neu: Black eyes blue (House MD, PG-15, slash - S4)
Warnungen? Spoiler. Gespräche über Oralsex in semi-öffentlichen Orten und über Pornos.

Titel: black eyes blue
Autor: Lady Charena
Fandom: House, MD
Pairung: House/Wilson, [Wilson/Amber]
Rating: PG-15, slash, bisschen Humor
Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Wilson taucht mit einem blauen Auge bei House auf. Spoiler: Staffel 3 + 4 und No More Mr. Nice Guy (4.13) für das Konzept “Shared Custody” zwischen Amber und House.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.
Lyrics: Alanis Morrisette



Is she perverted like me
Would she go down on you in a theatre
Are you thinking of me when you fuck her
Cause the joke that you laid on the bed that was me
And I’m not gonna fade
As soon as you close your eyes and you know it



House hatte sich auf der Couch ausgestreckt. Über den Bildschirm des Fernsehers flimmerte – unbeachtet und stummgeschaltet – Monster Truck Jam. Auf dem Couchtisch trocknete ein Ring aus Kondenswasser ins Holz, während die verbliebenen Eiswürfel im Glas schmolzen. Fruit Loops waren wie merkwürdiges Konfetti über den dösenden Mann, die Couch, den Tisch und den Fußboden verstreut, als die Packung hinunter gefallen war.

Es war Freitagabend und er war genau, wo er sein wollte. Endlich allein.

Ein Vormittag, verbracht im Siebten Kreis der Hölle, lag hinter ihm. Ohne einen Patienten hatte Cuddy ihm die Wahl gelassen, in der Notaufnahme oder in der Klinik zu arbeiten.

Für einen Moment war er versucht gewesen, in die Notaufnahme zu gehen und ein paar Stunden damit zu verbringen, Cameron zu quälen – doch bedauerlicherweise schien sie ihre Worte ernst gemeint zu haben und war dieser Tage sehr viel schwerer zu entrüsten als zu der Zeit, in der sie noch in ihn verliebt gewesen war.

Also ging er in die Klinik, fühlte Cuddys triumphierenden Blick auf sich und verbrachte die endlosen Stunden damit, seine Rache zu planen. Dummerweise hatte er sich – selbst als der letzte Patient beleidigt, behandelt und entlassen worden war – noch nicht mit sich selbst auf die Art der Vergeltung einigen können.

Er hatte versucht, Wilson zu einer Konsultation zu rufen (Konsultationen zählten nicht als Verletzung der Vereinbarung, es war „erlaubt“ während der Arbeit so viel Zeit mit Wilson zu verbringen, wie er wollte) doch statt Jimmy tauchte Kutner auf, verabscheuenswert diensteifrig, so dass er Mühe hatte, ihn wieder los zu werden. Wilson steckte in irgendeinem Meeting mit Cuddy und hatte in weiser Voraussicht seinen Pager bei Kutner geparkt. Verdammt, er wurde allmählich tatsächlich durchsichtig. Zumindest für Wilson. Und während es Spaß machte, mit Kutners Naivität und welpengleicher Begeisterung zu spielen, war es kein Ersatz. Er verbrachte die Mittagspause in der Klinik, lehnte Kutners Angebot, ihm etwas zu Essen aus der Cafeteria zu holen, ab und lächelte Brenda jedes Mal übertrieben freundlich an, wenn er sie zu Gesicht bekam, was die Oberschwester in tiefste Verwirrung und deutlich sichtbares Misstrauen stürzte.

Zurück in seinem Büro packte er seinen Rucksack mit allem, was er eventuell Zuhause brauchen könnte und verließ um halb zwei demonstrativ das Krankenhaus. Leider konnte er dies nicht vor Cuddys Augen tun, denn sie war noch immer in ihrer Besprechung. Dass bedeutete, Wilson war ebenfalls noch dort. Und er hatte keine Chance, ihn dazu zu überreden, sich ebenfalls früher zu verdrücken und ihn zum Essen einzuladen als Ersatz für das verpasste Mittagessen. Damit auch keine Chance, ihn noch für ein paar Stunden von der Bitch fern zu halten. Es war IHR Abend, aber er würde versuchen, die Regeln zu umgehen, selbst wenn er für den Rest seines Lebens Bettpfannen-Dienst machte. So lange Jimmy nur lächelnd dabei zusah, wie er und die Bitch sich umkreisten wie zwei halbwilde Hunde, die um ein und dasselbe Revier kämpften, bereit dem anderen bei der kleinsten Schwäche an die Kehle zu gehen, gab er nicht klein bei. Hmh, diese Analogie gefiel ihm.

Als er nach Hause gekommen war, hatte er seinem Bein ein langes, heißes Bad gegönnt und sich selbst eine Extra-Vicodin. Sein knurrender Magen trieb ihn schließlich aus der Wanne und in die Küche, wo sich wie üblich wenig Essbares finden ließ. House öffnete einen Küchenschrank und musterte den wenig ansprechenden Inhalt. Dosen mit Chili und Hühnersuppe. Ein aufgerissener Karton Fruit Loops, hinter dem scheu eine vergessene Packung Rattenfutter hervorlugte, die er nie weggeworfen hatte. Und offenbar hatte sie es auch geschafft, Wilsons Ordnungswahn zu entgehen.

Er schloss den Schrank, öffnete einen anderen. Teller, Gläser, Frühstücksschalen, Kaffeebecher – auch zum größten Teil Wilsons Werk, aber nichts Essbares. Eine halbvolle Tüte auf der Arbeitsfläche enthielt leicht angetrocknetes Sandwichbrot und er wusste, dass im Kühlschrank Erdnussbutter war. Aber genau wie die Reste koreanischen Essens, das Wilson an seinem letzten „Besuchsabend“ mitgebracht hatte und das er in die Mikrowelle hätte stellen können, reizte es seinen Appetit nicht wirklich. Er könnte Pizza bestellen...

Schließlich endete er auf der Couch, beobachtete wie Gravedigger Autos zu Matsch manschte und aß leicht schale Fruit Loops, die er mit einem Glas Marker’s Mark hinunter spülte. Zufrieden mit dem Fernseher, dem Alkohol und seinen Pillen in Reichweite, wartete er darauf, dass es Abend und Nacht wurde und er ins Bett gehen konnte. Morgen war Samstag und Wilson hatte versprochen, ihm Frühstück zu machen.

Ein Klopfen an der Tür riss ihn aus einem angenehmen Halbschlaf und er brauchte ein paar Minuten, um sich zu orientieren. Niemand würde um diese Zeit an seine Tür klopfen, nicht heute wo Wilson... anderweitig beschäftigt war. Niemand aus seinem alten Team und garantiert keiner von den Neuen würde sich hertrauen.

House blinzelte und warf einen Blick auf seine Armbanduhr. Halb zehn... hatte er so lange geschlafen? Der Schwere und Steifheit seiner Muskeln nach, auf jeden Fall... war zu spät für Cuddy. Seit die Bitch sie quasi zum Schiedsrichter gemacht hatte, schien Cuddy sich mehr auf seine Seite zu schlagen – aber das ging sicher nicht so weit, dass sie ihn in seinem Zuhause besuchte? Und falls sie einen neuen Patienten für ihn hatten, nichts war unmöglich, würde sein Handy klingeln. Es war eine erbärmlich kurze Liste und sie endete da, wo sie begonnen hatte – mit Wilson. Aber Wilson war mit der Bitch aus. Er hatte den Termin in Wilsons Kalender gesehen. Sogar seine Dates trug Jimmy brav dort ein und er hatte sich einen Moment gewundert, ob CTB wohl den Kalender kontrollierte...

House beschloss, liegen zu bleiben und vorzugeben, so fest zu schlafen, dass er das Klopfen nicht gehört hatte. Wer auch immer da draußen stand, würde aufgeben und gehen und er hatte seine kostbare Ruhe wieder für sich. Tatsächlich hörte das Klopfen auf.

Stattdessen hörte er etwas später das Klicken eines Schlüssels und erinnerte sich daran, dass er sich angewöhnen sollte, die Kette vorzulegen – oder ein anderes Versteck für seinen Ersatzschlüssel zu finden. House setzte sich auf und bereitete sich darauf vor, den Eindringling zurück zu schlagen – verbal, aber wenn es sein musste, wusste er auch den Stock einzusetzen – als Wilson in der Tür erschien.

Okay. Das kam überraschend. Aber House konnte eine hämische Stimme „jetzt schon? er kennt sie erst ein paar Wochen und schon betrügt er sie mit dir?“ nicht unterdrücken. Dann hob Wilson den Kopf, die Lampe am Kopfende der Couch leuchtete auf sein Gesicht und House vergaß seinen Spott, als er Wilsons angeschwollenes Auge sah.

* * *

„Kann ich keinen richtigen Eispack haben?“, fragte Wilson und hob die Tüte mit spitzen Fingern an. „Oder zumindest etwas, das nicht von deinem Vormieter im Eisfach vergessen wurde.“ Als House sie ihm aufs Gesicht klatschte, hatte er gesehen, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum der Erbsen vor mehr als zwei Jahren abgelaufen war. „Ich weiß, dass du welche hast. Ich muss Hunderte hergeschleppt haben.“

„Nein“, entgegnete House kurzangebunden. Er warf Wilson ein Handtuch in den Schoß und ließ sich neben ihn auf die Couch fallen. „Wenn du dich beschweren willst, dann geh’ zu ihr.“ Im Gegensatz zu seinem schroffen Ton griffen seine Finger sanft nach Wilsons Kinn, drehten seinen Kopf zu ihm herum, damit House sich sein Auge genauer ansehen konnte. „Du wirst es überleben“, diagnostizierte er schließlich und nahm Wilson das Tiefkühlgemüse aus der Hand, um es wieder über sein Gesicht zu drapieren. „Kühl’ weiter. Nicht, dass dein Ruf leidet. Muss ja nicht jeder im Krankenhaus wissen, dass du dich von deiner Freundin verprügeln lässt.“

„House“, murrte Wilson.

„Entspann’ dich”, entgegnete House. „Du kannst ja sagen, dass ich es war. Ich bin sicher, es laufen im Krankenhaus Wetten darüber, ob ich...“

„Greg“, unterbrach ihn Wilson. „Halt die Klappe.“ Im Gegensatz zu seinen Worten klang seine Stimme fast liebevoll. „Wenn ich verspottet werden will, kann ich auch zu Amber gehen.“

House biss sich tatsächlich auf die Zunge, um die nächste sarkastische Bemerkung hinunter zu schlucken. Leicht war das nicht! Schließlich konnte er nur er selbst sein, aber mit heroischer Anstrengung versuchte er, seinem Gesicht einen mitfühlenden Ausdruck aufzuzwingen. Es herrschte Krieg und im Krieg waren alle Mittel erlaubt, nicht wahr? Und wenn es Pluspunkte für ihn bedeutete, sich von Zeit zu Zeit einen Knebel anzulegen, nun das sollte zu schaffen sein. Es fanden sich genug Idioten, an denen er seinen Frust auslassen konnte. Ein ganzes Team davon arbeitete für ihn und der Nachschub in der Klinik würde nie enden...

„Soll ich fragen, wie du zu diesem netten...“, er wies vage in Richtung Wilsons Gesicht, ohne weiter auszuführen. Es war wirklich nicht zu übersehen.

„Es ist deine Schuld“, erwiderte Wilson und schob den rutschenden, improvisierten Eispack zurecht. Seine Finger fühlten sich schon leicht taub an, auch wenn er zugeben musste, dass sich die Erbsen besser der Kontur seines Auges und der Schläfe anpassten, als es ein steifer Gelpack womöglich vermocht hätte. „Das ist nur passiert, weil du deinen Mund nicht halten konntest und über Amber herziehen musstest.“

House überlegte. Er hatte vieles über Cutthroat Bitch zu sagen. Das meiste davon war wenig positiv. Und nur die... Ang... Sorge... sie könnte ihre Krallen völlig in Wilson schlagen und er würde bald Trauzeuge bei der vierten Hochzeit seines Liebhabers sein, ließ ihn erneut den größten Teil davon hinunter schlucken. Er zuckte mit den Schultern, gab sich ahnungslos.

Wilson blinzelte unter den tauenden Erbsen hervor. „Du weißt schon... dass ich sie nicht dazu bringen könnte, mit mir... irgendwo an einem öffentlichen Ort...“

Richtig. Etwas machte ‚Klick’ in House’ Kopf. Es war an einem dieser Abende gewesen, an denen sie Wilson erlaubte, zu ihm zu kommen und sie hatten einen Actionfilm gesehen, den House per pay-per-view geordert hatte und hinterher das Nachtprogramm des Erwachsenenkanals. Sie landeten dann bei einem dieser vanilla Erotikfilme, und während sie müßig beobachteten, wie eine Frau mit unglaublich falschen Brüsten, die aus ihrem engen Abendkleid quollen, sich in einer Theaterloge mit dem Reißverschluss ihres Begleiters zu schaffen machte (er wirkte in seinem Anzug so behaglich wie ein Schimpanse in einem Smoking) machte er eine Bemerkung darüber, dass Wilson Cutthroat Bitch nie dazu bringen würde, so etwas zu tun.

Er grinste, als er an Wilsons Antwort dachte: „Du hast es getan. Und wenn sie dir wirklich so ähnlich ist, wie du gerne glauben möchtest...“ Das ganze hatte sich zu einer höchst amüsanten... und anregenden... Zankerei entwickelt, bei der er sagte, dass er niemals auf keinen Fall vor Wilson auf die Knie gegangen sei, was sowieso mit seinem Bein nicht möglich war und Wilson es bestritt. Begleitet von etwas blechern klingendem Stöhnen aus dem Fernseher, dem keiner von ihnen Aufmerksamkeit schenkte. Schließlich verlegten sie das ganze ins Schlafzimmer und für eine Weile konnte er vergessen, dass Cutthroat Bitch existierte.

„Und?“, hakte House nach, nur halb interessiert. Er ließ seine Augen ein paar Wassertropfen folgen, die über Wilsons Wange glitten, um unterhalb seines Kinns zu verschwinden. Es sollte eine aufschlussreiche Reaktion hervorrufen, wenn er dem Weg des kalten Wassers mit einer warmen Zungenspitze folgte...

„Wir waren heute Abend im Kino. Und sie hat...“ Wilson legte eine bedeutungsvolle Pause ein.

House riss seinen Blick von den Wassertropfen los. „Du lügst“, entgegnete er, als er die Schlussfolgerungen selbst zog. Aber was da in Wilsons sichtbarem Auge schimmerte, war Selbstgefälligkeit gemixt mit einer Menge Vergnügen daran, ihn zu reizen – aber keine Falschheit. „Das würde sie nie tun?“ Es kam als Frage über seine Lippen, als seine Gewissheit schwand. Da war ein Funke Verärgerung, der an ihm nagte. Er war die Bitch in erster Linie losgeworden, weil er glaubte, verstanden zu haben, wie sie tickte. In der Diagnostik-Abteilung war nur Raum für ein Ego. Und er legte keinen Wert auf Konkurrenz. „Du hast ihr den Vorschlag gemacht, und sie hat dir dafür das blaue Auge verpasst. Jetzt ist mir alles klar.“ House lehnte sich zurück und heuchelte Desinteresse.

Wilsons wissendem Lächeln nach, war er dabei nicht besonders erfolgreich. „Das hat sie nicht. Es war ein Unfall.“ Er hob die Schultern. „Aber wenn du es nicht wissen willst...“

House griff nach seinem Stock und schlug ihm damit gegen den Knöchel.

„Aua. Lass’ das! Bin ich nicht lädiert genug?“, protestierte Wilson und zog sein Bein weg, auch wenn es dafür nun ein wenig spät war.

House verschränkte die Arme vor der Brust und starrte demonstrativ auf den Bildschirm, wo inzwischen ein Pokerturnier gezeigt wurde. Das gleiche wie vor fünfzehn Minuten. Oder ein anderes. Er konnte keinen Unterschied feststellen. Zu viel von seiner Aufmerksamkeit war auf den Mann an seiner Seite gerichtet.

„Wir haben gewartet, bis ungefähr der Film zur Mitte durch war und es besonders spannend wurde. Außerdem hatten wir Plätze in der letzten Reihe und an der Seite, wo es besonders dunkel ist“, fuhr Wilson nach einer Weile fort.

House griente. Er hatte gewusst, dass Wilson nicht der Gelegenheit widerstehen konnte, mit seinen Eroberungen heraus zu platzen. Das war schon immer so gewesen, ungeachtet ob er die Beichte hatte hören wollen oder nicht. Wilson lud seine Schuldgefühle bei ihm ab und ließ ihn dann frustriert und angepisst alleine, um zu seiner jeweiligen Freundin oder Frau zurück zu kehren. Zumindest war das so gewesen, bis House eines Abends die Spielregeln änderte, was dazu führte, dass Jimmy in seinem Bett landete...

„...und sie ging also vor mir auf die Knie...“

„Ich hoffe, du hast ein Kondom benutzt“, unterbrach ihn House. Der Blick, den Wilson ihm zuwarf, besagte das er schließlich kein Idiot war. Aber House kannte ihn zu gut. In der Hitze des Gefechts...

„Und sie fing an. Plötzlich sehe ich, dass jemand den Gang entlang kommt. In unserer Reihe. Ein Typ. Keine Ahnung, ob er aufs Klo wollte oder gehen oder was auch immer. Amber hat ihn nicht gesehen, sie war beschäftigt.“ Wilson grinste und House rollte mit den Augen. „Auf jeden Fall beugte ich mich vor, um sie zu warnen und irgendwie habe ich sie wohl unabsichtlich erschreckt...“

„Du kannst von Glück sagen, dass sie dich nicht gebissen hat!“ House konnte sich die Zwischenbemerkung nicht verkneifen. „Sonst würden meine Erbsen jetzt dein Würstchen kühlen.“

Wilson gab ein trockenes „Ha Ha“ von sich. „Der Typ stand praktisch schon vor uns und sie stemmte sich hoch, die Hände auf meinen Knien – der Gang ist ziemlich eng und sie lehnte gegen die vordere Sitzreihe – und da ich noch vorgebeugt saß, als sie hochkam, knallte ihr Kopf gegen mein Gesicht und ich sah Sternchen. Zumindest habe ich nicht mitbekommen, was der Typ zu ihr sagte, als er sich an uns vorbeiquetschte. Es rauschte viel zu sehr in meinen Ohren.“

House starrte ihn einen Moment lang an, dann begann er zu lachen. „Du... du hast... sie hat...“ Er warf den Kopf in den Nacken und lachte, bis ihm Tränen über die Wangen liefen. „Das hast du erfunden“, meinte er, als er wieder genug Luft zum Sprechen hatte.

„Richtig“, entgegnete Wilson trocken und nahm die Erbsen vom Gesicht. Es fühlte sich allmählich auf dieser Seite völlig taub an. Außerdem war alles nass vom Tauwasser, sein Kragen, sein Hals, sogar in den Nacken war Wasser gelaufen. Aber er war sich ziemlich sicher, dass die Schwellung zurückgegangen war und der Schaden an seinem Äußeren sich in Grenzen halten würde. „Deshalb erfinde ich so eine peinliche Geschichte statt etwas richtig Cooles, wie ich Ambers Ehre gegen einen Gorilla verteidige oder so was.“

Zumindest etwas Gutes hatte der Reinfall im Kino – er hatte House seit Jahren nicht mehr so lachen sehen – und dafür war das blaue Auge ein kleiner Preis. Es war nicht so, dass er blind und taub gegenüber der Anspannung zwischen House und Amber war – aber er konnte sich nicht helfen, als es zu genießen, wie sie um seine Aufmerksamkeit und seine Zeit buhlten.

Er liebte House. Aber in den letzten Jahren war so viel geschehen... Stacys Rückkehr, der Fehlschlag der Ketaminbehandlung, Tritter und nicht zuletzt House’ irrsinniger Stunt mit dem Taschenmesser, der beinahe damit geendet hatte, dass er sich innerlich grillte... dass er das Gefühl hatte, ihn Stück für Stück zu verlieren.

Seine Ehe mit Julie war da längst viel zu seicht gewesen, die Scheidung nur eine Frage der Zeit, um House wieder auf ihn aufmerksam zu machen. Indem er Julies Affäre so weit wie möglich ausreizte – obwohl sie ihn keineswegs so schmerzte, wie er House weiszumachen versuchte – brachte er es immerhin so weit, dass er für ein paar Wochen bei House Unterschlupf fand. Und die gelöschten Anrufe auf dem Anrufbeantworter waren wohl das naheste, was je an eine Deklaration von House’ Gefühlen für ihn kommen würde. Aber am Ende war es nicht gut gegangen und er landete im Hotel. Amber hingegen... entweder war es, weil House dachte, sie wäre ihm so ähnlich, oder was auch immer. Auf einmal hatte er seine volle Aufmerksamkeit zurück.

House wandte sich ihm plötzlich zu und hob die Hand, um mit den Fingerspitzen über die kalte Seite seines Gesichts zu streichen. Sie saßen dicht genug nebeneinander, dass House sich nur ein wenig zu ihm herüber beugen musste und plötzlich folgte eine warme Zunge dem Weg, den das Tauwasser kurz zuvor genommen hatte.

„Musst du nicht zurück zu ihr?“, fragte House, sein Mund nun dicht an Wilsons Ohr. „Es ist noch nicht Mitternacht. Und damit meine ich nicht, dass du dich dann in einen Kürbis und ich mich in eine Prinzessin verwandeln werde.“

„Vergiss’ die verdammte Vereinbarung, das nehme ich auf meine Kappe. Sie kann mir die Schuld geben.“ Wilson setzte nicht hinzu, dass Amber sicherlich wusste, wohin er seinen gekränkten Stolz darüber, dass sie den Rest der Vorstellung nicht aufhören konnte, zu lachen, tragen würde. Sie hatte nie gefragt, wie seine Beziehung mit House eigentlich genau aussah und er fragte sich, ob das bedeutete, dass sie es wusste oder dass es sie nicht interessierte. „Wenn ich ohnehin Frühstück für dich mache, kann ich doch eigentlich auch gleich hier übernachten, nicht wahr?“ Und das war das letzte Mal, dass Amber seine Gedanken beschäftigte, als er die Finger in den ausgeleierten Kragen von House verwaschenem T-Shirt wand und ihn näher zu sich herzog, um ihn zu küssen.


Ende