einen unfreundlichen Blick zu und stieg ein, wobei sein Stock... völlig unabsichtlich, natürlich... gegen das Schienbein des Taxifahrers schlug. Dann rief er ihm zu, die Tasche zu holen. Grummelnd holte der Fahrer sie und warf Cuddy einen neugierigen Blick zu, als er die Reisetasche in den Kofferraum knallte.

 

Sie sah ihm nach, die Arme vor der Brust verschränkt. Es war ein kalter Abend, regnerisch und trüb. „Viel Glück, House“, sagte sie leise, als das Taxi abfuhr. Nicht nur Regen glitzerte auf ihren Wangen.

 

 

* //  * //  *

 

Titel: A whole lot of leaving’s going on

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: Promo Staffel 5, 4.13 Living the Dream

Pairung: House, OC

Rating: AR, gen, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja
Anmerkung: Fortsetzung zu 290. „I’ll do my crying in the rain“. Alternative Plotline zu Staffel 5, basierend auf den Promos

 

300. Die junge Frau an der Rezeption untersuchte meinen Pass, als hätte sie noch nie einen gesehen, und brauchte zwanzig Minuten für die phänomenale Fragenliste, die man in Schweizer Hotels ausfüllen muss, bevor man in eins ihrer Betten darf.

 

Es war eine flüchtige Versuchung, die junge Frau hinter dem Tresen der Rezeption, die ihn mit einem Ausdruck nahe Panik anstarrte, mit einem „Buh!“ oder etwas ähnlich albernen zu erschrecken. Stattdessen fragte er sich, warum sie ihn so furchtsam ansah.

 

Dies war kein Horrorfilm, das Hotel befand sich nicht in einer menschenleere Einöde an der Interstate, und weder prasselte Regen bedrohlich gegen die Fenster, noch gab es Sturm, der Äste unheimlich gegen die Seiten des einsamen Gebäudes kratzen ließ, während die ahnungslose, naive Heldin des Films dem unheimlichen Fremden mit dem blutverschmierten Regenmantel und der Axt im Handgepäck ein Motelzimmer anbot.

 

Gegensätzlicher hätte es nicht sein können. Hier war keine Spur des Regens, der Princeton die letzten beiden Tage heimgesucht hatte. Boston war in den warmen Sonnenschein des Indianersommers getaucht; warm genug, dass er Schweißtropfen auf der Haut spürte. Und das Hotel, in dem er ein Zimmer reserviert hatte, war ein modernes Gebäude mitten in der Stadt, in dessen Lobby es von Menschen in Businessanzügen wimmelte.

 

Wie hätte es anders sein können. Wilson hatte das Hotel ausgesucht. Effizient wie stets. Genau so effizient, wie er House aus seinem Leben entfernte. Manchmal wünschte er sich, zurück zu gehen, zu den 40 Aktenmappen auf seinem Schreibtisch und eine davon zu entfernen. Dann wäre... jetzt... kein rauchender Krater dort, wo sich noch vor zwei Monaten seine Freundschaft mit Wilson befunden hatte. Korrektur. Wo er seine Freundschaft mit Wilson geglaubt hatte.

 

Wann hatte es angefangen?

 

Wann hatte er begonnen, sich in seinem selbstgebauten Gefängnis aus Bitterkeit, Schmerzen und Vicodin zu verbarrikadieren?

 

Wann war er so blind für alles andere geworden? Als Stacy ging?

 

Wann war dieser Riss zwischen ihnen entstanden, anfangs haarfein und ignoriert bis zu dem Moment, als er in der ICU die Augen aufschlug und Wilson sich von ihm abwandte. Selbst wenn er nicht längst gewusst hätte, dass sie tot war, der Ausdruck in den braunen Augen hätte es ihm gesagt.

 

Wann hatte es angefangen? Womit? Mit Wilsons Lüge über Rebekka Adler? Mit seiner Weigerung, nach Voglers Pfeife zu tanzen? Bildlich gesprochen, wohlgemerkt. Es war doch alles gut gegangen, Cameron hatte ihren Job zurückbekommen und Wilson seine kostbaren kahlköpfigen Krebsblagen behalten. Stacys Rückkehr... war ein Thema, über das er nicht nachdenken würde. Nein. Sie war wieder weg, oder? Glücklich vereint mit ihrem Ehemann, der nicht war, was sie wollte aber den sie auch nicht aufgeben konnte... Die Schüsse auf ihn? Zugegeben, es war knapp gewesen. Aber Cuddys Bereitwilligkeit, die experimentelle Behandlung mit Ketamin durchzuführen, hatte ihm ein paar kostbare Monate neuer Freiheit geschenkt. Oder alter Freiheit. Wie immer man das sehen wollte.

 

Als die Wirkung nachließ, hatte ihm der Schmerz in mehr als im übertragenen Sinne die Füße unter den Beinen weggezogen und... ja, zugegeben, er hatte für eine Weile die Balance verloren. Tritter war nicht die Notbremse gewesen. Tritter war eher wie ein Prellbock am Ende des Gleises gewesen und er rammte ihn, ungebremst, mit voller Wucht. Vielleicht war es nicht gut, diese Metapher zu nehmen, denn von der Vorstellung eines Zugwracks war es nicht weit bis zum Wrack eines Busses, auf der Seite liegend wie ein sterbender Dinosaurier...

 

House zwang seine wandernden Gedanken zurück in die Gegenwart. Die junge Frau starrte ihn noch immer an, der Ausdruck in ihren Augen unvermindert angstvoll, also konnte er sich nicht lange geistig ausgeklinkt haben. „Ich habe online ein Zimmer reserviert.“ Er war zu müde für Sarkasmus, nachdem er die halbe Nacht am Flughafen verbracht hatte und Fliegen seine Laune ohnehin niemals verbesserte. Außerdem brachte sie das vielleicht endlich dazu, ihn nicht mehr wie eingeschüchtertes Kaninchen anzustarren. Hatte ihre Mutter ihr nicht beigebracht, wie unhöflich das war?

 

„Auf den Namen Evan Green“, setzte er hinzu, als sie nicht reagierte. Offenbar sah sie keine Soaps, denn sie erkannte den Namen nicht. Andererseits war es auch kein so seltener Name. Er war gewöhnlich genug, dass er Wilson nicht ins Auge stechen sollte, falls er zufällig darauf stoßen würde. Richtig? Er hatte noch immer den falschen Führerschein, ausgestellt auf Luke N. Laura, aber Wilson würde diesen Namen wiedererkennen, also hatte er sich ganz einfach den seines berühmten Patienten ausgeborgt. Dr. Brock Sterling hätte einen besseren Klang, aber vielleicht sah sie doch Soaps und...

 

Endlich öffnete sie den Mund, doch die Frage, die sie stellte, klang nicht ganz so, wie erwartet: „Brauchen Sie Hilfe, Sir?“

 

„Ich brauche die Schlüsselkarte für mein Zimmer“, erwiderte er ungeduldig. Es musste heißer sein, als er dachte. Schweißperlen sammelten sich auf seiner Oberlippe.

 

Sie leckte sich nervös über die Lippen, als hätte er ihr diesen Gedanken telepathisch mitgeteilt. „Sir, da ist Blut auf Ihrem Gesicht“, sagte sie. „An Ihrer Nase. Und es ist auch auf Ihrem Hemd.“

 

House hob die linke Hand und rieb sich übers Gesicht. Als er sie zurückzog, zeigten sich Blutflecken in seiner Handfläche. „Nasenbluten, ich...“ Er räusperte sich und sah sie an. „Es ist nur Nasenbluten. Kein Grund zur Sorge. Das passiert manchmal. Ich hatte einen Unfall vor einiger Zeit.“

 

Er konnte sich nicht erinnern, früher je Nasenbluten gehabt zu haben – das hieß, ohne äußeres Trauma, wie eine Faust oder ähnliches – nicht einmal, als er die Allergiemedizin für seinen Heuschnupfen feingemahlen schnupfte. Seit dem Unfall trat es gelegentlich auf. Nachdem es vor Cuddys Augen passiert war und er es nicht bemerkte, bis sie ihm ein Tuch reichte, hatte er sich ihrem Druck gebeugt und Foreman ein weiteres MRI anfertigen lassen, das genauso ergebnislos blieb, wie all die anderen zuvor. Kein Blut in seinem Gehirn an Stellen, an denen es nicht sein sollte. (Und möglicherweise auch nicht an einigen, an denen es sein sollte, höhnte ein Mini-Foreman in seinem Kopf.) Seine Verletzung war abgeheilt, sie konnte nicht die Ursache sein. Doch anders, als er es bei einem Patienten getan hatte, unterzog er sich selbst keiner Differentialdiagnose und jagte jedes Symptom, bis es sich auf den Rücken warf und die Kehle entblößte, um Gnade bettelnd. Es dauerte nur wenige Minuten, er würde nicht am Blutverlust sterben und es wurde weder von Kopfschmerzen, noch von Übelkeit begleitet. Bedeutungslos.

 

„Ich kümmere mich darum, sobald ich in meinem Zimmer bin.“ Er streckte die Hand aus, Handfläche nach oben und realisierte zu spät, dass sie Blutspuren aufwies. Verdammt, manchmal war es, als hätte man ihm mit dem Oberschenkelmuskel auch den rechten Arm weggeschnitten. Er zog die Hand weg und wischte sie notdürftig an seiner Jeans sauber.

 

‚Gutes Mädchen’, dachte er mit einem Anflug von Dankbarkeit, als sie sich abwandte, im Computer nachsah und dann zögernd eine Schlüsselkarte aus einer Schublade nahm, um sie auf seine Handfläche zu legen, wobei sie sehr darauf achtete, ihn nicht versehentlich zu berühren. „Meine Tasche steht noch draußen.“ Er schob die Karte in die Innentasche seines Jacketts und rückte den Riemen des Rucksacks zurecht. „Ich bin nicht gut in Dingen, die zwei Hände gleichzeitig erfordern.“ Er hob zur Verdeutlichung den Stock und wieder weiteten sich ihre Augen fast wie bei einer Comicfigur. House fragte sich müde, ob sie glaubte, es wäre eine Waffe... doch dann legte sich Mitleid wie ein Trauerschleier über ihre Züge. Gott, wie er das hasste. Er konnte ihre nächsten Worte förmlich vorhersagen...

 

„Entschuldigen Sie bitte, Mr. Green. Bei der Buchung wurde nicht vermerkt, dass Sie behindert sind.“ Sie griff nach dem Hörer des Telefons neben ihrem Computerterminal. „Ich rufe sofort jemand, der Ihnen das Gepäck aufs Zimmer bringt.“

 

Er schluckte hinunter, welche beißende Bemerkung auch immer ihm auf der Zunge lag und nickte nur. Dann wandte er sich ab und folgte der Beschilderung zum Lift. Seine Zimmernummer hatte er auswendig gelernt, als er im Flugzeug auf den Ausdruck der ihm zu gemailten Buchungsbestätigung starrte und sich fragte, ob er das richtige tat.

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Go searching for our pot of gold

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: Promo Staffel 5

Pairung: House, OC

Rating: pg, gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

Anmerkung: Fortsetzung zu 300. „A whole lot of leaving’s going on“. Alternative Plotline zu Staffel 5 basierend auf den Promos.



310. Ich stand auf, holte tief Luft und trampelte an la famille vorbei zur Toilette.

 

Das Nasenbluten hatte aufgehört, als er endlich in seinem Zimmer stand, doch er behielt das Taschentuch gegen das Gesicht gepresst. So hatte er keine Hand frei, um dem gelangweilt wirkenden jungen Mann, der seine Tasche getragen hatte, ein Trinkgeld zu geben. Hätte er das jemals vorgehabt.

 

Als sich die Tür hinter ihm schloss, durchquerte er den Raum und ließ sich aufs Bett fallen. Sein Rucksack war alles andere als ein bequemes Kissen, doch für einen Moment war er zu erschöpft, um sich darum zu kümmern. Sein Stock rollte mit einem leisen Poltern von der Matratze und landete auf den grauen Teppich.

 

House warf das blutige Papiertuch weg und schloss die Augen. Er ballte die linke Hand zur Faust und drückte sie hart gegen die Stirn, während sich die Finger der rechten Hand in seinen Oberschenkel bohrten. Er hatte seit dem Check-out am Flughafen dagegen angekämpft. War mit zusammengebissenen Zähnen hin und her gegangen, um die Muskeln am Krampfen zu hindern. Es nur ein kurzer Flug gewesen, aber die Enge und fehlende Beinfreiheit, die erzwungene Bewegungslosigkeit und der Sitz, der ihm nicht ermöglichte, eine bequeme Haltung zu finden, forderten ihren Preis. Und Cuddy hatte damals geglaubt, er hatte ihren Platz in der ersten Klasse nur in Beschlag genommen, um sie zu ärgern. Gut, das natürlich auch. Aber er konnte einen achtzehnstündigen Flug mit ihm in der Businessclass eingesperrt, womöglich neben einem fetten Typen im Anzug, nicht anders als mit mehreren Morden enden sehen. Es sei denn, die Stewardess hatte neben dem Alkohol auch Betäubungspfeile auf ihrem Wagen.

 

Das flüchtige Amüsement, das dieser Gedanke hervorgerufen hatte, verschwand schlagartig, als die überstrapazierten Oberschenkelmuskel erneut krampften. Er spürte die wellenförmige Bewegung unter seiner Handfläche, durch den Jeansstoff. Erfahrung und Instinkt gleichermaßen sagten ihm, dass es nicht von alleine aufhören würde.

 

Zumindest nicht in absehbarer Zukunft und er war sich nicht sicher, wie viel er davon ertragen würde – in einem Hotelzimmer, in Boston, ohne die Sicherheit seines Appartements. Ohne Alkohol – obwohl es hier sicher eine Minibar gab – und ohne seinen Notfallvorrat an mehr oder minder legalen... Hilfsmittelchen... von denen nicht einmal Wilson gewusst hatte, sicher verborgen hinter einem verschiebbaren Brett, das Zugriff auf die Rückseite des begehbaren Schranks im Flur gewährte. Es gab einen Spalt, vielleicht um Luft zirkulieren zu lassen, zwischen Schrankrückwand und der Mauer. Es würde ihn bis an sein Lebensende wundern, dass Tritters Überfalltrupp das Versteck nicht fand, als sie seine Wohnung auseinander nahmen. Es war nicht wirklich geheim-geheim.

 

Er hatte es allerdings auch nur durch Zufall gefunden, als Stacy behauptete, sie könne eine Maus (die sich nie einfand, falls sie je dagewesen sein sollte) im Schrank hören und ihn zwang, der Sache auf den Grund zu gehen. Natürlich nachdem er sie gnadenlos wegen ihrer Angst vor Nagetieren aufgezogen hatte.

 

Er holte tief Luft und stemmte beide Hände gegen die Matratze, um sich in eine aufrechte Haltung zu bringen. Dann schluckte er zwei Vicodin aus seinem schrumpfenden Vorrat – Cuddy hatte vergessen, ihm ein neues Rezept auszustellen, oder vielleicht war das auch ihre Methode, ihn daran zu erinnern, dass er zu viel davon nahm. Nicht, dass er eine Erinnerung brauchte.

 

House schüttelte seinen Rucksack ab und zog ihn nach vorne, um das vordere Fach zu öffnen – bevor er sich daran erinnerte, dass er das Etui mit den vordosierten Spritzen (die er Foreman abgetrotzt hatte) trotz seines Ausweises als Arzt nicht im Handgepäck hatte belassen dürfen. Und seine Tasche befand sich einige Schritte entfernt neben der Tür. In seiner jetzigen Position konnte sie genauso gut in der Lobby stehen.

 

House rollte sich auf die Seite, die Zähne in die Unterlippe gegraben, um über den Bettrand zu greifen und nach seinem Stock zu angeln. Endlich schlossen sich seine suchenden Finger um das hellbraune Holz.

 

Mit Hilfe des Stocks manövrierte er sich auf die Beine und ging zur Tür. Er fragte sich, wie lange es wohl noch dauerte, bevor er sich auf den grauen Teppich übergab oder schlimmstenfalls Tachykardie auftrat, als er sich gegen die Tür lehnte und den Stock auf den Boden legte, um beide Hände für die Suche in seiner Tasche frei zu haben. Dann schlossen sich seine Finger um die Schachtel und er zog sie mit einem Aufatmen hervor.

 

Ohne Zeit zu verschwenden, nahm er eine der Spritzen heraus und ließ die Packung zurück in die Tasche fallen. Er hielt die Spritze zwischen den Zähnen und benutzte beide Hände, um seinen Gürtel zu lösen und die Jeans samt den darunter liegenden Boxershorts nach unten zu schieben. Seine rechte Hand zitterte und er ballte sie einen Moment zur Faust. House nahm die Spritze aus dem Mund, streifte die Schutzkappe mit den Zähnen ab und zog mit der linken Hand die Haut dicht am Beinansatz straff, bevor er die Nadel hinein stieß.

 

Er ließ die Spritze fallen und sank langsam auf den Boden, den Rücken weiter gegen die Tür gepresst. Sein gesundes Bein schob die Tasche aus dem Weg und er senkte den Kopf, wartete darauf, dass das krampflösende Medikament seine Wirkung entfaltete.

 

Wie lange es genau dauerte, wie lange er so auf dem Teppich saß, konnte er hinterher nicht mehr sagen, aber schließlich begann sich ein warmes Gefühl in seinem Bein auszubreiten und die Muskeln entspannten sich. Das Vicodin tat ein Übriges dazu und er hätte an Ort und Stelle einschlafen können, ohne sich um dem trotz Teppich harten Bodens oder der Tür in seinem Rücken zu scheren. Doch er hatte seine Sinne noch genügend beisammen, um zu wissen, dass es keine gute Idee war; um sich mit Hilfe des Stocks auf die Beine zu stemmen und wenn auch unelegant und mit einer Hand seine Hose festhaltend (darüber zu stolpern und zu fallen hätte den Supergau bedeutet) zum Bett zu hinken. Er setzte sich auf die Bettkante, kickte die Schuhe von den Füßen... oder zumindest vom linken Fuß... und streifte die Jeans ab. Dann ließ er sein Jackett daneben fallen und streckte sich auf dem Bett aus, den Rucksack mit dem Ellbogen zur Seite boxend. Ein Kissen kam beinahe instinktiv unter sein rechtes Knie... und das war der letzte bewusste Gedanke, den er für eine lange Zeit hatte.

 

* * *

 

Es war kein langsames, schrittweises Erwachen. Er schlief und im nächsten Moment war er wach, ohne sich des Zeitraums dazwischen bewusst zu sein. House öffnete die Augen und starrte an eine Decke, die den falschen Farbton hatte, um sich in seinem Schlafzimmer zu befinden. Oder in seinem Büro im Krankenhaus. Sie erinnerte ihn vage an die Decke in Wilsons Hotelzim... Hotelzimmer, richtig. Aber nicht Wilsons, sondern sein eigenes. Er war in Boston.

 

Er setzte seine persönliche Situationseinschätzung fort. Der Schmerz in seinem Bein war auf ein normales Level gesunken und auch wenn sich die Muskeln steinhart anfühlten, war die Gefahr weiterer Krämpfe in absehbarer Zukunft gebannt. Das hoffte er zumindest.

 

Seine Augen fühlten sich sandig an – doch nicht so trocken wie sein Mund, der ihn an den Mini-Zen-Garten auf Wilsons Schreibtisch erinnerte. House hob die Hand und rieb sich übers Gesicht. Kein Blut, so weit so gut. Wer wusste, was sie ihm hier berechneten, wenn er die Laken oder Kopfkissenbezüge voll blutete. Dann stießen seine Finger an ein dünnes Kabel, das sich quer über seine Kehle zog. Er hielt es hoch und die Ohrhörer seines iPods kamen in Sicht. Hmh. Offenbar hatte er irgendwann beschlossen, Musik zu hören und seinen iPod aus dem Rücksack geholt. Er erinnerte sich nicht daran. Auch nicht daran, ob er es nicht geschafft hatte, das Gerät einzuschalten oder ob er später nochmal aufgewacht war, um es auszuschalten.

 

Entweder ein Zeichen dafür, dass er Schlaf nötiger hatte, als er dachte oder dafür, dass er unter zeitweiligem Gedächtnisverlust litt. Beides im Moment unwichtig.

 

Noch etwas anderes machte sich bemerkbar – sein Magen. Da war die vage Erinnerung an ein Mittagessen mit Kuttner und Thirteen in der Cafeteria (Taub und Foreman kümmerten sich um ihren Patienten), das hieß, er aß was sie bezahlt hatten und gab ihnen gleichzeitig Anweisungen für die Zeit seiner Abwesenheit. Nachdem er sie zuvor auf Cuddys Thong hatte schwören lassen, dass sie den Mund hielten. Es war eher unwahrscheinlich, dass Wilson nach seinem dramatischen Abgang noch Kontakte zum Krankenhaus hielt, aber man konnte nicht vorsichtig genug sein. Er hatte seither nichts mehr gegessen.

 

House ließ den iPod neben sich aufs Bett fallen und setzte sich probeweise auf. So weit, so gut. Kein Schwindel, die Einrichtung des Raumes verdoppelte sich nicht plötzlich oder tanzte durch das Zimmer. Keine Halluzination. Nicht, dass er damit rechnete. Amber war seit einen Monat nicht mehr aufgetaucht, ungefähr um die gleiche Zeit, als er wieder begonnen hatte, zu arbeiten. Sie hatte wohl das Interesse an dem Job verloren, für den sie so gekämpft hatte.

 

Er ließ den Blick zum Fenster schweifen. Es war draußen noch immer hell, er schätzte, er hatte fünf oder sechs Stunden geschlafen.

 

House angelte sein Jackett vom Boden hoch, schluckte eine Vicodin und beschloss, zu duschen, bevor er sich auf die Suche nach Nahrung machte.

 

* * *

 

Wie sich herausstellte, war das einfacher, als in die Dusche mit der hohen Kante zu gelangen, da das Hotel im Dachgeschoss ein ausgezeichnetes Restaurant beherbergte, wie ihm die anonyme Stimme von der Rezeption am Telefon versicherte.

 

Ob ausgezeichnet oder nicht, war ihm im Augenblick ziemlich egal. Es war nicht besonders gut besucht, die Mittagsgäste waren längst weg und nur ein paar Leute im Rentenalter fanden sich zum einem frühen Abendessen ein. House wählte einen Tisch dicht am Eingang, der zudem den Vorteil hatte, mehr oder weniger von einem Pflanzenarrangement verdeckt zu sein. Er hatte keinen Grund, Wilson früher in Boston zu erwarten, aber er konnte nicht vorsichtig genug sein.

 

Wenn Wilson ihn zu früh sah, dann musste er auf einen sehr, sehr üblen Trick zurück greifen, der ihn vermutlich auch die letzten Reste Wohlwollen kosten würden – sowohl von Wilson, als auch von Cuddy. Aber er hatte eine gescannte Version ihrer Unterschrift auf seinem Laptop, ebenso wie die Originalvorlage eines Empfehlungsschreibens mit dem offiziellen Briefkopf des PPTH. Wenn es sein musste, dann schickte er in Cuddys Namen einen Warnbrief an sämtliche Krankenhäuser der Ostküste – notfalls an alle in den USA – für den Fall, dass Wilson sich dort bewerben sollte. Auch wenn selbst er innerlich von diesem Gedanken zurückschreckte...

 

Ein Kellner erschien wie aus dem Nichts und holte ihn aus seinen Gedanken. Nach einem skeptischen Blick auf seine zerknitterte Erscheinung und seinen krawattenlosen Hals – und nachdem er seine Zimmerkarte vorgezeigt hatte, um zu beweisen, dass er tatsächlich Gast des Hotels war – bestellte House Steak mit einer Folienkartoffel und... nach kurzem Zögern... Wasser. Das entkrampfende Mittel, das er sich gespritzt hatte, vertrug sich nicht sonderlich gut mit Alkohol. Und das konnte er gerade jetzt nicht riskieren, auch wenn ihm der Sinn mehr nach einem guten Scotch oder Single Malt stand.

 

In erfreulich kurzer Zeit erschien sein Essen vor ihm und wie hungrig er tatsächlich war, wurde ihm erst klar, als er die ersten Bissen hinunterschluckte.

 

Später – er kostete gerade von seinem Dessert, eine blassgelbe, süße Creme (die er hauptsächlich bestellt hatte, weil er den Namen auf der Karte las - Bonnie hatte sich bei einer der seltenen Gelegenheiten, als sie ihn zum Abendessen einlud, daran versucht, aber nur eine Art wässrigen, gelben Wackelpudding zustande gebracht) die sich wie Seide in seinem Mund anfühlte – platziert sich eine Familie mit Kindern an den Tisch neben ihn. 

 

Er ignorierte la familia, bis eines der lieben Kleinen mit einer Engelsstimme – und in einer Lautstärke, dass man sie womöglich noch im nächsten Bundesstaat hörte – seine Mutter fragte, ob der Mann am Nebentisch einer der armen Obdachlosen sei, von denen ihre Kindergärtnerin erzählt hatte.

 

In der Stille, die darauf folgte, spürte House auch ohne aufzusehen die Blicke sämtlicher Anwesender auf sich. Die Creme in seinem Mund verwandelte sich in Kleister.

 

Das peinlich berührte: „Scch, sei’ still, so was sagt man doch nicht, Engelchen“ der Mutter hatte keinen Effekt. Denn eins der anderen Engelchen fragte sofort: „Wozu hat der Mann einen Stock, Daddy? Weil er so alt ist?“

 

House legte seinen Löffel weg und leerte sein Glas. Dann griff er nach seinem Stock. Gut, dass er bereits die Rechnung bezahlt hatte, nachdem das Dessert serviert worden war. So konnte er gehen, ohne auf den Kellner zu warten.

 

Normalerweise hätte er nicht einfach so den Rückzug angetreten. Früher hätte er mit ein paar gezielten, sarkastischen Bemerkungen über Erbanlagen und Retardierung im frühkindlichen Stadium „Mami“ zu Tränen bewegt und „Daddy“ die Zornesröte ins Gesicht getrieben – hin und hergerissen zwischen guten Manieren und dem Verlangen, den Krüppel zu schlagen.

 

Aber früher war lange vorbei und was war noch normal... Er hielt den Stock so fest, dass die Knöchel weiß aus der Haut hervortraten und ging an der Familie vorbei zum Ausgang. Die Vanille in seinem Mund schmeckte plötzlich wie Asche.

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: I don’t wanna fall asleep

(cause I don’t know if I’ll get up again)
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: Promo Staffel 5

Pairung: House, OC

Rating: gen, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja
Anmerkung: Fortsetzung zu 310. „Go searching for our pot of gold“. Alternative Plotline zu Staffel 5 basierend auf den Promos.

 

320. Sie liefen ziellos hin und her, guckten finster in die Gegend und ließen ihre Kinder nicht aus den Augen.

 

 

Are you looking to drive my dreams? / You here to run my screens? / You come, deliver my demons / I'm pitching for a new direction / Pinch me when I wake / Don't tell me my dreams are fake / You leave me to lay, you touch me deep / I don't sleep, I dream / I'll settle for a cup of coffee, but you know what I really need... (REM)

 

 

Kurz vor Mitternacht nahm House die letzte Vicodin. Danach begann das lange Warten.

 

Eine Zeitlang beschäftigte er sich damit, jede halbe Stunde den Serviceschalter der Fluglinie, mit der Wilson flog, anzurufen und sich zu erkundigen, ob der Flug pünktlich landen würde. Zuerst mit seiner normalen Stimme, dann auf spanisch, später imitierte er George St. Barleighs steifen, britischen Akzent.

 

Gegen drei Uhr morgens hielt er es in seinem Zimmer nicht mehr aus. In der Nähe des Hotels fand er einen Fastfoodladen, der die ganze Nacht offen hatte. Er vertrieb ein knutschendes Teenypärchen von einem Tisch nahe der Tür, so weit wie möglich von dem wenig appetitanregenden Fettqualm entfernt, der aus der Küche kam. Eine übernächtigt wirkende Frau mit abblätterndem, krümeligem Makeup und haarsprayverkleistertem Haar brachte ihm sein Essen und kassierte, ohne ihn dabei anzusehen. Sein Burger war heiß; durchgebraten, was zu hoffen ließ, dass er keine Lebensmittelvergiftung riskierte und schmeckte wie Pappe. Vermutlich nicht die Schuld des Kochs, er hatte keine Appetit. Er fischte ein weiteres, klebriges Portionstütchen mit Ketchup aus dem kleinen Körbchen, das an der Wand stand, halb versteckt hinter einem leeren Serviettenspender. Riss es auf und drückte das Ketchup über seinen Burger. Und dann noch eines und noch eines, bis die dicke, rote Soße auf den Teller floss. Er klappte das Brötchen wieder zu und als er hineinbiss, lief Ketchup über sein Kinn und seine Finger. Er legte den Burger zurück auf den Teller und starrte auf seine Finger. Und plötzlich war es Blut, dass er sah und roch und schmeckte und es war ihr Blut und er war zurück im Bus und der Schal in seinen Händen...

 

Er schaffte es gerade so aus der Tür, bevor er sich auf den Bürgersteig übergab.

 

„Alles okay?“ Jemand hielt ihm eine Papierserviette hin.

 

House nahm sie und wischte sich den Mund ab. Er hob den Blick.

 

Die müde aussehende Frau aus dem Restaurant stand in der Tür und beobachtete ihn. Sie hatte die Hände unter die altmodische Schürze geschoben, die sie trug, als wäre ihr kalt oder als verstecke sie etwas darunter. Ihr Blick zeigt eine seltsame Mischung aus Desinteresse und Unsicherheit. „Wir haben eine Bescheinigung“, sagte sie.

 

House blinzelte. „Was?“, fragte er momentan ratlos.

 

“Wir haben eine Bescheinigung vom Gesundheitsamt. Der Burger war nicht schuld.“

 

Oh. Das. Er schüttelte den Kopf. „Nein. Das Essen… war okay. Ich hätte es nur nicht essen sollen.“ House wurde schmerzlich bewusst, dass er in der Eile seinen Stock am Tisch hatte lehnen lassen. Er stützte sich mit einer Hand an der Mauer ab und schloss für einen Moment die Augen. Sein Magen krampfte sich zusammen, aber der Brechreiz blieb aus. Es war mehr als die Erinnerung gewesen. Er war Arzt, zum Teufel, Blut an seinen Händen oder seiner Kleidung ein alltäglicher Anblick.

 

Er fühlte sich krank, spürte kalten Schweiß im Nacken und als er die Augen öffnete und die Hand ausstreckte, zitterte sie. Es war viel zu früh. Die letzte Vicodin hatte er erst vor vier Stunden genommen. Es war zu früh für Entzugserscheinungen. Der Schmerz war... „normal“.

 

„Ich kann Ihnen Wasser holen, Mister“, sagte die Frau.

 

„Nicht nötig. Danke“, setzte er hinzu. “Kann ich…?” Er deutete auf sein Bein.

 

Zum Glück verstand sie ohne weitere Worte und verschwand nach drinnen. Einen Moment später war sie zurück und hielt ihm seinen Stock hin.

 

House zog ohne hinzusehen einen Geldschein aus der Tasche und drückte ihn ihr die Hand. Dann machte er sich auf den Weg zurück ins Hotel.

 

* * *

 

House beschloss, so zu tun, als wäre er ein Statist in einem alten Spionagefilm in schwarzweiß. Er hatte einen strategisch günstigen Sitzplatz gefunden, abseits, ähnlich wie der Tisch im Restaurant halb hinter einem üppigen Pflanzenarrangement versteckt, aber mit gutem Blick auf die Rezeption. So konnte er Wilsons Ankunft beobachten, ohne – hoffentlich – selbst gesehen zu werden. Er fragte sich müßig, ob er sich eine Zeitung hätte kaufen sollen. Machten sie das noch so in den Filmen? Hielten sich eine Tageszeitung vors Gesicht, um sich dahinter zu verbergen?

 

Neun Stunden seit der letzten Vicodin.

 

Neun Stunden ohne die geringste Ablenkung von dem stärker werdenden Schmerz in seinem Bein. Gedanken, Worte, Erinnerungsfetzen glitten durch seinen Kopf, ohne dass er an einem davon länger festhalten konnte. Oder das wollte.

 

In regelmäßigen Abständen stand er auf und machte eine Runde durch die Lobby, um eine Wiederholung der Muskelkrämpfe vom Vortag zu vermeiden.

 

Es war erbärmlich.

 

Er hing in einer gottverdammten Hotellobby herum wie ein liebeskranker Teenager, der auf das Erscheinen seines Idols wartete.

 

Zehn Stunden.

 

Die Frage war, was konnte er sonst tun? Nach Princeton zurückfahren und so tun als wäre nichts geschehen?

 

Elf Stunden.

 

Es war fast Mittag. Hatte er Wilson verpasst? Hatte sich das Flugzeug doch verspätet? Stand sein Taxi im Stau?

 

Oder hatte er von irgendjemand... Cameron, zum Beispiel, sie schienen plötzlich sehr viel gemein zu haben... erfahren, dass House hier auf ihn wartete?

 

„Hey, Mister.“

 

House drehte sich um, als er unerwartet angesprochen wurde und fand sich... einer der Nervensägen vom Nebentisch gegenüber. „Verschwinde“, sagte er und setzte eine finstere Miene auf.

 

„Bist du krank?“

 

Offenbar hatte nie jemand die liebe Kleine davor gewarnt, fremde Männer anzusprechen. Ihre Mutter würde ihre helle Freude an ihrem „Engelchen“ haben, wenn sie diese Angewohnheit bis zu ihrem sechzehnten Geburtstag beibehielt. „Ich sagte: Verschwinde. Geh’ und sag’ deiner Mami, sie soll dich zu einem Arzt bringen, damit er sich deine Ohren ansieht.“ Wie alt war sie? Sieben? Acht? In dem Alter sollte sie doch kapieren, wenn sie nicht erwünscht war.

 

Das Mädchen rümpfte die Nase und kniff die Augen zusammen. Ihr Engelsgesicht verwandelte sich in eine Trollfratze. „Es ist nicht nett, so grummelig zu sein“, belehrte sie ihn.

 

House wandte sich von ihr ab und kehrte zu seinem Beobachtungsposten zurück. Unglücklicherweise hatte er kaum Platz genommen, als sie vor ihm stand. Schlimmer noch, ein zweites Kind, ein Junge mit unverkennbarer Familienähnlichkeit, zweifellos der Bruder der Blage, steuerte quer durch die Lobby auf sie zu. Was war das mit Kindern? Wieso suchten sie sich wie Katzen instinktiv genau die Person aus, die sie am wenigsten leiden konnte?

 

Jetzt starrten ihn zwei Paar Kinderaugen abschätzend und erwartungsvoll an. Was wollten sie eigentlich von ihm? Sollte er anfangen, mit seinem Stock auf der Nase zu balancieren wie ein dressierter Seehund?

 

Er beschränkte sich darauf, zurück zu starren. Vermutlich bekamen sie bald genug, wenn er ihnen keine Unterhaltung bot oder mehr Aufmerksamkeit schenkte, und verschwanden wieder dorthin, woher sie gekommen waren.

 

„Cate? Tony? Wo seid ihr schon wieder?“

 

Oder bis ihre Mutter sie rief. Leider machten die beiden Blagen keine Anstalten, dem Rufen des Muttertiers Gehorsam zu leisten. Sie sahen sich an, kicherten und machten: „Pscht, pscht“ mit vor den Mund gelegtem Finger.

 

House sah sie an und beging den Fehler, sie erneut anzusprechen. „Verschwindet. Das ist mein Versteck!“

 

„Wieso brauchst du ein Versteck?“, fragte der Junge sofort, sich offenbar ermutigt fühlend. „Will dich deine Mom auch in eine stinklangweilige Ausstellung mitnehmen?“

 

„Nein, ich verstecke mich vor der Polizei.“

 

Ironie war an offensichtlich die beiden verschwendet. Denn anstatt sich umzudrehen und angsterfüllt zu verschwinden, hellten sich ihre Kindergesichter auf. „Ehrlich?“, fragte das Mädchen. „Wie im Fernsehen? Was hast du angestellt?“

 

„Cate? Tony?“ Ah, Mom war noch immer auf der Suche nach Hänsel und Gretel. „Anthony? Caitlin? Ihr meldet euch auf der Stelle, sonst...“ Offenbar fiel ihr keine Drohung fürchterlich genug ein, um ihren streunenden Nachwuchs ins Freie zu locken.

 

House sah sich nach ihr um, in der Hoffnung, sie herzulotsen, als sein Blick auf die Rezeption fiel. Genauer gesagt auf den Mann, der dort stand und mit der Rezeptionistin sprach. Es war die gleiche, die auch ihn willkommen geheißen hatte. Doch jetzt fehlte der erschreckte Kaninchen-vor-Schlange-Ausdruck auf ihrem Gesicht und sie lächelte und strich sich das Haar zurück.

 

Ein humorloses Lächeln zuckte um seine Lippen. Wilson hatte diesen Effekt.

 

„Cate! Tony! Was macht ihr hier drüben? Belästigt ihr den armen Mann schon wieder?“ Aha. Mom hatte das Versteck gefunden.

 

Unglücklicherweise war ihre Stimme laut genug, um durch die ganze Hotelhalle zu klingen und mehrere Köpfe drehten sich in ihre – und damit in House’  - Richtung. Auch Wilson sah auf.

 

Über die Distanz hinweg trafen sich ihre Blicke. Dann wandte Wilson sich ab, als wäre er ein Fremder.

 

 

* //  * //  *

 

Titel: One foot out the door

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: Promo Staffel 5

Pairung: House, Wilson

Rating: gen, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja
Anmerkung: Fortsetzung zu 320. „I don’t wanna fall asleep“. Alternative Plotline zu Staffel 5 basierend auf den Promos.

 

330. Alte Zeit, neue Zeit, bloß redet endlich.

 

 

But you, you're the only one that ever got me / and you, you got me feeling like that / and you, like a bullet in my heart that shot me right down, boy / and I can't get enough of that / I don’t know what it is that you do to me... (Stefanie Heinzmann)

 

 

„House.“

 

Zuerst weigerte er sich, aufzusehen. Er hatte keine Ahnung, wie viel Zeit vergangen war, seit Wilson sich wieder einmal von ihm abgewandt hatte, als wäre er ein Fremder, aber es fühlte sich an wie Jahre.

 

„House?“

 

Es wäre nicht das erste Mal in den letzten zwei Monaten, dass er Wilsons Stimme hörte, nur um sich umzudrehen oder den Kopf zu heben und sich einem Fremden gegenüber zu finden.

 

Er hielt den Blick stur auf seine rechte Hand gerichtet, unablässig den verbleibenden Muskel außerhalb der Narbe reibend, als wäre sein Bein eine Wunderlampe und wenn er nur lang genug rieb, kam der Geist heraus, um ihm drei Wünsche zu erfüllen.

 

Gerade hatte er nur einen einzigen.

 

„Sieh’ mich an.“

 

Eine Hand über seiner, hielt seine Finger still, zog sie weg von seinem Bein und ließ sie dann wieder frei.

 

House musste aufsehen.

 

Da war kein Ärger in Wilsons Miene oder seiner Stimme. Ärger hatte er erwartet, und geglaubt, darauf vorbereitet zu sein. Aber aus den vertrauten, braunen Augen sprach nur eine tiefe Müdigkeit und Trauer.

 

Er öffnete den Mund, unsicher was er sagen würde, er hatte zu viel gesagt und immer das falsche... und konnte ein Zusammenzucken nicht verhindern, als Wilson erneut die Hand hob. Ein Schauer lief durch House’ Körper, als Wilson mit den Fingerspitzen die Seite seines Gesichtes streifte, für die Dauer eines Herzschlages lag sein Daumen über trockenen Lippen, hieß ihn schweigen.

 

„Geh’ nach Hause, Greg.“

 

Wilsons Hand fiel von seinem Gesicht und er versuchte instinktiv ihr zu folgen, lehnte sich vor, doch die Entfernung war zu groß. Und sie wurde immer größer. Er sah ihm wie betäubt nach, als Wilson sich abwandte und zurück zur Rezeption ging. Sein Brustkorb fühlte sich an wie eingeschnürt, sein Herzschlag flach und unregelmäßig.

 

Ironischerweise war alles, was er in diesem Moment hörte, die Stimme seines Vaters, die ihm mitteilte, dass er es mit seiner Einstellung niemals zu irgendetwas bringen würde. Zielloses Handeln bringt dir niemals Erfolg. In diesem Leben schenkt dir niemand etwas, Greg. Je schneller du das lernst, desto besser. Mein Sohn wird kein Versager.

 

Er konnte sich nicht mehr an den speziellen Anlass erinnern – und es gab ohnehin immer mehr als einen, eine schlechte Note in einem Fach das ihn langweilte oder ein zeitweiliger Ausschluss vom Unterricht, weil er sich geprügelt hatte – und es war bei weitem nicht das Schlimmste, das er je von ihm zu hören bekommen hatte. Aber in diesem Augenblick klangen die Worte so klar und deutlich, dass er unwillkürlich den Blick abwandte und erwartete, den Colonel neben sich stehen zu sehen.

 

Sah so aus, als hätte sich sein Vater geirrt. Er war ein Versager.

 

Er hatte es geplant. Er hatte seit fast zwei Wochen keinen Alkohol angerührt... und seit fast zwölf gottverdammten Stunden auch kein Vicodin. Alles in Vorbereitung auf diesen Moment. Nur um Wilson nüchtern gegenüber treten zu können. Ihm zu zeigen, dass er bereit war, alles zu tun... alles, worum Wilson ihn in den vergangenen Jahren gebeten hatte und das er stets vorgab, nicht zu hören. Aber er hatte alles gehört. Und jetzt war jedes Wort wie eine Nadel und sie steckten alle in seinem Bein.

 

Er war jetzt bereit, alles zu tun, was Wilson von ihm verlangte – einen echten Entzug, dieses Mal ohne die Hilfe eines Voldemorts; alternative Schmerztherapien um das Vicodin zu ersetzen... er war sogar bereit, das Experiment mit dem Ketamin zu wiederholen – nicht einmal Cuddy wusste, dass er seit über einem Jahr mit einem Arzt in der Schmerzklinik, in der das Verfahren entwickelt worden war, in eMail-Kontakt stand und es dort eine Akte über ihn gab.

 

Alles, um ihn nicht zu verlieren.

 

Aber es war... es war... offensichtlich zu spät dafür. Vielleicht hatte er zu lange gewartet. Nicht nur die zwei Monate seit Ambers Tod waren zu lange gewesen. Er hatte versäumt die kleinen, feinen Haarrisse zu kitten, die sich über die Jahre in ihrer Beziehung auftaten. Sie waren so viel schlimmer als die großen, klaffenden Löcher darin, denn sie waren heimlich, unsichtbar, immer mehr gewachsen, bis sie sich wie der Grand Canyon zwischen ihnen erstreckten.

 

Als der erste Schock abebbte, und es ihm ein wenig leichter fiel, zu atmen, stemmte er sich hoch und ging langsam zum Fahrstuhl. In der Kabine lehnte er sich gegen die Wand und hob die Hand, glitt mit den Fingerspitzen über seine Wange, dort wo Wilson ihn berührt hatte. Wo seine Berührung eine neue Narbe hinterlassen würde...

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: There’ll be pie in the sky when you die

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: Promo Staffel 5

Pairung: House, OC

Rating: gen, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja
Anmerkung: Fortsetzung zu 330. „One foot out of the door“. Alternative Plotline zu Staffel 5 basierend auf den Promos.

 

 

340. Ich selbst war mir ganz besonders egal.

 

 

Who wants to live forever? / Who dares to love forever? / When love must die / But touch my tears with your lips (Queen)

 

There’ll be pie in the sky when you die -- but what if there’s not enough to go around? (John D. Spalding)

 

 

Zu seinem Erstaunen schaffte er es unversehrt zurück in sein Hotelzimmer. Auf der Ablage neben dem Bett stand der vertraute, orangefarbene Behälter mit seinen Pillen.

 

 

His body needed sleep so badly but he couldn't relax. He felt too sick, too tired. He was in a strange kind of hell. His hair was soaked with sweat, undershirt too, but he kept his jacket on. If he had thought about it, he would have realized that he kept it on because he was cold. His muscles were too tired to shake or shiver anymore. he swallowed the pill.

Endorphins exploded like fireworks in his brain. He felt a wash of relief. His leg receded. His hand. His arm. All of it. Every weakness he ever had was gone. He was in control. He felt good.

And then he realized what he'd done. Panic gripped him. He'd given in to them. He shouldn't feel physically better five seconds after swallowing a Vicodin. He didn't feel better because of the medicine. He felt better because he'd taken it.

At that moment he could no longer deny what he'd known for so long but refused to admit to anyone, even himself.

He was an addict.

Not just physically dependent on the pills. Psychologically dependent.

The horror of this realization struck him and before he knew it his fingers were down his throat and the pill was in the trash can.

He looked down at it with disgust. Its outer layer had begun to dissolve but there was no way it had entered his system. He hated himself, what he'd just done.

 

But he was House. He never did things the easy way.

The brain has an gating mechanism for pain.  (Wilson, 1.14 Detox)

Next time you need to take your mind off her, stick a needle in your eye It’s less annoying for the rest of us if you can still walk. (Wilson 2.12 Distractions)

 

Es war nicht die Erkenntnis, dass er süchtig war, die ihm die Kehle zuschnürte. Das war ein Fakt.

 

Es war die Erkenntnis, dass er – in Ermangelung eines steinernen Stößels - die Schmerzen und Übelkeit und selbst die Erschöpfung als Vorwand nutzte, um nicht den wirklichen Schmerz über Wilsons Weggang zu fühlen.

 

Er hätte es schon früher erkennen sollen. Nach der kurzen Affäre mit Stacy hatte er das gleiche mit Webbers angeblichen Wundermittel gegen Migräne getan.

 

Er stand auf und ging langsam ins Bad, eine Hand an der Wand, um die Balance ohne Stock halten zu können. Trank direkt aus dem Hahn, bis das Kratzen der Pille in seinem Hals stoppte und er sich fast verschluckte. Das kalte Wasser gluckerte in seinem leeren Magen wie Kieselsteine und er verzog das Gesicht, als er zum Bett zurückkehrte. House schluckte zwei weitere Vicodin, die sehr viel leichter rutschten – vielleicht war er auch nur zu taub, um sie zu spüren – und rollte sich auf dem Bett herum, bis er mit dem Rücken zur Tür lag. Und irgendwann schlief er sogar.

 

Warum hatte Cuddy ihn hergeschickt? Wieso glaubte sie, er hätte mehr Erfolg darin, Wilson zurück zu holen, als sie hatte, ihn fest zu halten? Er wusste, was sie bereit war, zu tun, um ihre Ziele zu erreichen. Ganz sicher seit dem Augenblick, als sie vor Gericht für ihn log. Aber es ging nicht um Wilson, nicht wahr? Sie wollte, dass er funktionierte.  Patienten heilte. Den guten Ruf des PPTH noch weiter aufpolierte. Und im Moment tat er nichts. Ohne Wilson... funktionierte er nicht.

 

Vielleicht hätte er nicht hierher kommen sollen. Es war womöglich das falscheste gewesen, das er tun konnte. Anstatt Wilson den Raum zu lassen, den er brauchte, von ihm gefordert hatte; anstatt ihm die Wahl zu lassen, wann er zurückkehren würde - hatte er wie in all den Jahren zuvor einfach seine Wünsche ignoriert und versucht, ihm seinen Willen aufzuzwingen. Vielleicht war es genau das gewesen, was Wilson in erster Linie dazu bewog, zu gehen.

 

Andererseits, niemand kannte ihn so gut, wie Wilson. Kannte seine Besessenheiten. Er konnte nicht wirklich überrascht sein, ihn hier zu finden...

 

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Hide and Seek

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: zweite Hälfte Staffel 2

Pairung: House, Wilson

Rating: gen, PG

Beta: T'Len
Archiv: ja

350. Ich hätte mir natürlich auch die Geschichte aus den Fingern saugen können, ich müsse meine Großeltern oder meine sieben Kinder oder meinen Schankerschamanen besuchen, aber im Endeffekt fand ich „Verpiss dich“ bequemer.

 

 

I heard the warning / I saw the signs / I'll keep on searching / 'Cause I'm curious and walk across the line / Maybe you are a good boy / Maybe you are a bad boy / I hardly know the role you chose to play. / But in the end I'll find out anyway / About all the secrets you keep / It's like hide and seek (Sasha)

 

 

…You always needed him, and he was always there for you! You knew he had a wife waiting at home but you didn’t care… (Bonnie, 3.20 House Training)

 

 

House öffnete die Tür, noch während Wilson versuchte, in seine Manteltasche zu greifen, ohne dabei den Pizzakarton, noch das Sixpack fallen zu lassen, die er balancierte.

 

„Entschuldige“, murmelte er, sein Blick glitt automatisch von House’ Griff um den Stock (so fest, dass seine Fingerknöchel weiß hervortraten) zum Gesicht seines Freundes. House’ Miene war eine blanke Maske und so geübt er auch darin war, selbst er konnte sie in diesem Moment nicht entziffern. Aber die Art, wie sein ganzer Körper sich zur linken Seite lehnte, um das Gewicht von der rechten zu halten, sprach davon, dass es immer noch einer dieser wirklich schlimmen Tage waren. Die rein zufällig mit Stacys Rückkehrt nach Short Hills zusammenfielen. Nichts weiter. Aber er sprach diesen Gedanken nicht laut aus. Das hatte er bereits getan, und mehr Narben als die verblassenden blauen Flecken an seinem Schienbein waren zurückgeblieben.

 

House wandte sich ab und kehrte zur Couch zurück. „Wenn du nur gekommen bist, um dich zu entschuldigen, kannst du gleich wieder gehen.“

 

Es klang ungnädig genug, dass Wilson unwillkürlich zusammenzuckte. Auch wenn er völlig im Recht war und House nur stur wie üblich, er hasste es, wenn sie stritten. Es erinnerte ihn an seine Ehen. Und auch wenn House und er so gut wie nie einer Meinung zu sein schienen, das war etwas anderes als die unausgesprochenen Fragen, die seit ihrem Gespräch auf dem Dach zwischen ihnen standen. Was ist zwischen dir und Stacy passiert?, wollte er fragen. Warum? Und warum hast du sie wieder weggeschickt? Er konnte keine der Fragen laut stellen. House hatte unmissverständlich klargemacht, dass er nicht darüber reden wollte.

 

Wilson beschäftigte sich damit, die Pizza in die Küche zu bringen. Er ließ den Karton auf den Küchentisch fallen, stellte den Sixpack in den Kühlschrank und zog seinen Mantel aus. Der regnerische Abend hatte die Pizza schnell auskühlen lassen und er stellte den Ofen an, um sie aufzuwärmen. In der Zwischenzeit nahm er zwei Flaschen Bier aus dem Kühlschrank, die er dort bereits vorgefunden hatte und die kalt waren, und ging damit zurück ins Wohnzimmer.

 

House beschäftigte sich mit seinem TiVo und schenkte ihm keine Aufmerksamkeit, als Wilson ihm das Bier hinstellte und sich neben ihn setzte.

 

„Julie hat mich angerufen“, sagte House unvermittelt.

 

Wilson verschluckte sich fast an seinem Bier. „Wirklich?“, fragte er und räusperte sich. „Was wollte sie?“ War es ein gutes oder schlechtes Zeichen, dass House davon Abstand nahm, Julie wie sonst mit „die Hexe“ zu betiteln?

 

„Wenn das mein Teil der Pizza ist, der anbrennen sollte, gehst du heute ohne Abendessen ins Bett, wie ein ganz, ganz böser Junge.“ House ignorierte Wilsons Worte und schnüffelte übertrieben laut.

 

„Die Pizza ist noch gar nicht im Ofen.“ Wilson drehte die Flasche in seinen Händen. „Ich heize ihn nur vor. Dass es angebrannt riecht, liegt daran, dass du nie den Ofen reinigst.“ Er warf einen kurzen Blick auf den Bildschirm, dann hinüber zu House. „Was wollte Julie von dir?“

 

„Oh, dies und das.“ House lehnte sich zurück, die Arme vor der Brust verschränkt, die Fernbedienung schwenkend wie ein königliches Zepter. „Sie wollte wissen, wie es mir geht. Über das Wetter plaudern. Um ehrlich zu sein, es war ein so angenehmes Gespräch, dass wir uns für nächste Woche zum Kaffeetrinken verabredet haben.“

 

Wilson seufzte. „Greg.“

 

„James“, schoss House sofort spöttisch zurück. „Eheprobleme?“

 

Wilson stellte sein Bier auf den Couchtisch und stand auf, um in die Küche zu verschwinden. Er beförderte die Pizza in den Ofen, aus dem tatsächlich ein paar graue Wölkchen kamen, die nach verbranntem Essen rochen und stützte sich gegen den Küchentresen, als er überlegte, was er machen sollte.

 

Aus den Augenwinkeln sah er House im Durchgang stehen, gegen den Türrahmen gelehnt. „Es dauert noch fünf Minuten, bis sie heiß ist“, sagte er.

 

„Die Hexe hat sich beklagt, dass du so viel Zeit mit mir verbringst. Vor allem fand sie unmöglich, dass ich dich mit nach Baltimore geschleppt habe, um meine Abrechnungen zu erklären“, sagte House, seine Stimme völlig neutral.

 

„House, ich...“, begann Wilson.

 

Doch House winkte ab. „Keine Angst, ich habe schon mit Foreman gesprochen“, meinte er – scheinbar völlig zusammenhanglos.

 

„Was? Wieso?“

 

„Nun, du stimmst mir doch sicher zu, dass ich irgendein neurologisches Problem habe, wenn ich mich nicht mehr daran erinnern kann, dass du und nicht etwa... jemand anderer... mich nach Baltimore zu Medicare begleitet hat“, fuhr House im Plauderton fort.

 

„Ich wollte nicht...“, versuchte es Wilson erneut.

 

House hob abwehrend die Hand. „Gib’ dir keine Mühe, mich anzulügen, ich bin nicht mit dir verheiratet. Es ist mir egal, wer, wann, wo, warum und wie oft du es mit ihr treibst. Aber halte mich da raus. Saug’ dir das nächste Mal eine Ausrede aus den Fingern, die nicht von einem Dreijährigen stammen könnte. Ist dir klar, dass es sie nur einen Anruf im Krankenhaus kostet, damit deine Geschichte auffliegt? Dank’ meines unfähigen Teams weiß vermutlich selbst Lou, der Reinigungsmann der Nachtschicht, dass ich mit Stacy in Baltimore war.“ Er wandte sich ab und kehrte ins Wohnzimmer zurück.

 

Wilson folgte ihm. Er rieb sich den Nacken. „Was... was hast du ihr gesagt?“, fragt er kleinlaut.

 

„Dass sie sich einen eigenen besten Freund suchen soll, weil du bereits mir gehörst und ich ein egoistische Einzelkind bin, das seine Spielsachen nicht mit den anderen Kindern teilt.“ House begann wieder durch die Kanäle zu zappen.

 

„Uh... Danke.“

 

Ohne Aufzusehen winkte House ab. „De nada“, entgegnete er sarkastisch. „Zieh’ es von dem Geld ab, das ich dir schulde.“ Er nahm seine Bierflasche und trank einen Schluck. „Und lass’ dir das nächste Mal eine kreativere Ausrede einfallen, wie die, dass deine Oma gestorben ist. Übrigens, Wilson... jetzt riecht es eindeutig nach verbrannter Pizza.“

 

Mit einem Fluch machte Wilson auf dem Absatz kehrt und rannte in die Küche, um zu retten, was von ihrem Abendessen zu retten war.

 

House begann das Etikett von der Flasche abzukratzen, lauschte dem Klappern von Metall, Porzellan und etwas, das klang als habe Wilson sich am Ofen die Finger verbrannt. Er hatte gedacht, Wilson wäre in einer seiner Schmollphasen, wegen des Streits auf dem Dach oder weil er sich weigerte, über Stacy zu sprechen oder wegen seines... Stunts mit Van Liebermann oder dem Migränemedikament-Eigenversuch... und hielt sich deshalb von ihm fern. Aber offensichtlich hatte Wilson eine Affäre und – was ihn sehr nachdenklich stimmte – er hatte geschafft, sie vor ihm geheim zu halten.

 

Er war ziemlich sicher, dass der kleine, harte Knoten kalter Wut in seiner Brust, gegen den er anschluckte, nichts damit zu tun hatte, dass er sich von seiner Besessenheit, Stacy zurückzugewinnen, so hatte ablenken lassen, dass er nichts von Wilsons neuestem Seitensprung mitbekommen hatte.

 

Und das war es, was ihn dazu brachte, Wilson immer wieder misstrauisch zu mustern, während sie die leicht angebrannte Pizza aßen, Bier tranken und seichte Filme sahen.

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: I’m a Pizzaguy…

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: - -

Pairung: House/Wilson, Cuddy

Rating: ER, slash, pg-13

Beta: T'Len
Archiv: ja

360. Das heißt, das Essen schmeckte ganz lecker.

 

 

pizza (pēt′sa). noun. a baked Italian dish consisting of flattened bread dough covered variously with herbs, fresh vegetables, or, typically in the U.S., with tomato sauce, cheese, sausage, or olives.      (yourdictionary.com/pizza)

 

Pizza is love. We can find it in so many varying shapes, sizes and textures - thin crust, thick crust, square, round, tomato sauce, alfredo sauce, meat or veggies or both, cheese, cheese and more cheese. (unews.com/news/culture/pizza)

 

 

Wilson gähnte, als er ins Schlafzimmer kam. „House, hast du...“ Er unterbrach sich und schnupperte. “Wieso riecht es hier nach Pizza?”, fragte er stirnrunzelnd und sah House an, der es sich mit hinter dem Kopf verschränkten Armen bequem gemacht hatte.

 

House gab ein unbestimmtes Brummen von sich und drehte sich auf den Bauch, das Gesicht ins Kissen vergraben.

 

Kopfschüttelnd glitt Wilson neben ihm aufs Bett und küsste ihn in den Nacken.

 

Das Brummen, das er dieses Mal als Antwort erhielt, drückte  - überraschenderweise, aber unmissverständlich - Protest aus. Wilson zuckte mit den Schultern und machte es sich neben ihm bequem. Wieder schnüffelte er. „Wieso riecht mein Kissen nach Pizza?“ Er zog es unter dem Kopf hervor und drehte es um. „House! Ist das Tomatensoße auf meinem Kissen? Und FETTFLECKEN ?!? Du weißt, wie ich Krümel im Bett hasse.“

 

House drehte das Gesicht zur Seite und öffnete ein Auge. „Du weißt, wie ich hasse, wenn du dich benimmst, als wären wir verheiratet. Das ist mein Bett und ich kann darin essen wann und was ich will. Und ich wollte eben Pizza essen.“

 

„Auf meinem Kissen?“, fragte Wilson resigniert.

 

House zuckte mit den Schultern und schloss die Augen wieder.

 

Wilson seufzte und betrachtete den Soßenfleck. Aber wie House eben gesagt hatte, es war nicht sein Bett... auch wenn er am Ende das Bettzeug in die Wäscherei schleppen würde. Kein normaler Mensch – und er warf einen sehr unfreundlichen Blick auf House – konnte auf Krümeln schlafen, er war nicht überempfindlich, House war schlicht unter-empfindlich.

 

Er stopfte das anstößige Kissen in seinen Nacken und schloss ebenfalls die Augen, morgen war ein anstrengender Tag, er brauchte seinen Schlaf. Dass er dann doch nicht einschlafen konnte, lag vielleicht daran, dass das Licht noch brannte... Wilson rollte sich auf die Seite und knipste es aus, tauchte den Raum in Dunkelheit.

 

Pizzageruch stieg von seinem Kissen auf. An und für sich ein angenehmer, leckerer Geruch, aber er wollte ihn nicht die ganze Nacht riechen. Wilson drehte sich auf die andere Seite, House zugewandt, und begann, das Kissen unter dem Kopf seines Liebhabers hervor zu zerren.

 

„Hey!“ House protestierte sofort und versuchte seine Hand weg zu schieben und sein Kissen zu behalten. „Wo bleiben deine guten Manieren?“

 

„Die bleiben immer draußen auf der Treppe, wenn ich bei dir bin.“

 

Wilson war entschlossen, das Kissen zu bekommen.

 

House war ebenso entschlossen, sein Kissen nicht herzugeben.

 

In kürzester Zeit rollten sie über das Bett wie balgende Welpen, bis es House schließlich gelang, Wilson unter sich zu bringen und ihn mit seinem Gewicht in die Matratze zu pressen. Er wusste, dass er die Oberhand hatte, weil Wilson immer und vor allem Rücksicht auf sein Bein nehmen würde. Mit einem triumphierenden Grinsen lehnte er sich vor, um Wilson zu küssen...

 

...bis der sich plötzlich unter ihm hervor wand und auf seine Seite des Bettes rutschte, um dann aufzustehen.

 

House rollte sich auf den Rücken. „Hey, was soll das? Komm’ sofort zurück!“, forderte er.

 

Wilson sah über die Schulter zurück. „Tut mir leid“, entgegnete er mit einem unschuldigen Augenaufschlag. „Aber ich habe jetzt solchen Heißhunger auf Pizza...“ Damit verschwand er im Korridor.

 

Aufstöhnend presste House sich das anstößige Kissen aufs Gesicht. Der Himmel helfe ihm, wenn er diesen Kerl nicht so lieben würde, würde er ihn jetzt eigenhändig erdrosseln!

 

„House?“

 

„HOUSE!“

 

Er öffnete die Augen und kehrte in die unerfreuliche Gegenwart zurück.

 

„Ist alles in Ordnung?“, fragte Cuddy und sah ihn irritiert an. Die Blicke der anderen Abteilungsleiter waren nicht viel freundlicher.

 

House zuckte mit den Schultern. „Ich habe überlegt, ob ich Pizza bestellen soll. Budgetplanungen machen mich immer hungrig.“ Diese Antwort hatte den beabsichtigten Effekt.

 

Cuddy verdrehte die Augen, es erhob sich allgemeines Gemurmel, dass sie jedoch rasch zum Schweigen brachte, um das Meeting fortzusetzen. „Ich bedaure sehr, dass wir Sie langweilen, Doktor House“, meinte sie eisig und ging zum nächsten Thema übrig.

 

House lehnte sich in seinen Stuhl zurück und versuchte sein Bein auszustrecken, das die lange Zeit des Stillsitzens sehr übel nahm. Er schluckte eine Vicodin und ignorierte das allgemeine Stirnrunzeln und verächtliche Kopfschütteln, das er dafür erntete. Nur Wilson starrte ihn weiterhin neugierig an.

 

Als auch diese Runde im Fegefeuer endlich ihren Abschluss fand, blieb House wie üblich zurück, bis sich der Raum geleert hatte. Als er ihn dann endlich verließ, lungerte Wilson noch immer vor der Tür herum und wartete auf ihn. Ebenfalls nicht ungewöhnlich.

 

Braune Augen musterten ihn fragend. „Ich weiß, wie sehr du es liebst, deine mentalen Spielchen mit Cuddy zu spielen, vor allem, wenn sie dich zu etwas zwingt, was du nicht magst. Aber ich denke, du hast allen da drinnen ein wenig Angst gemacht, als du plötzlich angefangen hast, zu lächeln“, meinte er, als er neben House den Korridor entlang ging. „Obwohl ich zugeben muss, dass manche Leute unsere Energiekosten sicherlich zum Lachen finden.“

 

House gab sich gekränkt. „Was? Ist es nun verboten, bei Budgetsitzungen zu lächeln? Außerdem war es kein Lächeln, sondern eine Schmerzgrimasse, hervorgerufen von der  Höllenqual, es in einem Raum voller Idioten aushalten zu müssen.“

 

Wilson blieb stehen.

 

„Anwesende ausgenommen“, setzte House hinzu, er fühlte sich großzügig.

 

„Vielen Dank“, entgegnete Wilson trocken.

 

Er blieb ebenfalls stehen, ungeachtet dessen, dass sie anderen Menschen im Weg standen. „Komm’ heute Abend zu mir“, sagte House. „Wir essen Pizza und trinken Bier und sehen ein Spiel.“

 

„Was ist das heute mit dir und deiner plötzlichen Pizza-Besessenheit?“, erwiderte Wilson. „Wir haben erst am Samstag Pizza gegessen. Und außerdem habe ich meine Kreditkarte verlegt, ich kann nicht dafür bezahlen.“

 

Noch immer in großzügiger Stimmung, ließ er Wilson die Lüge wegen der Kreditkarte durchgehen. Überhaupt, so eine durchsichtige Lüge konnte man kaum so nennen. „Ich bezahle“, sagte House und um seine Mundwinkel zuckte schon wieder etwas, das sich wie ein Lächeln anfühlte. Er wandte sich zum Gehen und spürte Wilsons überraschten Blick in seinem Rücken.

 

Er musste sich nicht umdrehen, um zu sehen, dass die Brauen über den braunen, erstaunten Augen in einer Miene des Misstrauens zusammengezogen waren. Vielleicht, wenn Wilson betrunken genug war, dass er sich morgen nicht mehr daran erinnerte, würde er ihm sagen, woran er während des Meetings wirklich gedacht hatte. Aber vielleicht war es besser, seinen Tagtraum für sich zu behalten. Er hatte kein Interesse daran, dass sein „Ich-bin-so-total-heterosexuell-dass-ich-dreimal-verheiratet-war“-bester Freund dachte, einen Sicherheitsabstand neben ihm auf der Couch einhalten zu müssen, nur weil er wusste, dass er die Hauptrolle in House’ Tagträumereien spielte.

 

Was er wirklich  brauchte, war eine Ablenkung. Vielleicht sollte er die Ducklings erschrecken, indem er mit einem fröhlichen Pfeifen auf den Lippen ins Konferenzzimmer trat...

 

 

* //  * //  *

 

Titel: It must have been love, but it’s over now. ...

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: Promos S5

Pairung: House/Wilson

Rating: slash, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja

Anmerkung: Fortsetzung zu 340. „There’ll be pie in the sky when you die”. Alternative Plotline zu Staffel 5 basierend auf den Promos.



370. Oder dieser ominöse „man“ glaubte, die Sonne bräche ein, fiele vom Himmel in die Tiefe.

 

 

Though your hurt is gone / mine’s hanging on inside / and I know it’s eating me through every night and day / I'm just waiting on your sign / 'Cos I know, I know never meant to cause you no pain / And I realize I let you down / But I know in my heart of heart of hearts / I know I'm never gonna hold you again (Phil Collins)

 

 

House war nicht wirklich hungrig, doch nachdem er stundenlang die Zimmerdecke angestarrt hatte, war ihm nach Abwechslung zumute. Er hatte ein offenes Rückflugticket, und konnte jederzeit zurückfliegen, doch auch das war im Moment alles andere als attraktiv. Zurück in Princeton musste er sich der Realität stellen, versagt zu haben.

 

Wenn er ‚Glück’ hatte, sah er die beiden Plagen im Restaurant wieder. Er hatte vor, so lange zu trinken, bis ihn ihre Gegenwart nicht mehr störte. Es spielte jetzt keine Rolle mehr, nüchtern zu bleiben.

 

Doch als er das Hotelrestaurant betrat, blieb er wie angewurzelt im Eingang stehen. Ein paar Schritte von ihm entfernt saß Wilson an einem Tisch dicht an der Fensterfront, die fast eine ganze Wand einnahm. Sicherlich ein tolles Panorama, und bei der schicken Krawatte, die er trug, wohl auch kein Wunder, dass der Kellner Wilson nicht ebenfalls an einen Tisch abseits vom Schuss platziert hatte.

 

Er hatte keine Möglichkeit, ungesehen an ihm vorbei zu kommen. Aber zurück in sein Hotelzimmer konnte er noch.

 

Bevor er eine Entscheidung getroffen hatte, sah Wilson auf. House erstarrte förmlich. Er erwartete, dass sich Wilson von ihm abwandte, wie zuvor an der Rezeption, wie in der Lobby.

 

Stattdessen stand Wilson auf und trat zu ihm.

 

„Ich... werde gehen“, sagte er, sobald Wilson in Hörweite war und machte einen Schritt rückwärts.

 

Doch Wilson streckte die Hand aus, die Geste stoppte ihn so effektiv wie Worte. „Komm’ mit“, sagte Wilson leise. Ohne sich nach ihm umzudrehen, wandte er sich ab und kehrte  an seinen Tisch zurück... Nein. Er bog vorher ab und folgte der Fensterfront zu einem Teil des Restaurants, der etwas vom Hauptraum abgegrenzt war. Die Tische dort waren unbesetzt, aber es war auch noch früh am Abend.

 

Nach einem langen Moment des Zögerns folgte House ihm schließlich.

 

Er verschwendete keinen Blick auf das Panorama, das sich vor ihnen ausbreitete, musterte stattdessen Wilsons Profil, der so intensiv auf das Häusermeer draußen starrte, als könne es ihm die Antworten auf alle Wunder des Lebens enthüllen.

 

Wieso?, wollte er fragen. Warum? Ist das eine Art von Bestrafung? Damit konnte er nicht umgehen. Da war ihm ein Schlag ins Gesicht lieber.

 

„Ich habe nicht vor, dich zu schlagen“, entgegnete Wilson.

 

House starrte ihn an. Er war sich nicht bewusst gewesen, dass er den letzten Gedanken tatsächlich laut ausgesprochen hatte. „Ich...“

 

Wilson hob die Hand und für einen Augenblick dachte House, er hätte es sich anders überlegt... aber seine Fingerspitzen glitten entlang House’ Kinn, noch kratziger als sonst und er zuckte zusammen, als er das leise Geräusch hörte, das die Stoppeln gegen Wilsons Finger erzeugten. Wilsons zweite Hand gesellte sich zur ersten. Seine Daumen glitten über House’ Wangenknochen, bis seine Hände das Gesicht des anderen Mannes wie einen Rahmen umschlossen. Bis Wilsons Fingerspitzen über den beiden blassen Narben auf seiner Stirn lagen, sie verdeckten, als wäre der Anblick zu schmerzvoll. Dann strichen seine Finger weiter, über die Schläfen, und House’ Augen schlossen sich wie aus eigenem Willen.

 

Er holte tief Luft, verblüfft darüber wie zittrig es klang und konnte ein Erschaudern nicht unterdrücken, als Wilsons Finger in sein Haar glitten. Langsam, immer weiter, bis seine Daumen über House’ Ohren lagen, seine Fingerspitzen sich am Hinterkopf berührten, bevor sie ihren Weg fortsetzten.

 

House öffnete Augen. „Wilson?“, fragte er atemlos und leckte sich über die trockenen Lippen. Sie waren sich seit Monaten nicht mehr so nahe gekommen. Schon Wochen vor Amber Erscheinen im Spiel nicht mehr...

 

Wilson blinzelte, als erwache er aus einem Traum. Er zog die Hände zurück und House verfluchte sich für seine Unfähigkeit, den Mund zu halten.

 

„Nein.“ Er griff ungeschickt nach Wilsons Händen, schloss seine Finger fest um die Handgelenke des anderen Mannes. „Bitte“, setzte er unsicher hinzu – unsicher deshalb, weil er nicht wirklich wusste, um was er bat. „Bitte bleib.“  

 

Wilson schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht.“ Er löste sich aus House’ Griff. „Du wirst damit leben müssen, Greg, dass es nicht mehr ist, wie zuvor. Lerne damit zu leben. Ohne mich.“ Er trat einen Schritt weg, vergrößerte die Distanz zwischen ihnen. Wilson öffnete den Mund, zögerte, und schloss ihn dann wieder, ohne ein Wort gesagt zu haben.

 

Und wieder war alles, was House tun konnte, ihm nach zu sehen, als Wilson an ihm vorbei ging.

 

Er wandte sich ab, starrte blind aus dem Fenster nach draußen, wo die Sonne unterging. Vielleicht fiel sie vom Himmel und die Erde löste sich in einem gigantischen Feuerball auf. Es war dem Schmerz vorzuziehen, der durch ihn schnitt – scharf und blau und elegant wie ein Messer, geschmiedet aus Damaszenerstahl.

 

But I know in my heart of heart of hearts / I know I'm never gonna hold you again (Phil Collins)

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Where are you gonna sleep tonight

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode:

Pairung:

Rating:

Beta: T'Len
Archiv: ja

380. „Ich bring’ dich besser nach Hause“, sagte ich und erhob mich.

 

And you wake up in the morning. and your head feels twice the size. Where are you gonna go / Where are you gonna sleep tonight (Amy McDonald)

 

 

 

„Okay, hör’ auf der Stelle auf damit! Hast du vor, mich in den Wahnsinn zu treiben?“ Wilson schlug irritiert House’ Hand weg und ließ den Kopf an die Couchlehne zurückfallen.

 

House blinzelte ein Mal wie überrascht und hob dann beide Hände. „Auch gut. Ich bin nicht scharf darauf, die Krankenschwester für dich zu spielen, so lange nichts für mich dabei rausspringt.“ Er ließ sich in den Clubsessel sinken, um sein Bein auszustrecken und wischte sich die Handfläche an seiner Jeans ab.

 

Wilson musste erst einmal die Vorstellung von House in einem dieser Stripperinnen-Krankenschwester-Kostümen, komplett mit Häubchen und Minirock, aus seinem Kopf verdrängen. „Es tut mir leid“, erwiderte er. „Ich beklage mich ja nicht. Aber du machst mich ganz nervös.“

 

„Vielleicht ist es dir entfallen, aber ich bin zufällig auch Arzt. Ich wollte nur nach der Wunde an deinem Kopf sehen.“ House schmollte.

 

„Zum dritten Mal in einer halben Stunde!“ Wilson rieb sich die unverletzte Schläfe und dachte einen Moment wehmütig an sein Auto, dessen Front mit einem Pflaster leider nicht zu reparieren war. „Keine Gehirnerschütterung. Eine simple Schnittwunde, ein verstauchtes Handgelenk und ein paar Prellungen erfordern dein diagnostisches Genie nicht. Wenn ich damit in der Klinik säße, würdest du mich doch auch ignorieren.“

 

Dass House diese Fähigkeit besaß, stellte er gleich unter Beweis – er ignorierte ihn und drehte seinen Stock in der Hand.

 

 

Wilson beschloss, diesen raren Zustand zu genießen, so lange er anhielt.

 

 

 

Sind das da um deine Hüften Jahres- oder Rettungsringe?

 

 

 

„Du hast... ‚Christine’ ausgeliehen? Ein Film über ein mordendes Auto? Sehr... passend“, bemerkte Wilson trocken. “Du weißt wirklich, wie man jemand aufmuntert.“

 

House zuckte mit den Achseln, die Augen weit und blau und unschuldig. „Du brauchst Ablenkung.“

 

 

 

 

Wilson seufzte und lehnte den Kopf gegen House’ Schulter. „Du hast mir das Zeug eingetrichtert, also leb’ gefälligst auch mit den Folgen“, murmelte er und schloss die Augen, noch bevor House gegen Kuscheln bei Tageslicht protestieren konnte. „Und glaub nicht, dass du so einfach davon kommst. Sobald ich wieder gesund bin, leihe ich „Die göttlichen Geheimnisse der Ya-Ya-Schwestern aus“ und du wirst ihn dir von Anfang bis Ende ansehen.“ Er lächelte, als House sich angewidert schüttelte.

 

 

 

* //  * //  *

 

* //  * //  *

 

Titel: Familienzuwachs

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: vor-Serie

Pairung: Wilson/Bonnie, House

Rating: pg, gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

390. Selbst wenn ihr die schaffen solltet, ist die Wucht danach raus.

 

 

“James, ich... ich muss mit dir reden.“

 

Bonnies Tonfall verriet, dass dies das Gespräch war, dass er von dem Moment an gefürchtet hatte, als er mitten in der Nacht einem betrunkenen House durch die Haustüre bugsiert hatte. Er hatte geglaubt, es wäre eine Art Kompromiss – House war in ihrem Gästezimmer bis zu einem gewissen Grad unter seiner Aufsicht, ohne dass Bonnie sich darüber beschwerte, dass sie ihren Ehemann nicht mehr zu Gesicht bekam, weil er tagsüber von seinen Patienten und in seiner Freizeit von House beansprucht wurde. Wilson hatte nicht bedacht, wie eng ihr gemütliches, kleines Haus plötzlich schien und wie viel Raum ein Mann wie House einnahm. Oder wie unpraktisch die romantischen niedrigen Türen und verwinkelten Treppenstufen, die Bonnie so sehr liebte, für ihn waren. Der erste Versuch, die Treppe nach unten in einem halbwegs nüchternen Zustand zurück zu legen, endete damit, dass sie fast beide die Stufen hinunterpurzelten, blauen Flecken an Wilsons Arm und House’ strikter Warnung, das Gästezimmer noch einmal zu verlassen, um zum Essen nach unten zu gehen. Getreu seinem Wort hatte er das auch nicht getan.

 

Wilson sah vom Bildschirm seines Computers auf und schob den Stuhl ein Stück vom Schreibtisch weg, um seine Bereitschaft, ihr zuzuhören zu signalisieren.

 

Sie blieb an der Tür stehen, das war kein gutes Zeichen. „Wie lange wird er noch bei uns blieben?“, fragte sie ohne weitere Umschweife.

 

Wilson hob die Hand und rieb sich den Nacken. „Stacy und er waren fünf Jahre zusammen, Bonnie“, begann er vorsichtig. „Die Trennung ist erst drei Wochen her. Und sein Bein... Ich habe einfach kein gutes Gefühl dabei, ihn alleine in seiner Wohnung zu wissen.”

 

Da war kein Mitleid in Bonnies Gesicht und Wilson hatte auch keines erwartet. Seine Frau machte kein Geheimnis daraus, dass House für sie mit der Pest gleichzusetzen war. „Er ist erst zwei Tage hier, James, aber es kommt mir vor wie zwei Jahre. Als... als hätten wir ein Baby. Er isst nur, wenn du ihn fütterst; schläft zwanzig Stunden am Tag...“

 

„Es sind nicht ganz zwanzig Stunden. Und das wird sich ändern, wenn er sich an die neue Medikamentierung gewöhnt hat“, warf Wilson ein.

 

Bonnie fuhr fort, als hätte er nie etwas gesagt. „...und die restliche Zeit brüllt er herum. Er nimmt dich vollkommen für sich in Anspruch.“ Ihre Augen füllten sich mit wütenden Tränen.

 

Wilson stand auf und trat zu ihr, nahm sie in die Arme. „Es tut mir leid, Bonnie“, sagte er leise, als sie das Gesicht an seiner Schulter vergrub. „Es wird besser, ich verspreche es dir. Es wird ihm besser gehen und er wird mich nicht mehr so sehr brauchen. Aber er... er hat doch niemanden außer mich.“

 

„Er verdient dich nicht, James.“

 

* * *

 

Bonnies Worte rangen noch in seinen Ohren, als er ein paar Stunden später die Treppe in den ersten Stock nahm, und leise die Tür zum Gästezimmer öffnete.

 

House schlief jedoch nicht. Er lag auf dem Bett, die Arme hinter dem Kopf verschränkt und starrte an die Decke. Ein Geruch aus frischem Schweiß und nicht ganz so frischem Erbrochenen hing in der Luft, so vertraut, dass Wilson ihn kaum wahrnahm.

 

„Hey“, sagte er und blieb am Bettende stehen. „Willst du etwas essen?“

 

„Wie spät ist es?“, erwiderte House ohne ihn anzusehen.

 

„Kurz nach drei. Bonnie ist einkaufen gegangen.“ Er schnitt eine Grimasse, heute schien er sich vor allen rechtfertigen zu müssen.

 

„Ich will nichts zu essen.“ House sah ihn endlich an. „Warum gehst du nicht in dein Arbeitszimmer und holst das Morphium aus deiner Tasche?“

 

Wilson runzelte die Stirn und trat näher zu ihm, um House’ Puls zu fühlen, bevor House irritiert seine Hand weg schlug. „Du weißt, was Cuddy gesagt hat, es ist nur für den Notfall.“ Wie an dem Tag, als House in der Dusche ausrutschte und auf sein rechtes Bein fiel. Er machte sich nicht die Mühe, zu fragen, woher House wusste, dass er Morphium dabei hatte. „Du hast deine Medikamente.“

 

„Das Zeug, das mir Cuddy verschrieben hat, zeigt so viel Wirkung wie Aspirin bei einem Schädelbruch“, zischte House wütend.

 

„Dann rufe ich sie an und bringe dich ins Krankenhaus, damit sie dein Bein checken kann.“

 

„Sie würde... viel lieber etwas anderes checken, wenn sie mich auf dem Untersuchungstisch hat.“

 

Aber es war nur ein halbherziger Versuch und Wilson quittierte es mit nicht mehr als einem müden Augenrollen. „Du hast heute noch nichts gegessen. Wie wäre es mit einem sehr späten Lunch?“

 

„Du hast doch nicht etwa vergessen, dass das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist, Jimmy?“

 

Wilson schüttelte den Kopf. „Was auch immer. Wie wäre es dann mit... Pancakes? Meine Mom hat mir vorige Woche ein Rezept geschickt...“

 

House gab ein gequältes Stöhnen von sich. „Das habe ich nicht gehört. Du tauschst Rezepte mit deiner Mom? Bist du sicher, dass Bonnie eine Frau ist? Oder erlaubt New Jersey neuerdings gleichgeschlechtliche Ehen?”

 

“Dann eben keine Pancakes“, entgegnete Wilson gleichmütig. „Was willst du dann?“

 

“Bier.”

 

“Das hattest du bereits zum Abendessen.“  Er trat vom Bett weg. „Weißt du was? Ich mache dir ein paar Sandwiches und stelle sie hier hin. Wenn du genug davon hast, dich wie ein schmollender Sechsjähriger zu benehmen, der ohne Nachtisch ins Bett geschickt wurde, weil er seinen Brokkoli nicht aufessen wollte, kannst du sie dir holen.“

 

House wartete mit einer Antwort, bis Wilsons Hand auf der Türklinke lag. „Du weißt, dass sie sich von dir scheiden lassen wird.“

 

Er wandte sich zu ihm um. House starrte wieder an die Decke. „Ich weiß, es geht dir schlecht“, sagte er betont ruhig. „Und du hasst es, alleine zu leiden, aber das geht zu weit, Greg.“

 

„Sie akzeptiert, dass du mich in euerem Haus einquartiert hast, obwohl sie mich hasst und ich ihr das Leben zur Hölle mache, nur damit du deinem Gluckentrieb nachgeben kannst.“

 

„Weißt du, jeder andere würde das als ein Beweis ihrer Liebe ansehen“, entgegnete Wilson trocken. „Und ich weiß zufällig, dass sie nicht heimlich plant, mit dir nach Rio durch zu brennen.“

 

House ignorierte den Seitenhieb. „Wenn sie dich damit durchkommen lässt, ist das entweder ein Zeichen von Gleichgültigkeit...“

 

„House!“, warnte Wilson.

 

„...oder von verzweifeltem Klammern, weil sie weiß, dass es zwischen euch gelaufen ist. Da wir hier von Bonnie reden... kein weiteres Wort notwendig.“ House zuckte mit den Schultern.

 

„Wir haben eben erst zusammen unseren Urlaub geplant. Sieht das danach aus, als würden wir uns trennen?“

 

„Ein letzter Versuch. Aber ihr werdet es nicht schaffen. Ich kenne dich. Ich habe gesehen, wie du der neuen Peds-Schwester nachgestarrt hast. Falls du Bonnie nicht schon mit ihr betrogen hast, wirst du es bald tun. Die Luft ist raus aus eurer Beziehung.“

 

„Weißt du was? Nur weil du unfähig bist, jemand wirklich zu lieben und ihm zu vertrauen, heißt das nicht, dass es bei mir genauso ist“, entgegnete Wilson. „Du könntest einfach zugeben, dass du unter Stacys Weggang leidest, aber nein, du tust als hättest du dir den Finger in eine Schublade eingeklemmt. Du tust mir leid.“

 

„Wenigstens lüge ich mir nichts vor“, rief ihm House nach.

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Irrwege

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode:  post 5.07 The Itch

Pairung: House, Wilson

Rating: gen, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja

400. Ich stand stirnrunzelnd mitten im Flur, der Mann links von mir hatte die Bürotür geöffnet, sah mich an und wollte gerade fragen, ob ich mich verlaufen hätte.

 

 

„Hast du dich verlaufen?“, fragte Wilson stirnrunzelnd, als er die Tür öffnete. Nach allem hatte er nicht erwartete, dass House hier noch einmal auftauchte... Er sah mit Besorgnis wie stark sich House auf seinen Stock stützte, die Knöchel seiner Finger weiß aus der Haut traten. „Was ist mit...?“

 

„Lässt du mich rein oder nicht?“, fragte House harsch.

 

Automatisch wich er zurück, machte Platz. Als sich House an ihm vorbei in die Wohnung schob, stieg ihm der Geruch nach Alkohol in die Nase. „Bist du betrunken?“, fragte er – teils fassungslos, teils resigniert – als er ihm folgte. Hatte er wirklich auch nur für einen Augenblick geglaubt, dass sich etwas geändert hatte? Da konnte er auch ebenso gut auf die Trompeten und die apokalyptischen Reiter hoffen...

 

House lehnte gegen das Sofa, um mit dem Stock gestikulieren zu können. „Ich trinke nicht so viel wie ich denke... oder so viel, wie du denkst.“

 

Machte das in irgendeinem Universum irgendeinen Sinn? Wilson griff nach dem Stock, bevor sich sein Ende in seinen Magen bohren konnte. „Warum lässt du dann das Sofa nicht los?“

 

„Ich halte das Sofa nicht fest“, beharrte House. „Es hält mich fest.“

 

Wilson hatte genug davon. Es war spät und er musste in wenigen Stunden wieder aufstehen. „Sag’ mir bitte, dass du nicht mit dem Motorrad hier bist.“

 

„Ich bin nicht mit dem Motorrad hier“, wiederholte House in der leiernden Stimme eines Papageis.

 

Wilson fragte sich, wie viel von House’ Trunkenheit echt war... und wie viel Show. Er erinnerte sich daran, dass er ihn das letzte Mal weggeschickt hatte und wie er danach den Rest der Nacht wach gelegen und sich gefragt hatte, ob er das richtige getan hatte. „Du bleibst hier, auf der Couch. Ich bringe dir ein Kissen und eine Decke.“

 

House nickte, manövrierte sich um das Sofa herum und ließ sich schwer darauf fallen. „Aber kein Gute-Nacht-Kuss. Sonst wird Cuddy eifersüchtig. Allerdings... wenn es dass ist, was du willst, dann...“

 

„Halt’ einfach den Mund.“ Ja, House. Es ist verdammt schwer, nicht zu sehen, wie glücklich du bist...

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel:

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: post 5.04 Birthmark

Pairung: House, Wilson

Rating: gen, pg

Beta: T'Len
Archiv: ja

 

410. Klicken, Summen, noch ein Klicken.

 

 

Es war ein befremdliches Gefühl, in eine Wohnung zu kommen, von der er wusste, dass sie leer sein sollte. Und doch kamen da Geräusche aus der Küche, die nur von einer zweiten Person verursacht werden konnten. Da war ein Klicken, das er nicht sofort zuordnen konnte; das Zischen einer Getränkedose, die geöffnet wurde. Er wusste, wer es nicht sein konnte, blieb nur... House.

 

Er fuhr sich müde durch die Haare. Ein langer Tag lag hinter ihm und an seinem Ende House in seiner Küche zu finden konnte einfach nichts Gutes bedeuten.

 

Wilson lehnte sich gegen den Türrahmen und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich habe in den letzten vier Monaten vieles vermisst. Das gehört nicht dazu“, sagte er.

 

House plünderte den Kühlschrank mit der Gier und Rücksichtslosigkeit eines ausgehungerten Waschbärs. Er hob den Kopf und für einen Moment schien sich so etwas wie Schuldbewusstsein in den blauen Augen zu zeigen. Aber das war House, als reines Wunschdenken auf seiner Seite.

 

„Du warst nicht einkaufen“, beklagte sich House und schloss den Kühlschrank. Er nahm am Tisch Platz, so unbefangen als befände er sich in seiner eigenen Küche.

 

„Ich war gestern einkaufen“, entgegnete Wilson. Er setzte sich House gegenüber.

 

„Aber nichts essbares.“ House spielte mit der Getränkedose.

 

„Nur nach deinen Maßstäben.“

 

„Seit wann trinkst du so was?“ Er kniff die Augen zusammen, um die kleine Schrift auf der Seite zu lesen. „Ginseng und weißer Tee Extrakt. Es schmeckt wie Katzenpisse.“

 

„Das kann ich nicht beurteilen.“  Wilson griff nach der Dose und nahm sie House weg. Sie war fast leer. „Gibt es einen bestimmten Grund, dass du hier bist?“

 

House zuckte mit den Schultern. „Bei mir gab es eine Überschwemmung. Eine Voodoo-Puppe im Klo runter zu spülen ist eine schlechte Idee.“

 

„Eine was?“ Das war House, da war alles möglich.

 

„Denkst du, Cuddy kommt von selbst auf die Idee, so tief ausgeschnittene Klamotten zu tragen?“

 

Blaue Augen funkelten ihn an und er wusste plötzlich, dass er nie eine Chance gehabt hatte, von diesem Mann los zu kommen. „Du bist ein Idiot“, sagte er stattdessen. „Du hättest mich einfach fragen können, ob ich Zeit mir dir verbringen will.“

 

House holte sich die Dose zurück und leerte sie mit einer übertriebenen Grimasse des Ekels. „Lauwarme Katzenpisse“, verkündete er. „Wessen Voodoo-Puppe muss ich im Klo runterspülen, um ein kaltes Bier zu bekommen?“

 

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Geständnisse (The war is over)

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: post 5.04 Birthmark

Pairung: House, Wilson, [H/W past]

Rating: pg, [slash past]

Beta: T'Len
Archiv: ja

420. Tatsächlich, Benj?

 

 

Es fühlte sich vertraut an… und warum sollte es das nicht?... und zugleich fremd... als hätten vier, fast fünf Monate des Vermeidens etwas daran geändert, wie es war, neben House auf der Couch zu sitzen. In seinem Apartment, die Mägen voll mit Fastfood und Bier und einem Film auf dem Bildschirm, dem keiner die volle Aufmerksamkeit schenkte.

 

„Erinnerst du dich an den Angelausflug mit deinem Vater und deinem Bruder, auf den du mich geschleppt hast?“, sagte House plötzlich.

 

Wilson sah ihn neugierig an, doch der andere Mann hielt den Blick auf den Fernseher gerichtete, wo gerade etwas explodierte. „Vage“, erwiderte er neutral. „Wieso?“ Das lag mehr als 10 Jahre zurück, eher 12, damals war House gerade mit Stacy zusammen gezogen und die Beziehung wurde ihm zu eng, zu intensiv. Er lud sich ungebeten zu dem Angelausflug der Wilson-Männer ein. “Es war spaßig. Bis zu dem Moment, als es dir langweilig wurde und du mir einen Frosch in die Hose gesteckt hast.“ Er schüttelte sich. „Dieses kalte, glitschige Gefühl auf meiner Haut werde ich nie vergessen.

 

„Und ich dachte, nach deiner ersten Ehe wärst du an das Gefühl gewöhnt gewesen.“

 

Wilson warf ihm einen giftigen Blick zu. „Kein Thema, über das ich mich jetzt unterhalten will, House“, warnte er.

 

„Und dein Vater hat nie etwas gesagt, als wir uns den ganzen Nachmittag lang abgesetzt haben.“

 

Wilson blinzelte überrascht. Er hatte diese Wendung nicht unbedingt erwartet. „Mein Vater war... ist... der Meinung, dass er manche Dinge nicht genau wissen muss. Jona dagegen war tatsächlich so blind, nicht zu merken, was zwischen uns lief.“

 

House trank einen Schluck aus seiner Bierflasche. „Ich habe es meinem Va... dem Colonel gesagt.“

 

„Tatsächlich? Wann?“ Wilson setzte sich unwillkürlich aufrechter hin, seine Aufmerksamkeit nun voll auf den anderen Mann konzentriert. Er hatte seit dem Begräbnis mehr über House’ Beziehung (oder den Mangel daran) mit seinem Vater erfahren, als in den Jahren zuvor.

 

„Ein paar Tage vor... dem Unfall. Sie waren im Sloan-Kettering und auf dem Rückweg dachten sie, es wäre ganz nett, bei mir vorbei zu sehen und mich darüber zu informieren, dass der Colonel bald den Löffel abgeben wird.“

 

Wilson holte tief Luft. „Greg. Warum... hast du mir davon nichts gesagt?“, fragte er.

 

„Du warst mit der Bi... mit A-Amber beschäftigt. Außerdem, welchen Sinn hätte es gemacht. Nicht einmal der Wunderknabe der Onkologie hätte etwas für ihn tun können. Mom hat wie üblich die Augen davor verschlossen, aber er... der Colonel meinte, es wäre noch nicht zu spät für dieses Gespräch von Mann zu Mann, das wir nie geführt haben, als ich ein Junge war. Er wollte nicht sterben, ohne mir seine Lebensweisheiten mitzuteilen. Natürlich endete es damit, dass wir uns gegenseitig anblafften und Mom begann zu weinen. Er sagte irgendetwas darüber, dass es wohl gut sei, dass ich... „so“... wäre – seine Worte, nicht meine - und nicht normal und verheiratet, da ich unfähig sei, auf eine Frau Rücksicht zu nehmen.“

 

Er sah zu Boden, als Ambers Name fiel; aber es entging ihm auch nicht das Stocken in House’ Stimme. „Und du konntest daraufhin nicht widerstehen, ihm ins Gesicht zu sagen, ob „so zu sein“ bedeute, dass du Beziehungen mit Männern und Frauen hattest? Wie kam das Gespräch dabei auf mich?“

 

„Er kam von selbst darauf. So abwegig war der Gedanke ja nicht.“ House drehte die Bierflasche und begann dann, mit den Fingernägeln das Etikett abzukratzen.

 

„Deine Mom hat ihm wirklich nie erzählt, dass sie von dir und mir... unserer gemeinsamen Vergangenheit... wusste?“

 

„Meine Mom ist auch der Meinung, dass sie manche Dinge nicht genau wissen muss. Und solange er es nicht wusste, konnte sie es mehr oder weniger ignorieren.“ House zuckte mit den Schultern.

 

„Sie hat es nicht ignoriert“, erinnerte Wilson ihn. „Sonst hätte sie mich nicht regelmäßig alle zwei Monate angerufen, um sich nach dir zu erkundigen. Was nicht nötig gewesen wäre, wenn du dich häufiger als einmal im Jahr bei ihr gemeldet hättest.“

 

„Und zu riskieren, ihn am Hörer zu haben. Und diese Kontrollanrufe bei dir, das sehe ich eher als Spionage an.“

 

„Natürlich. Warum erzählst du mir das? Jetzt?“

 

House hob erneut die Schultern.

 

„Greg, ich bin wieder da. Wir sind... okay.“ Er hatte das Gefühl, zum ersten Mal seit Monaten sehe ihn House wirklich an und er musste den Blick von den blauen Augen abwenden.

 

„Nein das sind wir nicht“, entgegnete House und es schien, als echote seine Stimme Wilsons Gedanken. „Wir waren damals okay, an diesem Nachmittag, als dein Vater damit beschäftigt war, das Abendessen zu fangen.“

 

„House...“

 

Zu Wilsons Überraschung beugte er sich vor und küsste ihn auf die Schläfe – eine flüchtige, trockene Berührung; ein Streifen von Lippen und Bartstoppeln gegen seine Stirn, dann stand House auf und ging ins Schlafzimmer, die Tür hinter sich schließend.

 

Wilson hob die Hand und rieb vorsichtig über seine Schläfe. Die Haut prickelte unter seinen Fingerspitzen. Auch das war ein Gefühl, dass er nie vergessen hatte. Aber es war zu spät dafür, zurück zu kehren.

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Konkurrenz (Couple’s Counselling Closed)

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: post 5.07 The Itch

Pairung: House, Cuddy, Wilson

Rating: pg

Beta: T'Len
Archiv: ja

430. „Vielleicht behalten Sie ja recht“, sage ich und bringe ihn auf den rechten Weg zurück.

 

 

„Wie ist die Aussicht?“, fragte Cuddy spöttisch. „Gut, ja? Freut mich für Sie. In der Klinik ist die Aussicht leider nicht so gut.“ Sie sah über seine Schulter in die Cafeteria. „Allerdings werden Sie seit zwanzig Minuten dort erwartet.“

 

House ignorierte ihre Worte. „Wer ist das?“, fragte er.

 

Cuddy folgte seinem ausgestreckten Zeigefinger und entdeckte – wenig überraschend – Wilson im Gespräch mit einer jungen Frau. „House, er unterhält sich nur mit einer der Schwestern, die in seine Abteilung versetzt wurden, während er nicht da war. Patrice Jennings. Das ist kein Grund, den Klinikdienst zu schwänzen.“

 

House zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Seine letzte Beziehung endete damit, dass er Princeton verlassen wollte. Wer weiß, was dieses Mal passiert. Es sollte doch im Interesse dieses Krankenhauses sein, dass ich ihn im Auge behalte, um Schlimmeres zu vermeiden.“

 

Cuddy nahm ihn am Oberarm und zog ihn zu sich herum, bis er sie ansah. „Dann machen Sie einen Bogen um Busse“, sagte sie schärfer als angebracht.

 

House’ Augen weiteten sich, aber das war die einzige Reaktion, die er zeigte. Für jemand, der so unbeherrscht schien, war er ein Meister der Kontrolle. „Für gewöhnlich benötigt es mehr als einen Kuss, damit eine Frau mich hasst. Gratuliere.“

 

„Es tut mir leid.“ Cuddy seufzte. „Das alles war etwas viel in letzter Zeit.“ Sie sah weg, wieder zu Wilson, der bereits die volle Aufmerksamkeit von House in Anspruch nahm. „Geben Sie ihm mehr Freiraum. War es nicht das, was er wollte?“

 

„Wilson weiß nie, was er will. Sonst wäre er nicht dreimal verheiratet gewesen“, entgegnete House abwesend. „Was zum Teufel?“ Seine Finger waren fest genug um den Stockgriff gekrampft, dass die Knöchel hell hervortraten.

 

„Sie ist ein wenig... enthusiastisch.“ Cuddy lächelte, als die junge Frau Wilson stürmisch umarmte, was der sichtlich etwas verlegen über sich ergehen ließ.

 

„Enthusiastisch? Sie ist dabei, auf seinen Schoß zu klettern“, grollte House.

 

„Das ist doch völlig harmlos.“

 

„Wenn sie sich ihm weiter so an den Hals wirft, ist die orbitale Umlaufbahn, die sie gleich einschlagen wird, alles andere als harmlos.“

 

Cuddy legte ihm eine Hand auf seinen Arm, als er sich abwandte, um den Raum zu betreten, anstatt die Geschehnisse nur von draußen zu beobachten. „Nicht. Greg.“

 

„Doch. Lisa“, entgegnete er spöttisch. House schüttelte ihre Berührung ab und eilte in die Cafeteria.

 

Cuddy blieb, wo sie war. Sie konnte nicht hören, was House zu der neuen Krankenschwester sagte, doch ein paar Augenblicke später verfärbte sich Wilson, während die junge Frau abrupt aufsprang und zum Ausgang eilte. Sie war sichtlich den Tränen nahe, als sie an Cuddy vorbeieilte.

 

House nahm in aller Seelenruhe ihren Platz neben Wilson am Tisch ein und begann ihr Sandwich auseinander zu picken.

 

Cuddy schüttelte den Kopf und beschloss, an ihre Arbeit zurück zu gehen. Im Gegensatz zu Patrice Jennings war sie ein gebranntes Kind, was es bedeutete, sich in die Beziehung der beiden Männer einzumischen zu versuchen...

 

 

 

* //  * //  *

 

Titel: Sunrise

Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD

Episode: - -

Pairung: House/Wilson

Rating: pg, slash, Drabble

Beta: T'Len
Archiv: ja

440. Die Sonne füllt den Himmel aus.

 

 

Er erwachte mit dem Sonnenaufgang und blinzelte ein paar Mal, um den letzten Rest Schlaf zu vertreiben. Über House’ Schulter hinweg konnte er die Sonne am Horizont höher klettern sehen.

 

House lag auf dem Bauch, das Gesicht im Kissen vergraben, von ihm abgewandt – er konnte der Versuchung nicht widerstehen, seine Hand von dem zerknitterten Laken zwischen ihnen zu heben und mit den Fingerspitzen House’ Haar zu berühren, in das die ersten Sonnenstrahlen blassorange Strähnen zeichnete.

 

Er stützte sich auf den Ellbogen, zog lächelnd die Hand zurück, um aufzustehen und Frühstück zu machen, bevor House ihn bei seinen romantischen Anwandlungen ertappte...

 

 

* //  * //  *

 

 

With this hand I will lift your sorrows.

Your cup will never empty for I will be your wine.

With this candle I will light your way in darkness

(Teil des Viktorianischen Ehegelöbnis)