Guten Morgen, Harry

T’Len

2005

 

 

 

 

Serie: Harry’s Nest (Empty Nest)

Paarung: Harry/Charley, Carol, Barbara, Dreyfuss

Codes: Freundschaft, Humor

Summe: Frauenheld Charlie hat plötzlich Interesse an Harry. Oder doch nicht?

Feedback: tlen11@freenet.de

Bemerkung. „Empty Nest“ ist ein Spin-off der „Golden Girls“, läuft zur Zeit im Nachtprogramm von SuperRTL. Hauptcharaktere sind der verwitwete Kinderarzt Harry Weston (Richard Mulligan), seine neurotische Tochter Carol (Dinah Manoff) und deren Schwester, die toughe Polizistin Barbara (Kristy McNichol), sowie Charley Dietz (David Leisure), der nervige Nachbar. Außerdem gibt es noch den Hund Dreyfuss. Mehr Infos findet ihr hier: http://www.geocities.com/TelevisionCity/Stage/4318/

 

Disclaimer: Die Charaktere entstammend er Fantasie von Susan Harris. Ich habe sie mir nur für ein bisschen Spaß ausgeborgt und gebe sie unbeschädigt zurück. Naja, fast. Vielen Dank an Lady Charena für ihre nie nachlassende Hilfe.

 

 

 

„Halli-Hallo, ihr Westons.“  Wie ein Wirbelwind stürmte Charley Dietz durch die Tür und steuerte zielsicher auf den Kühlschrank zu, um sich ein Bier zu entnehmen.

 

„Charley, es ist fünf Uhr morgens“, erwiderte Harry Weston und sah von seiner Morgenzeitung auf, um seinem nervigen Nachbarn einen mahnenden Blick zu zuwerfen.

 

Charley ignorierte diesen, wie gewohnt, und setzte sich stattdessen Harry gegenüber an den Tisch. „Ich weiß“, erwiderte er seelenruhig und griff sich den Sportteil der Zeitung.

 

„Und da schneist du einfach so hier herein?“, fragte Harry entgeistert. „Wenn anständige Leute schlafen.“ Er war ja einiges von seinem Nachbarn gewöhnt. Dass dieser ihren Kühlschrank als Selbstbedienungsladen betrachtete zum Beispiel, oder ständig mit Carol stritt (nicht, dass er Charley mit manchen seiner Äußerungen insgeheim nicht recht gegeben hätte, aber das würde er natürlich nie laut aussprechen). Aber, dass Charley nun auch noch mitten in der Nacht wie selbstverständlich hereinschneite, war echt zu viel des Guten. Er musste Carol und Barbara ermahnen, unbedingt die Tür abzuschließen.

 

„Ich sah Licht und da dachte ich mir: Charley, schau doch mal rein und wünsch dem guten Harry einen guten Morgen“, erwiderte der ungebetene Besucher und ging erneut zum Kühlschrank, um nach etwas Essbarem zu suchen. „Sag Carol, sie muss heute dringend einkaufen“, bemerkte er. „Aber was Ordentliches, nicht dieses Biozeug.“ Angewidert schloss Charley die Tür wieder. „Da verhungert man ja glatt.“

 

Harry beschloss, dieses impertinente Verhalten einfach zu ignorieren. Für den Moment zumindest. Er hatte einfach keine Lust auf einen Streit zu so früher Stunde. Außerdem würde sich Charley sowieso nicht ändern. Das wusste er aus leidvoller und langjähriger Erfahrung. Vielleicht hätten sie doch umzeihen sollen? Statt dessen fragte er: „Wo kommst du jetzt erst her?“

 

„Von einem heißen Date“, erwiderte Charley und leckte sich genüsslich über die Lippen. „Echt heißer Feger, Mann oh Mann, was die alles mit ihrem Mund konnte. Ich sage nur..“

 

„Das will ich gar nicht wissen“, winkte Harry ab. Und vorstellen wollte er sich das schon gar nicht. „Warum gehst du nicht zu Bett?“, schlug er vor. Dann würde auch er sich wieder hinlegen können. Eigentlich war er ja nur in die Küche gekommen, um sich ein Glas Wasser zu holen und dabei einen kurzen Blick in die Zeitung zu werfen. Nun wollte er gern wieder ins Bett, aber Charley allein in der Wohnung zu lassen, wagte er nicht. Wer wusste schon, was sein Nachbar da alles anstellte.

 

„Ich bin aber gar nicht müde.“ Charley setzte sich auf die Tischkante und beugte sich leicht zu Harry hinab. „Ich hätte jetzt große Lust auf ein weiteres Nümmerchen, du verstehst schon, was ich meine.“ Vertrauensvoll zwinkerte er Harry zu.

 

Dieser schluckte. Charley meinte doch nicht etwa das, was er dachte, dass Charley es meinte? Nein, unmöglich. Nicht dieser Gigolo in Reinkultur. Er musste übermüdet sein und sich das einbilden. „Ich bin sicher, du findest eine deiner Bekanntschaften, die um diese Zeit schon oder noch wach ist“, sagte er.

 

Doch Charley beugte sich noch ein Stückchen näher zu ihm, so dass Harry seinen Atem im Gesicht spüren konnte. Er schnupperte. Nein, betrunken schien Charley nicht zu sein. „Eigentlich dachte ich eher an dich“, sagte dieser.

 

Harry schob seinen Stuhl ruckartig zurück und stand auf. „Das kann doch nicht dein Ernst sein, Charley“, vorsichtig bewegte er sich Richtung Treppe. Sollte er jetzt nicht besser in sein Schlafzimmer fliehen und abschließen? Zum Teufel mit dem, was Charley in der Wohnung anstellen mochte.

 

„Hast du es schon mal mit einem Kerl ausprobiert?“, fragte Charley und folgte ihm.

 

„Nein“, erwiderte Harry, „Und ich habe nicht vor, das zu ändern.“

„Mein neuer Captain sagt, wer es nicht mal mit einem Kerl getrieben hat, ist kein richtiger Matrose“; erklärte Charley und trat so nah an seinen Nachbarn heran, dass Harry sich am Treppengeländer quasi eingeklemmt fand. Charley musste irgend etwas genommen haben. Er konnte ihm doch nicht ernsthaft Avancen machen? Oder?

 

„Charley, du bist Steward“, wehrte Harry ab. „Oder so was ähnliches“, wie er nach kurzem Zögern hinzufügte. „Auf einem Kreuzfahrtschiff. Du bringst alten Frauen die Zeitung oder Spielkarten. Du bist kein Matrose zu Zeiten der Weltumsegler, monatelang ohne eine Frau an Bord.“ Charley stand jetzt unmittelbar vor ihm. „Dreyfuss!“, rief Harry nach dem Hund, doch der blinzelte nur müde aus seinem Schlafkorb, rührte sich sonst nicht.

 

„Ach komm schon, Harry.“ Charley zog seinen üblichen Bettelflunsch. „Ich will’s mal ausprobieren. Jeder will mal einen Ritt auf dem Dietzter. Und ist hinterher begeisterte. Tausende Frauen können nicht irren.“ Charleys Lippen kamen näher

 

„Dann frag Tausende Frauen aber nicht mich.“  „Dreyfuss!, ein Einbrecher. Fass!“, rief Harry verzweifelt, bekam aber erneut keine Reaktion

 

„Ich will aber dich:“ Lippen unmittelbar vor ihm, bereit zum Kuss.

 

„Charley...“

 

///

 

„...Nein!“

 

„Daddy, Daddy, ist alles in Ordnung?“

 

„Wo ist der Einbrecher?“

 

Carol im langen Nachthemd und Barbara im knappen Shorty stürmten ins Schlafzimmer ihres Vaters. Polizistin Barbara hatte dabei ihre Pistole im Anschlag.

 

„Nimm die Waffe runter!“, befahl Harry. „Hier ist kein Einbrecher. Wieso hast du überhaupt eine Waffe im Schlafzimmer? Du weißt, dass ich so etwas nicht im Haus haben will.“

 

„Ich habe vergessen, sie auf  der Dienststelle abzugeben“, antwortete Barbara kleinlaut. Dass sie es seit drei Wochen „vergaß“, erwähnte sie lieber nicht.

 

„Was ist los, Daddy?“, fragte Carol besorgt und setzte sich auf die Bettkante. „Ich hörte dich schreien.“

 

„Ich hatte nur einen Albtraum, nichts Wichtiges. Geht wieder zu Bett“, antwortete Harry.

 

„Oh Daddy, du solltest darüber sprechen, sonst wird er doch womöglich noch tagelang verfolgen. Ich bin wirklich gut im Traumdeuten. Das hat mir auch mein Psychiater bestätigt. Vielleicht solltest du einmal mitkommen. Weißt du, als ich neulich träumte..“

„Carol, geh wieder ins Bett“, freundlich aber bestimmt unterbrach Harry seine Tochter, schob sie dann sanft von der Bettkante. Wenn Carol sich erst einmal in Fahrt geredet hatte, würden sie alle nicht mehr zum Schlafen kommen. Außerdem hatte er bestimmt nicht vor, seinen Töchtern von diesem Traum zu erzählen: Wer wusste schon, was Carol da hinein interpretieren mochte. Charley Dietz war nun mit Sicherheit der letzte Mensch auf Erden, auf den er scharf wäre. Er war einfach nur überarbeitet und sein Unterbewusstsein hatte ihm einen üblen Streich gespielt. Oder ihm war Carols Abendessen - wie hieß es doch gleich, was sie mal wieder Neues ausprobiert hatte? - nicht bekommen.

 

„Du auch Barbara., Und pack die Waffe weg!“ Harry stand auf.

 

“Wo gehst du hin, Daddy?”, wollte Carol wissen.


“Mir ein Glas Wasser und die Zeitung holen.“

 

///

 

„Halli-Hallo, ihr Westons.“  Wie ein Wirbelwind stürmte Charley durch die Tür und steuerte zielsicher auf den Kühlschrank zu, um sich ein Bier zu entnehmen.

 

„Charley, es ist fünf Uhr morgens“, erwiderte Harry und sah von seiner Morgenzeitung auf, um seinem nervigen Nachbarn einen mahnenden Blick zu zuwerfen.

 

Charley ignorierte diesen, wie gewohnt, und setzte sich stattdessen Harry gegenüber an den Tisch. „Ich weiß“, erwiderte er seelenruhig und griff sich den Sportteil der Zeitung.

 

„Und da schneist du einfach so hier herein?“, fragte Harry entgeistert. „Wenn anständige Leute schlafen.“ Harry blinzelte. Irgendwie kam ihm die Situation bekannt vor. Geradezu wie ein Deja vu. Er würde doch nicht immer noch träumen? Unauffällig kniff er sich in den Arm.

 

„Ich sah Licht und da dachte ich mir: Charley, schau doch mal rein und wünsch dem guten Harry einen guten Morgen“, erwiderte der ungebetene Besucher und ging erneut zum Kühlschrank, um nach etwas Essbarem zu suchen. „Sag Carol, sie muss heute dringend einkaufen“, bemerkte er, „Aber was Ordentliches, nicht dieses Biozeug.“ Angewidert schloss Charley die Tür wieder. „Da verhungert man ja glatt.“

 

Das kam Harry nun wirklich sehr bekannt vor. Er schluckte kurz, dann entschied er sich für den direkten Angriff. „Charley, du bist doch nicht etwa scharf auf mich?“, fragte er vorsichtig.

 

Charley drehte sich überrascht um. „Harry, oh Harry, entdecke ich da etwa eine neue, bisher verborgen Seite an dir?“

 

„Papperlapapp“, winkte Harry ab. „Du meinst nicht, dass du nur ein richtiger Matrose wirst, wenn du es mit einem Kerl gemacht hast?“

 

„Also Harry, ich weiß ja, mein Ruf erreicht jeden und alle würden sonst was für einen Ritt auf dem guten alten Dietzter geben. Aber alles muss ich nun wirklich nicht ausprobieren. Jedenfalls nicht, solange die Mädels noch Schlange stehen. Aber gibt es für so was nicht auch gewisse Bars?“ Vorsichtig bewegte sich Charley Richtung Tür. Irgendwie war Harry heute wirklich komisch. Was sollten denn dieses Angebot? Schließlich hatte Harry doch drei Töchter. Und gab’s da nicht neulich auch eine neue Freundin? Die hatte ihm wohl nicht rangelassen. Und nun wollte er ihm – wie jede!

„Schon gut, Charley“, winkte Harry ab. „Vergiss es einfach:“

 

„Ich geh dann mal, gute Nacht, Harry.“ Schneller als gewohnt eilte Charley hinaus.

 

Harry atmete auf, als sich die Tür hinter dem Nachbarn schloss. „Alles nur ein Albtraum“, sagte er zu Dreyfuss, der müde zu ihm aufblinzelte. „Gott sei Dank.“

 

Da öffnete sich die Tür erneut und Charley erschien im Türrahmen. „Also wenn du magst, ich könnte dich heute Abend noch zwischen fünf und sechs dazwischen schieben. Für meinen Freund Harry tu ich doch alles.“

 

Kaum, dass er gegangen war, schloss Harry die Tür ab. Zweimal!

 

Ende