Titel: Haarspaltereien

Autor: Lady Charena

Fandom: House, MD

Charaktere: House, Wilson

Thema: # 017. Braun

Word Count:

Rating: PG

Anmerkung des Autoren: Vielen Dank an T'Len für's betalesen.

 

 

Es dauerte eine Weile, bis es in House bereits angenehm benebeltes Gehirn vordrang, dass Wilson verschwunden war, um Biernachschub aus dem Kühlschrank zu holen und seither nicht wieder aufgetaucht war. Er stemmte sich mit einiger Mühe vom Sofa hoch und humpelte in die Küche.

 

Wilson saß am Küchentisch, mit zwei Bierflaschen vor sich. Mit einer Hand drehte er eine der beiden Flaschen, mit der anderen stützte er seinen Kopf. Er sah nicht auf, als House in den Raum trat.

 

House zögerte einen Moment, dann nahm er ihm gegenüber Platz und wartete schweigend auf eine Erklärung, wieso Wilson in einem Moment noch neben ihm auf der Couch saß und sie über den billigen Horrorfilm lachten, der im Nachtprogramm lief - und er dann im nächsten Augenblick im Bermudadreieck der Küche verschollen war, um scheinbar meditativ eine... zudem leere... Bierflasche anzustarren.

 

"Ich habe dein Bier getrunken", meinte Wilson schließlich nach einer Weile.

 

"Das ist mir aufgefallen", erwiderte House trocken. "Was für ein Glück, dass mir immer noch das Vicodin bleibt. Sonst könnte dieser nette Abend sehr hässlich enden." Er stutzte und nahm Wilson genauer in Augenschein. Im Wohnzimmer war das Licht gedämpft gewesen, als Jimmy mit chinesischem Essen und einer Miene wie ein getretener Hund vor seiner Tür erschienen war. Erhatte ihn hereingelassen und sich auf die Suche nach dem am dämlichsten klingenden Horrorstreifen gemacht, den das Kabelfernsehen zu bieten hatte, um mit seinen lästerlichen Bemerkungen, Wilsons Gedanken so gut wie möglich abzulenken. Von was auch immer. Er hatte nicht danach gefragt; wollte es nicht wissen. Musste es nicht wissen. Aber offenbar war die Ablenkungsphase jetzt vorbei. Er überlegte, ob er sich ein Bier aus dem Kühlschrank holen sollte. Irgendwie hatte er so eine Ahnung, dass er für Wilsons Enthüllungen lieber betrunken war.

 

"Was hast du mit deinen Haaren angestellt, Jimmy?", fragte er statt dessen.

 

"Was? Nichts."

 

"Uh-hu. Sie sind dunkler. Brauner. Bierflaschenbraun. Browniesbraun."

 

"Unsinn. Sie sind nicht brauner als sonst. Du bist nur zu betrunken, um noch richtig zu sehen, das ist alles."

 

"Mir deucht, klein-Jimmy protes-test zu viel. Du tönst dir doch nicht etwa die Haare, weil ein paar graue darunter sind?"

 

"House! Lass' es gut sein. Ich habe mir nicht die Haare getönt."

 

"O-kay", erwiderte House gedehnt und ganz und gar nicht überzeugt. "Leugne es ruhig, wenn du dich dann besser fühlst."

 

Wilson seufzte und ließ den Kopf hängen. "Okay. Du hast gewonnen. Ich habe mit meinen Haaren... ich war bei einem Frisör nach der Arbeit... aber es ist keine Tönung!"

 

"Fein", erwiderte House neutral. "Hast du eigentlich noch ein Bier übriggelassen."

 

"Es ist...", fuhr Wilson fort, ohne seine Frage zu beachten. "Vermutlich habe ich überreagiert."

 

"Oh richtig. Es ist deine kritische Zeit im Monat." House lehnte sich zurück und strich das Bier zugunsten der Überlegung, eine Vicodin zu nehmen.

 

Wilson malte mit der Fingerspitze Kreise auf den Küchentisch. Er hielt den Kopf noch immer gesenkt. "Ich habe ein Gespräch mitangehört. Unabsichtlich. Zwei der neuen Schwesternschülerinnen haben sich unterhalten. Ich wollte nicht lauschen, ehrlich nicht. Aber sie haben über mich gesprochen."

 

"Die Hälfte der Schwestern spricht über dich. Die andere Hälfte denkt, dass es eine Schande ist und dass du zu gut aussiehst, um dich an mich zu verschenken." House grinste. Er wusste sehr genau, woher diese Gerüchte kamen.

 

"Gree-eeg." Wilson seufzte müde. "Kannst du mal fünf Minuten die Luft anhalten und mir zuhören? Ich versuche was zu sagen."

 

"Schaffst du es in drei? Okay, okay." House hob abwehrend die Hände. "Schütte mir schon dein Herz aus, Jimmy. Was haben die großen, bösen Schwestern über dich gesagt."

 

"Die eine meinte, ich wäre süß."

 

"Okay. Mann will nicht unbedingt hören, dass er das gleiche Entzücken wie ein Pudel hervorruft, aber das kann es doch nicht alleine sein, was dich in Melancholie ertrinken lässt." House schob die Bierflasche beiseite um einen besseren Blick auf Wilsons Gesicht zu erhaschen. "Und in meinem Bier", setzte er leise hinzu.

 

"Die andere sagte, ich wäre zwar süß, aber schon furchtbar alt. Ich hätte sogar schon graue Haare." Der kindisch-schmollende Tonfall, in dem das herauskam, sagte House, dass der gute Wilson schon mehr Alkohol intus hatte, als gut für ihn war.

 

"Ich weiß, dass ich nicht so viele Bier hatte. Und ich weiß, dass deine Haare braun sind. Und dass du verdammt noch mal viel zu eitel bist." House rieb sich das Kinn. "Das, oder ich habe mehr getrunken, als mir klar ist. Wovon redest du überhaupt?"

 

"Ich rede davon, dass ich offensichtlich alt werde und meine Ehe dabei ist, den Bach runter zu gehen und dass es verdammt deprimierend ist, in deiner Küche zu sitzen und Bier zu trinken."

 

"Beleidige meine Küche nicht", entgegnete House fast automatisch. "Wieso regst du dich über zwei so... dumme Gänse auf. Wie alt können die schon gewesen sein? Siebzehn? Achtzehn? Sie sind auf jeden Fall zu jung für dich, Jimmy. Sie sind sogar für Chase zu jung. Und ich wette, ihn finden sie auch süß. Versuchst du irgendwas bestimmtes zu sagen?"

 

"Behauptest du, dass ich nicht mehr weiß, was ich sage?"

 

"Ich behaupte gar nichts. Ich weiß, dass du nicht mehr weißt, was du sagst. Du hast zu viel Bier getrunken." House zögerte einen Moment, runzelte die Stirn und stolperte in den Gedanken noch einmal an diesem Satz entlang. "Wovon haben wir eigentlich gerade gesprochen?"

 

"Keine Ahnung", behauptete Wilson.

 

"Bin ich froh, dass wir diese Unterhaltung hatten", erwiderte House ironisch, beließ es aber dabei. Er stand auf und humpelte ohne Unterstützung seines Stocks zum Kühlschrank. "Willst du noch ein Bier?"

 

"Ja." Wilson starrte auf die zwei Flaschen auf dem Tisch. "Oder nein, besser nicht."

 

"Sie haben sich bereits für Tor 1 entschieden, ein Umtausch ist nicht mehr möglich." House holte zwei frische Flaschen aus dem Kühlschrank, kam zurück und schob eine davon über den Tisch, nachdem er Platz genommen hatte.

 

"Danke." Wilson nahm die Flasche und öffnete sie.

 

"Wenn dir das ein Trost ist, deine Haare sehen gut aus", sagte House, nachdem er einen langen Schluck aus seiner getrunken hatte. "Brauner, aber gut."

 

Wilson lachte. "Bei dem Preis, den ich bezahlt habe, sollte es auch gut aussehen."

 

"Sieht aus, als ob es weich wäre."

 

Der jüngere Mann sah überrascht auf. "Was?"

 

"Fühlt es sich so weich an, wie es aussieht?"

 

Überraschung verdrängte für einen Moment den Alkoholschleier aus Wilsons braunen Augen. Dann zuckte er mit den Schultern. "Probier's doch aus."

 

House Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen. "Du willst, dass ich deine Haare anfasse?"

 

"Du hast damit angefangen. Willst du meine Haare anfassen?"

 

House schüttelte den Kopf, fast so, als versuche er ihn dadurch klar zu bekommen. "Haben wir gerade wirklich ein Gespräch darüber, ob oder ob ich nicht deine Haare anfassen will oder bin ich vor dem Fernseher eingeschlafen und das ist ein Albtraum?"

 

"Wieso kannst du ständig solche Dinge sagen und wenn ich es mache, wird eine große Diskussion daraus?"

 

"Welche Dinge?" Die blauen Augen waren unlesbar, House Gesichtsausdruck völlig neutral.

 

"So etwas wie... Ob ich deinen Stock anfassen will. Oder mit deinem YoYo spielen. Du machst immer so zweideutige Bemerkungen." In Wilsons Stimme hatte sich wieder der schmollend-trotzige Unterton eines sich unverstanden fühlenden Kindes geschlichen.

 

"Sprechen wir die gleiche Sprache?", erwiderte House nach einem Augenblick. "Falls ja, brauche ich unbedingt einen Auffrischungskurs."

 

"Was erwartest du von mir, wenn du so was sagst? Irgendeine geistreiche Antwort? Oder dass ich es einfach deinen sorgfältig gepflegten, schlechten Manieren zuschreibe, und es ignoriere? Oder hoffst du, dass mir diese Bemerkungen eines Tages irgendetwas sagen, was keiner von uns beiden hören will?"

 

"Was zum Teufel ist los mit dir, James? Alles, was ich wissen wollte, war ob du deine Haare getönt hast. Und jetzt befinden wir uns plötzlich inmitten einer Diskussion..." Er brach ab, rieb sich mit der Handfläche übers Gesicht. "Okay. Das war definitiv mindestens ein Bier zu viel. Bei uns beiden."

 

Wilson lächelte reuig. "Ich gebe zu, es klingt alles ein bisschen merkwürdig..."

 

"Merkwürdig ist nicht annähernd das richtige Wort", unterbrach ihn House. "Setz' dich hierher." Er zog den Stuhl neben seinem unter dem Tisch heraus und klopfte auf die Sitzfläche.

 

"Wieso?"

 

"Weil ich betrunken bin und absolut für gar nichts verantwortlich, was ich tue."

 

"Okay", erwiderte Wilson gedehnt und stand auf, um den Tisch zu umrunden und sich neben House zu setzen. Er wandte sich ihm mit einem übertrieben erwartungsvollen Gesichtsausdruck zu. Um dann überrascht nach Luft zu schnappen, als House die Hand hob und seine Finger durch Wilsons Haare gleiten ließ. Verwirrt senkte er den Blick auf seine auf dem Tisch liegenden Hände.

 

"Hey, weich", meinte House. "Wirklich weich. Wie Seide."

 

Wilson lachte. "Wir sind vielleicht ein Paar betrunkene Idioten."

 

"Sind wir das?" House zog langsam die Hand zurück. Wilsons Haare standen zerzaust in alle Richtungen ab. "Geh' schlafen, Jimmy."

 

"Was?" Wilson öffnete die Augen und sah ihn fragend an.

 

"Geh' schlafen. Du bist zu betrunken, um nach Hause zu fahren und ich glaube, wenn du Julie um diese Uhrzeit noch anrufst, um ihr zu sagen, dass du bei mir übernachtest, reicht sie morgen die Scheidung ein." Er wies in Richtung Wohnzimmertür. "Meine Couch ist deine Couch."

 

"Okay." Wilson rieb sich den Nacken, dann stemmte er sich langsam hoch. Irgendwie hatte er den Faden verloren, was eben passiert war. Es hatte irgendwie damit angefangen, dass House behauptete, seine Haare wären brauner und... und dann? Den leeren Bierflaschen auf dem Tisch nach zu urteilen wollte er es vielleicht besser gar nicht wissen. Yeah. House hatte recht. Er sollte schlafen gehen. Er war hundemüde. Wilson schaffte es ohne größere Zwischenfälle zur Tür und lehnte sich einen Moment gegen den Türrahmen, um zurück zu sehen. House wandte ihm den Rücken zu. "Also weißt du... du solltest dir die Haare nie tönen. Das Grau darin ist irgendwie sexy", murmelte er, überrascht von seinen eigenen Worten.

 

House drehte sich zu ihm herum, doch Wilson zog es vor, sich ins Wohnzimmer zu verdrücken, ohne darauf zu warten, was er in House Gesicht lesen würde. Sie hatten für eine Nacht wirklich genug Unsinn geredet.

 

 

Ende