Titel: White Roses
Autor: Lady Charena
Fandom: The Guardian
Episode: 1x08 Heart
Prompt: #049. Cold
Wörter: 1906
Charaktere: Nick Fallin, Laurie Solt
Pairing: - -
Rating: pg, gen, AU, oneshot
Beta: T’Len
Archiv: ja

Summe: Nick besucht Lesleys Grab. Dort trifft er auf Laurie Solt.

Disclaimer: Die Rechte der in dieser Fan-Story verwendeten geschützten Namen und Figuren liegen bei den jeweiligen Inhabern. Eine Kennzeichnung unterbleibt nicht in der Absicht, damit Geld zu verdienen oder diese Inhaberrechte zu verletzen.



"You decide when to bend, when to break and when to fight." (Burton Fallin 1x22)


The language of flowers, sometimes called floriography, was a Victorian-era means of communication in which various flowers and floral arrangements were used to send coded messages, allowing individuals to express feelings which otherwise could not be spoken. The nuances of the language are now mostly forgotten, but red roses still imply passionate, romantic love and pink roses a lesser affection; white roses suggest virtue and chastity, sympathy, remembrance, and honor and yellow roses still stand for friendship or devotion. (Wikipedia)


White roses for hopes that flee; and the dreams of the day and the night, (Andrew Lang: RED AND WHITE ROSES)



Er war nie zuvor an diesem Ort gewesen. Nicht einmal an ihrer Beisetzung hatte er teilgenommen. Seit dem Tod seiner Mutter hatte er kein Begräbnis besucht.

Natürlich hatte es sich in der Clinic herumgesprochen. Sein Verhalten war auf – wenn auch stillschweigendes – Unverständnis bei seinen Kollegen gestoßen; und hatte sicherlich viele in ihrer Meinung bestärkt, dass er nur ein kaltherziger Bastard war, der die Vormundschaft für Lesley einzig übernommen hatte, um sich zu profilieren.

Alvin und Laurie hatten die Beerdigung organisiert und mehr als einmal, wenn er am Kopierer stand oder eine Akte suchte und den Kopf hob, fand er Alvins fragenden Blick auf sich gerichtet. Aber sein Vorgesetzter sprach das Thema nie an.

Laurie ließ ihn wissen, dass sie seine Entscheidung billigte, als er zwei Tage nach der Beerdigung morgens in die Besenkammer trat und auf seinem Schreibtisch die Rechnung für ein Blumenbuket in seinem Namen fand.

Er hatte den Tag nicht in seinem Kalender notiert. Hatte ihn nicht in den Akten nachgeschlagen oder im Computer aufgerufen. Und trotzdem erwachte er an diesem Morgen und wusste, dass heute Lesleys dreizehnter Geburtstag gewesen wäre. Der Gedanke blieb bei ihm, folgte ihm durch den Tag, in sein Büro bei „Fallin Associates” und ins Gericht, wo er einen Fall für den Legal Service zu vertreten hatte. Nach der Anhörung, die wie so viele auf einen anderen Termin vertagt wurde, verweilte er noch etwas länger im Gerichtsgebäude, hoffte darauf, Laurie anzutreffen. Doch die Sozialarbeiterin war nirgends zu finden.

Er verließ das NA-Meeting vorzeitig, ohne sich darum zu kümmern, ob es Alvin bemerkte oder nicht. Draußen dämmerte es bereits und die Abendluft war kühl. Nick setzte sich in seinen Wagen und fuhr einfach los.

* * *

Er wusste von der Rechnung des Blumenladens, auf welchem Friedhof sie bestattet worden war, und als er vor dem Gittertor stand, wurde ihm bewusst, dass er ihr zumindest hätte Blumen mitbringen sollen. Das war, was man machte, wenn man ein Grab besuchte.

Das Metall war kalt unter seinen klammen Händen, als er das Tor aufdrückte, und eine Windböe ließ es sofort hinter ihm wieder ins Schloss fallen. Er schlug den Kragen seines Mantels hoch und steckte die Hände in die Taschen, die Schultern hochgezogen.

Als er Lesleys Grab endlich gefunden hatte, sah er, dass schon jemand vor ihm dagewesen war. In einer Laterne flackerte eine Kerze; frische Blumen lagen auf dem Grab und jemand – vielleicht eines der Paare, bei dem Lesley in Pflege gewesen war, bevor sich ihr Zustand so sehr verschlimmerte – hatte einen flauschigen, braunen Teddybär hinterlassen, der etwas schief gegen den Grabstein lehnte, als drohe der Wind, ihn umzublasen.

Nick starrte eine Weile auf die Daten auf dem Grabstein, ohne sie wirklich zu sehen. Seine Gedanken waren im Krankenhaus; bei Lesleys Gesicht und ihren Worten vor der Transplantation. Ihren Mut und ihre Abgeklärtheit. Sie hatte keine Angst gehabt. Er erinnerte sich, wie sie auf einem Stuhl gekniet hatte, um aus dem Fenster sehen zu können. Er erinnerte sich an die endlosen Stunden, in denen er und Laurie auf eine Nachricht aus dem OP warteten; darauf, dass alles gut gehen würde. Er dachte an die Frage, auf die er nie eine Antwort gegeben hatte: Was wäre nach der Operation mit Lesley geschehen? Hätte sie wirklich weiterhin einen Platz in seinem Leben gefunden oder hätte er sie so schnell wie möglich an das erste adoptionswillige Paar abgeschoben? Er konnte diese Frage heute noch immer nicht beantworten.

Schließlich ging er in die Hocke, beugte sich vor und rückte den Teddy gerade. Sein Handrücken streifte den kalten Marmor des Grabsteins und er zuckte zurück als hätte er sich daran verbrannt.

„Nick.“

Er fuhr herum als hätte man ihn bei etwas verbotenem ertappt und es war entweder Kälte oder Verlegenheit, die seine Wangen brennen ließ.

Laurie Solt kam langsam näher. Ihr Mantel und der Saum des Kopftuches, das ihr Gesicht vor der Kälte schützte, flatterten ihm Wind. Sie hielt zwei langstielige, weiße Rosen an sich gedrückt, um sie davor zu bewahren, völlig zerfleddert zu werden. Laurie lächelte ermunternd, als sie ihm eine davon reichte.

Nick zögerte einen Augenblick, bevor er die Rose nahm. Der Stiel fühlte sich wie Plastik zwischen seinen klammen Fingern an und er legte sie rasch auf das Grab, um dann gleich ein paar Schritte zurück zu weichen und Platz für Laurie zu machen.

Sie schwieg einen Moment, vielleicht den gleichen Gedanken nachhängend, wie zuvor er – sie musste mehr Erinnerungen an Lesley haben, die sie so lange betreut hatte – dann legte sie ihre Rose neben seine und wandte sich zu ihm um.

Ihre Augen musterten ihn prüfend: seine hochgezogenen Schultern und die Art, wie er die Arme um sich selbst geschlungen hatte, als müsste er sich physisch zusammenhalten um nicht zu zerbrechen; sein Blick, der irgendwo im Dunkel hinter ihnen verloren ging.

Laurie trat zu ihm, hob die Hand und strich mit dem Handrücken über seine kalte Wange, um seine Aufmerksamkeit auf das hier und jetzt zurück zu lenken. Alvin Masterson und Burton Fallin waren alte Bekannte und sie hatte von Alvin einiges über Nicks Vergangenheit erfahren, vielleicht mehr als der junge Anwalt ahnte. Genug, um zu sehen, dass er im Moment so verloren wirkte wie ein Junge, der nicht wirklich wusste, warum er sich an diesem Ort befand und was er nun tun sollte.

Als er sie ansah, schob sie ihr Kopftuch etwas aus der Stirn und hakte sich bei ihm ein. „Gehen wir zu mir und trinken wir einen Tee, um uns aufzuwärmen. Ich bin heute Abend alleine.“

Für einen Moment schien es, als wollte er etwas einwenden, dann nickte er und sie verließen den Friedhof.

Erst, als sie sein Auto erreichten, schien Nick aufzuwachen. Er wandte sich Laurie zu und fragte, wo ihr Wagen stehe – der BMW war das einzige Fahrzeug in Sicht.

„Ich habe den Bus genommen.“ Laurie lächelte. „Und gehofft, jemand zu treffen, der mir eine Fahrt zurück spendiert – oder zur nächsten U-Bahnstation.“

Nick blickte sie über das Dach des Wagens hinweg an. „Aber ich wusste nicht einmal, dass ich hierher kommen würde, wie...“ Er schüttelte den Kopf und stieg ein.

* * *

Sie sprachen nicht auf der Rückfahrt, jeder von ihnen hing seinen eigenen Gedanken nach. Laurie wiederholte ihre Einladung, als sie Nick zu ihrem Haus dirigiert hatte und sie sah, dass er zögerte, auszusteigen.

* * *

Sie ließ Nick alleine im Wohnzimmer; hoffte dass das leichte Chaos, das die Besuche ihres Enkelkindes hinterließen, ihm einen Teil seines Unbehagens nahm. Als sie etliche Minuten später mit einem Tablett voll Geschirr und Tee-Utensilien zurückkehrte, hatte er zumindest seinen Mantel abgelegt und saß jetzt – wenn auch unbehaglich auf dem Rand – auf ihrer Couch, sein Blick auf die bunten Kinderzeichnungen gerichtet, die ihre Wände schmückten.

Sie deckte den kleinen Teetisch, wehrte ihn mit einer bestimmten Geste ab, als er Anstalten machte, ihr dabei zu helfen und setzte sich schließlich ihm gegenüber. Laurie goss Tee in zwei Tassen und schob Nick eine davon zu.

Er starrte einen Moment auf die Tasse als hätte er noch nie zuvor eine gesehen und wüsste nicht, was er damit anfangen sollte. Dann sah sie einen leichten Schauer durch seinen Körper gehen und er griff den dünnen Henkel der Tasse so fest, dass sie glaubte, er würde abbrechen.

Laurie schwieg, nippte an ihrer Tasse und sah ihm zu, wie sich seine Augen mit Tränen füllten, als er zu hastig trank und der heiße Tee seinen Mund verbrannte. Oder vielleicht war es nicht der Tee.

Sie hätte mit ihm sprechen können. Ihn an ihren Erfahrungen teilhaben lassen – Lesley war nicht das einzige Kind, für das sie gesorgt hatte, und das gestorben war... oft, zu oft, hatte sie das in ihrem Leben bereits erfahren – und ihm versichern, dass es völlig normal war, was immer er jetzt fühlte: Hilflosigkeit und Ärger und Bedauern. Einen Verlust, der so viel größer war, als man denken mochte. Wie konnte ein Mensch, den man nur ein paar Wochen gekannt hatte, ein Loch in ein Herz reißen, das von Narben übersät sein musste?

Doch sie schwieg, weil ihr Instinkt ihr sagte, dass das erste Wort einen Keil zwischen sie treiben würde; dass er aufstehen und gehen würde und vielleicht Trost und Vergessen in dem suchen würde, was ihn zu Legal Services gebracht hatte. Sie hatte seine Veränderungen beobachtet... den arroganten jungen Wirtschaftsanwalt, der bei der Vormundschaftsanhörung, in die er ohne Vorwarnung wie in kaltes Wasser geworfen worden war, die Fassung verlor und aus dem Gerichtssaal lief, als er erfuhr, dass es um die Vormundschaft für einen Jungen ging, dessen Mutter von ihrem Ehemann getötet worden war. Und sie sah, was sie gesehen hatte, als sie Lesley im Krankenhaus besuchte und Nick an ihrem Bett sitzen sah – einen zu sensiblen, zu verletzbaren, jungen Mann, der sein Engagement und seine Leidenschaft hinter einer emotionslosen Fassade und stoischem Verhalten verbarg.

Laurie lehnte sich zurück und schwieg und beobachtete Nick. Und als sie viel später aus der Küche zurückkam, das Geschirr im Geschirrspüler verstaut war; und sie Nick schlafend vorfand, den Kopf zur Seite gedreht und das Gesicht in die Rückenlehne der Couch gedrückt, berührte sie mit einem Lächeln seine Schulter. Als er sie schlaftrunken anblinzelte, dirigierte sie ihn herum, bis er auf der Couch ausgestreckt lag, ein Kissen unter dem Kopf und sie ihn mit einer Decke zudeckte. Sie schaltete das Licht aus, nahm seinen Mantel mit in den Flur und ging selbst schlafen.

* * *

Als sie am Morgen erwachte und leise ins Wohnzimmer trat, war die Couch leer bis auf das Kissen und die ordentlich zusammengefaltete Decke.


Ende


(Episode Summary: Nick Fallin finds himself the advocate for a 12-year-old girl, Lesley, who needs to be adopted by foster parents immediately in order to receive a heart transplant. Laurie Solt, a social worker for Legal Services (LS), is having trouble placing her due to the many demands of caring for a child with congenital heart disease. Inspired by Lesley's strength after she learns her current foster parents are unable to adopt her, Nick takes the search on as a personal campaign to save Lesley's life. As hope of finding suitable foster care fades, Nick decides that the only way to save Lesley's life is to become her legal guardian. Nick's supervisor at LS, Alvin Masterson questions Nick's ability to care for Lesley. Eventually, the judge does grant Nick legal guardianship.)