Titel: How to handle a Murdock
Autor: Lady Charena
Fandom: The A-Team

Episode: 13. Lösegeld für einen Jumbo (The Beast From The Belly Of A Boeing)

Pairung: Murdock, Face, Hannibal, B.A.

Rating: gen

Beta: T'Len
Archiv: ja

Summe: Da Murdock nun schriftlich hat, dass er nicht verrückt ist und nicht ins Krankenhaus zurück kann, müssen sich eben seine Freunde während seiner Genesung um ihn kümmern. Genauer gesagt, Face bekommt diese Aufgabe übertragen.

 

Eine neue Folge, eine neue Lücke zu stopfen – das Leben eines Fans ist hart. <g> Niemand erklärt mir, was die Jungs eine ganze Woche lang mit dem verletzten Murdock anstellen, bevor sie mit ihm ins VA-Krankenhaus fahren, um seine Sachen abzuholen. Wo man Murdock natürlich gleich wieder in sein Zimmer sperrt, weil seine Entlassungspapiere von einem durchgedrehten Arzt ausgestellt worden sind, der vermutlich in den Raum nebenan ziehen wird...

 

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.

 

 

1.

 

Während der Colonel sich seine Zigarre direkt unter dem „Rauchen Verboten!“-Schild angesteckt hatte und nun gelassen mit geschlossenen Augen und vor der Brust verschränkten Armen an der Wand lehnte, flirtete Face mit der Schwester am Empfang, die darüber ganz die ausweichenden Erklärungen und lückenhaften Angaben in der Patientenanmeldung vergaß. B.A. stand ein paar Schritte entfernt neben einem Getränkeautomaten und beobachtete den Eingang, seine Miene noch düsterer als sonst. Amy war in die Redaktion gefahren, hatte sich aber ausbedungen, dass man sie sofort anrief, sobald es Neuigkeiten gab.

 

Es war nicht das erste Mal, dass ein Mitglied des Teams verletzt war, doch dieses Mal steckte allen noch der Schock ihrer Bruchlandung in den Gliedern. Man crashte ja nicht eben jeden Tag mit einer Boeing fast ins Meer. Das Hannibal sie mit Unterstützung des Towers und Murdocks Anweisungen heil runtergebracht hatte, grenzte an ein Wunder. Kaum stand das Flugzeug endlich - nachdem es die Außenmauer der Wartehalle durchbrochen hatte - nutzten sie das allgemeine Chaos, um Murdock in den Van und dann ins nächstgelegene Krankenhaus zu bringen.

 

Die Anspannung lag ähnlich dicht wie der Rauch aus Hannibals Zigarre über den Wartenden. Face zog sich einen Stuhl an die Wand und setzte sich. „Wie lange ist er schon da drin, Colonel?“, fragte er und wies mit dem Kopf auf die Doppeltür zur Notaufnahme, durch die Murdock verschwunden war.

 

„Ganz ruhig, Lieutenant.“ Hannibal wechselte die Zigarre in den anderen Mundwinkel und klopfte ihm auf die Schulter. „Ich bin sicher, dass seine Augen in Ordnung sind.“

 

„Ich hoffe du hast recht.“ Face seufzte und rieb sich seinen Hinterkopf, den er bei ihrer unsanften Landung ziemlich heftig angeschlagen hatte. „Ich würde den verrückten Kerl nämlich echt vermissen.“

 

„Das würden wir alle“, entgegnete Hannibal ruhig. Er öffnete die Augen und nahm die Zigarre aus dem Mund. „B.A.?“

 

„Bis jetzt ist die Luft rein.“ B.A. trat zu den beiden. „Sieht nicht so aus, als hätte uns jemand die Polizei auf den Hals gehetzt.“

 

Face schnitt eine Grimasse. „Ich weiß nicht“, meinte er. „Polizisten können ziemlich hartnäckig sein, wenn es um Strafzettel fürs Falschparken geht. Und du hast den Jumbo im absoluten Halteverbot abgestellt, Hannibal.“

 

„Also ich fand mich nicht schlecht für meinen ersten Flug.“ Smith grinste.

 

„Ich fände es besser, wenn wir hier nicht so rumstehen würden.“ B. A. hakte die Finger in seinen Gürtel. „Wir sind die reinsten Zielscheiben.“

 

„Wir warten hier“, entschied Hannibal. Damit kehrten alle wieder zu ihren vorigen Beschäftigungen zurück. Face zog es an den Empfang. B.A. hielt die Augen offen und Hannibal arbeitete daran, den Raum mit grauen Rauchschwaden zu füllen, trotz der strafenden Blicke, die ihm von einer vorbeieilenden Schwester zugeworfen wurden.

 

Dann öffneten sich endlich die Doppeltüren zur Notaufnahme.

 

Hannibal löste sich von der Wand und winkte Face und B.A. zu sich. Ein Pfleger rollte Murdock in einem Rollstuhl heraus. Die obere Hälfte seines Gesichtes war von einer weißen Bandage bedeckt.

 

„Alles in Ordnung, Captain?“

 

Murdock wandte sich Hannibal zu. „Bereit zum Abflug, Colonel.“ Er lächelte, doch seine Stimme klang von Schmerzmitteln unsicher, die Worte verschwommen.

 

„Ganz ruhig, Murdock. Wir bringen dich jetzt erst mal nach Hause.“ Smith drückte seine Schulter und wandte sich an den Pfleger. „Das können wir doch, oder?“

 

„Der Patient wird auf eigenen Wunsch entlassen.“ Die gleiche Schwester, die bereits zuvor Hannibals Zigarre mit strafenden Blicken bedacht hatte, trat zu der kleinen Gruppe. „Entgegen ärztlichem Rat. Der Verband muss jeden zweiten Tag gewechselt werden.“

 

„Wir kümmern uns um ihn.“ Face setzte sein charmantestes Lächeln auf, dass jedoch an der Krankenschwester abprallte.

 

Die Frage, was mit den Augen des Piloten war, stellte niemand, während sie ihn zum Van rollten und in seinem Sitz verstauten. Während der Fahrt blieb es ähnlich still. B.A. schimpfte über den Verkehr, Hannibal hing seinen Gedanken nach und Face bekam nur einsilbige Antworten von dem sonst so quirligen Murdock, bis der irgendwann einschlief.

 

„Was fangen wir jetzt mit ihm an?“, fragte Face nach einer Weile. „Sie haben ihn als geheilt aus dem Krankenhaus entlassen. Ich fasse es immer noch nicht.“

 

„Kein Fetzen Papier der Welt macht Murdock normal“, knurrte B.A. „Komm’ bloß nicht auf die Idee, ihn bei mir einzuquartieren, sonst drehe ich dem Spinner den Kragen um.“

 

„Bei mir kann er auch nicht wohnen.“ Hannibal sah über die Schulter nach hinten. „Ich habe nur einen Wohnwagen am Set des neuen Monsterfilmes, bei dem ich morgen die Hauptrolle übernehme.“ Er blickte Face auffordernd an. „Das heißt, du bleibst übrig.“

 

Face seufzte. „Schön. Ich verstehe den Hinweis. Dann wohnt Murdock eben bei mir. Aber nur vorübergehend!“

 

„Hört’ mal Freunde, das ist ja ganz recht und nett“, kam es von Murdock. „Aber ich würde doch lieber zurück ins Krankenhaus. Ich werde denen schon klar machen, dass ich verrückt bin.“

 

„Oh... ähem... ich wusste nicht, dass du wach bist“, meinte Face verlegen. Er musste sich ja angehört haben, als wolle er sich nicht um ihn kümmern müssen. „Natürlich bleibst du bei mir. Hey, wir werden jede Menge Spaß haben.“

 

 

 

2.

 

Ein lautes Krachen aus dem Wohnzimmer schreckte ihn auf. Seufzend ließ Face das halbbezogene Bett sein und ging nachsehen. „Murdock, was machst du?“, fragte er, als er die Lampe auf dem Boden sah. Ihr Schirm hatte Risse.

 

„Nichts“, entgegnete der Pilot und ließ sich aufs Sofa zurückfallen.

 

„Wenn du irgendwas wolltest, warum hast du mir nicht einfach Bescheid gegeben?“ Er stellte die Lampe auf ihren Platz zurück, betrachtete einen Moment trübselig die beschädigte Stelle, bevor er sich neben ihn setzte. „Ich war nur im Schlafzimmer.“

 

Er musterte Murdock. Seine Augen waren auch nach zwei Tagen noch immer von den Pulververbrennungen zugeschwollen. Er konnte so gut wie nichts sehen, ein paar Schatten, Licht und Dunkelheit. Auf der linken Seite seines Gesichtes schien es schlimmer zu sein. Die Haut über dem linken Auge und seitlich davon war schwerer verletzt. Das ganze war für Face Geschmack ohnehin zu knapp ausgegangen.

 

Es war ihm klar, dass es Murdock schwer fiel, sich an die vorübergehende Blindheit zu gewöhnen. Zumindest hofften sie, dass es wirklich vorübergehend war. Er versuchte alles, es ihm leichter zu machen, erklärte ihm jedes Mal, was er tat oder wohin er ging, auch wenn es nur der Raum nebenan war, so dass Murdock sich nicht sorgte, sollte er nicht sofort antworten oder reagieren, wenn er nach ihm rief. Hannibal hatte ihn angewiesen, die ganze Zeit in der Nähe des Piloten zu bleiben und ihn im Auge zu behalten. Was dachte der Colonel von ihm? Dass er Murdock hier allein sitzen ließ und zu einem Date ging? 

 

Der Pilot zuckte mit den Schultern und wandte sich von ihm ab. „Nicht nötig. Ich werde einfach ganz still hier sitzen, bis du fertig bist... mit was auch immer.“

 

„Du hast meine volle Aufmerksamkeit, sobald ich mit dem Aufräumen fertig bin, okay?“

 

Murdock nickte und lauschte den sich entfernenden Schritten. Seufzend legte er den Kopf in den Nacken, berührte vorsichtig die Bandage über seinen Augen. Normalerweise wäre er über die Aufmerksamkeit seines besten Freundes froh gewesen – da war immer etwas anderes, das Face Gedanken in Anspruch nahm – eine Frau, ein Geschäft, ein Job... Doch im Moment war sie ihm zu viel. Er brauchte einige Zeit für sich allein.

 

Seit beginn dieses Jobs für Bellar Air hatte er keine Minute mehr alleine verbracht. Trotz seiner gegenteiligen Worte im Van war er froh, dass die Jungs ihn nicht mit den Verbrennungen zurück ins VA gehen lassen wollten, nicht mal um seine Sachen abzuholen. Und es war auch okay, dass es Facey zugefallen war, sich um ihn zu kümmern. Hannibal drehte wieder einen seiner Filme, was hieß, er war mit der Filmcrew unterwegs. B.A. wurde in seinem Jugendzentrum gebraucht. Er hatte Murdock jedoch mit dem Angebot überrascht, dass er – wenn es ihm wieder besser ginge – dort aushelfen könne. Er wusste, dass die Jungs es gut meinten, aber irgendwie hatte er das Gefühl, dass er nicht in ihr Leben passte – nicht auf einer dauerhaften Basis. Sie hatten alle ein Leben außerhalb ihrer gemeinsamen Jobs, eins von dem ihm sein Aufenthalt in der VA fast völlig abgeschnitten hatte.

 

Er wusste, sie wollten sich um ihn kümmern, aber er wollte nicht, dass man sich um ihn kümmerte. Nicht so, nicht bis zu dem Punkt, dass er keine Minute alleine gelassen wurde. Natürlich wusste er, dass er sich genauso verhalten würde, wäre einer der anderen verletzt – deshalb hatte er auch den Mund gehalten.

 

„Okay. Ich bin fertig“, sagte Face als er ins Wohnzimmer zurückkehrte und sich neben den Piloten setzte. Er legte seine Hand auf Murdocks Arm, als er sah, dass der wieder den Verband betastete. „So, was wollen wir jetzt machen?“

 

„Ich bin hungrig. Was hast du zu Essen da?“

 

Face lächelte. Yep, das klang definitiv nach Murdock, er war immer hungrig. „Ich werde sehen, was sich machen lässt. Irgendwelche bestimmten Wünsche?“ Er war zwar in der Küche nicht besonders gut, aber Murdock auch nicht wählerisch.

 

„Was ich jetzt wirklich gerne hätte, wäre ein Double Whammy Captain Bellybuster Special, und dazu ein Tummy Tumbler Malt und Fritten.“

 

Face schnitt eine Grimasse als er an das fetttriefende Menü dachte – aber wenn Murdock es wollte, dann würde er es bekommen. Allerdings nicht ohne zumindest ein wenig obligatorischem Protest von seiner Seite. „Awww, Murdock. Das heißt, wir müssen fünfzehn Kilometer zum nächsten Burger Heaven fahren? Nur für einen Burger?“

 

„Facey, es ist nicht einfach nur ein Burger, es ist ein Double Whammy Captain...“

 

„Ja, ja, okay.“ Face schüttelte den Kopf. „Ich hab’s kapiert. Okay, gib mir eine Minute, ich hole deine Jacke und wir...“

 

„Ich gehe nicht mit“, unterbrach ihn der Pilot.

 

„Was? Wieso nicht?“

 

Murdock hob die Hand wieder zu der weißen Bandage. „Vielleicht ist es dir noch nicht aufgefallen, aber ich kann nichts sehen und ich habe zur Zeit ein paar Probleme mit meinem Aussehen. Ich denke, ich könnte ein klein wenig Aufsehen erregen, findest du nicht?“

 

„Ach komm“, Face gefiel der Ton in Murdocks Stimme nicht. „Hey, Hannibal hat sich schon die Corvette ausgeliehen und mich mit seiner Schrottlaube sitzen lassen. Ich brauche wenigstens irgend etwas, dass die Blicke der Leute auf mich lenkt“, scherzte er.

 

„Er hat die Vette ausgeliehen, damit er wie ein richtiger Hollywoodschauspieler aussieht – genau wie das, was du immer versuchst“, erwiderte der Pilot mit ernster Stimme, aber einem Lächeln.

 

„Hey, dann werden sie dich halt anstarren, was macht das schon?“, fuhr Face fort. „Die sollen sich um ihren eigenen Kram kümmern.“

 

„Es ist mir egal, bis sie sehen, wer bei mir ist.“ Murdocks Stimme nahm den quietschigen Klang einer Zeichentrickfigur an. „Hey, ist das nicht ein gesuchter Verbrecher da drüben? Neben dem Kerl mit dem Turban über der Nase?“

 

„Aber Hannibal zieht mir das Fell über die Ohren, wenn ich dich hier alleine lasse.“

 

„Wir müssen es ihm ja nicht erzählen. Jetzt entspann dich, Muchacho. Alles ist okay. Du gehst nicht auf eine Weltreise, du holst nur einen Burger.“

 

„Ich dachte, es wäre nicht ‚nur ein Burger’?“, entgegnete Face grinsend.

 

„Hey, all deine Spitzfindigkeiten machen mich nicht satt.“ Der Pilot grinste ebenfalls. „Du bist ein lausiger Gastgeber, Facey.“

 

„Okay, okay.“ Face seufzte. “Ich gehe. Aber du gehst weder ans Telefon, noch machst du die Tür auf, ja?

 

„Face, erwartest du, dass Lynch an deiner Tür klingelt?“ Murdock hob beide Hände. „Ich bin brav.“

 

„Versprochen?“

 

„Willst du es schriftlich?“

 

Face lachte und legte den Arm um die Schultern des Piloten. Irgendwie würden sie dass schon hinbekommen. Sie hatten ganz anderes geschafft. „Man sollte dich wirklich nur mit einer Gebrauchsanweisung auf die Menschheit loslassen.“

 

Der Pilot hob den Kopf. Er grinste. „Mit einer Gebrauchsanweisung, hm? “How to handle your new Murdock and make living comfortable.” Klingt doch interessant. Heißt das, ich bekomme jetzt endlich meinen Burger?“

 

Face seufzte und stand auf. „Das habe ich doch schon gesagt, oder nicht, du Nervensäge.” Er nahm seine Jacke und die Autoschlüssel und wandte sich zum Gehen.

 

„Face?“

 

Er sah über die Schulter zurück auf den Piloten, der nicht mehr ganz so niedergeschlagen wirkte. „Ja?“

 

„Danke.“

 

„Schon okay. Wozu sind wir Freunde.“

 

Ende